Alle abgebildeten Modelle können leicht im Haufe gefchneidert werden
mit Hilfe von favoritfchnitten.
Zu beziehen durch die hiefige Verkaufsftelle: Alex. Salomon& Co., Schulftraße.
Das Reich der Frau.
Selbftanfertigung von Haus- und Morgenkleidern.
Daß unsere Kultur, verglichen mit der früherer Jahrzehnte, wirklich in jeder Hinsicht eine verfeinerte ist, gibt sich unter anderem auch in der Art und Weise kund, in der sich unsere Srauen felbst aus den einfacheren im Bause
Ständen kleiden.
Während man früher - fogar in guten bürgerlichen Kreisen- vielfach der Meinung war, im Bause sei alles gut genug,
Außer der Modell nummer gebe man bei Bestellung von Schnittmustern
der Internationalen Schnittmanufaktur zu Dresden- n. 8, 29-31 als Maß an: für Taillen die Hälfte der Oberweite, für Röcke die. ganze Hüftweife, die, wie die nebenítehende Abbildung zeigt, zu nehmen find.
11, XXIII.
Nr. 1359. Morgenrod oder Bauskleid mit Rüdenfalte. Die Streifenmode macht sich überall geltend, in der Gesellschaft sowohl als auch auf der Straße und im Bause. Auch an diesem Vorbild fritt sie in dem grün- und weißgeftreiftem Velour vorteilhaft hervor. Die blufige Taille mit den Blusenärmeln kennzeichnen es als bequemes ausgewand, und der schwarze Schalkragen, Gürtel und die Aermelmanschette bilden einen hübschen lyspuz, ebenso wie der kleine Latz und Stehkragen aus Spitzen. Stoffverbrauch bei 1,20 m Breite&. Schnitt zu beziehen in 44, 48, 52, 56 cm halber Oberweite für 1 M.
Nr. 1383. Morgen- oder Bauskleid. Brauner Kaschmir, braun und weißgestreifte Seide, bunte Stickereikanten und eine dunkelbraune Büßerschnur bildeten das Material zu diesem gefälligen Vorbild. Wer die sichtbaren Quetschfalten, die bis zum Saum hinunterreichen, nicht liebt, kann das Kleid auch ohne diese arbeiten und in diesem Salle quay die Schnur fortlassen, wodurch es den Charakter eines Morgenkleides fast ganz verliert. Der hübsche, aus Seide gearbeitete Kragen harmoniert mit der 2lermelmanschette, während die Befahsireifen takarlig das Vorderteil und die Unterarmel zieren. Stoffverbrauch bei 1,10 m Breite 4,50 m. Schnitt vorrätig in 44, 48, 52, 56 cm halber Oberweite für 1 m. Sämtliche Modelle lassen sich gut aus alten Kleidern herstellen. Bei der Verwendung verschie dener Stoffe kann am unteren Rock ein breiter Ansah etwa von schlichtem Stoff gemacht werden, während der übrige Teil aus gestreiftem, geblümtem oder gepunktem besteht; auch an der Vorder und Rückenbahn läßt sich ein andersfarbiger Cinfak anbringen. So kann man auf die verschiedenste
Weise 2lltes in Neues" umwandeln, ohne große Kosten, nur mit etwas Erfindungsgabe, Geduld und Ausdauer, und wo sich diesem Trio noch ein erlesener Geschmack hinzugefellt, wird sicher Brauchbares zutage gefördert.
Echte Sedern.
Wohl in keinem Beitalter gab es eine so starke Nachfrage nach echten Sedern, besonders nach Straußfedern, wie in dem jetzigen. Die Industrie bemächtigte sich dieses beliebten Butschmucks in den letzten Jahren mit be sonderer Vorliebe und durch die Einführung der geknüpften Sedern, die den Tamen Pleureusen erhielten, nahm der Umsatz des genannten outputzes noch zu. Obwohl man dafür agitierte, diese Mode wieder abzuschaffen, behaupten fich die gefälligen, wogenden Pleureuſen trotz alledem. Ja, sogar trotz der Einführung des krassesten Gegensatzes dieser langwallenden, stark gekräuselten Sedern, nämlich der ganz glatten, ungekräuselten Straußfeder, die man in drei und vier großen Eremplaren flach auf den But gelegt sieht, eine mode, die als höchst ungraziös zu bezeichnen ist und den Eindruck hervorruft, als ob die Sedern verregnet seien.
Um nun die starke nachfrage nach echten Straußfedern einigermaßen zu decken, führte man auch in Europa Straußzüchtereien ein, die sich anscheinend gut rentieren, so daß sich voraussichtlich bei diesem Artikel in absehbarer Zeil Nachfrage und Angebot das Gleichgewicht halten werden.
nicht so einfach ist der Ausgleich zwischen Nachfrage und Angebot bei den echten Reihern, deren zunehmende Selten heit gerade bei der jetzigen mode, die hohe Sedergestecke bevorzugt, schmerzlich empfunden wird. Die Jagd auf Reiher federn hat fast überall die Befürchtung des gänzlichen Aussterbens der Reiher zur Solge gehabt, und man versucht deshalb, fich mit der weniger wertvollen Gurrahfeder zu behelfen, die dem echten Reiher natürlich bedeutend nachsteht, obgleich fie oft unter dem Namen Reiher in den Kauf kommt.
Nr. 1381. Loses Atmono- Morgenkleid.
Nr. 1371. Kimono- Morgenkleid.
so daß die Hausfrau nicht allzuviel Sorgfalt auf ihre Bauskleidung verwandte und oft alte, vertragene, unmoderne Straßenkleider im Bause auftrug, bemüht fie fich jetzt, auch im engsten Samilienkreise im netten Gewand zu erscheinen.
Die für die Straße und Gesellschaften aus irgend einem Grunde unbrauchbar gewordenen Kleidungsstücke brauchen deshalb nicht achtlos beiseite gelegt zu werden, im Gegenteil, wenn der Stoff und die sonstigen Butaten es noch wert sind, frische man sie auf und arbeite fie fürs Baus um.
Es gibt Srauen, die wahre Künstlerinnen im Aufarbeiten alter Garde. robe sind und sozusagen alles verwenden können. Ihr größter Stolz ist es, wenn Bekannte und Sreundinnen es einem umgearbeiteten Stück nicht auf den ersten Blick ansehen, daß es aus Altem" gemacht ist. Die Be merkung:" Es sieht wie neu aus," klingt ihrem Ohre wohl und spornt sie steis aufs frische an:" Nichts umkommen zu lassen," sondern selbst das Unscheinbarste zu verwenden, wenn es irgendwie noch brauchbar ist.
Die heutige Mode, die es gestattet, daß wir aus zwei, ja drei_ver. schiedenen Stoffen ein Ganzes" herstellen, sofern kein mißton in der Sarbe dadurch entsteht, begünstigt den Sparsamkeitssinn dieser Damen ganz besonders. Allerdings bedürfen sie der An ng, um wirklich Gutes schaffen zu können, womit nicht gesagt sein soll, daß alles schablonenhaft kopiert werde, durchaus nicht! Gute Vorbilder lassen einem erfinderischen Geist weiten Spielraum," Eigenes" dem Gebotenen hinzuzufügen oder das Gegebene dem persönlichen Geschmack anzupassen und ihm dadurch erst Wert zu ver. leihen. Das Reich der Srau" bemüht sich in jeder Hinsicht, denen, für die es ins Leben ge. rufen ist, also den Srauen, ein Ratgeber zu sein und sie mit Hilfe der dort angegebenen Schnitte zu befähigen, Neues selber zu schneidern und Altes nach den Vorbildern zu modernisieren.
v. 5602. Reformtleid.
Besonders aus, und morgenkleider sollte jede Srau, die die Zeit dafür erübrigen kann, selber anfertigen, sie wird viel dadurch sparen und sich infolgedessen vielleicht besser kleiden können, als ihre Kasse ihr sonst erlauben würde, und da trotz der Verteuerung aller Lebensmittel große Ansprüche an die Toiletten der Damen gestellt werden, mit denen sie-wenn auch in den bescheidensten Grenzen doch einigermaßen Schritt halten müssen, sollte jegliche Gelegenheit zum Sparen nach Möglichkeit ausgenutzt werden. B. Grube.
Beschreibung der Bilder.
Nr. 1381. Unser Vorbild wurde aus rotem Kaschmir gearbeitet und mit schwarz- und rot gepunktem Stoff besetzt, so daß die Blende am Hals, der breite, einseitige Revers und der Aermel besatz daraus gearbeitet wurden. Es ist seitlich mit einem großen Knopf geschlossen und zeigt einen freien salsausschnitt. Wer das Ausgeschnittene in der kälteren Jahreszeit nicht liebt, kann es auch hochgeschlossen arbeiten und außerdem einen Gürtel dazu tragen, falls das lofe hängende nicht genehm ist. Stoffverbrauch bei 1,10 m Breite 3,75 m. Schnitt vorrätig in 44, 48, 52, 56 cm halber Oberweite für 1 m.
Nr. 1371. Dieses gefällige Kimonomorgenkleid ist aus blau und weißgestreiftem, mit schwarzen Punkten durchsetztem Barchent hergestellt. Es fällt ebenfalls lose aus und ist besonders kleidsam durch den hübschen, breiten, an der einen Seite überfallenden Kragen aus geblümter Seide, dessen dunkelblaue Umrandung sich recht vorteilhaft abhebt. Die manschetten der dreiviertellangen Blusenärmel stimmen mit dem Kragen überein und ein Spitzenlatz füllt den spizzen Ausschnitt. Stoffverbrauch bei 1,20 m Breite 6,50 m. Schnitt zu beziehen in 44, 48, 52, 56, 60 cm halber Oberweite für 1 m. Nr. 5602. Reformkleid. Als praktisches Hauskleid ist dieses Modell für alle die Reformtracht liebenden Damen sehr zu empfehlen und kann in der vorstehenden Ausführung auch als Straßenkleid Derwendung finden. Es wurde aus 5 Bahnen zugeschnitten und hat eine Weite von 2 m. Das dazu verwandte Material bestand aus grünem Serge, schwarzem Samt und schwarzen Soutachelitzen. Die Dorderbahn erhielt unten einen Besatz von Samt und Soutachelizen, aus dem gleichen Material wurden auch der hübsche eckige Kragen, der Einsatz, Aermelbesatz und Gürtel gefertigt, während der viereckige Ausschnitt durch einen Spitzenlatz gedeckt wurde; aus Spitzen ist auch der bis an den Ellenbogen sichtbare untere Aermel geformt. Stoffverbrauch bei 1,10 m Breite 3,85-4 m. Schnitt erhältlich in 44, 48, 52, 56 cm halber Oberweite für 1,25 m. Soutachemuster für Größe 44, 48, 52 unter Nr. 31 373 für 60 Pf.
In New York ist nicht nur die Jagd auf die jetzt seltenen Vögel gesetzlich verboten, sondern es wird dort auch das Verkaufen und Tragen von Reiher. federn mit 60 Dollar be. straft, und sogar Gefäng nisstrafen werden über die verfügt, die das Gesetz wiederholt übertreten. Obs hilft, ist allerdings eine andere Srage. Jedenfalls daß überall gleiche, ener wäre es wünschenswert, gische Mittel ergriffen würden, um das Aus. sterben der edlen Reiher zu verhindern, und ohne Anhänger der Liga gegen das Tragen von Vogelfedern zu sein- denn sie sind nun einmal ein reizender Butschmuck sollten wir auf das Erwerben von Reiherfedern vorläufig verzichten. Diejenigen aber, die noch im Besitz dieses immer kostbarer werdenden Schmuckes sind, mögen sich dessen erfreuen und ihn sorgfältig behandeln, denn allem Anscheine nach wird dieser Kopfputz bald zu den unerschwinglichen Seltenheiten gehören. ks. G.
Nr. 1359. Morgenrod oder Bauskleid.
Goldene Worte.
So wenig du versäumen sollst, abwechselnd die Einsamkeit zu suchen, so wenig fliehe die Gesellschaft. Du lebst, um unter Menschen zu sein.
Bei Völkerdifferenzen spielt der dehnbare Begriff nationale Ehre" regelmäßig die Hauptrolle; regelmäßig soll sie auf beiden Seiten verletzt sein.
Av. 1383. Morgenkleid mit Atmonoärmeln.
Frauen! Emplebli bei den Geſchäftslenten die
Beachtet, lefet und abonniert die
Giessener Zeitung"
Beachten Sie bitte auch
unsere Osterausstellung.


