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Sießener Zeitung

Ssman

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( Neueste Nachrichten)

en Neljährlich 1,20 m., vorauszahlbar, frei ins Haus. bgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­Seel gabeitellen viertelfährlich 90 Pig. Erscheint iwoche und Samstags. Redaktion: Selters. 18 83. Für Aufbewahrung oder Müdiendung idt verlangter Manuifriste mird nicht garantieri. Werlag der., Gießener Zeitung" G. m. b. s.

tr. 97.

Telephon: Nr. 362.

Beichskanzler über die äußere Politik. Reichskanzler v. Bethmann Hollweg führte am hg im Reichstage aus: Bei einer Besprechung der tigen Lage sind es die Ereignisse auf dem Bal­ie jurzeit so ziemlich unsere ganze Aufmerijamleit spruch nehmen. Im Laufe des Jahres hatte sich Stimmung zwischen der Türkei und den Ballan­Poularde o zugespitzt, daß der Ausbruch des Konfliktes 6.75 mehr zu verhindern war, trotz des eifrigen Be­

15 der Mächte, den Frieden zu erhalten. Als wir lampf als unvermeidlich ansahen, haben wir vor chn. Ja. Darauf hingewirkt, ihn zu lokalisieren. Von den amburingen am Balkan werden wir zwar nicht unmittel­erührt, immerhin sind wir berechtigt, gleich den n Mächten an der Neuregelung der Dinge, die olge des jetzigen Krieges sein wird, mitzuwirken; an der ökonomischen Gestaltung der im Orient sind wir sehr wesentlich direkt ressiert. Wir werden bei der Regelung man­Fragen unser Wort zugunsten unserer bündeten mit in die Wagschale zu legen ha­( Sehr richtig!) Von den Kriegführenden wird es bestritten, daß bei der endgültigen Regelung der gen Grenzen die Großmächte ihre Interessen zur ng bringen fönnen und müssen und auf Grund Snteressen zur Mitwirkung berufen werden. Wenn das Maß der Mitwirkung zwischen den einzelnen mächten und einzelnen der Kriegführenden Mein­verschiedenheiten bestehen oder entstehen, so wird Großmächten die Durchsetzung ihrer Forderungen Rich erleichtert, wenn sie ihre Forderungen gemein vertreten. Ein lebhafter Gedankenaustausch schwebt Den Mächten, über den ich heute nichts Näheres fann. Sollten sich unlösbare Gegensätze ergeben, Lir es Sache der im einzelnen Fall direkt interes Mächte sein, ihre Ansprüche zur Geltung zu nsons en. Das gilt auch für unsere Bundesge Wenn sie aber bei der Geltendmachung nig- Zigan 200 hotnteressen wider alles Erwarten von dritter Seite 00 Pflaegriffen und direkt in ihrer Existenz be= diesmal werden sollten, dann würden wir, unserer ez. beste espflicht getreu, fest und entschlossen an Site zu treten haben.( Lebhafter Beifall.) Und

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Das Glückskind.

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Roman von Irene von Hellmuth. ( Nachdruck verboten.) Fur Geduld mein Junge, es wird schon noch kom­Du bist fa noch jung, bei Dir fängt das Leben rest an, fasse wieder neuen Mut, Hermann. Wer Benn gleich die Flinte ins Korn werfen, wenn es er geht als man denkt."

Es wird schon noch kommen, das sagst Du nun Jallane eit einem Vierteljahr, und noch immer zeigt sich ts. Wo ist es denn, wo? Selten, daß sich ein tiert zu mir verirrt. Die Leute haben kein Zutrauen, th, wie Du eben fagtest, noch zu jung bin. Lieber tt, muß man denn um jeden Preis erst alt werden, glidliche Kuren ausführen zit können? Bis dahin b mir längst verhungert. Zu all dem unangenehmen nm nun auch das noch mit dem Mädchen- es ist n Berzweifeln!"

Perlang

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Beruhige Dich doch endlich!" flehte die Mutter.

a, beruhigen, wir haben Schulden und keine nnahme. Die onze neue Einrichtung ist noch nicht zahl; eines Tages werden die Leute kommen und eachen wieder abholen, da sie von dem windigen fto fein Geld bekommen können,- und dabei soll mich beruhigen."

Elachte laut und schrill auf, so daß die Mutter ihn ichrocken betrachtete.

Du bist offenbar in überreizter Stimmung, ich ffe ich jetzt allein, so kannst Du am ersten das Gleich­wicht der Seele wiederfinden."

Wn das, was thr zumeist am Herzen lag, wagte sie cht mehr zu rühren, aus Furcht, den Sohn noch mehr erregert.

Sermann griff mechanisch nach Tinte und Feder, mar Röschen zut schreiben, allein seine Gedanken woll­nicht Stand halten.

Erpedition: Selters weg 85.

Mittwoch, den 4. Dezember 1912.

dann würden wir zur Wahrung unserer eigenen Stell­ung in Europa, zur Verteidigung unserer eigenen Zukunft und Sicherheit fech ten.( Lebhafter Beifall.) Ich bin sest überzeugt, daß wir bei einer solchen Politik das ganze Volk hinter uns haben werden.( Lebhafter Beifall.) Ich will noch ein mal auf die großen Interessen hier eingehen, die wir bei der Lösung des Streites zwischen der Türkei und den Balkanstaaten zu verfechten haben. Unsere Po­liiil war seit langen Jahren darauf gerichtet, bei gu­ten wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zu den Ballanstaaten die Türkei in wirtschaftlicher Hinsicht zu erhalten und zu stärken. Ich möchte es als einen Erfolg vindizieren, daß wir uns während eines Strieges 3 wischen einem Freunde und einem Vundesgenossen die Sympathien beider zu er­halter: gewußt haben. Diese Politik werden wir auch weiter fortsetzen. Wir hoffen, daß unsere bisherigen freundschaftlichen und regen Beziehungen zu den B al fanstaaten durch deren zweifelloses Erstarken na­mentlich in wirtschaftlicher Hinsicht einen neuen Auf­scroung nehmen werden. Dabei wird unser Streben auch ferner dahin gehen, die Türkei nach dem Frie­densschluß als wichtigen ökonomischen und politischen Faktor zu erhalten. In diesem Wunsche und Bestreben begegnen wir uns nicht nur mit unseren Bundesgenos­sen, sondern auch mit anderen Mächten.

*

( Gießener Tageblatt)

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Telephon Nr. 362. 24. Jahry.

grund gestellt. Herr v. Bethmann- Hollweg hat, ob mit Absicht, oder nicht, mag dahin gestellt bleiben, den Kriegsgedanken betont." Nachdem der Temps" weiter­hin nachzuweisen versucht hat, daß der deutsche Reichs­fanzler aus den Artikeln 1 und 2 des österreichisch- deut­schen Vertrages vom 7. Oktober 1879, also aus den grundlegenden Paragraphen des Dreibundes, einen Of­fensivvertrag anstatt eines Defensivvertrages gemacht hai, fährt er fort: Wie man angesichts dieser Tatsache von einer Mäßigung in der Kanzlerrede sprechen kann, ist uns unbegreiflich. In keiner Hauptstadt Europas hat seit 2 Monaten keine leitende Persönlichkeit so be­unruhigend und brutal gesprochen. Man muß zwar den deutschen Gewohnheiten etwas Rechnung tragen; man muk bedenken, daß die Deutschen keine Nuancen kennen, und daß sie gern die Schärfe der Gedanken betonen, ohne diese in ihren vollen Konsequenzen zu vertreten, man muß weiterhin in Rechnung ziehen, daß bei den bisherigen Verhandlungen zwischen den Kabinetten Deutschland eine sehr gemäßigte, höfliche und entgegen­kommende Haltung eingenommen hat, die in Paris und anderswo den besten Eindruck machte. Diese Erwäg­ungen können den Eindruck der Rede etwas mudern, und sie als eine an die Adresse der Balkanverbündeten gerichtete Drohung deuten lassen. Herr von Bethmann­Hollweg, der ein sehr ausgeprägtes Verantwortlichkeits­gefühl besitzt, hat wahrscheinlich geglaubt, daß diese Drohung eine Entente der Großmächte erleichtern würde. Wir gestatten uns, anderer Ansicht zu sein, und bedau­ern dieses Säbelgerassel am Vorabend schwieriger diplo­matischer Verhandlungen."

Zur österreichisch- ferbische Frage.

Eine französische Presstimme darüber. Paris, 3. Dez. Als das Urteil der französi schen Regierungskreise über die Rede des Reichskanzlers D. Bethmann- Hollweg darf wohl der heutige Kommen­tar des dem Ministerpräsidenten Poincaree nahestehen­den Temps" gedeutet werden. Nachdem er ironisch da­rauf hinweist, daß es wohl besser gewesen wäre, wenn Herr v. Bethmann- Hollweg, gleich seinem italienischen Ministerkollegen Giolitti verkündet hätte, es gibt Au genblicke, wo man zu schweigen verstehen muß", fährt das Blatt fort: Die Rede überschreitet bei weitem den, der bisher seit Ausbruch des Krieges offiziell gemachten Ausführungen. Sir Edward Grey, Asquith, Poincare, Saicnow, Kokowhow und selbst Graf Berchtold haben in ihren Reden den Friedensgedanken in den Vorder-| doß heute einige ungarische Blätter, die mit der Regier­

Der Fall Prohaska und König Peter. Die Mitglieder der Wiener Diplomatie sind davon verständigt worden, daß der Bericht des Konsuls Pro­baslas sehr schwerwiegende Beschuldigungen gegen die serbische Behörde in Prizrenz enthält. Der Bericht wird nach der Rückkehr des Konsuls Edl aus Prizren ver­öffentlicht werden. In offiziellen Kreisen wird versichert, es stehe ein sehr ernster Schritt der österreichisch­ungarischen Regierung in Belgrad bevor. Es fällt auf,

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Wohl zehnmal hatte er schon angefangen, aber im­mer zerriß er den Bogen Papier, der vor ihm lag. End­lich warf er die Feder fort, sprang auf und wanderte in dem großen, gut möblierten Zimmer hin und her.

Die Mutter brachte das Abendessen, das sie stets selbst bereitete, da das junge Dienstmädchen nichts ko= chen konnte er beachtete es gar nicht. So setzte sie sich allein zu Tisch, aber es wollte mit dem Essen nicht gehen.

Hermann starrte gar trübfelig vor sich hin. Er tat ihr so leid, der gute Junge.

Sein Leben war ein fast ununterbrochener Kampf ums Dasein, wann würde das wohl einmal ein Ende nehmen?

Er hatte nie des Lebens überschäumende Lust ge= fostet, immer war er vertröstet worden auf später, und mit fast übermenschlichem Eifer war er bestrebt gewe­sen, möglichst schnell ans Ziel zu kommen und selbstän­dig zu werden. Und nun, da er erreicht, was er gewollt, was bot sich ihm nun? Neue Sorgen, neue Leiden, so bitter ist des Menschen Los auf Erden.

*

-

Viel heitrer, als sie gegangen, tam Röschen heim. Die Segenswünsche der alten Marthe, die sich beim An­blick ihres warmen Bettes vor Freude gar nicht zu fas= sen vermocht hatte, flangen noch in den Ohren des Mäd­chens nach, es fühlte noch den innigen dankbaren Hände­druck der armen Kranfen.

Eine gute Tat vollbracht zu haben, ist immer ein wonniges Gefühl, das den Geber mehr erfreut als ir= gend etwas in der Welt.

Es gewährt dem Herzen volle Befriedigung und Ruhe.

So erging es auch Röschen. Ein Schimmer inne­rer Zufriedenheit lag auf dem liebreizenden Gesicht, die Wangen waren leicht gerötet, um den kleinen Mund lag ein Lächeln.

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Ste nahm sich vor, heute abend doch noch an Her mann zu schreiben und ihn zu bitten, hin und wieder nach ihrem Schüßling zu sehen.

Aber schon, nachdem faum die ersten Worte geschrie­ben waren, sant der Kopf schwer auf die Hände, eine furchtbare Müdigkeit, verursacht durch die vorangegan­gene, schlaflos verbrachte Nacht, überfam das junge Mädchen, das faum fähig war, sich länger aufrecht zu halten. Der Schlaf zwang sie, den Brief noch einmal um einen Tag zu verschieben.

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Als Rosi am anderen Morgen erwachte, es war schon ganz hell, und sie fühlte sich wie neugeboren lag ein weißes Kuvert auf ihrer Bettdecke.

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Großer Gott, von ihm," entfuhr es den blassen Lippen. Wie fann er nur so unvorsichtig sein!"

Wer mag den Brief hierher gelegt haben? Böhler nicht, denn der pflegt gewöhnlich viel länger zu schla­fen. Vielleicht- ja, jedenfalls die Riecke, die gute, treue Seele."

Beruhigt atmete Röschen auf, da hatte es feine Ge­fahr, die verriet nichts.

Sinnend betrachtete das Mädchen eine Weile die Aufschrift, ehe es das Kuvert erbrach. Doch schon, nach­dem es die ersten Worte gelesen, begannen die Finger zu zittern, das Lächeln verschwand aus dem bleich und bleicher werdenden Gesicht, die Augen starrien auf das Blatt in threr Hand, allmählich begannen die Buch­staben einen wilden Reigen, alles drehte sich im Kreise, ein Schwindel erfaßte sie und mit lautem Aufschrei sant Röschen in die Kiffen zurück.

Regungslos, mit geschlossenen Augen, lag sie eine Weile, und mochte taum zu fassen, was doch so klar und deutlich auf dem weißen Papier stand.

( Fortsetzung foigt.)