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Gießener Zeitung

Bezugspreis 40 Pfg. monatlich

( Neueste Nachrichten)

verteljährlich 1,20 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus.

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Vorfall Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 90 Pfg. Erscheint Mittwochs und Samstags. Redaktion: Selters. weg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

Ponenstr

ekalkr. 47.

lar.

Telephon: Nr. 362.

Politische Rundschau.

Deutschland.

kleid Der Präsident des preußischen Abgeordne­

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pauses Freiherr von Erff a ist auf Schloß Bernburg in Thüringen gestorben. Der Heimge- rn- Wangene gehörte dem Hause seit 1885 als Vertreter der ungiringischen Kreise Schleusingen- Ziegenrück an und 2 Strickar ein hervorragendes Mitglied der konservativen Frak on, in der er in den letzten Jahren das Amt des Vor­elegant Benden bekleidéte. re gleichpetreffend Bermarkung des Abschnittes der deutsch- bel­In Berlin wurde dieser Tage das Protokoll ishen Grenze in Ostafrika vom Nordufer des Kiwu= " es bis zu dem durch die Nordspitze des Hehu laufen­en Breitenparallel ratifiziert.

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Vom Gewerkschaftsstreit. 3um ge­rich Telpe erwärtigen Stand der Gewerkschaftsbewegung wird us unterrichteten Kreisen mitgeteilt, daß unter den Füh­S2s der 23 christlichen Gewerkschaften Deutschlands eine mmerbindliche Besprechung darüber stattgefunden hat, ein Gewerkschaftskongreß einberufen werden soil, der ch mit den Erklärungen des Papstes beschäftigen soll. eber diese unverbindlichen Besprechungen ist man in­es bisher nicht hinausgekommen. Sollte demnächst keine ie höchst beunruhigten Gewerkschaftskreise befriedigende

Samstags liegt für die Stadtabonnenten der Illustrierte Wochen- Anzeiger

gratis bei.

Expedition: Seltersweg 83.

Mittwoch, den 12. Juni 1912.

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lich- rechtlichen Organisationen aller anderen Stände und Berufe. Es besteht diese Gefahr" ob christliche Ge­werkschaften bestehen oder nicht ebenso sehr in dem ganzen engen Zusammenleben, zu dem in den Städten und Industriebezirken die Katholiken aller Stände in Wohnverhäl, nissen wie Arbeit und Erholung gezwun­gen sind. Die christlichen Gewerkschaften sind auf dem Boden des gleichen staatlichen Rechtes und der gleichen staatliche Organisationen aller Stände und Berufe im praktischen Lebensverhältnisse erwachsen wie private, wie Deutschen Reiche. Eine Beeinträchtigung oder Verurtei­lung der christlichen Gewerkschaften aus dem Grunde der religiösen Gefahr" interkonfessionellen Zusammenlebens, wären demnach für Deutschland von ganz unüberseh barer Tragweite. In Anbetracht dieser Verhältnisse und der Tatsache, daß der Zentralverband christlicher Bau­arbeiter auf seiner bisherigen Grundlage 44 000 Mit­glieder gewonnen, für diese die Lohn- und Arbeitsver­hältnisse tarifvertraglich geregelt hat, in den Einigungs­instanzen des Baugewerbes seine Vertretungen stellt, während die katholischen Fachabteilungen im Bauge werbe noch keine 500 Mitglieder zählen und für Verbesserung der Lage der Bauarbeiter so viel wie nichts getan haben, halten wir an der bisher bewährten Grundlage unseres Verbandes unverbrüchlich fest."

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( Gießener Tageblatt)

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Telephon Wr.: 362.

24. Jahrg.

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und Nachtschicht. Während des Ausstandes der Berg arbeiter wurde die Gesamtzahl der Streikenden vom Berg­bau- Verein in Essen für jede Schicht getrennt festgestellt und durch Vermittlung des Wolff'schen Telegraphen= bureaus in der Presse veröffentlicht. Das Bochumer Volksblatt hat nun in dem fraglichen Artikel die nur für die Frühschicht des betr. Tages ermittelte Zahl( 187 943) als die vom Bergbauverein veröffentlichte Gesamtzahl der in allen 3 Schichten fehlenden Arbeiter angegeben und weiter mitgeteilt, es ergäbe sich, wenn man die Ar­beitswilligen( 41,8 Proz.) hinzurechne, nur eine samtbelegschaftszahl von etwa 333 000 Mann. fehlenden 40 000 Mann seien wohl in die Luft ge­flogen. Es stehe fest, daß etwa 225 000 Mann streik­ten. In der oben erwähnten Berichtigung wurde die unrichtigkeit dieser Behauptung in überzeugender Weise dargetan; jeder hätte daraus ohne weiteres ersehen kön­nen, daß an dem fraglichen Tage etwa 194 000 und nicht 225 000 im Ausstande waren.

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Selternatore Romano" erfolgen, so würde man einen" Ron Eine Reminiszenz an d. Bergarbeiterstreik zu der Einsicht gekommen sein, daß bei dem ständigen inlärung aus Rom durch Veröffentlichung im Der daß bei dem hängiger

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Sasare einberufen, der sich die Frage vorlegen müsse, was esehen muß, um für die Zukunft solche Zwischenfälle uperhüten. Damit soll unter keinen Umständen eine tion gegen den Papst verbunden sein, sondern man ole schon aus Rücksicht auf die evangelischen Mitglie­er der Gewerkschaften Klarheit schaffen und ver­eden, daß ein Gefühl etwaiger Geheimnistuerei auf­mime. Aus dem Rheinlande liegt die Nachricht vor, auf die Eingabe einer führenden Persönlichkeit im ritlich- sozialen Lager aus der Reichskanzlei am 7. ds. Rts. folgende Antwort eingegangen sei: Die in Ihrem efll Schreiben berührten Vorgänge werden auch vom jean Reichskanzler mit ernster Aufmerksamkeit verfolgt, ie sie der zunehmenden Bedeutung der christlich- natio al en Arbeiterorganisationen für unsere soziale, wirt­haftliche und politische Entwickelung entspricht." Zum berbertschaftsstreit erläßt der christliche Verband der Bau­rbeiter Deutschlands eine Protesterklärung gegen das Bongehen der Berliner katholischen Fachabteilung, worin heißt: Ist das Zusammenarbeiten im wirtschaftl. wedverband mit Andersgläubigen in den christlichen jewerkschaften eine religiöse Gefahr, und zwar ot des Bestehens der mit ihnen in Verbindung steh= nd er konfessionellen Arbeitervereine, so trifft das zum indesten ebenso sehr zu bei den privaten wie öffent

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Unter Feinden.

Roman von Karl Matthias.

( Nachdruck verboten.)

Ste schilderte dem Grafen die Schrecknife der Bela­ermg, er sprach von den Gefahren der Verteidigung, em Benehmen Napoleons, der Kopflosigkeit des Mar­holls Wimpffen.

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Ich tam nach Sedan mit einer grenzenlosen Ver­ung für diesen Mann, den ich von Kindheit kannte," Death der Graf. Sein Wunsch attachterte mich ihm als bulanten, und dennoch muß ich bekennen, daß ich thn Men für schuldig halte, die Katastrophe bet Sedan her elgeführt zu haben. Er ist es allein, der das Katser elaht geftitrat hat."

Deftree nie. Gerade so hatte der Vater gefpro­en. Endlich einmal ein Mann, der nicht von Verkauf and Verrat schwazte.

Ste glauben doch nicht, daß der Marschall den Fall Sedans absichtlich herbeiführte?"

Der ehrliche Polterer? Wo denken Sie hin?" rief ber Graf. In den Rethen unserer Armee stehen über­baupt feine Verräter. Die französischen Offiztere find alle ehrlich, wenn ihnen auch der feinere Begriff der Ebre mangelt. Zum Beispiel fene dort," sagte er, auf einige schwabende Offiziere zeigend. Ste kamen mit heiler Haut nach Beigten und gaben ihr Wort, nicht mehr in diesem Kriege zu dienen. Nichtsdestoweniger find sie auf dem Wege nach Frankreich. Sie täuschten

eal.Fam fid mit der Ansicht, früher hätten sie dem Kaiserreich Bfb.: 80- getent, tett kämpften fie für die Republik. Gottlob, ich

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bin herr meines Entschlusses, denn es gelang uns, Gallifet zu begleiten, als er sich durch die deutschen Rehen schlug und die Grenze als Privatmann über­fchritt."

In ganz Sedan sprach man von der Bravour je

so wird uns geschrieben, findet sich in Nr. 125 des sozialdemokratischen Bochumer Volksblattes" vom 3. Juni, in der eine vom Verein für die bergbaulichen In­teressen in Essen auf Grund der Bestimmungen des Preß­gesetzes geforderte Berichtigung eines in der Streifzeit ( am 16. März) gebrachten Artikels veröffentlicht ist. Es muß den Leser befremden, daß die Berichtigung nach so langer Zeit, fast 3 Monate nach Veröffentlichung der berichtigten Notiz, erscheint, zumal das Volksblatt sie ohne jede Erklärung hierfür abdruckt und in einer redak­tionellen Anmerkung den Anschein zu erwecken sucht, als ob der Einsender die Berichtigung erst jetzt verlangt habe. In Wirklichkeit ist sie schon am 16. März gefor­dert, sie wurde nur nicht aufgenommen, weil die Leser des Blattes sonst die Unrichtigkeit der in jener Zeit von der sozialdemokratischen Presse gebrachten Meldungen über den Stand und die Aussichten des Streiks sofort erkannt haben würden. Da die näheren Einzelheiten außerordentlich charakteristisch sind für das Verhalten und die Tätigkeit der sozialdemokratischen Zeitungen, so ver­dient die Angelegenheit wohl näher erörtert zu werden.

In Bezug auf den Inhalt der Berichtigung sei zu nächst folgendes mitgeteilt: Bekanntlich werden im Berg­bau täglich 3 Schichten verfahren, die Früh-, Mittags­ner Retter, und auch die Feinde lieben ihnen volle Ge rechtigkeit widerfahren."

" Ja, es war ein großer Moment," berichtete d'Alincourt mit blizenden Augen. Auf dem Hochpla teau bet Calvaire stand eine hohe Pappel, die wie eine Grabenpresse auf dem ungeheuren Kirchhof hin unb herfchwankte. Dorthin lenkte ich mein Pferd, als mich Wimpffen beurlaubt hatte, nachdem er den Parlamentär mit der weißen Fahne gesehen, der nach July hinab­sprengte. Ich wußte, daß ich General Gallifet bet der Pappel treffen würde. Ich fand den Helden gemütlich eine Zigarette rauchend. An eine Mariensäule gelehnt, welche dort stand und einen erträglichen Schutz vor den umberirrenden Geschossen bot, grüßte er mich."

meinem

Was sollen wir tun?" fragte ich, von Ganl springend. Der Parlamentär reitet nach dem preußischen Hauptquartiere. Uns droht die Gefangen­schaft. Nein, eher den Tod!"

,, Ste sind mein Mann," sprach Gallifet. Wenn Sie sterben wollen, könnten wir es in Gemeinschaft tun." Aber wie?"

" Wir schlagen uns durch- wozu ist man Kavalle­rist? Sehen Sie drüben die blauen Linien? Sobald sie dünn geworden sind, lasse ich aufsitzen und reite sie mit meinen Kerlen über den Haufen. Fällt, wer fällt, der Ueberlebende kann's der Nachwelt erzählen, wie fran­zösische Kürassiere zu sterben wissen. Das ist mein Plan."

Ich nickte und richtete meinen Blick auf das Kriegs­theater rings herum. Ueberall tobte das vernichtende Einzelgefecht, überall wichen unsere Leute zurück und bedeckten mit ihren Leibern den Boden, der unter dem Kanonendonner wie bei einem Erdbeben schwankte. So­weit mein Auge die nahen Gebirge bestrich, sah ich brüllende Geschüße und dazwischen ununterbrochen im= mer neue Serresäulen der Deutschen auftauchen und wie die Lava eines Bultans zu Tal fließen. Endlich

Daß die Berichtigung während des Streiks nicht aufgenommen wurde, läßt erkennen, daß das sozialde­mokratische Blatt sich der Unrichtigkeit seiner Mitteilun­gen wohl bewußt war und es lieber auf eine Bestraf­ung wegen Vergehens gegen das Preßgesez ankommen ließ, als die aufklärenden Angaben zu veröffentlichen. Wahrscheinlich würde ein Teil der Ausständigen, wenn die Berichtigung damals erschienen wäre, noch rechtzeitig Abflauen der Bewegung an eine erfolgreiche Durchführ­ung nicht zu denken sei; die Leute würden die Arbeit wieder aufgenommen haben, und die für Kontraltbruch einbehaltene Strafe in Höhe des Arbeitsverdienstes für 6 Schichten wäre ihnen erspart geblieben. Wegen Nicht­aufnahme der Berichtigung wurde noch im März gegen den verantwortlichen Redakteur des Bochumer Volks= blattes Strafantrag gestellt und dieser durch rechtskräf= tigen Strafbefehl des Kgl. Amtsgerichts in Bochum in eine Geldstrafe von 70 Mt. genommen. Nach Erledig­ung dieses Verfahrens sah sich das Bochumer Volks= blatt jetzt gezwungen, die Richtigstellung aufzunehmen, wenn es eine weitere Anklage und Bestrafung vermei­den wollte.

Dies alles wird den Lesern des Volksblattes na­türlich verschwiegen und, um die Täuschung zu vollen­den, die Forderung einer Berichtigung nach so langer 3eit als ein findliches Spiel bezeichnet, da wohl kaum noch jemand Interesse daran habe. Es mag zutreffen, daß viele Arbeiter, die den Sachverhalt nicht kennen, auch der Berichtigung jetzt nicht mehr so viel Beachtung schenken werden, als wenn sie während der Streifzeit oder gebracht wäre. Vielleicht wird aber doch dieser jener, wenn er diese Aufklärung ließt, zu der Erkennt­nis gelangen. dak er mährend des 9usstandes in un­

mar der Moment eingetreten, den Galltfet erwartet batte: Die Gelände von jensetts waren nur von aus einandergezogenen Schüßenzügen besetzt. Drauf und dran! das Signal ertönte; die Retter, welche hinter uns gehalten, saßen mit grimmen Mienen auf, den Pallas in der Rechten, den Karabiner in der Linken. Vive la France!" scholl es durch die Reihen, und die Massen setzten sich in Galopp. Mit wehenden Standarten und flatternden Noßschweifen, die Offiziere weit in der Front, ich dicht neben Gallifet, der seine totgeweihten Scharen zur Attacke führte. Jede andere Truppe, un ferm Angriff, als wir wie die Windsbraut dahinstürm ten, preisgegeben, wäre wie Spreu auseinandergeflo gen. Die Deutschen hielten Stand. Aber da waren wir auch herau. Kartätschensalven forderten neue Opfer. Wetter ging's- der Pallasch machte uns Bahn. Ganze Züge stürzten in die quer vorliegenden tiefen Stein­brüche. Die Uebrigen rasten weiter, mitten in die preu Bischen Reserven hinein, welche sich uns entgegenstell­ten. Fast alle Offziere fielen ganze Schwadronen wälzten sich in ihrem Blut. Vorwärts!" rief Galli­fet, falle wer fällt! Es lebe Frankreich! Mir nach!" Sein Säbel tötete wie der Blitzstrahl Gottes. Ich hieb nieder, was mir vor die Klinge tam. Durch! Durch! Jenseits der Höhen hielten wir an: Gallifet, drei Of= fiziere und sechzehn Kürafftere. Alle anderen waren auf dem Todesritt geblieben. Ich wandte mein Roß, da mie im Fieber zitterte und ganz mit Blut und weißem Gischt bedeckt war. Mein letter Blick fiel auf die Stadt. Vom Münster Sedans wehte die weiße Fahne. Kapi­tulation! Tränen trübten meinen Blick, aber Gallifet rief: Vorwärts, vive la France!" und wir trabten langlam ber belgischen Grenze zu. Im letzten franzö= sischen Dorfe blieben Pferde und Waffen. Der General und ich, die Leutnants Cruzat le Hereditere und Gabini traten als Zivilisten in das neutrale Land."

( ortsegung folgt.)