Ausgabe 
9.3.1912 Erstes Blatt
 
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Deutscher Reichstag.

Am Mittwoch sprach sich zunächst Abg. Behrens schriftl.- foz.) zur Frage eines Arbeitswilligengesebes da­bin aus, daß Gewerbeordnung und Strafgesetzbuch ge­nügten. Abg. v. Derzen( Rp.) verlangte Einschränkung der Warenlager und Besteuerung der Konsumvereine. Abg. Giesberts( 8.) verteidigte die christlichen Gewert schaften, daß sie nicht den übrigen Bergarbeitervereint­gungen gemeinsame Sache machten. Abg. Koelsch( natl.) hielt eine Rede, und Abg. Kerschensteiner ( fortschr. Bp.) betonte die Notwendigkeit, den Nachwuchs des Mittelstandes von Jugend auf durch Fachschulen in technischer, faufmännischer und moralischer Hinsicht zu erziehen. Schließlich suchte der Abg. Dombet( Pole) die Stellung der polnischen Gewerkschaften in Rheinland und Westfalen zu rechtfertigen. Am Donnerstag hat die allgemeine Aussprache zum Etat des Reichsamts des Inneren ihr Ende gefunden. Den Reigen der Redner eröffnete der Abg. Pens( Soz.), der sich eingehen­der mit der Landarbeifer- und Gesindefrage beschäftigte. Abg. Pfeiffer vom Zentrum sprach über das Theaters gefeß. Graf Kanis( tons.) äußerte sich über die Wirt­schaftspolitik. Er erhob seine alte Forderung der Ein­führung von Marimal- und Minimaltarifen. Nachdem der Nationalliberale Götting mit einem Love auf die Sparkraft des deutschen Volkes debuttert hatte, kam als letter Redner der Fortschrittler Weinhansen zu Wort. Er befaßte sich in der Hauptsache mit der Frage der Tarifverträge und der Einigungsämter.

schen England und Irland verkehren und die der Et­fenbahngesellschaft gehören, gekündigt, in acht Tagen müssen fie thren Dienst verlaffen. Aus Southampton wird gemeldet, daß der Dampferverkehr nach dem Fest­land fehr unregelmäßig von statten geht. Auch sonst kommen sehr beunruhigende Nachrichten aus den Pro­vinzen.

Auf allen Bahnhöfen gerät der Verkehr wegen der verminderten Zugfolge tns Stocken. Die einzelnen Bütge werden von den Reisenden im Sturm genommen, und die Abteile im Uebermaß vollgepfercht. Auch die Gepäckwagen sind von Reifenden voll besetzt. In meh­reren Städten haben sich die Gasgesellschaften gezwun­gen gesehen, den Betrieb einzustellen. Selbst in grö­Beren Orten wie Bolton find die Einwohner von der Stadtverwaltung aufgefordert worden, Kerzen und Lampen an die Fenster zu stellen, um den Bassanten wenigstens einigermaßen den Weg kenntlich zu machen. Die Ausstandsgefahr in den Vereinigten Staaten. Nach Neuyorker Berichten wächst in den Vereinig ten Staaten die Besorgnis, daß infolge der Weigerung der Bergwerksbesitzer, die von den Bergarbeitern über­retchten Forderungen zu bewilligen, der allgemeine Ausstand der amerikanischen Bergarbeiter am 1. April erklärt werden wird. Allerdings sollen Anfang näch­ster Woche noch Einigungsversuche gemacht werden. Gelingt es aber dann nicht, den drohenden Konflikt ab­zuwenden, so werden am 31. März 300 000 Bergarbet­fer die Arbeit niederlegen. Die amerikanischen Berg­arbeiter fordern eine Lohnerhöhung von 20 Prozent, den obligatorischen Achtstundentag für alle Bergarbet­die Dauer von drei Jahren, anstatt, wie bisher, auf ein Jahr. Schließlich verlangen fie einen Mindestlohn von 14 Mart für den Tag. Die Bewilligung der ge­forderten Lohnerhöhung von 20 Prozent würde den Bergwerksbefizern eine jährliche Mehrausgabe von 100 Millionen Mark verursachen.

Der schwarze Streit auf der ganzen Linie. ter, ferner den Abschluß eines kollektivvertrages auf

Von England ausgehend, scheint der Streik der Bergleute in allen Ländern ausbrechen zu wollen. In Deutschland, Defterretch, Rußland, Frankreich und Amerika drohen die Grubenarbeiter mit dem Stretf. Wir faffen die darüber einlaufenden Meldungen in fol­gendem Bericht zusammen:

Bedrohliche Lage im Ruhrgebiet.

Die neuesten Nachrichten aus dem Ruhrgebiete lauten sehr beunruhigend. Aus industriellen Kreisen wird mitgeteilt, daß bei den vereinigten Hirsch- Dun­terschen und den sozialdemokratischen Gewerkschaften zweifellos die feste Absicht bestehe, am Montag in den Generalstreit einzutreten. Jedenfalls rechnen die Ze chenbesizer hiermit als mit einer festen Tatsache, ob wohl einige Zechen durch Anschlag bekannt gaben, daß den Arbeitern über Tage vom 1. März ab eine Lohn= erhöhung zugebilligt wird, die zum Teil 10 Prozent be trägt. Auch von den Behörden wird die Lage als tri­tisch angesehen. Die Sicherheitsbehörden im Industrie­bezirk haben umfassende Maßnahmen getroffen, um Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhalten, falls der Streit ausbricht. Es wird mitgeteilt, daß es der feste Wille der Regierung sei, die Arbeitswilligen bei einem Ausstand zu schüßen. Der Schutz werde als um so not­wendiger betrachtet, als angesichts der Haltung der shriftlichen Bergarbetter die Zahl der Arbeitswilligen, die Anspruch auf behördlichen Schuß hätten, nicht unbe= deutend sein würde. Wie verlautet, hat sich jetzt auch ein Teil der Letter des Alten Verbandes, die bisher von einer Arbeitseinstellung abrieten, verpflichtet, den Antrag auf Generalstreit zu stellen. Es kommt aber überhaupt nicht mehr darauf an, was die Leitung em­pflebit; bie Stimmung der Bergleute ist so für den Streit, daß ihn allem Anscheine nach feine Macht mehr abwenden kann. Am Montag dürfte der allgemeine Streit zum Ausbruch kommen. Rechenbestkerfret­jen jeyi man angevuw ve vivyensen Streits mit ziemlicher Ruhe entgegen, da erhebliche La­gervorräte, namentlich in Kots und Briketts, vorhan­Ben sind. Anderseits rechnet man damit, daß ein gro­ßer Teil der Belegschaften sich dem Ausstande nicht an­schließen werde, und dieser deshalb nicht von langer Dauer sein könne.

Berlin, 8. März. Eine Konferenz der Regie­rung mit den Bergarbeiterführern fand. gestern nach­mittag im Reichsamt des Innern statt. Es nahmen da­ran u. a. teil die Abgeordneten Behrens( W. Vag.), Giesberts( 3tr.), Sosinski( Bole) und der frühere Abg. Hue( Soz.). Es verlautet daß von den Arbeiterteilneh­mern an der Konferenz der Standpunkt vertreten wurde, die Regierung möge die Grubenbesitzer veran­lassen, die Arbetterausschüsse einzuberufen, um ihnen Busagen über eine Lohnerhöhung zu machen. Andern­falls set damit zu rechnen, daß von 350 000 Arbeitern am Montag 150 000 Arbeiter die Arbeit niederlegen werden.

Die Kohlennot in England.

Immer schwieriger wird das Bild, das die aus England einlaufenden Nachrichten von den Wirkungen der Krisis im Bergbau entwerfen, und immer größer der Kreis der von dem Riesenausstand in Mitleiden­schaft gezogenen Berufs- und Arbeiterklassen. So hat die Greath- Western- Eisenbahngesellschaft ihr gesamtes Personal, das den Dienst auf den Dampfern, dte zwt­

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Unter Feinden.

Roman von Karl Mattbias.

( Nachdruck verboten.)

Er wandte sich zum Gehen. Desiree war in einen Sessel gesunken, Frau von Tarandal bengte sich zitternd und Worte der Liebe flüsternd über sie. Die Frauen drickten sich ängstlich in eine Ecke des Salons, die Männer standen um Olivier geschart, der wutbebend vergeblich nach Worten suchte. Alles war wie auf den Platz gebannt, nur Bourlier behielt die Kraft der Be­wegung und vertrat seinem Fabrikdirektor den Weg.

Wohin wollen Sie?" fragte er, feuchend vor Auf­regung und Born. Bleiben Ste, ich befehle Ihnen, alle Anwesenden um Verzeihung für Ihre unbedachten Worte zu bitten."

Laß ihn doch gehen, Bapa," spottete sein Sohn, be­vor noch Tyrolt antworten konnte. Er muß ja nach Hause, Deutschland gegen unsere undisziplinierten Sol­datenhorden zu schüßen und unsere Vernichtung vor­zubereiten."

Ste sprechen die Wahrheit, Herr Erleutnant," er­widerte Tyrolt. Ich reise nach Dresden, um mich dort dem 108. Schüßenregiment zu stellen, dem ich als Offt­zter angehöre. Merfen Sie sich die Regimentsnummer, Ste werden vielleicht noch einmal von ihr hören."

Sie wollen Frankreich verlassen, um gegen uns zu fämpfen?" fragte Bourlier heftig. Ste erklären sich öffentlich als Frankreichs Feind? Haben Sie auch be­dacht, daß ein solcher nie der Mann meiner Tochter werden kann?"

,, um meiner Ehre, um meines Vaterlandes willen muß ich mich in das ergste schicken," antwortete Tyrolt, einen Blick unsäglichen Schmerzes auf die Geliebte richtend. Dieser Krieg, den Uebermut und Frivolität heraufbeschworen, wird viele Herzen brechen. Warum foll mir ein besseres Schicksal werden? Ich werde meine

Weitere Streitberichte.

Auf einigen Schächten in Böhmen sind die Be­legschaften in den Streit getreten. Die österret­chische Regierung hält den Stretf für wahrscheinlich. Sie hat an sämtliche Staatsbahndirektionen Birkular­telegramme erlassen, in welchen zu größter Sparsam feit im Kohlenverbrauch aufgefordert wird. Es wird geraten, möglichst große Kohlenvorräte anzuschaffen, da der Ausbruch des Kohlenarbeiterstreits in Besterreich wahrscheinlich sei. In Frankreich ist es bisher zu feiner Einigung zwischen den Bergleuten und den Grubenbesitzern gekommen. Die Lage spitzt sich zu. Auch in Rußland wird gestreift. In der Kohlen­grube Saturn", einer der größten Russisch- Polens, find fast sämtliche Arbeiter in den Ausstand getreten. Die Zentralleitung der belgischen Bergarbetterver­bände beschloß, falls die deutschen Bergleute in den Ausstand trefen sollten, sich diesem anzuschließen.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Bostbeamtenwünsche in der Budgetkommission. Die Budgetkommission des Reichstags verhandelte am Freis tag über den Bostetat. Auf Anfrage gab der Regierungs­vertreter der Hoffnung Ausdruckt, das die Oberpostprat­tikanten wahrscheinlich bis 1920, spätestens bis 1921, in Postinspektorstellen eingerückt sein werden. Ihre Eina.. reihung in das Verzeichnis der höheren Beamten für Umzugskosten und Taagelder werde binnen kurzem er wigent. on whauverater Seite wurde der Antrag gestellt, den Reichskanzler zu ersuchen, in einem Nach­fragsetat den Oberpostassistenten und gleichgeordneten Beamten unter bestimmten Voraussetzungen eine per­fönliche Zulage von 300 Mark zu gewähren. Diese Bes amtenkategorte sei tatsächlich bei der Besoldungsreform ungerecht behandelt worden. Die Regierungsvertreter wandten sich gegen diesen Antrag, der indessen angenom­men wurde. Von verschiedenen Seiten wurde eine Ver­besserung der Lage der Postunterbeamten in den gro­Ben Städten gefordert, etwa durch raschere etatsmäßige Anstellung und durch Erhöhung des Wohnungsgeldes für tinderreiche Familien.

Die kleine Strafgesegnovelle, die im letzten Herbst vom Reichstage unerledigt geblieben war, soll demnächst wieder Auferstehung feiern. Mit Zustimmung des Reichsjustizamts ist zwischen den Fraktionen des Reichs­tags vereinbart worden, diejenigen Punkte der Novelle, die im Reichstage auf feinen Widerspruch gestoßen wa ren, in Form eines Initiativantrages, der mit Beschleu­nigung verabschiedet werden soll, wieder einzubringen. Es handelt sich um die Bestimmungen über Hausfrie­densbruch, Diebstahl aus Not, Entführung Minderjäh­riger, Mißhandlung von Kindern usw.

Das Reichswohnungsgesez in Sicht. In der Bud­gettommiſſion des Reichstages tetite Staatssekretär Delbrück mit die Entscheidung der verbündeten Regie­rungen über das Reichswohnungsgeses set für den Be­ginn der Herbsttagung in Aussicht genommen. Da der

Pflicht tun, so lange ich lebe, denn ich stelle die Pflicht über die Liebe. Muß es sein, so will ich lieber für immer scheiden, als meine Ehre verlieren. Lebe wohl, Desiree, teure Einziggeliebte, lebe wohl!"

Nein, ich will, ich kann nicht von Dir scheiden!" rief die Unglückliche, sich an ihn klammernd, Bleibe bleibe bei mir, verlasse mich nicht, ich würde vor Schmerz und Sehnsucht sterben."

Ich darf es nicht, Desiree. Wir müssen uns tren­nen, wohl für immer. Frage Deinen Vater, ob Du noch ferner mir gehören kannst."

" Bu mir, meine Tochter!" befahl Bourlter streng. Berühre diesen Mann nicht, der mich und uns alle beschimpft hat!"

Ich liebe thn Vater, that, meinen Netter, von ganzer Seele. Ihm gehöre ich für das Leben."

" Dein Leben gehört Deinem Vaterlande, das seine unseren Feinden. Wir haben nichts mehr miteinander zu schaffen, wenn er mein Haus verläßt."

" Du hörst es, Geliebte," flüsterte Waldemar, thre Stirne mit innigem Kusse berührend und dann die fast Sinnlose sanft in den Arm der Frau Tarandal legend, ,, es muß geschieden sein. Vielleicht führt uns der Him­mel dennoch wieder zusammen."

,, Nach dem Kriege," Hohnlachte Olivier, der die Worte dennoch erlauscht hatte." Nun, die Chassepots unserer Braven werden Ihnen die Heiratsgedanken vertreiben und die Mitrailleusen ein Lied schnarren, das nicht nach Hochzeit klingen wird."

Waldemar schten thn nicht zu hören. Ttef traurig wandte er sich an seinen einstigen Chef.

,, Wenn ich in dieser Stunde ein Wort gesprochen habe, das Sie verletzt hat, Herr Bourlier, so bitte ich, verzeihen Ste mir. Halten Ste es meiner Geretzthett zu gute. Bewahren Sie mir ein freundliches Andenken, wie ich Ihrer stets in Liebe und Hochachtung gedenken werde. Gott schüße Ste und Ihr Haus."

Staatssekretär bereits vor kurzem erklärt hat, daß, wenn in der Wohnungsfrage die einzelnen Staaten ver sagen, das Reich etnspringen müsse, so ist eine Entschei dung in positivem Sinne zu erwarten.

Die Regelung der Sonntagsruhe. Der Entwurf über die Regelung der Sonntagsruhe in offenen Ver faufsstellen liegt zurzeit dem Bundesrat vor. Der Ents wurf wird dem Reichstag noch im Laufe dieses Monats zugehen. Ueber die Regelung der Sonntagsruhe in Kontoren und Bureaus wird zurzeit eine Vorlage aus gearbettet, die vielleicht dem Reichstag noch in dieser Seffion zugehen wird.

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Die Pforte will teinen Frieden. Wie nunmehr be= tannt wird, beschloß der türkische Ministerrat in seiner letzten unter dem Vorsitz des Sultans abgehaltenen Sizung, dem Vorgehen Jtaltens den äußersten Wider­stand entgegenzuseßen. Selbst eine Beschteßung Smyrnas und Salonitis und eine Blockterung Dardanellen durch die italienische Flotte, sowie die Auf­rollung der ganzen Orientfrage würden diesen Wider­stand nicht brechen können. Die Regierung scheint also entschlossen zu sein, es aufs äußerste ankommen zu laffen. Die gesamte türkische Presse fährt fort, immer entschiedener gegen die Friedensidee Stellung zu neh­

men.

Kleine Nachrichten.

Der höchste Beamte" im deutschen Reich, der Me teorologe auf der Zugspize, ist verschwunden. Das Amtsgericht Garmisch sendet ihm im Wege der öffent­lichen Zustellung eine Forderungsklage der Pächtertn des Zugspitzenhauses nach, der er 463 Mart schuldig geblieben ist. Der Verschwundene hat übrigens schon feit geraumer Zeit einen Nachfolger erhalten.

Ein Opfer des ärztlichen Berufs. Der Prospektor im Anatomischen Institut der Universität München Pri­vatdozent Dr. Hermann Hahn hatte sich bei einer Let­chenöffnung in die Hand geschnitten. Troß aller sofort angewendeten Gegenmittel ist der Arzt innerhalb elf Tagen an der sich immer mehr ausbreitenden allgemei nen Vergiftung gestorben.

General Booth erblindet. Der Führer der Heilsar­mee," General" Booth, der gegenwärtig eine Infpet­tionstour durch Holland unternimmt, ist jetzt total er­blindet. Die Aerzte lassen ihm jedoch Hoffnung, daß er nach einer Operation wenigstens die Sehkraft eines Auges, des linken, wiedererlangen könnte, und der sonst förperlich noch sehr rustige alte Herr hat zugestimmt, fich dieser Operation gleich nach seinem nächsten Geburts­tag, am 10. April, unterziehen zu wollen.

Die höchste Eisenbahn der Welt. Nach Meldungen aus Valparaiso ist die höchste Eisenbahn der Welt jetzt vollendet worden, indem die von Chile und Bolivia aus einander entgegenstrebenden Strecken über die Anden fich an der Grenze der beiden Staaten vereinigten.

Die Tripoliserpedition des deutschen Roten Kren­zes, die seit Anfang Februar thr Lazarett im türkischen Hauptlager in Gharian aufgeschlagen hat, ist von et nem schweren Verlust betroffen worden. Der Oberarzt der inneren Abteilung des Lazaretts, Professor Schüße vom Moabiter Krankenhaus in Berlin, ist an Typhus gestorben.

Der Erbauer des Panamakanals, Colonel Göthals aus Washington, ist mit Familie in Berlin eingetrof­fen. Er ist für einen der nächsten Tage zur Frühstücks­tefel beim Katser geladen worden.

Aus den Gerichtssälen.

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Jy bem Centener Bordengers crunté d Gericht gegen den Hauptangeklagten, dent Mönch Da­masius Mazoch, auf zwölf Jahre Zuchthaus und gegen die beiden mitangeklagten Mönche auf 5, bzw. 2% Jahre Buchthaus. Die Frau des Ermordeten, Helene Mazoch, wurde zu 2 Jahren Gefängnis verurteilt.

Die Räubereien der Zigeuner.

Die Jagd nach den Zigeunern, die einen Teil der Provinz Heffen- Nassau und die angrenzenden Landes­teile unsicher machen, ist tros eifrigster Arbeit immer noch ohne Erfolg gewesen. Aus Fulda wird heute ge­meldet: Während seither die Mörder in den Waldun­gen bei Großenlüder bis ins Meiningische hinein eif­rigst gesucht worden, kam in der Nacht zum Donners­tag eine Alarmnachricht von einem ganz entgegengesezt Itegenden neuen Schauplas. Von Hattenhof( bet Neu­hof, Strecke Frankfurt- Fulda) aus war dem hiesigen Landratsamte mitgeteilt worden, ein Mann set in spä­ter Abendstunde auf dem Wege nach Butchenberg von einem Zigeuner angefallen worden. Der Zigeuner habe gerufen: Geld oder Leben!" Auch bei einem Bauer in Hattenhofr sollen drei Zigeuner, in Begleitung ets nes fleinen weißen Spizes, einen Besuch abgestattet haben. Gendarmerie, zirka 50 Mann Artillerie vom 2. Kurhessischen Feldartillerie- Regiment Nr. 47 in Fulda, sowie Kriminalschußleute aus Fulda begaben sich so fort nachts nach Hattenhof. Leider war der nächtliche Alarm abermals vergebens.

Er verließ den Salon. Einer der jungen Leute machte Miene, thm den Weg zu vertreten, aber der strenge Blick Bourliers hielt ihn zurück. Als sich die Tür hinter dem Scheidenden geschlossen hatte, packte den Matre eine unbändige Wut.

Es ist meiner Amtspflicht entgegen, diesen frechen Prufften ohne Satisfattion abretsen zu lassen," schrie er, mit den Händen herumfuchtelnd. Ich werde ihn verhaften und dem Kommandanten ausliefern. Er ist ein Spion, er muß erschossen werden."

" Ja, ein Spion, ein Spion, der in unserer Mitte lebte, die Kriegsgeheimnisse zu erspähen," bestätigte Prevendaur.

Die Schwächen unserer Nation zu verraten," fügte ein anderer hinzu.

,, Frankreich hat keine Schwächen," unterbrach ihn Bourlier hoheitsvoll. Aber dieser Mann, den ich ge­liebt habe und der uns in toller Verblendung verließ, war fein Spion. Lassen Sie ihn ztehen. Wenn er den Wahnsinn begeht, sich unter den Trümmern seines so­genannten Deutschlands mit begraben zu lassen, so mag er seinen Willen haben. Für solche Schwärmer gibl es fein besseres Rezept als die französische Kugel."

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3wet Stunden später bestteg Waldemar Tyrolt den belgischen Bug, der ihn aus Sedans Mauern nach der Helmat führen sollte. Er wählte diesen Umweg, da die deutschen Grenzen bereits gesperrt waren. Von Namur aus, wo er den Frühzug abwarten mußte, schrieb er ein letztes Mal an Desiree. Al' seine heiße Liebe, seine grenzenlose Verehrung legte er in den Betlen nieder. Er bat nochmals um Verzeihung, wenn er den Vater gekränkt habe, und sprach seine Hoffnung auf endliche Versöhnung aus.

Dieser Brief gelangte nie in die Hände der Ge liebten. Olivier, der nach der gestörten Verlobung die Villa nicht mehr verließ, lag auf der Lauer und fing das Schreiben auf, um es foaleich zu vernichten