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Der verlorene Muff der Kaiserin. Bei ihrem letzten Besuche in Kiel benutzte die Kaiserin auch einen kostbaren Pelzmuff, der ein Geschenk des Kaisers darstellt. Diesen Muff vermikte die Kaiserin plötzlich, nachdem sie vom Kieler Kornblumentage heimgekehrt war. Sofort wurden alle Stellen, die die Kaiserin besucht hatte, von dem Ver­luste benachrichtigt, und ein Chauffeur machte sich sofort auf die Suche nach dem kostbaren Pelzwerke. Tatsächlich wurde der Muff, der einen Wert von 6000 Mark hat, denn auch gefunden. Er war der Kaiserin im Gedränge ent­fallen und lag unter einem Stuhle der noch nicht aufge­räumten Lokalität. 3war ziemlich durch die Füße der Festteilnehmer beschmutzt, aber dennoch unbeschädigt, konnte er der Kaiserin, die über das Wiederauffinden des An­denfens sehr erfreut war, wieder zugestellt werden.

Der Jegowator". Der Polizeipräsident von Berlin, Herr v. Jagow, tritt jetzt für den Hutnadelschutz" auch mit seinem Namen ein. Ein Berliner Fabrikant, der seinen Sutnadelschutz" auf den Namen des Berliner Po­lizeipräsidenten taufen wollte, erhielt auf eine Anfrage an Herrn von Jagow nachstehenden Bescheid: Euer Wohl­geboren erwidere ich ergebenst, daß ich gegen die Bezeich nung eines von Ihnen in Handel zu bringenden Hutnadel­schutzes mit dem Namen Jagowator" nichts einzuwenden habe. Hochachtungsvoll ergebenst Jagow."

Ein Negeridyll in Halle. Die Saaleztg." berichtet über folgenden Vorfall, der sich kürzlich in Halle abge­spielt hat: Zur Anzeige gebracht wurde ein Neger, der am Sonntag nachmittag den 12jährigen Jungen eines Arbei­ters, der nach Kinderart ein Stückchen Weg hinter dem Schwarzen herlief, mit einem dicen Spazierstock bearbei­tefe. Als der Mohr, der in Begleitung eines deutschen Mädchens war, auf das Unzulässige seines Benehmens aufmerksam gemacht und ihm bedeutet wurde, daß er nicht das Recht habe, aus nichtigen Ursachen das Kind eines Weißen zu prügeln, wurde er noch dreist, worauf durch einen Polizeisergeanten die Feststellung seiner Persona­lien erfolgte. Hoffentlich bleibt der Denkzettel nicht aus!" Ein Raubmord wegen 24 Pfennig. Wie wir be­richteten, ist man in Warsleben bei Halle a. S. einer Mordtat auf die Spur gekommen, die fünf Jahre zurüd­liegt und welcher der Dekonom Schwanede zum Opfer ge­fallen ist. Die als Täter verhafteten beiden jungen Leute sind der 31jährige Landwirt Grupe und der Arbeiter Ul­rich, der gegenwärtig beim 26. Infanterieregiment in Magdeburg dient. Ülrich wohnte vor fünf Jahren bei Schwanede. Bum Quartalsersten konnte er die Miete nicht zahlen. Da riet ihm Grupe, er solle Schwanede, der viel Geld habe, bestehlen. Während Grupe Wache stand, stieg Ulrich bei Schwanecke ein. Als dieser erwachte, warf ihm Ulrich einen bereitgehaltenen Strid um den Hals und hängte ihn am Bettpfosten auf. Die Verbrecher erbeuteten nur 24 Pfennige.

Eine Tragödie auf See. Die fünf Ueberlebenden von bem vor kurzem bei Island gestrandeten deutschen Fisch­dampfer Brema" aus Bremerhaven sind in die Heimat zurückgekehrt und standen gestern als Zeugen vor dem See­amt in Bremerhaven. Aus ihren Aussagen ergab sich, baß es sich bei dem Untergang der Brema" um eine jener furchtbaren Schiffskatastrophen handelt, wie solche zur Winterszett an der isländischen Küste leider nicht selten find. Der Dampfer Brema" war am 21. Februar wäh­rend eines schweren Sturmes an der Südküste von Island angekommen. Es war finstere Nacht und es wurden weder Lichter noch Land gesichtet. Gegen 4% Uhr morgens er­folgte die Strandung. Die Wellen stürzten über den Dam­pfer her und drehten ihn wie einen Kreisel. Der Kapitän Lübsen, der Steuermann Dettinger, der Koch Stegmener, ber zweite Maschinist Jochem und zwei Matrosen retteten fich in das Ruderhaus, während die übrige Mannschaft un­ter der Bad Zuflucht suchte. Als der erste Maschinist Dirk­sen, nachdem er die Feuer unter den Kesseln herausgerissen hatte, ebenfalls in das Ruderhaus flüchten wollte, wurde er von den Wellen über Bord gerissen und ertrank. Ihm folgten später de: Kapitän, der Steuermann, der zweite Maschinist, der Koch, sowie ein Matrose, die vor den Au­gen der Kameraden in die Tiefe sanken. Bei Tagesan­bruch flaute der Sturm ab und die Schiffbrüchigen sahen, daß sie dicht unter Land waren. Die halberstarrten Män= ner ließen sich an einem Tau vom Deck hinunter und frochen bei Ebbe auf einen nahen Felsen. Hierbei wurde noch ein Matrose von einer Welle in die Tiefe gerissen. Die Uebrigen schleppten sich an Land, wo sie von isländi­schen Bauern aufgefunden und gastlich aufgenommen wur­den. Später wanderten sie zu Fuß nach Reykjavik und fehrten von dort zu Schiff nach hier zurück.

Der Großherzog von Hessen hat keinen Draht" bei sich. Aus Darmstadt wird der Inf." geschrieben: Großherzog Ernst Ludwig liebt es, in einfachem Anzug und möglichst unerkannt einsame Spaziergänge in der Umgebung von Darmstadt und besonders im Herrengarten zu machen. Er ist dabei höchstens von einem Künstler begleitet, mit dem er nene Pläne bespricht. Vor einigen Tagen erging er sich wieder allein im Park. Hier traf er einen jungen Mann, einen stellungslosen Kaufmann, der den Großherzog nicht kannte, da er erst vor kurzer Zeit nach Darmstadt ge= tommen war. Der Großherzog kam mit dem jungen Mann bald ins Gespräch und erfuhr von ihm, daß es ihm augen­blicklich sehr schlecht gehe, da er kein Einkommen habe. Der Kaufmann hielt den Großherzog auch für einen Leidens­gefährten, und der Großherzog tat nichts dazu, ihm diesen Glauben zu nehmen. Im Laufe des Gesprächs betonte der junge Mann, daß nichts unangenehmer sei, als wenn man feinen Draht" bei sich habe. Der Großherzog, der diese Kraftausdrücke nicht kannte, wußte nicht, was für ein Draht seinem Begleiter fehle und erkundigte sich schüchtern danach. Er erhielt darauf die klassische Antwort: Na, der Draht, den Sie und ich nicht haben. Ich meine natürlich Vinke, Pinke." Nun war der Großherzog um nichts flüger, denn er wußte jetzt wieder nicht, was" Pinke, Pinke" ist. Weiter wollte er sich aber nicht erkundigen, um durch seine Fragen nicht aufzufallen. Als nun der junge Mann ihn fragte, ob er nicht vielleicht ihm auf einige Tage ein bis­chen Draht" borgen könnte, erklärte der Großherzog auf­richtig, daß er feinen Draht bei fich habe. Dabet fragte er th, wozu er denn den Draht augenblicklich nötig habe. Ich möchte mir gerne einen Anzug kaufen, sagte der junge Kaufmann, denn in den schäbigen, den ich anhabe, werde tch so schnell nicht eine neue Stellung friegen. Hab' ich aber erst eine Stellung, dann gebe ich Ihnen bestimmt den " Draht" wieder." Jetzt begriff der Großherzog erst, um was für einen Draht" es sich handelte, und daß es ebenso wie der Ausdruck Pinfe, Pinke" eine Umschreibung für das Wort Geld sei. Er war über diese Geschichte sehr be­Iuftigt und rief einen vorübergehenden großherzoglichen Beamten heran und befahl ihm, mit dem jungen Manne in ein Schneidergeschäft zu gehen und ihm einen Anzug auf Kosten des Großherzogs machen zu lassen. Der junge Mann blieb verblüfft mit offenem Munde stehen, und der Groß­herzog ging mit einem freundlichen Gruß schnell fort. In der Hofgesellschaft von Hessen- Darmstadt, wo sich diese Ge­schichte schnell herumsprach, lacht man noch heute darüber.

Der Bod als Gärtner. In einem Cölner Warenhause wurden in der letzten Zeit häufig Diebstähle ausgeführt, ohne daß es gelang, der Spitzbuben habhaft zu werden. Zwei auf der Lauer liegende Angestellte des Hauses faßten nun in einer der letzten Nächte den Dieb ab. Es war ein Wäch­ter der Cölner Wach- und Schließgesellschaft, der den Sicher­heitsdienst versah und also in höchsteigener Person als Spitz­bube in flagranti ertappt wurde. Eine ganze Anzahl Per­sonen kommen wegen Hehlerei in Haft. In der Wohnung des verhafteten Wächters wurde ein ganzes Warenlager ge= stohlener Gegenstände gefunden und beschlagnahmt.

Der unartige Affe in Rosenkavalier". Bei der letzten Aufführung des Rosenkavalier" im Münchener Hofthea­ter hat der Affe, der auf dem Käfig des Tierhändlers sitzt, fich entgegen seiner sonstigen Folgsamkeit sehr unartig be= nommen. Er sprang zu den am Boden liegenden drei adligen Damen herab und nahm einem der drei Fräuleins das Häubchen und die Perücke vom Kopf, um beides verächt­lich wegzuwerfen. Die dret Damen waren ob dieses Vor­tommnisses natürlich sehr erschrocken.

Neues von Achilleion.

Von den Schwierigkeiten einer kaiserlichen Hofhaltung auf der angeblichen Phäakeninsel macht man sich in der deutschen Heimat sicherlich nicht die richtige Vorstellung. Sämliche Kulturprodukte, Werkzeuge, Maschinen und Kom­fortartikel müssen ja hierher gebracht werden. Phantastisch hoher Zoll ist auf alles und fedes, was hereinkommt, gelegt, da man auf Korfu keine Steuern, sondern nur Zölle zahlt. Was man hier an brauchbarem Material hat, ist aus Triest, Venedig, Brindisi und Athen. Waren wie Menschen. Das forfiotische Arbeitermaterial ist unglaublich faul und un­geschickt. Man möchte sagen, daß nicht nur die griechische Beitrechnung um 13 Tage nachhinkt, sondern auch vieles andere ebenso rückständig ist. Telegramme vertraut man besser dem englischen Privatkabel nach Athen als dem grie= chischen Amte, Geldbriefe und Postanweisungen am besten niemanden an.

Siebzig Personen hat das Achilleton zu beherbergen, nämlich den Kaiser, die Kaiserin, Prinzessin Viktoria Lu­tse, das Kronprinzenpaar( von Aegypten fommend), über ein Dutzend Gäste und fünfzig Köpfe Personal. Kaiserin und Prinzessin bewohnen wieder im oberen Stockwerk die Gemächer, die einst von Elisabeth von Oesterreich benutzt wurden. Für den Kaiser ist im unteren Stockwerk alles nach seiner Bequemlichkeit und Gewohnheit hergerichtet. Die Decke zwischen dem ersten und zweiten Stockwerk ist durchbrochen, um Platz für eine Treppe zu gewähren, auf der der Kaiser in die Gemächer der Damen gelangen kann, ohne über die große Staatstreppe" gehen zu müssen. Das Kronprinzenpaar muß in Gastzimmern des Schlosses un­tergebracht werden.

Das Achilleion, das den Dimensionen eines mittleren Schweizerhotels entspricht, ist immer noch für den fatser= lichen Haushalt und Hofstaat zu klein. Immer noch, ob­wohl durch den Aufbau über dem obersten Stockwerk und durch das neue Kavalierhaus nebenan neue Räume geschaf= fen sind. Ein wahres Glück war es, als nach fast verzwei­felten Bohrversuchen endlich ein artefischer Brunnen ge= funden wurde, der gutes, felsenfrisches Wasser liefert. Vor­her mußte alles Wasser von einem fast 1 Kilometer entfern­ten Brunnen herbeigeschafft werden. Die Badehäuser für dte kaiserliche Familie sind unten am Strande hergerichtet. Ein prächtiges Eisentor schließt den Part gegen Eindring­linge auch von der Seesette ab. Eine weiße Mole ragt weit in die See hinaus und an threm Ende empfängt ein mar­morner Delphin: Der lachende Philosoph des Meeres", wie die Kaiserin Elisabeth ihn uinte, die anlandenden Gäste.

Das Schloß ist mit der Stadt Korfu( Stunden Wa­genfahrt) nicht nur telephonisch, sondern neuerdings auch durch einen Telegraphendraht verbunden. Elektrische Be­leuchtung hatte das Schloß schon zur Zeit der Kaiserin Elt­sabeth. Aber bet der Besitzübernahme durch das Hofmar­schallamt des Königs von Preußen fanden sich die Leitungen in zerstörtem Zustande vor und mußten durch neue ersetzt werden. Ueberhaupt, was mußte nicht ersetzt werden, und welche Riesensummen hat dieser hellenische Traum" nicht schon gekostet! Die erste Errichtung verschlang 22 Millionen Drachmen( 17 Millionen Mark), d. t. weit mehr als die Bausumme für den Berliner Dom. Dabet dürfte es wohl für viele etwas neues sein, daß das Achilleion in den Jah­ren 1889/91 aus den Trümmern eines alten venetianischen Bauwerks, der Villa Braila errichtet wurde. Eine Million zahlte der deutsche Katser dafür. Das war ein höchst könig­Itcher Preis. Ein Privatmann hätte es wohl um 800 000 Mark bekommen. Alles, was sich jetzt an Einrichtung im Achilleion befindet, ist neu. Aber auch das Gebäude selbst mußte vom Keller zum Dache eigentlich noch einmal durch­gebaut werden, da das ursprüngliche Material sehr viel zu wünschen übrig ließ. Man hat wiederholt die Frage aufgeworfen, ob der kaiserliche Besitz als solcher bei ver­hältnismäßig so kurzem Aufenthalt die riesigen Kosten recht­fertigt. Diese Frage wird jeder bejahen, der sich dort einmal aufhielt. Denn dort lebt man es ist nicht zu viel gesagt auf einem der schönsten Fleckchen Erde unserer Welt. Es ist ästhetisch genommen schon ein wahrhaft königlicher und faiserlicher Besitz.

Attentat auf einen deutschen Offizier.

Oberstleutnant v. Schlichting von einem türkischen Soldaten erschossen.

Vor der Kaserne vom Jildiz- Kiosk in Konstantinopel schoß am Dienstag ein Militärposten den inspizierenden Oberstleutnant v. Schlichting, einen deutschen Instruf­tionsoffizier, durch die Magengegend. Der Posten wurde verhaftet. Die Tragödie erregt allgemein aufrichtige Teil­nahme. Oberstleutnant von Schlichting steht als Instruk tionsoffizier erst seit zwei Monaten in türkischen Diensten. Bis dahin war er etatsmäßiger Stabsoffizier im Elisabeth­Garderegiment. Schlichting hatte in Konstantinopel das In­fanteriemodellregiment unter seinem Befehl. Dienstag morgen besichtigte er mit dem Divisionär Izzet dieses Re­giment. Die Wache trat beim Herrannahen der beiden hohen Offiziere ins Gewehr. Während diese die Wache langsam abschritten, senkte ein Mann der Wache, ein Soldat alba­nesischen Stammes, sein Gewehr und schoß es ab. Der un­mittelbar vor ihm stehende Oberstleutnant v. Schlichting wurde tödlich getroffen. Der Schuß verletzte den Magen und das Rückgrat. Schlichting brach zusammen. Der Attentäter wurde sofort verhaftet. von Schlichting fonnte in das deutsche Hospital transportiert werden. Dort erlangte er sein Bewußtsein wieder. Er diftierte sein Testament und verlangte, mit dem albanesischen Attentäter konfron­tiert zu werden. Das geschah. Auf die Frage Schlichtings, warum er ihn töten wollte, antwortete der Albanese, wetl Schlichting thn mißhandelt habe. Auch bei dem weiteren Verhör verblieb der Albanese bei seiner Aussage. Das Kriegsgericht wird den Albanesen heute aburteilen. Die Todes strafe gilt als sicher. Die Posten vom Jildiz- Kiosk haben keinerlei scharfe Munition. Der Ge­neralissimus ordnete sofort eine strenge Untersuchung an zur Feststellung, woher der Posten die scharfe Patrone hatte. Oberstleutnant v Schlichting richtete von seinem Sterbebette aus einen Brief an den Generalissimus, in dem er mit herzlichen Worten für das schöne Regiment dankte, das er ihm anvertraut habe und in dem er die Hoffnung ausspricht, daß dasselbe rüiftig fortschreiten und dem Vaterlande zum Ruhm gereiche! Abends um 6 Uhr ist Oberstleutnant von Schlichting gestorben. Nachmittags erschien der Kriegs­minister Generalissimus Mahmut Pascha, begleitet vom Di­

visionär Hassan Izzet und zwei Adjutanten beim deutschen Botschafter, um das tiefste Bedauern der türkt schen Armee auszusprechen und die Versicherung zu ge ben, daß der Attentäter mit der ganzen Strenge des Ge setzes bestraft werden würde.

Nach einer weiteren Meldung erwiderte Schlichting als der Attentäter mit ihm fonfrontiert wurde und auf die Stellen hinwies, wohin Schlichting ihm angeblich mit dem Gewehr wiederholt gestoßen haben sollte, ruhig: Mein Sohn, niemals habe ich Dich berührt; ich bin einer Un­wahrheit nicht fähig." Tatsächlich erfreute sich Schlichting bei seinen Soldaten weitester Sympathien. Man glaubt, daß der Soldat die Tat begangen hat, weil v. Schlichting ihm bei der Inspektion den Helm gerade gerückt hatte. Die Gattin und die Kinder v. Schlichtings sollten in nächster Zeit in Konstantinopel eintreffen.

Zu dem traurigen Vorfall meldet heute noch der Draht: Konstantinopel, 29. März. Die gesamte Presse ist entrüstet über die Ermordung des Oberstleutnants von Schlichting und lobt das ersprießliche Wirken der deutschen Instrukteure. In miliärischen Kreisen erwartet man, daß der Generalissimus Mahmud Scheffet von der Tribüne der Kammer eine feierliche Erklärung abgeben und das Parla­ment einen Kredit beschließen wird, der wenigstens die ma­terielle Lage der Familie von Schlichtings sichert. Der Sultan hat an den Kaiser ein Beileidstelegramm gerichtet, auch hat der türkische Kriegsminister dem preußischen Kriegs­minister seine Teilnahme ausgedrückt.

Drabtnachrichten und neuestes.

Der russisch- chinesische Konflift. Petersburg, 29. März. Die russisch- chinesische Krise wird, da das Auswärtige Amt durch Chinas Antwort zu­frieden gestellt ist, als beendet betrachtet. Allerdings steht die Antwort des Zaren über Chinas Antwort noch aus. Auch aus Wladiwostok liegen beunruhigende Nachrichten vor. In Charbin ist die Stimmung noch sehr erregt.

London, 29. März. Dem Reuterschen Bureau" wird mitgeteilt, daß Japan in der letzten Phase des russisch- chine­sischen Konflikts entsprechend seiner früheren Stellungnahme in dieser Frage und seinen Wunsch, den Frieden im fernen Osten aufrecht zu erhalten, China wiederum als ratsam nahegelegt habe, den Forderungen des russischen Ultimatums zu willfahren.

Eine hervorragende militärische Flugleistung. Samburg, 29. März. Vollständig unerwartet sah man gestern nachmittag gegen 6% Uhr in der Gegend des Wands­befer Exerzierplates in beträchtlicher Höhe einen Zwei­decker mit zwei Personen, der in elegantem Bogen über die Stadt Wandsbek und den Exerzierplay hinwegflog und bald darauf im Glettflug landete. Der Führer des Ap­parates war Oberleutnant Erler von den Verkehrstruppen in Berlin, sein Begleiter Leutnant Mackenthum vom 144. Infanterieregiment in Meß. Die beiden Offiziere waren um 3 Uhr nachmittags in Döberitz aufgestiegen. Die weite Strecke legten sie also genau in 3% Stunden zurück, also in derselben Zeit, die der schnellste Zug Berlin- Hamburg braucht. Die Landung auf dem Ererzterplate erfolgte, da der Flug nicht angekündigt war, ohne jede Hilfeleistung. Die Strecke Berlin- Hamburg beträgt in der Luftlinie 240 Kilometer.

Schwerer Unfall infolge Spielens mit einer Schußwaffe. Berlin, 29. März. Auf einem Ausfluge der Steg­liter Gemeindeschule nach Schmöckwitz wurde gestern nach­mittag in einem dortigen Restaurant der 14jährige Schüler Kind von einem Kameraden durch einen unglücklichen Zu­fall mit einem Tesching angeschossen und lebensgefährlich verletzt.

Die Gefahren des Flugsports.

Berlin, 29. März. Der faiserliche Chauffeur Krieger unternahm gestern auf dem Flugplay Johannistal zum er­stenmal auf seinem selbst erbauten Zweidecker einen Flug­versuch. Beim Beschreiben einer Kurve überschlug sich der Apparat plöblich zweimal in der Luft und stürzte zu Bo den. Das Flugfahrzeug wurde vollständig zertrümmert, während der Flieger wie durch ein Wunder unverletzt blieb.

Paris, 29. März. Während eine Fluges über dem Pariser Vorort Puteaux verunglückte gestern abend der Aviatiker Cei, ein junger Italiener. Cei war in Issy les Moulineaux mit einem kleinen Zweidecker aufgestiegen und hatte in bedeutender Höhe die Häuser von Pouteaux er­reicht, als plötzlich der Motor versagte und der Apparat zu finken begann. Obwohl Cei verzweifelte Anstrengungen machte, den Zweidecker zu beherrschen, artete der Gleitflug allmählich in einen Sturz aus und der Zweidecker fiel auf der Rothschild'schen Insel in der Seine nieder, wo er zer­schellte. Man fand Cei bewußtlos und schwer verletzt unter den Trümmern. Der Schädel war an mehreren Stellen ge­brochen, die Kinnlade zerschmettert und die Füße gebrochen Der Verunglückte starb bald nach seiner Einlieferung ins Spital. Von einem Hunde angefallen und zerfleischt. Berlin, 29. März. Gestern nachmittag wurde das sechsjährige Töchterchen eines Tischlers in Lichtenberg von einem Schlächterhunde angefallen und so entsetzlich zuge richtet, daß es in der Nacht seinen Verlegungen erlegen ist. Die Brandkatastrophe in Neuvork. Frankfurt a. M., 29. März. Wie der rff. 3tg." aus Neuyork gemeldet wird, ergab die Untersuchung, daß viele Arbeiterinnen über die Fluchtmöglichkeit überhaupt nicht unterrichtet waren, viele verstanden fein Englisch. Die herabspringenden Menschen schlugen so massenweise auf das Straßenpflaster auf, daß das Zählen, meist sogar das Sehen unmöglich war. Nur der dumpfe Krach beim Aufschlagen war hörbar. Wären die Mädchen einzeln gesprungen, so wäre die Rettung mittels der Sprungtücher möglich ge­wesen. Da aber immer mehrere auf einmal, viele mit um­einander geschlungenen Armen herabstürzten, riffen die Matraßen und brachen die Sprungfedern und die die Sprungtücher haltenden Männer wurden niedergerissen. Es wurden Leichen zu fünfen übereinandergehäuft gefunden.

Bandel und Gerkebr.

Gaffel, 28. März. Schlachtvichpreise. 1. Rinder. A. Ochsen: a) vollfleischige ausgemästete höchsten Schlachtwer­tes, die noch nicht gezogen haben( ungejocht)( Schlachtgew.) 87-88 M, 6) vollfleischige ausgemästete im Alter von 4 bis 7 Jahren 88-86 M, c) junge fleischige nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 78-82 M, d) mäßig genährte fün­gere, gut genährte ältere- M. B. Bullen: a) vollfleischige ausgewachsene höchsten Schlachtwertes 83-84 M, 6) vollflet­schige junge 79-82 M, c) mäßig genährte jüngere, gut ge= nährte ältere M. C. Färsen und Kühe: a) vollfleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes 82-85 M, 6) vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren 79-80 M, c) ältere ausgemästete ühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen 76-78 M, d) mäßig genährte Kühe und Färsen 78-75 M, e) gering genährte Kühe und Färsen 58-65 M. 2. Kälber. a) Dop­M, b) feinste pellender, feinster Mast( Lebendgewicht) Mastfälber M, c) mittlere Mast- und befte Saugkälber 55-58 M, d) geringere Mast- und gute Saugkälber 50-52 M, e) geringere Saugkälber 45-48 M. 3. Schafe. Stall­mastschafe: Mastlämmer und jüngere Masthammel( Schl.­Gew.) 82-85 M. 4. Schweine. a) Fettschweine über 150 Algr.( Schlachtgewicht)-M, 6) vollfleischige von 120-150 Algr. 60-61 M, c) vollfleischige von 100-120 Igr. 59-60 M d) vollfleischige von 80-100 Igr. 57-58 M, e) vollfleischige unter 80 Klgr. M, f) unreine Sauen und geschnittene Eber 52-56 M.