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Gießener Zeitung
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( Neueste Nachrichten)
verteljährlich 1,20 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 90 Pfg.- Erscheint Rittwochs und Samstags. Redaktion: Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.
Nr. 38.
Telephon: Nr. 362.
Die Polizeigewalt im preußischen Abgeordnetenhause.
Berlin, 9. Mai. Im preußischen Abgeordneten hase mußte heute zum ersten Male der Präsident von en ihm durch die Geschäftsordnung gegebenen Recht Sobrauch machen, einen Abgeordneten durch herbei= rufene Polizei zwangsweise aus dem male entfernen zu lassen. Es handelte sich um jes Sozialdemokraten Julian Borchardt, effen Berhalten die Anwendung dieser peinlichen Maß eggel nötig machte. Er unterbrach den nationalliberalen geordneten Schifferer, der zum Besitzfestigungsgesetz prah, durch fortwährende Zwischenrufe von den Stu ern aus, die unmittelbar zur Rednertribüne führten. Bohl fünf- bis sechsmal forderte ihn der Präsident auf, ice Zwischenrufe zu unterlassen und sich auf seinen Blz zu begeben. Da Herr Borchardt den Anordnunjen des Präsidenten nicht Folge leistete, schloß ihn der Bräsident Freiherr von Erffa für den Rest des Sitzmy stages unter dem lebhaften Beifall der großen Mehrjeit des Hauses von der Beratung aus. Herr Borhardt leistete aber der Aufforderung, den Saal zu veraffen, nicht Folge, woraus der Präsident die Sizung eine halbe Stunde vertagte und von dem zustänelektrischen Bahn igen Polizeirevier polizeiliche Hilfe anforderte. Ben und zurüd Borchardt setzte sich nun auf seinen Platz und verblieb Heer Personen a 24 out, bis die Sitzung wieder aufgenommen wurde. Auf also an 300 Aras Ersuchen des Präsidenten erschien nun, begleitet von gleich Hem Botenmeister des Hauses, ein Polizeileutnant, der 50 Personen pro em schriftlichen Ausweisungsbefehl vom Präsidenten entPfg. mal 300 genennahm und ihn dem Abg. Borchardt überreichte. Diefer weigerte sich auch jetzt, den Saal zu verlassen, odaß der Polizeileutnant nach dreimaliger ergebnis= ofer Aufforderung mehrere Schutzleute herbeiwinkte, die Der Borchardt geradezu aus dem Saale schleifen mußen. Als sich hierbei der Abg. Leinert, der neben dem Gesamtein be. Borchardt saß, weigerte, den Schutzleuten Plaz 20 machen, zogen ihn diese hinter den Regierungstisch, mihn dort freizulassen. Der ganze Vorgang spielte sich 55 000 Mark Austr lautloser Stille des Hauses ab, nur auf der Trier Steuerzahüre versuchte eine Dame eine Kundgebung durch die Summe von andellatschen, wurde aber von den neben ihr sitzenden wieder die Gewerbejonen durch Festhalten der Hände an weiterem veriftel, die übrigen inpert. Präsident Freiherr v. Erffa gab ſeinem lebobiger Summe not affen Bedauern Ausdruck, daß dieser unangenehme bus aufzubringen Bonfall sich ereignen mußte. Als dann in der Weiterei der immer mehr erhtung fortgefahren werden sollte, erschien zu allgeder Stadt Gießen einem Staunen Herr Julian Borchardt wiekostspieligen und im Saal und mußte von den erneut herbeige5 ift Pricht eines Polizeibeamten nochmals gewaltsam zeten, die Rentabilt werden. Damit sich das nicht wiederhole, be
nahme 50 Personen Ottober bis 1. würde eine Ein
damit die Bürger
Steuerzahler nicht ten überrascht werde ng des Aftienbrauen
-Nähmaschine
Unter Feinden.
Roman von Karl Matthias.
( Nachdruck verboten.)
Comm," sprach fie, Gott schüße uns alle!" Bourlier folgte thr scheu. Er schauderte vor der Be
Konfektion und Sching' mit irgend einem Deutschen. Doch sollte ihm botrag. Reuerung, rad iese arter nicht erspart bleiben.
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finens Brekfire schreiten wollten, vertrat ihnen der Krankenwärter .24, Linienftr. 196. derselbe, welcher die Damen empfangen hatte, fine Brone II mit bauberwelsch, pas du chemin, tci, Civilisten haben hier
ehr. Gelt 30 Jahren G Reichseifenbahn- Beamten Arieger Bereine, berlenbet
Fordon, Monfieur!" rief er in seinem tomischen
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Seftig entgegnete Bourlier, daß er zu seiner Toch
Ah, votre fille, oh, je comprend famose," sagte tieze, der den Inhalt von Bourlters Rede gewandt efaßt hatte." Bon Bon! Restez tct, ich plet en peu Monsieur le docteur superieur.„ Aujust," ieffer über die Treppe,„ komm mal rauf, Wache halten, bem en bischen plöblich!"
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Da aber August nicht tam, gtng Kietze, ohne thn baarten und ließ den Weg fret. Bourlter öffnete worzüglich die Tür und trat in das Krankenzimmer. Defiree faß an der Seite des Bettes. In ihren tem ruhte die Hand des Geliebten, den fte zärtlich abde. Ste mochten gerade von ihrer Liebe gesproen haben, denn auf seinen Zügen glänzte der Auset wonnigen Entzückens. Als Bourlier die Tür öffrunnte sich den Grund thres Erbebens nicht erflända er von feinem Bette aus den Eintretenden nicht ben vermochte.
in B.80,100,120,16 erbleichte sie und schwieg. Auch Waldemar stuzte.
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Der Vater," flüsterte Destree leise, während thr Serz in der Brust stockte.
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gratis bei.
Expedition: Seltersweg 83.
Samstag, den 11. Mai 1912.
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setzte nun die Polizei im Auftrage des Präsidenten sämtliche Türen zum Sitzungssaal mit Schuhmannsposten. Zunächst wurde auch Herr Borchardt von Polizeibeamten begleitet, mit denen er allerlei Kurzweil trieb. So sprang er wiederholt in einen der Fahrstühle, wenn neben dem Fahrstuhlführer bereits drei Abgeordnete darin Platz genommen hatten. Da nun nicht mehr als vier Fahrgäste zugleich befördert werden dürfen, hatten suchen, wie sie ihres Schüßlings wieder habhaft wurdie Schutzleute das Nachsehen und mußten dann den, bis dann, wie gesagt, die polizeiliche Begleitung, die sich bis zu den verschiedensten Orten erstreckte, aufgehoben wurde und Herr Borchardt sich, abgesehen vom Sizungssaal, im Hause frei bewegen konnte. Ehe der Polizeileutnant das erstemal Borchardt sistieren wollte, hatte dieser erklärt, wer ihn von seinem Plaze bringe, vergehe sich gegen das Strafgesetzbuch, welches ein solches Vergehen mit einer Strafe bis zu 5 Jahren Zuchthaus ahnde. Der Präsident wies darauf hin, daß er im Hause das Recht eines Hausherrn habe.
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Zur Errichtung eines Unfallkrankenhauses in Gießen.
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( Gießener Tageblatt)
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Telephon Nr.: 362. 24. Jahrg.
Aerzte durch das Bestehen einer solchen Anstalt enorme Schädigungen ihrer Tätigkeit und vor allen Dingen ihres Ansehens die unausbleibliche Folge sein werden. Erfahrungen, wie sie unsere Kollegen aus der Umgegend von Kassel durch das vor mehreren Jahren errichtete Unfallkrankenhaus Kassel- Wolfsanger zu ihrem Leidwesen machen mußten, zwingen uns dazu, gegen die weitere Gründung eines derartigen Unternehmens unsere ernsten Bedenken geltend zu machen.
Wenn jeder Verletzte sofort nach Meldung des Unfalls der Fürsorge des Arztes, der die erste Hilfe geleistet hat, entzogen und in das Krankenhaus eingeliefert wird, so ist es klar, daß dadurch das Vertrauen der Bevölkerung in dem Praxisbezirk des Arztes zu diesem empfindlich erschüttert werden muß, da sie aus diesem Verfahren Zweifel von Seiten der betreffenden Berufsgenossenschaften oder Kasse an der Fähigkeit des Arztes, einen Verletzten sachgemäß zu behandeln, selbstverständlich folgert. Ist doch sogar in einem Artikel, der vor furzer Zeit im„ Gießener Anzeiger" durch einen Juristen veröffentlicht wurde, diesem Zweifel jetzt schon unbegreiflicher und völlig unberechtigter Weise flipp und flar Ausdruck verliehen,„ daß die meisten Aerzte von der Behandlung Unfallverletzter nichts verstehen"! Daß solche Beeinträchtigung der Ausübung des Berufs auf das Verhalten auch der Nichtangehörigen der Berufsgenossenschaften 2c. einen wesentlichen Einfluß ausüben wird, liegt auf der Hand. Wie sehr darunter die so notwendige Berufsfreudigkeit des Arztes leiden muß, braucht nicht betont zu werden.
Wir erhielten folgende Zuschrift mit der Bitte um Veröffentlichung: An die Redaktion der„ Gießener Zeitung" Seltersweg 83. Unterzeichnete ärztliche Kreisvereine Oberhessens und benachbarten ärztlichen Vereine der Provinz Hessen Nassau gestatten sich, Ihnen folgendes zu unterbreiten: " In der Errichtung eines Unfallfranken hauses sehen sie nach ihren Erfahrungen an anderen Stellen eine gefährliche Schädigung des ärzt- nahme Unfallverletzter und an Unfallfolgen Leidender in lichen Standes, sowohl in ethischer, wie materieller Hinsicht.
Es ist ferner ihre sichere Ueberzeugung, daß die medizinische Fakultät durch ein Unfallfrankenhaus erhebliche Einbuße erleiden wird".
Aerztlicher Kreisverein Gießen, Aerztlicher Kreisverein Friedberg, Aerztlicher Kreisverein Alsfeld.
Aerztlicher Kreisverein Schotten,
Aerztlicher Kreisverein Lauterbach,
Aerztlicher Kreisverein Büdingen, Verein der Aerzte des Kreises Wetzlar.
In der Begründung heißt es:
Die in Gießen geplante Errichtung eines Unfall=
errichtung angeführt wird, daß in ihm die jungen MeWenn als einer der Gründe für die Krankenhausdiziner für die Behandlung der Unfallverletzten ganz besonders gut vorgebildet werden sollen, so ist dem entgegenzuhalten, daß dies einerseits durch gesteigerte Auf
die Universitätskliniken in erforderlichem Maße geschieht, es andererseits bei Bestehen eines Unfallkrankenhauses für die Folge aber geradezu zwecklos wäre, da ihnen ja später die Verletzten doch sofort entzogen werden. Ja es wird dann dem Arzte sogar die Möglichkeit der in jedem Falle( besonders im Kriegsfalle) unbedingt erforderlichen Uebung im Behandeln von Wunden, Knochenbrüchen, Verrenkungen und anderen Verlegungen geradezu unterbunden. Sicherlich ist für die Ausbildung der jungen Mediziner der Unterricht in der Universitätsklinik der beste und geeignetste.
Nicht minder schwer geschädigt wer= den weiterhin die in größerer Zahl bestehenden kleineren Krankenhäuser in unserer näheren oder weiteren Umgebung( Friedberg, Büdingen, Niederwei
frankenhauſes gibt den unterzeichneten ärztlichen Vereinen Anlaß zu den schwersten Bedenken, da für die praktischen ſel, Hungen, Lauterbach, Laubach, Alsfeld, Bilbel, Nau
Der Verwundete verstand ihre Furcht nicht, er glaubte der Hausherr set in friedlicher Absicht zu thm gekommen.
" O, Herr Bourlter," rief er bewegt, Ste besuchen mich? Wahrlich ein Glück, das ich nicht zu erhoffen wagte. Seien Sie mir willkommen, reichen Sie mir Ihre Hand."
Er streckte dem Herrn die Rechte entgegen. Aber dteser schien es nicht zu bemerken. Langsam trat er an das Bett und berührte die Schulter seiner Tochter mit etstalter Hand.
Komm," sagte er tonlos.
Willst Du nicht Waldemar begrüßen, Papa? Steh, wie leidend er ist, wie er fich freut, daß Du bet thm erschienen. Reiche ihm die Hand zum Gruße, Papa!" " Nein, an seiner Hand flebt Oliviers Blut." „ Ste irren, Herr Bourlier, ich schwöre es Ihnen!" rief Tyrolt mit sichtlicher Anstrengung. Ich habe Oltvter retten wonen und es wäre mir gelungen, hätte er mich nicht heimtückisch angefallen. Hat er seine Tat mit dem Leben büßen müssen, so ist es nicht meine Schuld. Ich war bewußtlos und konnte ihn nicht vor der Rache meiner Leute schützen."
„ Bah, Spitfindigkeiten, um mich an betören," unterbrach ihn Bourlier mit aufloderndem 8orn.„ Nemand ist an dem Morde meines Sohnes schuld, als Ste, mein Herr! Wer führte die Prufftens auf Schleichwegen nach der Fabrit? Ste! Ber verriet thnen die schwachen Stellen der Verteidigung? Ste! Wer trieb unsere Menge in die Enge, daß sie sich mtt Olivier an der Spize Treppe für Treppe, Stufe für Stufe verteldigen mußten? Sie! Als Spion wellten Ste in meinem Hause, als Verrä ter fehrten Sie dahin zurad. Ein Mörber And Ste hter geworden, fett möchten te auch noch ein Dieb werden, indem Sie meine Tochter stehlen. bez bas gelingt ghnen nicht! Rie wird Destree Ihr Welb! Jede Beziehung zwischen uns Bat aufgehört, Sie selbst haben ble lebten
Fäden zerrissen, welche uns noch verbanden. Komm, Desiree!"
Er ergriff rauh seiner Tochter Hand, um diese gewaltsam mit sich zu ziehen. Aber Desiree ent schlüpfte ihm. " Papa ich kann nicht mit Dir gehen. Laß mich bei Waldemar, den ich liebe und den Du so ungerecht gefränft."
„ Du wagst es?!" rief Bourlier in unbändigem Zorne. " Ich muß Dir ungehorsam sein, weil Du Dich der besseren Einsicht verschließt. Waldemar braucht mich, wenn er genesen soll."
" Was tümmert das mich? Zum letzten Mal forbere ich Dich auf, tomm!"
Jean, Du versprachst mir Mäßigung", mischte sich Nataly in den Streit, ihren Bruder zurückhaltend, der fich wutschnaubend auf sein Kind stürzen wollte, um dieses gewaltsam an sich zu reißen.
" Laß mich," donnerte der Sinnlose sich freimachend. Ich will die Ungehorsame zum Gehorsam zwingen. Wenn Worte nichts ausrichten, muß Gewalt sprechen. Und sollte ich sie mit meinen Fäusten aus diesem 8tm mer tragen, hter bleibt die Schändliche nicht!"
Er ergriff die Hand setner Tochter, die einen Ietsen Schmerzensschret ausstieß. Vergeblich bemühte sich der Verwundete, sie zu schüßen.
„ Herr Bourlier, erbarmen Ste fich!" rief er verzwel felnd aus.
„ Erbarmen mtt Ihnen," hohnlachte dieser,„ oder mit dieser Ehrlosen? Lächerlich! Ehe ich mein Kind hter laffe, erdroffele ich es; tch wollte, ich könnte auch Ihnen an den Hals, elender Verräter!"
Ich denke, bas werden Ste bletben laffen", unter Drach der Oberarzt den Rafenden. Endigen Ste diesen Auftritt, verlassen Ste ben Ort, ben Ste ohne Erlaubnis Betraten." ( FortseBuna folat.)


