Ausgabe 
13.1.1912 Erstes Blatt
 
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Befinger Depeschen fagen fast übereinstimmend die Ab­

DieWiederkehr Delcafés, des Kriegshehers. bantung der Mandschu- Dynaftte voraus. Es soll ver­

Der bisherige französische Kriegsminister Delcaffee wird wieder Minister des Auswärtigen werden. Da­mit fommt, wte der Korrespondenz Heer und Polittt" von militärischer Sette geschrieben wird, Frankreichs größter Kriegsheber wieder auf diesen verantwortungs­vollen Posten, den er am 6. Juni 1905 verlassen mußte. Die Reden, die Delcassee als Marineminister gegen Deutschland gehalten hat, sind verhältnis belanglos ge­gen die Pläne, die er als Minister des Auswärtigen geschmiedet hat. Er ist bekanntlich derjenige, der dte ganze Maroffoangelegenheit in Bewegung brachte. Er bat indirekt auch den Krieg in Tripolis verschuldet, da er Tripolitanten in einer Abmachung mit Italien die fem Staate überlassen hatte, um in Maroffo fret wirt­fchaften zu können.

einbart werden. daß der funge Katser, so lange er in China bleibt, mit den Ehren behandelt werden wird, die einem fremden Fürsten zukommen würden. Der Sommerpalast bet Beting und der Palast von Johel follen ihm auch nach der Absankung zur Verfügung bleiben, ferner soll ihm eine ausfömmliche Pension be= willigt werden. Die Prinzen follen Titel und Eigen­tum behalten. Den Mandschus, Mongolen, Mohamme= danern und Tibetanern sollen alle Rechte der Chinesen gesichert bleiben. Das tatferliche Haus soll sich mit die­fen Bedingungen bereits einverstanden erklärt haben. Ob mit der Abdankung des Katserhauses aber der Bür­gerkrieg beendet sein wird, ist mehr als zweifelhaft.

Die ganze Gefährlichkeit des Treibens dieses Man­nes geht aus den Ereignissen hervor, die sich während der Sigung des Ministerrats am 6. Juni 1905 furz vor der Demission Delcassees abspielten. In der Minister­ratssigung war zur Sprache gekommen, daß Deutsch­land bei Ablehnung etner Marokkokonferenz hinter dem Sultan stehen würde. Auf diese Mitteilung des Ministerpräsidenten Rouvier forderte Delcassee den Krieg mit Deutschland, da er mit England eine militä­rische Vereinbarung in Aussicht habe, durch die Deutsch­land gebändigt werden könnte. Der Kriegsminister Ber­teaux widersprach der Minister des Auswärtigen aufs eneratschste, de er für die Rüstung Frankreichs nicht einstehen könne. Besonders die Grenze im Osten fet entblößt. Aber Delcaffee Iteß sich dadurch nicht ein­schüchtern und erklärte, daß ein Krieg mit Deutschland unvermeidlich fei, und daß der günstigste Augenblick ge= fommen set. Er forderte in einer großen Rede die Ab­fehmung der Konferenz. Die Minister aber waren durchaus anderer Ansicht und der Ministerrat beschloß, daß die Konferenz beschickt werden müsse. Daraufhin nahm Delcaffee seinen Abschied.

Damals erklärten die Zeitungen, daß Delcoffee es mit vollem Bewußtsein dahin getrieben habe. daß Frank­reich in einen Krieg mit Deutschland verwickelt werde. Als Delcaffee zu'n Mariaeminister ernannt wurde, frag­te eine französische Zeitung, ob man denn wieder über das Land die ungeheuren Schwierigkeiten bringen wol­le, die dieser Mann mit seiner ungestümen Bolitik stets flir Frankreich schaffe. Was die Zeit bringen wird, wenn Delcassee wieder Minister des Auswärtigen ist, steht noch dahin. Stcher ist aber, daß dann die Marokkoan­gelegenheit, die wir bereits beendigt glaubten, noch lan­ge die Gemüter beschäftigen wird, und daß noch manch schwere Entscheidung uns bevorsteht.

Rundschau oom Cage.

Politisdes

Nach Londoner Berichten wird heute aus Schang­hat gemeldet, daß am 15. Januar, dem Tage, an dem der Waffenstillstand abläuft, der Vormarsch der Revo­lutionäre auf Befing begonnen wird, falls bis dahin der Thron nicht abgedankt hat.

Ein Wechsel im Gouvernement von Kamerun scheint neben demjenigen in Ostafrifa und Samoa neu­erdings in den Bereich der Möglichkeit gerückt zu sein. Der Gouverneur von Kamerun Dr. Gleim ist nämlich, wie der Beri. Lot.- Anz." von einer ihm versönlich nahestehenden Sette erfährt, vor einigen Tagen frank in Berlin eingetroffen. Der Gouverneur letdet an schwerem Rheumatismus im rechten Bein und hatte außerdem jüngst einen Anfall von Schwarzwasserfieber durchzumachen. Man wird wohl annehmen dürfen, daß unter diefen Umständen die Rückkehr des verdienten Gouverneurs nach Kamerun ernstlich in Frage gestellt 1st.

Die Ankündigungen über eine Reife des deutschen Kaiserpaares nach England werden jetzt vom Londoner Globe" wieder aufgenommen. Wie die Nene politi­sche Correspondenz" schreibt, ist kein Anlaß, sich mit die­fen Gerüchter näher zu beschäftigen, da zwischen den in Betracht kommenden deutschen und englischen Stellen über einen Besuch des Kaiserpaares in England nichts vereinbart worden ist..

Ministerkrisis in Bayern in Aussicht? Der Tgl. Rofch." wird aus München gemeldet: In Bayern be­rettet sich, wenn nicht alle Zeichen trügen, wiederum eine Ministerfrists vor, und zwar ist diesmal das Op­fer der Kultusminister von Wehner. Der Gegenstand des gegenwärtigen Streites zwischen Regierung und Zentrum ist der Jesuitenerlaß des Kultusministers. Das Zentrum beruhigt sich auf feinen Fall und die Slut­griffe in der Zentrumspreffe gegen den stultusminister mehren sich und werden in der arm immer schärfer.

Kleine Nachrichten.

Die Ausstände und Anssperrungen in der welt: deutschen Zabatindustrie, von denen rund 13 000 Ar­better betroffen waren, sind beendet, do die Bevollmäch­ttaten der Tabafarbelierorganisationen den unter Ver­mittlung des Landrats von Minden zustande gekomme= nen Vorschlägen der beteiligten Arbeitgeberverbände zugestimmt haben.

Blutiges Eifersuchtsdrama. Im luxemburgischen Grenzorte Huffilny feuerte der Arbeiter Sell aus Et fersucht auf seine Frau und zwet Kostgänger sechs Schüffe ab. Der eine Kostgänger wurde getötet, der an dere und die Frau wurden lebensgefährlich verletzt. Ein neuer Flugplag. Die Stadtverordneten von Gelsenkirchen bewilligten für ein großes bet Gelsen firchen zu errichtendes Flugplaßunternehmen für den rheinisch- westfälischen Industrtebezirk 100 000 Mart.

Die Untersuchung in der Goblenzer Spionageaffäre wird mit einer außerordentlichen Diskretion geführt. Es verlautet, daß die Fäden einer weitverzweigten Spionage bloßaelegt worden sind, die anscheinend auf die Erspähung der Geheimnisse der Festung Ehrenbrett­stein abzielen. Bestimmte Nachrichten sind darüber nicht zu erhalten, da an zuständiger Stelle das strengste Stillschweloen beobachtet mird.

Die franzöfifche Ministertrists wird in Paris als eine reine Inlandfrise angesehen, die weder die An­nahme des Maroffovertrades, noch überhaupt die Be ziehungen Frankreichs zum Auslande berühren könne. Alle Politiker halten es für wahrscheinlich, daß der Se nat den Vertrag Ende nächster Woche annehmen wird. In Kreifen, die dem Elysée nabestehen. wird behaup= tet. daß Bräsident Fallieres bisher die Grnennung Del­caffees zum Minister des lukern deshalb noch nicht unterzeichnete, weil ihm Delcaffees Rückkehr in das Ministerium unter den gegenwärtigen Umständen als inopportun erscheint. Man weiß übrigens nicht, ob die fommende Kabinettbildung eine endgültige oder ob sie bloß bestimmt sein soll, die Maroffofrage ins Retne zu bringen.

Brand im Chicagoer Handelsamt. In Chicago brach in dem Handelsamt gestern nachmittag ein Feuer aus, das auch den Fahrstuhlschacht hinter der Produk­tenbörse ergriff. Als dichte Rauchwolfen in die Bör­sensäle drangen, brach unter den Börsenbesuchern eine Pantt aus. Bei der Flucht aus dem Gebäude wurden mehrere Personen verletzt. Die Produktenbörse Chica­go ist die größte der Welt.

Der älteste Reichstaaswähler überhaupt dürfte der 108 Jahre zählende Altsitzer Janaz Dambrowski in Bronifan. Kreis Neumark( Westpreußen), fein.

Beim Rodeln verunglückt ist aestern abend in Erfurt die Kontortstin Leiphold. Der herbetgerufene Arzt stellte eine schwere Gehirnerschütterung sowie Quetschungen im Gesicht und Brust fest. Der Zustand der Verunglückten ist sehr ernst.

Ein flamesischer Brinz in der deutschen Flotte. Der der Hauptkadettenanstalt zu seiner Ausbildung über­wiesene Brinz Mahidol von Stam, ein Bruder des jetzt regierenden Königs, der bestimmt ist. später in die deutsche Flotte einzutreten, benutzt die Ferienzeit, um sich über verschiedene deutsche Einrichtungen zu infor­mieren. So hat er in letzter Zeit die Hamburger Hafen= einrichtungen mit seinem Gefolge besichtigt.

Italienische Geldnöte. Wie die Köln. 3tg." hört, hat talten durch seinen Botschafter in Paris vergebens verfitcht, 100 000 000 Lire Schatscheine bei dortigen Bankhäusern unterzubringen. Man vermutet, daß die Ablehnung auf Anregung der französischen Regterung erfolgt ist. da diese in den Geschäft einen Neutralt­tätsch sieht.

916dankung der Mandin: Douaitie? Die neuesten

Die Herren von Dieskaut.

8)

Original- Roman von Franz Treller. ( Nachdruck verboten.) Er ist Ihnen entschieden geneigt." Also dürfte ich hoffen?"

" Hoffen Ste, Lieber."

Rangierers Tod. In Nordhausen wurde ge­stern der Rangierer Freyberg aus Bielen durch Ueber­fahren getötet.

Eine Maffenvegiftung hat sich in Leavenworth ( Kansas) im Heim für Veteranen aus dem Bürger­triege ereignet. Es erkrankten 150 Personen, von denen sechs bereits gestorben sind.

Fremdsprachlichen Unterricht für Schüßlente, und zwar unentgeltlichen, hat die Stadtgemeinde Nürnberg eingeführt. Bet der vorgesehenen freiwilligen Beteilt­gung nimmt eine überraschend große Zahl von Schuk­feuten daran teil. Der Magistrat beschloß nun, 19 Schußleuten, die sich durch besonderest Lerneifer aus­zeichnen, Brämten von 12 bis 35 Mart zu gewähren.

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Ein Automobilunfall des Prinzen Eitel Fried: rich von Brenßen ereignete fich heute früh gegen 1 Uhr am sog. Knie in Charlottenburg. Das Fahrzeug, in dem sich der Prinz mit zwet Offizieren befand, stieß mit einem Privatautomobil zusammen. Bet dem Zu­sammenprall gingen die Fenster in Trümmer. Leut­nant von Schweinit erlitt durch Glassplitter Schnitt­wunden im Gesicht. Der Prinz blieb unverletzt.

Ersloßen auf einem Motorboot der Kriegsmarine. Auf einer Motorbarkasse des Ranzerfreuzers Moltke" explodierte gestern im teler Hafen der Luftdrucktant. Das Fahrzeug fant sofort, doch wurde die Besazung gerettet. Bet dem Unfall murde ein Maschinistenmaat schwer, doch nicht lebensgefährlich verlegt.

O In eine Gruppe von Bahnarbeitern fuhr in der Nähe von München ein Schnellzug. Dem die Ko­Tonne beaufsichtigenden Bahnmeister wurde der Kopf vom Rumpfe getrennt, ein Arbeiter wurde schwer ver­letzt.

Einsturz eines Nenbares. Donnertag nachmittag stürzte in Düsseldorf die Borderfront etnes Neubaues von dritten Stockwerk an ein. Eine Anzahl Arbeiter wurden unter den Trimmern begraben. Fünf Verletzte wurden aus den Schuttmassen hervorgezogen und ins Krankenhaus geschafft, wo einer kurz nach der Einlie­ferung starb, während ein anderer noch ohne Besin­nung ist.

Aber Ihr Fräulein Schwester- haben Ste thr auch schon Andeutungen gemacht?"

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Der Kanzler im Wahllokal. Um 11,20 Gr erschien Reichskanzler von Bethmann Holmeg begleitet von Geheimrat von Oppen aus der Reichsfanzlet im Wahllokal des ersten Bezirks in der Jägerstraße, um feine Stimme abzugeben.

Rwel Arbeiter im Brunnen verschüttet. In Hardt bet M.- Gladbach sind bei einem Brunnenbau zwei Ar­better verschitttet worden. Der eine hatte den anderen retten wollen, war aber dann unter das nachstürzende Erdreich geraten. Die Leichen konnten noch nicht gebor­gen werden.

" Ich verstehe mich leider nicht darauf, mtt Mädchen unzugehen; aber der Alte kann das selbst besorgen, Htida ist noch ein Kind, thre Seele ein unbeschriebenes Blatt."

" Ich kann und will mich nicht der Gefahr aussetzen, mir einen Korb zu holen; aber um so höher werde ich das Glück schätzen, mit Erfolg um das gnädige Fräulein werben zu können."

Volkswirtschaftliches.

Die Wohnungsfürsorge der Reichs- Post- und Tes legraphenverwaltung für ihre Unterbeamten, die in ständiger Ausdehnung begriffen ist, hat bisher im gan= zen annähernd 9 200 000 Mart erfordert. Von diesen Mitteln wurden insgesamt 8 083 000 Mark zum Ankauf von Wohnhäusern und 1114 100 Mart fitr Mieten in Wohnhäusern angewendet. Inmehr als 800 Orten mur­den 653 Häufer intt 1781 Familienwohnungen und 179 Zimmern für Unverheiratete angekauft sowie 245 Häu­fer mit 638 Familienwohnungen und 79 Bimmern für Unverheiratete gemietet. Die Häuser, meist in den öst= lichen Bezirken gelegen, entsprechen in Größe und Ein= richtung den Anforderungen, die man an gesunde Un­terbeamtenwohungen stellt. Zu jeder Wohnung in Landorten gehört ein Stück Ackerland. Dem etatsmäßig angestellten verheirateten Bersonal werden die Woh­nungen fast durchweg als Dienstwohnungen überwie­sen, in den übrigen Fällen haben die Wohnungsinha­ber eine den örtlichen Verhältnissent entsprechende Miete zu zahlen. Von dem Aufenthalt in eigenen Erholungs­und Genesungsheimen( Blankenburg a. Sarz und Bad Nauheim) haben bisher 983 Berfonen Gebrauch macht. Die Heime wurden 1907 bezüglich 1909 einge­richtet. Ferner bestehen Erholungsheime von Unter= beamtenvereinen der Oberpoftdirektionsbezirke Berlin, Breslau und Dresden in Templin, Robten und Hohen= stein. Diese Hetme haben von der Verwaltung an un­verzinslichen Beihilfen insgesamt 155.000 Mart erhal­ten, die nach dreißia Jahren in das Eigentum der Ver­eine übergehen.

Auf einer Maitationsreife verunglückt. Das Auto­mobil des Professors Dr. Harries, des Kandidaten der Nationalliberalen Lauenburas, fuhr in der Nähe von Ratzebura eine steile Chauffee böschung hinab. Zwei feiner Begleiter wurden schwer verletzt und Itegen be­finnungslos darnieder.

Lassen Sie den Alten nur machen, ich sage Ihnen, er ist schon halb gewonnen für Ihre Sache, auch weiß er, was er einem Kavalier schuldig ist."

Und Sie wissen, wie sehr ich Fräulein von Dieskau schätze und verehre."

Prinzessin Beatrice von Orleans- Bourbon ist von Cobura mitt threm Sohne, dem Prinzen Alvaro, nach Malaga in Spanten abgerelst, um ihrem auf dem maroffantsch- spanischen Kriegsschauplate wellenden Gatten nahe zu sein.

Weiß ich, Ltebster, und freue mich darfiber." Bald darauf saßen die beiden Herren mit einem Dritten eifrig beim Ecartee".

*

traut hatte, war schon damals ein bejahrter Herr gc= wesen.

Hermann von Dieskau stellte sich unter seinem wah ren Namen vor und sagte dann: Ich bit am 21. Juli 1882 hier getraut worden mit Marte Steger und wünsche einen Auszug über den Akt aus Ihren Kirchenreg ftern."

Das Dorf Getsmar Itegt in einem der kleinen mit­teldeutschen Staaten unweit der preußischen Grenze. Am Tage nach seinem Erscheinen in dem Dorfe Bretten­bach am Grabe des ihm so teuren Wesens traf Hermann von Dieskau in Geismar ein und fuhr direkt nach dem Pfarrhaus des einsam zwischen den Wäldern llegenden Dorses.

Er traf den Geistlichen zu Hause an und es wun­berte ihn nicht, einen jungen Mann als Inhaber der Pfarrstelle zu sehen, denn der Pfarrer, der ihn einst ge­

Der freundliche Pfarrer nahm sofort das Kirchen­buch aus dem Pulte, um dem Wunsche des Fremden zu begegnen.

Er suchte in dem Buche, blätterte hin und her und fragte dann: Im Jahre 1862 find Sie hier getraut, Herr von Dieskau?"

,, Am 21. Jult."

,, Ste trren sich nicht?"

,, Könnte man über einen folchen Tag tm Irrtum

fein?"

Hier steht aber keine solche Trauung verzeichnet!*

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Berurteilte Bilderdiebe. Die Tagelöhner Josef Beinkofen aus Kelheim und Emil Moosrainer aus München, die am 15. November vergangenen Jahres aus dem Schlößchen Lustheim bet Schleißheim alte, dem bayerischen Staat gehörige Delgemälde im Werte von 20 000 aus den Rahmen geschnitten und imWalde ver­steckt hatten, wurden zu te 3 Jahren Ruchthaus, 10 Jah­ren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht ver­urteilt. Gleichzeitig wurden wegen Hehleret der Kauf­mann Neaele 31 einem Jahr drei Monaten und der Händler Nirscht aus München zu zwei Jahren einem Monat Ruchthaus und beide ebenfalls zu 10 Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht verurteilt.

Es ist sehr auffallend, im Jahre 1862 scheint über­haupt niemand hier getraut worden zu sein."

,, Unmöglich, der damalige Kuster war einer der Trauzeugen."

Der Pfarrer, der aufmerksam in das alte Buch hin­einsah, sagte täh und peinlich überrascht: Ster fehlt ein Blatt, wie ich jetzt erkenne."

3um Tode verurteilt. Das Schwurgericht in Ol­mitt verurteilte den Gutsbesitzerssohn Mnlenorskn, der wegen einer reichen Heirat seine 201ährige Geliebte Vaultczek ermordet und in einen Brunnen geworfen hatte, zum Tode durch den Strang.

Er zeigte Dieskau das Buch und bet geschärftem Blicke konnte man allerdings wahrnehmen, daß ein Blatt sehr vorsichtig daraus entfernt worden war. Da die Seiten des Buches nicht numertert waren, konnte bas Fehlen des Blattes lange verborgen bletben.

Kirchlich angetraute Cattin war, sehr wertvoll fol fönnte."

Allerdings, und das Fehlen des Blattes ist sehr seltsam, aber hatten Sie sich denn nicht einen Trauschein ausstellen lassen?"

Meine Frau besaß ihn, aber auch der Trauschein tst verschwunden."

Der Küster, der als Trauzeuge gebtent hatte, ruhte gleich dem alten Geistlichen längst auf dem Kirchhofe. Dieskau verbarg nur mit Mühe feine Bestürzung. Das Fehlen des Eintrags metner Verehelichung ist ebenso auffällig als bedauerlich. Es könnte der Fall eintreten, wo der Nachweis, daß Marte Steaer die mir

Das ist freilich schlimm. Nun, was in meinen Kräften steht, um Aufklärung zu schaffen, das soll ge= schehen; hter ist entschieden ein Raub am Kirchenbuch begangen worden und in diesem Falle ist wohl in er­ster Rethe die Frage aufzuwerfen: Wem nützte das Ver­brechen?"

Ja, wem nüßte das Verbrechen? Da weitere Nach­forschungen zunächst aussichtslos waren, verließ Dies­kau den Pfarrherrn mit höflichem Danke.

Auch der Name feines Bruders hatte als der etnes Zeugen im Kirchenbuche gestanden.

Pah, das ist alles nichts," sagte sich Dieskau, " wenn ich nur den Jungen hätte- mein Kind."

Er suchte jetzt den Geburtsort Martens auf. Sie hatte in einer kleinen mitteldeutschen Stadt als Tochter etnes Musikers das Licht der Welt erblickt und war bereits Waise, als Dieskau ste fennen lernte.

Den derzeitigen Aufenthalt der älteren Schwester au ermitteln, mußte nun seine nächste Aufgabe sein, wenn sie überhaupt noch unter den Lebenden wellte. War sie tot, so hatte sie doch jedenfalls Familienange hörige hinterlassen. An diese Schwester knitpften sich noturgemäß zunächst alle weiteren Nachforschungen nach dem Kinde.

Dieskau stieß aber auf ungeahnte Schwierigketten. Von den Angehörigen der Famille Steger lebte tn dem betreffenden Städtchen niemand mehr. Man ents fann fich freilich noch der älteren Tochter bes Mufikers und wollte wissen, daß fie fich in Hannover verheiratet babe, aber das war alles.

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