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Gießen.

Gießener Zeitung

( Neueste Nachrichten)

Bezugspreis 50 pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen

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oierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mk. Erscheint Mittags 3 Uhr. Die Illuftr. Weltrundschau" liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. Redaktion: Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung ,, G. m. b. H.

Nr. 150.

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Telephon: Nr. 362.

Der Sommer 1911

wird an politischen Ereignissen reich sein und dürfte seinem Vorgänger umsoweniger etwas nachgeben, als er der letzte Sommer vor den

Wahlen zum deutschen Reichstage

ist. Unsere Zeitung wird immerfort be= müht sein, über alles Wissenswerte in der Politik sowie über alle wichtigen Vorkomm­nisse in und außerhalb der rot- weißen Grenzpfähle zu berichten; ganz be= sonders aber wird sie die Leser über die Vorgänge in unserer näheren Heimat auf dem Laufenden erhalten. Da das alles in fnapper, übersichtlicher Form ge­schieht, wird auch der in dieser Periode so außerordentlich in Anspruch genommene Landmann die Zeit finden, um unser Blatt weiter zu lesen und sich darüber zu unter­

richten,

der Großherzoglichen Bürgermeisterei

des Großherzoglichen Polizei Amfes

=

sowie vieler anderer Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.)

Donnerstag, den 29. Juni 1911.

glättet hatten, sprach Freiherr von Zedlitz dem Präsi-| denten und den Mitgliedern des Präsidiums den Dank für die umsichtige Leitung der Geschäfte des Hauses aus. Der Präsident teilte darauf mit, daß das Abgeordneten haus am Ende seiner Beratungen angekommen sei und schloß mit einem Hoch auf den König, in das alle Ab­geordneten, mit Ausnahme der Sozialdemokraten, ein­stimmten.

Gemeinschaftliche Schlußßißung beider Häuser des Landtages.

Am Ministertische Ministerpräsident v. Bethmann Hollweg und sämtliche Minister. Anwesend sind etwa 100 Mitglieder beider Häuser. Der Präsident des Her­renhauses, Frhr. v. Manteuffel, eröffnet die Sitzung um 5 Uhr 10 Minuten. Der Ministerpräsident v. Bethmann Hollweg verlas alsdann die allerhöchste Botschaft, durch die die Session des Landtages geschlossen wurde, über­reichte dem Präsidenten die Urkunde und erklärte den Landtag für geschlossen. Frhr. von Manteuffel brachte ein von den Versammelten lebhaft aufgenommenes Hoch auf den König aus und schloß die Sitzung um 1.15 Uhr.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 29. Juni.

Die 110. Sitzung der Zweiten Kammer der Landstände findet Dienstag, den 4. Juli, vormittags 10 Uhr statt. Die Tagesordnung umfaßt 31 Punkte. Der 3 weiten Ständekammer ist fol­

was jed. Staatsbürger wissen muß. gende Anfrage der Abgeordneten Grünewald

Zur Vermeidung von Unregelmäßigkeiten in der Zustellung beim Quartalswechsel bitten wir das Abonnement gefl. sofort zu erneuern, auch sind wir für Empfehlung in Freundes- u. Bekanntenkreisen dankbar. Verlag und Redaktion.

und Reh, betr.: den Neubau eines Amtsge= richtsgebäudes in Gießen zugegangen, wel­che folgenden Wortlaut hat: An den Herrn Justizmini­ster richten wir folgende Anfrage: Seit der Fassung des Beschlusses, welcher den Neubau eines Amtsgerichtsge­bäudes in Gießen anordnet, haben sich die Wirkungen der im vorigen Jahre erlassenen Prozeßnovelle ergeben und es fragt sich, ob der kostspielige Neubau jetzt noch einem Bedürfnisse entspricht. Es hat außerdem in Richter- und Anwaltskreisen sich die Ueber­zeugung gebildet, daß der Neubau, etwa 150 Meter entfernt vom Justizgebäude, in dem das Landgericht bleiben soll, unpraktisch ist, weil die Entfernung der Sizungsräume von einander den Verkehr der Gerichte miteinander erschwert und die Wahrnehmung der häufig

letzten Endes leiden hierunter auch die Parteien. Ein Flügelanbau an das Justizgebäude wäre, wenn über­haupt eine Vermehrung der Räume nötig ist, durchaus ausreichend. Es liegt auf der Hand, daß hierdurch eine große Ersparnis bewirkt werden könnte und wir richten an Se. Exzellenz den Herrn Justizminister die Anfrage: ob nicht Regierung und Stände den geplanten Ne u= bau vorerst nicht ausführen, sondern die Frage, ob derselbe nötig ist, nochmals in Erwägung ziehen wollen.

ron

L. U. Bei dem bevorstehenden Jahresfest der Landesuniversität ist, wie wir hören, der Zu­gang zur neuen Aula für die Festteilnehmer ausschließ­lich von dem Haupteingang des Kollegiengebäudes in der Ludwigstraße aus vorgesehen. Der Eingang der Goethestraße aus bleibt für die studentischen Fahnen­träger und die Mitglieder des akademischen Gesangver­eins vorbehalten. Da die neue Aula für einen größeren Kreis Platz gewährt, sind bei der Feier, die um 11.15 Uhr pünktlich beginnt, außer den geladenen Gästen auch andere Freunde der Universität willkommen; einer be­sonderen Eintrittskarte bedarf es nicht.

Schluss des preussischen Landtags. Das Abgeordnetenhaus trat in die dritte Beratung der Rheinischen Gemeindeordnung ein mit der Wiederholung der am 23. wegen Beschlußgleichzeitig zum Aufruf gelangenden Termine hindert; unfähigkeit unmöglich gewordenen Abstimmung. Es wird zunächst namentlich über den Antrag Dr. Bell abgestimmt, der die Wählbarkeit der Bürgermeister for dert. Bisher wurden sie ernannt. Bei 198 Abstimmen den ergab sich wiederum die Beschlußunfähig keit des Hauses. Der Vorsitzende beraumt eine neue Sizung auf 12 Uhr an. Die für die erste Sitzung be­stimmten Gegenstände sollen auf die neue Tagesordnung gesetzt werden mit Ausnahme der Rheinischen Ge­meindeordnung. Um 12 Uhr eröffnet der Vorsitzende die Sitzung. Dr. Kampe erhebt gegen diese Sitzung Wider­spruch, da nach der Geschäftsordnung die Tagesordnung gedruckt vorliegen müsse. Der Vorsitzende Kröcher will über diesen Punkt abstimmen lassen. Bei Beginn der Abstimmung verläßt die Mehrzahl der auf der linken Seite des Hauses sitzenden Abgeordneten den Saal. Bei der Abstimmung waren 160 Abgeordnete anwesend, so daß das Haus abermals beschlußunfähig war. Der Präsident war daher gezwungen, eine neue Sitzung auf halb 2 Uhr einzuberufen. Die dritte Sitzung wird pünktlich um halb 2 Uhr vom Präsi­denten eröffnet. Es beginnt sofort eine lebhafte Ge­schäftsordnungsdebatte, in der von der Linken ausge­führt wurde, daß zu der Sitzung nicht ordnungsgemäß eingeladen worden sei. Die Einladung ist dadurch er­folgt, daß den Abgeordneten die gedruckten Einladungen auf die Plätze gelegt wurden. Dadurch hätten nur die Abgeordneten von der Sitzung erfahren, die zufällig im Hause anwesend gewesen seien. Von konservativer Seite wurde der Vorschlag gemacht, die Sitzung zu schließen. Der Antrag fand auch genügende Unterstützung und wurde schließlich angenommen. Der Präsident teilte hier­auf mit, daß die feierliche Schlußsizung des Hauses auf 5 Uhr anberaumt sei. Das gab wiederum Veranlassung für die Linke zu einer Geschäftsordnungs­debatte. Die Debatte erreichte ihren Höhepunkt mit einer Rede des Abg. Hoffmann, der den kurzen Abbruch der Verhandlungen des Abgeordnetenhauses als dem An­sehen des Hauses unwürdig bezeichnet. Er schließt mit den Worten: Das ist rücksichtslos und gemein". Daraufhin erhob sich ein lebhafter Sturm im rechten Teile des Hauses. Es wurden Pfui- Rufe und Rufe Hinaus!" laut. Als sich die Wogen wieder ge­

L.-H. 4 pro 3. Staatsschuldbuch- For­derungen können 3. 3t. durch Bareinzahlun­gen( ohne vorherige Beschaffung von Obligationen) un­ter Zugrundelegung des Kurses der 4prozentigen 1918er Staatshessen erworben werden.

* Der Arbeitsnachweis in den hessi=

( Gießener Tageblatt)

Anzeigenpreis 15 Pfg.

die 44 mm breite Inseratenzeile. Stellen= gesuche und Familienanzeigen 10 Pig. Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pig.- Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs­zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

Telephon: Nr. 362.

23. Jahrg.

Ein honigreiches Jahr scheint be vorzu stehen. Wenn nicht die Anzeichen sich als trügerisch erweisen, dürften die Bienenzüchter für den Ausfall der Honigernte, besonders im verflossenen Jahr, heuer entschädigt werden. Infolge des ungünstigen Wet­ters fielen die Schwärme frühzeitig und diese, wie auch die Mutterstöcke haben ganz bedeutende Mengen Honig angesammelt. Die reichen Baumblüten, wie auch die stigen Wetter von den fleißigen Immen ausgenutzt wer Blüten in Wiesen, Feld und Wald konnten bei dem gün­den. Verschiedentlich trat bereits die Honigschleuder in Tätigkeit; die stark honigende Lindenblüte wird auch fleißig beflogen werden.

* Ein interessanter Post fall beschäf tigte die Heilbronner Handelskammer. Eine dortige Fir­ma hatte eine Nachnahmekarte, die ordnungsgemäß mit 5 Pfennig frankiert und mit weiteren 10 Pfennig für die Besorgung beklebt und von der Post bescheinigt wor den war, nach München geschickt. Nun ist aber diese Nachnahmekarte von einem Unbekannten entwendet und für sich erhoben worden. Der Nachnahmebetrag ist nicht zur Postkasse gelangt und da der Erheber nicht zu ermitteln ist, obwohl er die Uniform eines Postun­terbeamten getragen haben soll, lehnt die Postverwal­tung unter Hinweis auf die§§ 6-11 des Postge­setzes jede Ersatzpflicht ab. Die Handelskammer nahm sich der Sache an und verfolgte sie bis zum Ministerium, erhielt jedoch bei allen Instanzen denselben ablehnenden Bescheid. Da auch auf dem Prozeßweg schwerlich etwas erreicht werden wird das Reichsgericht hat in ähn­lichen Fällen entsprechend entschieden so erteilt die Handelskammer den wohlgemeinten Rat, diese Art, Nachnahmen zum Einzug zu bringen, fünftig zu unter­lassen und lieber das kleine Opfer an Porto für einge­schriebene Briefe nicht zu scheuen.

Friedberg, 28. Juni. Die Friedberger Stadt­verordneten stimmten einer gemeinsamen Klär- und Ka­nalisationsanlage für Bad- Nauheim und Friedberg im Prinzip zu.

-d- Büdingen, 29. Juni. Am Sonntag, den 2. Juli, verkehren zwischen Gelnhausen und Büdingen fol­Uhr vorm., Büdingen an 8,24 Uhr vorm.; Gelnhausen gende Sonderzüge 2. bis 4. Klasse: Gelnhausen ab 8 tags; Büdingen ab 9,48 Uhr nachm., Gelnhausen an ab 8.43 Uhr vorm., Büdingen an 9,09 Uhr vormit­10,12 Uhr nachm.

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brach gestern früh in der Hofraite eines Landwirts Feuer Stangenrod( Westerwald), 27. Juni. Hier ser rasch um sich griff und 9 Häuser in Asche legte. aus, das durch heftigen Westwind und Mangel an Was­Ein Stück Rindvieh, acht Schweine und eine Menge Kleinvieh kamen in den Flammen um. Der Landwirt Weber konnte sich nur durch einen Sprung aus dem 2. Stock seiner Wohnung auf die Straße retten, wobei er sich schwere Verletzungen zuzog. Die meisten Geschädig ten sind nicht versichert und wenig bemittelte Leute, so so auch der 96 Jahre alte Landwirt Strunk.

=)(= Mülheim a. d. Ruhr, 24. Juni. Das 63. Bundesfest des Westdeutschen Jünglingsbundes, des größten innerhalb des deutschen Nationalbundes, nahm in Mülheim a. d. Ruhr in allen Teilen einen erheben­den Verlauf. Im Mittelpunkte der Verhandlungen stand ein Vortrag vom Bundesdirektor Stuhrmann über: ,, die Weitererziehung der schulentlassenen, männlichen Ju­gend nach der religiösen, sozialen und nationalen Seite." Redner forderte eine klare und scharfe Stellungnahme gegen die Sozialdemokratie, nicht als politische Partei, sondern gegenüber ihren unleugbaren religions­und christentumsfeindlichen Bestrebungen gerade in der Jugendpflege. Zum Schluß widmete der Vorsitzende des Bundes dem scheidenden und auf ein weiteres Arbeits­feld hinaustretenden Direktor Stuhrmann warme Morte des Dankes für sein 6jähriges, tatkräftiges und erfolg=

schen Kriegervereinen. Die mit der Zentralreiches Wirken. Am Sonntag morgen fanden in dreizehn anstalt für Arbeitsnachweis in Darmstadt, Waldstraße 6. getroffene Einrichtung des kostenlosen Nachweises ron Arbeitsstellen hat auch im Jahre 1910 einer Anzahl jün­gerer Kameraden zu guten Stellen verholfen. Der Vor­stand der Kriegerkameradschaft Hassia" richtet deshalb an die älteren Kameraden die dringende Aufforderung, bei ihnen offen werdende Stellen, mit der Aufschrift ,, Re­servisten bevorzugt" versehen, entweder an die vorge­nannte Zentralanstalt oder auch an die Arbeitsnachweis­stellen: Mainz, Gießen, Worms und Offenbach oder an das Präsidialmitglied Hauptmann der Landwehr Lahr in Darmstadt bis spätestens Ende Juli einzu reichen.

Kirchen von Mülheim und Umgegend Festgottesdienste statt, an die sich am Nachmittag, vom herrlichsten Wet­ter begünstigt, eine große öffentliche Volfsversammlung auf dem, inmitten der riesenhaften Schornsteine aus der Industrie einer Dase gleich gelegenen Tersteegensruh" anschloß, an der über 6000 Männer und Jünglinge teilnahmen. Den Höhepunkt bildete die Absendung eines Telegramms an den Kaiser, als den warmen Förderer und mächtigen Freund der deutschen Jugendsache! Möge dem Westdeutschen Jünglingsbunde weiteres kräf­tiges Wachsen und Gedeihen seiner segensreichen Arbeit beschert sein; sie ist gerade jetzt der Anspannung aller Kräfte wert unddringend bedürftig!