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Gießener Zeitung

( Neueste Nachrichten)

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Nr. 76.

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Telephon: Nr. 362.

Abrüstung.

der Großherzoglichen Bürgermeisterei

des Großherzoglichen Polizei- Amtes Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.)

sowie vieler anderer

In den Parlamenten der europäischen Großstaaten ist es seit langem üblich, sich alljährlich mindestens ein­mal über die Abrüstungsfrage und die Einführung des ewigen Friedens zu unterhalten. Auch in diesem Jahre ist das bereits mehrmals geschehen. Die unverdrossenen Vertreter des Abrüstungsgedankens und des Weltfrie­dens verfahren nach dem sonst bewährten Satze, daß Be­harrlichkeit zum Ziele führt. Aber damit werden sie in diesem Falle nichts erreichen. Denn sie wollen, was der unabänderlichen Natur der Menschen und aller geschicht­lichen Erfahrung widerspricht. Im Leben der einzelnen wie der Völker ist der Kampf ums Dasein die bewe­gende Kraft, und der Widerstreit und der Wettstreit der Interessen wird unter Staaten im äußersten Falle nie­mals anders als durch Krieg, als nach dem Worte The odor Körners geschlichtet werden können: Das höchste Heil, das letzte liegt im Schwerte!"

an

Nichts veranschaulicht besser den Widersinn der so­genannten Weltfriedensbewegung, als daß England, das, wenigstens mit Worten und auf dem Papier, deren Spitze marschiert, seine Rüstungen am allereifrig­sten betreibt und in der neuesten Zeit mehr als einen Krieg geführt hat. Nicht minder liebt man es in Nord­amerika, die Schalmei des ewigen Friedens zu blasen und die Abschaffung der Kriege zu fordern, aber das hat die Union nicht einen Augenblick abgehalten, sich mit Spanien auf friegerischem Wege auseinanderzusetzen. Bald nach der ersten Haager Friedenskonferenz begann zwischen Rußland und Japan, obwohl beide die Frie­densbeschlüsse unterzeichnet hatten, einer der blutigsten Kriege der Neuzeit, und nie ist ein Abrüstungsantrag schlagender widerlegt worden, als der Virchows wenige Monate vor Ausbruch des Krieges von 1870-71. Der berühmte Gelehrte begründete im preußischen Landtage am 21. Oktober 1869 seinen Antrag auf allgemeine Ab­rüstung" mit der Versicherung, das französische Volk sei viel zu gebildet und friedfertig, um in absehbarer Zeit an einen Krieg gegen Deutschland auch nur zu denken. Wäre man vor 42 Jahren auf diese Torheit der Ab­rüstung in Deutschland eingegangen, so hätten wir heute wahrscheinlich fein Deutsches Reich und an seiner Spitze feinen Kaiser.

Donnerstag den 30. März 1911

Jahr". Seitdem sind diese Worte vielfach bewiesen wor­den. Unser deutsches Heer ist nicht nur nicht unproduk tiv, sondern bedeutet als die weitaus wichtigste und wirksamste Einrichtung der allgemeinen Volkserziehung die Grundlage unserer förperlichen, sittlichen und wirt­schaftlichen Kräfte und bildet den Grundpfeiler unserer nationalen Zukunft. Schon daraus erklärt sich, daß un­ter den Abrüstlern die Sozialdemokraten an erster Stelle stehen: kommt das Heer, dieser Grundpfeiler unserer ge­samten Zukunft, ins Wanken, dann kann es sie nicht mehr allzu viel Mühe kosten, die bestehende Ordnung über den Haufen zu werfen.

Krieg, nach Moltke ein Element der natürlichen und göttlichen Ordnung der Dinge, wird es immer geben, es sei denn, daß es alle Völker und Staaten dahin brin­gen, in ihren Interessen völlig übereinzustimmen, oder daß ein einziger einheitlicher Weltstaat mit gemeinsamer Rechtsordnung von ewiger Dauer hergestelit wird. We­der das eine noch das andere wird jemals gelingen, und darum bleibt es ein naturwidriges, unvernünftiges Streben, den Krieg abschaffen zu wollen und zu die­sem Zwecke abzurüsten. Wenn es überhaupt eine Frie­densbürgschaft gibt, so kann sie nur in einem starten, friegsbereiten Heere bestehen. Wollte das Deutsche Reich mit dem Beispiele der Abrüstung vorangehen, so wür­den dies unsere Feinde, weit entfernt, diesem Vorbilde zu folgen, als die Eröffnung der längst ersehnten Aus­sicht begrüßen, mit uns abzurechnen und uns von der

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Aus dem Reichstag.

Die Resolution Behrens, Kölle: Der Reichstag wolle beschließen, den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, die Verwaltung der Reichseisenbahnen anzu­weisen, daß

Höhe unserer Machtstellung durch Krieg jäh hinabzu stürzen. Daß das deutsche Heer dem französischen über­legen ist, darauf beruht hauptsächlich die Sicherheit des europäischen Friedens. Rüsten wir ab, so hörten diese Ueberlegenheit und diese Friedenssicherheit auf; jenseits der Vogesen würde dann der Gedanke der Vergeltung" unheimlich wachsen. Die Friedenszünftler begehen den Fehler, daß sie die großen Armeen der europäischen Fest­landsmächte als eine Gefahr für den Frieden behan­deln, während sie in ihrer furchtgebietenden Schlagfertig­keit das Gegenteil, Friedensbollwerke sind. Abrüstungen würden kriegerische Auseinandersetzungen nicht verhüten, eher dazu anreizen, und den Vorsprung und Vorteil müßten dann die haben, die dem Leichtsinn der Ent­waffnung nicht oder am wenigsten gefrönt haben; die jedoch, die zu unvollkommener Kriegsrüstung übergegan­gen sind, müßten das tausendfach büßen.

1. möglichst für alle Arbeiter in den Werkstätten, Be­trieb und Bahnunterhaltung Arbeiteraus= schüsse errichtet werden;

2. den Arbeiterausschüssen bei Gestaltung der Lohn­und Arbeitsbedingungen eine geeignete Mitwirkung

ermöglicht wird;

3. in dem Bericht über die Verwaltung der Reichs­eisenbahnen auch über die Tätigkeit der Arbeiter= ausschüsse berichtet wird;

4. alle Arbeiter und Handwerker der Reichseisenbah= nen nach 10jähriger einwandsfreier Dienstzeit aus dem Arbeitsverhältnis mit 14­tägiger Kündigung in ein gesicherteres Ar­beitsverhältnis( Diplomverhältnis) über­führt werden,

wurde einstimmig angenommen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 30. März 1911. Preußische Klassen Lotterie. Die Erneuerung der Lose zur 4. Klasse muß mit Vorlegung der Lose 3. Klasse spätestens bis zum 3. April, abends 6 Uhr, geschehen sein. Auch müssen die Freilose zur 4. Klasse gegen Rückgabe der Gewinnlose 3. Klasse bis zum vorerwähnten Termin eingefordert sein.

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( Gießener Tageblatt)

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Telephon: Nr. 362.

23. Jahrg.

Grab ausgehoben hatte. Diese Arbeit hat er am Sams­tag bereits besorgt, seitdem wurde er vermißt.

Gießen, 30. März. Der Großherzog hat dem Bürgermeister, Ortsgerichtsvorsteher und Standesbeam­ten Konr. Schmidt zu Strebendorf das Allgemeine Ehren­zeichen mit der Inschrift Für langjährige treue Dienste" am Bande des Verdienstordens Philipps des Großmü­tigen verliehen.

* Butzbach, 30. März. Der hiesige Gemeinde= rat beschloß die Einführung des fakultativen Unterrichts der französischen Sprache an der hiesigen Volksschule.

* Wiesbaden, 29. März. Wegen Unterschlag­ung im Amte stand der 62jährige Gemeinderechner G. aus Riedelbach bei Usingen vor dem Schwurgericht. G. hat während des vorigen Jahres 2500 Mk. verein nahmte Holz-, Obst- und sonstige Gelder unterschlagen. Das Gericht erkannte gegen ihn auf 7 Monate Gefäng­nis.

* Gießen, 30. März. Am Samstag abend hielt der Vogelsberger Höhenklub, Zweigverein Gießen, auf der Liebigshöhe sein Stiftungsfest ab. Musikvorträge, Gesänge der Gesangsabteilung und Einzelvorträge wech­selten miteinander ab. An den Unterhaltungsteil schloß sich ein Tanz. Am Sonntag wurde ein Ausflug nach Dutenhofen unternommen.

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Gießen, 30. März. Hessischer Blu= mentag. Wie wir hören, hat der Inhaber der Firma Georg Volt, Fabrik für Blechemballagen und Metall­waren in Rüsselsheim a. M., den gesamten Bedarf an Sammelbüchsen für den allgemeinen hessischen Blumentag, etwa 5000 Stüd, gestiftet.

von

* Dalherda, 30. März. Jm nahen Walde fand man dieser Tage frischgeschlachtetes Fleisch und Würste in Schüsseln. Die Fabrikanten" waren vor hinzukom­menden Förstern geflüchtet. Das Fleisch stammt einem gepfändeten Schwein, das dem Besitzer angeblich aus dem Stall gestohlen und im Wald verwurstelt" wurde.

Frankfurt, 30. März. Zur Milchpreiserhöh­ung nahm am Montag eine Versammlung der Milch­händler Stellung. Man beschloß, die von den. Land- wirten geforderte Milchpreiserhöhung abzulehnen. Die Großhändler und Molkereien haben sich mit den Händ­lern solidarisch erklärt. Es sind auf beiden Seiten die umfassendsten Vorbereitungen für den am 1. April be­ginnenden Milchkrieg getroffen worden.

Gießen, 30. März. Der Hessische Landesver­ein für Innere Mission hat den Pfarrassistenten Zent­graf, seither in Gustavsburg, als Vereinsgeistlichen be­rufen, während der seitherige Vereinsgeistliche, Pfarrer Glock in Nieder- Ramstadt, seine Tätigkeit nunmehr ganz den dortigen Anstalten widmen wird. Die Geschäfts= stelle des Landesvereins befindet sich von jetzt ab wie­der in Darmstadt, Karlsstraße 21.

* Lich, 30. März. Nächsten Sonntag hält der Verein der Orts- und Polizeidiener für die Provinz Oberhessen in Steins Saalbau seine diesjährige General­versammlung ab. Auf der Tagesordnung steht u. a. die Frage des Beitritts zum Verbande der hessischen Kommunalbeamten.

- Wetzlar, 30. März. Vom 13.- 15. Mai fin­det in Frankfurt a. M. die 25. Hauptversammlung des Mittelwestdeutschen Stenographenbundes Stolze- Schren" statt. Bei der Akademischen Feier hält Ferdinand Schrey aus Berlin den Festvortrag über das Thema Die Zu­

Vor allem verharren die Abrüstungsapostel unbe= lehrbar bei dem Grundirrtum, daß die Heere, besonders die auf der allgemeinen Wehrpflicht beruhenden Volks­heere, eine gänzlich unproduktive Belastung darstellen. Jahraus, jahrein fehrt in den parlamentarischen Abrüst­ungsplaudereien die Behauptung wieder, die Armee ver­geude geradezu das Nationalvermögen, und der unge­heuere Druck der Heereslasten müsse den finanziellen Zukunft der Stenographie". sammenbruch der Staaten zur Folge haben. Schon im Jahre 1899 sagte auf der Haager Friedenskonferenz der damalige militärische Vertreter Deutschlands Oberst von Schwarzhoff: Das deutsche Volk ist nicht unter den Militärlasten zusammengebrochen, und es geht nicht der Erschöpfung und dem Ruin entgegen. Ganz im Gegen­teil: die ganze Lebensstellung hebt sich von Jahr zu

Niederroßbach- Neustadt, 30. März. Vom Zuge überfahren wurde gestern morgen auf dem Bahnübergang an der hiesigen Station das Gefährt des Gemeinderechners. Vor den mit Sand beladenen Wa­gen waren zwei Kühe bespannt, von denen eine auf der Stelle getötet wurde. Der Lenker des Fuhrwerkes fam mit dem Schrecken davon.

* Groß- Auheim, 30. März. Sein eigenes Grab geschaufelt hat sich hier der Totengräber. Der 45 Jahre alte Mann hieß Schmidt, war Schuhmacher und nebenbei Totengräber. Gestern fand man ihn nun auf dem Friedhofe in der Leichenhalle, wo er sich an der Totenbahre erhängt hatte. Als man näher nachsah, fand man, daß Schmidt vorher fein säuberlich sein eigenes

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