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gebeten, fich Postkarten nur in deutscher Sprache schicken au laffen. Erwiesen sei hingegen, daß sich der Probst des Entgegenkommens wenig würdig gezeigt habe. Er sei heimlich mit dem Spion Trench in Verbindung getre­fen, habe, wie Trench selbst zugab, für diesen heimlich Briefe zur Post besorgt und in einem an Trench gerich= teten Briefe sich bereit erklärt, diesem Material für eng lische Zeitungen zu liefern, auch dafür zu sorgen, daß Trenchs Sache im Abgeordnetenhause zur Sprache tomme. Der( abgefangene) Brief befinde sich bei den Anstaltsaften. Diese Darlegungen erregten großes Aufsehen. Der Probst soll noch besonders vorgeladen werden, weshalb die Sache vertagt wurde.

Ein Absturz vom Eiffelturm.

Einen schrecklichen Tod fand, wie wir schon kurz be­richteten, in Paris ein Fallschirmkonstrukteur, der Da­menschneider Franz Reichelt, ein gebürtiger Desterret­ther, der nicht davor zurückschreckte, sich von dem etwa 80 Meter hohen ersten Stockwerke des Eiffelturmes herabzustürzen, um die Zuverlässigkeit eines von ihm erfundenen Aeroplan- Fallschirmes dazutun. Die Vor­richtung bestand, so wird des näheren mitgeteilt, in et­nem originellen Kostüm mit auf dem Rücken gefalteter weißer, seidener Kapuze, die mit einem Gestänge ver­sehen war und sich durch Bugschnüre automatisch zu et­nem Schirme von nicht weniger als 32 Quadratmetern Fläche und sechs Metern Durchmesser öffnen sollte. Reichelt hatte mit diesem Fallschirmfostilm schon mehr­fach Versuche unternommen, indem er damit bekleidete Gliederpuppen von Dache feines Hauses in den Hof hinabschleuderte. Schüttelten seine Freunde und die Mitbewohner über diese Versuche den Kopf, so war das Vertrauen Reichelts zu feiner Erfindung so groß, daß er schon seti einem Jahre den Bolizeipräfekten um die Erlaubnie gebeten hatte, das Experiment von der Plattform des ersten Stockwerts des Eiffelturmes mit feiner eigenen Berson anzustellen. Am Sonnabend murde ihm endlich die ersehnte Bewilligung zuteil, und flir Sonntag frith bereits fündigte Reichelt der Presse sein waghalsiges Unternehmen an. Wohl mißtraute man der Einladung, aber der Erfinder ließ sich nicht durch Spott einschüchtern. Um 8 Uhr morgens erschien er in seinem Kostüm am Fuße des Eiffelturmes, und sobald man ihm Rutritt gewährte, stieg er trotz der lezz­ten dringenden Warnungen seiner Freunde die schmale Treppe eines der vier Pfeiler des Eiffelturmes hinan. Auf der Plattform des ersten Stockwerkes angelangt, schwang er sich auf einen Tisch, und nachdem er die Kapuze entfaltet hatte, setzte er mit einem weiten Sprunge über das Geländer. Aber der Schirm öffnete sich nicht, und statt in einer Art Gleitflua niederzusin­fen, wie er es vorher verkündet hatte, stürzte der Un­glückliche senkrecht in die Tiefe. Nach faum vier Sefun­den fiel der Körper vor den entfesten Ruschauern dröh­nend auf den hartgefrorenen Boden auf. Die Journa= listen und die Wachleute eilten herbet und befreiten den Abgestürzten von den ihn umgebenden Stoffen, doch der Erfinder war bereits tot. Er war auf die Füße ge­fallen und haite die Arme, die Beine, das Becken und vermutlich auch die Wirbelsäule gebrochen. Seine Freunde brachten die Leiche zunächst zur Untersuchung in ein Spital und später in die Wohnung Reichelts. Reichelt war 30 Jahre alt, unverheiratet und besaß ein gutgehendes Geschäft. Er hatte in Baris feine Ber­wandten; zwet Schwestern von ihm wohnen in Wien.

Folgen der ffrengen Kälte.

Wie bei uns in Deutschland, herrscht zurzeit auch in ganz Europa große Kälte mit ihren Begleiterschei nungen. Der Sonnabend war der kälteste Tag in Eng= land seit fünfundvierzig Jahren. Auch in ester= reich ist jetzt starker Frost eingetreten. Das Thermo= meter fant in Wien auf 11 Grad unter Null. Auch aus Frankreich kommen Nachrichten über große Kälte.

In Berlin herrschte Montag früh die größte dies­fährige Kälte von zwanzig Grad bei scharfem Ostwind. Der größte Tiefstand der Temperatur in der Umgebung der Reichshauptstadt wurde in Grünau registriert. Dort zeigte das Thermometer 25 Grad Celsius unter Null. Indessen sind gerade dort die Bedingungen für die Kälteausstrahlungen besonders günstig, so daß man die 25 Grad als allgemein gültig nicht annehmen darf. In den Mauern der Stadt war es bedeutend wärmer", und man fann den Durchschnitt der Stadttemperatur in den Straßen und auf den Plätzen wohl mit 16% Grad angeben.

Die starte Kälte hat im ganzen Reiche schwere Schä­den verursacht. Insbesondere ist der Schiffahrts= verkehr in der Ostsee durch Eisbildung sehr behin­bert. Zwar hat sich das Eis bet Swinemünde etwa eine Meile abgesetzt; ein breiter Streifen offenes Wasser ist zwischen Binnowiß und Misdron entstanden. Das un­fer dem Einfluß des Ostsüdostwindes von der Küste sich loslösende Eis hat sich jedoch zu einem festen Gürtel zu­fammengedrängt und blockiert förmlich die ganze Strecke

Mit Rührung erblickte er die ihm so wohlbekannten Schriftzüge.

Mit einem ahnungsvollen Schauer entfaltete er den Brief.

Liebes Herzenskind!

Wen diese Zeilen vor deine Augen kommen, wetle Ich längst nicht mehr im Reiche des Lichts, auf das wir alle hoffen.

Lange habe ich geschwankt, ob ich dich im Dunkel lassen, oder ob ich dir die Vergangenheit aufhellen sollte. Zwei Gründe bestimmten mich zu letzterem. Ich wollte deine rechte Mutter nicht für immer des ehrfurchtsvollen Andenkens eines Kindes berauben.

Und dann dünft es mich Pflicht, dir die Wahrheit, soweit sie heilsam für dich sein kann, nicht vorzuent= halten, obgleich ich es bis jetzt deines Seelenfriedens wegen getan habe, denn wunderbar sind oft die Er­scheinungen dieses Lebens, die Gottes Wege sind.

Deine rechtliche Stellung hast du als Adoptivsohn Holtaus und diese kann durch nichts erschüttert werden.

Ich wollte dir alles sagen, lieber Hermann, sobald du ins männliche Alter getreten wärest, aber meine Stunde, zu scheiden, ist gekommen, so muß ich diesen schriftlichen Weg wählen.

Mit immer steigenderer Erregung las Holtau diese Bellen. Das Papier zitterte in seiner Hand.

Ich hatte eine Schwester, Marie, oh, ste wußte nicht, wie Iteb ich sie hatte.

Ste war viel jünger als tch, spät geboren, der ver­hätschelte Liebling des Hauses, während ich im Schatten stand. Das trieb mich früh hinaus in die Welt und entfremdete mich dem elterlichen Hause.

Marie war gut, schön, rein, ein Mädchen mit sel­lenen Gaben des Geistes und des Herzens.

Unsere Eltern starben und auch sie mußte gleich mtr thr Brot in der Fremde als Lehrerin verdienen. Ich war damals schon mit Holtau verheiratet,

schen einander nahen wichtigen Orten außerordentlich erschweren. So brauchen beispielsweise die heutigen Botenposten für eine Strecke 23 Tage, eine Strecke, die mit dem Flugzeug in wenigen Stunden zurückzulegen ist, und für eine der Entfernung zwischen Berlin und Frankfurt a. D. entsprechende Strecke, die das Flugzeug in einer halben Stunde durchmißt, reichlich einen Tag. Welche Bedeutung einem Flugzeugverkehr demnach in jeder Beziehung, besonders aber im Falle von Unruhen der Eingeborenen usw., zufäme, liegt klar auf der Hand.

von Rugen bis über Swtnemünde hinaus. Das Eisländeverhältnisse gegenwärtig den Verkehr selbst zwi ist so dicht, daß zwei Dampfer aus Kopenhagen nicht nach Swinemünde gelangen konnten und unverrichteter Eache umkehrten. Dem Eisbrecher" Pommern" ist es gelun= gen, zwet dänische Dampfer in den Hafen zu bringen. Der englische Dampfer" Sultan", der in der Revaler Bucht im Eise festgeklemmt war, ist in der Richtung auf die schwedische Küste abgetrieben; er hat nur für zwei Tage Proviant und Kohlen an Bord. Von Swine­münde ist ein Rettungsdampfer abgegangen. Auch der Kolberger Hafen ist von einem dichten Eisgürtel einge­schlossen. Der mit Vieh nach Lübeck bestimmte Dampfer Kappeln wurde in der Nähe von Grömitz vom Eis auf­geschnitten und fant. Die Mannschaft fonnte gerettet werden. Andere Dampfer wurden rechtzeitig von Lü­becker Eisbrechern befreit.

Der Eisenbahnverkehr hat infolge der stren­gen Kälte mehrfach Störungen erlitten. Die Züge tra­fen teilweise mit mehrstündigen Verspätungen ein. Bet einigen waren die Heizvorrichtungen eingefroren und die Verbindungsrohre geplaßt.

Berlin, 6. Februar. Während in Berlin ge­stern morgen als niedrigste Temperatur 17 Grad unter Null zu verzeichnen waren, sind in der Mark als nied­rigste Temperatur 26 Grad minus in Pyrit gemessen worden. Bremen hatte gestern früh 28 minus und Neumünster in Holstein 30,3 minus. Am Ausgang der Elbe ist durch den anhaltenden Frost der Eisgang so schwer geworden, daß selbst große Seedampfer nur mit Mühe verkehren können. Der Rhein, Neckar und Mo­fel sind in der ganzen Breite mit Treibeis bedeckt. Sämtliche Schiffsbrücken mußten abgebrochen werden. Heute wird aus verschiedenen Gegenden Tauwetter ge­meldet.

Petersburg, 6. Februar. Aus verschiedenen Teilen des Reiches werden heftige Schneestürme ge= meldet. Die Züge bleiben stecken und die Straßen sind unpassierbar. Eine große Anzahl Menschen ist infolge des starten Frostes umgekommen, ebenso eine große Menge Vieh.

Vermischtes.

Luftreise des Grafen Zeppelin nach Wien. Die wiederholt angekündigte, dann aber verschobene Luft­reise des Grafen Zeppelin nach Wien soll nun, wie es heißt, doch noch stattfinden. Der Direktor der Zeppelin­Luftschiffbau- Gesellschaft Dr. Eckener, der vor einigen Tagen gelegentlich seines Vortrages über die militari­sche Brauchbarkeit der Lenkballons in Wien weilte, machte bei einer zwanglosen Zusammenkunft mit Mit­gliedern des österreichischen flugtechnischen Vereins die Mitteilung, daß der Besuch des Grafen Zeppelin in der nächsten Zeit bei Eintritt wärmerer Witterung zu erwarten set.

Der Frrinm eines Standesbeamten hat für einen französischen Bürger unangenehme Folgen gehabt. Monsieur Blaise, der in Moyenmoutier seit vielen Jah­ren ansässig ist, hatte sich vor achtundzwanzig Jahren ordnungsgemäß gestellt und hatte auch seinen Militär­dienst abgeleistet. Später hatte er geheiratet, und der Ehe waren mehrere Kinder entsprossen. Dann starb seine Frau. Vor einigen Tagen wollte er eine neue Ehe eingehen und forderte zu diesem Zwecke seine Pa­piere von seiner Heimatgemeinde. Dort erfuhr er aber zu seinem Staunen, daß er selbst eine Frau set und daher nie die Erlaubnis bekommen könne, eine Ehe mit einer anderen Frau einzugehen. Durch einen Irr­tum hatte der Beamte ihn als die Frau eingetragen und da zu seiner ersten Eheschließung die Militärpa­piere genügt hatten, war dieser Umstand nicht weiter verfolgt worden. Monsieur Blaise hat nun schleunigst um die Erlaubnis gebeten, ein Mann werden zu dür= fen und seine Kinder für legitimt zu erklären; das sind fie nämlich so lange nicht, als dieser Irrtum nicht rich­tig gestellt wird.

Eine gesegwidrige Hinrichtung. Am Sonnabend fand in Paris die Hinrichtung des Mörders Rosa statt. Als die Aerzte eine Untersuchung des Körpers des Delinquenten vornahmen, wurde festgestellt, daß der Verbrecher eine Gehirnverlegung hatte und infolgedes= sen für seine Straftaten nicht verantwortlich gemacht werden konnte. Somit war, wie die Meldung sagt, der Aft der Hinrichtung, wie überhaupt die Verurteilung des Verbrechers gefezwidrig erfolgt.

Flugpost in Deutsch- Ostafrita. Wie mitgeteilt wird, ist von drei Sachverständigen ein Plan für die Einrich­tung eines regelmäßigen Post- und Nachrichtenverkehrs mit Flugzeugen in Deutsch- Ostafrika ausgearbeitet wor­den, der als" Denkschrift zur Verbesserung der Ver­tehrsverhältnisse in Deutsch- Ostafrika" dem Deutschen Kolonialwirtschaftlichen Komitee vorgelegen hat, und als dessen erste Frucht das vom Kolonialwirtschaftlichen Komitee gegebene Stipendium zur Ausbildung von Schußtruppenoffizieren als Flugzeugführer zu betrach­ten ist. Der Plan geht davon aus, daß in Ostafrika die Einführung eines Flugdienstes in postalischer, militä­rischer und kolonialwirtschaftlicher Hinsicht von großem Vorteil wäre, da die schwierigen ostafrikanischen Ge

Da empfing ich eines Tages nach langer Trennung einen Brief von thr.

In diesem schrieb sie, daß sie heimlich vermählt set mit einem Offizier aus altaðligem Geschlecht, und daß diese Ehe vorläufig noch geheim gehalten werden müsse.

Nicht allein der Wunsch, mit der ihr so fremd ge­wordenen Schwester wiederum in den natürlichen in= nigen Verkehr zu treten, trieb sie an, mir zu schreiben, vor allem eine düstere Ahnung, daß der Todesengel sich thr nahen werde. Ihr edler Gatte weile in Ame= rifa und fämpfe in hervorragender Stelle im Heere der Sezesstonisten, allen Gefahren des Krieges ausgesetzt. Ste bat mich, sie aufzusuchen und wenn Gott sie zu sich rufen sollte, mich ihres Kindes anzunehmen.

Spät, spät erhielt ich den Brief, der lange in Deutsch­land herumgetirt war, ehe er mich erreichte. Ich machte mich sofort auf den Weg nach dem Dorfe Breitenbach bei C. Ach, ich fand deine Mutter nur im Grabe ru­hend und dich in der Pflege einer Bauernfrau.

Das schlimmste für deine Zukunft war, daß kein Beweis einer Eheschließung sich vorfand. Der Pfarrer verlangte den Trauschein, um dich als legitimen Spröß­ling deines Vaters in die Kirchenregister eintragen zu können, und der war nicht zu beschaffen, da es unbekannt war, wo und in welchem Bundesstaate die Trauung stattgefunden hatte.

Ich schrieb an deinen Vater nach Amerika, doch feine Antwort erfolgte.

Bald darauf lief die Nachricht durch die Blätter, daß er in einer der blutigen Schlachten jenes Krieges den Tod gefunden habe.

Da schrieb ich an seinen Bruder, der der Trauung als Zeuge belgewohnt hatte, mit der Bitte, sein Zeug­nis zu wiederholen und dich als rechtmäßigen Sohn detnes Vaters anzuerkennen. Er Heß mir mitteilen, thm set nichts von einer Ehe, dte fetn verstorbener Bru­

Des Pfarrers Heiratsklub. Die Jugend von Kan­sas City scheint an gefährlicher Ehescheu zu leiden, denn der Reverend Dalton, der Pastor der Volkskirche, hat sich veranlaßt gesehen, eine Eheschule" zu gründen, deren Zweck es ist, in der Gemeinde das Heiraten zu fördern und populär zu machen. Vor einigen Tagen berief er die jungen Damen und Herren zu einer Kir chenversammlung und erklärte, daß seiner Meinung nach jeder Junggeselle von 24 Jahren, der 300M im Monat verdient, heiraten müsse, ebenso wie jedes Mäd­chen von mehr als 18 Jahren. Und er, der Reverend Dalton, wolle dafür sorgen, daß dies auch geschehe. Er begründete dann zu diesem Zwecke einen Heiratsklub und setzte 50 Paare auf die Liste. Den Mitgliedern des Klubs hält er jetzt wöchentlich Vorlesung über Braut­werbung"," Liebe"," Einkauf der Möbel", über Ko­chen", über" Sparen und über Kindererziehung", wo­bei jeder Vortrag mit einer eindringlichen Beweisfüth­rung schließt, daß man nie schnell genug in den Hafen der Ehe einlufen könne. Und je eher die 50 Paare des Heiratsklubs von Kansas City den Mut zu diesem Ent­schluß aufbringen, te besser set es für sie, fa bei der Ehe­fchließung gilt nach der Ueberzeugung des Pastors als erste Regel der alte Rat: Was du heute kannst befor= gen, das verschiebe nicht auf morgen."

Unter Hinterlassung von 150 000 Mart Schulden verschwunden sind seit einigen Tagen die Inhaber einer in Schöneberg bei Berlin ansässigen Schwindelfirma, der Kosmos- ReklameGesellschaft, deren Geschäftslokal sich in dem Prachtbau Hauptstraße 24 befand. Im Ot­fober 1910 gründeten der 45jährige Kaufmann Hadrian und der 27jährige Kaufmann Treumannt die genannte Gesellschaft. Sie beiden Herren traten als vermögende Leute auf und mieteten in dem erwähnten Hause itber der Nebenstelle der Reichsbank und dem Grand Cafee Schönberg die ganze Etage. Sie bestellten bei Berliner Möbelfirmen eine Wohnungseinrichtung zum Preise von 40 000 Mark und gaben als Anzahlung Wechsel. Das Firmenschild" Kosmos- Reklame- Gesellschaft" diente nur als Deckmantel für die unlauteren Geschäfte Hadrians und Treumanns, die darin bestanden, daß fie Waren in Kommission nahmen, und die ihnen über­lassenen, zum Teil wertvollen Gegenstände schleunigst Iombardieren. So fauften sie durch eine Berliner Kom missionsfirma für 31 000 Mark Beize, die sie alsbald verschleuderten. Einem Kaufmann S. nahmen sie 18 000 Mark ab, indem sie ihm für diefe Summe Akzepte gaben, und ihm zur Sicherheit die Bureaueinrichtung verpfän­deten, die sie bereits mehreren anderen Firmen ver­schrieben hatten. Die Schwindler suchten ihre Opfer in allen Kreisen und schädigten auch kleinere Leute um Be träge von 200 bis 300 Mart. Bet Ausübung ihrer Be­trugsmanöver bedienten sie sich eines Agenten, der die Opfer heranschleppte und dafür eine angemessene Provt­fion erhielt. 3wei Berliner Firmen, die durch schwindel­hafte Hypothefen und Wechsel schwer geschädigt sind, stellten vor einigen Tagen Strafantrag. Hadrian und Treumann merkten jedoch, daß etwas gegen sie im Gange war, und verschwanden vor einigen Tagen an­scheinend nach Frankreich. Der

Als der alte Fritz die Schulen besichtigte " Tgl. Rdsch." schreibt ein Leser: In meinem Besitze be findet sich ein altes schönes filbernes Sechsgroschenstüd aus dem Jahre 1750 mit dem Bildnis Friedrichs des Großen. Mein Großvater, der das hohe Alter von 94 Jahren erreicht und unter Haydn und Beethoven in Wien als Musiker gewirkt hat, war geborener Berliner und bekam jenes Silberstück als fleiner Junge vom al­ten Frizz geschenkt. Es hat sich darüber folgendes Ge­schichtchen in unserer Familie erhalten: Der alte Friz pflegte von Zeit zu Zeit mit seinem Adjutanten die Ber­liner Schulen zu besuchen, um sich von dem Wissens­stand der heranwachsenden Jugend zu überzeugen; bei folchen Besuchen befamen die dret ersten Schüler aus jeder Klasse in Anerkennung ihrer guten Leistungen, die ihnen die oberen Plätze eingebracht hatten, ein blankes Silberstück vom Könige geschenkt. Ob nun mein Groß­vater zu den drei ersten" gehörte, weiß ich nicht; das Sechsgroschenstück hat er jedenfalls erhalten; vielleicht fitr eine treffende Antwort, die er dem prüfenden Kö­nige gab. Denn als dieser ihn fragte nach den Gren­zen des preußischen Königreichs, hat der kleine Trau­gott geantwortet:" Det fann feener jenau sagen, König Friz, denn Du machst sie ja alle Tage weiter!" Da hat der König dem Jungen recht derb mit dem Krückstock auf die Schulter geklopft, und der Adjutant hat ihm das blanke Silberstück überreicht.

der geschlossen habe, bekannt, er müsse es mir über­lassen, den Beweis zu führen.

Den zu führen war uns unmöglich und du warst einzig das Kind Marie Stegers. Hierauf adoptterte dich mein lieber Holtau, und als er starb, gab ich dir in seinem Freunde einen zweiten Vater und Beschützer. Alles weitere lebt in deinem Gedächtnis. Dir den Namen deines verstorbenen Vaters zu nennen, halte ich nicht für richttg. Beweisen kannst du deine Abkunft nicht, seine Verwandten würden in dir nur den Ba­stard sehen so mußt du Holtau bleiben vor der Welt unser teures Kind.

Aber du sollst am Grave deiner Mutter beten, lie­ber Hermann, sie wird Freude im Himmel darüber em­pfinden.

Ihr sterblicher Teil ruht unter dem Kreuze, das tch ihr in Brettenbach sezen ließ und auf dem der Name " Marie" zu lesen steht.

Ihr Brief an mich und Briefe deines Vaters an deine Mutter, die ich in Breitenbach vorfand, Itegen bet.

Und nun, Hermann, wünsche ich dir, wenn du die­sen Gruß, wie aus dem Grabe heraus erhalten solltest, alles Gute für dein Leben. Du hast mir, mein teures Kind, wie ein Kind meines eigenen Herzens, stets nur Freude bereitet.

Deine Stief- und Pflegemutter, bie sich, ach so gern, wirkliche Mutter nennen möchte. Ich nahm dich mit mir, Hermann, als teures Verej mächtnis meiner Schwester.

Mit immer steigender Erschütterung las Hermany Holtau diese Zeilen der so lange Entschlafenen. Aus Gräbern stteg die Vergangenheit empor.

( Fortsetzung folgt.)