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Ein deutsch- englisches Abkommen?

Es scheint in London jetzt tatsächlich ein Umschwung ber öffentlichen Meinung gegenüber Deutschland einge= treten zu sein. Die Engländer mögen wohl eingesehen haben, daß sie mit Deutschland als Feind erst recht nichts anfangen fönnen und lenken deshalb ein. Der Voss. 3tg." in Berlin wird nämlich aus angeblich guter Quelle mitgeteilt, daß zwischen Berlin und London zurzeit wich­tige Verhandlungen schweben, und daß sich die Veröf fentlichung der Ergebnisse zu einem politischen Ereignis ersten Ranges gestalten werden. Auch Londoner Blätter bringen heute bemerkenswerte Ausführungen über die Möglichkeit einer Besserung der deutsch- englt­schen Beziehungen, denen folgendes zu entnehmen ist: " Der gegenwärtige Augenblick verspricht große politische Möglichkeiten. Das deutsche Volt hat in einer überwäl­ttgenden Kundgebung in den Wahlen seine friedfertigen Absichten dokumentiert. Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß auch das offizielle Deutschland die gleiche Frie­densbereitschaft hat wie das demokratische. Es ist no­torisch, daß der Kaiser den Frieden wünscht. Der Wunsch des Reichskanzlers, an dessen politischer Aufrichtigkeit man nicht zweifeln darf, geht auf eine Verständigung mit England. Die Sympathien der deutschen Finanz­welt liegen in der gleichen Richtung. Beide Staaten schreiben einander agressive Ziele zu, obwohl beide in Wirklichkeit nur eine defensive Stellung einnehmen. Deutschland und England sind heute einer freund= schaftlichen Verständigung mehr geneigt, als sie es je während der letzten zehn Jahre gewesen sind. Zwei Punkte sind es in Sonderheit, in denen sich Deutschland über unsere Haltung beklagt. Das ist zu­nächst die Frage der Bagdadbahn. Ferner würde es viel zur Beseitigung der bestehenden deutschen Miß­stimmung beitragen, wenn sich England mit einer deutschen kolonialen Expansion einver­standen erklärt. England würde einen Besizwechsel, der die westafrikanischen Kolonien Portugals an Deutschland brächte, nicht nur geduldig hinnehmen, son­dern geradezu begrüßen. Schließlich liegt eine gemein­same deutsch- englische Balkanpolitik angesichts der plötz­lichen Krisen, die infolge des türkisch- italienischen Kerte­ges jeden Augenblick im nahen Osten ausbrechen kön­nen, im Interesse beider Mächte. Die Gegengabe Deutschlands könnte in einer Anerkennung des englt= schen Rechtes auf maritime Ueberlegenheit bestehen. Die Zeit ist reif zu einer Tat. Wir glauben, daß der Augenblick nicht unbenutzt vorübergeht, daß wir vielmehr in beiden Lagern das Kapitel der Mißver­ständnisse, der Panik und des gegenseitigen Wettrüstens schließen, und daß wir ausschauen dürfen auf eine neue Aera freundschaftlicher Beziehungen und gemeinschaft= Itchen Strebens."

Der entscheidende Fattor im Kampfe der Millionenheere.

Generalleutnant der Kavallerie z. D. von Bern= hardt bekämpft im Februarheft der Deutschen Revue" die Auffassung, daß die Massen der entscheidende Fat­tor im Kampfe der Millionenheere seien. Gewiß spiele auch die Zahl insofern eine Rolle, als man einem Mil­Itonenheer mit einer annähernd gleich starken Heeres­macht entgegentreten müsse. Aber die Verschiedenheit des Truppenwertes( der ein anderer set bet den Linien­truppen, ein anderer bet den Neuformationen, bei lez­teren wiederum je nach den Altersklassen schwanke) und die unmöglichkeit, das Gesamtheer einheitlich als Gan­zes für den entscheidenden Kampf zu vereinigen, zwän­gen zu der Erkenntnis, daß man vor allem die besten Truppen des Gegners schlagen und in der entscheiden­den Richtung fiegreich sein müsse, d. h. da, wo die Ver­bindungen mit der Heimat am wirksamsten bedroht werden können. Set die Hauptmasse der gegnerischen Linientruppen unter solchen Umständen überwunden, dann werde die Masse sich selbst zum Verderben, weil die Verpflegung stocke, die Rückzugsstraßen bedroht wären und große Mengen locker formierter Scharen auf engem Raum zusammengedrängt würden. Diese Verhältnisse eröffneten einer genialen Heerführung Er­folgsaussichten, wie sie bisher kaum bestanden hätten. Die jüngsten friegerischen Erfahrungen hätten gezeigt, daß die bessere Truppe die entschlossenere Führung und die größere operative Beweglichkeit auch der überlege= nen Zahl Herr wurden. Mit allen Mitteln müsse man also bestrebt sein, schon im Frieden so viele festgefügte Truppenförper wie möglich auszustellen und ihnen durch eine litckenlose Gestaltung der Trains und der rückwärtigen Verbindungen die höchste Aktionsfähig= zu verleihen, damit auf dem Entscheidungsfelde eine faktisch überlegene Truppe fechte, Neuformationen nur in Nebenrichtungen verwendet zu werden brauchten. Das fet die unabweisbare Vorbedingung des Steges. Auch die Führung eines Millionenheeres aber müsse im Frieden vorbereitet werden, weil nur der den Er­eignissen des zukünftigen Krieges gewachsen set, der die Bedingungen des Massenkrieges schon im Frieden be­Herrschen gelernt habe.

Die Herren von Dieskaut.

Original- Roman von Franz Treller. 19) ( Nachdruck verboten.) Hermann von Dieskau, der Bürger der Vereinig­ten Staaten, wußte dies mannhafte Selbstbewußtsein durchaus zu würdigen.

Nach einiger Bett sagte er mit sanfter, teilnahms= voller Freundlichkeit: Lassen Ste sich das nicht zu Her­zen gehen, Herr Holtau, diese kleine Verwirrung wird sich wohl harmonisch lösen lassen."

Nach allem, was ich vom alten Klaus, dem stets das Herz aufgeht, wenn er von Fräulein von Dieskau spricht, von dieser weiß, ist sie der vollen Liebe eines ehrenwerten Mannes würdig. Trösten Sie sich, mein junger Freund, ich vermag manchmal Blicke in die Zu­funft zu tun, und ich glaube wahr zu sagen, wenn ich Ihnen die Versicherung gebe, daß man Ste auf Dieskau noch sehr willkommen heißen wird."

Er sagte das mit einigem Nachdruck. Durch Klaus wußte er mehr von allen Vorgängen auf Dieskau, als Holtau ahnte, und die Seele des jungen Mannes lag offen vor ihm da. Der Anschauungen seiner einstigen Standesgenossen über ebenbürtige Ehen war Dieskau, genannt Mr. Warthon, längst entwöhnt.

So romantisch die Aeußerung des alten Herrn auch lang, so tröstete sich Holtaut doch, und mit seinem ge­winnenden Lächeln erwiderte er: Ist hoffe, in Ihnen einen echten Propheten gefunden zu haben."

Nach einer Weile fragte er:" Sie werden nach Ihrer völligen Wiederherstellung Ihre Heimat wieder aufsuchen, Herr Warthon?"

Das Gesicht des Angeredeten nahm einen ernsten, fast traurigen Ausdruck an.

" Ja," sagte er dann. Eine ernste Pflicht, eine beilige Aufgabe, trieb mich, nachdem ich lange deutschem Wesen und deutschem Lande entfremdet war, über das

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Die erste Sigung des Reichstags wird am Mitt­woch nach der Eröffnung im Schloffe um 2 Uhr nach­mittags stattfinden. In dieser Sizung, die der Alters­präsident Abg. Traeger leitet, wird sich das Haus fon­stituieren und durch Namensaufruf die Beschlußfähig= teit feststellen. Die Präsidentenwahl wird am Donners­tag oder Freitag stattfinden. Die Fraktionen des Reichstags halten größtenteils am Mittwoch bereits Fraktionssitungen ab, in denen auch die Präsidenten­frage zur Besprechung gelangen wird. Der neue Reichs­etat und das Staatsangehörigkeitsgeseß werden dem Reichstage am Eröffnungstage zugehen.

Ueber die nenen Stenerpläne des Reiches macht das B. T." Mitteilungen, die natürlich nur mit Vor­behalt wiedergegeben werden können: Von den zur Deckung in Aussicht genommenen neuen Steuern steht nur so viel fest, daß einige Steuern, deren Einbrin­gung noch vor einiger Zeit ernsthaft erwogen worden ist, bestimmt nicht eingebracht werden sollen. Hierzu gehört vor allem der Plan, die zurzeit bestehende Malzsteuer in eine Fabrikationssteuer ohne Rücksicht auf den Malzgehalt des Bieres umzuwandeln. Eben­so scheint man den Gedanken an eine Weinsteuer fallen gelassen zu haben. Unter das Kapitel neue Getränke­steuern würde eventuell die Sonderbesteuerung von Hotels, Gastwirtschaften und anderen dem Publikum Stenenden Einrichtungen zu rechnen sein. Diese Son­derbesteueruna soll in sehr weitgehender Abstufung alle diejenigen Unternehmungen treffen, die mit einer täg­lichen großen Boreinnahme und mit einer verhältnis­mäßig hohen Verzinsung thres Betriebsfapitals rech= nen können.

Eine Ministerkrisis in Bayern ist gerade an dem Tage zum Ausbruch gekommen, an dem die Wahlen zum bayerischen Landtag stattfanden. Die offiziöse Kor= respondenz Hoffmann meldet: Das Gesamtministerium hat Montag nachmittag seine Demission eingereicht. Ueber die voraussichtliche Neubildung des Kabinetts meldet der Münchener Korrespondent der Köln. 3tg.": Am wahrscheinlichsten ist es, daß die Neubildung des Ministeriums durch den Grafen Podewils erfolgen wird unter Ausscheidung der dem Zentrum nicht ge= nehmen Minister von Frauendorfer und von Pfaff, als deren Nachfolger der Nürnberger Eisenbahnpräsident Seidlein und Herr von Breunta genannt werden. Der Brinzregent hatte eine lange Besprechung mit dem Thronfolger Prinz Ludwig. Der Prinzregent hat an den Vorsitzenden des Gesamtministeriums, den Gra­fen Bodewills, ein Handschreiben gerichtet, in welchem er sich seine Entscheidung über die Demission des Ka­binetts noch vorbehält und das Kabinett ersucht, die Ge­schäfte vorläufig fortzuführen.

Das Gesamtergebnis der bayerischen Landtags= wahlen ist folgendes: Gewählt wurden 87 Zentrum, 35 Liberale und deutscher Bauernbund, 30 Sozialdemokra= ten, 4 bayerischer Bauernbund, 7 Konservative und Bund der Landwirte. Das Zentrum gewinnt 2 und ver­fiert 13, die Liberalen gewinnen 13 und verlieren 2, die Sozialdemokraten gewinnen 9, bayerischer Bauernbund gewinnt 3 und verliert 2, die Konservativen und Bund der Landwirte gewinnen 2 und verlieren 12. Unter den Gewählten befinden sich Hufnagel( fons.), Schön­dorf( 3tr.), Dirr( deutscher Bauernbund), Beckh, der Führer der Konservativen. Von bekannten Parlamen­tariern sind gewählt bezw. wiedergewählt Pichler und Finke, beide Zentrum, v. Drterer, Gerstenberger, Held, Casselmann, Müller- Hof, Thoma, Wörle und v. Vollmar.

Arbeiter- Kranken- und Unfallversicherung in der Schweiz. Das schweizer Volt hat das Bundesgesetz be­treffend Einführung der Versicherung der Arbeiter ge­gen Krankheit und Unfall mit 284 000 gegen 236 000 Stimmen angenommen. Alle deutschsprechenden Kan­tone, außer Appenzell und Thurgau, stimmten dafür, alle französischsprechenden dagegen. Die erste Vorlage war im Mai 1900 von allen Kantonen mit einer Mehr­heit von nahezu 200 000 Stimmen abgelehnt worden.

Die Unzufriedenheit mit den bisherigen Ergebnis­fen des Tripolistrieges greift in Italien rasch um sich. Die Regierung gibt zu, daß der Krieg bereits 315 Mil­ltonen verschlurgen habe, es heißt aber, daß die Kriegs­fosten noch viel größer seien. Man spricht von täglich fünf Millionen, was zu den mageren Resultaten al­lerdings in keinem Verhältnis steht. Auch die Rückbe­rufung des Generals Caneva zur Beratung mit dem Ministerpräsidenten Giolitti über die Lage in Tripolis 1acht einen ungünstigen Eindruck.

Die Lage in Meriko sieht das amerikanische Kriegsamt in Washington als sehr ernst an. Infan­terte und Artillerie sind nach der Grenze abgegangen, um ein Uebergreifen der Revolution auf amerikanisches Staatsgebiet zu verhindern. Andere Truppen werden in Bereitschaft gehalten, um nöttgenfalls auch an die Grenze abgehen zu können.

Meer hierher. Es ist mir nicht beschieden gewesen, diese Aufgabe zu erfüllen. Hoffnungsfreudig setzte ich mei­nen Fuß an Deutschlands Küste und mit Trauer im Herzen kehre ich zu der Stätte langjährigen Wirkens zurück."

,, So werde ich mich von Ihnen verabschieden müssen, Mr. Warthon, ohne die Hoffnung, Ihnen im Leben noch einmal zu begegnen."

O, müssen Sie so etlig fort?"

Mich ruft meine Pflicht zunächst nach England." Ernst sah Dieskau vor sich hin.

,, Es tut mir weh, vo Ihnen scheiden zu müssen. Ich habe hter noch einiges zu ordnen und kehre dann zurück zu meinen farbigen Kindern, um einsam mein Leben zu beschließen. Daß ich Ihr Freund, Ihr dank­barer Freund bin, Herr Holtau, davon werden Sie, auch wenn ich fern bin, Beweise erhalten. So muß es also geschieden sein? Alles Glück dieses Lebens sei mit Ihnen."

Er schüttelte ihm die Hände.

Holtau fühlte, daß er von einem Manne schied, der thm mit aufrichtiger Freundschaft zugetan war, auch ihm ging dieser Abschied, der wohl ein Abschied für dieses Leben war, nahe.

Draußen begegnete thm Klaus mit Herrn von Felseck.

Der Oberstleutnant sah die elegante Erscheinung, die da aus der Waldhütte trat, überrascht an. Dann fragte er: Ist er's, Klaus?" Dieser nickte.

Felbeck saßte ohne weiteres Holtaus Hand. ,, Ste haben meinem alten Freunde das Leben ge= rettet, Herr, das lohne Ihnen Gott!"

Ehe noch der überraschte Holtau etwas erwidern fonnte, Iteß Felsed thn stehen und Itef ins Haus, von wo er Dieskaus Stimme vernahm.

Ohne neugierig nach dem Fremden zu fragen, ver­

Kleine Nachrichten.

Erkrankung der Prinzessin Bittoria Luife. Prin zessin Vittoria Lutse von Preußen hat wegen eines Bronchialfatarrhs in der letzten Zeit mehrere Einla dungen zu Ballfestlichkeiten ablehnen müssen. Die Prinzessin wird demnächst einen kurzen Aufenthalt im Gebirge nehmen.

Das Fürstliche Theater in Detmold ist niedege­brannt. Das Feuer brach Montag abend während der Vorstellung von Sudermanns Der Bettler von Syra­tus" aus, wodurch das Theater vollständig nieder­brannte. Inmitten der Vorstellung ertönte plöblich das Wort Feuer, die Besucher konnten jedoch das Thea­ter noch ohne Gefahr verlassen. Das Feuer soll durch einen Schoruſteindefekt entstanden sein.

Das französische Fiegerkorps, so empfiehlt der Ft­gaz in einer Besprechung des deutschen Kaiserpret­fes für Flugzeuginotore, müsse unverzüglich auf 2000 bis 3000 Flugzeuge gebracht werden, damit Deutsch­land es nicht überflügle.

Der Aetna in Tätigkeit. Aus Taormina auf Sizt­lien wird gedrahtet: Ein ungeheurer Ausbruch. des Aetna begann Sonntag morgen um 2 Uhr. Rauch und Asche wurden hoch emporgeschleudert.

Einer furchtbaren Tod fand in Kosten( Provinz Bosen) eine 36jährige Dienerfrau. Als sie, an In­fluenza ertranft, ihren Kopf über eine auf einem Ofen­blech liegende glühende Kohle hielt, fiel sie in einem Schwächeanfall mit dem Gesicht auf die Kohle, wobei thr die Augen fast gänzlich ausbrannten. Die Frau starb an den erlittenen furchtbaren Verletzungen.

Kesselerplosion infolge der Kälte. Infolge Einfrte­rens der Ableitungsrohre explodierte in der Spinneret Busch in München- Gladbach ein Dampfkessel. Hierbei wurde ein junger Arbeiter getötet, zwei Arbeiterinnen wurden schwer verletzt.

Selbstmordversuch eines Zwölffährigen. Sonntag mittag hat sich der zwölffährige Sohn eines Schiffsta= pitäns in Stettin wegen Verseßungsschwierigkeiten durch einen Schuß in die Brust schwer verletzt. Er wurde in berenflichem Zustande in das Krankenhaus geschafft.

Ein nicht alltäglicher Fall von Uneigennütigkeit wird aus Clermont- Ferrand( Frankreich) gemeldet: Dort hat der Schuhfabrikant Delatour den Arbeitern seiner Fabrik die gesamten Fabrikanlagen nebst Vor­räten und Materialien zum Geschenk gemacht, da er sich in das Privatleben zurückziehen will. Der Wert des Geschenkes mird auf über eine Million Mart geschätzt.

Zwischen den französischen Winzern und ihren Arbeitern herrschen einer Drahtmeldung aus Reims zu­folge heftige 3wistigkeiten wegen der Frage der Lohn­erhöhung. In der Ortschaft Rilly la Montagne wurden von den unzufriedenen Arbeitern 800 Quadratmeter eines Weinberges verwüstet.

Ein brutaler Krankenwärter. In dem Asyl zu Terre- Negre bei Bordeaux wurde ein Krantenwärter verhaftet, der einen Kranken derart geknebelt hatte, daß er am nächsten Morgen in seinem Bette erstickt aufge= funden wurde.

Eine blutige Familientragödie hat sich gestern abend in Reichenberg in Böhmen abgespielt. Nach et­nem Strette mit seiner Frau gab der Wäschereibefizer Hondl gegen diese, sein 2% lähriges Töchterchen und sich selbst mehrere Revolverschüsse ab. Das Kind war so­fort tot. Hondt ist tödlich verletzt, während die Frau unversehrt geblieben ist.

In geistiger Umnachtung hat der Apotheker Mehl in Stuttgart, der seit einiger Zeit leidend ist, ge= stern abend seine Frau erschossen. Mehl war eine in Luftschifferkreisen bekannte Persönchlifett.

Verkauf chinesischer Kaiserschätze. In Mutden_fin= det der Verkauf von Schmucksachen des kaiserlich chine­sischen Schatzes statt. Rahlreiche Antiquare fauften große Seltenheiten zu billigen Preisen.

Aus den Gerichtssälen.

Glazer Festungshaft. Interessante Einzelheiten förderte eine Verhandlung vor der Posener Straffam­mer gegen den polnischen Redakteur Ziolkowski zutage. 3. war der Beleidigung der Glazer Festungsverwaltung angeklagt, weil er einen Artikel veröffentlicht hatte, in dem es u. a. hieß, der Propst Gryglewicz, der seinerzeit von der Gnesener Straffammer wegen Vergehens ge= gen den Kanzelparagraphen zu Festungshaft verurteilt worden war, set im Festungsgefängnis drangsaltert worden, weil er Pole set. Um allen Schikanen aus dem Wege zu gehen, habe er seine Bersetzung nach Weichsel­münde beantragt und auch erreicht. Der als Zeuge ver­nommene Glazer Festungskommandant Generalmajor von Gregort bekundete die Unrichtigkeit dieser Ausfüh­rungen; der Probst set im Gegenteil jederzeit auf das Zuvorkommendste behandelt worden. Fünfmal habe er in der Woche in die Stadtkirche zur Messe gehen dür­fen, auch sehr viele Besuche empfangen, und seine Ver­febung nach Weichselmünde set lediglich aus dienstlichen Gründen erfolgt. Der Kommandant habe ihn lediglich

abschiedete Holtau sich von dem alten Jäger und schritt dann eilig nach Meerho.6 zu.

Seine Gedanken weilten bald bei Hilda, bald bet dem alten Herrn, den er im Waldhause zurückgelassen hatte.

Auf Meerholz angelangt, sagte ihm sogleich sein Freund: Es ist ein dicker Brief für Dich angekommen, Hermann."

An mich?" fragte der erstaunt. Wer konnte ihm hterherschreiben? Sollte Hilda? Er ging rasch nach feinem Zimmer und fand den Brief, der den Poststem­pel Charlottenburg" trug.

Er riß den Umschlag auf und ein kleines Schreiben lag auf einem Päckchen eingeschlagener Papiere.

Mit nicht geringer Ueberraschung las Holtau: " Der Gattin meines verstorbenen Freundes Gehr­mann habe ich in ihrer Todesstunde versprochen, Ihnen die beiliegenden Papiere mit Vollendung Ihres 25. Le­bensjahres zuzustellen. Bis jetzt war es mir unmög­lich, dieses Versprechen zu halten, weil ich Ihr Domizil nicht kannte.

Ein zufälliges Zusammentreffen mit einem Reserve­offizier Ihres Regiments, Iteß mich von Ihrer Anwe­senheit in Deutschland und Ihrem derzeitigen Aufent­halt erfahren, und ich erfülle nunmehr unverweilt meine Pflicht.

Ste werden die Güte haben, mich von dem Ein­treffen der Papiere in Kenntnis zu setzen. Ihr ergebener Werner, Gymnasialprofessor.

Was bedeutet das? Er erbrach das Siegel des Umschlags.

Auf einem Päckchen zusammengefalteter Briefe lag ein Schreiben seiner Mutter, oder besser gesagt, jener Frau, die er Mutter nannte, die aber, wie wir erfahren werden, nicht seine rechte Mutter war.

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