Gießener Zeitung
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Mittwoche und Samstags.
weg 83.
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Erscheint Redaktion: SeltersFür Aufbewahrung oder Rüdsendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.
Nr. 99.
Telephon: Nr. 362.
Vom Balkankrieg.
Konstantinopel. Auf Anregung Rußlands and Englands beschloß die Pforte, für Anatolien und Resopotamien russische und englische Verwaltungsinpeltoren zu entfenden, den dortigen Gemeinden das Redt einer beschränkten Selbstverwaltung zuzugestehen. Much sollen eine Anzahl Desterreicher zu Ackerbau= Inruffeuren ernannt werden.
Wien. Die„ Neue Freie Presse" erfährt von gut nterrichteter Seite, daß Rußland seine Stellungnahme
den Balkanangelegenheiten nicht früher präzisieren perbe, ehe der Frieden geschlossen sei. Rußland werde Berbien in seinen Forderungen nach einem wirtschaft hen Hafen an der Adria nach Möglichkeit unterstützen.
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Wien. Einer im Auswärtigen Amt eingetroffe men Meldung zufolge ist der mit der Untersuchung des falles Prochaska betraute Konsul Edl in Prizrend eingetroffen.
Belgrad. Laut Beschluß des Kriegsministers wurde eine verstärkte Bewachung der serbisch en Büden und Bahnobjekte angeordnet.
Politische Rundschau.
Deutschland.
Die Erneuerung des Dreibundes.
Nach amtlicher Berliner Mitteilung ist der zwischen den Souveränen und den Regierungen von Deutschland, Desterreich- Ungarn und Jielien bestehende Bundesvertrag ohne jede Aenderung erneuert worden.
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Die Reichstagsabg. Vietmeŋer und Behtens brachten im Reichstage folgende Anfrage tin: Gedenkt der Herr Reichskanzler Maßnahmen gegen das Vordringen des amerikanischen Tabaktruſtes in Deutschland zu treffen, um die deutsche Tabakindustrie, sowie die darin Beschäftigten gegen die Schädigungen schützen.
Rußland.
In Hoffreisen behauptet man, daß der Bruder des 3azen, Großfürst Michael, endgiltig auf seine Rechte auf den Thron verzichtet. Als Grund dieser Berzichtleistung wird angeführt, daß der Großfürst sich Deigert, seine morganatische Ehe zu brechen, der fürzlich ein Sohn entsprossen ist.
Das Glückskind.
Roman von Irene von Hellmuth. ( Nachdruck verboten.)
„ Aha,- mir scheint das ist schon die Wirkung meines gestrigen Versuches", murmelte er für sich. Es loftete ihm einige Mühe, seine Freude zu verbergen und unbefangen zu scheinen. Etwas wie leises Frohlocken klang doch noch in seiner Stimme mit, als er verwundert fragte:„ Du warst heute schon aus, wie ich fehe, ich glaubte Dich noch in den Federn." Die blauen Augen der Angeredeten hafteten am Boden, sie gab keine Antwort und Böhler fuhr fort: Du siehst wirklich schlecht aus, Kind fehlt Dir etwas?" Er hätte gar zu gern näheres darüber erfahren, ob er mit seiner Vermutung das Richtige getroffen, allein der bleiche Mund öffnete sich nicht; die Lippen fest aufeinander gepreßt, verharrte Röschen einen Augenblick schweigend. Ein leises Kopfschütteln war die ganze Antwort; doch ihm schien auch das zu genügen. Er pfiff erst lustig vor sich hin, blinzelte dabet mit den Augen und flüsterte kaum vernehmlich:„ Der Hieb sizt." Darauf trat er, eine Operettenmelodie summend, in fein Zimmer.
Röschen hatte indeß vor der Tante noch ein peinches Berhör zu bestehen. Das ungemein blaffe Auslehen, die mechanischen Bewegungen des sonst so flinken Mädchens fielen Aurelia auf und sie wollte durchaus wtfen, was geschehen war, da ste einen neuen Streich bres Gatten ahnte, und doch nicht wußte, wo ste suchen
fonte.
" Sprich Dich aus, Röschen, sage mir, was Dir fehlt, vielleicht kann ich Dir helfen," bat fie.
Aber alles zureden war vergebens, und feufzend Frau Aurelia den Versuch auf, etwas von dem Belgfamen Mädchen herauszubringen.
Endlich hatte dieses einen Entschluß gefaßt. Fortmur fort wollte fie, und war so bald als
Expedition: Seltersweg 83.
Mittwoch, den 11. Dezember 1912.
Die Finanzlage des deutschen Reid) es ist gut. Das vergangene Finanzjahr( 1911) hat bei einer Gesamteinnahme von drei Milliarden Mark einen Ueberschuß von 390 Millionen ergeben. Das Jahr 1912 wird zwar die Höhe dieses Ueberschusses nicht annähernd erreichen, aber das liegt zum Leil darin begründet, daß ein wesentlicher Betrag des Ueber= schusses des laufenden Jahres vorweg genommen worden ist.
Amerika.
Washington, 6. Dez. In der Generalbotschaft an den Kongreß drückt Präsident Taft die Absicht aus, die gesamte Tarifrevision der kommenden demofratischen Regierung zu überlassen. Er betont die Dringlichkeit der Währungsreform auf den von der Währungskommission empfohlenen Grundlinien und empfiehli den Plan, jährlich zwei Schlachtschiffe zu bauen, wieder aufzunehmen mit dem Vorschlag, 1913 drei zu bauen, um das Manto dieses Jahres auszugleichen. Taft erklärt weiter, daß der Protest Englands gegen die Panamalanal- Gesetzgebung eine gebührende Beach tung fände und daß man bemüht sei, eine befriedigende Sdlichtung zu erzielen.
Hansa- Bund und Kaisers Regierungsjubiläum.
im
Das Präsidium des Hansa- Bundes für Gewerbe, Hundel und Industrie beabsichtigt, anläßlich des Juni nächsten Jahres stattfindenden 25jährigen Regierungsjubiläums Seiner Majestät des Kaisers ein Werk unier dem Titel:
Die freiwilligen sozialen Fürsorge- und Wohlfahrtseinrichtungen in Jadustrie, Handel und Gewerbe im Deutschen Reiche
herauszugeben.
Dieses Werk soll in Wort und Bild verzeichnen, welde Wohlfahrtseinrichtungen neben den reinen Geldstiftungen seitens der Firmen in Industrie, Handel und Gewerbe, sowie seitens der Angestellten- Organisationen für ihre Arbeiter und Mitglieder geschaffen worden sind. Es soll demgemäß einmal die Geschichte solcher Geld= stiftungen und auf der anderen Seite eine möglichst reich illustrierte Darstellung der einzelnen Fürsorge- Einrichtungen, wie Arbeiter und Beamtenwohnhäuser, Kraittenhauser, Gesellschaftshäuser, Bäder, Ruhejale, Speisesäle. Erfrischungsräume für Angestellte und Arbeiter, Kinderheime, Bibliotheken und sonstige Fortbildungsgelegenheiten darbieten. Es soll ein Denkmal bilden der großartigen freiwilligen Fürsorge, welche Deutschlands
möglich vielleicht würde ihr anderswo leichter, viel= leicht gelang es ihr, das Leid zu vergessen, das wie eine Zentnerlast ihr Herz bedrückte.
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Aber wohin? Das war allerdings nicht leicht; doch gleichviel, hier fesselte sie nichts mehr und es mußte eine wahre Wohltat sein, andere Menschen zu sehen und neue Eindrücke zu empfangen. Dann brauchte sie auch nicht mehr im täglichen Verkehr mit dem verhaßten Vormund zu leben, niemand würde sie vermis= senniemand, als vielleicht die alte Marthe, der dann feiner den kleinsten Liebesdienst erwies.
Ganz eingenommen vor ihrem Vorsatz trat Rost etwas eilig bei Böhler ein, der nicht wenig verwundert war über dis seltene Vorkommnis. Sie hielt sich nicht lange mit unnüßen Reden auf, sondern schoß direkt auf ihr Ziel Ios.
„ Onkel," begann sie ohne Umschweife,„ ich möchte fort von hier, und zwar sobald als möglich. Sie hatten Recht mit Ihrer neulichen Behauptung, daß mir die Ich ich fühle mich nicht Luftveränderung not tut. wohl in der Stadt; deshalb bitte ich Sie, doch noch heute an Ihre Verwandten zu schreiben, ob sie mich einige Zeit bei sich aufnehmen wollen."
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Wiederum flog wie vorhin das triumphierende Lächeln über das Gesicht des aufhorchenden Mannes. O, da hatte man ja zwet Fliegen mit einer Klappe ge= schlagen; der Bruch mußte ein vollständiger sein, sonst ginge sie doch gewiß nicht fort.
"
Es freut mich, daß Du mir recht gibst, Röschen," fagte Böhler gemeffen, ich habe immer nur Dein Bestes im Auge und werde sogleich an meinen lieben FörsterOnkel schreiben. Ich zweifle feinen Augenblick, daß derfelbe gern meine Bitte erfüllen wird, wie ich auch sicher Ich selbst war porausseße, daß es Dir dort gefällt.
früher öfters Gast in dem reizenden Forsthause, und die waderen Leute boten alles auf, mir den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen."
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( Gießener Tageblatt)
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Telephon Nr. 362.
24. Jahrg.
Handel, Gewerbe und Industrie namentlich in dem letzten Vierteljahrhundert der Regierung Seiner Majestät des Kaisers ihren Arbeitern und Angestellten geboten haben. Es wird aber auch geeignet sein, als willfommentes Quellenwerk zu dienen und schließlich soll es die Deffentlichkeit und alle daran interessierten Instanzen über diese Gebiete ausreichend informieren.
Der Hansabund hat geglaubt, daß das Regier= ungsjubiläum Seiner Majestät des Kaisers besonders dafür geeignet sei, zu zeigen, wie groß der Gedanke der freiwilligen Fürsorge in Industrie, Handel und Gewerbe jederzeit lebendig gewesen ist und wieviel auf dem Gebiete der Selbsthilfe weiterhin in den Kreisen der Angestellten und ihrer Organisationen geschehen ist. Das Werk soll in vornehmer Ausstattung erscheinen. Ein Exemplar dieses Werkes soll Seiner Majestät dem Kaiser unterbreitet und an die Staatsregierungen, die
Bundesfürsten, die bundesstaatlichen und provinzialen Regierungen, sowie an die Regierungen der größeren ausländischen Staaten, an sämtliche Handelskammern und die Bibliotheken der Handelshochschulen und gröan die volkswirtschaftlichen Beren Handelsschulen und Seminare gesandt werden, desgleichen an die Presse zur eingchenden Würdigung. Die übrigen Exemplare der Aufiage werden in den Buchhandel gegeben.
Präsidium:
Geheimer Justizrat Professor Dr. R esser, Vorsitzender des Präsidiums des Hansabundes. Ehrenobermeister Richt,
Präsident des Hansa- Bundes.
Dr. Steche, Leipzig,
Hirth, Ingenieur, Cannstatt, Witthocfft, Hamburg.
i. Fa. Arnold Otto Meyer. Vizepräsidenten des Hansa- Bundes. Geschäftsführung:
Assessor Dr. Kleefeld Legationsrat Freiherr v. Nichthofen. Beirat:
Dr. Stresemann, Dresden, Obermeister nicht. Kassel, Mitglieder des Direktoriums des Hansabandes.
Palit
das Einreibemittel
Rheumatische Schmerzen. Reissen, Hexenschuss. In Apotheken Flasche M 1,30.
Er wollie noch mehr sagen, doch das Mädchen schnitt den Redestrom furz ab:„ Es ist schon gut, Ontel. Bitte, schreiben Sie nur sofort, ich sehne mich so sehr von hier fort, nach einer anderen Luft."
IV.
man
Es war fünf Tage später. Auf der breiten Chauffee, die zu beiden Seiten mit hohen Pappelbäumen einge= faßt war, fuhr ein offener Schlitten, wte ihn öfters auf dem Lande anzutreffen pflegt, in lang= famem Tempo dahin. Von ferne schimmerten schon die Lichter des Stationsgebäudes wie glühende Bunkte durch die hereinbrechende Nacht. Die volle Mondscheibe stand am Himmel und brettete ihren filbernen Schein über das herrliche Landschaftsbild. Links und rechts der Straßen erhoben sich ansehnliche Berge, von dunklen, alten Fichten gekrönt, deren weitausgestreckte breite Aeste sich unter der furchtbaren Schneelast bogen.
Vor den forbähnlichen Schlitten war ein anschetnend sehr widerspenstiges Pferd gespannt, denn von Zeit zu Zeit blieb es stehen und war weder durch Hiebe noch durch Zureden zum Weitergehen zu bewegen.
Das Gefährt wurde von einem älteren Herrn in grüner Weidmannsjoppe gelenkt. Haar und Bart wa ren leicht ergraut, aber aus den Augen leuchtete es faft jugendlich, und aus den zurufen, die er gelegentlich an das eigensinnige Pferd richtete, fonnte man schließen daß der Mann sehr viel Geduld besaß.
„ Na, nun noch ein Stückchen, alter Hans, dann find wir da," flang es ermunterno in gutmütigem Lon. Iteß die Peitsche spielend auf dem glänzenden Rücker des Tieres tanzen:„ Geh doch, mein Brauner, geh do wir tommen sonst nicht vorwärts!" rief er wiederum doch der Braune stand wote angewachsen und rührte E nicht vom Flede
( Fortegung folgt.)
Er schritt die hohen Steinstufen hinauf.
Wer beschreibt aber
sein Entfeßen, als er hoch oben an den Wänden
aufgehängt eine
noch deutlich erfernbar, denn
singai ir tenschenen aje, ugen, Oh
waren
Augen, Ohren und Mund
Der geheimnisvolle Richter.
mitgebrachte
Stimme, dem Mann die Fesseln mieder auföfen er ausgelesen hatte, wurde er afchfahl und befahl mit erſtidter gesetten. Dieserch das Siegel und las. Aber noch ehe und überreichte es dem wütenden Vor
Der Winter in allen
Lanben
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