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Gießener Zeitung

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Telephon: Nr. 362.

Expedition: Seltersweg 83.

Mittwoch, den 2. Oktober 1912.

Der ganze Balkan mobil!

Athen, 30. Sept. Infolge der allgemeinen Mo­bilisierung und der beunruhigenden inneren Verhältnisse in der Türkei, die sie veranlassen könnte, einen gegen die Nachbarstaaten gerichteten Ausweg aus ihren Schwie rigleiten zu suchen, machte Griechenland im Ein Dernehmen mit den Balkanstaat en heute abend seine Streitkräfte zu Wasser und zu Lande mo­bil. Griechenland ordnete an, sämtliche griechischen Schiffe( Handelsschiffe) sollten das Schwarze Meer, Kon­stantinopel und das Marmarameer verlassen.

Der griechischen Gesandtschaft in Ber­Iin ist die Meldung von der Anordnung der Mobili fiemung durch ein dringendes Telegramm mitgeteilt wor­dem. Gestern abend hat in Athen ein langer Mini sterrat unter dem Vorsitz des Kronprinzen, der zurzeit die Regentschaft führt, stattgefunden. In die sem wurde die Mobilisierung beschlossen.

Eine Mobilisierungsorder für die in Deutsch I and lebenden Griechen ist bisher in Berlin noch nicht eingetroffen, dagegen haben die in Deutschland lebenden serwischen und bulgarischen Offiziere bereits die Reise nach den ihnen zugewiesenen Plätzen in Serbien Bulgarien angetreten.

und

Cetinje, 1. Oft. Der König hat die allge­maine Mobilisierung der Armee angeordnet. Belgrad. Die Polizei verbietet die Veröffent fichung von Mitteilungen über die Bewegungen der Truppen. Die Vorbereitungen zum Kriege werden in Fielhafter Gabe betrieben.

Konstantinopel, 1. Okt. Ein Jrade sanktioniert den noch nicht veröffentlichten Ministerratsbeschluß, wel­cher: die Mobilisierung der ganzen türkischen Ar mes anordnet. Ausgenommen sind einige anatolische Einheiten an der russischen Grenze.

Durch die amtlich bekannt gegebene Mobilisierung der gesamten türkischen Armee erfährt die Lage auf dem Balkan eine neue Verschärfung. Konstantinopel, 1. Okt. Der serbische Ge­sandle stellte der Pforte eine Frist von 48 Stunden für die Gewährung der Durchfuhr der serbischen Munition nachy Serbien oder deren Rüdtransport nach Marseille. Nach einer Meldung aus Konstantinopel soll der bulgarische und der serbische Gesandte bei der Pforte von ihren Regierungen bereits abberufen worden sein und der Ausbruch der Feindseligkeiten ftünd­

Des Wilderers Rache. Erzählung aus dem bayrischen Hochland von Otto Landsmann.

( Nachdruck verboten.)

ttch rächen... an wem doch nur?... Ach ja, ich finne mich!... Nimm meinen Stutzen... ich verade ihn Dir... Du wirst ihn damit niederschießen ..nicht wahr... Du versprichst es mir?"

-

3d, Bater," antwortete der Junge schluchzend, aber wen, oen?" Ben?" erwiderte der Wilderer mit einem unheim­lichon Blick auf die Anwesenden. Wen? Ach!" rief er löslich und fiel wieder zurück auf das Kissen, dabei einen Namen murmelnd, den man nicht verstehen fonte. Ein Blutstrom brach aus seinem Munde, und bewegungslos blieb er auf seinem blutgetränkten Bette liegen Nach und nach wurde sein Atem schwächer, und balu hörte er ganz auf.

Die Mutter und die Kinder hatten sich vor dem Betn, auf welchem der entseelte Körper lag, auf die Knie niedergeworfen. Wenige Minuten später, als alles zu End war, klopfte es heftig an die Haustür. Es war der Pfarrer von Jachenau, welchen der Förster zwar in aller Eile, aber doch zu spät, von dem bedenklichen Bustande, in welchem sich der Wilderer befinden mußte, benachrichtigt hatte. Dem Priester erübrigte nichts meho, als seine Gebete mit denen der kleinen Familie zu dereinigen, um Gottes Barmherzigkeit für die Seele dieses Mannes zu erflehen, dessen Leben in Verbrechen verfossen und dessen lezler Gedanke ein Rachegedanke gewen war.

V.

Seit diesen Ereignissen waren acht Jahre ver­floffin. Der Frühling und der Sommer waren vorüber,

lich bevorstehen. Ueber ganz Bulgarien wurde der Be­lagerungszustand erklärt. Wie jetzt verlautet, soll die Sebranje bereits für Donnerstag einberufen werden.

Botschafter Frhr. v. Wangenheim hatte mit dem russi­Konstantinopel, 1. Oft. Der deutsche schen Botschafter eine längere Unterredung über die Frie­densverhandlungen und die Balkan- Fragen.

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Wien, 1. Okt. Falls binnen 48 Stunden die Ballanlage die erhoffte Friedenswendung nicht nehmen sollte, beabsichtigt die österreichische Regierung, an der ungarisch serbischen sowie an der bosnischen Grenze zu mobilisieren.

Die österreichische und die italienie Regierung sollen im Verein mit anderen Großmächten bei den Kabinetten in Sofia und Belgrad beruhigende Schritte unternommen haben.

Wien, 1. Oft. Heute vormittag fanden im Mi­nisterium des Auswärtigen ununterbrochen Konferenzen statt, von denen der Kaiser fortwährend unterrichtet

wurde.

Wien, 1. Okt. In diplomatischen Kreisen wird heute abend die Lage auf dem Balkan als ungemein ernst angesehen und es wird mit dem Ausbruch der tärischerseits wird erklärt, daß die österreichisch- ungarische Feindseligkeiten innerhalb 48 Stunden gerechnet. Mili­Monarchie bereits nach 48 Stunden an der südöstlichen Grenze die entsprechenden militärischen Vorkehrungen tref­fen wird. Die Nachrichten, die von einer Mobilmach ung etwas wissen wollen, sind aus der Luft gegriffen.

Berlin, 1. Oft. Graf Pourtalees, der deutsche Botschafter in Petersburg, der sich seit einiger Zeit auf Urlaub hier befand, wird heute abend nach Petersburg zurückkehren. Vorher wurde er vom Reichskanzler em­pfangen.

Die Auffassung in Berlin über die Baltanwirren lauten erfreulicherweise sehr zuversichtlich. Die zuversicht­liche Stimmung stützt sich darauf, daß man allseits annimmt, daß die Großmächte nun mit erneuter Ener­gie ihre dämpfende Tätigkeit in Sofia, Belgrad, Athen und auch in Konstantinopel fortsetzen werden. In Wien weiß man von einem Zusammengehen Rußlands und Desterreichs.

Petersburg, 1. Oft. Die Erklärung der Re­gierung über die Mobilmachung an der West= grenze hat nicht vermocht, die allgemeine Auf­

und von den einzelnen Laubbäumen, welche die För­sterwohnung umgaben, wehte der Herbstwind schon hin und wieder gelbe Blätter zur Erde. Die Astern und andere Herbstblumen blühten in dem kleinen Garten neben dem Försterhause, und einzelne Schwärme kleiner Zugvögel zogen zwitschernd und singend dem warmen Süden zu.

Förster Lebrecht war noch immer auf seinem niten Posten trotz des Gerüchtes, er habe um Versetzung nach­gesucht. Ueber dem Grabe des roten Peter war Gras gewachsen; die traurige Geschichte schien vergessen.

Es war ein stiller, heiterer erbsttag, und in Kochel war Kirchweih. Die Wirtshäuser wimmelten von Gä­sten, und auch mancher Genosse aus der Umgegend hatte sich eingefunden, aber Förster Lebrecht fehlte. Er war des Morgens in sein Revier gegangen und seitdem noch nicht wieder gesehen worden.

Wo nur mein Mann bleiben mag," sagte gegen Abend die besorgte Försterin zu Renata, die jetzt zur blühenden Jungfrau herangewachsen war, er ist doch sonst immer so pünktlich, heute ist er zum erstenmal, ohne mir etwas zu sagen, über Mittag ausgeblieben; wenn ihm nur kein Unglück begegnet ist!"

Der Vater wird halt auf die Kirchweih gegangen sein," tröstete Renata. Wie ich mich erinnere, hat er vor einigen Tagen gesagt, er wolle doch auch einmal sehen, wie es auf einer Kirchweih hergehe." Die Dunkelheit brach herein Förster Lebrecht war noch immer nicht nach Hause gekommen. Seine Familie befand sich in der größten Bestürzung. Man fragte nun zunächst den Kommandanten Hilpert, aber der hatte den Förster nicht gesehen. Die Försterin tröstete sich mit der Hoffnung, ihr Mann sei vielleicht nach Tölz gegangen, um etliche Angelegenheiten zu ordnen, aber auch diese Annahme erwies sich als falsch, denn ein dem Kommandanten Hilpert beigegebener

( Gießener Tageblatt)

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Telephon Nr.: 362. 24. Jabrg.

regung hierüber zu beruhigen, zumal auch die Mit­teilung über die UnterredungenSsasanows in London als ungünstig bezeichnet wird. Die zwungen habe, entgegen den russischen Interessen über Mitteilung beweise, daß man in London Ssasanow ge­das zu sprechen, was die Engländer für sich als die wichtigste Frage ansehen. Die persische Frage, mit der noch nicht einmal eine zweitgrößte Bedeutung. man die Zeit verloren habe, habe jetzt für Rußland

Bukarest, 1. Okt. Von einer Mobilisierung der rumänischen Truppen verlautet nichts. Rumänien dürfte im Kriegsfalle eine abwartende Haltung einneh­men und nur aftiv eingreifen, wenn die eigenen Inte ressen sowie die internationalen Verpflichtungen es dazu zwingen sollten.

Konstantinopel, 1. Oft. Hier verbreitete sich das Gerücht von türkisch- rumänischen Verhandlungen behufs einer Verständigung.

staaten Bulgarien, Serbien und Griechenland von neuem In den nächsten Tagen werden die drei Balkan= eine Note in Konstantinopel überreichen las­Reformen in Macedonien und Epirus bekannt geben. sen, in der sie noch einmal ihre Wünsche hinsichtlich der Diese Note wird kein Wort darüber enthalten, daß eine Autonomie für Macedonien gefordert wird, ste wird Aegäischen Meere, sondern wird sich darauf beschränken, ferner nicht sprechen von Kreta und den Inseln im ein Verwaltungsreformprogramm noch lajets eingeführt werden muß. Dieses Programm wird einmal furz zu skizzieren, das in den macedonischen Wi­hauptsächlich die Forderung aufstellen nach Einführung besserung der Kommunikation, nach Berücksichtigung der von Schulen, nach Reform der Gendarmerie, nach Ver­Nationalitäten in den einzelnen Wilajets bei der Aus­wahl der höheren Verwaltungsbeamten, so daß also z. B. in einem Wilajet, das der Mehrzahl nach von Grie­chen bewohnt wird, die höheren Verwaltungsbeamten gleichfalls Griechen sein sollen. Ebenso soll dies mit Bulgarien und Serben der Fall sein. Es ist noch sehr die Frage, ob die Note formell den Charakter Ultimatums haben wird, das eine aber ist sicher, daß die weitere Entscheidung über die Lage von der Ant­wort der Pforte auf diese Note abhängig wird.

Politische Rundschau.

eines

Riel, 1. Oft. Prinzessin Heinrich von Preußen trat heute nachmittag eine Reise über Ber­lin nach Petersburg an, wo sie mit dem aus Ja­pan zurüdfehrenden Prinzen Heinrich zusammentreffen wird.

Gendarm, der abends von dort, wo er dienstlich zu tun gehabt hatte, zurückgekehrt war, berichtete, daß Lebrecht nicht in Tölz gewesen sei.

Es war schon fast Nacht geworden, und noch immer wartete man vergeblich auf die Heimkehr des Försters. Da ließen sich plötzlich vor dem Hause Schritte verneh= men, aber der gleich darauf Eintretende war nicht der Erwartete, sondern Kommandant Hilpert.

Ach Gott, Herr Kommandant, mein Mann ist immer noch nicht da, ich weiß mir vor Angst nicht zu helfen und zu raten. Was kann das sein mit ihm? Ach, wie oft habe ich ihm zugeredet, er solle es doch auch machen wie die andern und die Wildschüßen in Frieden lassen. Sie haben ihn gewiß ums Leben gebracht."

Frau Förster," erwiderte der Kommandant, wer wird denn gleich das Schlimmste annehmen? Ich muß Ihnen sagen, mir ist um Ihren Mann gar nicht bange. Ich glaube nicht daran, daß die Wilddiebe an ihm Rache genommen haben, sie haben seine Büchse kennen ge= lernt und fürchten ihn, er ist jetzt sicherer als zuvor. Wenn einmal ein Forstmann abends nicht nach Hause tommt, was ist denn weiter dabei? Das tommt bei unser einem gar oft vor, und bei uns träht daheim tetn Hahn danach. Sie müssen auch nicht gleich so ängstlich sein." Ach, Herr Kommandant, wenn es nur so wäre, wie Sie sagen. Wie wollten ich und Renata unserem lieben Herrgott im Himmel danfen! Aber ich fann meine Angst nicht los werden. Wenn Sie in den Wald gingen, wie wär's Ich sterbe vor Gram, wenn mein Mann diese Nacht nicht nach Hause kommt."

Auf mich können Sie sich verlassen, Frau Förster," erwiderte der Kommandant ,,, ich mache mich mit meinem Kameraden sogleich auf den Weg. Aber lassen Sie auch die schlimmen Gedanken!"

Schluß folgt.)

Ein Hundeleben.

Ein Hundeleben.

ja, du bist auch gut

Die Eröffnung der Austern- Gaison.

.. bist du eifer­

gutes Möpschen süchtig auf's Nätzchen?... komm du nur, mein gutes

chen, du sollst noch Milch haben... und wieder gießt fin

Nest aus Packleinen, und Knochen zwischen den Vorderpfoten, tisch, und da liegt Mops nun ruhig im Halbduntel in seinem

im Maul davongelaufen nach dem Pläbchen unter dem Baden­