Die„ bombensicheren" Wahlkreise.
Unter den 897 Reichstagswahlkretsen, die am 12. Januar nen befeßt werden sollen, gibt es nur verhältnismäßig wenige, die von den einzelnen Parteien als ficherer Besitz angesehen werden können. Die Nachwahlen zum Reichstag sett 1907 haben in dieser Beatehung fo etgenartige Ergebnisse gezeitigt( LablauBehlau, Konstanz- Ueberlingen usw.), daß man von einem„ absolut sicher" nur noch in wenigen Fällen reden kann. Immerhin aber lassen sich nach dem seitherigen Ausfall der Wahlen, nach der Zusammensetzung der einzelnen Wahlkreise usw., gewiffe Schlüsse ziehen. Im folgenden sind jene Wahlkreise angeführt, in denen den einzelnen Parteten bei der Hauptwahl 1907 mehr als 60 Prozent aller abgegebenen Stimmen zufielen.
Am stärksten ist dabei das 3entrum vertreten. Es hatte 64 Wahlkreise aufzuweisen, in denen mehr als 60 Prozent der Wähler für diese Partet stimmten. In 18 Kreisen wurden zwischen 60 und 69 Prozent, in 23 zwischen 70 und 79 Prozent und in 15 zwischen 80 und 89 der Wahlzettel für das Zentrum abgegeben. Als totfichere Wahlkreise dieser Partei sind 8 zu bezeichnen, in benen sie 90 bis 96 aller abgegebenen Stimmen erhielt. Geilenkirchen mit 96 Prozent steht hier obenan. Zwet Wahlkreise, die dem Zentrum vorläufig absolut sicher find, erwecken durch die Zahlenverschiebungen seit den Hauptwahlen 1907 besonderes Interesse. Es sind Schleiben- Malmedy und Lüdinghausen- Beckum. Den ersteren vertrat früher der verstorbene Prinz von Arenberg. Er erhielt bei der Hauptwahl von 18574 abgegebenen Stimmen 17 418. Die Nachwahl, zu der ein Zentrumssonderkandidat aufgestellt war, brachte einen Rückgang von rund 7000 Stimmen. Ebenso gingen bei der Nachwahl in Lüdinghausen- Beckum, wo der Herzog von Arenberg gegen einen Zentrumskandidaten gewählt worden war, zirfa 8000 Stimmen verloren.
Nächst dem Zentrum find es die Konservattven, die über die meisten sicheren Wahlkreise verfügen. Es find 16 Kreise, in denen mehr als 60 Prozent aller Stimmen dem Konservatismus zufallen. Und zwar stimmten konservativ in 5 Kreisest mehr als 60 Prozent, in 3 Kreisen mehr als 70, in 6 Kreisen mehr als 80 und in 2 Kreisen mehr als 90 Prozent.
Kleine Dachrichten.
Im Büro überfallen. Der Direktor Rodkinson Berlin wurde in seinem Büro in der Zimmerstraße von einer Pußmacherin durch dret Schuffe lebensge
fertigte Beunruhigung hervorgerufen haben. Unter dem Gesichtspunkt, daß jener Diebstahl wiederum mit Spionage zusammenhängt, erscheint es aber als ganz unzureichend, auf die Ergretfung des Täters den gertngen Preis von 300 Mart auszusehen. Wie unsere 3t vilbehörden längst eingefehen haben, daß die aufhelfährlich verlest. Die Täterin flüchtete und verletzte sich lung von Kapitalverbrechen durch das Aussehen durch einen Revolverschuß auf der Treppe des Hauses erheblicheren Summe günstig beeinflußt wird, so sollte ebenfalls sehr schwer. auch unsere Militär- und Marineverwaltung für die Ergreifung von Spionen ungefäumt weit höhere Summen als 300 Mart aufwenden. Solange das nicht ge= schteht, werden die beteiligten Elemente an den Ernst der Abwehr gegen Spionage nicht glauben und damit einen Anretz zur Fortseßung thres ruchlosen Tuns haben. 3000, 5000, 10 000 Mart und mehr dürfen keine Rolle spielen, wenn es die Sicherheit des Reiches gilt. Im Verhältnis zu unserem Rüstungsaufwand spielen felbst große Summen keine Rolle."
Den sichersten Besißstand haben seit Jahren die Polen. Von den 20 Wahlkretsen, die sie im verflossenen Reichstag vertraten, find 13 als schwer verlierbar zu betrachten. In 8 Kretsen wählten 60 bis 69 Prozent, und in 5 Kreisen zwischen 70 und 80 Prozent den pol= nischen Kandidaten. Was die Sozialdemokratte angeht, so hat diese im Verhältnis zu ihrer Größe die wenigsten sicheren" Wahlkreise. Bet der Hauptwahl im Jahre 1907 gab es nur 6 Wahlkreise, in denen beim ersten Wahlgang mehr als 60 Prozent Stimmen für diefe Partet gezählt wurden.( Berlin 4 und 6, Hamburg 1 und 2, Niederbarnim und Altona.) Allerdings erhielt die Sozialdemokratie außerdem bei der Hauptwahl in 21 Kreisen mehr als 50 Prozent der Stimmen. Diese 21 Kreise sind aber schwerlich alle als sicher anzusehen.
Auch die nationalltberale Partet hat nicht allzuviel festen Bestand. Am sichersten dürfte dieser Bartet der Wahlkreis Aurich( Dr. Semler) mit 80 Prozent, Guben mit 71 Prozent( Brinz Carolath), sowie Schwarzburg- Sondershausen mit 64 Prozent aller abgegebenen Stimmen sein. Von den sonstigen Barteien mit ziemlich sicherem Besisstand ist die Wirtschaft= Itche Vereinigung noch mit 2 Wahlkreisen vertreten: Arnswalde- Friedeberg 80 Prozent( Verleger Bruhn) und Baußen 68 Prozent( Weinhändler Gräfe); die Reichspartet hatte nur einen Wahlkreis Mansfeld( Arendt) aufzuweisen, in dem sie mehr als 60 Prozent erhielt, und der Freifinn ebenfalls nur einen, in dem ihm ziemlich 60 Prozent Stimmen zugefallen sind.
Der Diebstahl auf dem Kreuzer„ Stettin".
Dret Spionage- Prozesse.
tommen im Januar vor dem vereinigten 2. und 3. Straffenate des Reichsgerichts zur Verhandlung. Am 17. Januar steht Termin an gegen den ungarischen Reserveleutnant von Cerno und den russischen Marineleutnant der Reserve Freiherrn von Winogradaff wegen versuchten Verrats militärischer Geheimnisse, am 19. Januar gegen den Kaufmann Karl Holst, zuletzt in Kiel, wegen gleichen Verbrechens, und ant 31. Januar gegen den englischen Rechtsanwalt und Hauptmann der Reserve Bertrand Stewart aus London, der Ende Jult in Bremen verhaftet wurde. Auch dieser Angeklagte hat sich wegen versuchter Spionage zu verantworten.
Bet dem Diebstahl auf dem Kreuzer Stettin", über ben wir bereits berichteten, handelt es sich nicht um ein ganzes Spind, sondern um einen etfernen Einsatzkaften, wie ihn ieder höhere Offizier in seinem Schranke oder in seinem Schreibtisch in einer Schublade hat. Dieser Kasten ist für sich noch verschließbar, damit in diesem wichtige Gegenstände ficher aufbewahrt werden fönnen. Der Dieb hat die Schublade erbrochen und den Kasten herausgenommen, wahrscheinlich in der Vermufung, daß der Offizier eine beträchtliche Geldsumme darin aufbewahrte. In einem ähnlichen Falle, der vor Jahren auf dem Kreuzer Undine" sich eretanete, war das Motiv des Diebstahls lediglich die Abficht, Geld 311 erlangen. Daß in diesem Falle besonders wichttae Dokumente abhanden gekommen sein sollen, ist nicht richtig, weil für die wirklich geheimen Sachen etn besonderes Geheimspind an Bord ist.
Dem Hanrov. Cour." wird zu der Affäre geschrieben: Der Diebstahl auf dem Kreuzer Stettin" ist vermutlich ein neues Glied in der Kette der Spionage= fälle, die sich in letter Reit gehäuft und dadurch gerecht
Die Herren von Dieskaut.
Rundschau oom Cage.
Politisches.
Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg Gouver neur von Togo? Wie verlautet, wird Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg nun doch demnächst in den aktiven Kolonialdienst eintreten. Daß es sich dabei nicht um die Stellung als Gouverneur von Deutsch- Ostafrika handelt, ist vom Herzog selbst bereits festgestellt. Hingegen dürfte Herzog Adolf Friedrich den Gouverneurposten von Togo übernehmen. Da diese Stellung aber nach dem Ausscheiden des Grafen Bech erst kürzlich neu besetzt ist, läßt sich annehmen, daß innerhalb der Kolonten ein Gouverneurswechsel bevorsteht, da auch das Gouvernement von Samoa neu zu beseßen ist. In der Uebernahme der Lettung von Togo dürfte der Wunsch des Herzogs zum Ausdruck kommen, zunächst die Let= tung einer Kolonte zu übernehmen, deren festgefügte Verwaltungsformen günstige Vorbedingungen zur Einarbeitung in den praktischen Kolonialdienst bieten.
Original- Roman von Franz Trekler. 7) ( Nachdruck verboten.) Der anscheinend übel gelaunte Ankömmling gewährte feinen freundlichen Anblick. Von Mutter Natur zwar wohlgestaltet, hatten ungezügelte Leidenschaften und ein wüstes Leben den Zügen einen häßlichen Charakter aufgeprägt, der ganz besonders start hervortrat, wenn die Geister des Weines lebendig waren. Harald rief oder schrie pielmehr schon von weitem:
" Wo tretbst Du Dich denn wieder herum, daß man Dich überall suchen muß?" Dabei parierte er sein Pferd dicht vor ihr, mit glasigen Augen Holtau anstarrend, der mit Verwunderung und Staunen auf den Reiter blickte.
„ Wer ist denn das? Was hast Du hier für eine Gesellschaft?" schnauzte Harald.
Regierung und Reichstagswahlen. Wie die Nordd. Allgem. 3tg." mitteilt, wird im Reichsamt des Innern ein besonderer Nachrichtendienst zur Sammlung und Bearbeitung der Wahlnachrichten eingerichtet. Schon am Sonnabend sollen im Reichsanzeiger die Ergebnisse der Wahlen auf Grund der vorläufigen amtlichen Ermittelung veröffentlicht werden.
Das Antlig Hildas zeigte bet diesem Auftreten th= res Bruders einen eigentümlichen Ernst, der in den so wetchen und sanften Zügen überraschend wirkte. Bergtß Dich nicht, Harald."
" Der Satan möge Deine Spazterritte holen! Du gehörst ins Haus, wenn Gäste da sind!"
Dentschlands Eintreten für italienische Interessen. Der türkische Ministerrat beschloß, im Prinzip der Reflamation des deutschen Botschafters gegen die Schlie= Bung der italienischen Bantinstitute stattzugeben und die Wiedereröffnung der Banten zu gestatten. Das ist das dritte Mal, daß Deutschland die Italiener vor fchwerem Schaden geschützt hat.
Für den Empfang des von Indien heimkehrenden Königspaares sind in London große Vorbereitungen getroffen. Der Weg vom Bahnhof nach dem Schloß Buckingham wird zur Feststraße umgestaltet werden; Truppen werden Spalier bilden. Im Schloß wird Begrüßung durch sämtliche Minister, Bischöfe und Staatswürdenträger stattfinden. Angekündigt ist eine große Rede des Königs. Die Ankunft in London ist für den 4. Februar vorgesehen.
Mein Bruder Harald Herr Soltau," fagte sie ruhig. Holtau lüftete leicht den Hut.
" Wer ist denn das eigentlich? Gibst wohl auf of= fener Straße ein Rendez- vous?" und wieder starrte er Soltau an, in dem er vergeblich einen Nachbarn zu erfennen suchte.
Zwei Kinder verbrannt. Aus Halle( Saale) wird gemeldet: Zwei Kinder eines Arbetters, im Alter von 8 und 1% Jahren, die mit Streichhölzern gespielt und dadurch einen Brand verursacht hatten, wurden so schwer verletzt. daß sie nach dem Diakoniffenhause gebracht werden mußten, wo sie ihren Brandwunden er lagen.
Nach bedentenden Unterschlagungen geflüchtet. Der Bantbeamte Josef Weiterer hat der Hannoverschen Bank in Lüneburg 20 200 Mart in Kupons unterschla= gen und ist dann geflüchtet.
Die Zersplitterung der Mongolet in dret kleine selbständige Einheiten hat in Rußland sehr verdrossen, da man immer noch auf einen größeren Mongolenstaat als Puffer zwischen Rußland und dem zerfallenen China hofft. Ob man die sich untereinander beständig zankenden mongolischen Fürsten noch wird mit russischem Golde zusammenschweißen fönnen, ist die Frage, aber möglich wäre es wahrscheinlich doch, da alle Mongolen mit den Russen auf gutem Fuße stehen
Hilda, von dem Benehmen thres Bruders auf das Beinlichste berührt, sagte nur:„ Ich hoffe Ste also recht bald auf Dieskau zu sehen, Herr Holtau," wandte thr Pferd und sprengte im Galopp davon, dem Schlosse zu. Harald, statt thr nachzuretten, wie sie gehofft, hielt noch und fragte rauh:" Wie kommen Sie denn mit meiner Schwester zusammen?"
Ein Opfer des Wahlkampfes. Sonntag abend fam es in Forst bei Bruchsal nach einer sozialdemokratischen Wahlversammlung auf der Straße zu Streitigkeiten zwischen Versammlungsbesuchern. Dabei wurde der soztaldemokratische Arbetter Oto Grizer erschlagen.
In China ist der Waffenstillstand nicht verlängert worden. Die Verhandlungen mit den Republikanern find auf einem toten Bunti angelangt. Die Regierung in Peking hegt die Erwartung und die Hoffnung, daß die Revolutionäre sich nach Norden wenden und so GeTegenheit zu einer entscheidenden Schlacht geben werden, da fie infolge Mangels an. Mitteln außerstande find, ge= nügend Trupevn nach dem Süden zu senden, um sich den Stea zu sichern. Nach Meldungen aus Peking rüsten die Revolutionäre für den Feldzug im Frühling. In Japan find Aaenten tätig, um Magazingewehre für die revolutionäre Armee aufzukaufen.
Schweres Eisenbahnunglück in Canada. Zwei Züge der Canadian Pacific- Eisenbahn sind bei Terrebonne in voller Geschwindigkeit zusammengestoßen. 33 Personen wurden getötet und viele verletzt.
Die nordamerikanische Flotte im Orfan. Aus Norfolk wird gemeldet, daß fast jedes Schiff der Atlantifchen Flotte, die nach Cuba unterwegs ist, vom Drkan beschädigt worden ist; besonders schwer wurde der Kreuzer, Salem" betroffen, von dessen Befaßung zwei Mann ertranten und sechzehn infolge des starken Seeganges Verlegungen erlitten.
Zu dem angeblichen Schülerduell in Detmold wird gemeldet, daß nach neueren Meldungen der schwer verletzt aufgefundene Schüler fein Duell gehabt, fondern einen Selbstmordversuch unternommen hat. Er verkehrte in schlechter Gesellschaft und soll einen größeren ihm nicht gehörenden Betrag verjubelt haben, defsen Ersas größere Schwierigkeiten bereitete. In der Verzweiflung soll er dret Kugeln in dem bei der Stadt belegenen Gehölz auf sich abgefeuert haben von denen eine seine schwere Verlegung herbeiführte. Er befindes sich noch im Krankenhause, wo die Kugel entfernt wer= den soll. An seinem Auffomemn wird gezweifelt.
In der Gelassenheit des vornehmen Mannes erwiderte Holtau:„ Ich werde Ihre Frage gelegentlich beantworten, Herr von Dieskau, Hier ist kaum der richtige Ort dazu!"
Er hob etwas den Hut und wandte sich zum Gehen. Diese Ruhe und die etwas verächtliche Art des Grußes erbitterten den Junker. Er trieb das Pferd an und verlegte Holtau den Weg.
Holtan blieb stehen und jay zu dem vom Wein erregteit Reiter mit einem Blick auf, der ihm wohl zu denken gegeben haben würde, wenn es sein Zustand thm erlaubt hätte.
Vermißte Seminaristen. Wie aus Einbeck in Hannover gemeldet wird, werden zwei Seminaristen vermißt, die am 23. Dezember Einbeck verlassen hatten, Dté um eine zweitäatge Harztour zu unternehmen. Suche nach den Vermißten ist bisher erfolglos geblieben.
,, Wie kommen Sie dazu, mir so frech zu antworten? Sie stehen auf meinem Grund und Boden, wer sind Ste?"
,, Wollen Sie mir gefälligst Plaß machen, Herr von Dieskau?"
Das Pferd, vom Reiter veranlaßt, machte eine Bewegung auf Holtau zu.
Die Explosion eines ungeheuren Gasbehälters rief gestern in der englischen Stadt Nottingham große Aufregung hervor. Gleichzeitig barst die Mauer der Bisterne, in der der Gasbehälter hing, und gewaltige Wassermassen ergossen sich auf die Straße. Ein Dienstmädchen ertrant. Mehrere Häuser fingen an zu brennen. Auch der durch das Wasser angerichtete Schaden ist groß.
Mit einer blizgeschwinden Bewegung faßte diefer zu und hielt die Zügel in einer Weise, die ungewöhnliche Kraft und Geschicklichkeit verriet.
Ein Postverkehr auf dem Luftwege. Aus Berlin wird gemeldet: Der Verkehrsverein von Bork hat mit den Gradewerfen eine Vereinbarung getroffen, um zwischen Bork und Brück einen regelmäßigen Bostverfehr auf dem Luftweg durch Grade- Flieger einzurichten.
,, Lassen Sie die Zügel los, oder Sie bekommen die Reitpettsche, Bursche!"
Der hochgewachsene Holtau richtete sich in seiner ganzen Höhe auf und sagte in einem Tone, dessen Ruhe, unterstützt von einem vielsagenden Blick, etwas unge= mein Drohendes an sich hatte:„ Herr von Dieskau, Ste würden das zeitlebens bereuen."
Meinst Du, Bursche?"
Die Hand mit der Rettpeitsche hob sich.
Reichsmarineamt und Jugendpflege.
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Wie aus Berlin gemeldet wird, fördert auch das Reichsmarineamt die Jugendpflege in erfreulicher Weise. Bekanntlich wurden in einem Erlaß die Kriegervereine und Marineveretne vor einiger Zeit aufgefordert, Jugendpflege im vaterländischen Sinne zu be= treiben, um der Agitation der Sozialdemokratie auf diesem Wege einen Damm entgegenzuseßen. Der Marineverein zu Hamm hat sich nun an das Reichsmarineamt mit der Bitte um Ueberlassung eines Bootes der Katferlichen Marine gewandt, das der Jugendpflege dienen foll. Das Reichsmarineamt entsprach diesem Ersuchen und überwies durch die kaiserliche Werft in Wilhelmshaven ein Kriegsschiffboot fitr die oben genannten Zwecke. Es handelt sich bei derartigen Unterstützungen, die das Reichsmartneamt den vaterländischen Vereinen zur Jugendpflege angedeihen läßt, natürlich nur um folche Boote, die im Frontdienst nicht mehr verwendet werden können. Der hohe Seegang und das Anbordhiffen der Boote mit voller Bemannung( 14 Mann) stellen natürlich hohe Anforderungen an ihre Haltbar= feit im Interesse der Sicherheit der Mannschaften. Nach einer bestimmten Benußungsdauer müssen sie darum ausgeschieden und durch neue erfekt werden. Fitr die Rwecke der Marinevereine und anderer vaterländischer Vereine, die nur Uebunoen auf fleineren Binnengewässern und mit erheblich geringerer Belastung vornehmen, find die Bonte aber noch völlia brauchbar, zu= mal sie dauernd im Wasser gehalten merden.
Im nächsten Moment aber hatte Holtau die Reitpettsche mit einem kraftvollen Ruck dem Reiter entrissen. Ein wuchtiger Steb auf des Pferdes Kruppe und in fähen Sprüngen sette das Tier davon. Nur mit Mühe htelt sich der wankende Retter im Sattel.
Holtau warf die Rettpeitsche auf den Waldboden
und war im nächsten Augenblick in den den Weg ein= zäunenden Büschen verschwunden.
Mit einem gemeinen Fluche brachte der vor Wut schäumende Harald sein Roß endlich zum Stehen und schaute sich mit verzerrtem Antlig um.
" Kanaille!" brummte er ingrimmia, warte!" Dann jagte er da nach, die schon einen weiten Börsprung gewonnen hatte.
Weder der grimmige Harald noch Holtau hatten den Alten gesehen, der jetzt vor Holtau stand, als dieser in die Büsche trat. Ueberrascht blickte er auf den etsgrauen Forstmann, der den Vorgang von der Landstraße mit angesehen haben mußte. Aus einem gebräunten, derb ehrlichen Antlitz schauten thn unter weißen Brauen scharfe graue Augen an.
,, Nehmen Sie sich vor diesem in acht," sagte der Jäger, der Bursche ist gefährlich!"
" Ste haben gesehen, daß ich mich zu wehren verStehe!"
Ich habe es wohl gesehen, aber der Junker ist tückisch, hüten Sie sich."
" Ich werde mich vorsehen. Wohnen Sie hier in der Nähe?"
„ Ich bin Waldmetster auf Dieskaut." " D" erwiderte Soltau überrascht, und doch warnen Sie mich vor dem Herrn?"
„ Ich diene den Dieskaus schon seit fünfzig Jahren, schon mein Vater und Großvater haben ihnen gedient. Aber sie starben weg wie die Fliegen dret Söhne des Alten fielen bet Königgrät und in Frankreich. Junker Hermann fiel in Amerika. Da kam diese Rasse zur Herrschaft auf dem Gute. Aber mtr kom diese vers schwendertsche und leichtfertige Sippe, die sich zum Glitc nur selten hier herumtreibt, die Wälder ausraubt und die Güter verkommen läßt, nichts anhaben, mir ist Haus und Deputa verbrieft für Lebenszeit vom alten Herrn."
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