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fräftiges Interesse entgegen. So hat sie der Expedition das Recht zur Führung der Reichsdienstflagge verliehen, und die kaiserliche Gesandtschaft in Buenos Aires ange­wiesen, von der argentinischen Regierung für die Expedt­tton weitgehendste Unterstüßung zu erbitten. Diese ist auch beretts in Aussicht gestellt.

Aus dem Reiche der Technit.

Die Kompasse des neuen Dreadnoughts Kaiser". Un­fer neuer Dreadnought Kaiser" verfügt, wie der Korres spondenz Heer und Politit" aus Marinefreisen geschrie ben wird, über 12 Kompasse, deren Konstruktion naturge­mäß allen Bewegungen der Wogen gewachsen ist. Jeder Rompaß ist in einem großen Gefäß schwimmend unterges bracht, um dadurch die Erschütterungen, denen das Schiff durch das Dröhnen der Maschinen und Geschüße ausgesetzt ist, von ihm abzuhalten. Die Unterbringung der Magnete ist derartig, daß alle Reibungen bis auf genz geringe Bruch­teile eines Reibungskoeffizienten aufgehoben sind. Die Verteilung der Kompasse erfolgt nach dem Prinzip, daß Bet mehrere Kompasse stets gebrauchfähig sein müssen. stürmischer See oder im Kriege ist es nicht ausgeschlossen, daß einige Kompasse durch das Meerwasser oder durch die Schußwirkung vernichtet werden. Es müssen darum die Kompasse derart verteilt sein, daß die Steuerfähigkeit durch die Zerstörung einiger Instrumente nicht gefährdet wird. Von allen den Teilen, an denen ein Kompaß untergebracht tst, läßt sich die Steuerung ermöglichen. Zur Nachtzeit ist etne Beleuchtung des Kompasses nicht notwendig, da in fedem Instrument eine Glühlampe eingeschlossen ist, die in der Nachtzeit wirksam ist, und das Ablesen ermöglicht. Die Kompasse, die bei unserer Kriegsmarine gebraucht werden, werden vor ihre Bewendung einer derartig energischen Prüfung unterzogen, daß sie jedem Wetter und Wellen­schlage gewachsen sind und darunter nicht leiden können. Die Prüfung der Kompasse erfolgt nämlich unter Umstän den, die von keiner Gewalt des Wetters übertroffen wer den können. Es dürfte von Interesse sein, einiges über diese Prüfungsstation unserer Marinekompasse zu erfahren. Ein Mitarbeiter der Stuttgarter Technischen Monatshefte schtl­dert den überaus interessanten Vorgang abei folgender­maßen: In Friedenau gibt es eine merkwürdige Einrich tung, mit der man alle Kompasse unserer Kriegsmarine prüft. Etu etsernes Kompaßhaus, das auf einer Welle steht, kann durch einen achtpferdigen Motor in allen Geschwindig keiten gedreht, geschleudert und gestampft werden, als ob eln Torpedoboot oder ein Kriegsschiff sich in dem wildesten Wogenkampfe befände. Diese drei Bewegungsarten können sowohl fede für sich, als auch alle dret zugleich ausgeführt werden, und erst wenn der Kompaß sich in diesem tollen Tanz bewährt hat, gelangt er bei der Marine zur Abliefe­rung.

Vermischtes.

Krantenwärter im Kampf mit Einbrechern. Zwei Cöl­ner Einbrecher wurden bei einem Einbruch in die Lungen­heilanstalt Hohenhonnef von dem diensttuenden Wärter überrascht und gaben auf diesen eine Anzahl Revolver­schüsse ab, die den Wärter tödlich verletzten. Auf das Silfegeschrei des Wärters eilten mehrere Bedienstete der Anstalt hinzu, die gleichfalls Revolverschüsse auf die Ein­brecher abfeuerten und einem von diesen schwere Verwun­dungen beibrachten. Der Wärter und der schwerverletzte Einbrecher wurden sterbend in die Bonner Klinik über­führt. Der andere Einbrecher wurde verhaftet.

Der Gymnastast als Kassenräuber. Wir berichteten schon kurz, daß der 18jährige Sohn des Oberbuchhalters des Großherzoglichen Finanzamtes in Mannheim, Alfred Leist, seinem Vater aus dem Schranke im Kassenamt 54 000 Mark entwendet und mit der Summe das Weite gesucht habe. Der Berl. Lot.- Anz." meldet zu dem Fall noch folgende Einzelheiten: Der 18 Jahre alte Kurt Leist hat den Diebstahl am Sonntag vormittag ausgeführt. Sein Vater hatte die Gewohnheit, den Schlüssel zum Bureau und zum Kassenschrank in den Sekretär zu legen. Dem Sohn war dies bekannt. Als nun Herr L. nach 10 Uhr Jeinen gewöhnlichen Sonntagsspaziergang unternahm, holte der Sohn aus dem Sekretär die beiden Schlüssel und be= gab sich auf das Amt. Hier öffnete er das Bureau des Baters und den besonders verschlossenen Kassenschrank und nahm daraus die Summe von 54 000 Mart in Banknoten und Gold. Das Geld sollte am Montag bei der Bank ab­geliefert werden. Die Banknoten waren bereits in Päck­chen geordnet und das Gold gerollt. 20 000 Mark ließ der Dieb liegen. Er hat die Geldrollen offenbar nicht gesehen, oder sie waren ihm zu schwer geworden. Der Bureau­diener, der im Amtsgebäude wohnt, sah den Schlüssel im Bureau stecken. Er war jedoch der Meinung, daß der Kas­sierer Leist in seinem Bureau arbeite, und ging vorüber, ohne die Tür zu öffnen. Die Eltern hatten am Sonntag noch keinen Argwohn, weil der Sohn einen Zettel hinter­lassen hatte, auf dem er mitteilte, daß er zu einer Konfir­mation gehe und deshalb am Sonntag nicht nach Hause fomme. Die Tat wurde erst am Montag morgen entdeckt, als der Vater die Schlüssel zu sich steden wollte. Tragi­komisch ist der Umstand, daß sich an dem Kassenschrank eine Alarmvorrichtung befindet, die an drei Stellen im Hause, beim Bureaudiener und zwei höheren Beamten, läutete. Unglücklicherweise war die Vorrichtung auf Wunsch eines sehr nervösen Beamten abgestellt worden. Von dem Flücht­ling hat man noch keine Spur. Es heißt, daß schon vor einiger Zeit einmal 400 Mark aus dem Schranke wegge­kommen sind, ohne daß man eine Erklärung dafür hatte.

Der verhungernde Hungerkünstler. Jede Kunst geht nach Brot, auch die des Hungerkünstlers, und wenn er fein Brot hat, muß er trotz seiner Kunst verhungern. Diese allgemeine Wahrheit wird bestätigt durch eine Notiz in einem Lübecker Blatte, die lautet: Der in der letzten Zeit hier in einem Restaurant aufgetretene Hungerkünstler hat so schlechte Geschäfte gemacht, daß er beinahe zum Ver­hungern gekommen wäre. Nach seiner Befreiung war der Stand seiner Kasse gleich Null, und um ihm das Leben zu erhalten, mußte er dem Krankenhause überliefert wer­den."

Hypnose durchs Telefon. Interessante Einzelheiten über die angebliche Hypnotisierungskraft, die ein zwanzig­jähriger Telegraphist mit Hilfe des Telefons ausüben soll, werden aus Canton( Ohio) berichtet. Sechs bekannte Aerzte dieser Stadt beobachteten einige Patienten, welche den Suggestionen lauschten, die ihnen durchs Telefon von dem Hypnotiseur, einem Herrn Fernando Louzenheiser,

rechtes Bein ist gefühllos. Du kannst überhaupt nichts fühlen." Die Aerzte, die den ganzen Vorgang beobachteten, machten darauf die bei derartigen Vorführungen üblichen Experimente und Proben, indem sie mit Nadeln irgend ein Zeichen des Schmerzgefühls bei dem Mann hervorzu­rufen suchten, was ihnen aber nicht gelang. Schließlich flüsterte Louzenheiser: Du bist jetzt Stein!" Das Me­dium wurde dann mit Kopf und Füßen auf je einen Stuhl gelegt und ein schwerer Mann stellte sich auf den Brustkorb des Liegenden, ohne jedoch den Körper aus sei­ner Lage bringen zu können.

Unberechtigte Tenorgehälter. Unter dem etwas er­zwungenen Titel Tenoritis" veröffentlicht der Kunst­wart" die folgenden durchaus berechtigten Betrachtungen: " Die Wiener Hofoper hat, so lieft man, Caruso 15 000 Kro­nen für den Abend bewilligt. Gewiß, der Mann ist ein großer Gesangskünstler. Aber die hohe Selbsteinschätzung seiner Leistungen beruht doch auf der Annahme, daß man thm diese Beträge auch bewilligt. Bewilligt, nicht etwa an Privatbühnen, die um jeden Preis ihre Sensationen haben wollen, sondern an Hoftheatern, wo man jetzt fast überall spart und mit den Autoren um ein halbes Prozent der Tantiemen handelt. Je größere Opfer man bringt, desto höher steigen die Ansprüche der Artisten. Gerade die Hoftheater müßten hier im eigensten Interesse sich Grenzen ziehen und nein sagen lernen. Dann würden die Tenöre, die der Erfolge an großen Hoftheatern für ihr Ge­schäft auch ihrerseits bedürfen, ihre Ansprüche auch ermä­Bigen. Nichts liegt einem ferner, als dem Künstler den Verdienst zu schmälern, aber dieser Verdienst muß doch in einem gewissen Verhältnis stehen zu den Sätzen, wo­mit menschliche Leistungen sonst entlohnt werden. Wenn ein Mensch in vier aufeinanderfolgenden Tagen so viel verdient, daß die Zinsen davon genügen, um einen bür gerlichen Haushalt durch ein Jahr zu bestreiten, so tann die Leistung nicht anders als überbezahlt sein. Ueberall wo es die Förderung der nationalen Kunst gilt, mangelt es an Mitteln. Hier vergeudet man sie mit vollen Hän­den für eine Darbietung, die ohnehin, weil sie in einer fremden Sprache erfolgt, ganz nur von einem kleinen Bruchteil des Publikums gewürdigt werden kann. So wird auch der Fall Caruso einmal eine schöne Illustration für ein wichtiges Kapitel der Wirtschaftslehre mit Kunst­gütern hergeben. Dabei ist ganz davon abgesehen, wie diese Ueberentlohnung des Stars auf die künstlerische und moralische Zucht der heimischen Kräfte wirken muß."

Eine schulpflichtige Ehefran. Eine verzwickte Rechts­frage verursacht zurzeit der Schulbehörde von Cincinnati im Staate Ohio nicht geringes Kopfzerbrechen. Der Kern­punkt des der Lösung harrenden Problems stellt sich in der Frage dar, ob eine verheiratete Frau als Schülerin in den öffentlichen Schulen der Vereinigten Staaten Aufnahme finden fann." Die verheiratete Frau, die hier den Stein ins Rollen brachte, tst die zwölffährtge Gattin eines jungen ttalienischen Einwanderers, namens Frant Stump. Das Mädchen besuchte seit einiger Zeit eine der städtischen Volks­schulen, und da sie an einem der letzten Tage nicht zur Schule gekommen war, hatte sich der mit der Aufsicht be­traute Lehrer nach der Wohnung der Eltern begeben, um sich nach dem Grunde der Schulversäumnis zu erkundigen. Er war begreiflicherweise nicht wenig erstaunt, als ihm hier die Kunde wurde, daß das Mädchen sich einen Ferientag ge­nommen hatte, weil es just zur Unterrichtszeit seine Hoch­zeit feierte. Die Kleine und thr Ehemann sind beide Jta­Itener, und die Trauungszermonte fand mit voller Zustim= mung der beiderseitigen Familien statt. Sie schienen auch an der Sache durchaus nichts Ungewöhnliches zu finden, und fügten erklärend hinzu, daß man in Italien gemeinhin frühzeitig zu heiraten pflege. Der Gatte selbst zählt volle 19 Jahre. Die junge Frau wurde daraufhin wegen unent­schuldigten Fernbleibens vom Unterricht vor das Jugend­gericht gestellt, allein der Richter wies die Klage mit dem Bemerken ab, daß von einer Bestrafung wegen Schulvers säumnis im vorliegenden Falle nicht die Rede sein könne, da einer verheirateten Frau gar nicht das Recht zusteht, einer Schule als Schülerin anzugehören. Die Aufsichtsbe­hörde wird unter den obwaltenden schwierigen Verhält­nissen vermutlich den Ausweg wählen, an den Direktor der Schule das Ersuchen zu richten, Mrs. Stump" die Fort­setzung ihrer Studien zu gestatten. Das entspricht im üb­rigen auch den Wünschen der jungen Frau, nur möchte sie mit Rücksicht auf ihre Pflichten als Hausfrau gern, daß sie statt der üblichen Tagesschule eine Abendschule besuchen darf.

Ein internationaler Kongreß für moralische Erzie hung soll im August des kommenden Jahres im Haag zu­sammentreten. Im Mittelpunkt werden die Verträge ung Diskussionen über Charakterbildung stehen. Auch der Wert der körperlichen Ausbildung und die Bedeutung des Spor tes und der internationalen Wettkämpfe für öte moralt sche Erziehung sollen Gegenstand der Erörterungen sein. Wertvolle Aufschlüsse und Fingerzeige erwartet man von der Untersuchung des Einflusses, den das Familienleben und die Geselligkeit auf das heranwachsende Geschlecht aus­üben; man hofft dabei, daß vor allem Mütter ihre Erfah rungen mitteilen werden. In besonderen Sizungen wird über die Erziehung und Charakterbildung anormaler Kin­der blinder, lahmer, tauber und körperlich zurückgeblie­bener verhandelt, wie auch über den Wert und Ein­fluß der sogenannten Besserungsanstalten. Für den Kon­greß sind als offizielle Sprachen Englisch, Deutsch, Fran­zösisch und Holländisch vorgesehen.

Nene Namen für den Hosenrock. Um für den nicht ge­rade graziösen Ausdruck Hosenrock" einen wohlflingen­deren Namen ausfindig zu machen, hatte der Confektionär" ein Pretsausschreiben erlassen, auf das er eine Unmenge von Vorschlägen erhalten hat. Es finden sich darunter Be­zeichnungen wie: Sturmrod"," Hygienarod", Emanzipa­tionsrock", Suffragettenrock"," Stimmrechtsrock"," Spalten­rock", Maskulinrod", Pantallongenrock"," Asphaltrock", Männirock"." Palentine"," Damenburen", Burenrock", Schreitkleid"," Der Emanzipierte"," Spreizer"," Er- Rock", " Renormalkleid"," Körpersäulenetuirod", Pascharock", Roerenrock"," Kombino" usw. Man sieht, die Einsender haben die Sache meist von der humoristischen Seite aufge­faßt und mit mehr oder weniger Wit ihrer entfesselten Phantasie die Zügel schießen lassen. Ein richtiges Schlag­wort, furz und bündig, wie das Wort Hosenrock, hat sich aber unter all den Vorschlägen nicht gefunden. Das ge­nannte Fachblatt hat deshalb von der Verteilung des ersten Preises Abstand genommen und die beiden Namen Kava­lierrod" und" Amazonenrock" prämitert. Der Verbilligung des neuen Kleidungsstückes werden übrigens nach Kräften die Wege geebnet, bietet doch die Berliner Konfektion be­reits Hosenröcke zum Engrospreise von 10 Mark an.

und Arbeit geopfert werden müssen. Einfache Spielgeräte haben ihre Schöpfer schon oft zu reichen Leuten gemacht; der Mann z. B., der die Kinderklapper erfand, fene ein­fache, an einem Stiel befestigte Blechkugel, in deren Inne­rem einige Steine enthalten sind, lebte in bescheidenen Ver­hältnissen, bis er eines Tages auf die Idee fam, für sein Kind ein solches Spielzeug herzustellen. Beiläufig fam er dann darauf, die Klapper fabrikmäßig in großen Massen anfertigen zu lassen, und in wenigen Jahren war er da­durch der glückliche Besitzer eines Vermögens von rund 5 Millionen Mark geworden. Auch der Mann, der den immer wiederkehrenden Ball erfand, hat erfahren, wie flet­ne Einfälle sich lohnen können. Er kam auf die Idee, an einem gewöhnlichen Holz- oder Gummiball eine lange dün ne Gummischnur zu befestigen: das Ergebnis war ein Ge­winn von vielen Hunderttausenden von Mark; die ersten Jahre aber verdiente der Erfinder" jährlich mehr als 200 000 Mark.

Vor nicht allzu langer Zeit war der Bürger noch ge­zwungen, sich allmorgendlich seine Schuhe mühsam zusam menzuschnüren, indem er das Schuhband durch Dese und Dese steckte. Kein Mensch war auf die Idee gekommen, die Herrenstiefel mit jenen einfachen kleinen Hafen zu ver­sehen, die das Zuschnüren so erleichtern und die uns längst zur Gewohnheit geworden sind. Die Erfindung", so be­richtet eine englische Wochenschrift, stammt von einem ge= wissen Herrn H. A. Snipp, der sich freilich über die Be­deutung seiner Entdeckung nicht recht klar geworden sein muß, sonst hätte er kaum das Patent für die lumpige Summe von tausend Mark verkauft. Die Unternehmer, die die Ausbeutung der Idee begannen, haben dann in wenigen Jahren damit Millionen verdient. Der Erfinder des Schuhbandes, Harvey Kennedy, hat mit seinem Ein­fall nicht weniger als zehn Millionen Merk verdient, und ähnliche Höhe erreichte auch die Einnahme, die Mr. Plimp­ton, der Erfinder des heute überall so populären Roll­schuhs, mit seiner Entdeckung" erzielte. Vor einigen Jah­ren erregte in London ein Prozeß großes Aufsehen, in den der Erfinder der Metallsohlen verwickelt war. Er hatte Jene fleine Metallplatten eingeführt, die dazu dienen, das rasche Abtragen der Schuhsohlen zu verhindern. Bei dem Prozesse erfuhr man, daß im ersten Jahre des Vertrie­bes, im Jahre 1879, 12 Millionen solcher Platten verkauft worden waren; im Jahre 1887 betrug der Gesamtumsas 143 Millionen, die den Fabrikanten in jenem Jahre 4 600 000 Mark Reingewinn einbrachten.

Doch nicht immer vergönnt es das Schicksal dem Er­finder, die Frucht seiner Arbeit und seiner Phantasie selbst zu ernten. Der Engländer Longridge, der bekannte In­genieur, erfand die noch heute in England bei der reiten­den Artillerie verwendete sogenannte Drahtkanone bereits im Jahre 1854; er setzte alle Hebel in Bewegung, um die Behörden zur Prüfung seiner Erfindung zu bewegen, aber niemand wollte etwas von der Drahtkanone wissen. Erst Jahrzehnte später wurde der Gedanke von Armstrong auf­genommen, und 1884 endlich entschloß sich die Militärbe­hörde zu Versuchen, die dann zeigten, daß die von Long­ridge erfundene Drahtkanone die bis dahin in England benutzten Kanonen an Leistungsfähigkeit und Widerstands­fraft weit übertraf. Dem Erfinder aber war es nicht ver­gönnt, diesen Triumph noch zu erleben, er war kurz vor= Her verbittert und enttäuscht aus dem Leben geschieden.

Drabinachrichten und neuestes.

Zur Ermordung des Oberstleutnants von Schlichting.

Berlin, 30. März. Generalfeldmarschall von der Goltz erklärte einem Mitarbeiter der Morgenpost gegen= liber, er habe Oberstleutnant von Schlichting als einen ruhigen besonnenen Offizier gekannt, bet dessen ganzer Charakteranlage es ausgeschlossen set, daß er seine Leute mißhandelt, ja auch nur schroff behandelt habe. Schlichting habe aber nicht den eigenartigen Ehrbegriff der Albanesen gefannt.

Direkte Kabelverbindung zwischen Deutschland und Südamerika.

Cöln, 30. März. Das von der deutsch- südamerikanischen Telegraphengesellschaft gelegte Kabel Monrovia- Pernambuco ist gestern eröffnet worden. Hierdurch ist die lang ange­strebte direkte Kabelverbindung zwischen Deutschland und Südamerika, von Emden über Teneriffa und Monrovia nach Pernambuco vollendet. Von heute ab tritt eine Er­mäßigung der Telegrammgebühren zwischen Europa und Südamerika um 60 Pfennig in Kraft.

Unfall eines Torpedobootes.

Kiel, 30 März. In der vergangenen Nacht geriet das Torpedoboot S 121 bei einer Angriffsübung vor Kiel dem als Schulschiff dienenden kleinen Kreuzer Hela vor den Bug. Bei dem Zusammenstoß erhielt S 121 an der hinteren Hälfte ein großes Leck. Die Hela wurde an der Ramme beschädigt; verlegt wurde niemand. Die Hela wird nach kurzer Reparaturzeit wieder fahrbereit sein.

Militärischer Ueberlandflug.

Bremen, 30. März. Die Oberleutnants Erler und Mackenthum, die am Dienstag von Döberib nach Hamburg geflogen waren, haben gestern mit ihrem Flugapparat die Strecke Hamburg- Bremen in fünfviertel Stunden zurück­gelegt und sind auf einer vorher bezeichneten Stelle glatt gelandet.

Großer Waldbrand.

München, 30. März. Zwischen Rosenheim und Kufstein entstand durch Arbeiter, die trockenes Reisig anzün­deten, um sich das Essen zu kochen, ein Waldbrand. Biz gestern abend hat man vergeblich versucht, den Brand ein­zudämmen. Es sind ihm bereits über 200 Morgen zum Opfer gefallen.

Der neueste Zeppelin. Friedrichshafen, 30. März. Das Luftschiff Erjazz Deutschland" wurde gestern gefüllt und soll heute früh zum ersten Mal aufsteigen. In den ersten Tagen des April soll der Flug nach Düsseldorf angetreten werden, der in drei Etappen ausgeführt werden soll.

Ein russisches Räuberstückchen.

Warschau, 30. März. Ju einem Wäldchen zwischen Widzow und Neuradomsk lauerten zehn mit Gewehren be­waffnete Terroristen nachmittags dem Warschauer Perso­nenzug auf und brachten ihn zum Halten. Das Zugperso­machtlos. nal, das mit Erschießen bedroht wurde, war

Zwei Passagiere, die ausstiegen, um sich nach der Ursache des Aufenthalts zu erfundigen, wurden von den Räubern einfach über den Haufen geschossen. Die Räuber begaben fich zum Backwagen und zwangen den Packmeister, ihnen 16 eiserne Geldkasten auszuliefern, die 100 000 Rubel ent­hielten. Die Summe gehörte der Bahngesellschaft und war zur Gehaltszahlung bestimmt. Die Räuber suchten dann mit der Beute das Weite.

Ein Beamter als Mörder. Wien, 30. März. Der 35jährige Finanzkommissar Dr. Oskar Hofmeister tötete den 24jährigen Beamten der Kre dieser angeblich die Heirat seiner Schwester mit Hofmeister verweigerte. Der Täter wurde verhaftet.

aus Bittsburg, das 160 Kilometer von Canton entfernt Kleine Einfälle, die Millionen bringen. Sitgereinsbank Franz Solthaus durch Revolverschüffe, weil

liegt, zukamen. Fünf der Patienten wurden auf lange Beit in Schlaf versetzt, während bei zweien der Erfolg nicht zufriedenstellend ausfiel. Louzenheiser sprach in den Ap­parat mit seltsam modulterter Stimme, die von einem bestimmt gegebenen Kommando zu Beginn des Experi­ments an bis zu einem Wispern sich abschwächte. Medium nach dem andern wurde auf Kommando in den hypnotischen Schlaf versezt, und Louzenheiser wisperte dem einen zu: Dein rechter Arm ist gefühllos. Dein

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Vor kurzem wurde bekannt, daß ein bejahrter engli= scher Ofenfabrikant, der ein neues Verfahren zur Herstel­lung von Salz erfunden hat, seine Entdeckung für 20 Mill. Mark an ein amerikanisches Syndikat verkaufte. In diesem Falle waren freilich viele Jahre stiller und rast­Toser Arbett vergangen, ehe die Erfindung so vervollkomm net war, daß ste für die Industrie einen Wert von unge­zählten Millionen gewann. Aber die Fälle sind keineswegs selten, in denen ein flüchtiger fleiner Einfall zum Erfin­der und dann zum Millionär werden läßt, ohne daß Reit

Schiffszusammenstoß.

Kopenhagen, 30. März. Der schwedische Frachtdampfer Ellen, von Königsberg nach Bornholm unterwegs, stieß ge= stern vormittag bei dichtem Nebel im Deresund mit dem Küstendampfer Sverige zusammen. Ellen wurde mitte schiffs getroffen und sank innerhalb 3 Minuten in dem 20 Meter tiefen Waffer. Das Schiff ist verloren, doch wurde die Besatzung gerettet.