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Droht eine neue Fleischnot?

Die Folgen der Maul- und Klauensenche. Vielfach wird in landwirtschaftlichen Streifen der Befürchtung Ausdruck gegeben, daß infolge der immer mehr um fich greifenden Maul- und Klauenfeuche die Gefahr einer Fleischnot droht. Zu dieser Frage wird fest der Inform." geschrieben:

Im Reichstage hatte der Vorsitzende des Bun­des der Landwirte Dr. Roefice schon im März dieses Jahres die Erflärung abgegeben, daß bei einem fort­bauernden Umfichgreifen der Maul- und Klauenjeuche die Nachzucht unseres Viehbestandes ernstlich gefährdet set und eine wirkliche Fleisch not bevorstehe. Als Dr. Noeside diese Befürchtung aussprach, waren in Deutschland laut amtlicher Zählung 8513 Höfe verseucht. Heute nach wenigen Monaten hat die Seuche bereits derartig um sich gegriffen, daß fast dreimal so viel Höfe verseucht sind. Am 1. Jult waren es schon 20 795 Höfe. Es fann feinem Zweifel mehr unterliegen, daß durch die Bedrohung des Viehstandes die Fleischversorgung Deutschlands bet dem jetzigen Stand der Seuche aufs allerschwerste gefährdet sei. Im preußischen Land­wirtschaftsministerium siebt man der Entwicklung der Dinge mit größter Aufmertjamfelt entgegen, zumal bisher die scharfsten Maßnahmen ohne wesentlichen Er­folg geblieben sind.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Der Kaiser in Swinemünde. Die Hohenzollern" mit dem Kaiser an Bord nebst den Begleitschiffen traf Freitag abend im Hafen von Swinemünde ein. Die Festung gab den üblichen Salut ab. Eine nach vielen Tausenden zählende Menschenmenge begrüßte den Kai­ser mit jubelnder Begeisterung. Der Kaiser dankte wiederholt. Voraussichtlich wird der Kaiser in Swine­münde heute den Vortrag des Reichskanzlers entgegen­nehmen. Es wird vermutet, daß sich auch der Staats­sekretär des Aeußeren, Herr v. Kiderlen- Wächter, nach Swinemünde begibt.

Ueber das Befinden des Prinzregenten Luitpold brachten ein pfälzisches Blatt und nach diesem auch an­dere Blätter in den letzten Tagen Nachrichten, die, wie von zuständiger Seite erflärt wird, nicht der Wahrheit entsprechen. Es sei wohl richtig, daß auch der Prinz­regent unter den Einwirkungen der abnormen Hize etwas zu leiden hat, doch seien alle anderen Einzel­heiten, die von den Blättern über den Gesundheitszu­stand verbreitet worden sind, direkt erfunden, ebenso die Mitteilungen, daß Kaiser Wilhelm, der Kaiser von Desterreich und andere Fürstlichkeiten wegen des Be­findens des Regenten Veranlassung hätten nehmen müssen, wiederholt Erfundigungen im Hoflager zu Hohenschwangau einzuziehen.

Die Entwicklung der Seuche umfaßt jetzt gerade ein Jahr, denn am 1. Jult 1910 wurden die ersten 124 ver­feuchten Gehöfte gezählt, die durch Einfuhr verseuch­ten Bichs aus Rußland in die östlicher deutschen Provinzen zu dem Krankheitsherd wurder, durch den ganz Deutschland so schwer betroffen wurde. Die Folge bteser Seuche ist in erster Reihe in einer Verminderung der Weiterzucht und Nachzucht zi erblicken, die einen Fleischmangel zur Folge haben muß. Der Auftrieb an Bleh wird geringer werden müssen, da der Zuwachs an Herden, der schon tm vorigen Jahr eine beträchtliche Verminderung aufzuweisen hatte,( rund 78 000 Stitd) in den kommenden Monaten fast völlig verschwinden wird. Interessant ist dabet die Feststellung, das Deutsch land durch die scharfen Maßnahmen der Behörden bis Juni 1910 völlig feuchenfrei war, bis es durch einige aus Rußland eingeführte Rinder im Laufe eines Jah­res derart verfeucht wurde, daß jetzt die Fleischversora­ung ernstlich bedroht erscheint. Ob in den nächsten Wo hen eine Abnahme der Seuche erfolgen wird, erscheint trotz der strengsten Abwehrmaßregeln zweifelhaft. Es Itegt nur die Möglichkeit vor, daß die Wintermonate. die einer Verbreitung der Seuche nicht glinstic sind, ctne Minderung bringen.

Deutschland bleibt kühl.

In Berliner maßgebenden Kretsen sieht man aus der Rede des Premierministers Asquith mit Befrie digung, daß England eine freundschaftliche Verstän­digung zwischen Deutschland und Frankreich wünscht. Man ist aber nicht der Ansicht, daß der unmittelbare Ein­fluß der Rede auf die Verhandlungen so groß ist, wie man an manchen Stellen anzunehmen scheint. Jeden­falls wird die Haltung Deutschlands in dieser Frage nach wie vor durch die eigenen wohl erwogenen Interessen bestimmt bleiben.

fiber Neuyork eintrafen, wittet vor den Toren der Stadt eine Schlacht zwischen den Revolutionären und den letz­ten Regierungstruppen, die verzweifelt die Hauptstadt verteidigen. Präsident Simon soll Port- au- Prince ver­laffen haben und geflohen sein. Die Revolutionäre verfügen über gute Waffen, große Munitionsbestände und suchen durch hohen Sold Truppen zu gewinnen. Von den westindischen Nachbarinseln kommen Aben teurer auf Haiti an, um an dem Kampf teilzunehmen. Bei den Kämpfen um Port- au- Prince ist ein deutscher Aufseher durch einen Schuß in den Arm verwundet worden.

Reserveoffiziere und Sozialdemokratie. Das Kriegs­mirifierium ha' wie die Bost" mitzuteilen weiß unter dem 8. Juli 1911 nachstehende Verfügung erlassen: Ein Offizier des Beurlaubtenstandes hat vor der Stich­wah: zu einer parlamentarischen Körperschaft zur Wahl eine Mitgliedes der sozialdemokratischen Partet öffent­lich aufgefordert und sich auch sonst in diesem Sinne agitatorisch betätigt. Dem Offizier ist darauf hin der Abschiet erteilt worden." Die" Post" bemerkt dazu erläuternd, daß sich diese Verfügung nicht auf den Re­serveoffizier bezieht, der in ihren Spalten fürzlich die Diskussion über das Thema Reserveoffiziere und die Wahl von Sozialdemokraten in der Stichwahl" eröff­nete.

Kleine Nachrichten.

Die Zahl der Berliner Gemeindeschulkinder be trägt zurzeit 224 967; davon find 111 366 Knaben und 113 601 Mädchen. Sie sind in 5252 lassen einschließ lich 191 Vor- und Nebenklassen untergebracht. Klassen befinden sich noch in Wieträumen.

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Der Wasserverbranch Berlins hat sich fett Sonn­tag von 207 000 Rubifmeter auf 275 000 Rubikmeter am Donnerstag gesteigert. Die Steigerung dürfte weiter anhalten.

Am schwarzen Brett der Berliner Universität prangt feit vorgestern folgender einladender Aushang: In der Erntezeit freie Station und 75 Pfennige Tagelohn. Aus­funft erteilt das Amt für studentische Ferienarbeit der Marburger freien Studentenschaft, Marburg( Lahn), Hirschberg 16."

Gegen das Tragen spizer Sntnadeln seitens der Damen erließ auch der Magistrat in Halle eine War nung und drohte mit empfindlichen Polizeistrafen.

Ans Anlaß der Hundertjahrfeier der Breslaner Universität stifteten die schlesischen Landwirte 100 000 Mart zum Neu- und Ausbau der landwirtschaftlichen Institute der Universität.

Eir Völkerverbrüderungstag" fand gestern abend 11: der Berliner Hasenheide statt. Er diente der Be­sprechung über die Solidarität der Völker Deutschlands und Frankreichs". Angenommen wurde eine Resolu­tion, in der es heißt:" Die versammelten Berliner Ar­beiterschaft begrüßt die Vertreter der französischen Ar­beiterschaft und dankt ihnen für die Beweise inter­nationaler Kameradschaft und brüderlicher Friedens­Itebe. Die Versammelten erklären, daß sie sich eins fühlen mit der Arbeiterschaft Frankreichs wie auch an­derer Länder in dem Bestreben, den Völkern den Frte­den zu erhalten und allen Machinationen der zum Kriege drängenden herrschenden Klasse entgegen zu treten. Die Versammelten fordern die Arbeiter Deutschlands wie Frankreichs auf, angesichts der gegen­wärtigen drohenden Kriegsgefahr jederzeit auf dem Po­sten zu sein und ihren ganzen Einfluß zur Verhinde­rung des Krieges aufzubieten. Ste fordern die Ein­berufung der verantwortlichen Volksvertretung, um die­ser die Entscheidung über die Lösung internationaler Konflikte zu ermöglichen." Die Versammlung prote­stierte auch gegen die Ausweisung des französischen So­zialisten Yvetot.

Eugland ist recht friedlich geworden. Angesichts der entschiedenen Haltung Deutschlands ist der Wind in England wieder umgeschlagen, und die offiziöse Londoner Presse versichert, daß England die friedlichsten Absichten von der Welt habe. Es will feine angemessene" Expansion Deutschlands und feinen deutsch französischen Ausgleich in Westafrika verhin­bern. Wh habe es so beißt es nämlich in der offi­slösen Lonbonter reffe, mit einer Lage zu tun, die, wenn sie nichi corsichtig und flug behandelt wird, Folgen haben könnte, die in gar keinem Verhältnis zu dem Anlaß stehen würden, die sie herbeigeführt haben. Wird sie aber flug und vorsichtig behandelt, dann ditrste fie und, wie wir hoffen, wird sie zu einem dauernden besseren Einvernehmen zwischen allen be­teiligten wächten führen. Glücklicherweise ist guter Grund zu der Annahme vorhanden, daß die Diplomatie nach einigen Tagen der Erregung in ein rubigeres, nor­maleres Fahrwasser zurückkehrt. Wir bedauern offen, das zwischen uns und Deutschland die Diplomatie so bald nach dem Besuch des Kaisers und nach der augen­scheinlichen Besserung der gegenseitigen Beziehungen zu einem Bunft der Spannung gekommen ist. Weiter wird die Legende" bekämpft, daß England bestrebt fet, eine angemessene Expansion Deutschlands zu ver­bindern, die ihm notwendigen Zugänge zur See zu versperren und seine Diplomatte in der ganzen Welt zu durchkreuzen. Wir haben feine solche Absicht und freuen uns, daß der Bremierminister durch eine öffentliche Erklärung beweisen konnte, daß wir einen deutsch- französischen Ausgleich in Westafrika nicht zut verbindern beabsichtigen.

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Jugendfreundschaft.

Roman von G. v. Schlippenbach.

( Nachdruck verboten.)

Ein Brand in der ostdeutschen Ausstellung. Frei­tag mittag brannte auf der ostdeutschen Ausstellung in Posen der Pavillon nieder, in dem sich das Verkehrs­bureau und ein Barbiersalon befanden. Die Feuer­wehr beschränkte das Feuer auf seinen Herd. Die Ent stehungsursache ist unbekannt.

Ein eigentümlicher Unglücksfall wird aus Tostedt im Landkreise Harburg gemeldet. Dort traf ein Blitz­strahl den Totengräber auf dem Friedhof, als er ein Grab schaufelte, und tötete ihn an der selbstgegrabenen offenen Gruft.

Durch das vorzeitige Losgehen eines Sprengschuss ses bei den Sprengarbeiten auf der alten Gasanstalt in Herford, die von den Mindener Pionieren ausgeführt werden, wurden gestern morgen ein Unteroffizter und ein Feldwebel schwer verletzt, während ein Pionier mit leichteren Verlegungen davonfam.

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Beim Baden im Rhein bei Duisburg ertranfen gestern vier Personen, darunter ein 14jähriger Schüller. Bet Oberhausen erlitten drei Personen den Tod durch Sitzschlag, in teberruhr verlor ein Arbeiter infolge der Hize den Verstand.

Die Oberleitung der französischer Armee hat jetzt eine neue Form angenommen. Präsident Fallieres hat gestern die Defrete unterzeichnet, durch die ein höherer Rat für die Landesverteidigung eingesetzt wird. Er setzt sich zusammen aus den Ministern des Krieges, des Aeußern, der Finanzen, der Marine und der Kolonien. Er steht unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten. Dem Rat wird eine ständige Studienabteilung beige­geben werden, gebildet aus dret höheren Offizieren, und zwar aus den Chefs der militärischen Operations­bureaus in den Ministerien des Krieges, der Marine und der Kolonien. Der Generalstab der Armee und der technische Ausschuß des Generalstabes werden künf­tig von einem General abhängen mit dem Titel Chef des allgemeinen Generalstabes, der in Kriegszeiten den Oberbefehl über die Hauptarmee fährt. Der oberste Kriegsrat bleibt bestehen. Er besteht aus den komman­dierenden Generälen der Armee. Der Posten eines Chefs des allgemeinen Generalstabes wird General Joffre übertragen.

Es ist spät, sie sind allein, Eva teilt ihrer Mutter Zimmer, und wie sonst in den Kinderjahren kämmt die Mutter ihrer Lieblingstochter Haar, es wallt in reicher Fülle über den Rücken und die Schultern des schönen Mädchens nieder.

Euchen," beginnt Frau Grotenbach stockend. " Ja, Mutting."

Er ist hier; ich meine Latour. Hast Du ganz über­winden?"

Sel Tubig, Dauiting, ich bin wieder ganz Deine alte, fröhliche Eva. Sollte ich Latour zufällig sehen, so brauchst Du Dich nicht zu beunruhigen. Aber was tut er bier?"

Er ist verbeiratet."

" Mit wem?" ruft Eva.

Mit der Tochter eines Millionärs, einer ältlichen, Häßlichen Person, neulich sab Adam ihn im Tiergarten."

Eva blickte nachdenklich zu Boden, dann hob sie die blauen Augen zur Mutter empor und sagte ernst: Möchte er das Glück finden, das er mir einst zer­störte."

Gott segne Dich, mein gutes Kind!"

Die fiegreiche Revolution auf Haiti. Nach den letz­ten Nachrichten aus Port- au- Prince, die am Freitag

Vom Blizz erschlagen. In Diedenhofen schlug der Bltz gestern nachmittag bei einem schweren Gewitter in einen Neubau ein. Ein italienischer Arbeiter war sofort tot, ein zweiter starb nach einer Viertelstunde, und ein dritter wurde betäubt.

Sie behandeln den kleinen Sohn Karlas," begann Frau Haideck, nachdem sie sich etwas gesammelt hatte, ,, wie geht es ihm? Haben Sie Hoffnung, thn zu er halten? Es ist das letzte, was seine Mutter besitzt."

Frau Grotenbach schloß Eva innig in die Arme. Frau Haideck empfing Alfred Grotenbach am an­dern Tage, er sagte auf ihre Frage hin, daß Uchatscheff unheilbar krant set, eine Gehirnerweichung wäre fon statiert worden; er sollte vorläufig in der Anstalt blet­ben und nicht mehr nach Petersburg zurückkehren; er war willenlos wie ein kleines Kind und völlig stumpf geworden.

Mein armes Kind," sagte Frau Haideck bewegt, so endet Dein heiß erfehntes Glitc."

Folgenschwerer Gebändeeinsturz. In Grande Que villy bet Rouen ist ein Fabrikneubau eingestitrat. Neun Arbeiter wurden getötet und vier schwer verletzt.

EinEisenbahnunglid ereignete sich gestern nachmits, tag bei Crewe in England durch den Zusammenstoß eines mit Ausflüglern besetzten Zuges und einem auf der Strecke leerstehenden Buge. Die Zahl der Verletz ten beträgt 36. Die Verlegungen sind fast durchweg, leichter Natur.

In der Notwehr erschossen hat in der Danziger Delmühle der Inspektor Schatzmann den Arbeiter Böhlke. Der Arbeiter hatte ihn mit dem Tode bedroht, weil er entlassen worden war.

" Kolja ist noch sehr zart, aber ich glaube, er erholt sich, nachdem ich ganz allmählich für Abhärtung und ein anderes Regime sorgte. Ich wünsche, daß der Knabe den Sommer im Wald bleibt und dann mit der Mutter in ein gesundes, südliches Klima geht nach Montreux oder Niva; darüber sprechen wir noch. Ihre Frau Toch­ter würde sich ebenfalls fern von Petersburg besser er­holen, sie sieht recht blaß aus und ist sehr nervös ge­worden."

Das ist kein Wunder bei dem Leben, das sie ge­führt hat," dachte Frau Haldeck.

Volkswirtschaftliches.

Was geschieht mit den Millionen der Klebemarke? Die Zahlungen auf Grund des Invalidenversicherungs­gesetzes haben im Jahre 1910 die Summe 175,724,872 Mart erreicht. Vor 10 Jabren hatte dieser Betrag etwas über 87 Millionen erreicht. An Invalt­denrenten wurden 145, Millionen, an Altersrenten über 15 Millionen, an Beitragserstattungen nicht ganz 9% Millionen und an Krantenrenten etwas über 3 Millionen gezahlt. Gegen das letzte Jahr haben die reichsgesetzlichen Zahlungen aus Invalidenrenten um 4,6 Proz. und aus Beitragserstattungen um 0,1 Proz. zugenommen, aus Kranfenrenten um 2,0 Proz. und aus Altersrenten um 3,4 Proz. abgenommen. Die Reichspost zahlte allein fast 144 Millionen, die bayerische Post 17%, die württembergische 6% Millionen aus. Von 10,000 Mark reichsgesetzlichen Zahlungen tamen auf Invalidenrenten 8393, Kraufenrenten 195, Altersren­

" Ich will schon Sorge tragen, daß Mutter und Kind sich unter meiner Obhut erholen," sagte Frau Haided, ,, wie dankbar müssen wir aber Ihnen sein, lieber Al­fred, für alle Ihre Mühe und Freundschaft."

Sie nennen das richtige Wort," versetzte der junge Doktor, die treue Jugendfreundschaft unserer Mittter vererbt sich auf uns Kinder weiter."

Die Trauung Klaras und Rosens war vorüber, alle begleiteten das junge Paar zum Bahnhof; der nach Königsberg fahrende Zug sollte gleich abgehen. Die Neuvermählte umarmte Mutter, Tante und Geschwister in ihrer ruhigen, herzlichen Art, Rosen schitttelte den Schwägern mit seinen Riesenfäusten die Hände, küßte Evchen und Lina und neigte sich über die Rechte seiner Schwiegermutter.

Auf Wiedersehen in Lachsdienen!" rief er noch vom Fenster aus, als sich der Zug schon in Bewegung setzte. Am nächsten Tage reiste auch Alfred nach Peters­burg zuriick.

Eines Tages traf das ein, was vorauszusehen war, Eva und Latour sahen sich wieder. Eva trat aus einem Laden in der Leipziger Straße, da fuhr ein offener Lan dauer auf Gummirädern langsam vorbet; ein füdlän­disch aussehender Herr und eine sehr geputzte Dame faßen auf den seidenen Rissen. Es waren Latour und seine Frau, geborene Goldenberg, deren Hakennase ihre Abkunft verriet; ein böser, gefniffener Zug prägte sich auf dem gelblichen, häßlichen Gesicht aus. Evas Augen blickten sehr ruhig auf ihren früheren Verlobten, er sah noch eben so aus, auch das füßliche Lächeln, mit dem er sich an seine Frau wandte, um ihr etwas Schmeichel­haftes zu sagen, war dasselbe wie früher.

Eva gab sich ernstlich Mithe, dte Schwester zu er setzen und sie war erstaunt, wie gut sie sich in alles hin­einfand.

Die elektrische Bahn fam, die feurigen Pferde vor dem Landauer wurden unruhig, so daß der Kutscher sie anhielt.

Er hat sich verkauft," sagte Eva verächtlich, und sie dachte daran, wie verändert Latour gegen sie geworden, als er erfuhr, daß Frau Haided eine Tochter und Erbin besaß.

In diesem Augenblick sah Latour Eva. Er riß den Hut vom Kopfe und grüßte. Sehr gelassen erwiderte ihn Eva, dann schritt die hohe, vornehme Mädchengestalt ruhig weiter.

" Wer war diese Person?" fragte Latour hoch­mittig. " O, eine flüchtige Bekannte von früher," entgegnete thr Mann.

" Nun, Du hast sie ja wie eine Fürstin gegrüßt," spottete sie. Du bist wieder einmal unnütz eifersüchtig," war alles, was Latour sagte.

( Fortsetzung folgt.)

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