Einzelbild herunterladen

Gießener Zeitung

Bezugspreis 40 Pig. monatlich

-

( Neueste Nachrichten)

ertelfährlich 1,20 Mr., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 90 Pfg.- Erscheint Redaktion: Selters Mittwochs und Samstags. Für Aufbewahrung oder Rücksendung weg 83. sicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Berlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b..

-

Nr. 74.

Telephon: Nr. 362.

Politische Rundschau.

Deutschland.

Wild part, 13. Sept. Der Kaiser traf te nachmittag 4 Uhr mittels Sonderzuges aus dem lanövergelände auf der Station Wildpark ein. Zum mpfang hatten sich die Kaiserin mit der Prinzes= Biltoria Luise und Prinz Adalbert eingefunden. ach herzlicher Begrüßung begaben sich die Herrschaften dem neuen Palais in Potsdam. Der Kaiser ge­lt am Sonntag nach Wilhelmshaven zu fahren.

Höherer Kommandowechsel.

Aren Generalinſpetteur v. Eichhorn. Die bereits

von

Expedition: Selters weg 83.

Don

Samstag, den 14. September 1912. mandeur der 9. Division, ist zum Kommandeur Mainz ernannt worden. Weiter werden noch fol­gende Personalveränderungen bekannt: General der In­fanterie v. Bülow, Kommandierender General des 3. Armeekorps, zum General oberst befördert und mit dem 1. Oktober unter Belassung a la suite des 4. Garde- Reg. 3. F. zum Generalinspekteur der 3. Armee­Inspektion ernannt. General der Inf. von Hoepf ner, Inspekteur der Landwehr- Inspektion Berlin, wird zum 30. September von dieser Stellung enthoben und unter Verleihung des Großkreuzes des Roten Adleror­dens mit Eichenlaub und Schwertern am Ringe mit der Von gejeßlichen Pension zur Disposition gestellt. Lochow, Kommandeur der 2. Garde- Division, zum Kommandierenden General des 3. Armeekorps ernannt.

-

längerer Zeit als bevorstehend angekündigte Ernen­Oktavaus ng des fommandierenden Generals Exz. v. Eich­orn zum Generalinspekteur der neuen 7. Armeein­Über Landtion in Saarbrüden findet nunmehr seine Bestätig 28. Jahrgang on in zum 1. Oktober d. Js. wird Frankfurt die benswürdige Exzellenz verlieren, die noch stets bei Kriegsministerium. feten öffiziellen Veranstaltungen ihrer Repräsenta­Ge= onspflicht genügte, und die auch als trefflicher Jährlich erscheinen lid; affer gilt, dem auch der Sinn für prickelnden Hu­Preis jedes Sefte Or nicht mangelt.. Der neue Kommandeur des Der neue Jahren 8. Armeekorps, Generalleutnant v. S ch end, General­öffnet mit dem Momjutant des Kaisers, wurde am 11. November 1853 Georg Hirja Schloß Mansfeld als Sohn des Rittergutsbesitz­Der Kampf der Wilhelm v. Schend geboren. 1870 wurde er Leut­und der rotenant im Kaiser Franz Garde- Grenadier- Rgt. Nr. 2. darauf folgt eine ma nahm an dem Feldzug 1870-71 teil, wurde 1905 nende Erzählungeneralmajor und Inspekteur der Infanterieschulen, Emmi Le908 Generalleutnant und Kommandeur der 2. Garde­Die Rofe vocision und 1909 Generaladjutant des Kaisers, tom­daneben erzählende rendiert zum Kronprinzen. Exzellenz Scholz,

Schaffens und

Ernst Bahn- Geit 1908 Kommandeur der 21. Division, ist zum tom­Roda Roda endierenden General des neuen 20. Armeekorps Kahlenberg- Earnt. Er ist am 24. März 1851 in Flensburg als Palma- Sans Sthn des Superintendenten Fritz Scholtz geboren. 1870 In jedem Seft ec in das Feldartillerie- Rgt. Nr. 9 ein. 1899 wurde neuen Abteilung Kultur der 64 Chef des Generalstabes des 18. Armeekorps, 1901 über die Fortier 1903 Kommandeur der 25. Feldart.- Brigade, wichtigsten Gebieter 05 Generalmajor, 1906 Oberquartiermeister im Ge­eralstab der Armee, 1908 Generalleutnant und Kom­Reichstillendeur der 21. Division.- An seine Stelle als Di­und billigste ion stommandeur tritt Freiherr v. l- deutsche Men, bisher Generalmajor und Kommandeur der 4. Ka­allerie- Brigade. Er ist 1851 in Schönweide geboren. Der Gouverneur von Mainz, General der Kaval­Graf v. Schlieffen, wird von dieser Stellung Probebeft durch hoben und unter Belassung a la suite des Kürassier eiments Königin mit der gesetzlichen Pension zur Dis­pofition gestellt. Generalleutnant v. Kathen, Kom­

Abonnem

in allen Buchba

Poftan

taro gebr. zu fau Angev. m. Bro.

weber, Gießen,

Prima hochproc

Des Wilderers Rache. Erzählung aus dem bayrischen Hochland von Otto Landsmann. ( Nachdruck verboten.) Der Vater rief seine Kinder zu sich, legte ihre Hände inander und bat sie, am andern Tage ihre Hochzeit zu alten. Zwei Tage danach zogen Helena und Karl ihre

inge in Süden Schzeitskleider aus, um Trauergewänder anzulegen.

empfiehlt a

6.1. Kirche

Nach einiger Zeit tat Karl die nötigen Schritte, um He Stelle feines Schwiegervaters zu erlangen, und da hierfür nicht nur alle Vorbedingungen erfüllt hatte, Fulda ndern auch von seinem Oberförster aufs beste empfoh=

4-5 Mk.

leicht im Hause zu b

genen Rüdporto.

ter, Aachen

wurde, so wurde sie ihm, wenn auch vorerst in wi­beruflicher Weise, übertragen. Dieser Erfolg ließ Karl and Helena nichts mehr zu wünschen übrig. Ein Knabe, ben die junge Frau ein Jahr später gebar, setzte dem Bisherigen Eheglücke die Krone auf. Der Förster grün­bete die schönsten Hoffnungen auf den pausbäckigen Jungen, den er auf seinen Knien wiegte, und stellte sich

Ausschariden! Lezt schon vor, daß er einst, groß und start, seinen Va­

Kluge F

tet auf dessen Streifzügen begleiten und später selbst auch ein Forstmann wie er sein würde.

laufen feine werd art seine Frau in Tränen an: der Kleine hatte

fondern

befolgen me und verlangen mein reid illuftr. hy

Frauenbuch

in Brieim.( gefchlof

Tausende von

Auch Sie werden

Eines Abends, als er vom Revier heimkehrte, traf främpfe. Schnell wurde der Arzt geholt. Dieser, ein alter Herr, der schon seit zwanzig Jahren im Orte an­jig war, tam sogleich; als er das Kind sah, schüttelte aden Kopf, sagte jedoch nichts, sondern begnügte sich dant it, Lindenteebäder zu verordnen. Am nächsten Mör­gen erlag das Kind einem heftigen Anfall.

Dieses Ereignis versetzte die kleine Familie in tiefe Sauer. Lebrecht konnte sich über den Zusammenbruch der schönen Hoffnungen, in denen sein Vaterstolz sich wiegte, gar nicht trösten. Vier Jahre nach dem Tode Nam aab ihm den Namen Renata.

Wwe, Ells den das Leben.

Hebamme

Berlin, SW. 10,

-

Ferner sind zu Generalen der Infanterie befördert: Frhr. v. Lynder, General- Inspekteur des Militär- Verkehrswesens, Fürst v. Hohenzollern, von Jacob i, Präses der Generalordenskommission und v. Wachs, Direktor des Zentraldepartements im Prinz Eitel Friedrich von Preußen, bisher Major und Kommandeur der Leib­eskadron des Leibgarde- Husaren- Rgts., als Komman­deur des 1. Bataillons in das 1. Garde- Rgt. zu Fuß versetzt. 3 Generalleutnants sind beför­dert worden: die Generalmajore Wandel, v. Wind­Zu Ge ler, Freiherr v. Lüttlih, Sontag neralmajoren sind befördert worden: die Obersten Schmiedecke und Krusius. Prinz Fried= rich Wilhelm von Preußen ist zum Oberstleutnant befördert worden.

-

-

Ein Kampf der Reichspostverwa l- tung mit dem Leipziger Aerzteverband steht bevor! Die Reichspostverwaltung beabsichtigt, für ihre Unterbeamten und Angestellten besondere Keanten­fassen einzurichten. Der Leipziger Verband warnt die Aerzte, Stellen bei diesen Postkrankenkassen zu überneh­men. Er hat dem Reichspostamt schon seine Grundfor­derungen übermittelt und erklärt, daß, wenn die Reichs­post diese Forderungen nicht anerkenne, den neuen Kas­sen die ärztliche Hülfe verweigert werden würde. Diese Gri.ndforderungen bestimmen, daß alle Beamten, die mehr als 2000 Mt. Gesam teinkommen, nicht etwa nur Diensteinkommen haben, von den Kassen ausge= schlissen werden müssen. Jede einzelne ärztliche Leist­ung soll nach bestimmten Säzen bezahlt werden, mit die Höhe des ärztlichen Honorars völlig in das Belieben der Aerzte und der Patienten gestellt ist, welche die die Aerzte nicht unmittelbar zu bezahlen brauchen. Die Postverwaltung soll ferner alle Aerzte, namentlich organisierten Aerzte, bei diesen Kassen zulassen. Als

wo­

Die Geburt dieses Kindes erfüllte das Herz des Va­ters mit unaussprechlichem Glück. Gewiß, er hatte sei­nen Sohn geliebt, der ihm einst ein Freund, den er sich selbst herangebildet, hätte werden können und eine Stü­Be in seinen alten Tagen; dennoch aber hatte er sich von jeher nichts so sehnlich gewünscht als eine Tochter, denn eine Tochter gehört sozusagen mehr ihren Eltern als ein Sohn, der, wenn er einmal groß genug ist, seinen Weg einschlagen und deshalb das Vaterhaus verlas= sen muß, während eine Tochter meist bis zu ihrer Ver­Heiratung unter der direkten elterlichen Obhut verbieibt.

Kein Wunder daher, daß die kleine Renata, deren Ankunft den glühendsten Wunsch des Vaters erfüllte, seinen Abgott, Stolz, Glück und Seligkeit bildete und er mit ganzer Seele an ihr hing. Nie kehrte er von seinen Streifzügen durch das Revier nach Hause, ohne ihr im Dorfe irgendwelches Spielzeug, irgend eine Süßigkeit zu kaufen und sie damit bei seiner Heimkehr zu beschen­fen. Und wenn ihm seine Frau deshalb leisen Vorhalt machte, meinte er lachend: Ich bin halt zufällig vor­übergekommen, hab' die Sache im Auslagefenster gefe­hen und konnte der Versuchung, etwas zu kaufen, nicht wir haben ja nur widerstehen. Uebrigens, was tut's. ein Kind."

Eine der Hauptsorgen des Vaters war die Ausstener feiner Tochter.

" Ich will nicht," sagte er, daß Renata einst ohne etnen Pfennig heiratet. Ich werde tun, was mir mög­lich ist, ihr ein Vermögen, wenn auch nur ein leines, zusammenzusparen."

In München lebte ein ehemaliger Kamerad von thm. Dieser war, was man gewöhnlich einen Schwind­Ier nennt, aber Lebrecht wußte es nicht. Schon öfters hatte ihn derselbe in Staunen gesetzt, indem er ihm ein glänzendes Bild von dem ungeheueren Gewinn ent­warf, welchen er erzielen tönnte, wenn Karl ihm seine

( Gießener Tageblatt)

Anzeigenpreis 20 pfg.

die 44 mm breite Inseratenzeile.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pfg. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs. zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Plazvorschriften ohne Verbindlichkeit. Druck der Gießener Verlagsdruckerei.

Telephon Nr.: 862. 24. Jabrg.

letzte Forderung wird erhoben: Abschluß der Verträge mit der Aerzteorganisation. Die Reichspostverwaltung steht also vor der Entscheidung, ob sie auf die Erricht­ung der Postkrankenkassen verzichten oder einen Kampf mit dem Leipziger Aerzteverband aufnehmen will.

Defterreich.

* Wien, 13. Sept. Der König der Bulgaren ist im Laufe der vergangenen Nacht unerwarteter Weise mit seinen beiden Töchtern in Wien eingetroffen. Es besielt kein Zweifel, daß dieser Besuch des Zaren Fer­dinand mit der politischen Lage auf dem Balkan zu­farmenhängt.

Türkei.

Konstantinopel, 13. Sept. In der Stadt explodierte heute eine Bomb e. 4 Personen wur­den getötet, 17 verwundet. Das Revolutionsfomitee hat danach seine Drohung, daß es zum Bairamfeste von sich hören lassen werde, verwirklicht.

Japan.

Die Trauerfeierlichkeiten in Tokio haben mit einem erschütternden Drama begonnen. Am Sarge sei­nes Kaisers hat der General Nogi, der Held von Port Arthur, mit seiner Frau aus Schmerz um den Tod Mitsuhitos nach echt japanischer Weise Selbstmord Als die Zeremonie durch Harakiri begangen. ihren Anfang nahm, traten der greise Feldherr und Sie­ger in pielen Schlachten und seine betagte Gattin vor Das den Sarg des Mikado und verübten Harakiri. Entsetzen des Trauergefolges war grenzenlos, doch wagte sich niemand zu regen, um dem greisen Paare bei seinem Vorhaben Einhalt zu tun. Nogi hat ein Al­ter von 63 Jahren erreicht. Für seine Verdienste wurde er im Jahre 1895 zum Baron und im Jahre 1906 zum Grafen Marefute ernannt. Nogi wurde auch vom Deutschen Kaiser nach der Einnahme von Port Arthur der Orden Pour le merite verliehen.

Tokio, 13. Sept. Die Leiche d! s verewigten 8 Uhr aus dem Kaiserpalast nach dem Aoyamo- Parade­Kaisers Mutsuhito wurde gestern abend kurz nach feld gebracht. Beim Scheine eines auf dem Hofe bren­nenden Wachtfeuers und aufgesteckten Fackeln fuhr der unalter Sitte gemäß von fünf Ochsen gezogene Leichen­wagen zum Palasteingang, wo der Sarg aufgenommen wurde. Der Kaiser, die Kaiserin und die Kai­serinwitwe in altjapanischer Tracht( dunkelbraun und orange) mit aufgelöstem Haar, der Kronprinz, seine beiden jüngeren Brüder und der junge Prinz von Korea geleiteten den Sarg bis zum Portal, schlossen sich

Ersparnisse anvertrauen wollte. Bislang hatte dieser ein solches Ansinnen flugerweise zurückgewiesen. Nach der Geburt seiner Tochter erinnerte er sich dieses Ka­meraden, Konrad Elster mit Namen, und reiste alsbald nach München. Der war eben darüber, ein brillantes Geschäft zu eröffnen, welches, wie er sagte, all denen zum Glück gereichen würde, die Geld darin unterzu­bringen hätten. Karl setzte Vertrauen in seinen Freund Das waren und gab ihm fünf Tausendmarkscheine. seine Ersparnisse von fünf Jahren einschließlich der jenigen Vater Gebhards.

Zwei Monate später erhielt er einen aus Genf da­tierten Brief, in welchem ihm Elster seinen vollstän= digen Bankerott mitteilte und bemerkte, daß er, um der Verfolgung seiner Gläubiger zu entgehen, gezwungen gewesen wäre, in die Schweiz zu flüchten. Diese Nach­richt war ein Donnerschlag für den Förster: während er Reichtum erhofft hatte, blieb ihm jetzt nichts mehr als sein jährliches Einkommen und seine Familie. Er verlor indes den Mut nicht, sondern beschloß, es in Bu­funft nicht mehr zu schnell weit bringen zu wollen und sich auf die kleinen Ersparnisse, die er nach und nach machen konnte, zu beschränken.

Uebrigens brauchte er nur seine Tochter anzusehen, um jeden Verdruß und seine Geldsorgen zu vergessen. Die Kleine war die Frende, der Stolz der Familie; gleich der Schwalbe, welche, wie der Volksmund sagt, Glück dem Hause bringt, in welches sie ihr Nest baut, brauchte Renata sich nur zu zeigen, und sobald ihr blon­Der Kopf erschten, das Gezwitscher ihrer findlichen lichen Stimme tur Hause erklang, verschwand die Tran rigkeit von der Stirne ihres Vaters, der auf sie zuellte und sie leidenschaftlich in fetne Arme schloß.

Renata zählte damals zehn Jahre. Sett dret Jah­ren besuchte sie die Schnte, und der Lehrer bezeichnete ( ort.) fie als seine fleißigfte und beste Schülerin.