Ausgabe 
7.12.1912 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Gießener Zeitung

amp DEM

Bezugspreis 40 Pig. monatlich

( Neueste Nachrichten)

teljährlich 1,20 m., vorauszahlbar, tret ins Haus. bgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig gabestellen vierteljährlich 90 Big Gricheint httechs und Samstags. Reoaftion: Selters­Für Aufbewahruna oder Müdiendung verlangter Manuſtriate wird nich garantiert. Berlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. v.

83.

-

dere Boonekam. 98

verschänkt, d

n. Dies veranla

1

oluit.

ten

tums von jetzt zur Lage auf dem Danten auf dem Balkan ist es stille geworden. nach dem Abschluß des Waffenstillstandes ist an ruppen der beteiligten Staaten der Befehl zur Ein­der Feindseligkeiten ergangen. Wenn dieses Das Ganze halt!" auch noch kein Abrüt ir mein Fabrik die Quartiere" bedeutet, und die Truppen sich veilen in ihren Stellungen einrichten, so darf man die Zuversicht hegen, daß die bald einzuleitenden lbrechtsverhandlungen zu einem Endergebnis führen Die Pforte gab amtlich bekannt, daß der Wa f- illstand mit Bulgarien, Serbien und Monte­am Mittwoch, den 4. Dezember, unter den Be­mgen abgeschlossen worden ist, daß die Krieaführ­in den gegenwärtig von ihnen innegehaltenen ungen verbleiben. Die Friedensverhandlungen be n ohne Aufschub. Der Kriegszustand wird allein en Griechenland aufrechterhalten. Die gleich­nde Bekanntmachung ist von den Vertretern der im Auslande und den türkischen Provinzbehör­jugegangen.

nigs Wilhelm I

NI

EN

Ueber die österreichisch- serbische Frage.

Fon II 220en einer Slärung auch heute noch ebenso weit ent­wie in der ganzen verflossenen kritischen Zeit. österreichische Ministerpräsident erklärte, daß sich die meine politische Lage nicht geändert habe, der französische Ministerpräsident sagte die Physiog­der Ereignisse sei weit von der endgültigen Fest­entfernt". Was die vielbesprochene Botschaf onferenz betrifft, so spricht man neuerdings dieser, der flärenden Vorarbeit gewidmeten Ein­ng als von einer Botschafter- Reunion". Daß die ensunterhändler ebenfalls in London beraten, kann als vorteilhaft angesehen werden. Desterreich und Italien haben in Athen iche Vorstellungen wegen der Besetzung der Gaseno und der Beschießung von Valona Man erwartet, daß Griechenland den Vorstell­dieser beiden Mächte sich fügen wird.

Wes

iel der

wer

wboy

er=

Degea

Erpedition: Seltersweg 83.

Samstag, den 7. Dezember 1912.

#

Wien, 6. Dez. Hier verlautet, daß der Ge­neralstabschef, Feldmarschalleutnant v. Schemua sich abermals infognito nach Berlin begeben hat, um mit dem deutschen Generaistabschef v. Woltte eine neue Beratung abzuhalten.

Der rumänische Kronprinz hatte gestern eine Be­sprechung mit dem Chef des deutschen Generalstabs Ge­neral von Moltke.

Balona, 6. Dez. Die provisorische Re gierung Albaniens bildete ein neues Kabinett, in dem Imail Kemal Bey das Präsidium und Aeu­heres hat und Vizepräsident ohne Portefeuille Monsig­nore Baccioni ist. Ein Senat, der bis jetzt aus acht­zehn Mitgliedern besteht, ist eingesetzt worden; zum Präsidenten wurde Zevnel Bey aus Jpek gewählt. Zu Kommandanten der nationalen Miliz wurden ernannt ja Boljetinaz und Riza Ben. Sämtliche Wahlen er= folgten in der Nationalversammlung. Das Kabinett sett sich aus zwei Katholiken, drei Orthodoxen und fünf Muselmanen zusammen. Sämtliche Gewählten sind einfinßreche Persönlichkeiten. Ganz Albanien ist durch sie im Kabinett vertreten.

Belgrad, 6. Dez. Einem Korrespondenten ge= genüber äußerte sich gestern der hiesige russische Ge sandte, Hartwig, wie folgt: Die Ansprüche Ser biens auf Albanien sind berechtigt. Serbien führte seinen Krieg mit der Türkei erfolgreich und kann jenen Teil der eroberten Gebiete offupieren, der ihm genehm ist. Desterreich hat ja keinen Krieg mit der Türkei ge­habt. Mit welchem Recht verlangt es jetzt gewisse Vor­rechte auf Gebiete wie Albanien? Hartwig betonte auch, er tue nur das, was seine Regierung ihm be­fehle, und daß alle Beschuldigungen, daß er auf eigene Faust Politik treibe, unrichtig seien.

Belgrad, 6. Dez. Ueber die Rede des deut­schen Reichskanzlers hat sich, wie die Voss. 3tg." meldet, die serbische Presse völlig ausgeschwiegen. Dagegen heißt es in einer Zuschrift des früheren Ju­stizministers Aranjelowitsch an ein Blatt u. a.: Wir Serben zittern, daß Rußland auch diesmal nach­geben könnte und sich dann dasselbe diplomatische Spiel wiederholen würde, wie 1908 und 1909. Trotzdem ist

Machen Sie keine kostspieligen Beleuchtungs­Experimente! Nehmen Sie gleich das Richtige. ,, Degea"

den besten Glühkörper der Auergesellschaft!

( Gießener Tageblatt)

Anzeigenpreis 20 pig.

die 44 mm breite Inferatenzeile.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pfg.- Ertrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt komun bei Ueberschreitung des Zahlungs. zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Blayzvorschriften ohne Berbindlichkeit. Druck der Gießener Verlagsdruckerei.

Telephon Nr. 362.

24. Jahru.

unsere Hoffnung stärker, als unsere Furcht. Die Blide aller Serben sind jetzt auf Rußland gerichtet; es muß sich in der gegenwärtigen Lage entschlossen zeigen und ein offenes Wort sprechen. Daß es nicht vorbereitet sei, fann niemand glauben. Denn schließlich: wann wird es einmal vorbereitet sein, wenn nicht jetzt? Es war unvorbereitet zur Zeit des japanischen Krieges, zur Zeit der bosn schen Annexion. Aber jetzt hat sein Kriegs­minister selbst erklärt, daß sich Rußland auf sein Heer verlassen könne.

Aus Sofia wird gemeldet, daß die Londoner Friedensunterhandlungen nicht länger als 25 Tage dauern sollen. Wenn nach Ablauf dieser Zeit der Frieden nicht unterzeichnet werde, würden die Kriegs­operationen wieder aufgenommen werden. Der türkische Betschafter in Berlin, Osman Nisam Pascha, reist am 10. Dezember von Konstantinopel über Berlin nach London ab. Andere türkische Delegierte sind noch nicht ernannt. Die Frage der Verproviantierung der belager­ten türkischen Festungen Adrianopel und Stutari einige Zeit strittig. Jetzt wird auch von türkischer Seite erklärt, daß die Festungen nicht verproviantiert wür­den.

var

Dem Temps" wird aus Konstantinopel gemeldet, daß man dort über die Ursache der Haltung Griechenlands sich nicht recht klar sei. Die einen neh­men mit lebhafter Senugtuung an, daß zwischen Bul­gazier: und Griechenland ein tiefgehendes Zerwürfnis herische, andere wieder glauben, daß das getrennte Vor­gehen Griechenlands auf einem Einvernehmen mit den Ballanstaaten beruhe und den Zwed habe, während der Friedensverhandlungen die Dardanellen- Blockade auf­rechterhalten zu können.

Stonstantinopel, 5. Dez. Nazim Pascha, so­wie der Chef des Generalstabes und eine Reihe Ge­ncralstabs offiziere sind in Konstantinopel eingetroffen. 3 De= Cetinje, 5. Dez. Der König ernannte legierte für die Londoner Friedenskonferenz, die morgen abreisen.

* Bukarest. Am kommenden Dienstag wird Großfürst Michaelowitsch von Rußland hier eintreffen, um dem König Carol den Mar=

Glühkörper

ickmaschi

steme liefert mi unter denkbar ngungen( Katal

Das Glückskind. Roman von Freue von Hellmuth.

( Nachdruck verboten.)

Endlich griffen die bebenden Finger wieder danach, Kirsch, Braunsch, was ihr so unglaublich dünkte, war doch erschüt­e Wahrheit. Halblaut las sie:

Leitern aller

h. Streck, B

buch Nr. 10

Geehrtes Fräulein!

68 war ein großer, tiefbedauerlicher Irrtum, der glauben ließ, in Ihnen eine passende Lebensge­i gefunden zu haben. Es tut mir unendlich leid, brem Herzen vielleicht Wünsche und Hoffnungen dt zu haben. die sich nie im Leben erfüllen können. re Wege müssen von heute ab auseinandergehen. werden sich vielleich: selbst sagen können, weshalb, ß ich mir nähere Erklärungen sparen kann. Dr. Hermann Bächtner."

Das war also das Ende des seligen Traumes. Ste st reichhaltiges fchrill auf, es flang wie wenn eine Saite springt

vollständige

1. Ekzenia's durch

Tino- Salbe, Rise- Te

oneidend und mißtönend.

Das Glückskind nennen sie mich. Was ist denn lich Glück? Etwa der goldene Mammon, der mir Shild? Gtwa Fallen soll, ver mir nicht die geringste Befriedigung miri? Es ist der reine Hohn, ich ein Glückskind, haha. es macht mich wirklich lachen!" Dann raffte sie sich auf, um an Hermann zu schrei­Der getrieben. Doch da erwachte der Stolz- der

seit 16 Jahren bufklärung sollte er ihr geben für das frivole Spiel,

ann ich Ihnen berich

cht zuviel, wenn ich

gegen Ekzema kelet

the geben kann,

Mit dieser Ve

le ich mich bestem

f. 4. 09.

Belnleiden, Fleck

ndige Mädchenstolz in ihr. Was wollte sie denn entlich tun? Etwa um Liebe betteln?- Die Lippen selten sich verächtlich, wahrlich, das fehlte noch! hm wollte sie schreiben!- Nein,

e Rino- Salbe und Blick um sie warb, und dann, als sie ihm aus

den angewandt

à Mk. 1.15 und

Apotheken verr

ht in Originalpach

ot und Firma Schubert

Weinbobla- Dreade

bungen welse mu

HO

er war feines zuges von ihrer Hand wert, der zuerst mit süßem barem Grunde nicht mehr paßte, ſie einfach bei

abgetragenes Kleid,

te sie sich wirklich zu gut!

-

Nein, dazu

|

3war hatte sie selbst einen Fehler begangen; es war gewiß nicht recht, daß sie ihm gestern feinen Auf­schluß gegeben. Doch ist dies die wahre Liebe, die we­gen eines kleinen Versehens gleich alle Beziehungen abbricht?

Ein tiefer, unbezähmbarer Haß begann in der jungen Mädchen aufzusteigen. O, sie wollte jenem E bärmlichen zeigen, daß sie sich nichts, nichts aus ihm machte, nicht ahnen durfte er, wie furchtbar der Streich getroffen, den er gegen sie führte.

Berachtung, das war das beste für diesen- diesen Feiglingo Schmach über ihn!--

Röschen preẞte die Hände gegen die schmerzende Stirn. In ihrem Herzen rangen tiefbeleidigter Stolz, D, nur feinen Haß und Liebe um die Herrschaft. Menschen merfen lassen, was man ihr angetan hatte, also Fassung- Ruhe!- Die Luft im Zimmer erschien ihr heiß und drückend, hastig riß sie das Fenster auf und ließ sich von der falten Morgenluft die wie im Fie­ber glühende Stirn fühlen; das erfrischte und tat unge= mein wohl.

Unten auf der Straße hatte bereits das Leben be= gonnen. Der festgefrorene Schnee knirschte unter den Tritten eiliger Fußgänger, die alle bis zur Nasenspizze eingemummt, hastig ihren Weg verfolgten, um so schnell als möglich wieder tu den Bereich eines wärmenden Ofens zu kommen. Eine Schar hungriger Spaßen balgte sich piepsend um das farge Futter, und einige übermütige Jungen eröffneten ein scharfes Bombarde­ment mit Schneebällen.

Das bleiche Mädchen am Fenster sah das alles wie im Traum. Es fühlte sich so überflüssig- so unnütz auf der Welt. Jedes hatte doch einen Beruf, hatte zu

sorgen und zu schaffen für ſeine Lieben, nur fie nicht; ihr blieb nichts zu tun, sie kannte keinen einzigen Men­schen, der sie lieb batte.

Riecke erschien eben mit dem Kaffeebrett in der Hand. Um Gott, Fräulein, wie sehen Sie denn aus!" rief die Dienerin erschrocken, was ist denn passiert?" Schreie nicht su, Riecke ein wenig Kopfschmer­zen, das ist alles. Deinen Kaffee nimm nur wieder mit, ich will erst einen kleinen Spaziergang machen, um frische Luft zu schöpfen. Sage der Tante, daß ich bald zurück ſein werve."

Aber Fräulein Röschen, bei der Kälte einen Spa­ziergang?"

Kopfschüttelnd nahm Riecke das auf den Tisch ge= stellte Kaffeegeschirr wieder an sich.

Ein anderer Mensch ist froh, wenn er hübsch da­heim bleiben kann, und Sie wollen ausgehen! Na, er­fälten Sie sich nur nicht." sagte sie dabei, wandte aber im Hinausgehen noch besorgt den Blick nach dem jun­gen Mädchen, das so starr und unbeweglich am Feuster stand und ein Stück Papier in Atome zerpflückte. Et­was mußte doch nicht in Ordnung sein.

Endlich raffte sich Röschen auf, fleidete sich rasch an und verließ das Haus, um den Weg nach dem Fried­hof einzuschlager. Hier war es still, totenstill, fein Mensch Iteß sich sehen weit und breit. Der weiche weiße Schnee lag wie eine schüßende Decke auf allen Gräbern, auf den dunklen Cypressen und den fahlen Sträuchern. Aber selbst an dem Grabe der Mutter wollten die erlösenden Tränen nicht kommen. Eine fast neidische Empfindung beschlich das gequälte Herz. O, wer doch da unten liegen könnte und den Frieden hätte, den man auf Erden nicht findet, dann wäre es vorbei mit Schmerz und Leid, vorbei für immer.

Langsam fehrte Röschen nach Hause zurück. Im Flur begegnete sie ihrem Vormund, über dessen un­angenehme Züge beim Erblicken des bleichen Mädchens ein triumphierendes Lächeln huschte.

( Fortsetzung folgt.)