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Gießener Zeitung

( Neueste Nachrichten)

Bezugspreis 40 Pfg. monatlich verteljährlich 1,20 Mt., vorauszahlbar, frei ins Saus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 90 Pfg.- Erscheint Mittwochs und Samstage. Redaktion: Selters­weg 83. Für Aufbewahrung oder Nücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

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Nr. 28.

Telephon: Nr. 362.

Ostern!

nur

Als christliches Fest feiern wir Ostern, nicht alk Fest der Auferstehung der Natur. Gewiß wollen pr uns in der Osterzeit auch des Frühlings freuen und die Losung: Fröhliche Ostern!" wahr machen. fer christliches Ostern aber bedeutet weit mehr als ein les Frühlings- und Freudenfest. Die Osterbotschaft rudhält die höchsten Gedanken, die über den beständigen Wandel auf Erden, über das Sterben und Wiederer­lehen in der Natur emporheben, Wahrheiten von blei erdem Werte fünden und kräfte zu sittlichem, ewigem Beben spenden. Ostern ist das Fest des Lebens, des it lichen, christlichen Lebens, das fest und unlöslich das Diesseits unseres Daseins mit dem Jenseits verknüpft, nem es unser irdisches Werden und Wirken durch den 51auben an die sittliche Weltordnung weiht, läutert und je Tigt. Der Geist und das Leben des Auferstandenen ollen alle irdischen Verhältnisse durchdringen. Alle Ar­eit in der Familie, in der Gemeinde, im Staat, für as Vaterland soll sich mit dem Willen erfüllen, den as Christentum verleiht, nur das Christentum ver­eilen tann. Das Christentum hat das Leben, das nonschliche Streben und Wollen am höchsten gefaßt. Es fordert ein Leben voll Tatkraft, Vertrauen und hoff mungsfrohen Ausblick in die Zukunft, die in Gottes and sieht; es will von jedem einzelnen treue Arbeit m: Dienste des Ganzen, der Gemeinschaft, in die er ineingestellt ist; es verlangt vor allem opferfreudige jingabe für das Vaterland. Das Christentum adelt in beseligt die Arbeit für das Vaterland, indem es e zu einer sittlichen Pflicht, zu einer gottgegebenen Auf­alte erhebt.

In diesem echt christlichen Sinne hat Bismarck sein Belden und Schaffen für sein Boll und Vaterland auf­eft. Christlicher Wille war seines Wirkens Kern und Siebtraft. Der 1. April, Bismards Geburtstag, ging iesmal Ostern vorauf. Christliche Gedanken verbinden em 1. April mit dem Osterfest. Bismards politischer 5lobe floß aus seiner christlichen Zuversicht. In der inwandelbaren Gewißheit der christlichen Heilswahrhei­en wurzelte seine Kraft im Kampf um Deutschlands Firtheit und Größe. Der eiserne Kanzler vermochte er tum zu sein, weil er niemand als Gott allein fürchtete. Behrend des Krieges gegen Frankreich, im Schlosse zu Ferrieres, bekannte er: Ich habe die Standhaftigkeit, ie i 10 Jahre lang an den Tag gelegt habe, uss einem entschlossenen Glauben. Nehmen Sie mir olden Glauben, und Sie nehmen mir das Vaterland." Ius seinem christlichen Glauben leitete Bismarck die Creme zu seinem Könige ab: Wenn ich nicht mehr Christ päre, diente ich dem Könige feine Stunde mehr. Wenn

Unter Feinden.

Roman von Karl Matthias. ( Nachdruck verboten.)

nur

Deftree tüßte thn Itebevoll und folgte der Tante, elche vorsorglich alles Entbehrliche an Bettzeug, Lei­en und Wäsche zusammenraffte. Dann stiegen die bet­en binob und stellten sich dem Arzt zur Verfügung. rau von Tarandal blieb bet den Kranken, Desiree be­ab ih in die Küche, Tee und Weinsuppe zu bereiten. as Schluchzen und Jammern der Verwundeten flang ühr herüber und erregte ihre Nerven auf's Aeußerste, ß sie selbst heiße Tränen vergoß. Aber sie wurde Her­nihrer Schwäche; der Gedanke an Waldemar und den ruder, die rielleicht jetzt auch der Pflege bedurften, ählte sie. Als die Erzeugnisse ihrer Küche fertig waren, hufte sie Efel und Angstgefühl hinunter, speiste die itroen, tränkte die Schwachen und Lechzenden, trö­ete die Verzweifelnden. Ueberall fand sie einen Blick Dankbarkeit. Sie ging mutig threr Tante zur Hand, elche mit fundiger Hand die Verbände erneuerte und e tranten unterstüßte.

Der Arzt, welcher im Vorgarten sein trauriges Bert beendet hatte, betrachtete das Walten der Damen it Bohlgefallen.

a find wir ja ins Paradies gekommen," sagte er enem verwundeten Reiteroffizier. Unsere Leute ha= tur noch Augen für die beiden guten Feen und

ft und dem spartin gar nicht mehr an ihre Schmerzen.

schäumen leicht

enehmen Geruch

bl. 3im

leter

Afterweg 201

Ja, der Franzose ist galant," antwortete der Ka­tant, die Zähne aufeinander beißend, die ihm eine Ku­Iilbrig gelassen hatte. Wenn die Prussiens mir nicht einlade zerschossen hätten, tch würde der Klemen gen, daß ich fie anbete."

as Tor des Vorgartens war offen geblieben. Mi­ärches Gesindel, welches beutelustig und trunksüchtig honingen wollte, guckte unaufhörlich von de. Straße

Samstags liegt für die Stadtabonnenten der

3llustrierte Wochen- Anzeiger

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Expedition: Seltersweg 83.

Samstag, den 6. April 1912.

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( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 20 pig.

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die 44 mm breite Inseratenzeile. 90 mm breite Zeile im Reklametei! 50 Pfg. Extrabetlagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs­zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Bettreibung oder bel Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Druck der Gießener Verlagsdruckerei.

Telephon: Nr. 362. 24. Jahrg.

nach aufzustellende Gesetzentwurf zur Abänderung der Kontingents bestimmungen des Branntweinsteuergesetzes wird binnen kurzem seine formale Ausgestaltung er­aufhalten, und es ist mit Sicherheit zu erwarten, daß er dem Reichstag bei seinem Wiederzusammentritt nach Ostern gleichzeitig mit den Wehrvorlagen zugehen wird.

ich nicht meinem Gotte gehorchte und auf ihn rechnete, so gäbe ich gewiß nichts auf irdische Herren." Denselben Gedanken enthält sein Bekenntnis: Meine Treue und mein Gehorsam gegen den Herrn, den Gott mir Erden gesetzt hat, beruhen auf derselben festen Grund­lage, wie mein Glaube." Alles irdische Regiment hatte für Bismard nur Bestand und Wert in dem Glauben an die ewige sittliche Weltordnung: Wie man ohne Glauben an eine, geoffenbarte Religion, an Gott, der das Gute will, an einen höheren Richter und ein zu fünftiges Leben zusammenleben kann in geordneter Weise das Seine tun und jedem das Seine lassen, begreife ich nicht." Die Vaterlandsliebe und das Pflicht gefühl Bismards hatten ihren Ursprung in seinen reli­giösen Ueberzeugungen: Wenn ich nicht an eine gött liche Ordnung glaubte, welche diese deutsche Nation zu etwas Großem und Gutem bestimmt hätte, so würde ich das Diplomatengewerbe gleich an den Nagel hängen oder das Geschäft gar nicht übernommen haben. Ich weiß nicht, wo ich mein Pflichtgefühl hernehmen soll, wenn nicht aus Gott." Und ein andermal sagte er: Warum soll ich mich angreifen und unverdrossen_ar= beiten in dieser Welt, mich Verlegenheiten und Behandlung aussehen, wenn ich nicht das Gefühl habe, Gottes wegen meine Schuldigkeit tun zu müssen."

Politische Rundschau.

Deutschland.

übler

Berlin. Prinz Heinrich von Preußen ist im Berliner Königl. Schlosse eingetroffen und hat dort Woh mung genommen. Der Reichskanzler hat in Beglettung feines Adjutanten von Berlin die Reise nach Korfu angetreten.

* Berlin. Der Bericht der Wahlprüfungskom­mission des Reichstages über die Wahl in Alzey­Bingen ging dem Reichstag zu. Die Kommission beantragt, die Wahl des nationalliberalen Abgeordne ten Dr. Becker im 8. Wahlkreis des Großherzogtums Hessen zu bean standen und den Reichskanzler zu ersuchen, durch Vermittlung der Großherzoglich hessischen Regierung eine Reihe von Beweiserhebungen anstellen zu lassen.jon

Der Zentrumsabgeordnete Roeren hat seine beiden Mandate niedergelegt und ist auch aus dem Provinzialausschuß der rheinischen Zentrumspartei und damit aus dessen Beirat a usgetreten.

* Der Bundesrat ist zu einem Einverständ­nis auch über die Dedungsvorlage für die neuen Wehrforderungen gelangt. Der hier­

herein. Wenn es aber das chirurgische Walten des Arz­tes gesehen, welches den Boden mit Blut getränkt hatte, wich es scheu zurück und suchte anderswo Beute. Aber Kranke und Verwundete blieben, wenn sie der Zufall oder der Kranfenträger herbeiführte. Der Arzt nahm alle auf, bis die Lokalitäten gänzlich gefüllt waren, dann erst gebot er, das Tor zu schließen.

Prevendaur hatte das Haus verlassen. Bourlier saß verzweiflungsvoll brütend in einer Fensternische des oberen Salons. Das Schicksal seines Sohnes beun­ruhigte ihn aufs Schmerzlichste. Seine Phantaste malte thm die peinlichsten Schreckbilder aus. Was wird un­ser Schicksal sein?" fragte er sich, was wird geschehen, wenn das Bombardement erst stärker, der Brand all­gemeiner, die eingeschlossenen Krieger entmenschter werden? Wird die Belagerung längern dauern, woher wird Hilfe kommen, die uns von Hungersnot, Seuche, Mord und Bestalttät bewahrt?"

Er schloß die Augen mit beiden Händen und ver­Iteß den Platz, um eine Ruhe heucheln zu können, die Desiree, welche heraufgekommen war, über den grau­samen Ernst des Augenblicks forttäuschen sollte.

Die Nacht brach herein. Auf den Straßen der Stadt herrschte ein furchtbares Durcheinander. Keine Gasflamme brannte. Der Widerschein der zahlreichen Feuersbrünste allein erhellte das Dunkel. Ihre unge­wisse Glut zeigte den Menschenmassen die Wege durch Sedans Straßen. Schreiend, tobend, jauchzend, klagend und heulend wälzten sie sich auf und nieder. Nur in der abgelegenen Rue d'Espagne herrschte verhältnis­mäßig Ruhe. Der Arzt hatte seine Arbeit eingestellt; die Wärter schliefen, von der Tagesarbeit überan­strengt; die Kranken lagen im schmerzhaften Halb­schlummer; thre Pflegertnnen hatten sich leise zurück­gezogen.

Wieder saß Bourlier in seiner Fensternische, De­ftree ihm zu Füßen, den Kopf an seine Knie geschmiegt.

* Die Aufhebung der Branntwein. Liebesgabe zur Deckung der Wehrvorlagen wird von den Blättern der Linken, die sie seit Jahrzehnten fordert, begrüßt. Das B.-T." behauptet, daß die Ge­sellschaft für Spiritusfabrikation Sinner in Grünwinkel dieser mehr als 7 Millionen Mark erhielt. Das Kontin­in den 25 Jahren des Bestehens der Liebesgabe aus gällungszwange, sodaß sie weit größere Mengen Trink­gent befreite überdies die alten Brenner von dem Ver­branntwein herstellen konnten, als die Brenner ohne Feststellung neuer Preise ab. Kontingent. Die Spirituszentrale hielt eine Sitzung zur

s Darmstadt. Die hessische Beamten- Be­soldungsvorlage ist der Kammer der Abgeord­neten zugegangen.

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* Das Hamburger Kolonial institut schas erworben. Es handelt sich um 6 Bände Tagebü­hat den gesamten schriftlichen Nachlah Dr. Emin Pa­cher vom 15. Oftober 1874, also von der ersten Aus= reise nach Afrika an bis zum 23. Oftober 1892, dem Tage der Ermordung des Forschers. Das Kolonialin­stitut beabsichtigt die Veröffentlichung des Nachlasses. Aus einer bemerkenswerten Uebersicht über die finanzielle Entwickelung der deutschen Kolonien( im Märzheft der Kolonialen Rund­schau", die im Verlag von Dietrich Reimer in Berlin erscheint) geht hervor, daß die eigenen Einnahmen der Schutzgebiete 38 051 000 Mt., die Ausgaben 64 174 000 Mark, der Reichszuschuß 21 268 000 Mark betrugen. Der Reichszuschuß entfällt lediglich auf Ausgaben für die Zwecke der Militärverwaltung; abgesehen von diesen unterhalten die Kolonien sich selber. To go und Sa­mo a beanspruchen überhaupt keine Unterstützung. Togo hat sogar einen Ueberschuß von 721 000 Mark; ein Grund mehr zur Genugtuung darüber, daß uns diese Kolonie im letztsommerlichen Länderaustausch nicht verloren gegangen ist. Von dem Reichszuschuß entfällt der Löwenanteil mit 14 426 000 Mark Südwestafrika; Ostafrif a.erhält 3 585 000 Mark, Kamerun 2 383 000 Mark, die Südsee­inseln zusammen nur 874 000 Mark. Geht die Ent­widelung im bisherigen Schritt weiter, so darf man da­mit rechnen, daß in absehbarer Zeit alle Kolonien, mit Ausnahme von Südwestafrika, ihre sämtlichen Ausgaben felber aufbringen. für das Mut­

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auf

Frau von Tarandal hatte auf dem Sofa Vergessenhett der traurigen Gegenwart gefunden. Auch sie war über alle Maßen ermüdet und schnell in einen tiefen Schlum mer gesunken. Man hatte kein Licht im Zimmer ange­zlindet, nur der blutigrote, von tausend Bränden wt­derstrahlende Wolkenhimmel der Nacht erfüllte das Ge mach mit ungewissem Schein. Vater und Tochter schwie gen, sie wußten sich nichts tröstliches zu sagen, da thre Gedanken nicht dieselbe Richtung nehmen konnten. Es verband sie Sympathie, nicht Gleichhett der Ueberzeu gungen. Der Mann dachte an seinen Sohn und dis Schmach des Vaterlandes, das Mädchen an den Ge Itebten, der bei dem feindlichen Heere stand.

So saßen die beiden bis gegen Mitternacht. Da geschah ein Bliz, ein knall, eine Explosion, die sie jäh aufriß. Eine Bombe war in die Rue d'Espagne ge­fallen und jenseits der Straßenmauer geborsten. Dte Mauer brach zusammen, das Dach des Nebenhauses polterte auf das Pflaster nieder. Ein Heulen erhob sich auf der Gasse und im Hause; die Verwundeten schrieen in nervenzerreißenden Tönen um Hilfe; die aufgeweckten Wärter schimpften; auf der Straße setzten sie ihre Verwünschungen fort.

Desiree hatte bei dem blendenden Pulverblitz die Augen mit der Hand verhüllt und ihr Antlitz an der Brust ihres Vaters geborgen, der selbst vor Schreck zitternd dasaß, als die Explosion ertönte und die Fen­sterscheiben flirrend in den Vorgarten fielen.

Ach, Vater, es ist zu schrecklich," jammerte das Mädchen, ich vergehe vor Angst!"

Du armes Kind," tröstefe der Mann, der selbst des Trostes bedurfte. D, wären wir weit weit von hier. Klammere Dich an mich, muß es doch gestorben setn, so möchte ich mit Dir zusammensterben."

Nein, Papa," flüsterte Deftree, sprich nicht vom Sterben. Ich möchte leben und glücklich sein- glücklich mit ihm mit meinem Waldemar." ( Bortfegung folgt.)