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Deutscher Reichstag.

Der Ncigen der Redner wurde am Montag durch ben bekannten elfäffischen Brotestler Wetterle, der wie schon sein Landsmann Will, versuchte, die Ablehnung des Gnadenfonds im elfäffischen Landtag zu rechtfertt­gen. Er leugnete hterbet, daß der Beschluß eine persön­Itche Spize gegen das Staatsoberhaupt gehabt habe. Der Abg. Mumm( Wirtsch. Vg.) tam auf die Bergar­betterbewegung im Ruhrrevier zu sprechen, und for­derte die Regterung auf, zur Verhütung eines Kohlen­arbeiterausstandes die Initiative zu ergreifen. Nach die­sem fleinen Vorspiel folgte als das bedeutendste Ereig­nis des Tages eine längere Rede des Staatssekretärs Delbud, die sich ausschließlich mit der Handels- und Wirtschaftspolittt beschäftigte. Der Staatssekretär kon­statierte, daß unser Wirtschaftsleben die beiden Bela­tungsproben des letzten Jahres, die Dürre und die ge­pannte Lage der auswärtigen Politik erfolgreich ge= ragen habe. Dabet habe sich auch gezeigt, daß unser Bantwefen auf einer so gesunden Grundlage beruhe, daß man seiner Entwicklung mit Ruhe entgegens jehen tönne. Gefeßliche Maßnahmen seien daher einst weilen nicht notwendig. Unsere Schutzollpolitik hat sich nach Ansicht des Staatssekretärs so gut bewährt, daß ein neuer 3olltarif nicht nötig ist, sondern nur eine Modernisierung" des bestehenden. Zur Vorbereitung der neuen Handelsverträge habe die Regierung feit 3% Jahren Produktionserhebungen angestellt. Leider kön­nen diese nicht auf Kleinbetriebe ausgedehnt werden, da fich diese durch die Statistik nicht erfassen lasse. Eben­so unmöglich fet eine öffentliche allgemeine Enquete. Auch auf wirtschaftspolitischem Gebiete stehe die Ent­wickelung nicht still. Seit der Beginn der Schutzzoll­politit set unsere Industrie so erstarkt, daß wir heute nicht mehr um den inneren Mart fämpfen, sondern um den äußeren. Aber auch diese neuen Probleme rechtfer­figen teine Schwenkung in unserer Schutzollpolitik. Be­merkenswert war die Erklärung des Staatssekretärs, daß die Entwickelung der Syndikate uns vor die Frage tellen werde, ob nicht ein Staatsmonopol vorzuziehen fet. Die Bedeutung dieses Bekenntnisses schwächte der Redner allerdings durch den Zusab etwas ab, er habe das Gefühl, daß wir für diese Erkenntnis noch nicht reif sind. Uebrigens hält der Staatssekretär die Syndi­fate für notwendig und auch zum guten Teil nüßlich. Wenn sich Mißstände herausstellten, so sollte man te­denfalls nur mit Spezialgefeßen eingreifen. Das Kalt­gesetz habe allerdings nicht den Erwartungen entspro­hen. Nachdem dann noch die Abgg. Sachse( Soz.) und rl( tr.) gesprochen hatten, wurde die Wetterberatung auf Dienstag vertagt..

Bom englischen Bergarbeiterausstand.

Die Folgen des Riesenausstandes in England be= ginnen fich mit von Tag zu Tag wachsender Schärfe für bas gesamte Wirtschaftsleben der britischen Inseln fühl­bar zu machen, da nicht nur die großen Industrien, son­dern auch der gesamte Verkehr bereits die erlahmenden Wirkungen der Krisis zu bemerken beginnt. Die gro­ßen Eisenbahngesellschaften sind nicht mehr in der Lage, mit voller Sicherheit auf ihr Bersonal rechnen zu kön= nen, und mehr als ein Anzeichen spricht dafür, daß bin­nen furzem ein Eisenbahnerausstand ins Leben gerufen werden wird. Annähernd 700 000 Eisenbahner sind zur­zeit auf dem englischen Eisenbahnnetz beschäftigt. Ein großer Teil von ihnen ist organisiert, und die größte und mächtigste Organisation, die der Lokomotivführer, erwägt bereits, wie aus London gemeldet wird, die Möglichkeit eines Sympathieſtretts. Auf jeden Fall ha= ben die Lokomotivführer bereits erklärt, daß sie keinerlet Militärzüge in die Ausstandsgebiete befördern würden und auch Kohlenbeförderung ist von ihnen als Stretf­arbeit erklärt worden. Die Kohlenausfuhr in das Aus­land stockt natürlich fast gänzlich, und aus zahlreichen englischen Häfen wird gemeldet, daß sich die Schiffe, die bisher die Kohle über alle Meere trugen, eins nach dem anderen still vor Anker gehen, um untätig liegen zu bletben. Auch die sonstige Schiffahrt ruht bereits in vie= len Häfen oder geht so die Fischeret in Hull- die­sem Schicksal in den nächsten Tagen entgegen.

London, 5. März. Die Lebensmittelpreise be= ginnen hier stark zu steigen. Man befürchtet besonders eine allgemeine Steigerung der Brotpreise. Der Eisen­bahnverkehr ist sehr eingeschränkt. Im Bahnhof von Manchester sind 720 Büge ausgefallen. Einige Bahn­gesellschaften laffen nur die Hälfte der Züge verkehren. Stürmische Bergarbeiterversammlung in Dortmund.

Montag nachmittag fand in Dortmund eine von et­wa 3000 Bergleuten der Zechen Katserstuhl und Scharn­horst besuchte Belegschaftsversammlung statt, in der über die Frage, ob der auf diesen betden Zechen Montag früh begonnene Streif fortgesetzt werden solle oder nicht, dis­futtert wurde. Nach einem Referat des Delegierten des sozialdemokratischen Bergarbeiterverbandes, in dem der Redner dringend zur Wiederaufnahme der Arbeit riet, tamen zahlreiche Bergleute der genannten Zechen zum Wort, dte fast alle für eine Fortsetzung des Streikes

Unter Feinden.

Roman von Karl Matthias. 10) ( Nachdruck verboten.) ,, Nun, die sächsischen Raubftaaten, so genannt, well fie, an dem Meer liegend, Seeräuberet treiben." Aha!

" Diese sind bestimmt, den preußischen König in cms aufzuhalten, damit er in Mez eingesperrt und unschäd­lich gemacht werden kann."

Aber verzeihen Sie," unterbrach ihn Prevendaux, was bleibt unter solchen Umständen für uns Franzo­fen zu tun übrig?"

Wir marschieren geradewegs nach Ber­Wir? Itn," antwortete Herr Murlitton wichtig, und stellen dort den Staat von 1809 wieder her."

" Ah," machte die Gesellschaft sehr befriedigt. Keiner zweifelte, daß das Endresultat des Feldzuges genau so sein würde. Nur daß der Verlauf sich etwas in die Länge ziehen könne, befürchtete man. Die Erfolge der Preußen in den Kriegen 1864 und 1866 gaben ein we­nig zu denken.

" So ist der Krieg also unwiderruflich beschlossen?" fragte ein junger Mann.

" In Paris ohne Zweifel," bejahte der Maire; in Ems, wo sich der preußische König aufhält, denkt man vielleicht anders, und Herr von Bismarck wird versu­chen, den Streitfall aus der Welt zu schaffen."

Aber wir wollen einen fröhlichen, frischen Krieg, um den eroberungslustigen Prufftens einmal zu zeigen, daß sie eine militärische Null find, sobald sie wirklichen Soldaten gegenüberstehen."

sprachen. Die Vertreter der pointschen Berufsvereint­gung und des Hirsch- Dunkerschen Vereins erklärten, Bie Streit nicht gut heißen zu können. Die Versamm­lung trug häufig einen stürmischen, zeitweise sogar einen tumultarischen Charakter, besonders, als der Sprecher des alten Bergarbeiterverbandes erklärte, daß die Or= ganisation diesen Disziplinbruch der genannten Zechen bedaure und feinerlei Verantwortung dafür überneh­men tönne. Ein Beschluß darüber, ob die Arbeit am Dienstag wieder aufgenommen werden soll oder nicht, wurde nicht gefaßt; es scheint aber sicher, daß ein gro ßer Teil der Strettenden die Arbeit wieder aufnimmt. In der Versammlung wurde noch bekannt gegeben, daß am Dienstag, den 5. d. M. die Antwort der Zechenbe figer erwartet wird. Am Donnerstag findet eine Sizung des alten Ausschusses und des Vorstandes und am Sonntag eine allgemeine Konferenz statt, in der die Ent­scheidung fallen wird.

" Ich ahnte es," sagte Bourlter selbstzufrieden; ich habe meine Anordnungen für den Kriegsfall getroffen." Tyrolt vermochte nicht länger das ungeretmte Ge­schwät mit anzuhören. Er trat langsam zur Seite und begab sich in die Nähe seiner Braut.

Herr Brevendaux bemerkte setne Entfernung.

Dortmund, 5. März. Auf der Zeche Kaiserstuhl tst heute die Frühschicht vollständig eingefahren. Auf der Beche Scharnhorst sind von 635 unter Tage arbei­tenden Berglenten 19, von 284 über Tage arbeitenden 104 eingefahren. Das Gerücht über einen Streit auf anderen Zechen bestätigt sich nicht.

o Paris, 5. März. In Pormour fand gestern eine Versammlung von 3000 Bergleuten statt, in wel­cher einstimmig der Antrag angenommen wurde, den für den 11. März anberaumten vierundzwanzigstündt­gen Gesamtausstand durchzuführen, um dadurch den Forderungen der Bergleute Nachdruck zu verleihen. Sollte dies ohne Erfolg bleiben, würden die Bergieute mit allen Mitteln ihre Forderungen durchzusetzen su­chen. Aehnliche Beschlüsse wurden auch von den Berg­leuten anderer Bezirke gefaßt.

Eine neue Landesverratsaffäre.

In Frankfurt a. M. wurden in den letzten Tagen dret Personen wegen Landesverrats verhaftet. Der Hauptverdächtige ist der Polizei schon lange durch grö­ßere Geldausgaben und Auslandsreisen, namentlich nach Paris, aufgefallen. Es soll sich bei der Affäre um Geschüßaufzeichnungen und um das neue Einheitsge­schoß der Artillerie handeln. Die Affäre spielt auch nach Effen und nach Wilhelmshaven hinüber. Ein Verwand­ter des einen Verhafteten soll angeblich bei Krupp be= fchäftigt sein

Nähere Einzelheiten über die Angelegenheit berich= tet die Kleine Presse" wie folgt: Vor einiger Zeit ver­haftete die Polizei einen Wettvermittler. Bei einer Haussuchung wurden Briefe gefunden, die darauf schlie= ßen ließen, daß der Mann für die französische Regie­rung Spionage trieb. Es wurden dann Brtefe und Telegramme abgefangen, und es zeigte sich, daß der Verdacht berechtigt und die Hauptperson bei dieser Spionage ein angeblicher Techniker war. Auch dieser wurde festgenommen. Die polizeilichen Nachforschungen haben ergeben, daß der Techniker der französischen Bot­schaft in Ber'in schrieb, er sei imstande, ihr Geschütz­zeichnungen aus Effen und Zeichnungen der neuen Kruppschen Artilleriegeschütze zu liefern. Das war im Dezember 1911. Er erhielt darauf zur Antwort, er möge sich in Luxemburg mit einem französischen Agen­ten treffen, um diesem nähere Angaben zu machen. Anfang Januar reisten die beiden Verräter nach Luxemburg, wo sie mit dem Agenten eine Unterredung hatten. Beide erhielten dann ein Telegramm, worin fte aufgefordert wurden, nach Paris zu fahren. Der Lechnifer fuhr mit einem anderen Bekannten nach Pa= ris und hatte dort mit dem Agenten eine längere Bera­tung, der dann die beiden ins Ministerium des Innern führte. Dort sprachen die beiden mit einem höheren Beamten. Es wurde ihnen gesagt, daß man alles brau­chen könne. Für einen Zünder zahle man 1000 Mart, für ein Geschoß 3000, für ein Verschlußstück 5000 Mark. Für die Originalzeichnung eines Geschützes zahle man 8000 Mart. Der Hauptverdächtige war dann noch zwei­mal in Paris, nachdem inzwischen ein reger Telegramm und Schriftwechsel stattgefunden hatte. Telegramm und Briefe wurden unter Chiffre nach Frankfurt geschickt. In einem Briefe erklärte der Techniker, daß er Metall­sticke, die er in Essen nicht bekommen könne, sich durch Einbruch in Wilhelmshaven verschaffen werde. Er hatte im ganzen bisher 500 Mart erhalten. Vorige Wo­che reiste ein Bekannter von ihm, der früher bei Krupp tättg gewesen sein soll, nach Essen; er soll bei seiner Rückkunft nach Frankfurt bedeutsames Material mitge= bracht haben, dessen Verwertung aber nicht mehr mög­Itch gewesen sein soll, da die Polizei seinen Auftraggeber inzwischen verhaftete. Auch der Agent wurde wenige Stunden nach seiner Ankunft in Frankfurt a. M. ver= haftet. Weitere Verhaftungen sollen bevorstehen.

Die Seele des Unternehmens war, wie die Frff. 3tg." weiter zu der Affäre meldet, ein gewiffer Josef Hyronimus aus Frankfurt, ein Mann von nahezu 30 Jahren mit bewegter Vergangenheit. Er ist u. a. wegen Einbruchs mit einem Jahr Gefängnts bestraft und gab sich als Techniker" aus. Früher war er in großen Fabriken der Umgegend, so in Griesheim und Höchst,

Apropos, ist Ihr Direktor nicht auch ein Deutscher?" fragte er.

Mit nichten, er ist ein Desterreicher."

So, so! Nun, Desterreich ist auch bestimmt, eine Rolle in dem bevorstihenden Kriege zu spielen," fuhr der Maire selbstzufrieden fort; es wird unsere Ope= rattonen im Süden stüßen und später Schlesien, Hanno­ver und Nañau erhalten, welche Provinzen ihm 1866 geraubt wurden."

Fürchten Sie nicht, daß Ihr Direktor zum Kriegs­dienste herangezogen wird, wenn Oesterreich mobil macht?" fragte Devereux.

Ich hoffe nicht; es wäre mir sehr schmerzlich," ent­gegnete Bourlier.

" Haben Sie guten Mut," tröstete der Matre mit drolliger Wichtigkeit. Im schlimmsten Falle lege ich ein gutes Wort beim österreichischen Oberkommando ein. Ich habe Verbindungen mit unserer Generalität."

Ich hoffe, das wird gar nicht nötig sein," meinte Prevendaux. Von Desterreichs Teilnahme bet diesem Kriege ist gar nicht die Rede. Frankreich braucht keine Bundesgenossen."

Auch haben wir noch nicht den Krieg", schaltete Bourlier ein. Und nun, meine Herrschaften, wollen wir uns zu Tische begeben."

Der Diener war in der Tür erschienen, um seinem Herrn anzuzeigen, daß das Diner gerichtet set. Herr Bourlier bot seinen Arm der noch immer hübschen Frau des Maire, Prevendaux führte eine Madame Burtot, Devereux Frau von Tarandal; die jungen Männer be= mächtigten sich der Fräulein Virginie und Alice, so daß sich die Brautleute wie durch einen Zufall zusammen­fanden.

,, Weshalb die ernste Miene, Geliebter?" raunte De­siree dem Fabrikdirektor zu.

tätig, in den letzten Jahren war er aber wenig oder gar nicht in Stellung. Der zweite der Verhafteten ist ein Mann namens Haunerland, der aus der Rheinprovinz stammen soll, der Dritte der Kellner Heinrich Schell­berg aus der Niddastraße, bet dem der Haunerland wohnte. Hyronimus hat in den letzten Tagen auch der englischen Botschaft in Berlin sich angeboten, doch ist es hier zu Verhandlungen nicht gekommen. Es war furz vor seiner Festnahme. Er war auf alle Fälle gerüstet und hatte seine Möbel verkauft, um sofort fluchtbereit zu sein. Es set erwähnt, daß die Verräter gar nichts von Bedeutung nach auswärts gemeldet haben und daß es in diesem Falle bei einem Versuch des Landes­verrats geblieben ist, der durch einen glücklichen Zufall zur Kenntnis der Behörde gelangte und vereitelt wer­den konnte.

Dwüßtest Du, welchen seelischen Schmerz mir das politische Getratsch dieser Hohlköpfe verursacht. Es ist

Rundschau vom Cage.

Politisches.

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Kaiser Wilhelm ist Montag vormittag in Wil­helmshaven eingetroffen, wo er der Vereidigung der Refruten beiwohnte. Später nahm er auf der Deutsch­land" Wohnung. Im Anschluß an die Vereidigung ver­lieh er dem Chef der Marinestation der Nordsee Admt­ral Grafen Baudiffin den Schwarzen Adlerorden. Der Kaiser wird nach den jeßt endgültig festgesetzten Dispositionen Berlin am 23. März abends verlassen, um nach Wien au reifen, wo die Ankunft am anderen Morgen erfolgt. Nach dem Besuch beim Kaiser Franz Josef wird die Weiterreise nach Pola am Abend an­getreten werden. In Pola trifft der Kaiser am 25. März ein und nimmt sofort auf seiner Jacht Hohen­zollern" Wohnung. Der Aufenthalt in Pola ist auf zwei Tage berechnet. Von dort wird die Reise nach Korfu gehen. Ein Besuch des Königs Viktor Emanuel in Venedig ist nicht vorgesehen. Dte Katserin wird an der Reise nach Schloß Achilleion nicht teilnehmen. Ste wird sich am 23. März zu längerem Aufenthalt nach Homburg v. d. H. begeben.

Ueber die definitive Präsidentenwahl im Reichstag finden unter den Fraktionen des Reichstages fortge­fett Verhandlungen statt. Eine Einigung ist bisher nicht zustande gekommen, sie scheint auch noch im wet­ten Felde zu liegen, wenn nicht ganz unmöglich zu sein, denn die Rechte und das Zentrum erstreben nach der einen Seite ein Präsidium ohne Sozialdemokraten, andererseits wollen die Konservativen sich nicht mit et nem Präsidium einverstanden erklären, in dem der Na­tionalliberale den Präsidenten, das Zentrum den er­sten und die Volkspartei den zwetten Vizepräsidenten ftellen. Die Nationalliberalen wollen weder in einem rein tonservativ- tleritalen noch in einem linken Präst­dium sizen. Da die Volkspartei sich in den ganzen Verhandlungen auffallend reserviert verhält, man sagt, fie spekuliere darauf, den Präsidenten Kaempf zu hal­ten, so sind die Aussichten gegenwärtig verzweifelt schlecht.

Ueber den Umfang der Wehrvorlage weiß die Ger­mania" wohl nach Mitteilung der ihr nahestehenden Abgeordneten folgendes zu sagen: Bei der Flottenvor­lage handele es sich nicht um große Ausgaben. Im Durchschnitt würden sämtliche Forderungen in den er­sten sechs Jahren etwa 30 Millionen Mart pro Jahr erfordern, selbst wenn sämtliche Schiffe aus dem ordent­Itchen Etat genommen würden. Die Heeresvorlage er­fordert eine einmalige Ausgabe von 100 Millionen Mart und weiterhin fortlaufend jährlich 50 bis 60 Millionen Mart, so daß für Heer und Flotte zusam­men im ganzen für sechs Jahre ein Durchschnitt von rund 80 bis 90 Millionen herauskommt.

Der Etat des Reichstags ist am Montag dem Hause gugegangen. Er fordert an fortdauernden Ausgaben 2 143 213 Mart und an einmaligen Ausgaben 21 000 Mart. Demgegenüber steht eine Einnahme von 17 566 Mart, die sich etwa zur Hälfte aus den Eintrittsgel­dern für die Besichtigung des Gebäudes und zur an­deren Hälfte aus den Zinsen des Fonds zusammen­sezen, der aus den Eintrittsgeldern gebildet wird und etwa 190 000 Mart beträgt. Für die Abgeordneten ist 1911 ebenso wie 1910 eine Aufwandentschädigung von 1015 000 Mark verwendet worden.

Eine Herabsetzung der Altersgrenze für den Bezug der Altersrente? Wie verlautet, hat die Reichsregie­rung für die vom Reichstag gewünschte Prüfung der Frage, ob eine Herabseßung der Altersgrenze für die Altersrente möglich ist, bereits in die Wege geleitet. Es wird beabsichtigt, diese Brüfung in die Hände einer Sachverständigen- Kommission zu legen. Zu diesem Zweck sind die Bundesregierungen aufgefordert wor­den, Sachverständige für diese Kommission namhaft zu machen.

Kleine Nachrichten.

Die Anstellung eines befoldeten Jugendpflegers plant die Stadt Charlottenburg. Aufgabe des Jugend­pflegers ist die Pflege der Volks- und Jugendspiele, des Turnens, Schwimmens, überhaupt aller Leibes=

empörend, welche Feigheit, welchen Verrat sie von met­nen Landsleuten erwarten."

,, Laß ste- fie sprechen, wie sie es rerstehen." ,, Ste verstehen aber nichts. Ste kennen nicht Geo­graphie, nicht Geschichte, nur ihre nationale Eitelkeit. Ste sind wie die Kinder."

,, Nun, so betrachte sie als solche. Denke nicht mehr daran, vergtß es über unserer Liebe."

Du hast Recht", erwiderte er, sanft thren Arm an sich drückend; ich war ein Tor, daß ich Dich und mich betrübte."

Es erregte allgemeines Erstaunen, daß der Fabrik­direktor, immer doch nur ein höherer Beamter des Hausherrn, die Heldin des Tages so ganz für sich in Anspruch nahm.

Aber das Erstaunen wurde noch erhöht, als die Gäste bemerkten, daß das junge Paar in der Mitte der Tafel zwischen Frau von Tarandal und Herrn Bourlier Plaz nahm. Das konnte nicht Zufall sein, und ein Flüstern ging von Mund zu Mund, allmählich dämmerte auch eine Ahnung, besonders bei den Jüngeren, auf, und als der Fabrikant nach Erledigung der Suppe auf­stand und an sein Glas schlug, wußte Jeder, was kom­men würde."

Ich habe die Ehre, meiner Iteben Gästen ein Brautpaar vorzustellen," ließ sich Papa vernehmen, in­dem ein joviales Lächeln sein Gesicht verklärte. Herr Waldemar Tyrolt und meine Tochter Desiree empfehlen sich als Verlobte."

Ein Freudenruf, ein fröhliches Händeklatschen folg= te seinen Worten unmittelbar. Alles erhob sich von den Plätzen, um dem Brautpaare Glückwünsche darzubrin= gen.

Da schmetterte die hohe Glastür des Vestibile flir­rend zu, dte Saaltür wurde aufgerissen, und der Sohn des Hauses, Olivier, erschten mit finsterem Gesicht und in vernachläfftgtem Anzuge auf der Schwelle.

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