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( Neueste Nachrichten)

erteljährlich 1,20 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig rusgabestellen vierteljährlich 90 Psg. Erscheint Redaktion: Selters­Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

eg 83.

Nr. 46.

Telephon: Nr. 362.

Skandal im ungarischen Parlament.

Budapest, 7. Juni. Das rücksichtslose Vor­han des Präsidenten des ungarischen Abge= er Deutschla tartikel hinnetenhauses, des Grafen Tisza, gegen die nächster Dalierenden Mitglieder der Opposition hat am Frei­9 zu einem schweren Verbrechen im Parlamentssitz­angeboge sjaale geführt. Graf Apponyi hat am Mittwoch be­tkarte ein its geäußert, den Grafen Tisza umbringen zu wollen. sliste gen im Gesinnungsgenosse des Grafen Apponyi, der Ab­meiner An donete Julius Kovacs, hat nun diese Drohung in Tat umzusetzen versucht und sich dann selbst erschos­Darüber wird berichtet: Die oppositionellen Ab­Vorteilen, toneten wurden heute, wie in den letzten Tagen von Die Preis Polizei gewaltsam aus dem Abgeordnetenhause ent­mt. Sie verließen auch den Saal, ohne Widerstand leisten. Präsident Tisza hatte sich gerade erhoben, Einber eine furze Ansprache zu halten, als plötzlich samten Fan Linten Seite eine Stimme rief: Nicht alle Opposi­onellen streifen, einer ist noch da und der bin ich." Es am der Abg. Kovacs. Er stürmte die Stufen zur cidententribüne hinauf und feuerte auf Tisza zwei elverschüsse ab. 3wei Abgeordnete eilten mit ihren evolvern auf Kovacs zu. Da dieser aber inzwischen Einfad oni Polizisten überwältigt worden war, feuerten sie Zich um die Polizeimannschaften nicht zu treffen. Meh­te Abgeordnete bearbeiteten Kovacs mit den Fäusten nd Füßen. Kovacs gab darauf zwei Schüsse auf sich 1. ab und brach sofort zusammen; aus seiner Schläfe

11.

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Blut.

von

Präsident Tisz a hatte sich während des Attent= ts erhoben und Kaltblütigkeit bewahrt. Er sagte in lez Ruhe: Die Sigung dauert fort. Es ist unerläß­

Samstags liegt für die Stadtabonnenten der

Illustrierte Wochen- Anzeiger

gratis bei.

Expedition: Seltersweg 83.

Samstag, den 8. Juni 1912.

Politische Rundschau.

Deutschland.

ein.

Berlin. Der König und die Königin von Bulgarien, der Kronprinz, Prinz Kyrill, Mi­nisterpräsident Geschow und das Gefolge trafen gestern Freitag im bulgarischen Sonderzug in Wildpark Nach sehr herzlicher Begrüßung, bei der sich die Monar­chen einander wiederholt umarmten und sich füßten und nachdem der Kaiser die Königin mit einem Handfuß be­grüßt hatte, erfolgte die Vorstellung der Prinzen und Prinzessinnen, sowie der Umgebungen. Der Reichskanz­ler wurde vom König lebhaft begrüßt. Jm Apollosaal fand Familienfrühstückstafel statt, an der auch die Kai­serin teilnahm. Der Kaiser verlieh dem König von Bul­garien die Kette zum Schwarzen Adlerorden, der Kö­nigin den Luisenorden mit der Jahreszahl 1813-14, dem Prinzen Kyrill den Schwarzen Adlerorden. Ferner er­nannte der Kaiser den König von Bulgarien zum Chef des vierten thüringischen Infanterie- Regiments Nr. 72.

Von unterrichteter Seite wird versichert, daß König Ferdinand in Berlin auch politische Unter­handlungen pflegen werde, die sich sowohl auf bestehende Verträge wie auch auf fünftige Abmachungen mit der deutschen Regierung erstrecken. Es wird darauf hingewiesen, daß der Zar der Bulgaren" Staatsver= träge allein ohne ministerielle Hilfe abschließen kann, wie er auch in den Konferenzen persönlich und nicht durch Staatsmänner verhandelt.

Das Großherzogliche Hoflager ist nach Jagdschloß Wolfsgarten verlegt worden. Die Großher­30gliche Familie ist gestern gegen Abend nach Wolfs=

garten übergesiedelt.

ch, die Sitzung mit Kaltblütigkeit fortzusetzen. Ich be­Der Finanzausschuß der Zweiten hess. Kam­Afterweg auere die Tat eines unglücklichen Wahnsinnigen. Er mer setzte gestern morgen die Beratungen der Beam­e groke at fich den irdischen Richtern entzogen, indem er sichtenbesoldungsreform mit den Vertretern der Regierung fort. Es wurde eine Einigung über den blierte bi gerichtet hat!"

en.

Rovacs ist lebensgefährlich verletzt zum Hospi­

Nordell erbracht worden. ön möbli

en

Um 1 Uhr mittags wurde der Abgeordnete Ko= as von Professor Herczel operiert. Kovacs tam nach er Operation wieder zu Bewußtsein und bat die Aerzte Gehere Male mit schwacher Stimme Justh und Battia­Edini an sein Lager zu rufen. Professor Herczel hat er= bl Bimar daß der Kranke, falls er mit dem Leben davon= Katser men sollte, wozu aber wenig Aussicht vorhanden das Augenlicht verlieren werde. Als Kovacs das Benktsein wiedererlangt hatte, richtete er an die Aerzte Frage, ob Präsident Tisza am Leben sei. Auf die eja nende Antwort äußerte er seine Zufriedenheit da­iber, daß seine Kugel niemand getötet habe.

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Unter Feinden.

Roman von Karl Mattbias.

( Nachdruck verboten.)

Dabet blieb es. Desiree wurde reichlich mit Geld erfen und mit allem ausgerüstet, was für die halb­Bolftra interliche Reise notwendig war. Der 5. November, öbl. im Tag der Abfahrt, brachte sehr ungünstiges, stürmi­dmann Wetter, so daß die Fahrt an und für sich schon

fachroll war. Aber Desiree war nicht von ihrem Ent­ertes Bible abzubringen. Gegen die Tante war sie ganz ten Landfiele und Zärtlichkeit, und voll Trauer, wenn diese 1. Grain en vergoß. An Waldemar hatte sie einen über­bbl. Siirtlichen Brief geschrieben, der aber über die Reise Balltor tlweigen bewahrte.

ten.

Gut

Nachdem Frau von Tarandal auch die Paßange= geheit, die sich verzögerte, in's Gleiche gebracht hatte, ng Desiree auf das Schiff.

Um zehr Uhr morgens lichtete die Esperance" die nter. Bei heftig wehendem Nordwinde verließ sie den afot Bald war der weiße Rumpf des Schiffes den ugan der zurückbleibenden Nataly entschwunden. Wei­end warf sie sich in ihren Wagen und ließ sich nach miGut zurückfahren.

Esperance" heißt das Schiff," schluchzte sie. Es agn meine ganze Hoffnung auf ein glückliches Alter if i fort. O Desiree, wenn Du mir verloren gingest, wurde verzweifeln! Und Waldemar? Ich wage gar den Armen

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Der Kummer Nataruante feine Grenzen. Sie blte sich so verlassen und elend, daß sie in dem ein­mon Luekwarden nicht länger bleiben konnte und chi Brüssel überzusiedln beschloß.

Das Schiff führte eine Menge Passagiere. Trot Tegt. Der Haupttets der Gesellschaft bestand aus fran­

Ste ein rauben Jahreszeit waren die meisten Kabinen unferetben Offizieren, welche dasselbe Ziel hatten, wie De­

en, Selten

( Gießener Tageblatt)

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Telephon Nr.: 362. 24. Jahrg.

Die Kreisämter Bingen und Alzey sind zur Zeit mit den amtlichen Ermittelungen und der Beweis­erhebung betreffend Protest gegen die Wahl des Reichs­tagsabgeordneten Dr. Becker( wild) beschäftigt. Ein Teil der vorliegenden Protestfälle, die nach Ansicht der Wahlprüfungskommission des Reichstages den Verdacht von strafbaren Handlungen in sich schließen, ist vom hessischen Justizministerium den zuständigen Amtsgerich= ten zur Aufklärung und zu eventuellen eidlichen Zeugen­vernehmungen überwiesen worden. Brieflichen Nachrich= ten aus Berlin zufolge, hat das Bureau des Reichs= des tages die hessische Regierung um Beschleunigung Ermittelungsverfahrens betr. die angefochtene Reichstags­wahl in Alzey- Bingen ersucht, damit die Entscheidung über die Gültigkeit der Wahl sofort nach Wiederzusam­mentritt des Reichstages( Ende November) getroffen werden könne. Eine eventuelle Neuwahl könne nach

dem jetzigen Stande des Wahlprüfungsverfahrens vor Ende Januar oder anfangs Februar 1913 nicht statt­finden.

Zum neuen deutschen Gesandten in Athen anstelle des als Nachfolger des Botschafters v. Mar= schall nach Konstantinopel versetzten Freiherrn v. Wan­genheim ist der seitherige Gesandte in Teheran, Graf Quadt, ernannt worden. Graf Quadt bekleidete den Gesandtschaftsposten in Teheran seit Anfang 1908.

Eine Vereinfachung des Heereser= gänzungs- Geschäfts, die schon seit Jahren er­wogen und auch verschiedentlich bereits praktisch ange­wendet worden ist, soll im nächsten Jahre durchgeführt werden. Die Wehrpflichtigen sollen nämlich in Zukunft nur einmal vorgestellt und untersucht werden; die dop­pelte Untersuchung vor der Ersatz- und Oberersatzkom­mission wird in Fortfall lommen. Die endgültige Ent­scheidung über die Diensttauglichkeit wird sofort getrof­fen. Dem Reichstage wird wahrscheinlich im Herbst eine diesbezügliche Novelle zum Reichsmilitärgesetz zu­gehen.

*

Das Ergebnis der Landtagswah len in Gotha ist: 6 Mandate der rechtsstehenden Parteien, 8 Sozialdemokraten und 5 Liberale.

Die

beralen verlieren zwei, die Sozialdemokraten gewinnen eins.

*

Wohnungsgeld zuſchuß erzielt. Weiter hat der Ausschuß der von der Regierung vorgeschlagenen prozentualen Ge­haltsaufbesserung zugestimmt, zunächst jedoch nur für das Jahr 1912. Dagegen lehnt der Ausschuß die von der Regierung in Ansatz gebrachte 5prozentige Steuerrechtsstehenden Parteien gewinnen ein Mandat, die Li­erhöhung ab. Man hofft durch Erschließung neuer Deck­die ungsmittel eine positive finanzielle Grundlage für zur Durchführung der organischen Besoldungsreform er­orderlichen 300 000 Mark zu gewinnen. Der 15proz. Erhöhung der Lehrergehälter steht der Ausschuß sym pathisch gegenüber. Die Annahme, daß 4 Millionen Mark zur Reform der Beamtenbesoldung erforderlich seien, ist somit unrichtig. Eine Verständigung über die Aufbringung der Dedungsmittel wurde noch nicht zielt.

er=

siree. Petere waren Offiziere der Infanterie, welche mit ihren Trupps die belgische Grenze überschritten hat­ten und dann entwaffnet worden waren. Ihnen war das Wort abgenommen worden, Belgien nicht zu ver­lassen, sie taten es dennoch, um ihren Degen dem Va­teriande wieder zur Verfügung zu stellen. Aber es wa= ren unter den Reisenden auch jene todesmutigen Reiter, welche bei Sedan, unter Anführung des Generals Gallifet die schneidige Attacke gegen die preußischen Truppen gemacht und sich glücklich durchgeschlagen hat­ten, unter ihnen der persönliche Adjutant des Marschalls Wimpffen, Graf d'Alincourt.

Dieser hielt sich ein wenig abseits von den stets schwazzenden, prahlenden und streitenden Kameraden; hauptsächlich von denen, welche mit falschen Pässen auf das Schiff gekommen waren und es mit ihrem Ehren­wort nicht genau genommen hatten. Er schien mehr Interesse für die stets einsam und traurig dasigende Desiree zu empfinden.

Der Zufall führte eine Bekanntschaft herbei. Der unfreundliche Nordost hatte dem Mädchen den Hut­schleier entrissen, Graf d'Alincourt erhaschte ihn, bevor er in's Meer geweht wurde. Während Desiree den Flüchtling befestigte, nahm er an ihrer Seite Platz. Durch geschickte Fragen hatte er bald thren Kummer erfahren.

Ste wollen Ihren Vater suchen, mein gnädiges Fräulein?" sprach er nachdenklich. Das ist in der jezigen Kriegsperiode ein höchst gefährliches Unterneh­men. Haben Sie auch die Möglichkeit erwogen, daß Ihr Vater als guter Patriot Kriegsdienste genommen haben kann und vielleicht jetzt schon dem Feinde gegen­übersteht?"

Desiree erschrat, der Gedanke war ihr in der Tat bisher nicht gekommen.

Mein Vater ist ein Vierziger, Herr Graf," fagte fle, fich gegen die Idee webrend. er ist fern von allen

Eine freie konservative Vereinig ung für den Westen hat sich in Düsseldorf gebildet. Die Versammlung, die Regierungs- und Medizinalrat Dr. Bornträger leitete, war von zirka 40 Herren be­sucht, welche ihren Beitritt erklärten. Die Sazungen ge­ben im allgemeinen den konservativen Parteigedanken wieder, betonen jedoch auch, daß sie einem gesunden Fortschritt nicht abhold wären.

exzentrischen Anwandlungen, obgleich die Vorfälle bei Sedan, der Tod meines Bruders

Das Rachegelüft, dem Sohn bei seinem Feinde Vergeltung zu schaffer, kann auch das friedfertigste Ge­müt zu Ausschreitungen führen. Freilich spricht dage= gen, daß Ihr Papa Rücksicht nehmen mußte, auf seine schöne, liebenswürdige Tochter, die er seines Schuzes nicht berauben darf."

Dieses Bedenken hat Papa jedenfalls nicht gehabt, bemerkte Desiree traurig. Wir beide schieden nicht als gute Freunde. Papa zürnte mir, und darum reiste er nach Südfrankreich."

,, Dann allerdings werden Sie gut tun, in den Bu reaux zu Tours, Le Mans und Bourges nachzufsschen und hierauf erst nach dem Süden zu gehen."

Desiree sah die Möglichkeit ein und diese vergrö Berte nur ihre Angst. Als der Dampfer in den Kanal einlief, erlahmte ihre Widerstandskraft, und die See­frankheit ergriff sie mit Heftigkeit.

Die Esperance" passierte die bretagnische Küste, der Wind flaute ab, die See wurde ruhiger, und die franken Passagiere Iteßen sich wieder auf Deck sehen. Graf d'Alincourt hatte sich unausgesezt nach dem Be finden Desiree's erkundigt, da er für sie ein lebhaftes Interesse fühlte. Er begrüßte Desiree mit aufrichtiger Freude, als sie ihre Kabine verlassen hatte.

Trotzdem das Wetter noch immer falt und von et figen Regenböen verschlimmert war, blieben sie doch beide auf Deck und suchten einen warmen Platz über der regelmäßig arbeitenden Maschine. Bald war ihre Unterhaltung in vollem Gange.

Die Ereignisse von Sedan bildeten dabei den Haupt­stoff des Gespräches. Die Eindrücke waren bei Desiree noch immer sehr lebhaft, schien ihr doch der Aufenthalt in Bazeilles nur als eine Fortsetzung jener Tage.

( Fortiebung folgt.).