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ten 866, Beitragserstattungen 546 Mart. Von 1000 Mart Rentenzahlungen famen auf das Retch 320, das Gemeinvermögen 466, die Sondervermögen 214. Die Bettragseinnahmen beltefen sich im Jahre 1910 auf etwas über 197 Millionen. Sie sind im letzten Jahre allein um fast 9 Millionen gestiegen.

Wissenschaft, Kunst und Litteratur.

Im Schillerhaus zu Gohlis bet Leipzig, wo Schil­ler im Jahre 1785 als Gast des Buchhändlers Göschen wohnte, an" Don Carles" arbettete und das Lied an dte Freude" dichtete, soll der Zustand, in dem es sich zu Schillers Bett befand, wieder hergestellt werden. Die niedrigen 8immer des Obergeschoffes, in denen Schtl­Jer wohnte, werden genau wie zu Schillers Betten, zum Letl noch mit den von Schiller selbst benutzten Möbeln, ausgestattet werden.

Vermischtes.

Die Entwicklung der Deutschen Turnerschaft tst dauernd tm Fortschreiten begriffen, wie aus dem auf dem 15. Deutschen Turntage in Dresden erstatteten Jahresbericht hervorgeht. Nach einer Zunahme von fast v. H. in einem Jahre ist die Bahl der Vereine am 1. Januar 1911 auf 9691 gestiegen, und die Mitglieder­zahl bei einer Zunahme von über 6. v. H. auf 1 360 009. Frauenabteilungen gibt es in 1690 Vereinen mit 58 477 Mitgliedern. 859 Turnhallen sind aus eigener Kraft ges fchaffen worden. Die Zunahme der Böglinge hat 7 b. H. betragen. 8um Reichsheere hat die deutsche Turnerschaft 35 912 Jünglinge gestellt. Auf dem Turn­tage beantragte der Vorsitzende Dr. Goeg die Aufnahme der Frauenturnvereine in die Deutsche Tur nerschaft, da die Stellung der Frau im öffentlichen Leben eine Gleichstellung mit den Männern gerecht­fertigt erscheinen lasse. Verschiedene Redner fürchteten, daß durch die Aufnahme der Frauenvereine 3wisttg­feiten entstehen würden. Dem wurden die Erfahrungen, die man in Berlin gemacht hatte, gegenübergestellt. Auch dort bestanden noch vor einigen Jahren Beden­fen, daß die Frauenrechtlerinnen in die Turnvereine eindringen und dort wühlen würden. Das ist aber nicht eingetreten, und so haben die Berliner Turner thren Widerspruch gegen die Aufnahme von Frauen­turnvereinen längst zuritckgezogen. Der Antrag Goetz wurde angenommen. Ferner wurden die Vereine mit Frauen- und Mädchenabteilungen berechtigt, durch Bahlung der vollen Gau-, Krets- und Turnerschafts­feuer für thre Turnerinnen über 17 Jahre die Zahl hrer steuernden Mitglieder zu erhöhen. Die attive Beteiligung der Frauen an den in der Deutschen Turnerschaft bestehenden Turnfesten wurde abhängig gemacht von dem in den Kretsen und Gauen der Deut­schen Turnerschaft bestehenden Bestimmungen.

Ueber das Verhalten des Lokomotivführers Platten vor dem Müllheimer Eisenbahnunglück wird jetzt nach einer Meldung der Franks. 3tg." aus Karlsruhe ver­schiedenes bekannt, was die nachsichtige Beurteilung, die man trotz der schweren Katastrophe wohl allgemein für den Mann bereit hatte, erheblich dämpft. Blatten hat gestanden, daß er die Ruhestunden vor Antritt set­nes Dienstes zur Führung des Basel- Frankfurter Früh­zuges nicht zur Ruhe benutzt, sondern in einer spant­schen Weinstube gezecht und dann der dursterregenden Wirkung des bet der size doppelt gefährlichen Süd­weins durch weitere altoholtfche Getränke zu begegnen gesucht hat so daß er sich schließlich auf der Maschine in einem schlafähnlichen Bustände befand. Platten war audem schon vor Jahren einmal nach einem Alkohol­erzeß sehr unvernünftig mit einer Lokomotive umge­gangen und deswegen ganz vom Führerdienst enthoben worden, bis man schließlich seinen Bitten nachgab und thn doch wieder verwendete. Leider haben nun für die an sich schöne menschliche Ritchficht, die dem Einzelnen gewährt wurde, viele Unschuldige bißen müssen.- Die Reiche der unbekannt beerdigten raut tft tett feſtge­stellt. Es handelt sich um die 24jährige Marte Bohnet aus rotenhaus in Witrttemberg. Sie ist am 17. Jult aus ihrer Stellung in Basel ausgetreten und hatte die Heimreise angetreten. Durch einen Koffer, den sie in einem Heim in Basel zurückließ, fah man sich veran­laßt, nach ihr zu forschen, und es stellte sich heraus, daß fte den verunglückten Zug benutzt hatte.

Ein fugendlicher Berliner Ausreißer ist in Ebers­walde aufgegriffen worden. Bahnbeamte fanden ge­sternt frith hinter dem Dienstgebäude auf einem Stuhl figend einen tungen Burschen, der fest schlief. Der Junge aab an, daß er der 15jährige Sohn Oskar eines im Osten Berlins wohnenden Schloffermeisters set und fich auf einer Reise um die Welt" befinde. Bet dem Weltreifenden wurde ein ganzes Paket von Schund­romanen aller Art. wie Der König der Partier Apa­chen"," Texas Jack" usw. gefunden, deren Lektüre den Knaben zweifellos zu feinem Unternehmen angeregt hat. Das Reisegeld hatte er sich dadurch verschafft, daß er sich von der Barschaft seines Vaters einen Betrag von 26 Mark anetanete. Der funne Weltretsende wurde von seinem inzwischen benachrichtigten Vater abgeholt, nachdem thm an Ort und Stelle eine ordentliche Tracht Prügel verabreicht worden war.

Der Roman der Tochter des Kronprinzen von Defterreich. In Montreal erregt ein Fall großes Auf­sehen, in dem eine funge Dame verwickelt ist, dte be­hauptet, eine natürliche Tochter des Kronprinzen Ru­dolf von Desterreich zu sein. Die Dante. die eine große Schönheit sein soll, erklärt, daß sie nach der bekannten Katastrophe im Auftrage der österreichischen Regterung nach Amerika gesandt set. Ein Priester hatte sie beglet­tet, wäre aber dann mit dem für sie bestimmten Gelde verschwunden. Sie selbst nannte sich Alma Vetsera und heiratete endlich einen Makler in Toronto, namens Hayne, mit dem sie zusammen nach Desterreich fuhr, um als Tochter des Kronprinzen anerkannt zu wer­den. As thr dies nicht gelang, kehrten die beiden nach Kanada zurück. Nach der Geburt eines Kindes ver­liebte sich ein junger Herr aus Montreal, J. B. Mc Dougald, in die Mrs. Hayne, und infolgedessen wurden von beiden Seiten Scheidungsprozesse eingeleitet. Während der Prozesse erschien der Vater des jungen Mc Dougald und sperrte seinen Jungen in eine Ner­venhetianstalt in Montreal ein. Die Versuche Mrs. Haynes, ihn zu befreien, mißlangen. Der Fall erregt das größte Aufsehen infolge der angeblichen Alma Vet­fera. Ueber thr eigentliches Vorleben ist nichts Ge­wisses bekannt.

Gin gefährlicher Weichensteller. Der in Barentin bet Rouen( Nordfrankreich) gestern verhaftete Weichen­fteller Logoas erklärte dem suchungsrichter, der thn ausfragte, er habe lezzthin die Scheibe der Sig­nallaterne der genannten Station selbst entfernt, um nachher diese Tats selbst entdecken(!) und den Behör­den anzeigen zu können. Er glaubte so, das Ver­trauen und die Anerkennung fetner Vorgesetzten er­werben und ein Anrecht auf Beförderung erlangen zu tönnen. Vor kurzem habe er( Logoas) um Versehung auf einen anderen Posten gebeten, und diese Vergün­ftigung hoffte er durch seinen Pflichtetfer erlangen zu können. Logoas wurde tns Untersuchungsgefängnis ab­geführt.

Ein Lebensabend auf dem Wasser. Am legten Sonntag hat sich der greife Erfinder der bekannten amerikanischen Hammond- Schreibmaschine, der 73jäh= rige Millionär James B. Hammond in Neuvork auf feiner neuen, besonders konstruierten Jacht eingeschifft mit dem Vorsaße, die Planken des Fahr­zeuges 27 Jahre lang nicht mehr zu verlassen. Ich gehe auf eine 27jährige Kreuzfahrt," so erklärte der alte Erfinder lächelnd am Hafen den Interviewern, denn ich hoffe hundert Jahre alt zu werden. Erst dann will ich wieder dte Riste betreten und der amerikanischen Regierung mein Schiff vermachen als ein Meistermo­dell eines Seebootes aus dem 20. Jahrhundert." Ham­monds Jacht ist in der Tat ein Meisterwerk des Lurus; das Fahrzeug ist im ganzen 31 Meter lang, verfügt über Segeleinrichtung und eine eingebaute Maschine, die der Jacht eine Höchstgeschwindigkeit von fünfzehn Seemetlen tit ber Stunde verleihen kann. Der greise Millionär ging mit einem Aquarium von Goldfischen, einem preisgekrönten Forterrier, etnem Bullterrier und einer ganzen Nethe von Kanartenvögeln an Bord. Ein Maffeur, etne krantenwärterin, ein Sekretär und ein Technifer für drahtlose Telegraphie bilden das Ge­folge. Hammond ist in den letzten Jahren in Amerita pielfach durch fetne exzentrischen Neigungen aufgefal­len. Vor einigen Jahren war auch ein Verfahren auf Entmündigung gegen ihn eingeleitet, weil er nicht mehr fmftande fein sollte, feine eigenen Geschäfte zu führen. Aber der alte Erfinder hat ben Prozeß fiegreich durch= gekämpft und fucht fett also auf den Wellen des Dze= ans einen friedlichen Lebensabend.

Der Millionär als Baufenschläger. In Neuyork tst gestern plötzlich einer der reichsten Bierbrauer, St­mon Bernheimer, gestorben, und zwar mit dem- Pau­tenschlägel in der Hand. Bernheimer hinterläßt achtzig Millionen Mart. Er hatte etne seltsame Vorliebe für bte große Baufe, und um dieser zu frönen, unterhielt er sett langer Bett eine eigene Kapelle, dte tým 80 000 Mart im Jahre kostete, und bet deren Konzerten er als Baufenschläger auftrat. Vor einigen Tagen spielte diese Kapelle die Ouverture zu einer Wagner- Oper. Bern= heimer strengte sich gerade mächtig mit dem Pauken­fchlägel an, als ein Herzschlag seinem Leben mitten während des Spieles ein Ende machte. Er war 60 Jah­re alt und unverheiratet. Mehrere setner Erben leben in Deutschland.

Das fühle Warenhans. Eine Einrichtung, von der man, besonders bet der augenblicklich herrschenden, drückenden Size, wünschen möchte, daß sie auch in Deutschland Nachahmung fände, befindet sich, wie die " Textil- Woche" mitteilt, in etnem Warenhaus in Vir­ginten( Vereinigte Staaten), und zwar handelt es sich um eine ausgedehnte Kaltluftanlage, ote das ganze rte­fige Haus in allen seinen Etagen und Räumen mit tal­ter Luft versorgt, so daß ble Temperatur in ihm be­trächtlich fühler und daher angenehmer ist als die auf der Straße. Die Neuerung hat sich sofort bewährt, denn niemand will sich dieses Keiththaus" entgehen lassen, und von der Stille, die sonst während der Sommer­zett in thm herrschte, ist jetzt nichts mehr zu spüren.

Zwet Millionen Francs aus Stolz zurückgewiesen. Von einer sonderbaren Erbschaftszurückweisung wird aus Parts geschrieben: Vor etiva 10 Jahren bewarb sich ett funger Arzt um die Hand feiner Kousine, der Tochter eines sehr wohlhabenden Mannes. Der Vater des jungen Mädchens willtate in diese Heirat nicht ein, und es blieb der Tochter nichts anderes übrig, als sich dem Wunsche des Vaters zu fügen und eine Geschäfts­freund zum Gatten zu erwählen. Der funge Doktor Meunter war ebenso empört über die Särte des Va­ters, wie über die mangelnde Standhaftigkeit seiner Base und zog sich ganz von dem Verkehr mit seinen einzigen und nächsten Anverwandten zurück. Er war nicht wenig erstaunt, als thm vor einigen Tage die Nach­richt zuging, daß er der Erbe von 2 Millionen Francs fet, eine Summe, welche sein Onkel ihm vermacht hatte. Den alten Herrn hatte anscheinend noch nachträglich die Reue gepackt, daß er in diese Heirat nicht einmilltate, zumal die Ehe setner Tochter mit feinem Geschäfts­freunde höchst unglücklich geworden und nach einem Jahre wieder geschieden wurde. Wohl gleichsam als Entschädigung hatte er seinem Neffen die Summe ver­macht. Dieser aber, der inzwischen ein bekannten und ge­fuchter Arzt geworden ist, weigerte sich, die Erbschaft anzunehmen. Er wtes fte energisch zurück und erklärte, daß er aus der Hand dieses Mannes, selbst nach setnem Tode, nichts entgegennehmen möchte, well der Stolz thm das verbtete.

Eine neue Bekanntmachung über die langen Sutna­deln hat der Berliner Voltaetpräsident von Jagow er­lassen, nachdem fein erster Appell on die Trägerinnen dieser gefährlichen Hutbefestigungsmittel nicht ganz den erhofften Erfolg erztelt hat. In der Bekanntmachung Hetßt es: Da die in den Bettungen ergangenen, auch in den Wagen der öffentlichen Verkehrsanstalfen ange= schlagenen Aufforderungen an die Damen, nicht lang­porstehende Hutnadeln zu tragen, btsher" httcht immer Hinreichend beachtet worden sind, fehe ich mich veranlaßt, darauf hinzuweisen, daß nach den§§ 230,231 des Straf­gesetzbuchs fahrläfftae Körperverlegungen, wie sie durch das Tragen derarttger Nadeln verursacht werden tönnen, mit Geldstrafe bis zu 900 Mark oder mit Ge­fängnis bis zu zwet Jahren bestraft werden, und daß neben der Strafe auf eine an den Verletzten zu erle­gende Buße bts Aut 6000 Mark erkannt werden kann." Hoffentlich verfehlt die erneute und in ernsterem Tone gehaltene Warnung des Herrn von Jagow nicht thre Wirkung.

Ein guter Rat. In einem Orte der Umgegend von Bonn bedurfte temand etnes Urlaubsgefuchs zwecks Teilnahme an einem Begräbnts. Der zuständige Bür­germeister genehmigte das Gefuch, fonnte aber nicht um­hin, folgenden Vermerk zu schreiben: Für die Folge wollen Ste derartige Gesuche mindestens 3 Tage vorher zur Genehmigung einreichen."

Die Kalshaare.( In Banern.) Fremder: So etne Bauer: Dös will Kalbshare gibt wohl viel aus?" t moana. Bal mtr a Haus oane ham, frteg f' t' erfcht, bann met Alte, nacha d' Magd und z'lezt der Hund!"

Der Hamburger Elbtunnel.

Ein Wunder der Technik.

rige Leute unter der Erde tätig, um die fetzten Arbetten auszuführen und die Wagen- und Personenaufaitge auf ihre Leistungsfähigkeit zu prüfen. Diese Aufzitge haben bei ihrer Herstellung besondere Anstrengungen und Mühen verursacht. In den beiden Einfahrtschach ten auf dem rechten und dem linken Elbufer stehen fe vier Aufzüge für den Wagenverkehr, und je awet wet tere Aufzitge fitr die Personenbeförderung zur Verfit gung. Jeder Personenaufzug bat Raum für 30 Per fonen, es können jedoch nach Bedürfnis auch einzelne Personen befördert werden. Von den vier Lastenauf aftgen find je zwei für die zwei größten vorkommenden Wagen und eine Tragkraft von 10 000 kilogramm und zwei weitere fitr 6000 Kilogramm Höchstbelastung be rechnet. In den Zeiten des Haupt- Arbeiterverkehrs sol­len auch die Lastenaufzüge mit zur Personenbeförderung herangezogen werden. Diese können jeweilig 135 oder 80 Personen cinchen, sodaß, wenn alle Aufzüge für eine Richtung beng Bt wirden, es möglich ist, 7000 Per fonen in einer balbe Stunde zu befördern.

Der Bau des Hamburger Elbtunnels, etnes her=. vorragenden Werkes deutscher Ingenieurfunst, ist nun­mehr so gut wie vollendet. Bet seinem letzten Besuche hat Katser Wilhelm, so wird der Straßb. Post" aus Hamburg geschrieben, den Tunnel besichtigt, vor went­gen Tagen haben Senat und Bürgerschaft ihn in Augen­fchein genommen und binnen kurzem wird er dem öf­fentlichen Verkehr übergeben werden.

Am 22. Jult 1907 ist der erste Spatenstich zu dem Tunnel geschehen, am 29. März 1910 fand der Durch­schlag des östlichen, am 4. Junt 1910 derjenige des west­lichen Tunnelstollens statt. Damit war der Tunnel im Rohbau fertiggestellt. Seit dieser Zeit ist an der Innen­einrichtung des 426% Meter langen Tunnels sowie an dem Ausbau der diese abschließenden imporanten Ein­fahrtsstollen gearbeitet worden. Gegenwärttg find noch einige Hundert den verschiedensten Betrieben angehö­

Der Höhenunterschied von 23,5 Meter, der zwischen dem Straßenpflaier und dem des Tunnelrohres be steht, wird von den Aufaitgen je nach ihrer Größe bet benkbar sicherstem Betrieb in 35, 30 und 25 Sekunden durchfahren. Alle Aufzüge sind mit mehrfachen Sicher­hettsvorrichtungen ausgerüstet, sodaß bei Seilstreckung, zu schnellem Fahren, Ueberfahren der Endstellungen oder Stromunterbrechungen in fitrzester Zeit der Aufs aug sanft, ohne Ruck und Sloß, stillgesetzt wird. Ves triebsunfälle erscheinen so gut wote ausgeschlossen. Der elektrische Strom fitr die Tunnelanlagen wird aus einem in der Nähe für diesen Zweck bjonders errichte ten staatlichen Kraftwerk geliefert. Beim Bau der reich­Itch eine Million fostenden Maschinenanlage ist etira eine Million Kilogramm Eisen verwendet worden; das Gesamtquantum des für die Tunnelröhren benutztent Eisens beläuft sich auf 7 Millionen Kilogramm, der Gesamtkostenaufwand auf etwa 12 Millionen Mark. Auf Beschluß der Bürgerschaft ist die Benutzung des Tun­nels fitr Personen und deren Handgepäck und Sond­werkzeug fret, dagegen werden im übrigen insbeson dere für Wagen Gebühren erhoben, die sich bei Last­wagen nach dem Gewicht bemessen.

Die Nachforschungen nach Richter.

Mit großer Spannung hat man während der letzten Tage auf einen Erfolg der behördlichen Nachforschun­gen in der Angelegenheit des entführten deutschen In­genieurs Richter aus Jena gewartet. Die Verfolgung geschah nach verschiedenen Richtungen hin, leider wurde damit gar nichts erreicht und die Spuren und Anhaltspunkte, die man gefunden zu haben glaubte und auf die man die weiteren Nachforschungen aufbaute, haben sich als trügerisch erwiesen. Die Räuber haben es verstanden, die Behörden gründlich zu nasführen, andererseits wimmelt es im Lande derart von Banden, daß es schwer sein mag, die richtige zu finden. Der tür­tische Jägeroberst Hamid Bey, der mit großer Zuver­sicht nach dem Olympgebirge gegangen ist und der Rich­ter innerhalb weniger Tage finden wollte, tst ob dieses Mißerfolges ganz niedergeschlagen, gibt aber die Hoff­nung noch nicht auf, und will die Verfolgung der Bande noch während einiger Tage betreiben. Er kommt aber auch bereits zu dem Schlusse, daß die Bande Richter auf griechischem Boden in Sicherheit gebracht haben müsse, fich aber durch die Drohbriefe den Anschein geben wolle, als ob sie auf türkischem Boden welle, falls ja die tür­tische Regierung sich noch zur Zahlung eines Telles des Lösegeldes entschließen sollte.

Die Grenzgegend ist trotz der militärischen Be­setzung für Leute dieses Schlages leicht zu passieren, sie finden Schleichwege, die fein Soldat fennt und schließ Itch rechnen sie auch ziemlich stark mit der Bequemlich­felt der türkischen Soldaten im Wachdienste. Die tür­tischen Behörden haben in der ganzen Gegend, die für den Fall in Betracht kommt, faum ein Dörfchen aus­gelassen; überall haben sie die Leute rücksichtslos ver­hört und getrachtet, diese zu Geständnissen zit pres­fen. Nur wer die Verlogenheit des dortigen Landvol­fes fennt, wird verstehen, daß sich die Türfen in dieser Beztehung noch solcher Mittel bedienen, die andersmo streng verurteilt werden. Aber die Bewohner dieses Landstriches sind in der Tat ein so verkommenes, tückt­sches und hinterlistiges Volf, daß auch der Gerechteste thnten gegenüber in Zorn gerät.

Was es sonst mit dieser Entführung für eine Be wandtnis hat, ist bis zur Stunde noch nicht aufgeklärt. Stcher scheint aber zu sein, daß da auch politische Mo­mente mitspielen und daß das Lösegeld nicht der Hab­sucht einiger Räuber dienen soll, sondern für ganz an­dere Zwecke bestimmt ist. Die türkischen Behörden äußern sich ziemlich offen dahin, daß bet dieser Ent­führung und bei der Flucht der Räuber auf griechischen Boden auch griechische Offizere der Grenzwache thre Hand im Spiele haben, und daß sie es sind, welche die Sache nun letten. Die Entführer haben in Griechen­land in der Grenzgegend Bekannte, wo sie sich ohne Gefahr für ihre Sicherheit aufhalten fönnen, denn dort wird man ihnen nichts anhaben, für die griechischen Behörden tst la Richter nicht vorhanden, sondern be­findet sich auf türkischem Boden. Aller Voraussicht nach werden auch die wetteren türkischen Bemühungen ohne Erfolg verlaufen, und dann wird man jedenfalls die Verfolgung offtztell einstellen. Wo und wie später Serr Richter zum Vorschein kommen wird, muß man dann abwarten.

Drahtnachrichten und Deuestes.

Tragischer Ausgang einer Bootsfahrt. Berlin, 29. Jult. Auf dem Schlachtensee Ten­terte gestern abend ein Boot, in dem sich zwet Erwach­fene und zwet Kinder befanden. Die beiden Kinder tonnten gerettet werden, während die andern Insassen des Bootes ertranfen.

Folgenschweres Brandnnglück.

Arnstadt. 29. Jult. Während eines gestern abend über der Stadt niedergehenden Gewitters schlug der Blizz in das Werk der Firma Otto Minner und zitndete. Ein Schuppen und das Maschinenhaus brann-) ten vollständig nieder. Bet den Löscharbeiten wurden zehn Feuerwehrleute verlegt, vier davon so schwer, daß fte ins Krankenhaus gebracht werden mußten. Der Bitcherrevisor Ruchtaschel, der aus dem Geldschrank etnige Bücher retten wollte, wurde unter einer ein­stürzenden Mauer verschüttet und konnte nur als Leiche geborgen werden.

Dofer der Berge.

Wien, 29. ult. Beim Abstieg von der Glet wizerhütte nach Fusch im Kaprunertal sind der 15jäh­rige Gymnastast Walter Gebesam und die 19jährige Elfe Schön, Tochter eines Statthaltereirats, beide aus Brünn, abgestürzt. Beide sind tot. Die gleichfalls ab­gestürzte Mutter des Gebesam wurde gerettet.

Blöglicher Tod eines türkischen Diplomaten. Der türkische Botschafter Barts, 29. Jult. Naum Pascha ist gestern abend, während er in einer Gesellschaft weilte, plötzlich verschieden.