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Deutscher Reichstag.

Kleine Nachrichten.

Vom Dorf zur Großstadt. Die größte preußische Land­gemeinde, Hamborn, die bekanntlich 110 000 Einwohner hat, stiftete anläßlich ihrer Stadtwerdung 100 000 Mark für ihre unverschuldeten Armen.

erklärt sich dadurch, daß der Seemannsberuf immer noc eine verhältnismäßig recht geringe Anziehungskraft auf die Söhne der regierenden und sonstigen fürstlichen Fa= milien Deutschlands ausübt. Hat es doch eine geraume Weile gedauert, bis im Offizierskorps unserer Marine auch adlige Namen nicht mehr eine verschwindende Seltenheit waren. Der junge Prinz von Hohenzollern wird nur we­nige Genoffen seines Ranges in seinem Dienstzweige fin­den. An der Spitze der deutschen Marine steht als Groß­admiral und General- Inspekteur Prinz Heinrich von Preußen, des Kaisers Bruder. Dessen betde Söhne werden, ohne Dienst zu tun, a la suite der Marine geführt, der ältere, Prinz Waldemar, als Oberleutnant, der junge Prinz Sigismund als Leutnant zur See. Im aktiven Dienst steht, aus souveränem Hause, nur noch der Prinz Christian von Hessen, ein jüngerer Bruder des Landgrafen Chlodwig von Hessen- Philippsthal- Barchfeld als Oberleutnant zur See bei der 5. Torpedobootflottille in Wilhelmshaven. Prinz Heinrich XXXII. Reuß jüngerer Linte, ein Sohn des ehe­maligen deutschen Botschafters in Wien, trägt die Marine­Uniform nur als Oberleutnant a la suite. Die nichtre= gierenden, mediatisierten fürstlichen Geschlechter sind durch den Prinzen Karl zu Ysenburg- Büdingen, Korvetten- Kapt= tän und Chef der 8. Torpedobootflottille in Kiel, und den Prinzen Nikolaus von Thurn und Taxis, Oberleutnant zur See auf S. M. Kreuzer Prinz Adalbert" vertreten. Da­mit ist die Reihe der deutschen Prinzen in der Marine beendet. Groß ist dagegen die Zahl der ausländischen Für­sten, die in den Listen der deutschen Marine geführt werden. Es sind der Bar, die Könige von Dänemark, England, Griechenland, Schweden und Spanien, die Erzherzöge Franz Ferdinand und Karl Stephan, die Großfürsten Michael und Kyrill, der Prinz- Gemahl Heinrich der Niederlande und die Herzüge von Genua und der Abruzzen. Von deutschen Bundesfürsten gehört, außer dem Kaiser, dem Oberbefehls­haber aller deutschen Wehrkräfte zu Wasser und zu Lande, nur der Großherzog von Oldenburg unserer Marine, eben= falls a la suite, an.

Der Präsident Graf von Schwerin- Löwitz eröffnete die Mittwochfizzung mit der Bemerkung, daß er beabsichtige, falls die sehr umfangreiche Tagesordnung nicht rechtzeitig erledigt werde, eine Abendsizung stattfinden zu lassen. Der Gang der Debatte in den ersten Sizungsstunden eröffnete darauf die besten Aussichten, denn nachdem das Gesetz, be= treffend die Tagegelder, Fuhrkosten und Umzugskosten der Kolonialbeamten der Budgetkommission überwiesen und das Gesetz zur zwetten Ergänzung des Besoldungsgesetzes in erster und zweiter Lesung debattelos angenommen war, ging die zweite Lesung des Etats des Reichseisenbahnamtes in behäbtger Breite weiter, ohne daß neue Gesichtspunkte dabei zutage getreten wären. Der Präsident des Reichs­eisenbahramtes Wackerzapp gab auf die Anregungen von Rednern verschiedener Parteten in längerer Rede Aus­funft. Seine Ausführungen bewiesen, daß die Eisenbahn­verwaltungen bestrebt sind, den Wünschen der Beamten und Arbetter, so weit es mit der Betriebssicherheit und den Zwecken des Verkehrs vereinbar ist, zu entsprechen, und alle Waterten, die ihrer Natur nach eine internationale Rege­Iung vertragen, tm Einverständnis mit den fremden Staa­ten zu ordnen. Nach dreistündiger Debatte wurde etn Schlußantrag angenommen. Der Etat der Reichsdruckeret rief feine Debatte hervor. Beim Etat des Reichstags wur den Wünsche inbezug auf die Ausschmückung des Hauses und andere innere Angelegenheiten in teilweise humoristt­schr Weise zum Vortrag gebracht. Es lag ein Antrag Wags ner( fons.) vor auf Beseitigung der Fremdwörter aus der Geschäftsordnung, der sich dem im Abgeordnetenhause vom Abg. Viereck( frk.) gestellten Antrage anschließt. Die Abgg. Kaempf( Vpt.) und Jund( ntl.) verlangten, daß die Kom­missionsberatungen den Interessenten zugänglich gemacht werden sollten. Abg. Arendt( Rpt.) wandte sich mit Ent­schiedenheit gegen besondere Diäten für die Herbstsatson, die Klage über Ueberbürdung wurde in beweglicher Weise vor­getragen, der Verkauf eines dem Reichstag benachbarten Grundstückes bemängelt u. s. f. Schließlich bewilligte man den Etat des Reichstages, nahm den Antrag auf Ver­deutschung an und erledigte auch den allgemeinen Pensions­fonds. Für Donnerstag wurde der Etat des Reichskanzlers und Auswärtigen Amts auf die Tagesordnung gestellt. Zum Attentat auf Frhrn. von Schlichting.

Der Mörder des Oberstleutnants v. Schlichting ist von einem Mittwoch mittag zusammengetretenen Kriegsgericht einstimmig zum Tode verurteilt und standrecht­lich erschossen worden. Kriegsminister Mahmud Scheffet- Pascha hat in einer Unterredung den Botschafter Marschall v. Bieberstein vor allem darum gebeten, Deutsch­land möge das traurige Ereignis nicht als einen diploma­tischen Fall behandeln. Der Botschafter sagte dies zu. Mitt­woch nachmittag erschien der erste Adjutant des Sultans in der deutschen Botschaft in Konstantinopel, um das Beileid des Sultans aus Anlaß der Ermordung v. Schlichtings auszusprechen. Namens der Regierung fondolterte der Großwesir. Die türkischen Marineoffiziere sandten dem deutschen Botschafter ein Beiletdstelegramm. Da die tür­fische Armee bedeutende Ehrungen für den Verstorbenen vorbereitet, bat der Kriegminister, die Beisetzung bis Sonn­abend aufzuschieben. Der deutsche Militärattachee besprach auf dem Kriegsministerium ein Programur für die Ueber= führung der Leiche nach dem Bahnhof. Viele Regimenter haben bereits Abordnungen angemeldet. Die deutschen Of= fiziere, die in türkischen Diensten stehen, vereinigten sich am Mittwoch im deutschen Hospital zu einer schlichten und würdigen Feier um den mit Blumenspenden bedeckten Sarg. Die Leiche Schlichtings ist einbalsamiert und wird in der deutschen Kapelle beigesetzt, bis die Anordnungen der Fa­milie aus Deutschland eingetroffen sind. Der Kriegsmi­nister Mahmud Scheffet teilte den Fall dem Generalfeld­marschall von der Goltz mit, dessen Sohn im Schlichting­schen Testament als Vollstrecter benannt ist. Wie weiter verlautet, dürfte die türkische Regierung der Witwe eine monatliche Rente von 1700 Mark bewilligen.

Rundschau vom Cage. Politisches.

Wie sehr die Zahl der Lehrerinnen in lezter Zeit ges wachsen ist, beweist am besten die Statistik. In Preußen gab es 1886 7000 Lehrerinnen und 60 000 Lehrer, 1906 16 000 Lehrerinnen und 85 000 Lehrer, am 1. Mai 1909 19 000 Leh­rerinnen und 92 000 Lehrer, am 15. Oktober vorigen Jah res gab es in Preußen 424 höhere Mädchenschulen, 288 weiterführende Bildungsanstalten und 43 Volksschulleh­rerinnenseminare.

Das Kaiserpaar, die Prinzessin Viktoria Luise und Gefolge, die Mittwoch mittag vor Korfu anlangten, be­gaben sich um Uhr an Land und fuhren in Automo­bilen nach dem Achilleion, wo sie Wohnung nahmen. Sie wurden überall von der Bevölkerung mit Hochrufen und Händeklatschen aufs herzlichste begrüßt.

Der Berliner Vich- und Schlachthof ist am Mittwoch, wie die Allg. Fleischerztg." meldet, von neuem wegen Ausbruchs der Maul und Klauenseuche für den Abtrieb gesperrt worden.

Die Zuwachssteuerkommission des preußischen Abge: ordnetenhauses beschloß am Mittwoch bei der Beratung des§ 3 gegen den Widerspruch der Regierung, daß der An­teil von 10 Prozent, der den Einzelstaaten für die Ver­waltung und Einziehung der Reichswertzuwachssteuer ge= geben werden soll, dahin geteilt wird, daß 5 Prozent den veranlagenden Gemeinden und dem Staate ebenfalls nur 5 Prozent zufallen.

Ein sehr hoher türkischer Offizier stellt den Vorgang folgendermaßen dar: Der Posten vor der Jildizkaserne hat feine scharfe Munition. Der Attentäter war früher mehr­male mit der Hend von Schlichting in Richtung gebracht worden, das letztemal stieß ihn Schlichting mit der Rett­gerte ganz leicht ens Gesicht, um ihm den Kopf zu drehen. Darauf behielt der Attentäter sich von einem Scharfschteßen zwei scharfe Partonen zurück und erklärte, wie die kriegs­gerichtliche Vernehmung ergab, seinen Kameraden schon vor einigen Tagen, wenn der deutsche Offizier ihn noch einmal mit der Gerte berühre, werde er ihn erschießen." Der türkische Offizier fügte hier ein, Schlichting habe leider nicht gewußt, daß solche Berührung schon genüge, daß etn Albanese seinen eigenen Vater morde. Der Soldat sprach vor dem Kriegsgericht sein tiefstes Bedauern aus.

Einen seltenen Fall von Personalunion zwischen Justiz und Technik erfährt man aus den amtlichen badischen Mit teilungen: Ein Gerichtsassessor und Diplomingenieur ist als Rechtsanwalt beim Landgericht in Freiburg zugelassen worden.

Eine Brandkatastrophe wird aus Rotterdam gemeldet. In einem Hause, das von einem alleinstehenden Ehepaare bewohnt war, entstand durch das Zerschlagen einer Lampe Feuer. Dem alten Mann gelang es mit größter Anstren­gung, seine Enkelkinder, die wegen eines Familienfestes zu Besuch bei ihm weilten, alle zu retten; als er nochmals ins Haus zurückkehrte, um seine Frau zu retten, brach er zu­sammen. Mann und Frau verbrannten.

Gehirnschlag als Folge einer Ohrfeige. Der Arbeiter Knoth in Darmstadt versetzte seinem zehnjährigen Sohne etne Ohrfeige aus geringfügigen Gründen, die so gewaltig war, daß ein Gehirnschlag eintrat, an dem der Knabe als= bald verstarb. Der Vater wurde verhaftet.

Ein tragisches Geschick traf die Familie des Ritter­gutspächters Doennig in Elisenthal in Ostpreußen. Seine Gattin gab zwei gesunden Knaben das Leben, an dem= selben Tage starb jedoch der Gatte und Vater.

Ein Ausschuß zur Aufklärung über die Fremdenle­gion ist in Bildung begriffen. Er will flare Verstellung schaffen über die französische Fremdenlegion sowohl im Deutschen Reich, in Desterreich und der Schweiz, wie auch in Frankreich selbst, wo man, durch die Presse irregeführt, sehr wenig von der Legion weiß. Ferner soll versucht werden, vor französischen Gerichten junge Fremdenlegi­onäre in geeigneten Fällen vom Legionsdienst freizube­kommen. Endlich soll alles Material gesammelt werden, das notwendig ist, bei einer etwa wieder vorkommenden völkerrechtlichen Verhandlung, wie seinerzeit bei der Casa­blanca- Affäre, wo das Grundsätzliche der Frage gar nicht berührt wurde, für diese Verhandlung das Material vor­zubereiten. Vollkommen ausgeschlossen sein soll die Bei­hilfe zur Desertion aus der Fremdenlegion.

Prinzen in der deutschen Marine. Der Fürst von Hohenzollern hat bestimmt, daß sein zweitgeborener Sohn, der jetzt neunzehnjährige. Prinz Franz Joseph, in die deutsche Marine eintreten und sich der Seeoffizierlaufbahn widmen soll. Die Beachtung, wel­che dieser Entschinß in der Deffentlichkeit gefunden hat,

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Des Rätsels Lösung.

Roman von Ludwig Blümck e. ( Nachdruck verboten.)

Schon gut, schon gut," unterbrach v. Reyter ihn. ,, Genügt mir, unser Herr Graf wird ungeduldig.- Ein andermal mehr davon."

Heuchler!- Infamer Kriecher!" brummte Hardi vor sich hin und beschloß, sich zu empfehlen, da er sich hier für überflüssig hielt.

Die Rache eines Seminaristen. In der russischen Gou­vernementsstadt Saratow tötete ein aus dem geistlichen Seminar ausgeschlossener Zögling den Rektor des Semis nars Zelebrowski durch mehrere Messerstiche.

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Ein schwerer Verbrecher wurde in Coblenz verhaftet. Er gestand ein, mit einigen flüchtig gewordenen Komplizen mehrere Anschläge auf Eisenbahnzüge verübt zu haben. In einem Falle versuchten sie einen Zug der Hunsrück­bahn an einer steilen Stelle zum Entgleisen zu bringen. In diesem Falle sowohl wie in einem anderen, wo sie dte Schrauben der Schienen gelöst hatten, wurde durch die Aufmerksamkeit der Bahnbeamten ein schweres Unglück. verhütet.

Ein hervorragendes Ereignis in Desterreich ist der friegsministerielle Erlaß, wonach Offiziere die bisher faum ausnahmsweise erwerbende Frauen heiraten durf= ten Lehrerinnen mit einem Minimaleinkommen von 2000 Kronen heiraten dürfen. Bisher mußte ein Leut­nant 60 000 kronen Kaution leisten, jetzt gilt das Leh­rerinnengehalt als Aequivalent der Kaution. Die Er­laubnis soll demnächst auch auf Frauen anderer Berufe ausgedehnt werden.

Noch ein paar formelle Phrasen, ein paar gnädige, seine Sclidität mit etwas zweifelhaftem Ernst anerken­nende Worte des Grafen, und er ging.

Der Schulfrieg in Belgien nimmt im ganzen Lande eine immer heftigere Form an; im Brabanter Landtage sowie in den meisten Gemeinderatssitzungen kam es be reits zwischen Liberalen und Klerikalen zu erregten Auf­tritten. Man erwartet nächsten Freitag aus Anlaß der Vorberatung der Schulvorlage im Kammerausschusse einen heftigen Zusammenstoß der Parteien.

Sa es ist ein ewiges Zerren am Narrenseit, sagte er mit sarkastischem Lachen zu sich selber, wie er nun durch den Nebel seiner Behausung zuwanderte. Ein halbes Jahr früher, da hätte ich noch zu ihnen gepaßt! Wein, Weib und Karten, das dünkten mich da­mals noch die höchsten Güter irdischen Genußlebens. Es ist vorbei!- Ein Mann, ein Wort!"

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Aus den Gerichtssälen.

Mit empörenden Mißhandlungen von Kindern hatte sich gestern das Schwurgericht in Amberg zu beschäftigen. Die Anklage richtete sich gegen die Zeugschmiedsehefrau Marie Ernst aus Thal; sie wurde der barbarischen Miß­Handlung ihrer eigenen und ihres Mannes Kinder aus erster Che beschuldigt. In einem Falle hatte sie den fünf­fährigen Stiefsohn Xaver zur Strafe für eine Unart auf die heiße Ofenplatte gesetzt und das Feuer kräftig nach­geschürt, so daß das Kind furchtbar verbrannte; dann warf fte das unglückliche Geschöpf mit voller Wucht zu Boden. Am anderen Tage erlöste der Tod den Knaben von seinen Qualen. In einem zweiten Falle hatte die Angeklagte einem ihrer eigenen Kinder ein offenes Messer derart in das Gesicht geworfen, daß es oberhalb des linken Auges stecken blieb. Das Urteil lautete auf acht Jahre, drei Mo­nate Zuchthaus und zehn Jahre Ehrverlust.

Zum russisch- chinesischen Konflikt wird aus Petersburg gemeldet: Wie verlautet, wird der hiesige chinesische Ge­sandte abberufen und durch eine andere Persönlichkeit er­setzt werden. Da die Nachrichten von der chinesischen Grenze noch immer sehr bedenklich lauten, haben die russischen Truppen noch feinen Befehl erhalten, sich zurückzuziehen.

Ein herrlicher Novembertag! Just, als wäre es nach furzem Winterregiment es war freilich ein recht ge= strenges gewesen-vor Weihnachten noch einmal Früh­ling geworden. Heiter lachte die Sonne vom blauen Him­mel auf die fahle Erde hernieder, und nur die Lerchen fehlten, um die Täuschung vollkommen zu machen.

Die Einwohner des Städtchens Thalbrücken strömten benn auch in Scharen hinaus in die liebliche Umgegend, deren herrliche Waldungen und Seen ihre Heimatsstätte berühmt gemacht, um zu genießen, was Mutter Natur thnen so ganz aus reiner Mütterlichkeit noch zuguter­legt bot.

die Sonne ihm zulächelte, denn seine Gedanken schweiften in weite Fernen, in traurige Tage der Vergangenheit.

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

Die Schätze der Berliner Kgl. Bibliothek. In einem Artikel über die Kgl. Bibliothek in Berlin macht Professor Adolf Harnack in den Preußischen Jahrbüchern" Mittei­lungen über die gegenwärtigen Bestände der Kgl. Biblio­thef. Es befinden sich in der Druckschriftenabteilung 1149 006, in der Kartensammlung 9440, in der Musiksamm Iung 46 191 und in der Handschriftenabteilung 31 518 Bände. Die Gesamtzahl der Bände beträgt 1236 155.

Die Frage einer Hamburgischen Universität wird in allernächster Zeit das Hamburgische Parlament, die Bürger­schaft, beschäftigen. Das von dem Hamburger Bürger Ed­mund Siemers gestiftete Vorlesungsgebäude wird am 14. Mat. dem Jubeltage des 100jährigen Bestehens der Firma G. J. H. Siemers& Co., eröffnet werden, und es wird den Grundstock der Hamburger Universität bilden.

Als er vor länger als drei Jahren nach Schloß Wal­denstein reiste, da war es ihm, dem lebensfrohesten jun­gen Offizier gewesen, als wäre des Himmels Sonne für alle Zeiten verfunken in traurige Nacht. Seine Mutter, die er abgöttisch geliebt, hatte plötzlich die Augen geschlos= sen. Und wie er eintrat in die Hallen des alten, grauen, an jenem Tage so ganz besonders düsteren Schlosses, da hatte er all die vornehmen Fremden, die noch vornehme ren Verwandten, die erstlich zu begrüßen doch seine Pflicht gewesen wäre, in seinem übergroßen Schmerz gar nicht be­achtet. Nur dem Vater war er ans Herz gesunken, und dann hatte er an der Leiche der Mutter geweint und ge= weint in einem Weh, das die anderen nicht kannten, nicht verstanden. Mit falten Augen schaute ihn hernach sein ältester Bruder, des Vaters Stolz, der Herr Gesandte, an und sagte: Aber Bernhard, schäme Dich! Du willst Offi= zier sein? 3eige doch der Welt nicht Deinen Schmerz! Sei doch etwas männlicher!"

Hardi von Eschenholdt schritt gemächlich zur Station der neuen Kleinbahn hinaus, um heute endlich einmal die heimatlichen Fluren wieder zu besuchen. Er sah nicht die vielen müßigen Spaziergänger, er sah auch nicht, wie

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Die Deutsche Antarktische Expedition" wird am 2. Mat von Hamburg unter Leitung des Oberleutnants Filchner thre Ausreise antreten. Der wissenschaftliche Stab und das nautische Personal sind vervollständigt. Die Umbauten des Schiffes Deutschland", eines norwegischen im Eise schon erprobten Walfängers, und der Einbau der Funkenspruch­station werden Anfang April beendet sein. Die Deutsche Antarktische Expedition" steht bekanntlich unter dem Pro­tektorat des Prinzregenten Luitpold von Bayern. Die Reichsregierung bringt dem nationalen Unternehmen tat­

Kapital in die Hände gefallen, so stürzte er sich blindlings in den Strudel der Weltlust, lebte sehr leichtsinnig, ver­praßte das Geld, machte enorme Schulden und kam erst wieder zur Besinnung, wie der gestrenge Vater ihm eines Tages ein sehr energisches ,, Bis hierher und nicht weiter!" zurief. Es wurden nicht viele Worte gewechselt. Der alte General sagte nur: Ich werde für dieses Mal Deine Schul­den bezahlen. Ich tue es aber nie wieder. Ich verlange dafür Dein Wort darauf, daß dieses Leben mit dem heu­tigen Tage ein Ende haben soll. Denke an unser Ge­schlecht, denke an Deine Ahnen! Sei ein Edelmann!"

Auch der andere Bruder, der Hauptmann im großen Generalstab, zuckte verächtlich die Achseln. Selbst Schwe­ster Herta, die an einen Grafen Lehndorff verheiratet war, konnte nicht verstehen, daß er die Etikette so ganz außer acht gelassen. Nur der gramgebeugte Vater machte ihm keine Vorwürfe, sondern ließ ihn ruhig an seiner Brust weinen. Und nach dem Begräbnis war er so schnell wie nur möglich wieder in die Garnison zurückgereist. Nur Rentmeister Rabens hatte er noch begrüßt und sich von die­sen guten Leuten, in deren Hause er von frühester Kind­heit an so gern geweilt, trösten lassen. Erna kam ihm damals noch gar so unbedeutend und klein vor. Ste aber und Hans hatten mit ihm geweint, und das würde er ihnen nie vergessen.

An das, was auf jenes traurige Ereignis folgte, moch­te Hardi heute nur mit Scham zurüddenken. Da ihm nach dem Testament der Mutter ein nicht unbeträchtliches

Und Hardi von Eschenholdt gab dem Vater sein Wort, das ihm heilig war.

Ganz in Gedanken versunken stieg er in das Kupee 2. Klasse des Zügleins, als einziger Passagier, und langsam schnaufte die Kleinbahn dahin durch die wunderbar schöne Landschaft, Laubwald in stetem Wechsel mit dunkelgrünen Föhren und Tannenschonungen, Seen und Wiesenflächen, durchrieselt von perlmutterglänzenden Bächlein, Ruinen einst mächtiger Ritterburgen auf den Höhen, so sah Hardi die Heimat wieder.

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,, Brachheide!" ruft auf der ersten Haltestelle der Schaffner. Welch ein Menschengewimmel! Maurer, Waldarbeiter, Fabrikleute mit berußten Gesichtern, alle wollen, da es Samstag, heimfahren. Sie wohnen meist in dem großen Dorfe Wedelstein, in dessen Nähe auch das Schloß Sr. Exzellenz des Generalleutnants von Eschenholdt liegt.- Da drängte sich auch eine schlanke Mädchengestalt, bepact mit Schachteln und Düten, durch die Menge. Hardi steht unter dem grünen Hütchen nur eine Fülle goldglän­zenden Blondhaares. Das Gesicht ist durch eine der Schach­teln verdeckt; er kann es sich aber nicht anders als bildschön denken. Tadellose Figur! Schlank und behende wie ein Reh!" murmelt er vor sich hin. Nur fix, fix!" ruft der Schaffner. Schnell alles einsteigen! Sie fahren dritter, was, Fräulein? Da ist alles besetzt. Kommen Sie hier rein, der Herr Leutnant wird nichts dagegen haben."(&. f.)

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