Ausgabe 
3.2.1912 Zweites Blatt
 
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Dresden

Gießener Zeitung

Bezugspreis 40 pfg. monatlich

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( Neueste Nachrichten)

verteljährlich 1,20 r., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 90 Pfg.- Erscheint Redaktion: Selters­Mittwochs und Samstags. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. S.

weg 83.

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Nr. 10.

( 2. Blatt.)

Die Bekämpfung des Mißbrauchs geistiger Getränke im rheinisch- westfälischen Steint­kohlenbergbau.

Die Bekämpfung des Mißbrauchs geistiger Getränke durch die rheinisch- westfälischen Steinkohlen- Bergwerke, durch den Arbeitgeber, kommt dem Arbeiter gegenüber zum Ausdruck, sobald er die Arbeit auf einem dieser Werke aufnimmt. Es wird ihm bei seinem Eintritt in die Beschäftigung auf der Zeche auf Grund gesetzlicher Vorschrift die Arbeitsordnung eingehändigt, die auf den Zechen des Ruhrbezirks nahezu übereinstimmend lautet und die folgende Bestimmung enthält: Es tritt Bestraf ung des Arbeiters ein, wenn er betrunken zur Zeche fommt, geistige Getränke mitbringt, auf der Zeche ver­birgt oder trinkt; Betrunkene werden außerdem nicht zur Arbeit zugelassen, oder, wenn dies unbemerkt geschehen, nachträglich ohne Anrechnung der Schicht nach Hause ge­schickt". Diese Bestimmung wird tatsächlich strenge ge­handhabt. Diese Werksverwaltungen sind sich voll be= wußt, daß sie mit angetrunkenen Arbeitern nicht nur nicht arbeiten, sondern auch durch solche Leute auf das schwerste geschädigt werden können.

Auf der letzten Tagung des Westfälischen Provin­zialverbandes gegen den Mißbrauch geistiger Getränke hat nun Herr Bergwerks direktor G. A. Meyer- Herne, einen Vortrag über die praktische Bekämpfung des Mißbrauchs geistiger Getränke im rheinisch- westfälischen Steinkohlenbergbau gehalten. Die Unterlagen zu dem Vortrage sind durch eine Umfrage bei den Bergwerks= verwaltungen des niederrheinisch- westfälischen Industrie bezirks beschafft worden. Wir entnehmen den interessan= ten und lehrreichen Ausführungen folgendes:

Samstags liegt für die Stadtabonnenten der Illustrierte Wochen- Anzeiger

gratis bei.

Expedition: Seltersweg 83.

Samstag, den 3. Februar 1912.

die Verwaltungen der industriellen Werke es nur une

ternehmen, belehrende Drucksachen irgend welcher Art über den Mißbrauch geistiger Getränke an ihre Arbeiter zu verteilen, so werden diese ungelesen zerrissen, und die Verteilung hat nur die eine Folge, daß eine besonders gründliche und umständliche Reinigung der Flure, Höfe und Plätze des Werks vorzunehmen ist. Die Arbeiter wollen heute von den Werksverwaltungen nicht ange­predigt sein.

Die Bergverwaltungen sind sich deshalb bewußt, daß ein unschädliches und wohl= feiles Getränk zum unmittelbaren Ersatz der bei der Arbeit verlorenen Wassermenge geboten werden muß. Auf vielen Werken erfolgt schon jetzt eine Abgabe der durststillenden Getränke( Kohlensaures Wasser mit Fruchtsaft, Mineralwasser, Milch, Suppenwürfel und Kaffee) auf dem Zechenplatz. Einige Zechen haben dort eine besondere Trinkhalle errichtet, andere haben die Ausgabestelle in einem Raum der Waschkaue oder auch in die Pförtnerbude verlegt. Auf großen Werken hat man daher 4-6 Meter lange Schanktische aufgestellt, an denen während der hauptsächlichen Schichtwechselzei­ten ein Hauptausgeber und ein Gehilfe bereit stehen.

In erster Linie wird kohlensaures Wasser verlangt. Es hat sich darum aus wirtschaftlichen Gründen von selbst ergeben, daß sich die Werksverwaltungen, welche die breiten Massen ihrer Arbeiterschaft des Genusses von fohlens aurem Wasser teilhaftig werden lassen wol­len, die Getränke selbst herstellen oder von Mi­❘neralwasserfabriken aus der Nähe beziehen. Etwa 20 Bechenverwaltungen haben die Zubereitung des kohlen­sauren Wassers selbst übernommen und versetzen den größten Teil des Getränkes mit einem Fruchtgeschmack, 5. h. sie mischen einer nach Himbeer oder Zitrone schmeckenden süßen Saft dem Wasser bei. In wärmeren Zeiten ist auch die Verwendung von Eis in der Mine­ralwasserfabrik sehr erwünscht. Zwei Bergwerksverwal­

und die Bergwerksgesellschaft Hibernia für ihre Zeche Shamroc 1-2 in Herne haben sich daher kürzlich zur Errichtung einer kleinen Eisfabrik entschlossen.

Das fohlensaure Wasser mit Fruchtgeschmack wird durch die Leute dem Wasser ohne solchen Zusatz bei weitem vorgezogen.

Der Vortrag wies zunächst darauf hin, daß die Tä­tigkeit des Ruhrknappen eine dursterregende Arbeit ist. Die uns in vielen Bergmannsliedern entgegentretende dichtungen, nämlich die Kgl. Bergwerksinspektion 3 in Buer terische Verklärung des Bergmannsdurstes ist daher nicht nur eine lustige Beschönigung einer faden Völlerei, sondern es liegen ihr tatsächliche nnd natürliche Verhält nisse zugrunde. Der es mit seinem Kameraden gut meinende Bergmann und der seinen Bergleuten wohl­gesinnte bergmännische Arbeitgeber sind davon über- zeugt, daß den Bergleuten für das bei der Arbeit durch Schweißabsonderung verlorengehende Wasser ein ange­nehmer, billiger und vor allen Dingen unschädlicher Er­satz beschafft werden muß. Der Arbeitgeber muß die schwerere Aufgabe auf sich nehmen, seinen Leuten wirk­lich etwas für den Durst zu bieten, da das Gastwirts­und Schankgewerbe zu erträglichen Preisen den Durst des Arbeiters mit gesundheitlich einwandfreien Geträn­fen zu stillen im allgemeinen heute noch nicht bereit ist.

Die Frage, ob von den Werken durch Belehrung, d. h. durch Verteilung oder Aushang von Druckstücken, Abbildungen und dergl., auf die Belegschaft eingewirkt wird, wird von der Mehrzahl der Werke verneint. Wenn

Eine Freudenbotschaft

für

Korpulente.

Ein neuer Weg zur sicheren und gefahrlosen Beseitigung der Korpulenz mit ihren schlimmen Folgen.

Was hat man bisher nicht alles schon zur Beseitigung der Korpulenz versucht! Der Eine empfahl eine kostspielige und zeit­raubende Badereise nach Karlsbad oder Marienbad, der Zweite langwierige und anstrengende Terrainkuren, der Dritte qualvolle und gefährliche Entziehungskuren, der Vierte glaubte, durch Massage oder Schwitzkuren das übermäßige Fett zum Schwinden bringen zu können, und ein Weiterer suchte sogar in recht bar­barischer Weise das so heiß erstrebte Ziel durch starkwirkende Abführmittel zu erreichen. Und was wird erst jahraus jahrein mit großer Reklame in den Zeitungen angepriesen, wodurch jugendliche Schönheit und Grazie ganz unfehlbar" wieder ge­Pillen, Salze, wonnen werden sollen: abführende Tees, Mitunter wurde Tropfen usw. Natürlich alles ohne Erfolg. wohl eine vorübergehende Gewichtsabnahme erzielt, das Uebel aber selten an der Wurzel getroffen und dauernd beseitigt. Wer heute hocherfreut 20 Pfund leichter aus Karlsbad nach Hause kommt, hat sicher schon in wenigen Wochen nicht nur das Ver­lorene wieder eingeholt, sondern oft genug noch einige Pfund darüber zugenommen.

Da kommt jetzt endlich eine wirklich frohe Botschaft: Nach langwierigen Versuchen ist es gelungen, ein Mittel zu finden,

Nächst den kohlensauren Wassern hat bisher im Berg­bau die Milch als Massengetränk die weiteste Verbrei­tung erlangt. Zu diesem Erfolg haben die verdienstvol­len Bemühungen von Prof. Dr. Kamp in Bonn viel beigetragen. Viele Zechen unterziehen sich der großen Mühe, die Milch zunächst durch Keimtötung( Sterilisier­ung) bei etwa 90-105 Grad C. und nachher durch Abkühlung wenigstens für eine gewisse Zeit zur Auf­bewahrung geeignet zu machen.- Die Milch wird in den allermeisten Fällen unmittelbar aus der Flasche ge­nossen. Auf einigen wenigen Zechen( Gneisenau und Scharnhorst der Harpener Bergbau- A.- G.) wird auch

welches in geradezu erstaunlicher Weise das überschüssige Fett schon in furzer Zeit zum Einschmelzen bringt, ohne den Eiweiß­bestand des Körpers auch nur im geringsten anzugreifen, und welches daneben den gar nicht hoch genug einzuschätzenden Vor­teil besitzt, daß durch seine Anwendung das einmal erreichte Ge­wichtsminimum auch dauernd erhalten werden kann. Außerdem unterscheidet sich das Mittel von allen anderen bisher angewand­ten schon dadurch, daß seine Anwendung nicht einmal etwas kostet. Da kann es denn natürlich nicht wundernehmen, daß sich dieses neue Mittel schon in ganz kurzer Zeit die Gunst der Aerzte im Sturm erobert hat. Es ist kein Geheimmittel und keine die wissenschaftliche Kritik scheuende Kurpfuschermedizin, enthält auch weder Jod noch Schilddrüsenertrakt, noch Blasentang usw.; auch fein Abführmittel, das auf die Dauer den Darm ruiniert und Es beansprucht auch dadurch mehr Schaden als Nußzen stiftet. feine fostspielige und dabei noch höchft problematische Badereiſe, keine quälende Einschränkung der Nahrung, keine Hunger, Durst-. Schwitz- und Massage- Kuren oder dergleichen. Es reguliert viel­mehr auf eine ganz andere, bisher noch wenig bekannte Weise die gesamte Verdauung; es reinigt und desinfiziert den Darm und verbessert damit das Blut. Es entlastet und stärkt das Herz und besitzt neben seiner fetteinschmelzenden Wirkung auch noch die Fähigkeit, die so überaus schädlichen Darmfäulnisbakterien, die eine Quelle zahlreicher Leiden und nicht zuletzt indirekt oft auch die Ursache der Fettleibigkeit sind, aus dem Darm zu ver­drängen. Dabei hat es nicht die allergeringste schädliche Neben­wirkung und wirft auch nicht wie andere Entfettungsmittel( so­fern sie überhaupt wirken!) schädigend auf die Haut und den Teint. Ganz im Gegenteil, die Haut, die sonst bei Entfettungs­furen oft welf und gelb wird, erhält durch die gründliche blut­reinigende Wirkung des Mittels eine rosige, jugendfrische Färbung und wird straff und elastisch. Der starke Leib, die breiten Hüften das Doppelkinn usw. verschwinden bei seiner Anwendung schon bald, der früher schwerfällige Gang wird leicht und elastisch, das ganze Aussehen jugendlicher. Kurz, es ist ein geradezu ideales Mittel, mit dem beim besten Wohlbefinden, ohne jede Berufs­| störung und ohne strenge Diät mit Leichtigkeit Gewichtsabnahmen von 20 und mehr Pfund sich erzielen lassen. Und das Alles wie bereits gesagt ohne Kosten.

Die erste Anregung zur Schaffung des Mittels gab bereits

( Gießener Tageblatt)

Anzeigenpreis 20 Pfg.

die 44 mm breite Inseratenzeite.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pfg. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs­zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konturs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Druck der Gießener Verlagsdruckerei.

Telephon: Nr. 362.

24. Jahrg.

Buttermilch, und zwar in Gläsern von ¼ Liter

Inhalt, verabreicht.

Etwa ein halbes Dutzend Zechen bietet durch Bereit­haltung von Suppenwürfeln die Möglichkeit der Verausgabung eines wegen seines Kraftgeschmades be liebten warmen Getränks. Die Kgl. Berginspektion 3 in Buer hat im Jahre 1910 und zwar von September ab, 12 500 und im Jahre 1911 bis Ende September nicht weniger als 47 200 Suppenwürfel ausgegeben. Bemerkt sei noch, daß mit einem Würfel eine Tasse Suppe von etwa 1 Liter Inhalt hergestellt wird.

Der chinesische oder indische Tee scheint bisher so gut wie gar keinen Eingang auf den Zechen gefunden zu haben.

Das alkoholfreie Getränk, das in unserem Bergbau wahrscheinlich die größte Rolle spielt, ist der Kaffee. Jedermann im Bezirk erkennt den Bergmann auf der Straße an der Kaffeepulle". Man kann als Regel an­nehmen, daß der Bergmann- 2 Liter Kaffee für die Schicht mitnimmt. Der größte Teil dieses Kaffees ist wahrscheinlich Gerstenkaffee, schon wegen des geringen Preises. Außerdem werden von den Zechen während der warmen Jahreszeit große Mengen Kaffee an alle die obertägigen Betriebe unentgeltlich abgegeben, in denen die Leute bei erhöhter Temperatur arbeiten, also in er­ster Linie an die Bedienung der Kessel und der Koks­öfen. Die Zechen pflegen auch Kaffee in die Gruben hineinzuschicken, wenn dort Notarbeiten bei Abdämm­ung von Bränden und dergleichen auszuführen sind. Die großen Mengen dieses alkoholfreien Getränks scheinen deshalb zahlenmäßig so gut wie gar nicht, weil man bei der unentgeltlichen Abgabe darüber keine besonderen Nachweisungen auf den Zechen führt.

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Die meisten Zechen haben die Gefäße und den Preis so aufeinander abgestimmt, daß nur in abgerundeter Münze, d. h. mit 5 Pfg.- und 10 Pfg.- Stücken bezahlt zu werden braucht. Es liegt auf der Hand, daß die Abwicklung des ganzen Ausgabegeschäfts dadurch au­ßerordentlich erleichtert wird. Das Herausgeben einzel­ner Pfennige ist sehr umständlich und gibt leicht Ver­anlassung zu Verlusten und Mißhelligkeiten. Der Inhalt der ein Drittel Liter fassenden Limonadenflaschen kostet an den meisten Stellen 5 Pfg.- Von der Milch er­hält der Bergmann auf den meisten Zechen für 5 Pfg. 4 Liter und für 10 Pfg. ½ Liter. Einige Werke be­gnügen sich mit 4 Pfg. für ¼ und 8 Pfg. für ½ Ltr. Milch. Bei den letzteren Preisen werden die Werke heute in Ansehung aller mit der Milchabgabe verbundenen Für eine Tasse Unkosten wohl schon zusetzen müssen. Suppe werden 3 oder 4 Pfg. bezahlt. Die Königl. Berginspektion 3 in Buer gibt 4 Stück Suppenwürfel für 10 Pfg. ab, da die Bergleute die Würfel sehr gern mit nach Hause nehmen.

Eine recht bedeutungsvolle Mitwirkung der Zechen bei der praktischen Verdrängung und Ersetzung der alko­ge= holischen Getränke ist auch darin zum Ausdruck

vor ca. 40 Jahren der russische Leibarzt Dr. Th. Carell; ver vollkommnet wurde es aber erst seit ganz kurzer Zeit durch die Anregungen, die der für seine wissenschaftlichen Forschungen mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Bakteriologe und Arzt, der Leiter des weltberühmten Pasteur- Instituts in Paris, Professor Dr. E. Metschnikoff hierzu gab. Seine frappanten Wirkungen sind seither von allen Aerzten und Laien, die es anwandien, mit Worten höchster Anerkennung gepriesen worden.

Wer sich für das Mittel und seine Anwendung interessiert und jeder Korpulente sollte dies nicht nur aus kosmetischen, der sende sondern auch aus gesundheitlichen Rücksichten tun uns den angehängten, sorgfältig ausgefüllten Bestellzettel nebst 20 Pfennig für Porto usw. ein, und wir lassen ihm dann sofort eine reichliche Probe nebst einer aus der Feder eines praktischen Arztes stammenden hoch interessant geschriebenen Broschüre Die Entfettungskur der Zukunft" kostenlos und franko zugehen. Er wird es niemals bereuen, die Probe versucht und die Broschüre aufmerksam gelesen zu haben.

Yoghurt- Centrale

Dr. J. Schaffner& Co., Berlin- Grunewald.

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