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Tod unter den Rädern eines Buges fand, in dem die| Brinzessin zufällig gerade felbst führ.

Zuviel verlangt. Unter diefer Ueberschrift tlagt die Bandelstammer zu Düsseldorf in ihrer leßten Monats­schrift darüber, daß sie neuerdings immer häufiger von Studenten der Volkswirtschaft gebeten würde, ihnen Stoff für Doktorarbeiten zu liefern. Soweit es sich um Ueberlassen von Jahresberichten oder Atten, Auskünf­len und Aufklärung von Zweifeln handle, werde gern geholfen. Nun sollten aber die Handelskammern den Studenten einen wesentlichen Tell des fertigen Roh­stoffes liefern. Als Beispiel wird der Brief eines Stu­benten angeführt, der eine Arbeit über die Wirkung der Eisenbahnausnahme- Frachtsäße schreiben will und sechs umfangreiche Fragen mit einer Reihe Unterfragen zur Beantwortung an die Handelskammer gerichtet hat. Die Beantwortung dieser Fragen set im regelrechten Ge­schäftsgange ganz unmöglich. Sonst müßte ein beson­derer Beamter eingestellt werden. Solche Anfragen be­wiesen, daß die Studenten über die Arbeit der Handels­tammer nicht genügend unterrichtet seien, und daß es erwünscht wäre, wenn die Professoren für Beseitigung dieses Mangels sorgten.

Zwischenfall in einer Pastorenkonferenz. Im Ar­chitektenhaus zu Berlin nahm am Montag abend die Berliner liberale Pastorenkonferenz zu dem Fall des Pfarrers Straat von der Charlottenburger Luisenkirche Stellung. Kurz vor Eröffnung der Versammlung er­eignete sich ein eigenartiger Zwischenfall. In ein hoch­elegantes, tiefschwarzbraunes seostüm gekleidet, trat eine fichtlich erregte Dame in den Versammlungssaal. Sie trug in der linken Hand ein Patet mit Ansichtskarten, auf denen allerlet fromme Sprüche verzeichnet waren, in der rechten schwang sie eine weiße Fahne. Die Dame versuchte, gegen die Versammlung zu protestieren. Mit Mühe nur gelang es, sie davon zu überzeugen, daß sie den Saal verlassen müsse, da die Versammlung eine streng geschlossene set. Unter lebhaftem Protest verließ fie dann den Saal. Die Dame, die offenbar getstes­trant ist, stammt aus Hannover. Ste hat schon mehr­fach in ihrer Heimatstadt und am letzten Sonntag auch in der Luisenkirche zu Charlottenburg Demonstrations­versuche gegen Pfarrer Kraaß unternommen.

Eine folle Spionageaffäre, die sich zu Anfang des Monats in Bayern abspielte und deren Opfer, włe be­richtet, der Eisenbahnsekretär Courtain aus Gmünden wurde, hat nun ihren Abschluß gefunden. Der Ober­reichsanwalt in Leipzig hat ihn unter dem 21. August benachrichtigt, daß das gegen ihn eingelettete Verfahren wegen versuchten Verrates militärischer Geheimnisse nunmehr eingestellt worden ist. Courtain hatte den Artillerieschießplatz Grafenwöhr besucht und dort einem Unteroffizier gegenüber den Wunsch geäußert, etn Sprengstück als Andenken mitzunehmen. Diese harm­lose Aeußerung genügte, thn wegen Landesverrats zu verhaften und fünf Tage lang im Gefängnis zu be­halten. Aber selbst nach seiner Freilassung nahm das Verfahren gegen thn seinen Fortgang. Die Aften wur­den nach Leipzig an das Reichsgericht geschickt, das jetzt der Affäre ein Ende bereitet hat.

Ein riesiger Waldbrand ist an der deutsch- holländt­schen Grenze bet Elmpt ausgebrochen. Stundenwett ist die Umgebuna in Rauchwolten gehüllt. Nach den lezz­ten Meldungen stehen etwa 4000 Morgen Wald in Flammen. Die Leute der bedrohten Ortschaften rette= ten thre Habseligkeiten aufs frete Feld. Es sind etwa 1000 Soldaten an der Unfallstelle tätig ohne daß sie mit ihren Löscharbeiten einen merkbaren Erfolg zu ver­zeichnen hätten. Bisher ist nicht bestätigt, daß Perso­nen umgekommen sind, dagegen sind zahlreiche Gehöfte vernichtet worden. In einem Umkreise von sechs bis Sieben Stunden ist der Rauchgeruch unerträglich. Man fonnte sogar in Cöln in Form von Höhenrauch den Brand bemerken. Die gesamten Einwohner der um­legenden Ortschaften sind amtlich zu Löschversuchen auf­geboten worden. Nach einer späteren Meldung soll es gestern abend gelungen sein, das Feuer zu löschen.

Drei Kinder auf der Suche nach der Mutter. Eine weite Reise haben dret kleine Mädchen im Alter von 7, 9 und 11 Jahren unternommen, um ihre Mutter zu fuchen. Die Kinder, die fürzlich Berlin passierten, wa­ren von ihrer Mutter in Boston verlassen worden. Ste hatten erfahren, daß die Mutter mit einem Onfel" nach Warschau gereist war. Schnell entschlossen hatten sie sich auf die Suche nach der Mutter gemacht. Die mutigen Kinder, die sich mit Lebensmitteln, Fahrkarten und et­was Geld verfehen haben, famen glücklich nach Thorn, wo sie den Mitreisenden ihre Abenteuer erzählten.

Gewaltige Wefvenschwärme. Aus verschiedenen Gegenden an der Haardt wird gemeldet. daß ungeheure Wespenschwärme die ganze Haardt- und Rheingegend durchziehen, wie wohl selten. In Hambach bei Neu­stadt an der Haardt wurden zwet Pferde von einem solchen Hornissenschwarm überfallen und fast zu Tode gestochen. Die Gemeinde Mußbach hat nach dem Bericht Pfälzer Blätter auf die Zerstörung fedes Hornissen­und Wespennestes 40 Pfennig als Prets ausgesetzt. In der Umgebung von Bad Dürkheim können die Leute auf dem Felde kaum ihre Arbeit verrichten, so hausen

,, Mein lieber Baron," rief er, man hat mir von Ihrem Hiersetn berichtet, ich bin ganz untröstlich. Wie lange habe ich Ste warten lassen! Aber natürlich, ich konnte von Ihrem Besuche nichts ahnen und wenn auch, Se. Majestät hielt mich auf. Ste wissen, Se. Majestät tst sehr schweigsam, allein er liebt es, mich um sich zu haben."

Malzahn lächelte sarkastisch.

Man sagt, daß Ihre Gesellschaft dem König unent­behrlich ist, Sie haben sich ihm eben unentbehrlich zu machen verstanden. Nur wenigen Sterblichen gelingt es, sich ununterbrochen in den Strahlen königlicher Gunst sonnen zu dürfen, wie Ihnen, Erzellenz."

" Ich habe mein ganzes Leben damit zugebracht, um dies zu üben. Doch lassen wir das, ich sehe, daß sich meine Tochter wahrscheinlich bemüht hat, Sie zu unterhalten. Das ist vernünftig von Dir, mein Kind!" Die Komtesse war so gnädig", metnete Malzahn. Hoffentlich habe ich sie nicht allzu sehr ermüdet", ſette er leiser hinzu.

,, Ach was, ermüdet," meinte Brühl, der Tochter die Wangen streichelnd. Was fehlt denn den jungen Mädchen in den metsten Fällen? Liebespetn, nicht wahr? Der Ring am Finger tst das beste Heilmittel für solches Uebel, meinen Sie nicht auch, Herr Ba­ron?"

Der Baron aber meinte gar nichts. Er verabschte­dete sich nur ruhig von der Komtesse und folgte dem Grafen in dessen Arbeitszimer. Dort vertiefte man sich in eine längere Unterhaltung. Ms der preußtsche Ge­sandte das Brühlsche Palats verlteß, war es 12 Uhr.

Es war eine schöne milde Frühlingsnacht, von tausend Sternen erhellt. Als er jedoch durch die stillen Straßen ging, fröstelte thn ein wenig und er schlug den Mantel fester um die bretten Schultern. Seine Hellen Augen Blickten scharf vor sich hin. Es war fast, als fuchten sie etwas, was war das? Schatten, wohin er auch blickte

dort die Wespen. Im allgemeinen gelten Wespenjahre als gute Weinjahre.

Harte Strafe. Im Alter von 91 Jahren ist in Amerika ein gewisser Gilson Ruland gestorben, der wett über die Grenzen seines Heimatstädtchens hinaus in der Union einst eine gewiffe Berühmtheit erlangt hatte durch die ungewöhnliche Strafe, die er über seine Frau verhängt hatte. Kurz vor dem amerikanischen Bürger­friege hatte Ruland geheiratet; als die Feindseligkeiten begannen, meldete er sich sofort als Freiwilliger und tehrte 1865 aus dem Feldzua in seine Heimatstadt Batchogne zurütd. Er brach hier fast nieder, als er er­fahren mußte, daß seine Frau in der Zeit, da er mit dem Gewehr in der Hand sein Leben für das Vater­land einfegte, ihrem Gatten leichtfertig die Treue ge­brochen hatte. Mit der Kaltblütigkeit des Amerikaners raffte er sich schließlich zusammen und beschloß, seine Frau auf seine eigene Art für ihre Schamlosigkeit zu Strafen. Von dieser Stunde an hat er nicht ein einziges Wort mehr an die Frau gerichtet, die feinen Namen trug, und dieses Schweigen hat Gilson Ruland 40 Jahre lang aufrechterhalten. An sein Haus ließ er zwei Sim mer anbauen, die mit der Wohnung der Frau nicht in Verbindung standen; hier lebte er, und nie hat die Gattin diese Räume betreten dürfen. Alle Annähe­rungsversuche mies der in seinem Innersten verlegte Mann wortlos zurück, und auch als die Frau auf dem Totenbette log, bileb er seinem harten Vorsatze treu und öffnete nicht ein einziges Mal die Lippen...

Seimgefchickt. Im Miesbacher Anzeiger", der im Schlierseer Gebiet erscheint, fand sich dieser Tage fol­gende Anzeige: Gefunden. Jener ältere Herr, der feine Augen an den Hütten des Damenschwimmbades hängen ließ, wird ersucht dieselben baldigst abzuholen. Die Badeverwaltung."

Die Kino- Katastrophe im Amerika.

Durch die gänzlich unbegründete Feuerpanik, die am Sonnabendabend während einer Kinematographen vorstellung im Opernhause von Cannonsburgh bet Pittsburg ausbrach, sind, wie jetzt feststeht, unmittel­bar 29 Personen getötet und über 60 zum Tell schwer verletzt worden. Von den Schwerverletzten meist Frauen und Kinder, starben weitere sechs, so daß man jetzt im ganzen 35 Tote, darunter 27 Frauen und Kinder, zählt. Die Panik entstand infolge einer unbe­deutenden Explosion in der Kammer des Maschinisten. Es wurde Feueralarm gegeben, trotzdem nicht der ge= ringste Grund zu Befürchtungen vorhanden war. Die Flammen wurden sofort gelöscht und nur ein dichter Qualm drang aus der Kammer hervor. Die Zuschauer, zum weitaus größten Teile Frauen und Kinder, wur­den in eine derartige Aufregung versetzt, daß sie in wil­der Eile nach dem einzigen Ausgange des Saales drängten. Von rückwärts gestoßen, fielen zahlreiche Personen die stelle Treppe hinunter, und auf diese Per­fonen fielen dann weitere Zuschauer, sodaß in kurzer Beit der Ausgang versperrt war. Dret Meter hoch lagen die Menschenleiber aufeinan­bergeturm So groß war der Druck der Menschen­massen, daß sogar in der Menge, dte auf die Straße hinausgedrängt wurde, hin und wieder Men­fchen umfielen, die in dem Knäuel zu Tode gedrückt was ren. Die meisten der auf der Straße gefundenen Toten maren erstickt, vielen von ihnen waren Arme und Betne oder das Rückgrat gebrochen. Die Feuerwehr ellte fo= fort zu Hilfe. Ste mußte zuerst die Lebenden aus dem Saale auf die Straße bringen, ehe sie an die auf der Treppe angehäuften eng neben- und übereinander lie­Bewunderns= genden Toten gelangen konnte.

des wert benahnt sich die Klavierspielerin Theaters, die während der Banik einen langsamen Marsch spielte, wodurch schließlich ein Teil der Men­fchen beruhigt wurde und noch größeres Unglück ver­hittet wurde. Die Tatsache, daß das Theater im zweiten Stockwert Itegi und nur mittels einer einzigen schmalen Treppe zugänglich war, ist wohl der alleinige Grund, daß so viele Personen der Katastrophe zum Opfer ftelen. Die Explosion an sich war ganz unerheblich und hatte felbst den Maschinisten nicht gefährdet. Der Zwischenfall war jedoch von einem betrunkenen Bergarbet­ter bemerkt worden, der Feuer!" fchrte. Eine Beloh= nung von 2000. tft ausgesetzt worden fitr die Ermitte= lung des Menschen, der den Feueralarm gab.

Ein Lebenszeichen von Richter.

Bet den Angehörigen des Ingenieurs Richter ist gestern nachmittag ein Telegramm von Richter selbst eingetroffen, aus Cosana, 29. August, 11 Uhr 20 Minuten, datiert, in französischer Sprache abgefaßt und mit Edward unterzeichnet. Richter fragt darin nach dem Aufenthaltsort seiner Frau und erbittet Antwort an eine angegebene Adresse in Saloniti. Frau Richter hat gestern nach Saloniki telegraphiert und mitgeteilt, daß sich die Richtersche Familie wohl befinde. Er möge über seinen Aufenthalt schnell Nachricht geben. Die

Die Unterredung mit Brühl hatte nichts zutage ge= fördert, als was vorauszusehen gewesen. Es hatte sich um die Ernennung eines sächsischen Gesandten am preußischen Hofe gehandelt, einer Person, die dem Kö­nig Friedrich nicht genehm war. Da hatte Brühl auf Vorstellung des Herrn von Malzahn sich sofort berett erklärt, an Stelle des unltebsamen Diplomaten etnen anderen nach Berlin zu entfenden, femand, der dem König persönlich bekannt war. So war diese, preußt= schersetts vorgetragene Bitte freundschaftlich erledigt worden, und doch war Malzahn wenig befriedigt. Hin­ter Brühls Liebenswürdigkeit ahnte er Verstellung, die Freundlichkett erschten ihm unecht

Langsam wandelte er durch die stillen Straßen. Brühl will mich gewinnen", murmelte er, bte Sache mit der Tochter ist auffallend. Ein Mann wie er, und versucht, mtr sein Kind förmlich aufzudrängen, warum? Um meiner sicher zu sein, um mein Schweigen zu erkaufen? Denn hat er mich durch Beate an setn Haus geknüpft, tst er überzeugt, daß ich setne eventuel­len Geheimnisse nicht verraten werde. Er will nicht Beate Furcht vor mir haben, und sie,- fie,

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Malzahn dachte an ste, und ein wetcher Bug huschte über sein Gesicht. Sie war schön und jung, und das gestand er sich ein, während sich ein letser Seufzer über fetne Lippen stahl, fte Itebte thn, Itebte thn wirklich. Armes Kind, warum heißt Du Beate vonBrühl, warum bist du die Tochter deines Vaters? Man könnte dich Itebgewinnen, du füßes Kind

Die Sterne bltzten verhetßungsvoll, als wenn ste den himmlischen Frieden auf die Erde senden wollten.

Malzahn schaute hinauf. Ein eigentümliches Ge­fühl ergriff sein Herz. Wieder dachte er an die, an dte er nicht denken wollte. Doch genug davon! Und wie zur Bekräftigung warf er den Kopf in den Nacken. Men­schenleer waren die Straßen, dunkel die Häuser. Malzahns Augen flogen darüber hin. Da wurde er durch einen Lichtschein gefesselt.

Firma Carl Selß hat den deutschen Konful in Salonikt telegraphisch erfucht, Richter mitzuteilen, daß er von Mutter, Frau und Kind in Jena erwartet wird.

Auf besonderen telegraphisch ausgedrückten Wunsch Richters reiste ihm ein Inhaber der Firma Jenny Vod in Saloniki nach Karaferia entgegen und bringt Rich ters Handgepäck und seine Brieffchaften. Nach Richters Telegramm gedenkt er Mittwoch abend in Saloniki ein­zutreffen. Der Bosnier, welcher im Auftrag des deut­schen Konsuls Richter befreite, reiste ihm ebenfalls ent gegen, ebenso Journalisten und Photographen. Richter foll beabsichtigen, seine Erlebnisse zu veröffentlichen.

Wie verlautet, planen die Räuberhauptleute Loltos neuerdings die Entführung von Ingenieu­ren und zwar haben sie es auf französische Ingenieure abgesehen, die bei Brückenbauten in der Umgebung von Serfidiche arbeiten. Infolgedessen wurde die militä rische Bedeckung der Ingenieure verstärkt.

Heute meldet ein Telegramm über den Aufenthalt Richters:

Saloniki, 30. August. Ingenieur Richter ist heute vormittag in Ostrova angekommen. Da er dort einer Quarantäne von 24 Stunden unterworfen ist, fann seine Ankunft in Saloniti nicht vor morgen abend erfolgen.

Mar Schulz aus Frankfurt.

Ueber die Persönlichkeit des in Plymouth verhaf­teten angeblichen deutschen Spions Mar Schulz aus Frankfurt a. M., gegen den augenblicklich vom Gericht in Plymouth verhandelt wird, erfährt die" rfft. 3tg." von kompetenter Seite folgendes: Der angebliche Spion Mar Schulz ist niemals im Dienst der deutschen Re­gierung tätig gewesen; er war nie Oberleutnant der Reserve des 13. Husaren- Regiments und war über­haupt nie Soldat. Auch seine Behauptung, er sei Dr. phil., ist Schwindel. Schulz ist lediglich ein hoch= stapler, der stets großzügige Schwindelpläne aus­heckte. Er ist am 20. Juni 1880 in Frankfurt als der Sohn des verstorbenen Telegraphensekretärs Schulz ge= boren und absolvierte das Gymnasium. Einen be­stimmten Lebensunterhalt fann er nicht nachweisen; ein­mal wirkte er vorübergehend als Privatlehrer; im übrigen lebte er von Schwindeleien. Schulz tft wegen Betrugs und Diebstahls in Düsseldorf, Köln, Königswinter, Aachen und Antwerpen abgeurteilt. Seine letzte Strafe erhielt er in Aachen mit sechs Mo­naten. Im Jahre 1905 bis 1906 beging er hier Heirats­schwindeleien; ein Verfahren ist deshalb jedoch nicht an= gängig gemacht worden. Im Februar 1906 wurde Schulz einmal als geistesgestört der Jrrenanstalt über­wiesen, wo er bis Mai blieb. Von da ab ist Schulz aus Frankfurt verschwunden und hat sich nicht wieder sehen lassen.

Ueber die Verhandlung gegen Schulz meldet der Draht: London, 30. August. Die Verhandlungen gegen den angeblichen Spion Max Schulz vor dem Bolizeine­richt in Plymouth führten zur Ueberweisung des Be­schuldigten an das Geschworenengericht in Ereter. Schulz beteuerte seine Unschuld und behielt sich seine Rechtfertigung vor.

Drabtnachrichten und Deuestes.

Das Kaiserpaar in Pommern.

Stettin, 30. August. Der Kaiser und die Kat serin mit der Brinzessin Vittoria Luise sowie der Kron­prinz und Prinz Oskar sind heute vormittag 10 Uhr Im Automobil nach Stargard zur Weihe der neuen Marienkirche abgereist. In Altdamm fand eine Be­grüßung durch die städtischen Körperschaften statt. Die österreichischen Gäste bei den deutschen Flotten­manövern.

Wien, 30. August. Der Erzherzog- Thronfolger Franz Ferdinand reist am 4. September zu den deut­schen Flottenmanörern nach Stel und fehrt am 7. Sep­tember wieder zurück. In seiner Begleitung werden sich Marinekommandant Graf Montecuccoli und Vize admiral Haus befinden.

Brand einer französischen Eisenbahnwerkstätte. Paris, 30. August. In den Eisenbahnwerk­stätten zu Romilly brach gestern abend ein Brand aus. Das Gebäude brannte nieder mit den darin zur Aus= besserung befindlichen Eisenbahnwaggons.

Sturmverheerungen in Amerika.

Neuyort, 30. August. Das von einem furcht­baren Orfan betroffene Gebiet in Süd- Carolina zeigt ein Bild der Verwüstung. Ganze Häuser wurden fort­getragen. 3wischen vielen Orten ist die Verbindung noch nicht wieder hergestellt. Mehrere Schiffe werden vermißt. Sechs Torpedoboote sind gestrandet. In der Stadt Savannah tamen neun Menschen um. Der Scha­den wird auf 1% Millionen Dollar geschätzt.

In dem Eckhause, dort, wo die Rosmaringasse in die Schloßstraße einmündet, brannte Licht. Man sah es, obgleich die Läden vor dem Edfenster geschlossen waren. Aber der helle Schein brach zitternd durch die Spalten und lag auf den Steinen der Straße. Wer war der Einsame, der da noch wachte?

Da traf Malzahn den Nachtwächter, der, wohlbe­waffnet mit Bike und Horn, die Runde gemacht hatte und vom Altmartte tam.

" He, guter Freund", rtef er den Mann an, kann Er mir nicht sagen, wer dort wohnt?" Damit wies er auf das Haus, aus dessen Fenstern der Lichtschein auf die Straße ftel.

" Dort-"

Der Nachtwächter sah den Fremden, der noch um Mitternach die Gassen durchstreifte, fast mißtrauisch an. Erst als sich Malzahn zu erkennen aab und von Ge­schäften sprach, die ihn bis Hef in die Nacht hinein ge­fesselt, wurde er zugänglicher.

Wer dort wohnt, gnädiger Herr? Ich weiß nicht recht. Geben Sie mir die Bett, daß ich mich besinne. Halt, tch hab es jetzt," rtef er nach einer kurzen Pause. Dort oben wohnt der Kanzleisekretär Menzel."

Danke, danke, mein Freund," sagte Malzahn und steckte dem für das Wohl der Stadt Wachenden eine tletne Silberminze in die Hand. Dann schritt er feiner Wohnung zu.

Also Menzel," murmelte er. Und plötzlich war, thm, als habe er den Namen schon einmal gehört. Aber wo? Wo doch? Er sann und sann, allein er war müde, heute konnte er sich nicht mehr darauf befinnen...

( Fortsetzung folgt.)

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