Ausgabe 
13.3.1912 Zweites Blatt
 
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Dosen à 20 Pfx.

Gießener Zeitung

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( Neueste Nachrichten)

Bezugspreis 40 pfg. monatlich verteljährlich 1,20 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 90 Pfg. Erscheint Mittwochs und Samstags. Redaktion: Selters­weg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

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Nr. 21.

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( 2. Blatt).

Der Bergarbeiterstreik im Buh kohlen. bezirk hat begonnen!

Samstags liegt für die Stadtabonnenten der

Illustrierte Wochen- Anzeiger

gratis bei.

Expedition: Seltersweg 83.

Mittwoch, den 13. März 1912.

hänger der streiffeindlichen Organisationen gegenüber­stehen.

Warum wird gestreikt?

Aus dem Ruhrbezirk wird uns geschrieben:

sammlung auf einer der bedeutendsten Zechen hat nach In einer jüngst abgehaltenen Arbeiterausschußper früheren und jetzigen Stand und Löhne sowie über die vorhergehenden Ausführungen des Vorsitzenden über den Aussichten auf weitere Lohnsteigerungen bei anhaltender guter Konjunktur ein Arbeiterausschußmitglied sich fol­gendermaßen geäußert:

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Ich habe die Niederrheinische Arbeiterzeitung" bei mir, woraus ich ersche, daß auf unserer Anlage die Durchschnittslöhne bedeutend besser stehen, als die Zeitung fie angibt, auch in den einzelnen Arbeiter fategorien. Wir erkennen auch an, daß am 1. März eine weitere Lohnsteigerung stattgefunden hat und auch durchweg, wenn auch einzelne Klagen über Löhne laut werden, man die gesteigerten Lohnverhältnisse auf unserer Anlage anerkennen muß. Jedoch sind die Lebensmittel derartig gestiegen, daß auch selbst mit den erhöhten Löhnen man noch manchmal Klagen hört.

Im Anschluß daran hat ein anderes Ausschußmit­lied folgendes vorgebracht:

Damit tritt eine nicht zu übersehende Schädigung des Wirtschaftslebens in einem Augenblick ein, wo die noch durch den englischen Bergarbeiterstreik verschärfte Gunst der Marktlage die Hoffnung aufsteigen ließ, nach den überwundenen schlechten Zeiten für unsere Montan­industrie nunmehr große Summen für unser National­vermögen gewinnen zu können. Daß hierbei auch der Bergarbeiterschaft eine wesentliche Verbesserung ihrer wirt­schaftlichen Lage erwachsen wäre, zeigen die ständig stei­genden Lohnziffern der letzten Wochen, die jetzt schon auf vielen Zechen den Stand zur Zeit der Hochkonjunk­fur von 1907 überschritten haben und an deren wei­terem Steigen bei Fortdauer der günstigen Wirtschafts­lage kein Zweifel herrschen kann. Hierüber ist sich auch der von dem Gewerkverein christlicher Bergarbeiter, den Werkvereinen und den evangelischen Bergarbeitervereinen vertretene Teil der Bergarbeiterschaft des Ruhrkohlenbe= zirks, der mit 70 000 von insgesamt 350 000 zu ver­anschlagen ist, flar geworden, wie aus dem ablehnen­den Standpunkt hervorgeht, welchen diese Vereinigungen gegenüber dem geplanten Streif zur Schau tragen. An­ders natürlich die radikalen Elemente, die wie so oft schon die Stärkung ihrer Umsturzpläne über das Wohl ergehen der von ihnen vertretenen Arbeiter stellen, und den jetzigen Zeitpunkt für geeignet erachten, den Werks­besitzern die Erfüllung maßloser und gänzlich undurch­führbarer Forderungen durch einen Streif abzuzwingen, ohne Rücksicht auf Not und Elend, das ihrer verblen­deten Gefolgschaft anstelle des sicheren Mehrverdienstes bevorsteht. Daß diese Elemente Rücksichten auf das Ge­meinwohl nicht kennen, ist eine längst feststehende Tat­sache. Umsomehr aber bleibt zu wünschen, daß die Re­pierung diesmal im Gegensatz zu ihrem 1905 gezeigten Verhalten an ihrem bei den letzteren kleineren Ausstands­bewegungen eingenommenen Standpunkt absoluter Neu­tralität festhält und vor allem ihrer wichtigsten Aufgabe, einen durchaus hinreichenden Schutz der Arbeitswilligen gegenüber dem Terrorismus der Radikalen mit allen verfügbaren Mitteln durchzuführen, in vollem Umfang Diesen Ausführungen haben sich die anderen Aus­gerecht wird. Daß die Frage des Arbeitswilligenſchut- schußmitglieder, soweit sie dem alten Verband angehö­zes in dem bevorstehenden Streik von ganz besonderer ren, angeschlossen, während die dem Gewerkverein christ­Bedeutung werden wird, geht schon daraus hervor, daß licher Bergarbeiter angehörenden, sowie die von den un­die Anhänger der in dem sogen. Dreibund vereinigten organisierten gewählten Arbeiterausschußmitglieder die radikalen Bergarbeiterorganisationen mit insgesamt et= vorgebrachten Auffassungen energisch bekämpft und sich wa 100 000 Mann bei weitem nicht den 3. Teil der gegen einen Streik ausgesprochen haben. Gesamtzahl der Bergarbeiter des Ruhrbezirks ausma­chen, denen noch dazu die oben genannten 70 000 An­

Swei Urkunden über die Qualität:

Der

DERARBEIT

Sachs Staatspreis Goldene Medaille Int. Hygiene Thieft. Oftienfche Musstellung Dresorn 1911 Pofen 1911

SALEM ALEIKUM"

und

SALEM GOLD"

Preis

( Goldmundstück)

Cigaretten

N: 3 4 5 6 8 10

3 4 5 6 8 10 Pf. d. Stck.

Die Lohnverhältnisse sind besser als auf man­chen anderen Anlagen. Es handelt sich in diesem Jahre nicht um einen Lokalstreik; würde ein solcher beabsichtigt sein, so würde ich dafür eintreten, daß un­sere Belegschaft nicht mit in den Streik hineingezogen wird. Es handelt sich hier aber um einen General­streik, allerdings nicht um einen Sympathiestreit, etwa den Engländern zu Liebe. Der Streik ist von der Organisation aus angeregt, und falls er proklamiert wird, muß man als organisier­ter Arbeiter mit in den Streik treten. Es handelt sich bei diesem Streik um die Disziplin, die man seiner Organtsation gegenüber schuldig ist, nicht etwa Differenzen und Beschwerden der hiesigen Zechenver­waltung gegenüber."

um

Also Grund zum Streifen haben wir nicht, aber streifen tun wir doch, denn die Parteileitung hat es so befohlen.

Kommentar überflüssig!

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 13. März 1912.

o Homberg. Justizrat Weidig beging am 10. März in geistiger und körperlicher Frische seinen 80. Geburtstag. Troz seines hohen Alters ist Weidig noch in seinem Amte tätig.

V

o Bad Nauheim. Hier erregte die Verhaftung des Gasthofsbesitzers Zum Ritter", der im Verdacht der Brandstiftung steht, großes Aufsehen.-

Wichtige Worte an unsere Frauen.

Frauen ohne zeitweilige Beschwerden gibt es wenige. Von Kindheit bis zum Alter scheint Leiden ein Teil der Frau zu sein. Vielfach hört man sagen, ich bin nicht mehr so stark wie früher und fürchte, daß ich so nie mehr sein werde." Es liegt dies in dem Blutzustande, welcher seine richtige Beschaffenheit nicht hat und da durch das Nervensystem sowie der ganze Körper mangel­haft gespeist wird.

Frauen und Mädchen in den Uebergangsjahren unter­liegen vielen Störungen, welche speziell auf das Blut und die Nerven zurückzuführen sind, und kann Leciferrin nicht hochgenug geschäzt werden. Reciferrin ist ein Prä parat, welches bon anerkannt vorzüglicher Wirkung ift, um das Blut in einen gesunden, kräftigen Zustand zu bersetzen, dessen Cirkulation zu heben, sowie die Nerven zu kräftigen und den ganzen Körper widerstandsfähig zu machen. Vielfach erprobt und von Autoritäten ber ordnet.

Leciferrin( Ovo Lecithin- Eisen) kostet Mt. 3. die Flasche. Beim Einkauf achte man genau auf das Wort Leciferrin. In Apotheken erhältlich, ganz sicher von: Universitäts Apotheke und Hirsch Apotheke in Gießen.

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( Gießener Tageblatt)

Anzeigenpreis 20 pfg.

die 44 mm breite Inseratenzeile.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pfg. Extrabetlagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs­zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Druck der Gießener Verlagsdruckerei.

Telephon: Nr. 362.

24. Jahrg.

o Friedberg. Seit dem 6. d. Mts. wird der 16 Jahre alte Schüler Jesko v. Puttkammer aus dem Luziusschen Knabeninstitut Echzell vermißt. Es wird angenommen, daß er planlos um herirrt. Er ist 1,65 Meter groß, hat frisches Gesicht, etwas breite Nase, blonde Haare, war bekleidet mit graufariertem langen Strümpfen und Schnürschuhen und trug eine Joppenanzug mit Gürtel, sogn. Pumphose, schwarzen graue runde Sportmüße zum Herunterziehen.

zirkskriegertag wird am 16. Juni in Herborn tagen und ):( Rodheim a. d. Bieber. Der nassauische Be­das Kreiskrtegerverbandsfest soll am 14. Juli in der Kreisstadt Biedenkopf gefeiert werden.

):( Weidenau. Die als Radaubrüder allgemein bekannten und gefürchteten Klempner Karl Münker und Maurer Karl Daup überfielen den Polizeiwachtmeister Kassubeck und den Polizeisergeant Haardt. Die beiden pflichttreuen Beamten wurden wie tot vom Platze ge­tragen und schweben bis zur Stunde noch in Lebens= gefahr. Sie haben zahlreiche Messerstiche erhalten.

):( Frankfurt a. M. Von hier aus sind zwei Kommissare, 4 Wachtmeister und 160 Schutzleute, aus Wiesbaden 2 Wachtmeister und 48 Schutzleute nach dem Ruhrrevier beordert. Aus Kassel sind zwei Wachtmeister und 40 Schutzleute abgereist. Ihr Reiseziel sind Gelsenkirchen und Recklingshausen.

hier

s Darmstadt. Die dritte Verhaftung, die mit dem Zusammenbruch des Nieder- Modauer Sparvereins in Verbindung steht, wurde heute vorgenommen. Auf Veranlassung des Untersuchungsrichters nahm man den 50 Jahre alten Privatmann Moses saak von fest, der zahlreiche Geldgeschäfte aller Art masste und bei den letzten Manipulationen der Nieder- Modauer Kasse die Hände im Spiel hatte. Es sollen gefälschte Wechsel in Höhe von über 3 Millionen Mart bis jetzt festgestellt sein.

s Darmstadt. Am Montag vormittag fand im Polizeiamtsgebäude eine Konferenz der hessischen Poli­zeiverwaltungsvorstände unter dem Vorsitze des Regier­ungsrats Gennes statt, zu der sich außer den Vorstän­den der Polizeiverwaltungen von Alzey, Bad- Nauheim, Gießen, Mainz und Worms auch Provinzialdirektor Fey, Kreisamtmann Emmerling von Worms, sowie sämtliche Oberbeamten des Polizeiamts Darmstadt ein­gefunden hatten.

Geschäftliches.

)( Wer sich für Tee interessiert, versäume nicht von der bekannten Importfirma Me ß mer, Zentrale Frank­furt a. M., die neue reich illustr. Abhandlung gra= tis und franko einzufordern. Sie enthält eine an­schauliche und unterhaltende Schilderung des Handels in Tee und der Tätigkeit der Teeleute in China und In­dien.

Knorr­Hafermehl

und

Reismehl

sind als zuverlässige Nähr- und Kräftigungsmittel selbst dann noch erfolgreich gewesen, wenn manches andere nutzlos war.

Der heutigen Nummer liegt eine Extrabeilage der Firma Dr. med. H. Schröder G. m. b. H., Berlin 35, bei.