Der Kaiser und die Pommern.
Brinz Eitel Friedrich Statthalter der Provinz.
Ein alter Wunsch der Pommern ist am Montag während des Verweilens Raiser Wilhelms in den Mauern Stettins in Erfüllung gegangen: ein Hohenzollernprinz wird in Bufunft als Statthalter von Bommern im alten Greifenschloß refidieren. Da der Kronprinz, einer älteren Bestimmung gemäß, nach Danzig- Langfuhr übersiedeln wird, so fiel die Wahl des Kaifers auf den Brinzen Eitel Friedrich. Der Kaiser gab die Ernennung des Brinzer zum Statthalter gestern abend gelegentlich der Festtafel für die Provinz Bommern in einer Rede fund, worin er u. a. ausführte:
fnd und daß die günstigen Aeußerungen deutscher Blätfer die Stimmung der amtlichen Streife in Berlin widerspiegeln. Jedenfalls erhofft man bereits von der ersten Unterredung zwischen tiderlen und Gambon eine entscheidende Wendung in dem Sinne, daß eine prinzipielle Verständigung in den großen Linten festgelegt wird.
Ordensauszeichnungen in großer Anzahl hat der Kaiser aus Anlaß seiner Anwesenheit in Hamburg und der Provinz Bommern verliehen, die gestern im Reichsanzeiger veröffentlicht wurden. Dem Reichstagspräsi denten Grafen Schwerin- Löwig wurde der Charakter als Wirklicher Geheimer Rat mit dem Prädikat Erzellenz, dem Abgeordneten Freiherrn v. Gamp( Reichspartei) der Stern zum Roten Adlerorden 2. Klasse mit Eichenlaub verliehen.
Groß ist der Fortschritt und die Entwickelung, die Stettin genommen hat als Hafenstadt, als Handelsstadt und als industrielle Stadt, und es gereicht mir zur Befriedigung, daß ich thr durch die Verbesserung der Seewege und den neuerdings stattfindenden Ausbau des Großschiffahrtsweges, der Stettin mit meiner Hauptstadt verbinden soll, habe entgegenkommen fönnen. Besondere aber möchte ich rühmend am heutigen Tage der pommerschen Landwirtschaft gedenken, zu der ich mich als Besitzer von Schmolsin doch auch rechnen kann. Sie hat mit der Anwendung aller mobernen Hilfsmittel rastlos vorwärts gestrebt und ist dadurch geradezu vorbildlich geworden für die Landwirtschaft des Königreichs Preußen. Einen Umstand möchte tch ganz besonders erwähnen, der heute wieder, als ich burch die Straßen von Stettin ritt, in Erscheinung trat: der Ausdruck der alten traditionellen Pommerntreue. Damit haben ihr die alten Häuptlinge und Herzöge jahrhundertelang mit ihren tapferen und von Liebe zur Heimatlichen Scholle erfüllten Leuten ihr schönes Land gegen den Ansturm mancher Völker bewahrt, die die Hand darauf legen wollten. Diese Gesinnungen sind in der Provinz noch lebendig, und ich weiß, daß ich auf sie bauen und auch in ernsten Zeiten mich auf sie verlassen kann. Um der Provinz einen neuen Ausdruck und Bewets dieser meiner Zunetgung zu geben, habe ich beschlossen, einem langjährigen Wunsche der Provinz zu entsprechen und die sett langer Zeit unbesetzte Stelle eines Statthalters wieder zu besetzen. Schon einmal hat ein Großmeister des Johanniterordens die Stelle innegehabt, zuletzt mein Hochseliger Bater. Ich ernenne hiermit meinen Sohn, den Prinzen Ettel Friedrich, zum Statthalter von Pommern. Mein Glas wethe ich dem Fortschritt, der Entwickelung und der Treue der Provinz.
von
Die Herbstmanöver der deutschen Hochseeflotte haben am Montag unter Führung des Admirals Holzendorff begonnen. Die Manöver finden hauptsächfich in der westlichen Ostsee und den dänischen Gewäs fern statt. Sie begannen mit einem Torpedobootsangriff. Am 5. September findet bekanntlich die Flottenparade vor dem Kaiser in der Kieler Bucht statt.
Nach Beendigung der Tafel unternahm das Kaiserpaar mit seinen Gäffen und den übrigen Fürstlichkeiten eine Dampferfahrt auf der Oder. Die Fahrt ging zunächst stromabwärts. Die Ufer und Hügel zu beiden Setten waren illumintert. Teerfackeln erleuchteten beide Ufer. Als der Dampfer wendete und stromaufwärts fuhr, begann ein prächtiges Feuerwerk. Die Ufer waren durch Buntfeuer erleuchtet, und fortwährend wechfelten alle nur erdenklichen Lichteffekte. Auch die Stadt batte allenthalben illumintert.
Rundschau vom Cage.
Politisches.
von
Bemerkenswerte Aussprüche des Königs Spanien meldet die Londoner" Daily Mail" aus Bilbao. Der König hatte an Bord seiner Jacht„ Giralda" den als scharfen Republikaner bekannten Präsidenten der Schüßengilde von Bilbao, Lind Rue, empfangen. Als die Umgebung des Königs ihn auf dessen republt= tanische Gesinnung aufmerksam machte, sagte der König:" Das geht mich nichts an, jeder möge denken, was er wolle." Als Rue an Bord der Jacht fam, wurde er vom König herzlich begrüßt. Der Monarch drückte thm die Hand und sagte: Jd freue mich außerordentlich, Sie hier zu sehen. Ihre politische Meinung fann tein Hindernis sein, daß ich Sie nicht wie jeden anderen, fa noch mit größerer Freundlichkeit empfange. Ich felbst bin Monarchist, weil ich eben als König geboren bin. Wer weiß, welche Meinung ich hätte, wenn es an= ders wäre, wer weiß auch überhaupt, ob wir nicht bald alle Republikaner sein müssen." Den persönlichen Freimut des Königs in Ehren, aber wenn die Geschichte sich wirklich so zugetragen und der König die vorstehenden Worte gesprochen hat, dürfte man seine Haltung vom staatsmännischen Standpunkt aus taum als einwandfrei oder flug erklären.
Kaiserrebe und Flottenverstärkung. In Beantwortung einer Anfrage des Berliner Korrespondenten der„ Daily Mail" über die Bedeutung der Hamburger Kaiserrede, sowett eine eventuelle neue Floftenvorlage in Frage käme, hat der Graßadmiral v. Köster als Präsident des Flottenvereins aus Riel folgendes telegraphiert: Die Hamburger Kaiserrede läßt meines Erachtens zunächst die Absicht der Einbringung einer über den Stand des Flottengesetzes hinausgehenden Flottenvorlage nicht zu. Dem Wunsche nationalgesinnter deutscher Männer dürfte es aber entsprechen, daß unsere Flotte zur Durchführung der ihr vom Kaiser gestellten Aufgaben genügend start set."
Reichstanzler von Bethmann Sollweg ist heute in Berlin eingetroffen. Sein Aufenthalt in Berlin ist, wie die„ Voss. 3tg." zu berichten weiß, nur auf wenige Tage bemessen und nicht lediglich durch die Marokkoverhandlungen veranlaßt, sondern gilt Besprechungen verschiedenster Art und der Erledigung einiger geschäftlichen Angelegenheiten. Selbstverständlich wird Herr von Bethmann Hollweg auch Gelegenheitt nehmen, sich mit dem Stand der deutsch- französischen Verhandlun gen zu befassen. Diese selbst aber wird Herr von Kiderfen dort wieder aufnehmen, wo sie unterbrochen worden find.
Die Wiederaufnahme der deutsch- franzöfifchen Mas roffoverhandlungen wird in Paris andauernd optimistisch betrachtet. Man glaubt, daß die französischen Vorschläge der deutschen Reichsregierung bereits bekannt
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Wefferwolken.
Roman von M. v. Buch.
Das Hausgefek der Romanows. Durch eine Abänderung des§ 188 der Statuten des russischen Kaiserhauses wird bestimmt, daß fortan fein Großfürst und feine Großfürstin mit einer Person, die feinem regierenden oder standesherrlichen Hause angehört, die Ehe eingehen darf.
Kleine Nachrichten.
Die Offiziere des„ Eber" beim Khalifen. Am 24. August hatten sich einige Offiziere des deutschen Kanonenboots Eber" zu einem Besuch des Khalifats nach Agadir begeben. Dort wurden ste vom Khalifen in sehr zuvorkommender Weise aufgenommen. Er ließ ste dte Ritadelle und die Stadt besichtigen.
( Nachdruck verboten.) Beate sptelte. Unter ihren weißen Händen perlten die Melodien, sangen die Töne. Eine Stunde mochte verronnen sein, die zwette beganu. Noch immer mustaterte sie.
Aus den Gerichtssälen.
Müffen Milchkannen geeicht sein? Mit einer prin zipiellen Frage batte sich die Frankfurter Straffammer zu befaffen. Die Frankfurter Milchhändler batten sich beim Polizeipräsidium beschwert, weil die Milchkannen der Landwirte vielfach verbeult feien und sie oft nicht das richtige Maß an Milch geliefert erhalten, sondern bis zu einem Liter weniger. Der Landwirt Reiß in Södel bei Friedberg( Oberheffen) erhielt hierauf eine Strafverfügung, weil er beim Verkauf von Milch ein ungeeichtes Maß benutzt hat. Eine 20 Literkanne soll einen halben Liter zu wenig gefaßt haben. Nach§ 369,2 des Strafgesetzbuches werden Gewerbetreibende, bei denen zum Gebrauch in ihrem Gewerbe geeignete, mit dem gefeßlichen Eichstempel nicht versehene oder unrichtige Maße vorgefunden werden, oder welche sich einer an deren Verlegung der Vorschriften über die Maß- und Gewichtspolizei schuldig machen, mit Geldstrafe bestraft. Reiz beantragte richterliche Entscheidung gegen die po lizeiliche Strafverfügung. Er behauptet, fein Gewerbetreibender zu sein, da er nicht Milch auffaufe, sondern nur seine eigene im Landwirtschaftsbetrieb erzeugte Milch nach Frankfurt an seine Abnehmer liefere. Das Schöffengericht ließ sich auf die Entscheidung dieser für alle Landwirte interessanten Frage nicht ein. Es er fannte schon deshalb auf Freisprechung, weil die Kannen nicht dem öffentlichen Verkehr, sondern nur dem Transport zwischen dem Landwirt und seinen Lieferan ten dienen. Die Kannen brauchen daher nicht geeicht zu sein. Die Straffammer verwarf die Berufung der Staatsanwaltschaft.
Die Milchzufuhren nach Berlin haben weiter abgenommen, so daß es den Milchhändlern sehr schwer fällt, thre Kundschaft zu befriedigen. Große Mengen Milch tommen jetzt schon abgefocht hier an und finden schlanken Absatz.
Plötzlich Horchte sie auf. Es war, als habe nebenan eine Tür geklinkt, oder hatte sie sich getäuscht?
Der feltene Fall, daß eine Fahril anf behördliche Anordnung stillgelegt wird, ist in Neurode in Schlesien zu verzeichnen. Dort wird am 1. September die Glasfabrik Schlegel auf Anordnung der kgl. Gewerbeinspektion stillgelegt, da die Arbeitsräume den gesetzlichen Anforderungen nicht entsprechen. Allerdings werden dadurch über 100 Arbeiter brotlos.
Sie nahm die Hände von den Tasten, alles blieb still. Sie spielte weiter oder vielmehr, sie wollte es tun. Plötzlich hielt sie von neuem ein. Sie fühlte, daß da drinnen im Kabinett ihrer Mutter jemand wellte, der thr lausche, und sowie sie wußte, daß man sie belauschte, wurde sie bedrückt und unsicher.
Die Jathospende hat dem Vernehmen nach 240,000 Mark ergeben. Die Zinsen des Kapitals werden dem Pfarrer Jatho zur Verfügung gestellt werden.
Rasch erhob sie sich und ging ins Nebenzimmer. Ihre Ahnung batte sie nicht betrogen. Mitten auf dem fostbaren Smyrnateppich im Hellen Lichtscheine sah sie eine elegante, schlanke Männergestalt Das war der, den sie am wenigsten hier vermutet hätte, Baron Bodo von Malzahn...
Unwillkürlich ließ sie einen Laut der Ueberraschung hören. Ste stieß einen leichten Schret aus.
Einen Mordverfach an einen Arzt unternahm in Königsludwig bet Recklinghausen der Bergmann Matttowiat. Er bestellte den Arzt Dr. Feldmann zum Besuche eines franken Kindes in seine Wohnung. Beim Betreten des 3immers ftel Mattkowiak über ihn her und schlug ihn mit einer schweren Eisenstange nieder. Dann warf er den Bewußtlosen die Treppe hinunter, wo er schwer verletzt aufgefunden wurde. Mattfowiak, der die Tat aus Wut darüber begangen hatte, daß der Arzt ihn nach mehrwöchigem Serantsein gesund geschrteben hatte, wurde verhaftet.
Malzahn verneigte sich tief; da als er bemerkte, daß er die junge Dame erschreckt hatte, griff er unwill fitrlich, wie um sie zu stitzen, nach ihrer Hand.
" Berzeihung, Komtesse," bat er. Ich habe Sie erschreckt, und das ist meine Schuld, meine ganz allein. Ich tomme als ungebetener Gast."
" Nicht doch." Ste lächelte.„ Der Empfangssalon meiner Mutter ist neutraler Boden und jedem Besucher unseres Hauses zugänglich."
Ein gefährliches Spielzeug. Vier junge Burschen in Bitburg bei Trier spielten mit einer Pistole. Einer von ihnen wurde in den Kopf geschossen, worauf die anderen die Flucht ergriffen. Der Getroffene starb in dem Straßengraben.
" Der Lakat wollte mich melden," fiel Malzahn ein, tch befahl ihm, es nicht zu tun; warum? Weil ich Ihr Klavierspiel vernahm, Komtesse, tch wollte Ste belauschen. Ich hatte ja keine Idee, was für eine Künstlerin
Vermischtes.
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Die Zarenfamilie in der Sommerfrische. Seit einer Reihe von Jahren verlebt der gar mit seiner Familie die Sommermonate auf seiner Jacht in den finnischen Gewässern. Die Reede, in der die fatferliche Jacht " Standart" vor Anker liegt, ist von Norden her durch das Festland geschützt, von der Seefeite umgibt sie eine Gruppe von bewaldeten und Hügeligen Infelchen, die Schären, in malerischem Kranz. Der Ankerplatz, der wegen seiner geschützten Lage einem stillen See gleicht, 1st vom Kaiser selbst ausgesucht worden. In dieser Abgeschiedenheit erholt sich der Herrscher im engsten Fa milientreise. Bet günstiger Witterung wird ein großer Teil des Tages dem Wassersport gewidmet. Der Bar ist ein leidenschaftlicher Seemann. Täglich rudert er ganz allein ins offene Meer hinaus oder unternimmt größere Fahrten im Segelboot. Zu Lande ist er ein äußerst rüstiger Wandersmann; unermüdlich durchstreift er die Umgebungen. Die jungen Großfür stinnen beteiligen sich an vielen Ausflügen, während der Thronfolger auf der Insel Kavon- Saari bleibt. Dort ist für ihn eine kleine Festung hergerichtet worden, in der er unter ständiger Aufsicht eines zuverlässigen Matrosen allerlei Kriegsspiele treibt.
Ein russischer Polizeimeister als Doppelmörder. Russischen Blättern zufolge hat der Polizeimeister von Uralst, Ltrofin, zwei Kaufleute erschossen, weil diese ihn wegen Bestechlichkeit angezeigt hatten. Liwkin, der sofort setnes Amtes enthoben wurde, erklärte, so vorgegangen zu sein, weil er sich in seiner Ehre verletzt fühlte.
Sie find," fuhr er ganz erregt fort. Von nun an werde ich Sie bitten, mir öfter diesen Genuß zu verschaffen und mir vorzuspielen. Finden Sie das sehr anmaßend von mir?"
Massenerkrankungen an Blinddarmentzündung. Der Landrat des Obertaunuskreises, Dr. Ritter von Marr, erläßt eine Bekanntmachung, in der er auf die in den letzten Tagen in auffallender Weise zunehmen den Erkrankungen an Blinddarmentzündung hinweist und auf die Gefahren aufmerksam macht, die bei großer Hizze durch den Genuß falter und besonders nicht ein wandfreier Getränke entstehen. Er ersucht die Eltern, die Kinder vor dem Genuß solcher Getränke zu warnen. Auch auf die Auswahl der Nahrung set größte Sorgfalt zu verwenden und besonders der Genuß unverdaulicher oder verdorbener Nahrungsmittel zu vermeiden. Jede Verdauungsstörung erfordere schleunige Abhilfe. Hierzu wird bekannt, daß die Blinddarmentzündungen hauptsächlich auf dem Lande vorgekommen sind, während in den Städten des Kreises derartige Erfrankungen nicht häufiger vorfamen wie sonst.
„ Von nun an?" wiederholte Beate. Ihre feinen Nasenflüge bebten, thre Lippen zitterten. Wie eigentümlich mir das Wort in den Ohren klingt," fuhr sie nachdenklich fort, als ich vorhin die Treppen heraufstieg. hatte ich eine ganz wunderliche Empfindung, die ich Ihnen nicht beschreiben kann, mir war, als wäre alles in schwankender, zitternder Bewegung, als bebte der Boden unter meinen Füßen, als müsse alles vergehen, versinken, ich mit..
" Komtesse Beate," rief Malzahn. Noch nie hatte er sie mit Vornamen genannt. Dabei sah er sie unver wandt an. Wie schön sie war in ihrer zarten Jugend, in dem hellen Kleide bei dem unsicheren Kerzenscheine, das den Glanz ihrer Farben und ihrer Augen hob. Noch nie hatte er ihre Schönbelt so empfunden wie heute. Endlich nahm er die Blicke von thr.
Er suchte ihr, wie er meinte, frankhaftes Empfinden auf ihren förperlichen Zustand zu schieben. Ste schüttelte den dunklen Kopf.
„ Lassen wir das, ich will Ihnen nicht Unbehagen einflößen; lieben Sie Musik?"
,, leber alles in der Welt," ried Malzahn, froh, die Unterhaltung in ein harmloseres Fahrwasser zu lenken. „ Spielen Sie weiter, ich bitte Sie darum."
Die Kosten der Refordreise um die Welt. In genau 39 Tagen 19 Stunden 43 Minuten 37, Sefunden hat der Redakteur des Pariser Blattes„ Excelsior" Schmidt seine Reise um die Erde zurückgelegt. Die Kosten betrugen: Billett Paris bis Paris 2880 Francs, Supple ment für Schiff 180 Francs, Trinkgelder und sonstiges 3000 Francs, so daß die Kosten an sich etwas über 6000 France ausmachen. Die Telegrammtosten natürlich nicht gerechnet.
Das Paar ging in das Musikzimmer. Beate IteB sich wieder in den Sessel sinken und griff von neuem in die Tasten. Süße Melodien rauschten und sangen, denen der junge Mann, der unweit der Spielerin auf einem niedrigen Taburett saß, entailet Tauschte.
Ein Brinzessinnenschicksal. Die Tochter des verstorbenen spanischen Thronprätendenten Don Carlos, die Prinzessin Margarita de Bourbon, hat sich jetzt nach jahrelangen abenteuerlichen Fahrten in Rio de Ja neiro nach Europa eingeschifft, um dauernd ihren Aufenthalt in Desterreich zu nehmen. Die von ihrem Vater verstoßene und enterbte Prinzessin war seinerzeit mit dem spanischen Stierfechter El Gardenero nach Buenos Aires geflüchtet, wo sie ins Elend geriet. Zulegt war fie Artistin eines Wanderzirfus in der argentinischen Provinz Tucuman. Ihr Liebhaber, der einft berühmte Torero, hatte sich bald nach der Anfunft in Argentinien dem Trunke ergeben und sie verlassen. Schließlich war er immer tiefer aefunfen, und ein eigenartiges dramatisches Geschick wollte es, daß er in der Trunkenheit den
Als Beate mit einem brausenden Akkord schloß, sprang Bodo auf, um ihr in stummer Huldigung die Finger zu küssen.
Das war eine Liebkosung, die er bisher noch nicht
gewagt, und bei der Beate dunkelrot wurde. Nun fam thr wohl auch das Eigentümliche der Situation zum Bewußtsein. Sie, ein junges Mädchen, saß in vorgerückter Nachtstunde mit einem jungen Mann allein im Zimmer. Unwillkürlich sah sie fragend zu ihm auf, und er schien die stumme Bitte, die in den dunklen Sternen Tag, sofort zu verstehen.
" Meine Anwesenheit kommt Ihnen eigentümlich vor, Komtesse, lassen Sie sich erklären. Ich erhielt Depeschen von meinem Hofe, die mich zwangen, eine Unterredung mit Ihrem Herrn Vater nachzusuchen. Als ich hierher eilte, fand ich Se. Erzellenz nicht zu Hause. Er ist ins Schloß befohlen, allein man foot mir. er befände sich dort bereits seit Stunden und könne jeden Augenblick zurückkommen. Der Lakat führte mich in den Empfangsraum, dort hörte ich Sie spielen, nun, das übrige wissen Sie. Ich danke Ihnen, daß Sie mir in so liebenswürdiger Weise Gesellschaft geleistet haben." Ihre Augen blickten ihn wie verklärt an. Sie sagten ihm abermals ohne Worte, daß sie dies gern, ach allzu gern getan habe. Bodo von Malzahn erschraf vor diefer stummen Kunde. Er wollte, er durfte sie nicht hören. Er durfte der weichen Regung seines Herzens nicht Folge leisten. Warum hieß sie Beate von Brühl? Warum war sie die Tochter ihres Vaters?
Auch sie schaute ihn an mit einem so fummervollen, tränenschweren Blick, daß es ihn in tiefer Seele ergriff. Da sprang er plötzlich vom Taburett auf. " Ich will Sie nicht länger aufhalten, Ihren Herrn Bater muß ich dann morgen früh zu sprechen suchen. Gute Nacht, Komtesse, schlafen Sie schön und nochmals vielen Dank!"
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" Gute Nacht," fam es wie ein Hauch aus threm Munde. Da wurde die Tür zum Nebenzimmer plößlich aufgerissen, Seine Exzellenz, der Herr Graf Brühl erschien. Als er den preußischen Gesandten im Tete- a- tete mit seiner Tochter erblickte, schien er ein wenig verwun dert, jedoch ebenso erfreut als verwundert.
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