Ausgabe 
2.3.1912 Zweites Blatt
 
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Gießener Zeitung

( Neueste Nachrichten)

Bezugspreis 40 pfg. monatlich verteljährlich 1,20 Mk., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig ausgabestellen viertelfährlich 90 Pfg.- Erscheint. Mittwochs und Samstags. Redaktion: Selters­meg 83. Für Aufbewahrung oder Nücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

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Nr. 18.

( 2. Blatt.)

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 2. März 1912.

Der Erfinder der drahtlosen Einheits­uhr Deutschlands, der Fuldaer Ingenieur Ferd. Schneider, hielt über diese seine Erfindung am Donners­tag, den 29. Februar, einen Vortrag bei dem Großher­zog von Hessen in Darmstadt. Zwecks Ermittelung des geeigneten Standortes im Fuldatal finden zurzeit Messungen statt, um ein sicheres Fundament zu finden. Es muß nicht nur hinreichend Sicherheit für die Stand­festigkeit des Turmes selbst bieten, sondern auch fähig sein, enorme elektrische Entladungen, die aus der At mosphäre kommen, zur Erde abzuführen.

Samstags liegt für die Stadtabonnenten der

Illustrierte Wochen- Anzeiger

gratis bei.

Expedition: Seltersweg 83.

Samstag, den 2. März 1912.

auf

( Gießener Tageblatt)

Anzeigenpreis 20 pig.

die 44 mm breite Inseratenzeile.- Die 90 mm breite Zelle im Reklameteil 50$ fa. Extrabeilagen werden nach Gewicht werd Gutze berechnet. Nabatt kommt bei Ueberschreitung des Bahlungs. zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Betreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Berbindlichkeit. Druck der Gießener Verlagsdruckerei.

Telephon: Nr. 362. 24. Jahrg.

ordnung wurde der Wert der Säuglingsfürsorge o Ortenberg. Die hiesige Freiw. Feuerwehr dem Lande eingehend besprochen, verschiedene Wege zu fonnte ihr 30. Stiftungsfest begehen. Es nahmen daran deren Durchführung angegeben und ganz besonders die als Ehrengäste teil: Graf Kuno v. Stolberg, Kreisfeuer­Anstellung von Säuglingsfürsorgesch we wehrinspektor Vetzberger- Nidda, Kreisamtmann Fröh­Stern, die mit Gemeindeschwestern und anderen Verlich, Bürgermeister Fendt- Büdingen; auch mehrere Nach­trauenspersonen zusammenarbeiten sollen, empfohlen. barvereine waren durch Deputationen vertreten.

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Jubiläums gauturnfest in Gießen 1912. Am 28. Januar famen zum 2. Male die ge­übteren Turner des Gaues Hessen zusammen und zwar in der Turnhalle des Turnvereins Wetzlar. Vertre­ten waren Butzbach, Nauheim, Gießen T.-V., Gießen M.-L.-V., Marburg T.-V., Marburg A.-T.-V. und Marburg T.-G., zusammen 25 Turner, die unter Lei­tung des Gauturnwarts Will in zwei Riegen am Rec und Pferd antraten. Vorturner am Reck war Bender­durchgängig gute Leistungen in schwierigen Uebungen Wetzlar, am Pferd Bepler- Gießen T.-V. Es gezeigt, sodaß alle Aussicht vorhanden ist, auf dem Gaufest mit den zwei Sonderriegen der geübteren Tur­ner des Gaues am Reck und Pferd etwas hervorragen­des zu zeigen. Die für das Deutsche Turnfest 1913 in Leipzig vorgesehenen Gewandt­heitsübungen wurden ebenfalls durchgeturnt. Man kann heute schon sagen, daß die Durchführung die­ser Sondervorführung zum Deutschen Turnfest gesichert ist und einen schönen Erfolg erwarten darf. Bei dem Kürturnen wurden am Barren neue schwierige Auf­und Abgänge gezeigt, so daß mit dem Verlaufe des Nachmittags jeder einzelne Turner die Befriedigung hatte, etwas neues gesehen und manches gelernt zu ha­ben. Bei der Besprechung wurde zu einer dritten Zu­sammenkunft in Butzbach der 31. März gewählt. Vorher soll jeder der geübteren Turner drei Uebungen am Reck und drei Uebungen am Pferd, die er aber sicher beherrschen muß, an den Gauturnwart einreichen, um daraus die Gruppen zusammenstellen zu können. Die allgemeinen Vorbereitungen für das Fest sind im vollem Gange; mehr denn 300 Bürger der Stadt sind in den einzelnen Ausschüssen tätig.

n Gießen. Außer der Aerztekonferenzen d. Gr. Zentrale für M. und S. in Darmstadt, fanden noch Be­sprechungen in Mainz und Gießen statt. In Mainz wurde am 6. Februar im Gutenbergkasino die erste dieser Besprechungen abgehalten, bei der 19 Aerzte anwesend waren. Die Tagesordnung: Direktor Dr. Kup­ferberg- Mainz: Die Mitwirkung der Hebammen u. Wo­chenpflegerinnen in der Mutter- und Säuglingsfürsorge; Dr. Herzog- Mainz: Was kann für die Hygiene des Kin­des in den Beratungsstellen geleistet werden? Dr. Kel­ler- Bingen: Die Beratungsstellen und das Publikum, wurde erledigt und diskutiert. U. a. wurde die Reso­lution gefaßt, im Anschluß an den Vortrag des Direk­tors Dr. Kupferberg das Großh. Ministerium des In­nern zu bitten, die Errichtung von Wöchnerinnenheimen in den größeren Städten zu unterstützen. Zugleich wen­det sich die Versammlung an die Vorstände der Kran­kenkassen mit dem Antrag, auf Grund der Vorschriften des§ 196 der Reichsversicherungsordnung die Errich­tung von Wöchnerinnenheimen in den Städten, in denen solche noch nicht bestehen, in Erwägung zu ziehen. Bei der Versammlung in Gießen am 17. Februar wurde im Anschluß an die Vorträge von Prof. Walther- Gießen: Die Ausbildung der Hebammenschülerinnen in der Mutter- und Säuglingsfürsorge und ihr Erfolg; Dr. Weber- Alsfeld: Milchversorgung auf dem Lande; Dr. Otto Brettel- Büdingen: Einige Bemerkungen über die Mutter- und Säuglingsfürsorge in ländlichen Bezirken, in angeregter Diskussion vor allem über die Ausbildung der Hebammen in der Fürsorge für die Neugeborenen, sowie deren Eintreten für das Stillen gesprochen, die Fürsorge für die älteren Säuglinge solle Säuglingspfle­gerinnen übertragen werden. Die übergroße Propaganda der Nährmittelfabriken solle tunlichst eingeschränkt wer­den. Großer Wert wird der Verwendung von Ziegen­milch bei der künstlichen Säuglingsernährung beigelegt, doch müssen die Ziegen sauber gehalten und auf die Weide gebracht werden. Der Hinweis auf die Reinlich­keit bei der Milchgewinnung empfiehlt sich besonders bei Vorträgen im Anschluß an Wanderhaushaltungsschulen auf dem Lande. Im Anschluß an Punkt 3 der Tages­

Veraltete Katarrhe

auszurotten

ist eine recht schwierige Sache. Jeder, der schon einmal mit einem hartnäckigen Katarrh zu kämpfen hatte, kann davon ein Lied singen. Mit den gewöhnlichen Haus­mittelchen, wie Hustenbonbons und Pastillen, ist da nicht viel anzufangen. Bei einem einfachen kleinen Erkältungs husten, der sowieso schon nach einigen Tagen von selbst zu verschwinden pflegt, mögen derartige harmlose Mittel ja ganz gut sein. Aber, die Beseitigung eines chronisch gewordenen alten, immer wiederkehrenden Hustens, der bei dazu Disponierten gar oft den Keim der Lungen: schwindsucht in sich trägt, erfordert eine ganz andere Aufmerksamkeit und muß mit wesentlich anderen Mitteln behandelt werden, die den Feind sozusagen im Innern seines Lagers aufsuchen und ihn dann von innen her

aus" vertreiben.

Als eines der besten Mittel zur Beseitigung derartig chronisch gewordener Katarrhe mit ihren Folgezuständen alter Husten, Verschleimung, Asthma, Bron: chialkatarrh, Lungenspitzenkatarrh usw. galt den berühmten Aerzten des Altertums und gilt noch heute im ganzen Orient der sogenannte Arabische oder Utu­Balsam, der naturreine Harzsaft eines in den Küsten­ländern des Roten Meeres wachsenden Balsambaumes. Dieser Arabische Balsam war bis zur Entdeckung Amerikas die einzige Droge, den man den Namen Balsam" gab, und es beziehen sich daher alle älteren Literaturstellen in wissenschaftlichen medizinischen Werken, in denen von ,, Balsam" die Rede ist, ebenso wie die zahlreichen Hin­weise der Bibel auf den Heilwert des Balsams", nur auf ihn. Schon das Wort Balsam" zeigt uns die Wert­

):( Marburg. Wegen fehlender Schutzvorkehrun gen an der Kreissäge, wurde der Zimmermeister D. zu B. von der Strafkammer zu Marburg zu 1 Monat und der Heizer H. zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Der Sachverhalt ist folgender: Im Mai v. Js. wurde auf der Kreissäge Brennholz geschnitten. Dabei fehlte der vorgeschriebene Spaltfeil und die Schutzhaube. Während­dem der Kreissägearbeiter H. vorn Buchenknüppel zer­schnitt, hielt der Heizer He. ein Stück Holz hinten quer an die Säge, um es zum Einheizen zu zerkleinern. Die­

ses Holzstück wurde dem Ha. von der Säge ins Ge­

sicht geschleudert, sodaß dieser umfiel und alsbald we­gen der Schädelzertrümmerung starb. Wäre Spaltteil und Schutzhaube vorhanden gewesen, dann hätte der Heizer das Stück Holz nicht von hinten an die Säge halten können, wodurch der Unfall herbeigeführt wor den ist. Ist nur eine Schutzhaube angebracht, dann kann das Stück Holz keinesfalls in die Höhe geschleudert werden.

s Darmstadt. Die hier zu erbauende neue Kirche soll, so hofft man, in dem großen Jubiläums­jahre 1917 ihre Vollendung erleben und den bedeut famen Namen Reformationsfirche" erhalten.

! Worms. In einer hier abgehaltenen, sehr zahl­reich besuchten Vertrauensmännerversammlung der Na­tionalliberalen Partei des Wahlkreises Hep­penheim- Worms- Wimpfen wandte man sich erstens da­gegen, daß bei der Wahl des Reichstagspräsidiums An­gehörige der nationalliberalen Fraktion für die Wahl eines Sozialdemokraten eingetreten sind und zweitens dagegen, daß in einer kürzlich in Frankfurt a. M. statt­gefundenen Vertrauensmänner- Versammlung einige Mit­glieder der Nationalliberalen Partei, besonders Jung­liberale, den Ausschluß der Herren v. Heyl und Dr. Be­cker, sowie den Ausschluß des Nationalliberalen Ver­eins Worms aus der hessischen Landespartei gefordert haben. engen

3- Berufsvormundschaft. Der Magistrat in Berlin hat beschlossen, vom 1. April d. Js. ab die Sammelvormundschaft für die gefährde­ten Kinder, denen die regelmäßige elterliche Fürsorge fehlt, einzuführen. Die Organisation wird im Anschluß an die 7 Säuglingsfürsorgestellen in Berlin getroffen. Wie bekannt, hat die Sammelvormundschaft in Darmstadt bereits vor einiger Zeit dieselbe Ein­richtung mit der Großh. Zentrale für M. u. S. und deren Beratungsstellen getroffen. Hoffentlich wird auch in den anderen größeren Städten Hessens bald die Sam­melvormundschaft eingeführt. Was in dem großen Ber­lin möglich ist, sollte auch bei uns schon deshalb zu er­reichen sein, weil die Sammelvormundschaft auch für die Außenverwaltung eine petuniäre Entlastung bedeutet.

schätzung, in der das Mittel bei den Alten stand: das Wort Balsam" stammt aus dem Alt- Hebräischen und heißt soviel wie" König der Dele". Erst später kamen aus dem neuentdeckten Amerika weitere Balsame, wie der Perubalsam, der Tolubalsam usw., nach Europa, und noch später belegte man sogar eine Anzahl künstlicher, balsamähnlicher Erzeugnisse mit diesem Namen, der aber eigentlich nur dem Arabischen Balsam zusteht.

Daß sich dieser echte, Arabische Balsam bisher noch nicht in unserem Heilschatz eingebürgert hat, lag an seiner großen Seltenheit und dem dadurch hervorgerufenen, ganz ungeheuer hohen Preise, der Jahrhunderte hindurch den Preis des ungemünzten Goldes um das Doppelte über­stieg. Die Schwierigkeiten, die seiner Beschaffung im Wege standen, gelten indessen heute als behoben, und heute kann das von den alten Aerzten so sehr empfohlene Mittel schon zu einem Preise in den Handel gebracht werden, der seine Anwendung auch Minderbemittelten ermöglicht.

Seitdem wir den Arabischen Balsam in den Handel gebracht haben, hatten zahlreiche Patienten Gelegenheit, denselben zu versuchen, und es berichten heute schon Hunderte von Briefen usw., die ganz unverlangt bei uns eingelaufen sind, von den gehabten guten Er: oder Utu­folgen. Die Wirkungen des Arabischen Balsams, von dem wenige Tropfen pro Tag genügen, sind in kurzem folgende: Der Balsam macht den Aus­wurf flüssig und vermindert ihn. Infolgedessen hört schon nach verhältnismäßig kurzer Zeit der Hustenreiz und da= mit auch der Husten auf. Infolge der Entfernung der in dem Auswurf enthaltenen Zerfallprodukte tritt da, wo Fieber vorhanden war, eine Abnahme des Fiebers ein. Aus demselben Grunde vermindern sich auch die Nacht­schweiße, die mit der Zeit ganz aufhören. Ein gesunder

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! Mainz Momba ch. Eine größere Wohl­tätigkeitsveranstaltung findet am 17. März im hiesigen Stadtteile statt. Die Schuljugend hält un­ter Anleitung der Lehrerschaft eine Frühlingsfeier ab, deren Reinertrag zum besten der Mainzer Ferienkolonien und des Vereins für Hauspflege Verwendung findet. Bei der Feier werden kombinierte Gesangsklassen mehr­stimmige Frühlingslieder vortragen und Knaben Mädchen besondere Turnübungen und größere Reigen aufführen. Auch ein größeres Festspiel wird durch Schul­kinder der oberen Klassen zur Aufführung gelangen.

und

Nachtschlaf und damit eine Besserung des Allgemeinbe­findens pflegen einzutreten. Außerdem wirkt der Utu­Balsam magenstärkend und appetitanregend und bedingt dadurch eine größere Nahrungszufuhr und hierdurch wie­der eine Gewichtszunahme. Der Patient bekommt durch das Verschwinden der katarrhalischen Erscheinungen und durch die Besserung seines Allgemeinbefindens wieder neuen Lebensmut und größere Lust und Ausdauer zur Arbeit.

Wer auch noch so viel andere Mittel ohne Erfolg bereits benutzt hat, der möge trotzdem in seinem eigenen Interesse einmal einen kleinen Versuch mit Utu- Balsam machen. Er wird diesen Versuch so leicht nicht bereuen. Wir versenden kostenlos und franko eine Probe des Balsams an jeden, der uns den hier angehängten Bestellzettel ausgefüllt einsendet und ihm 20 Pfg. für Porto 2c. beifügt.

Den Herren Aerzten stellen wir zu Versuchszwecken ein größeres Quantum des Balsams kostenfrei zur Verfügung. Morgenländische Drogen- Import: Gesellschaft Berlin W. 15

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