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Madrider Momentbilder.
formte Züge; thre dunklen Augen blitzen vor Aufregung und verraten dem Beobachter die Grausamkeit, die in der Seele dieser schönen, sonst so weichen, träumerischen Geschöpfe schlummert. In den Logen, die ringsum das Amphitheater krönen, hat die gesamte vornehme Welt der Hauptstadt Plaz genommen. Auch hier eine Fülle von Blumen und überall als Kopfschmuck die dekorative Mantilla. Es ist dies die einzige Gelegenheit, wo selbst die vornehmste Spanierin den modernen Hut verschmäht und sich dem Volke in der glänzenden uralten Tracht zeigt, die sonst nur mehr bei Hofe üblich ist.
Rosen winden sich um die Säulen der Logen, bedecken die Balustraden bis hinab zur Arena; hier und dort funkelt das spanische Königswappen in der Sonne; dazu die bunte tausend= köpfige Volksmenge, zu Häupten der strahlende, tiefblaue Himmel, zu Füßen die schimmernde Arena: wahrlich ein einzig schöner, unvergeßlicher Anblick.
vor Don Mazzantini, dem Präsidenten der heutigen Corrida, der von dem Palco un mittelbar neben der Königsloge das ganze Stiergefecht leitet.
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Dröhnender Applaus erschallt plötzlich von allen Seiten, man erhebt sich von den Sitzen, die Nationalhymne erflingt umgeben von einem glänzenden Gefolge ist der König in Admiralsuniform erschienen. Er tritt an die Brüstung und dankt lächelnd für die ungemein herzliche Ovation seines Volkes. Seine Züge leuchten vor Freude, es ist das Bild eines glücklichen Menschen. Jetzt ertönen Trompetenstöße; vier Herolde in altspanischer, Tracht reiten in die Arena und treiben die letz
Die Stierkampf- Arena in Madrid.
ten Säumigen hinaus. Allgemeine Stille ist eingetreten: aller Augen richten sich auf das große Einlaßtor ge= genüber der Königsloge. Wieder ein schmetterndes Signal, und es erscheint, vom brausenden Jubel des Volkes begrüßt der glänzende Zug des gesamten" Paseo de la Cuadrillas"( sämtlicher im Stierkampf auftretender Fechter).
Boran schreiten die drei Espadas in dem prächtigen, reich mit Gold gestickten Kostüm der Toreadors, das aller Welt durch Bizets unsterbliche Oper bekannt ist. Die dunkelroten Capas über die linke Schulter geworfen. Hinter ihnen folgen die zehn Banderilleros, die mit den kurzen Lanzen( Banderillas) ausgerüsteten Fechter, und Capadores, die das Spiel mit dem roten Mantel( Capa) ausführen, ebenfalls in glänzenden, Endlich goldverbrämten Kostümen. zu Pferde die sechs Picadores( Lanzenreiter) in der altspanischen Tracht Der Caballeros mit großem Krempenhut und eingelegter Lanze. Den Abschluß bilden rot und blau befrackte Diener mit den Maultiergespannen, welche die Kadaver der Pferde und die getöteten Stiere aus der Arena schaffen.
Begleitet vom lauten Jubel der Menge bewegt sich der glänzende Zug in langsamem, feierlichem Schritte durch die Arena, gerade auf die Königsloge zu. Jetzt machen sie Halt; den Hut in der hocherhobenen Rechten, die Capa in der Linken neigen sie das Haupt und grüßen ihren König. Dann verneigen sie sich
Der Escorial.
In weitem Bogen wirft er den Schlüssel zum Toril in die Arena. Die Corrida ist eröffnet.
Wie ein unzugängliches Zauberschloß erheben sich des Nachts die Silhouetten der Kuppel und der Turmnadeln des Escorials unter dem funkelnden Sternenhimmel Rastiliens, gehütet durch Wüsten und Bergfetten, im Panzer seiner Mauern, vier wachthaltende Riesen in den Ecken um ein hochragendes Heiligtum in der Mitte, das Tabernakel eines heiligen Grals, ein Gea häuse mystischer, unnahbarer Schätze. An gelehnt an die schroffe Gebirgskette der Sierra, deren Ausläufer nach Süden
im Blau verklingen, hinabblickend in die weite Ebene, wo zwischen Jagdgründen, Weidetriften, Ölwäldern, soweit der Blid reicht, Gruppen von Granitblöcken aus gesäet sind, als sei hier die Stätte einer untergegangenen, meilenweiten Weltstadt, von der nur eine Akropolis, ein Bau mit der Verheißung der Ewigkeit, geblieben ist. Aus verschiedenen Antrieben heraus ist der Plan zu dem Bau in Philipp II. entstanden. Der König hatte dem heiligen Laurentius als eine Art Genugtuung und Gewissensberuhigung ein Kloster gelobt, weil er bei der Belagerung von St. Quentin aus strategischen Gründen ein Kloster des Heiligen hatte zerstören müssen.
Das Königliche Palais in Madrid.
Die Bremer Schaffermahlzeit.
und Familien vertreten. Bei der diesjährigen Schaffermahlzeit, die am 9. Februar stattfand, waren( wenn es auch nur ein Zufall sein mag, doch ein interessantes Zeichen unseres modernen Wirtschaftslebens!) alle drei kaufmännischen Schaffer Vertreter von großen Aktiengesellschaften, nämlich der Direktor des Norddeutschen Lloyd, Regierungsrat a. D. Pezet, der Direktor der A.-G. Weser, Dr. Tetens, und der Geschäftsinhaber der Deutschen Nationalbank, Generalkonsul Hincke.
Die Einladungen zum Mahl haben nach Umfang und Gästen mehrfach gewechselt; es gab Zeiten, wo jeder bessere Fremde oder Seefahrer, der in Bremen weilte,
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ersten Gang für den üblichen Umtrunk in Frage. Auch auf die heutigen Verhältnisse paßt noch die Schilderung, die J. G. Kohl um die Mitte des vorigen Jahrhunderts von der Speisenfolge gemacht hat, noch heute sind neben dem Stockfisch die„, braune" und ,, weiße" Suppe, Braunkohl und Pinkel( eine Art Fettwurst), sowie eine bestimmte Sorte Kümmelfladen, die„ Seefahrtskuchen", ganz unerläßlich. Die Tafel ist dreigeteilt, wie eine Neptunsgabel. An jedem Flügel kommandiert ein kaufmännischer Schaffer mit seinen beiden neben ihm sitzenden Kapitänsmitſchaffern, die auch beim Reden sich mit ihm erheben. Die obersten Enden wer
Beim Schaffermahl im Speisesaal des Hauses Seefahrt.( X Graf Zeppelin.)
neben der ganzen Verwandtschaft und Freundschaft der Schaffer, neben Rat und Älterleuten, Konsuln und Beamten ohne weiteres willkommen war. Gegenwärtig ergehen Einladungen, soweit sie nicht fünftige Schaffer betreffen, nur an Auswärtige, vorab in den Nachbarländern Oldenburg, Preußen, Mecklenburg, Hannover, Lübeck und Hamburg. Zur diesjährigen Schaffermahlzeit war auch Graf Zeppelin erschienen.
Die Genüsse und Sitten an der Tafel haben, wenn sie auch einzelnen Wandlungen sich nicht entziehen konnten, sich ziemlich unverändert aus den alten Zeiten her erhalten. Das„ Seefahrtsbier", das früher das Hauptgetränk war, ist allerdings mehr und mehr dem Wein gewichen, doch kommt es auch jetzt noch beim
den von den Oberalten und von dem geschäftsführenden Vorsteher der Gesellschaft und den Ehrengästen eingenommen. Ueberall wird, wie einstens, die Vorstellungeiner Schiffsmahlzeit aufrecht erhalten, darauf weist die Ausschmückung des Saales mit den Flaggen der verschiedenen Nationen, die ganze Anordnung und selbst der Ruf des Vorstehers, der wie ein Rochsmaat an Bord die Gäste, die sich in der„ Großen Herrenstube" versammelt haben, die Eichentüren öffnend, zum Eintritt mit dem Sprüchlein auffordert:
,, Schaffen, unnen und boven! Unnen und boven schaffen!"
Der Toast auf das Reich, der seit 1803 abgeschafft war, ist als Kaisertoast seit 1871 wieder üblich geworden.


