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10.2.1912 Erstes Blatt
 
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Die Bertagung der Präsidentenwahl

im Reichstage.

In Erwartung der Präsidentenwahl hatte sich schon In den Vormittagsstunden des Donnerstag vor dem Reichstagsgebäude eine große Menschenmenge einge­funden. Um die Erlangung von Tribünenkarten wurde faft mit der gleichen Leidenschaft gefämpft, wie um einen Blaß im Operrhause zu einem Caruso- Gastspiel. Schon lange vor dret ühr begannen sich denn auch die Tribü nen dichter und dichter zu füllen. Nur der Sigungssaal blteb noch leer. Die Fraktionen hielten noch sämtlich Sibungen ab, in denen man sich über die Präsidenten­frage bte Köpfe zerbrach. Diefe Beschäftigung hatte of= fenbar ansteckend gewirkt. Ueberall, wo auf den Jour nalistentribünen und in den Gängen zwet oder dret beisammen standen, drehte sich die Unterhaltung nur um die eine Frage: Wer wird Präsident? Die verschte­bensten Vermutunget wurden aufgestellt, doch neigte fich die überwiegende Mehrheit der Meinung zu, daß die Nationalliberalen den Präsidenten stellen würden.

Borfizenden Freiherrn von Wangenheim- Klein- Spie gel; Geschäftsbericht für 1911, erffattet vom Direttor des Bundes, Dr. Diederich Hahn; Die Reichstagswah Jen, Referent: Rittergutsbesizer von Oldenburg- Janu­schau; Die Wirtschaftspolitik der Zukunft, Referent: Pfarrer Heckenroth; Diskussion.

Völlig im Dunkeln tappte man aber bet der Frage, welche Parteien die Vizepräsidenten stellen würden. Die Frage spizte sich schließlich dahin zu, ob das Bentrum oder die Sozialdemokratie den ersten Bizeprä­fidenten präsentieren werde. Beide Parteten tonnten gleich gute Ansprüche auf Berücksichtigung erheben: die Sozialdemokratie hätte sich als stärkste Partet durch Verzicht auf den Präsidenten ein gewisses Anrecht auf die erste Vizepräsidentenstelle erworben, das Zentrum aber fonnte sich auf den Standpunkt stellen, daß ein Verzicht der Sozialdemokratie auf das Präsidium fet­nesfalls auf Kosten des Zentrums erfolgen dürfe. Als awettstärkste Partet ist aber, rein rechnerisch, das Bentrum in erster Linie zur Stellung des ersten Vize­präsidenten befugt. Dazu kommt dann noch die Erwä­gung, daß bei der fast gleich starten Besetzung der bet­ben großen Parteigruppen des Hauses es im Interesse einer ordnungsmäßigen Geschäftsführung zweckmäßig erscheinen mußte, einem Präsidenten der Linken einen Vizepräsidenten der Rechten zur Seite zu stellen.

Bu der geplanten Nenregelung der Sonn- und Fei­ertagsruhe im Handelsgewerbe wird der Tgl. Rdsch." von eingeweihter Seite mitgeteilt: Die gefeßliche Neu­regelung erfolgt nicht als Novelle zur Gewerbeordnung, sondern als sebständiges Gesez, entsprechend der in den lezten Jahren entstandenen Uebung, gewisse Materien aus der Gewerbeordnung herauszunehmen und durch eigene gefeßliche Bestimmungen zu regeln. Die wich­tigste Neuerung ist die Herabsetzung des gefeßlichen Ar­beitsmaximums ar Sonntagen von fünf auf zwei Stun= den. Unberührt bleiben die Bestimmungen, die den Ge­meinden das Recht verleihen, durch Ortsstatut die Sonn­tagsarbeit im Handelsgewerbe überhaupt zu verbieten.

So standen die Chancen völlig gleich und mit Spannung sah man den Dingen, die da kommen sollten, entgegen. Natürlich tauchten hier und da auch noch an­dere Kombinationen auf. So wurde auch Graf Schwe rin- Löwiz als Präsidentschaftskandidat genannt, und der Abgeordnete Kampf für den Posten des zweiten Bizepräsidenten. Die Schwierigkeiten wurden dadurch noch gesteigert, daß auch die Personenfrage noch nicht ganz gelöst schien. Das Zentrum verfügte über zwei Kandidaten, den Freiherrn von Hertling, und den Abg. Spahn. Der erstere galt als Favorit. Seine plöbliche Berufung nach München, wo er das Kabinett bilden soll, brachte deshalb noch ein neues Moment der Un­ficherheit in die Verhandlungen hinein.

Die englische Kritik über den Spionageprozeß Stewart ist, von wenigen Ausnahmen abgesehen, un­freundlich gegenüber Deutschland, sucht die tatsächliche Lage falsch zu schildern und spricht in erregten Tönen von einem falschen Urteilsspruch. Bemerkenswert ist die aus thr hervorgehende Tatsache, daß troß aller An­näherungsversuche und geheimen Andeutungen die eng­lische Feindschaft in threr ganzen Unversöhnlichkeit fort­besteht. Das preußische Landesökonomiekollegium hat am Donnerstag in Berlin seine Beratungen begonnen. Der preußische Landwirtschaftsminister Frhr. v. Schor­lemer- Liefer dankte den preußischen Landwirtschafts­fammern dafür, daß sie dazu beigetragen hätten, auch threrseits den unbegründeten und übertriebenen Ge= rüchten und Behauptungen über eine Teuerung und über eine mangelrde Versorgung des Vaterlandes mit Fleisch und Brotgetreide entschieden entgegenzutreten.

Bwischen all diesen Mutmaßungen platte furz vor 8 Uhr das Gerlicht hinein, der Reichstag werde sich als= bald nach Eröffnung der Sizung wieder vertagen. An­fangs wurde es mit einem halb ungläubigen Lächeln aufgenommen. Bald trat es indessen mit größerer Be­ftimmtheit auf, und als um 3% Uhr der Alterspräsi dent Traeger die Sibung eröffnete, wußte man bereits mit Gewißheit, was die Glocke geschlagen.

Nach Verlesung einiger geschäftlicher Mitteilungen durch einen der provisorischen Schriftführer erklärte der Präsident Traeger:" Wir treten nunmehr in die Ta­gesordnung ein. Es liegt hierzu ein Vertagungsantrag vor." Abg. Baffermann, der Führer der nationallibe= ralen Partei begründete diesen Antrag kurz mit dem inaria da Die Behan Wegen der Bräfident­schaftswahl noch nicht völlig zum Abschluß gelangt seten. Nachdem der Abg. Gröber diesen Ausführungen beige­pflichtet hatte, schritt man zur Abstimmung, bei der sich faft das gesamte Haus, das übrigens gut besetzt war, für den Antrag erhob. Dann vertagte sich das Haus auf Freitag mittag 2 Uhr.

Italienische Berlufte in Benghaft. Nach einer De pesche des Kommandanten von Benghasi, die das tur fische Kriegsministerium veröffentlicht, sollen die Ita Itener in den letzten Gefechten zu Ende des Monats Januar mehr als 1300 Tote gehabt haben, die auf die Kriegsschiffe gebracht worden jefen. Die Stadt set voll von Verwundeten. Einige italienische Kompanien seien vollständig vernichtet. Die Türken und Araber hätten im ganzen nur 28 Tote und 89 Verwundete gehabt. Die Berliner Stadtverordnetenversammlung hat die Verstadtlichung des Rettungswesens beschlos fen, dagegen die Uebernahme des Arbeitsnachweises in städtische Regte abgelehrt. Im Schacht begraben. In Californien wurden 65 Mann in der Buncer- Hill- Grube durch Einsturz eines Schachtes infolge morsch gewordener Balfen lebendig begraben. Man ist bemüht, die Verunglückten zu retten. Der Fürst zur Lippe hat aus seiner Privatschatulle die wirtschaftliche Sicherstellung der durch den Theater­brand in Detmold engagementslos gewordenen Mit­glieder des Hoftheaters bewilligt.

Ein sozialdemokratischer Wahlrechtsantrag ist im preußischen Abgeordnetenhause eingegangen. Die Ab­geordneten Borchardt( Berlin) und Genossen haben Abänderungsanträge zu den bürgerlichen Anträgen auf Reform des Wahlrechtes eingebracht, die das gleiche, direkte und geheime Wahlrecht für alle großfährigen Einwohne: ohne Unterschied des Geschlechts fordern.

Auf den Tribünen wurde dieser etwas klägliche Ausgang des großen Tages" mit einiger Heiterkeit aufgenommen.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Eine neue Drohung Italiens. Londoner Blättern wird aus Konstantinopel telegraphiert, Italten habe, des langen Krieges müde, die Mächte davon in Kennt= nis geseßt, daß, wenn die Türkei sich nicht bald zum Friedensschluß bequemen werde, die Operationen bis nach Konstantinopel ausgedehnt werden müßten. Die Pforte hat infolgedessen beschlossen, alle italienischen Banken, Versicherungsgesellschaften und andere italte­nische Institute in der Türkei zu schließen.

Wie wird sich das Reichstagspräsidium zusammen fezen? Von maßgebender Seite wurde nach der Voss. Big." der Vorschlag gemacht, zum ersten Reichstagsprä­fidenten einen Nationalliberalen, zum ersten Vizeprä­fidenten ein Mitglied des Zentrums und zum zweiten Bizepräsidenten einen Freisinnigen zu machen, doch ist dieser Vorschag bisher von den Fraktionen nicht ange= nommen worden. Die Polen haben die Erklärung abge­geben, daß sie für feinen Präsidenten aus der national­liberalen oder der Reichspartei zu haben wären.

Die Generalversammlung des Bundes der Land­wirte, die, wie mitgeteilt, am 19. Februar im Sport­palast in Berlin stattfindet, wird nach folgender Ta­gesordnung abgehalten werden: Ansprache des Bundes­

Die Herren von Dieskaut.

20)

Original- Roman von Franz Treller. ( Nachdruck verboten.)

Seine Mutter seine Mutter!

Kleine Nachrichten.

Brinzessin Viktoria Luise von Brenßen reist am Samstag nachmittag zu längerem Erholungsaufenthalt nach St. Morit bezw. Celerina, wo auch das deutsche Kronprinzenpaar weilt.

Ein Denkmal für Scharnhorst. Auf dem Schlacht­felde bet Groß- Görschen soll dem Helden der Be­freiungstrieoe Scharnhorst zur hundertsten Wiederkehr des Schlachttages am 2. Mat 1913 ein Denkmal errich= tet werden.

Leipzig als dritte unter den deutschen Groß­städten. Mit dem gestern gefaßten Beschluß der Leip­ziger Stadtverordneten, die beiden großen Vororte Leusch und Schönfeld mit über 30 000 Einwohnern ein­zuverleiben, tritt Leipzig an die dritte Stelle unter den deutschen Großstädten.

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Ein bemerkenswertes Urteil hat dieser Tage das Oberlandesgericht in Celle gefällt. Ein dreifähriges Mädchen war von dem Hofhund der Pflegeanstalt, in der man die Watie untergebracht hatte, an der Wange verletzt worden und hatte eine dauernde Narbe davon= getragen. Nun klagte der Vormund nicht nur auf das übliche Schmerzensgeld gegen den Tierhalter, sondern um eine größere Entschädigungssumme wegen Vermin­derung der Heiratsfähigkeit. Tatsächlich wurde dieser Anspruch in Höhe von 2500 Mark anerkannt, die bet dem zarten Altec der fraglichen Ehekandidatin mit Bins und Zinsesains in fünfzehn Jahren schon eine leidliche Mitgift abgeben.

Reine Zeppelinluftschiffe mehr? Vor wenigen Wochen taqte in Friedrichshafen die Generalversamm­lung der Zeppelin- Bau- A.- G. Bei der Rechnungsle­gung sollen auch die Aussichten des kommenden Jahres dargelegt und angedeutet worden sein, daß die Heeres­verwaltung vorerst keine neuen Zeppelinluftschiffe an­zuschaffen geoenft.

Er las nun den beiliegenden Brief seiner wirklichen Mutter mit unendlicher Rührung. Welche Unschuld, welche Liebe, welch ein edler Sinn sprach aus den ver­gilbten Zeilen.

Bwei russische Flieger tödlich verunglückt. Zwei Flieger der Luftschiffschule in Sewastopol sind auf einem Farman- Zweidecker abgestürzt. Es erfolgte eine Ben­zinexplosion, bei der die tödlich verwundeten Flieger verbrannten.

Die Vorliebe für alles Ausländische scheint leider in Deutschland schier unausrottvar zu sein. Einen neuen Beweis für diese traurige Tatsache bildet folgende Ge­schichte: Ein bekanntes Berliner Geschäft bot sehr hüb­sche Blusen unter dem Namen Berliner Blusen" an, aber ohne Erfolg. Da nannte es diese Kleidungsstücke Wiener Blusen". Und siehe da: bald war der ganze Vorrat verkauft.

Mit Tränen legte er ihn aus den Händen. Der Familienname seines Vaters war überall sorgfältig ausradtert.

Dann las er die Briefe seines Vaters an seine Mutter.

Es lag eine so tiefe männliche Zärtlichkeit darin, eine solch frohe Hoffnung auf eine glückliche Zukunft, baß ihm bet dem Gedanken an das herbe Schicksal dieser beiden thm so nahe stehenden Menschen das Herz er­schauerte.

Ein sensationeller Diebstahl.

Diplomatische Geheimakten im Expreßzug geraubt?

Londoner Blättern wird aus Genf gemeldet: Ein geheimnisvoller und fühner Raub einer Depeschentasche, die wertvolle diplomatischen Dokumente ent­hielt, trug sich Mittwoch abend im Expreßzuge Rom­Berlin zu. Die Tasche befand sich in der Obhut eines hervorragenden Diplomaten, der Mitglied der deutschen Botschaft in Rom ist. Als sich der Expreßzug noch innerhalb der Schweizer Grenzen be fand, entdeckte der Diplomat plöblich seinen Verlust. Man fuchte das Coupé ab, ohne eine Spur zu ent decken. Es zeigte sich jedoch, daß einige Schmucksachen und andere wertvolle Gegenstände nicht berührt waren, woraus man schloß, daß der Die tahl wahrscheinlich das Werk etnes politischen Agenten sei. Da alles Nachsuchen fruchtlos blieb, wurde der Zug in Göschenen angehalten. Nun fand eine gründliche Un­tersuchung statt. Die Passagiere, darunter viele Ame­rikaner und Engländer, wurden einem scharfen Verhör unterzogen und ihr Gepäck wurde viel gründlicher un­tersucht, als es die Zollbeamten zu tun pflegen. Koffer mußten geöffnet werden, Retsedecken wurden befühlt und die Bassagiere ersucht, von ihren Sitzen aufzustehen. Alles war umsonst. Die Depeschentasche war und blieb verschwunden. Nach einer halben Stunde fruchtlosen Sucens jegie der expreßzug feine Nette aut Geschichte klingt sehr geheimnisvoll und unwahrscheine Itch, weshalb man gut fut, sie mit einem Fragezeichen zu versehen.

Aus Furcht vor Strafe wegen einer Unart erhängte sich in Neumünster der neunjährige Sohn eines Arbei­ters entkleidet auf dem Boden der elterlichen Wohnung.

Lange faß er in tiefer Bewegung vor diesen reden­ben Zeugen einer fernen Vergangenheit.

Ein militärischer Erkundungsflug Berlin- Hamburg ist am Donnerstag ohne Zwischenlandung ausgeführt worden. Oberleutnant Barends als Führer und Leut­nant Solniz als Beobachter flogen auf einem Militär­flugzeug( Taube) von Berlin- Döberitz nach Hamburg­Wandsbeck in 24 Stunden( 240 Kilometer).

Frau Toselli in Wilmersdorf? Ein Berliner Blatt bringt die Nachricht, daß Frau Toselli in Wilmersdorf bet Berlin thr Quartier aufgeschlagen habe. Ste soll in der Xantener Straße eine Wohnung gemietet haben. Die Bestätigung der Nachricht dürfte abzuwarten sein.

Sein Blick ftet auf die Unterschrift des Briefes. Mutter! Ja, das wirst du mir bleiben, du warst die beste und zärtlichste der Mutter. An dem Grabe, das die beiden uns so teuren Reste umschließt, will ich in ehrfurchtsvoller Liebe jener Frau gedenken, die mir einst das Leben gab, ihrer und deiner, die an thre Stelle trat. Ach, arme, arme Mutter."

Es dauerte lange, ehe die erregten Wogen seiner Seele sich einigermaßen glätteten.

Tatsache nichts, daß er Hermann Holtau war und bleiben werde.

Am anderen Morgen verabschtebete er sich auf Meerholz und reiste zu Hilda, um ihr seinen Mißerfolg auf Dieskau zu melden und sich auch von ihr zu ver abschieden.

Sie vernahm von dem ihm auf Dieskau zuteil ge= wordenen Empfang mit Entrüstung. Harald hatte thr geschrieben, sie habe sich sofort auf dem Schlosse und ohne Frau von Herstell einzufinden, da sie sonst kein Geld erhalten werde.

Ihr das Gehetmnts, das sein Leben umgab, zu of< fenbaren, sparte er sich für später auf, es änderte an der

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Und denke Dir," fügte sie hinzu, fast gleichzeitig werden mir zweitausend Mark von unbekannter Hand zugestellt Du Böser, haft mir gewiß das Geld ge­schickt-"

Holtau war sehr überrascht.

Sicher nicht, obgletch ich Dir bereits einen Kredit bei einem Bankhause eröffnet habe; ich hoffe, daß Du thn fleißig benutzen wirst."

Aber wer kann das Geld geschickt haben?" " Das wird sich ja aufklären."

Die Geheimnisse der Spielhölle.

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Ein Spielerprozeß, der intereffante Einblicke in das Treiben einer Spielhölle gewährt, beginnt am nächsten Montag vor der Straffammer zu Düsseldorf. Im Ok­tober v. J. wurde von der Polizei ein Spielklub in der Hohenzollernstraße aufgehoben. Die Leiter dieses erst im April 1911 unter dem Namen Casino- Gesellschaft" ge= gründeten Spielklubs waren der in dem harmlofen"= Prozeß vielgenannte und in den Spielerkretsen des In­und Auslandes hinlänglich bekannte frühere Gerichts­referendar Dr. Schröder aus Berlin, die Brüder Frei­herr Georg von Wrede und Kapitän August von Wrede und der Kaufmann Gustav Löwen aus Cöln. Bet der Schließung der Spielhölle wurden außer einem Nou­lettespiel mehrere tausend Mark bares Geld beschlag­nahmt, auch bei den Verhafteten eine Anzahl sie sehr stark belastender Briefe vorgefunden. Es wurde fest­gestellt, daß recht erhebliche Beträge am Roulettetisch gemacht und daß die Mitspieler tüchtig geschröpft wur­den, so daß manche in ihrer wirtschaftlichen Existenz arg bedrängt sind.

Daß Hilda nicht nach Dieskau gehen würde, war selbstverständlich, Frau von Herstell und sie blieben zu­sammen.

Es wurde fest vereinbart, wenn die Einwilligung des Freiherrn nicht zu erlangen set, daß dieHochzett nach Hildas erlangier Volljährigkeit auch ohne des Vaters Willen stattfinden sollte. Bis dahin mußten noch acht Monate vergehen.

Bärtlich verabschiedeten sich die Liebenden. Holtau mußte einige Tage dringenden Geschäften in Berlin widmen, um dann nach England zurückzukehren.

*

Still wie immer lag der Kirchhof in Breitenbach da. Es war herbstlich geworden. Gräser und Blätter verrieten es deutlich, daß die Natur sich zu langem Schlafe anschickte.

den, sauste durch die Salten der Harfe, die zum Spiel für ihn am Baume hing, entlockte ihr dumpfe, geister­hafte Akkorde und trug ste weit dahin auf seinen Schwingen.

Der Wind rauschte durch bte 8welge und fandte raschelnd welkes Laub zur Erde nieder, er schüttelte rauh bte spärlichen Blitten, die noch auf den Gräbern stans

In die absterbende Natur paßte als Staffage das alte Weib mit dem runzeivollen Gesicht; sie saß wie fast täglich, auch heute wieder auf einem Grabstein, vor sich htustierend oder aus Gras, welken Blättern und den letzten Blüten des Jahres Totenkränze flechtend.

Ein hochgewachsener junger Mann betrat den Kirch­hof. Langsam schritt er auf den schmalen Pfaden ent­lang und schaute suchend umher.

Bald ftel sein Blick auf das hohe Marmorkreuz. Er ging darauf zu, stand vor ihm still und las die Inschrift, den Namen Marie".

In der Hand trug er einen Strauß von weißen Ro­sen; er legte ihn auf das Grab nieder, faltete die Hände und seine Lippen bewegten sich in letsem Gebet. Ernst und feierlich war der Ausdruck seines Ange­fichts.

Er war so in sich versunken, daß er das alte Weth nicht gewahrte, das nicht weit von ihm saß und thn mit großen Augen anstarrte, auch nicht den Herrn, der lang­sami zwischen den Gräbern zu ihm heranschritt.

,, Arme Mutter, arme Mutter, wie früh entführte Dich der Todesengel dieser Erde. Arme Eltern, die ein neidisches Geschick nach kurzem Glück so grausam trennte und so weit entfernt von einander zum letzten Schlafe bettete.

Könnt ihr herniederschauen zu diefer Stätte, thr Teuren, so sehet euren Sohn in liebevoller Ehrfurcht eurer gedenken! So lange ich atme, will ich eurer nicht vergessen!"

So stiegen die Gedanken empor aus seiner Seele Tiefe, als er mit gefalteten Händen dastand. Wethe volle Stimmung lag über thm.

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