Ausgabe 
9.11.1912 Zweites Blatt
 
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Gießener Zeitung

Bezugspreis 40 pfg. monatlich

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( Neueste Nachrichten)

ezeljährlich 1,20 m., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unferer Expedition oder in den Zweig­gabestellen vierteljährlich 90 Pfg.- Erscheint Rittwochs und Samstags. Redaktion: Selters. cg 83. Für Aufbewahrung oder Müdiendung sicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Berlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

Nr. 90.

2. Blatt.

amtlichen Feststellungea über das Gruben unglück auf Beche Lothringen.

Aus dem rheinisch- westfälischen Industriebezirk wird chtums geschrieben:

Der Reichsanzeiger" hat bekanntlich unlängst den jeren des Kgl. Oberbergamts Dortmund an den Han= itwirkend edhe Lothringen" veröffentlicht. In der Presse war eine vom Wolff'schen Telegraphen- Bureau ver­de furze Mitteilung über den Inhalt dieses Be­is erschienen, doch haben darin die wichtigen Fest­mgen der Bergbehörde über den Herd der Schlag- preise Explosion und im Zusammenhang damit über Se Urjache des Unglücks nicht die gebührende Beach­gefunden. Da die Frage, an welcher Stelle in Grube sich der Explosionsherd befindet, in letzter wiederholt in der Presse zu Erörterungen und, wie twiesen ist, zu gänzlich ungerechtfertigten Anschul­gen gegen die Bergbehörde Anlaß gegeben hat, Dirfte es wohl angebracht sein, mit einigen Worten das endgültige Ergebnis des Untersuchungsverfah­Zeitung zurückzukommen.

minister über die Untersuchung des Grubenunglücks

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n anstatt Wie erinnerlich sein wird, hatte einer der Führer gegeben.ezialdemokratischen Bergarbeiter- Verbandes, der Sie nicht will re Reichstagsabgeordnete Hue, auf dem Chem­ht Wanne! Parteitage gegen die Bergbehörde den schweren zeige erhaltesurf erhoben, daß sie den Kaiser bei seinem Be­maille Gro auf der Unglücksstätte unrichtig, weil poreilig" in­Beltausstelliert habe. Dieser Bericht wurde damals dem Kai­tz mit der en dem Revierbeamten des Berg- Reviers Bochum­Listenpreis in Gegenwart des Berghauptmanns und des an erechnet. Untersuchung beteiligten Dezernenten des Oberberg­t, also ewig erstattet. Hue behauptete, nach den ihm gewor­a. 170 cm lact fachverständigen Mitteilungen hätten die später Anerkennung the fezten sorgfältigeren Untersuchungen mehrere An­nte Leute punkte dafür ergeben, daß der Explosionsherd nicht r A. 3. im dem Kaiser so bestimmt bezeichneten Betriebs= eit nach Emine( in einem Querschlage der 4. Bauabteilung auf habe, hat. Sohle) zu suchen sei, sondern viel eher in einer rei Bekanne doren Bauabteilung und zwar eine halbe Sohle tiefer. n. Ich Nach dem im Reichsanzeiger" veröffentlichten amt­tig ist. Di Blaze stehen Bericht muß nunmehr jeder Zweifel darüber, von n werden trelchem Betriebspunkte die Explosion ihren Ausgang er eine schöncrmen hat, als vollkommen ausgeschlossen gelten. ich Sie, loren, allgemein verständlichen Ausführungen wird die Wanneerheugend nachgewiesen, daß der Explosionsherd sich Klempnern nach Norden noch im Auffahren befindlichen 4. cht alle blehlungsquerschlag auf der 3. Sohle befunden hat. Don Ihnenie Feststellung der Bergbehörde ist namentlich des en, dem alb von besonderer Bedeutung, weil damit auch die Per Presse bald nach dem Unglück veröffentlichten ichern, it emen Mitteilungen über die Ursache des Unglücks eben. Bertreffend bestätigt werden. Es konnte nämlich schon estellt, dies feſtgeſtellt werden, daß in dem fraglichen Quer­hlag trotz des ausdrücklichen Befehls, die vorhande­dah nicht en Schlagwetter vor dem Schießen durch geeignete Refer dieses Raffrahmen zu beseitigen, die Sprengschüsse trotzdem war sogar mit Dynamit abgetan wurden. Bisher hatte die Bergarbeiter- Zeitung den amt- che Erklärungen als Hauptargument noch die Aus­ge eines Zeugen entgegengehalten, daß an dem frag­che Betriebspunkte schon gegen 8 Uhr morgens, also

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Stunde vor der Explosion, die gegen 9.20 Uhr fell, geschossen worden sei. Die Angaben des Zeu­en ind zwar richtig, aber niemals ist behauptet wor en, daß die von ihm erwähnten Schüsse die Explosion erursacht hätten. Im Reichsanzeiger" wird mitgeteilt, der Betriebsführer gegen 9 Uhr den Querschlag efal ren hat und weiter wird nachgewiesen, daß nach ieser Befahrung die verhängnisvollen Schüsse abgetan

ourfen.

Expedition: Selters weg 83.

Samstag, den 9. November 1912.

Wenn man sich nun die Frage vorlegt, weshalb der sozialdemokratische Bergarbeiterverband so eifrig be müht war, einen anderen Explosionsherd ausfindig 31 madjen, so kann es wohl keinem Zweifel unterliegen, dak die festgestellte Ursache der Explosion die eigentliche Veranlassung war. Das zeigen auch deutlich die Ver­öffentlichungen der Bergarbeiter- Zeitung", des Organs des sozialdemokratischen Bergarbeiterverbandes, an dem Herr Hue noch bis vor kurzem als leitender Redakteur

tätig war. Je nachdem es für die agitatorische Aus­nutzung des Unglücks gerade zweckmäßig erschien, ver­legte das Blatt den Explosionsherd bald hierhin bald dorthin Als einzelne Blätter in den ersten Tagen nach dem Unglück ein Gerücht verbreiteten, wonach das Un­glück auf verbotswidriges Schießen an einer näher be­zeichneten Arbeitsstelle zurückzuführen sei, trat die Berg­arbeiler- Zeitung, deren Auslassungen von anderen sozial­demokratischen Blättern vielfach abgedruckt wurden, die­ser Meldung sofort mit der Behauptung entgegen, daß nach ihren eingehenden Erkundigungen bei alten, mu den Betriebsverhältnissen genau vertrauten Bergleuten" die Explosion ihren Ausgang in einem anderen Be triebspunkt und zwar in einem Querschlagbetrieb auf der 3. Sohle genommen habe, also an derselben Stelle, die durch die Untersuchung der Bergbehörde als Explosionsherd mittelt worden ist. Aber schon bald darauf, als diese zuverlässige" Information mit den auf eine Be­schuldigung der Zechenverwaltung und der Bergbehörde hinzielenden Bestrebungen des sozialdemokratischen Ver­bandes nicht mehr in Einklang zu bringen war, ließ das Blatt die für ihre erste Meldung verantwortlichen die Nach Sachverständigen" im Stich und verbreitete richt, daß der Explosionsherd eine halbe Sohle tiefer zu suchen sei, wie durch eingehende Besprechungen mit Fachleuten festgestellt worden sei". Daß alle diese Aus­streuungen einen bestimmten Zweck verfolgten und nicht ernit zu nehmen sind, bedarf keines weiteren Beweises.

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Auch das weitere Verhalten der Bergarbeiter- 3ei­tung läßt klar erkennen, daß sie bei ihren Angriffen auf die Bergbehörde und die Zechenverwaltung höchst leicht­ferrig gehandelt hat und keineswegs von der Richtigkeit ihrer Angaben selbst überzeugt sein konnte. Auf die in dem Bericht der Kgl. Bergbehörde enthaltene Wider= legung ihrer früheren Behauptungen weiß das Blatt nichts zu erwidern. Es begnügt sich in Nr. 44 2. November mit der Bemerkung, daß der amtliche Be­richt nicht absolut beweiskräftig sei. Um aber den glän­zenden Hereinfall in der Angelegenheit etwas zu decken, bringt das Blatt wieder eine ganz neue schuldigung, die sich gegen den Betriebsführer der Zeche richtet. Es beruft sich auf§ 150 B. P. V., wonach die Arbeiter aus der Grube entfernt werden müssen, wenn sich die Beschaffenheit der Wetter durch; Entwickelung schädlicher Gase in bedenklicherweise verschlechtert oder eine erhebliche Störung in der Wet­terrersorgung eintritt. Diese Behauptung ist ebensowenig stichhaltig, wie alle früheren, denn die Voraussetzung des§ 150 hat durchaus nicht vorgelegen. In dem fraglichen Querschlag war eine Störung der Wetterver­sorgung ebenso wenig eingetreten, wie eine Verschlechte­rung der Wetter im Sinne des§ 150. Diese Ver­schlechterung der Wetter bezieht sich nämlich auf den die einzelnen Grubenstrecken durchziehenden Luftstrom und zwar für den Fall, daß diesem ein bedenklich hoher jm Prezentgehalt von Schlagwettern beigemischt isi. vorliegenden Falle hat es sich aber um eine Ansamm lung von Schlagwettern gehandelt, die nicht durch eine Störung in der Wetterversorgung eingetreten war, son­dern auf das unvollständige Nachbauen der Lutten.( Luft­zuführungsleitung) zurückzuführen ist. Es kann daher nur§154 in Frage kommen, der die Aufsichtspersonen verpflichtet, falls Ansammlungen schädlicher Gase zu

( Gießener Tageblatt)

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24. Jabra.

ihrer Kenntnis gelangen, ungefäumt die erforderlichen Anordnungen zur Beseitigung der Gefahr und zur Her­stellung einer genügenden Wetterversorgung zu treffen. Der Betriebsführer hat die Anordnungen der Aufsichts­personen( Steiger) jedesmal zu prüfen. Jm vorliegen­den Falle hatte nun der Betriebsführer die Anordnun­gen selbst getroffen, die in dem Auftrag bestanden, die Lutien ordnungsgemäß vorzubauen. Wenn seinen An­weisungen zuwider gehandelt und dadurch die Katastro­phe herbeigeführt wurde, so ist unter feinen Umständen hierfür der Betriebsführer verantwortlich zu machen. Da­mit können wohl die Akten über die Schuldfrage bei dem bedauernswerten Unglüd auf Zeche Lothringen ge­schlossen werden.

Aus Stadt und Land.

Das Kratzen der Kinder zu verhindern.

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Bei Kindern, besonders bei ganz fleinen, ist oft das Zuheilen einer Wunde oder eines Ausschlages sehr schwer, weil das Kind durch den juckenden Reiz an der wunden Stelle zum Kratzen veranlaßt wird. Auf ganz einfache Weise kann man dies verhindern. Die Ausstellung Der Mensch" in Darmstadt zeigt uns ihrer Abteilung Kindespflege" eine Manschette, die sich jeder aus Pappe selbst herstellen und dem Kinde um den Arm legen kann. Die Manschette reicht vom Handgelenk bis zum Oberarm und ist so angelegt, daß das Kind den Arm nicht mehr beugen kann, sodaß ein Kraken an der wunden Stelle unmöglich ist. Auf diese Weise wird den Kindern das Fingerlutschen abgewöhnt. Auch das Krazen an der Impfstelle, wodurch der gute Verlauf der Impfung oft aufgehalten und gefährdet wird, ist, wie wir in der Ausstellung ebenfalls sehen, durch Auflegen einer Schutzhülle zu verhindern. Die Schutzhülle ist eine Art Pflaster, die auf der Rück­seite eine erhabene Kapsel aus Marienglas trägt und einfach auf den Arm aufgeklebt wird. Die Jmpijtelle ruht nun unter der Kapsel und bleibt von jeder e- rührung mit schmutziger Wäsche oder mit den Fingern des Kindes verschont.

::: Projekt eines Riesen Zuraels durch den Niederwaldberg. Der bekannte Weinort Rüdesheim fühlt sich seit Jahren immer mehr durch den gewaltigen Eisenbahnverkehr geschädigt, der sich Tag und Nacht auf der Rheinuferstraße ab­Die Anwohner der Rheinallee, der schönsten widelt. Straße Rüdesheims, besonders die Gasthofbesitzer und die zahlreichen Fremden leiden sehr unter der Störung dura den starken Bahnbetrieb. Eine Verlegung des Bahnhofs Rüdesheim ist wegen der Terrainverhältnisse nicht möglich. Man erwägt daher ernsthaft den Plan eines Riesentunnels, der bei Aßmannshausen beginnen und erst vor Geisenheim enden soll, so daß der ganze Niederwaldberg durchstochen werden müßte. Die Stell­ungnahme der Eisenbahnverwaltung zu diesem aller­dings überaus foftspieltgen Projekt bleibt abzuwarten.

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Sarrasani, der Riesencircus der Fünfzehntausend, wird binnen wenigen Tagen vollendete Tatsache. der Festhalle zu Frankfurt a. M. sind hun­derte von Arbeitern am Werke, um den gewaltigen Um­bau des Innern vorzunehmen. Für den 16. Novem­ber ist die Eröffnungsvorstellung angesetzt und bereits am 14. November wird Sarrasani in Frank­furt a. M. Einzug halten, um zwei Tage ununterbro­chen die Proben vorzunehmen, die der Regiekunst die Aufgabe stellen, im tnappen Raume von 3 Stunden 200 Pferde, 200 exotische Tiere und 400 Menschen durch die Manege zu führen. Dieses Projekt, das man. für beinahe amerikanisch halten könnte, wenn es nicht in

Immer größer wird die Zahl der Hausfrauen, die bei den teueren Fleischpreisen regelmäßig Knorr= Suppenwürfel verwenden, aber noch mehr Hausfrauen gibt es, die diese für jeden Haushalt nüßlichen und praktischen Knorr- Suppen Warum? noch nicht fennen. Weil viele glauben, der Fabrikant könne unmöglich für 10 Pfg. 3 Teller gute Suppe liefern. Warum fann Knorr für wenige Pfennige so viel bieten? Weil in dem großen Fabrikbetrieb alle Vorteile des Einkaufes, der Herstellungsweise und des Vertriebes sich vereinigen. Jeder, der für 10 Pfg. einen Knorr- Suppen­würfel kauft, zieht aus all diesen Vorteilen Nugen. Probieren Sie einen Kuorr- Suppenwürfel, er ist besser als andere!