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Gießener Zeitung

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( Neueste Nachrichten)

Bezugspreis 40 pfg. monatlich verteljährlich 1,20 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig. ausgabestellen vierteljährlich 90 Pfg. Erscheint Mittwochs und Samstags. Redaktion: Selters­weg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Berlag ber ,, Gießener Zeitung" G. m. b..

Nr. 64.

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Telephon: Nr. 362.

Samstags liegt für die Stadtabonnenten der

Illustrierte Wochen- Anzeiger

gratis bei.

Expedition: Seltersweg 83.

Samstag, den 10. August 1912.

( Gießener Tageblatt)

Anzeigenpreis 20 Pfg.

Die

die 44 mm breite Inseratenzeile. 90 mm breite Zelle im Reklameteil 50 Pfg. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs. zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bet Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Druck der Gießener Verlagsbruckerei.

Telephon Nr.: 862.

24. Jahrg.

e Hundertjahrfeier d. Kruppschen Werke.| deutschen Roheisenerzeugung, die seit den 80er Jahren gehoben werden, daß Alfred Krupp, der Gründer der

Am Mittwoch nachmittag versammelten sich im hthof des Kruppschen Verwaltungsgebäudes über 500 gehörige der Kruppschen Werke in Gegenwart der tglieder des Direktoriums, des Aufsichtsrates und rtreter der Behörden, darunter der Handelsminister dow, des Oberpräsidenten von Rheinbaben, des erbürgermeisters Holle- Essen u. a. Der Handelsmi­er betonte in seiner Ansprache die Bedeutung des imer ndertjahrfestes und wies auf die hohen Aufgaben Firma hin. Auch der Kaiser habe sein lebhaftes In­se dadurch bekundet, daß er eine große Anzahl Aus­hnungen verliehen habe. Herr Krupp v. Bohlen und lbach dankte dem Minister und gab dann die Aus­hnungen bekannt, die verschiedenen Angehörigen der rfe vom Großherzog von Baden, dem König von irttemberg und anderen Landesfürsten verliehen wor­sind.

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Die Technische Hochschule in Darmstadt hat rn Krupp von Bohlen und Halbach die Doktor= rde ehrenhalber verliehen. Frau Friedrich Alfred upp, die Witwe des letzten Krupps", ist anläßlich Jubelfeier der Kruppwerke zur Ehrenbürge­n der Stadt Essen ernannt worden. Die so Geehrte im Laufe der Jahre mehrere Millionen Mark für iale und wohltätige Einrichtungen der Stadt Essen tiftet. Die Krupp Erinnerungs- Me= ille erhielten die Beamten und Arbeiter sämtlicher upp'schen Werke. Die Beamten, die mindestens ein hr angestellt waren, bekamen außerdem ein Monats= alt als Gratifikation, während die Arbeiter je nach er Dienstzeit mit einer Geldsumme beschenkt wurden. i den 70 000 Beamten und Arbeitern der Krupp­rfe macht das eine ganz erhebliche Summe aus.

Anläßlich der Hundertjahrseier sind von der Fa­lie und der Firma Krupp Stiftungen in Höhe 114 Millionen ins Leben gerufen worden. ervon entfallen drei Millionen auf Jubiläumsge­enfe an Arbeiter und Beamte, fünf Millionen für die dung eines Fonds zur Erteilung von Urlaub an ere und bewährte Arbeiter der Essener Gußstahl- Fa­, eine Million zur Schaffung eines Beamtenunter= kungsfonds, eine Million für verschiedene Zwecke. bei Millionen Mark werden der Stadt Essen zur Ver­jung gestellt. Schließlich werden zwei Millionen zur haffung von Sportplätzen, Soldatenheimen und der­ichen für Mannschaften der Armee und Marine ge­

tet.

Krupp und die deutsche Eisenindustrie gehören un­trennlich zusammen. und an dem Aufschwung der

Unter Feinden.

Roman von Karl Mattbias. ( Rodinck verboten.)

Es zeigte sich, daß die Hilfstrupt gleichzeitig auf et verschiedenen Wegen in das Schloß eingedrungen ren, durch das Erkerzimmer, über die Veranda und rch das Souterrain. Sie fanden zwanzig gutbewaff= te Franktireurs im Gebäude versteckt und nahmen sie int den beiden Lakaten, die vergeblich ihre Zugehörig­it leugneten, gefangen. Außer ihnen fand man den ten Laurence besinnungslos im Korridor liegend und rau Madelon im obern Stockwerke, welche anscheinend lafend int Bette angetroffen wurde. Olivier war urlos verschwunden. Baldreich nahm an, daß er sich in nem sicheren Versteck verborgen halte, und ließ eine ache in der Villa zurück. Ale, außer Laurence und tadelon, mußten der Patrouille folgen. Sie wurden ge­loffen nach Sedan geführt.

XXIV.

Tyrolt mußte einsehen, daß er in Sedan etwas lheres über Desiree nicht erfahren würde. Er nahm vor, sobald die Kämpfe, die in dieser Zeit gerade m den Besitz von Orleans tobten, zu Gunsten der vor­cingenden Deutschen entschieden sein würden, dort an tt und Stelle weitere Nachforschungen anzustellen, und hrte, ohne ncchmals nach Brüssel zu reisen, auf dem rzesten Wege nach der Heimat zurüď.

Obwohl verwundet, stellte er sich sofort zur Ver­Agung seiner vorgesetzten Behörde in Dresden.

Da er zur Zeit Halbinvalide war, schickte man thn icht zu feinem Truppenkörper, der vor Paris lag, son­rn übertrug ihm die Aufsicht der in Dresden befind­en Gefangenen. Diese lagen teils in der Neustädter Enfanteriefaserne, teils in Baraden unterhalb der Stadt. In ersterer waren Kranke und Verwundete un­

von 4,5 Millionen Tonnen auf etwa 17 Millionen Tonnen angewachsen ist, hat Krupp hervorragenden An­teil. Wenn die Kruppwerke im letzten Jahre auch einen Gewinn von beinahe 29 Millionen Mark abgeworfen haben, so ist das im Verhältfiis zu den Rieseneinnah­men des amerikanischen Stahltrusts, der 3. B. im ersten Vierteljahre 1912 beinahe 75 Millionen Mark ver= diente, ein magerer Gewinn. Dafür sieht es aber auch mit der Arbeiterfürsorge in Amerika schlimm aus.

Die Kanonenstadt Essen hat wohl faum je zuvor einen solchen Flaggenschmuck zur Schau getragen, als jetzt zur Jahrhundertfeier der Kruppwerke.

Mit dem Kaiser hat auch Prinz Heinrich am Donnerstag an der Kruppfeier teilgenommen. Der Kai­ser wurde vom Legationsrat Krupp v. Bohlen und Halbach und Gemahlin, von Frau Geheimrat Marga­rete Krupp und von Freiherrn v. Wilmoski und Ge­mahlin auf Station Hügel empfangen. Der Kaiser nahn in der Villa Hügel Wohnung. Dann begab er sich mit Herrn Krupp v. Bohlen und Halbach und Ge­folge in Automobilen vom Hügel nach Essen, von einem Spalier von Schulkindern, Bergleuten, Kriegervereinen usw. und einer vieltausendköpfigen Menge stürmisch bejubelt.

Sofort nach seiner Ankunft verlieh der Kaiser Herrn Krupp v. Bohlen und Halbach den Titel und Rang eines außerordentlichen Ee sandten und bevollmächtigten Ministers und Frau Berta Krupp von Bohlen und Halbach den Luisenor­den 2. Klasse, ein Zeichen, welche Bedeutung der Kai­ser der Tätigkeit des jetzigen Leiters der Kruppwerke beimißt.

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heutigen Größe des Werkes, auch frühzeitig die sozial= politische Aufgabe erkannt habe, die aus der neuen Be­triebsform entstanden. Die Arbeiterversicherung gegen Krankheit, Unfälle und gegen die Gebrechen des Alters, die in den Krupp'schen Fabriken eingeführt worden sei, habe die sozialpolitische Gesetzgebung vorbereiten helfen und sei vorbildlich für andere Unternehmungen gewor­den, ebenso die Krupp'sche Fürsorge des Konsumver­einswesens und die Arbeitererholungsheime. Der Kaiser schloß mit dem Wunsche, daß der jetzige Leiter des Wer­kes das Unternehmen fortführe im Sinne des Gründers, zur Ehre des Namens Krupp, zum Wohle seiner Ar­beiter und Angestellten, zum Ruhm für die deutsche Industrie und zur Freude für das deutsche Vaterland. In den Ruf des Kaisers: Das Haus Krupp Hurra! Hurra! Hurra! stimmte die vielhundertköpfige Ver­sammlung begeistert ein.

Nach einem Frühstück unternahm der Kaiser eine Fahrt zu den Kruppschen Wohlfahrtsanstalten, die der Kaiser eingehend besichtigte. Abends fand auf Villa Hügel ein Familiendiner statt, an dem außer dem Kai­ser und dem Prinzen Heinrich, der Reichskanzler, die Generale, Admirale, Minister und die höheren Beamten der Kruppwerke teilnahmen.

Die Hauptfestlichkeiten erreichten am gestrigen Frei­tag ein unerwartetes Ende durch das Grubenunglück auf Zeche Lothringen".

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Eine Grubenkatastrophe.

Steiger, zwei von 25 Schwerverletzten und drei von den Leichtverletzten, im ganzen also 108 Menschen, zum Opfer fielen.

Bochum, 8. August. Heute vormittag ereignete sich auf der Zeche Lothringen 1 und 2" in Gerthe eine Schlag wetter- und Kohlenstaub Ex­Nach einer kurzen Begrüßungsansprache des jüng- plosion, der 103 Bergleute unter Tage, darunter 2 ften preußischen bevollmächtigten Ministers Krupp von Bohlen und Halbach verlas der Kaiser eine Rede, in der er an die Zeiten vor 100 Jahren anknüpfte und ausführte, daß mit dem Erstarken Preußens und des Deutschen Reiches das Werk immer größer geworden sei. Zu dem Ruhme des deutschen Volkes und der deutschen Industrie habe Krupp beigetragen. Wenn heute von Krupp gepanzerte Schiffe die Flagge des Deut­schen Reiches über die Meere führten und deutsche und fremde Armeen mit Waffen aus den Kruppschen Fa­briken bewaffnet seien, so sei doch das Kruppsche Un­ternehmen nicht nur auf dem Gebiete der Kriegsfabri­fation, sondern auch in der Herstellung von Friedens­materialien von großer Bedeutung, und deshalb ist es auch kein Kriegssymbol, sondern ein Friedenssymbol, wenn der Radreifen in das Familienwappen der Krupps übergegangen sei. Ganz besonders müsse aber hervor

.rgebracht. Alle befanden sich bet scharfer Bewachung Jurch sächsische Landwehrmänner viel weniger übel als hre Kameraden draußen auf den schnee- und etsbedeck­ten Schlachtfeldern an der Loire, Seine und Somme. Fretlich waren die Insassen der Kaserne eng zusammen­gepfercht. Es herrschten dort Krankheiten, und die da­von Ergriffenen konnten nicht leicht allein gelegt wer­den, um Ansteckung zu verhüten. In den Baracken sah es besser aus. Aber die verweichlichten Franzosen flag­ten über die verrschende Kälte und quälten den inspt­zierenden Offizier, wo er ging und stand, mit ihren Be­schwerden.

Als Waldemar seinen Dienst antrat, wurde es ihm bald flar, wie unangenehm und zudringlich die Gefan­genen werden konnten. Offiziere und Gemeine, Hoch und Niedrig, stellten sich ihm in den Weg und klagten ohne Maß und Vernunft. Er war anfangs bemüht, fedem nach Kräften zu helfen, aber bald sah er ein, daß er eine Sisyphusarbeit übernommen und hielt sich die Lästigen vom Leibe.

Eines Tages, als er über den Kasernenhof ging, be= gegnete er einem Gefangenen, welcher mit auffallender Ehrerbietung das Käppi zog und zur Erde geneigt vor thm stehen blieb.

Schon wollte Waldemar dem Wachtposten einen Wink geben den Zudringlichen zu entfernen, als dieser sich schnell aufrichtete und sein Gesicht zeigte.

Pumarquet," sagte Tyrolt, den Menschen erken­nend. Leben Sie noch?"

Sehr wohl, Herr Leutnant. Es ist zwar ein Hunde­leben, aber beffer als gar keins.. Eigentlich habe ich es auch nicht besser verdient. Weshalb plagt mich der Teufel, unter die Patrioten zu laufen? Aber welche find hier, die es schlimmer haben als ich, nach denen soll­te man besser sehen."

Kurze Zeit nach dieser Unterredung fand Waldemar unter den Gefangenen Jean Bourlier, der verwundet

In die Festesfreude auf dem Hügel bei Essen klangen die Totenglocken von Bochum hinein. Sie verscheuchten Frohsinn und Becherklang; der Kaiser sagte seine Teil­nahme an allen weiteren Festlichkeiten aus Anlaß der Krupp Jahrhundertseier ab. Von der Feier auf dem Hügel fuhr er am Freitag auf die Un­glücksstätte bei Bochum. Prinz Heinrich, der Reichs­kanzler, Krupp von Bohlen und Halbach), Handelsminister Sydow waren ihm gefolgt Der Kaiser ließ sich an Hand von Plänen die Lage der Unglücksstelle und die näheren Umstänge des Unglücks erklären. Gleich darauf ließ sich der Kaiser zwei Mann der Rettungsmannschaften und zwei Väter vorstellen, deren Söhne bei dem Unglück um­war und dumpf vor sich hinbrütete. Auf die Frage des Leutnants, ob er ihn erkenne, antwortete Boulter:

Bu Befehl, Herr Leutnant Tyrolt. Sie sind der Kommandeur dieses französischen Massengrabes. J habe die Ehre, Ihnen mein pflichtschuldiges Honneur zu machen. So hat Pumarquet also doch geplaudert? Und ich verbot es ihm ausdrücklich. Entschuldigen Ste, daß ich Sie fißend empfange. Seit den Kämpfen son Orleans plagt mich der Rheumatismus."

Sie wußten, daß ich hier tommandtere, unb vere mieben es, mich zu treffen?" fagte der Offister mit lel tem Vorwurf.

" Glauben Ste, daß mir Ihr Anblick Frende beret tet?" fragte der Alte sarkastisch dagegen. as hätte unsere Begegnung wohl für einen 8wedt gehabt?"

Ich bin bemüht, einem jeden sein Recht zu vez. schaffen. Um wieviel mehr meinem früheren Freunde und Vater!"

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Welches Recht?" meinte Bourlter, ohne auf den Schlußsaß einzugehen."

Sie sind Offizier, Sie haben ein besseres Unter­tommen zu beanspruchen."

Man hat es mir verweigert, als ich meine An­sprüche geltend machte, jest habe ich mich mich einge­wöhnt. Es ist ohnehin gleichgültig, ob es hter oder anderweitig zu Ende geht."

Sie sind trant? Sie tragen den Arm in der

Binde?"

" Nicht der Nede wert. Eine Wunde, die nicht heilen will. Ich mochte nicht länger im Lazarett bleiben, unb als mein Kopfhieb sich einigermaßen gefchloffen hatte, meldete ich mich gesund."

Man durfte Sie nicht fortlaffen, bevor Ste voll­tommen genesen waren."

Das werde ich überhaupt nicht mehr. Doch web= halb, darüber sprechen? Ich beklage mich nicht, und täte ich es, wer kümmerte sich darum?"( Forts. folgt.)