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Sießener Zeitung

Bezugspreis 40 pfg. monatlich

( Neueste Nachrichten)

neljährlich 1,20 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. gebolt in unferer Expedition oder in den Zweig­gabestellen vierteljährlich 90 Pfg. Erscheint Rittwoche und Samstags. Redaktion: Selters­Für Aufbewahrung oder Rüdiendung

83.

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1 verlangter Manusfriste wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

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Telephon: Nr. 362.

Deutschland und Frankreicb.

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herr von Kiderlen Wächter, der Staats= ir des Auswärtigen Amtes, hat sich während sei­Aufenthaltes in Kissingen wiederholt mit dem Re­Georges Bourdon vom Pariser Figaro" über große Politik unterhalten und dabei sich sehr ein­mmer zu der Frage der deutsch- französischen chotite. 10 ich ungen geäußert. Es ist wahr, daß Deutsch­und Frankreichs Interessen in der Welt kaum ir­wo aufeinander stoßen, und es ist nicht ganz un­higt, wenn Herr v. Kiderlen auf die Türkei ver­wo Deutschland und Frankreich beispielsweise ein sammengehen versuchen könnten. Dabei würde alzimmer, freich auch nicht mit seinem russischen Verbündeten derstraße onflikte geraten, die gerade in der Orientfrage dro= e Norbanlag wenn Frankreich die englischen Interessen verfolgt. mmer Teil sehr geschickten Aeußerungen des Herrn liberlen- Wächter und die von aufrichtigem Wollen enden Begleitworte des französischen Publizisten en gewiß ihr Teil dazu beitragen, Mißverständ= beseitigen und ein freundlicheres Verhältnis zwi­Deutschland und Frankreich anzubahnen. Aller= ist nicht zu vergessen, daß der durch ein halbes hundert großgezogene Revanchegedanke noch stets ake 77 1. aufgeflammt ist in den Volksleidenschaften, wenn Schreier sich auf die Boulevards stellte. v. Kider­Bächter drückte das auf eine Frage, warum wir Soldaten jährlich mehr einstellen, wenn wir Don England bedroht fühlten, so aus: Gesetzt den daß wir in einen Krieg gegen die Eng der verstrict seien, tennen Sie dann in Frank­ettkäse ne Regierung, die, und wollte sie es auch, im­.50 Mk. wäre, länger als drei Stunden dem Volks Ithof bei zu widerstehen, der das Land an die

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freiben würde?"

Das ist die Gefahr, die wir immer, trotz aller erhäuschel einmal fich anbahnenden freundschaftlichen Be­gen zu Frankreich, im Auge behalten müssen.

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Politische Rundschau.

Deutschland.

Der Kaiser ist Dienstag abend um 10.50 on Swinemünde kommend, auf dem Bahnhofe

Unter Feinden.

Roman von Karl Matthias.

( Nachdruck verboten.) So Das hätte mir leid getan," entgegnete dieser. gezwungen gewesen, bis zum Abend die Gast­

geblich auf haft des Schloßherrn in Anspruch zu nehmen.

rsuche noch abends muß ich wieder hier sein. Richten Sie ärztl. enplanach ein." albe

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on recht." versetzte der Roſſelenker, aber jetzt

wir los, es waht barbarisch kalt, und die Land­ist auch nicht besonders sicher. Ich habe hinter

den Namen bloßmauer dret bewaffnete Kerle gesehen."

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Gespensterfurcht om hellichten Tage," schalt der Fahren Sie zu! Nach dem Dragon d'Or. Apotheken ble den Wunsch, allein zu sein."

Dresden.

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war ihm unmöglich, nach dem, was er erfahren, ino unter den Kameraden zu speisen. Er wollte Schmerz austoben lassen, er mußte ungestört

Rudjade tönnen, wenn er nicht selbst den Verstand ver=

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wollte.

Desiree, seine geliebte, fluge Desiree wahnsinnig, bar geistesgestört, dem Tiere gleich? Es war ent­unfaßbar, fast schwerer zu ertragen als die To­rtcht.nl on 16( 691 Gegen abend hielt es ihn im Zimmer nicht mehr. glenderte achtlos durch die Straßen und begegnete her Esplanade dem Leutnant Baldreich.e Mum, Freundchen, sieht man Sie denn gar nicht rief ihm dieser schon von weitem zu. Wir er­ten Sie mit Sicherheit zum Mittagessen." hwar nicht in gesellschaftlicher Laune, entschul­

Taf. 40 P Ste," sagte Waldemar trübe.

h, Sie haben sie also nicht gefunden?" befunden schon, aber nicht gesehen und gesprochen. B: nochmals hinaus.

Samstags liegt für die Stadtabonnenten der

Illustrierte Wochen- Anzeiger

gratis bei.

Erpedition: Seltersweg 83.

Mittwoch, den 7. August 1912.

Wilhelmshöhe eingetroffen; er wurde von der Kai­serin, der Prinzessin Viktoria Luise und dem Prin­zen Joachim begrüßt. Ferner waren zugegen der kom­mandierende General des 11. Armeekorps, Freiherr von Scheffer- Bonadel, mit dem Generalstabschef. Auf der Fahrt zum Schlosse Wilhelmshöhe wurde die kaiserliche Familie von einem zahlreichen Publikum stürmisch be­grüßt. Am Mittwoch wird der Kaiser in Wilhelms= höhe bleiben, in der Nacht zum Donnerstag wird er in Begleitung des Prinzen Joachim im Sonderzug nach Villa Hügel bei Essen fahren, wo die An­funft 8 Uhr morgens erfolgt. Der Gesamtaufenthalt des Kaisers auf Schloß Wilhelmshöhe wird voraussicht­lich bis Ende dieses Monats dauern, wo sich der Kai­ser nach Berlin begibt, um hier am 1. September die große Herbstparade abzunehmen. Anfangs September tritt der Kaiser dann die Reise nach der Schweiz an.

* Der deutsche Kronprinz hat Montag nach mittag auf seiner Reise nach Hopfreben dem Prinz- Re­genten einen Besuch in Hohenschwangau abgestattet.

Der Reichskanzler hat sich von Hohen= finow zum Vortrag beim Kaiser nach Swinemünde be­geben.

* Der deutsche Botschafter Frhr. v. Marschall ist von London nach Deutschland abgereist.

Die Königin von England wird am 14. August zum Besuch der Großherzogin von Mecklen­burg- Strelitz in Neustrelitz nach Deutschland reisen. Auf der Rückreise beabsichtigt die Königin, sich auch auf ein oder zwei Tage in Berlin aufzuhalten.

Eine Vorberatung zu der für den Spätherbst

( Gießener Tageblatt)

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Die

die 44 mm breite Inseratenzeile. 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pfg. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs. zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Blapvorschriften ohne Verbindlichkeit. Druck der Gießener Verlagsdruckerei.

Telephon Nr.: 362.

24. Jahrg.

Bei der Reichstagsersatz wahl im Wahlkreise Niederbayern 4( Pfarrkirchen) erhielt der Landwirt Bauer( Bayerischer Bauernbund) 8650 Stimmen, der Landwirt und Bürgermeister Gerauer ( Zentrum) 5798 Stimmen, 12 Stimmen waren zer= splittert. Bauer ist somit gewählt.

=

*

Gutem Vernehmen nach wird die angekündigte neue Maßnahme der Bundesregierung für Vetera= nen Unterstützung eine zentralisierung der Ve­teranenfürsorge bringen, um die beklagenswerten Vor­auch

gänge für alle Zeit zu verhindern. Ob dabei

gleichzeitig eine Erhöhung der Beihilfe für die Veteranen eintritt, ist noch nicht bekannt geworden.

*

Eine Renten- Statistit. Nach einer im Reichsversicherungsamt gefertigten Zusammenstellung beträgt die Zahl der seit dem 1. Januar 1891 bis ein­schließlich 30. Juni 1912 von den 31 Landesversicher­ungsanstalten und den 10 vorhandenen Sonderanstal­ten bewilligten Invalidenrenten 2043 354.

England.

London, 5. Aug. Das Kriegsamt ernannte ein Komitee, das aus Offizieren und Sachverständigen zusammengesetz ist, um die Ausnüßung der neueren Ent­wicklung der drohtlosen Telegraphie für die Bedürfnisse der Armee zu beraten.

Frankreich.

Paris. Ministerpräsident Poincare ist

Serbien.

d. Is. in Aussicht genommenen deutsch engli- nach Rußland abgereist. schen Verständigungskonferenz fand in Bad Homburg v. d. H. statt. Den Vorsitz führte der vom englischen Komitee zum Präsidenten der Konferenz gewählte Sir Frank Lascelles, der frühere englische Botschafter am deutschen Kaiserhof, der ſeit einer Reihe von Jahren ein ständiger Besucher Hom burgs ist und auch gegenwärtig wieder zur Kur dort weilt. Es wurde endgültig beschlossen, die Verständig­ungskonferenz in der Zeit vom 30. Oftober bis 1. No­vember in London abzuhalten und folgende Gegen­stände zur Verhandlung zu bringen:

Belgrad, 5. Aug. Der im Bade Koviljaca weilende König Peter, der an Arterienverfalfung leidet, erlitt gestern einen leichten Ohnmachtsanfall, von dem er sich indessen bald erholte.

Türkei.

Konstantinopel, 6. Aug. Ueber Kon­stantinopel wurde der Belagerungszustand für 42 Tage

1. Förderung der gegenseitigen Kenntnis der beiden verhängt, weil die Regierung erfahren hatte, daß das Länder;

2. Wirtschaftlicher Wettbewerb;

3. Die Presse;

4. Unverletzlichkeit des privaten Eigentums zur See in Kriegszeiten;

Komitee unter seinen Mitgliedern Waffen verteilt hat. Die Türkei hat sich kaum je in einer so verzweifelten Lage befunden wie heute. Krieg Ger­mit Italien, bedrohliche Haltung Montenegros, biens und Bulgariens, Aufstand in Albanien, Spaltung

5. Abgrenzung der beiderseitigen Interessensphären auf im Offizierskorps, erbitterter Kampf zwischen Ministe­folonialem Gebiet.

" Zu dem unheimlichen Gesellen? Ich wüßte mir einen besseren Gastfreund."

Er empfing mich liebenswürdig und versöhnlich, und versprach mir, mich abends zehn Uhr mit seiner Schwester, meiner Braut, zusammenzuführen."

" Warum nicht gleich, wenn sie anwesend war?" Das kann ich Ihnen nicht sagen," antwortete Waldemar schmerzlich bewegt.

"

Hm, hm," brummte der Bayer, warum aber bei Nacht und Dunkelheit? Weshalb scheut der Bursche das Tageslicht?"

Auch hierauf muß ich Ihnen die Antwort schuldig bleiben," versetzte Waldemar mürrisch.

,, Ah, Sie glauben, ich sei neugierig," fuhr Herr Bald­reich fort, an der Seite des sächsischen Offiziers dahin­schreitend, indem er mit bayerischer Offenheit bemerkte: " Da befinden Sie sich bedeutend auf dem Holzwege. Ich traue dem Spitzbuben nicht. Ein Mädchen erst beim Lampenschein, wie eine geschminkte Balltänzerin vorzu­führen, hat gar keinen Sinn. Indessen, Sie sind ein freier Herr. Gehen Sie, aber nehmen Sie eine Ba= trouille, wenn ich Ihnen raten kann."

Ich werde allein gehen, ich habe es versprochen," antwortete Waldemar, unzugänglich für jeden guten Rat. Behüt' Sie Gott, Kamerad, und vielen Dank für meinen Empfang und Ihre Freundlichkeit."

Er ging. Baldreich blickte ihm kopfschüttelnd nach. Sie sollen von meiner Freundlichkeit noch mehr entzückt werden, Herr Kamerad," sagte er lachend, ich hab'' ne Jdee, und die führ' ich aus. Schau'n wir mal, was der Herr Kommandant dazu meint." Er ging ge= radewegs nach der Kommandantur und begab sich von dort mit sehr vergnügtem Geficht nach der Infanterie­taserne.

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rium und Parlament, bezw. der jungtürkischen Partei,

Waldemar verließ Sedan nach Dunkelwerden. Er fuhr mit seinem Wagen bis zur Parkmauer. Dort ließ er halten und begab sich, nachdem er dem Kutscher be= deutet hatte, er möge ihn um Mitternacht wieder ab= holen, zu Fuß nach dem Gartentor. Er fand es nur an= gelehnt. Seinem Eintritt stand nichts im Wege, aber niemand erwartete ihn. Rasch durchschritt er das Non­del. Als er die Verandastufen hinaufstieg, hörte er deut­lich das Gartengitter schließen. Es mußte also doch jemand auf seine Arkunft gepaßt haben. Die eigen­tümliche Maßnahme beunruhigte ihn nicht. Er war ja mit Säbel und Revolver wohl bewaffnet. In der Villa war Licht. Man erwartete ihn also. Mit schnellem Griffe öffnete er die Türe, durchschritt das dämmerige Vestibule und befand sich Olivier gegenüber.

Dieser stand aufrecht zwischen zwei stämmigen Bur­schen, welche in Livreen gekleidet waren, die aber gar nicht zu den troßigen, wilden Gesichtern paßten.

So wären Sie also wirklich gekommen?" sagte der Hausherr, nachdem er höfliche Grüße mit seinem Gaste gewechselt hatte. Ich biete Ihnen nicht erst Plaz an. Ich bin bereit, Sie zu Desiree zu führen."

Sie kommen meinen Wünschen zuvor," sagte Wal­demar, ganz von dem Verlangen, die Zeure wiederzu­sehen, in Anspruch genommen, so daß er für das Eigen­tümliche der Situation gar keine Aufmerksamkeit hatte. Gehen wir sogleich!"

Meine Schwester schläft, wie ich vorhin gesagt. Wir finden sie im Erkerzimmer links. Sie fennen es ja und auch den Weg dorthin. Bitte, nehmen Sie die Leuchter und gehen Sie voraus. Ich folge Ihnen, meine Diener werden mich unterstützen."

Waldemar fans diese Anordnung natürlich und handelte nach thr ohne Bedenken. Als er die Tür auf­stieß, da er keine Hand fret hatte, trat ihm etne zitternde Greifengestalt entgegen. ( Forts, folgt.).