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Gießener Zeitung
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erteljährlich 1,20 m., vorauszahlbar, frei ins Haus.
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musgabeste len vierteljährlich 90 Pfg.- Erscheint Mittwochs und Samstags. Redaktion: SeltersFür Aufbewahrung oder Rücksendung icht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.
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Telephon: Nr. 362.
missstände im Bergbau.
Bei der Besprechung der im Reichstage eingebracheller u. a. als Interpellation betr. den Streit im rheinisch- westfäliet Kohlenrevier bezeichnete der sozialdemokratische Abordnete Sachse als besonderen Mißstand die von
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Landwirte,
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führte.
u einigen Zechen die Beträge an, die in der Zeit s, welche ich von 1. Oftober 1910 bis 1. Oktober 1911 den Belegeugnisse genom jaiten abgenommen" seien. Hierzu äußert sich eine ferner nur best in Frage kommenden Zechenverwaltungen wie folgt: Von der angegebenen Summe entfallen auf will
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en Anerkennung liches Feiern 18048 Mt. und der Rest von 4274 eserklärungen auf auf Bestrafungen für sonstige Ordnungswidrig ehlungen für itan. In der Zeit vom 1. Oktober 1910 bis 1. Oftoer 1911 wurden auf hiesiger Zeche 96 783 Schichten il fürlich gefeiert. Würden wir von dem uns nach er Arbeitsordnung zustehenden Rechte regelmäßig Gecaach gemacht und jedes willkürliche Feiern bestraft Dezember 1911.aben, jo würde eine erheblich höhere, mindestens 3 is 4fache Strafsumme zu verzeichnen gewesen sein. Wir aben unseren Arbeitsausschuß schon häufig auf diese ohe Zahl willkürlicher Feierschichten aufmerksam ge= Bezirk des Königtagt und ihn ersucht, auf die Arbeitskollegen dahin mergerichts. nuwirken, daß das Bummeln aufhöre; aber auch nach iefir Richtung hin haben wir bisher einen Erfolg nicht u verzeichnen gehabt. Vielleicht aber macht der Herr lbgeordnete Sachse seinen Einfluß geltend, daß das Bummeln aufhört, oder nimmt wenigstens bei nächster belgenheit Veranlassung, auf die hohe Zahl der willtürlich Feiernden auf hiesiger Zeche aufmerksam zu macher uns selbst würde es viel lieber sein, wenn wir für willkürliches Feiern keine Strafe zu verhängen brauchjen
цег, потшес reue Werbe 8 muß im Konsumen nt werden: ein Fabrikat, elswürdigkeit gleidtommt.
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leines Haus Sokolade stellt menheit dar, wird Verkauf na Sellheim,
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Diese Antwort der Zechenverwaltung auf die Anchuldigungen des Abg. Sachse weist auf einen recht bellligenswerten Uebelstand im Bergbau hin. Das willürliche Feiern der Bergleute nach Festlichkeiten, Feierunde Lohntagen ist, wie aus vorstehenden Auslassungen hervorgeht, auf einzelnen Zechen schon zu einer wahren Rallimität geworden, unter der in der Kohlenindustrie, wie: in feiner anderen Industrie, sowohl Arbeitgeber wie Arbeitnehmer zu leiden haben. Der sozialdemokratische Abgeordnete hat es unterlassen, bei den Angaben über die von den Zechenverwaltungen verhängten Strafen zu bemerken, daß ein großer Teil der Strafen, auf einer Bedre jogar mehr als vier Fünftel der Gesammtsumme wegen willkürlichen Feierns einbehalten wurde. Seine Ausführungen hätten sonst wahrscheinlich das Gegenteil Der beabsichtigten Wirkung erzielt. Welche Summen den Bergleuten durch das unentschuldigte Feiern verloren gehen, fann man nach den oben erwähnten Angaben, wonach allein auf einer Zeche 96 783 Schichten ohne Erlaubnis gefeiert wurden, ungefähr errechnen.
Unter Feinden.
Unter
Roman von Karl Matthtas. ( Nachdruck verboten.)
Wen er das Zimmer verließ, legte er den Finget auf den Mund und deutete auf den Kranken, zum Belchen, daß sie ihn nicht sprechen lassen sollte. Waldenar tam gar nicht in Versuchung, die ärztliche Voricht zu brechen, ihm genügte, der Musik ihrer Rede zulaufchen.
Nach drei Tagen kam Bourlier's Brief aus Sedan. Er ersuchte die Frauen, sogleich zu ihm zu kommo Tante Nataly legte dieses Schreiben ihrer Nichte Dor. Aber Desiree hatte statt der Einwilligung nur ein Kupffchütteln. Schon machte sich Frau von Tarandal,
Gehaltsangabe und dem Zorn thres Bruders fürchtend, damit vertraut, algeliefert und ist Teih nach Sedan zu fahren, als dieser selbst unerwartet en Veukaufsstellen antam und, von Laurence geführt, in das Zimmer der
Damen eintrat.
Bourlier sah elend aus. Seine Züge waren verFrost bestreut. Aber seine Haltung war aufrecht und stoz. Er setzte dem Unglück starren Mannesmut ent
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Schließe die Tür, Laurence," sagte er grimmig, nadem er seine Schwester flüchtig begrüßt hatte. emand von den Prussiens, die mein Haus widerrecttlich in Besitz genommen haben, soll sagen, er habe mil gesehen. Halte draußen Wache, laß niemand
zu uns!"
Der Gärtner tat nach seinem Befehl, und Bourlier tes fich schwerfällig auf einen Sessel niedersinken.
Wo ist Desiree?" fragte er, mißtrauisch um sich Blilfenb. Ich will nicht hoffen, daß sie allein im Hause un Garten umherschweift."
Beruhige Dich, Deine Tochter wird gleich zur Sulle sein," entgegnete die Dame in tödlicher Verlegen
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Mittwoch, den 8. Mai 1912. Zugrundelegung eines durchschnittlichen Schichtverdienstes von 4,60 Mt.( heute wird der Schichtverdienst wahr= scheinlich etwa 5 Mark betragen) würde dies für die betreffenden Leute einen Lohnausfall von annähernd 450 000 Mark bedeuten. Auf rund 300 Arbeitstage kommt somit täglich ein Lohnausfall von 1500 Mart. willig verzichtet haben, in gar keinem Verhältnis der Summe, die den Arbeitern für Strafen an ihrem Lohn gekürzt worden ist. Zu bemerken ist noch, daß die Strafgelder in eine Unterstützungskasse fließen, zu der auch die Zechenverwaltungen in der Regel nicht un
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erhebliche Beiträge leisten. Auf einer der von dem Abgeordneten Sachse erwähnten Zechen wurden in der Zeit vom 1. Oktober 1910 bis 1. Oftober 1911 20 953 Mt. Unterstützungen gezahlt, während in der gleichen Zeit die Gesamtsumme der einbehaltenen Strafen 16 356 M. betrug.
Wenn nun auch das unentschuldigte Fortbleiben von der Arbeit, das auf einen bedauerlichen Mangel an Ordnungsliebe und Pflichtgefühl bei den in Frage kommenden Leuten schließen läßt, auf's schärfste zu verurteilen ist, so wäre es doch gänzlich unangebracht, hier aus nun etwa einen Vorwurf gegen die gesamte Bergarbeiterschaft herleiten zu wollen. Es kann gar keinem Zweifel unterliegen, daß der weitaus größte Teil der Bergarbeiter selbst das ordnungswidrige Verhalten ihrer Kameraden durchaus mißbilligt. Kein vernünftiger Arbeiter wird es auch den Zechenverwaltungen verdenken, wenn sie von der ihnen nach der Arbeitsordnung zustehenden Befugnis, die Leute zu bestrafen, Gebrauch machen, denn die Bekämpfung dieser Unsitte liegt nicht nur im Interesse der Zechenbesitzer, sondern namentlich auch im Interesse der Arbeiterfamilien und der arbeitswilligen Kameraden in der Grube, die durch das unerwartete Wegbleiben unter Umständen sogar ernster Gefährdung an Gesundheit und Leben ausgesetzt sind.
Politische Rundschau.
Deutschland.
* Berlin, 6. Mai. Der Reichskanzler begibt sich Ende der Woche nach Karlsruhe, wo er dem Kaiser Vortrag über schwebende wichtige Fragen halten wird.
*
Berlin. Der Staatssekretär von Tirpik gab bekannt, daß es in der Absicht der Marineverwaltung liege, die Zahl der deutschen Unterseeboote auf 72 Boote mit großer Seeausdauer zu bringen.
Graf Posadowsky hat vor wenigen Tagen beantragt, daß die nicht durch mindestens 15 Mitglieder und Hospitanten im Parlament vertretenen Parteien nicht mehr als Fraktionen anerkannt werden, infolge= dessen auch über die Geschäfte des Hauses nichts mehr
heit. Du bist selbst hergekommen? Ich war im Begriff, nach der Stadt zu fahren."
" Nun, und Desiree? Was hältst Du hinter( m Berge? Was verbirgst Du mir? Du willst allein to men, das Mädchen schußlos hier zurücklassen? O meit Gott!" rief er plößlich in verändertem Tone,„ ich ahne Desiree ist tot!"
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" Nein, nein, um Gotteswillen, wie kommst Du auf diesen Gedanken," wehrte die Schwester.„ Sie ist ge= sund und glücklicher als je.“
" Ich will sie sehen, und dann fort von hier!" " Das ist nicht so leicht," wandte Nataly angstbebend ein,„ habe doch ein wenig Geduld, lieber Jean, laß mich Dir erklären, weshalb wir nicht sofort Deinem Befehle folgten. Es ist wie Gottes Fügung. Hier in diesem Hause befindet sich ein Mann, der als Verwundeter hergekommen. Ein unglücklicher Zufall führte nun will sie Desiree mit ihm zusammen, und nun ihn nicht verlossen."
„ Waldemar Tyrolt!" fuhr der Hausherr wild auf. " Derselbe," antwortete Nataly tonlos. „ Tyrolt, und meine Tochter ist bei ihm, dem Mörder meines Sohnes? Sie pflegt ihn, und er wird ge= nesen unter ihrer Hand, während ihr Bruder ungerächt in der Erde liegt, schmählich umgebracht von dem Schurken, den ich mit Wohltaten überhäufte!"
„ Aber Jean, Du tust ihm Unrecht, schmähe den Unglücklichen nicht."
" Schweige! Du littest es, daß Deftree zu ihm ging, zu ihm, den sie hassen, verabscheuen sollte! Schande Dir, verächtliches Weib! Aber ich will der Schmach ein Ende machen. Mit meinen Fäusten will ich die Liebestolle von seinem Bette reißen und ihn würgen, wie er meinen Sohn gewürgt hat."
„ Du bist von Sinnen," sprach Frau von Tarandal, welche gegenüber der ungerechten Wut ihres Bruders ihre ganze Kaltblütigkeit wiedergefunden hatte. So
( Gießener Tageblatt)
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Telephon Nr.: 362. 24. Jahrg.
zu sagen und auch keine rechtlichen, sondern nur noch moralische Ansprüche auf Kommissionsvertretung haben sollen. Das Fraktionsverzeichnis des neuen Reichstages zählt heute dreizehn Namen auf: Konservative, Reichspartei, Wirtschaftliche Vereinigung, Reformpartei, Zentrum, Polen, Elsaß- Lothringer, Welfen, Dänen, Bauernzialdemokraten. Wenn nicht alles täuscht, wird in der heutigen Abstimmung der Antrag angenommen und damit das Schicksal der Reichspartei als Fraktion be siegelt werden.
ende Berliner Oberbürgermeisterkriſe ſteht nun unmittel* Berlin. Die sich seit einem Jahre hinziehbar vor der Lösung. Der Oberbürgermeister Kirschner wird sein vor einigen Wochen eingereichtes Abschiedsgesuch demnächst erneuern. Zu seinem Nachfolger ist von den Fraktionen der Berliner Stadtverordnetenversammlung in den gestrigen Fraktionssizungen mit großer Mehrheit der frühere Staatssekretär des Reichsschatzamtes, Exz. Adolf Wermuth, ausersehen. Wermuth will dem Anerbieten entsprechen. Damit erübrigen sich alle Kombinationen, die an eine Kandidatur Wermuths für den Frankfurter Oberbürgermeisterposten geknüpft wurden.
* Berlin 7. Mai. Der deutsche Botschafter in Konstantinopel, Frhr. v. Marschall, ist heute morgen hier eingetroffen. Noch im Laufe des Vormittags stattete er dem Reichskanzler einen Besuch ab. Es wird angenommen, daß Frhr. v. Marschall für den Londoner Botschafterposten in Betracht kommt, es fragt sich nur, ob er nicht zunächst eine Spezialmission erhält, ähnlich wie Lord Haldane sie für englische Seite zu erfüllen hatte, in London den Faden der deutsch= englischen Verhandlungen neu anzuknüpfen und fort zuspinnen.
* Berlin, 7. Mai. Aus Tanger wird gemeldet: Die der deutschen Firma Renschhausen gehörende große Ansiedelung bei El Ksar im Nordwesten Marokkos soll von 16 Reitern der in der Nähe lagernden und von französischen Offizieren be fehligten Truppen überfallen und in Brand gesteckt worden sein. 20 Feldarbeiter der Firma wurden hierbei gefangen genommen. Herr Renschhausen, der 3. 31. in Nieder- Lößnitz bei Dresden weilt, hat bisher noch keine Nachricht von dem Ueberfall erhalten und glaubt, daß die Meldung jedenfalls übertrieben sei. Der deutsche Gesandte hat bei der französischen Gesandtschaft sofort energische Vorstellungen erhoben. Die französischen Behörden haben daraufhin die sofortige Untersuchung des Vorfalles zugesagt. Der Vorfall stellt einen der zahlreichen Fälle systematischer Belästigungen deutscher Schutzgenossen zum Schaden deutscher Interessen dar.
lange Du nicht Vernunft annimmst, führe ich Dich nicht zu dem Kranken und nicht zu Deiner Tochter. Was Du gegen Tyrolt vorbringst, sind unwahrheiten. Ich kenne den unseligen Konflikt zwischen ihm und Olivier ganz genau. Den Mann trifft keine Schuld, im Gegenteil, er wurde heimtückisch von Olivier angefallen und zu Tode verwundet. Tyrolt's Hand ist rein von Deines Sohnes Blut."
" Lug und Trug! Ich glaube dem Zeugnis feines Prussiens. Nicht einen Augenblick dürfen sie länger zusammenbleiben. Führe mich zu ihr!"
" Versprichst Du mir, ganz ruhig zu sein?" " Ich werde mich bezwingen, auch ohne dieses Versprechen. Ich denke nicht daran, den Barbaren Gelegenheit zu geben, mich bei Seite zu bringen."
„ Das ist vernünftig. Aber noch eins höre. Ich fürchte, Desiree wird Dir Widerstand leisten." „ Meine Tochter, mir? O, glaube es nicht. Aber würde sie es wagen, ich wüßte sie zu zwingen."
,, Keine Gewalt, Jean. Bedenke das Aufsehen. Bedenke auch die Aufregung des Verwundeten. Man würde ihm zur Seite stehen, Desiree schützen
„ Ich bedenke alles. Ich werde meine Tochter durch Güte zum Gehorsam bringen. Aber komm nun, ich er= trage das Zögern nicht länger."
Er hatte seine Worte fast zu einem Flüstern herabgedämpft und schien äußerlich ganz ruhig. Nur aus seinen Augen sprühte die unheimliche Glut des Fanatismus, der Rachsucht, der Tücke. Frau von Tarandal streifte seine Büge mit furchtsamem Blick. Bourlier sah schrecklich aus. Das Gesicht war erdfahl, dunkle Ringe zogen sich um die Augen; die Lippen schienen blau, als ob sie in Frost erstarrt seien. Frau von Tarandal seufzte tief; eine Schwäche kam über sie; sie hätte vor Schmerz aufschreien und den Tränen freien Lauf lassen mögen. Aber sie bezwang sich. Langsam öffnete sie die Tür.
Cortsegung folgt.)


