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29.4.1911 Erstes Blatt
 
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Vermischtes.

Bom König Otto von Bayern. Seiner Majestät för­perliches Leiden den Umständen nach gut, die Paralyse ste­tig fortschreitend", so lautet der Befund der Kommission, bestehend aus einem Arzt und zwei Hofchargen, die sich all­jährlich gewöhnlich vor dem Geburtstag des Königs Otto von Bayern nach Schloß Fürstenried begibt, um ein Krank­heitsbild des franken Königs zu gewinnen und darüber dem Prinzregenten Bericht zu erstatten. Der franken Ma­jestät bezeugte am 27. April, dem 63. Geburtstag des Kö­nigs, der seit nahezu 33 Jahren in unheilbarer Geistes­frankheit auf Schloß Fürstenried dahinsiecht, Bayern seine offizielle Ergebenheit. Die staatlichen und öffentlichen Gebäude hatten zu Ehren des unglüdlichen Königs ge= flaggt, der ohne Bewußtsein seines Geschickes und der Vor­gänge, die ihn vor 25 Jahren auf den Thron hoben, lebt. Still und immer stiller ist der Kranke geworden, die stür­mischen Anfälle haben sich gelegt. Das Nierenleiden scheint thm nur noch wenig Beschwerden zu machen, denn kein Schmerzenslaut kommt über seine Lippen. Er dämmert dahin, ein Bild des Mitleids.

Das Frühstück der Schulkinder wird in dem Jahres­berichte des Kaiser- Friedrich- Realgymnasiums in Rigdorf einer beachtenswerten Kritik unterzogen. Es heißt da, daß als eine nicht zu duldende Unfitte auf das lebhafteste zu tadeln sei, wenn Echüler den Teil ihres Frühstückes, den sie nicht mehr zu genießen vermögen, einfach wegwerfen. Auf dem Hofe würden in den Papierfästen und unter den Schulbänken täglich Brot-, Ausschnitt- und Obstreste in großen Mengen gefunden. An diese Mitteilung fnüpft nun der Direktor die Bitte an die Eltern, dieser Unsitte im Verein mit den Lehrern zu steuern, die um so sträflicher sei, als es gewiß manchem Vater schwer werde, das Brot zu verdienen, welches sein Sohn achtlos fortwirft. Das Kapitel schließt mit der besonderen Bitte, daß die Eltern das in die Schule mitgegebene Frühstück so einfach wie möglich gestalten und dabei jeglichen Lurus vermeiden möchten.

Junge Mädchen bei der Berliner Kriminalpolizei. Daß junge Mädchen im Dienste der Berliner Kriminal­polizei Verwendung finden, dürfte nicht allgemein bekannt sein. Zuerst wurden junge Mädchen nach amerikanischem System als Detektivinnen angestellt, und die Erfahrungen der Kriminalpolizei mit weiblichen Hilfskräften waren berart, daß man beschloß, den Außendienst aufs neue mit weiblichen Kräften zu besetzen. Aber auch im Innendienst der Kriminalpolizei sind junge Damen seit einiger Zeit angestellt. Auf Antrag des Berliner Polizeipräsidiums beim Ministerium des Innern wurden zuerst im Jahre 1909 15 junge Mädchen in den Dienst der Kriminalpolizei gestellt; 5 sollten beim Tagesdienst der Telephonzentralen Verwendung finden, die anderen sollten zur Verfügung der Kriminalpolizei bet größeren Vernehmungen stehen. Auch Stenotypistinnen und Maschinenschreiberinnen sind seit diesem Antrag des Berliner Polizeipräsidiums im Innendienst der Kriminalpolizei beschäftigt.

Die Millionenerben von Halensee. In Halensee bei Berlin liegt ein hübsches Gartenlokal, das von den in der Nähe wohnenden Künstlern, Schauspielern und Schriftstel­lern gerne besucht wird und für seinen Besitzer jedenfalls eine kleine Goldgrube bildet. Oder vielmehr für seine Besitzer; denn das Lokal gehört mehreren Leuten, und darin liegt die Pointe der Geschichte. Vor etwa zwanzig Jahren nämlich, als die Gegend dort draußen noch wüste und leer war, kam eine fröhliche Stammtischrunde auf den Gedanken, in der Halenseer Gegend ein Terrain zu erwer­ben, ein Sommerlokal darauf zu errichten und den wahr­scheinlich bescheiden bleibenden Gewinn unter einander zu perteilen. Geplantgetan! Jeder zeichnete 7000 Mart, das Lokal wurde errichtet, einer aus der Runde, ein Gast­wirtssohn, übernahm die Dekonomie, und bald florierte das Geschäft glänzend. Der Wert des Grundstücks in dieser heute vornehmen Berliner Gegend stieg von Jahr zu Jahr, und jetzt wäre es für eine Million nicht feil. Das Kuriose ist nur, daß die jeweiligen Erben eines der Mitbesitzer dieses Lokals von diesem Wertzuwachs gar nichts haben: in den Gesellschaftsvertrag wurde nämlich seinerzeit die Bestimmung aufgenommen, daß beim Ableben eines der Besitzer die Erben nur die Bareinlage von 7000 Mark zu­rüdgezahlt erhalten sollen, und nur der Lettüberlebende Jollte alles erben. Nie, so lange die Welt steht, hat es Erben gegeben, die so inbrünstig ihren Erb­onfeln ein langes Leben wünschten, und niemals haben die Erben beim frühzeitigen Tode des Erblassers so viele wahre Trauer an den Tag gelegt, wie beim Ableben der Mitbesizer jenes Lokals. Deren Zahl, die ursprünglich jehn betrug, hat sich nun im Laufe der Jahre um acht ver­mindert. Die zwei Uebriggebliebenen lauern aber nun nicht mehr etwa einander auf des andern Tod, sondern find in treuer Freundschaft verbunden. Beide haben keine unmittelbaren Leibeserben, beide wünschen, daß der an­bere" der endgültige glückliche Erbe sein möge, und beide halten darauf, daß der andere sich keinem leichtsinnigen Lebenswandel hingebe, der seiner Gesundheit schaden und dem Antritt der Erbschaft im Wege sein könnte. Der eine Ist der Gastwirt selbst, der seinerzeit den Wirtschaftsbetrieb übernahm; der andere ist sein inzwischen zum Medizinal­rat aufgerüdter Jugendfreund. Und nun ist der eine auf ein ausgezeichnetes Mittel verfallen, dem andern die Erb­schaft zu sichern! Der Medizinalrat hat sich selbst zum Hausarzt seines Freundes ernannt und der Gastwirt hat es mit Freuden angenommen.

Freiwilliger Feuertod einer Witwe. Aus Gram über hen Tod ihres Gatten hat in der Schweiz eine Landwirts­jrau ihrem Leben ein schreckliches Ende bereitet. Es wird bem, B. T." darüber aus Zürich gemeldet: Jm besten Mannesalter starb im verflossenen Winter in Aettenswil ( Kanton Bern) der Landwirt Jakob Jenny und hinterließ seine Frau mit acht unmündigen Kindern. Ein Bruder des Verstorbenen führte fortan die Landwirtschaft für die Familie weiter. Die Frau aber hatte der Tod ihres Man nes so schwer getroffen, daß sie zeitweilig wie geistesab­wesend erschien. Gestern begab sich die Unglückliche, nach­dem sie die Photographie ihres verstorbenen Mannes an fich genommen hatte, in den Keller ihres Hauses, umwidelte sich mit Säden, goß Petroleum darüber und zündete sich an. Erst durch den Brandgeruch wurde man auf die schreck­liche Tat der geistesumnachteten Frau aufmerksam, die als vollständig verkohlte Leiche aus dem brennenden Keller ge­borgen wurde.

Sut und Habicht. Ein heiterer Vorfall wird aus Osterode am Harz gemeldet. Eine Dame ging mit einem

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Ungetum von Sut spazieren. Plötzlich stieß ein Habicht, der vorher kaum sichtbar war, mit rauschendem Fluge zwi­schen die Menschenmenge und griff mit seinen scharfen Fängen nach dem Hute der entsetzten Inhaberin. Angstgeschrei der Dame und die in der Nähe befindlichen Menschen verscheuchten den frechen Räuber, der es auf eine ausgestopfte Taube, die den Hut der Dame zierte, abge­sehen hatte. Selbstverständlich hatte die Dame zu dem Schaden der Hut war total zerzaust- den Spott gratis. Die automobilfeindliche Schweiz. Nachdem im Kan­ton Graubünden bekanntlich schon vor längerer Zeit der Verkehr von Automobilen durch Volksabstimmung verbo­ten wurde, ist jetzt auch im Kanton Bern eine Volksbe­wegung gegen die Automobile im Gange. Der Automo­bilbetrieb soll im genanten Kanton an den Sonntagen gänzlich verboten werden, ausgenommen sind die Kraft­fahrzeuge der Aerzte und Tierärzte. Ferner sollen nur Personen, die sich seit drei Monaten im Kanton Bern auf­gehalten haben, Fahrbewilligungen erhalten. Die Volks­bewegung richtet sich vornehmlich gegen die Lurusautomo­bile. Wegen der Staubentwickelung und der Gefährdung der Straßensicherheit sind die Kraftfahrzeuge in Stadt und Land wenig beliebt, und wahrscheinlich wird die automo bilfeindliche Bewegung auch nach anderen Kantonen über­greifen.

Zweitausend Erben. Ein ,, Onkel aus Amerika" hat in dem englischen Städtchen Dingwall durch seinen Tod ziemliche Verwirrung gestiftet. Von dort war nämlich vor über 50 Jahren ein Einwohner namens Urquhart nach Kalifornien ausgewandert, um, wie so viele andere, Gold zu graben. Das Glüd war ihm besonders günstig, und das Vermögen, das er dort erwarb, soll viele Millionen bes tragen. Urquhart starb nun eines Tages finderlos, und es wurde in seiner Heimat öffentlich bekannt gemacht, daß sich die Erbberechtigten zu melden hätten. Darauf liefen von allen Seiten nicht weniger als 2000 Antworten ein, und eine Schar lachender Erben machte sich auch sogleich auf den Weg, nach Dingwall, wo sich der Testamentsvollstrecker niedergelassen hat.

Ein Kinderluftballon als Brandstifter. Auf eigen­artige Weise ist in Kromolice bei Krotoschin( Posen) eine ganze Wirtschaft durch Feuer vernichtet worden. Der dor­tige junge Lehrer ließ zum Vergnügen der Kinder einen Luftballon steigen, der ein Benzinlämpchen mit sich führte. In der Luft geriet der Ballon, vermutlich durch Explosion des Benzins, in Brand und fiel auf eine Scheune, die im Nu in Flammen stand. Bei dem herrschenden Winde brannte das ganze Gehöft nieder. Der Lehrer war über das von ihm heraufbeschworene Unheil vollständig fassungs­los und ist seitdem verschwunden.

Soldaten im Kampf mit Bienen.

Der französische Oberstleutnant Baratter, der lange Jahre hindurch der französischen Kolontaltruppe angehörte, hat seine Erinnerungn an seine afrikanische Dienstzeit in einem Bande erscheinen lassen, der eine packende Schilde= rung des Kampfes einer größeren Truppenabteilung mit einem Bienschwarm enthält. Baratier erzählt: In der Nähe einer verlassenen Hütte Iteß der Kapitän de Planhol das Lager errichten, und auf seinen Befehl suchte ich nach einer Behausung, die geeignet war, unsere Kranken aufzunehmen. Mit der Spitze eines Steckens prüfte ich die Festigkeit der Bedachung, als plöblich aus einer der Hütten ein ohren­betäubendes Surren sich vernehmen ließ. Ich hatte in eine Wabe gestochen und den Frieden der Bienen gestört, die zwischen der Erdmauer und den Gräsern auf dem Dach ihren künstlichen Bau errichtet hatten. Im Nu holten ste mich mit bedrohlichem Gesumme ein, aber noch schtenen sie zu zögern, mir formell den Krieg zu erklären. Ich zog mich behutsam zurück. Einige Bienen stürzten sich nun auf die Leute, die draußen auf mich warteten. Ich rief ihnen zu, sie sollten sich nicht rühren. Aber vergebene Liebes­müh! Schon wehrten sich die Leute und reizten die Bienen noch mehr, die mein Buruf noch wilder gemacht zu haben schien. Es blieb keine Rettung als die Flucht. Ich sprang in das Gebüsch. Unglücklicherweise stürzten meine Leute auf den Krankenconvoi zu, der unter einem Baume zurück­gelassen worden war. Im Nu stürzte alles, was an Bie­nen in der aufgestöberten Hütte zurückgeblieben war, ja alles was das Dorf überhaupt an Bienen aufzubieten hatte, auf die Eindringlinge, und im nächsten Augenblick ist die Panik eine vollständige. Offiziere, Tirailleure und Kran­fenträger laufen, wie von Sinnen, nach allen Seiten aus= einander und suchen sich in dem hohen Grase zu bergen, wobei ste, um ihr Gesicht zu schützen, wie wild mit den Ar­men um sich schlagen und sich selbst zu ohrfeigen scheinen. Aber die wütenden Insekten erhalten beständig neuen Zu­zug und verdoppeln ihren Eifer. Einen Augenblick habe ich die Empfindung, daß sie Sieger bleiben werden. Glü­hende Eisen bohren sich in meinen Schädel, und der uner­trägliche Schmerz nimmt unaufhörlich zu. Plötzlich erblicke ich eine Rauchwolke. Einem meiner Leute war es gelun= gen, Feuer anzuzünden. Alles stürzt sich auf den Punkt und schüttelt vor den Flammen ganze Trauben von Bienen ab, die sich an den Haaren, am Bart, an den Fäusten, am Hals und überall, wo sie ihren gefährlichen Stachel ein­bohren konnten, festgesezt haben. Endlich, nach bangen Mi­nuten, tut der Rauch seine Wirkung; Ruhe und Besinnung kehren zurück. Kapitän de Planhol gibt den Befehl zum Appell. Ein Mann fehlt! Der fränkste der beiden Ar­tilleristen, die auf der Bahre getragen wurden. Furcht­bares ahnend, blicken wir einander entsetzt an. Hat er die Kraft gehabt, sich in Sicherheit zu bringen? Mit Fackeln bewaffnet, eilen wir an die Stelle, wo der Convoi geblieben Der Unglückliche ist da! Er verschwindet unter den Bienen, die ihn von oben bis unten bedecken.... Er ist tot.... Es ist nicht allein der Schmerz um den Ver­lust des Kameraden, der uns niederdrückt, es ist das Ge­wissen! Das Gewissen in uns rührt sich, weil wir uns von der Besinnungslosigkeit unterfriegen ließen, die eine Folge der tausend Stiche war, welche Augenlider, Lippen, Gehirn verbrennen, jede Ueberlegung töten und nur dem Instinkt Raum laffen, dem Instinkt des Tieres, der nichts Mensch­Itches fennt. Und trotz aller dieser Vernunftsgründe stehe ich auch heute noch, wo ich diese Zeilen schreibe, vor einem Nätsel. Von allen denen, die bei dem Vorfall dabei ge= wesen sind, sind, glaube ich, nur zwei noch am Leben: de Champvallier und ich; die anderen sind tot, getötet vom gel­ben Fieber oder vom Feinde. Keiner hat je gezittert, we­der vor der Krankheit noch vor dem Kugeln; und vor den Bienen sind wir gefloben, ohne zu wissen, was wir tun.

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Drabtnachrichten und neuestes.

Eine Wohltätigkeitsspende des Großherzogs von Sachsen- Weimar.

Weimar, 28. April. Der Großherzog von Sachsen­Weimar hat aus Anlaß der heute stattfindenden Taufe der Prinzessin dem Patriotischen Institut der Frauenvereine die Summe von 100 000 Mark überwiesen. Das Institut be­treibt verschiedene Wohltätigkeitsanstalten, besonders auf dem Gebiete der Kranken- und Waisenpflege.

Der Nachfolger Hills. Washington, 28. April. Als Botschafter in Berlin ist der frühere Gouverneur von Ohio, Herrick, ein intimer Freund Tafts, in Aussicht genommen.

Russische Kriegsvorbereitungen.

Petersburg, 28. April. Die Regierung trifft umfaf sende Vorbereitungen für einen Chinakrieg. Finanzmini ster Kokowzew ist nach Paris zu Verhandlungen wegen einer eventuellen Kriegsanleihe abgereift. Die Generale Suchomlinow und Grigorowitsch begaben sich nach dem fer­nen Osten zur Inspizierung von Militärbezirken und der Amurflotte. Gutschkow gilt als mutmaßlicher General- Be­vollmächtigter des Roten Kreuzes.

Petersburg, 28. April. Gutschkow, der eben in Charbin wellt, erklärte einem Korrespondenten, zum Herbste feien Komplikationen im fernen Osten unvermeidlich. Er werde nach seiner Rückkehr die Reichsduma in diesem Sinne informieren. Revolutionäre Unruhen in China.

Kanton, 28. April. Infolge Verhaftung eines an geblichen Revolutionärs zogen dessen Genossen mit Revol vern bewaffnet nach dem Palast des Vizekönigs und steckten ihn in Brand. Truppen gingen gegen die Aufrührer vor und trieben sie auseinander. Ein Oberst wurde verletzt. Bahlreiche Personen wurden verhaftet.

Ein zweiter Zeppelin für Passagierfahrten. Frankfurt a. M., 28. April. Im Jult wird ein zweites Passagterluftschiff der deutschen Luftschiff- Aktiengesellschaft in Dienst gestellt werden. Es erhält zunächst Baden- Baden als Standort. Später soll es in Frankfurt a. M. Statio­niert werden. Die Deutschland wird noch im Herbst nach Hamburg fahren, vorausgesetzt, daß der dortige Luftschiff= Hafen zeitig genug fertiggestellt wird.

Familientragödie.

Berlin, 28. April. Der Maurer August Kuhlmer, Breslauerstraße wohnhaft, hat in der vergangenen Nacht nach einem voraufgegangenen ehelichen Zwist seine Frau mit einem Revolver zu erschießen versucht und seine Stief­tochter durch einen Revolverschuß getötet. Kuhlmer stellte fich nach der Tat der Polizei. Die Frau ist an der Wange leicht verletzt.

Verhütete Lohnkämpfe in Dänemark.

Kopenhagen, 28. April. Gestern abend spät wurde zwischen Vertretern des Arbeitgebervereins und den ver­etnigten Fachverbänden ein Uebereinkommen erzielt, wo­nach die für heute angesetzte Aussperrung, die mit den be­retts bestehenden Aussperrungen 40 000 Mann umfassen würde, zurückgezogen wird und die bereits vorliegenden Aussperrungen spätestens am 4. Mai aufgehoben werden. Das Uebereinkommen sieht die Erneuerung der bestehenden Arbeitsverträge auf 5 Jahre vor, doch wird den Arbeitern darin eine Herabsetzung der Arbeitszeit und eine geringe Lohnerhöhung zugebilligt.

Opfer des Verkehrs.

Berlin, 28. April. Ein dreifacher Zusammenstoß ent­stand gestern abend dadurch, daß ein Krankenautomobil und eine Autodroschke bei Kreuzung der Straßenbahngleise zu­sammenstießen und in diesem Augenblick von einem Stra­ßenbahnwagen angefahren wurden. Während das Kran­fenautomobil, in dem sich eine Dame in Begleitung eines Arztes befand, die Fahrt fortseßen konnte, wurde die Droschke vollständig zertrümmert. Die betden Insassen, zwei Herren, wurden erheblich verletzt.

Eine ganze Familie verbrannt. Breslau, 28. April. Bei einem in dem russischen Grenz­ort Gorft ausgebrochenen Feuer verbrannte eine ganze, aus sechs Personen bestehende Bauernfamilie.

Brutaler Racheakt wegen erfolgter Kündigung. Breslau, 28. April. Aus Rache unternahm ein Werk­führer, dem gekündigt worden war, in Zaborze einen Mord­versuch auf einen Möbelhändler. Dieser trug eine große Gesichtswunde davon. Der Werkführer wurde nach heftiger Gegenwehr verhaftet.

Hartnäckiger Selbstmörder.

Trier, 28. April. Bei Groß- Blittersdorf sprang ein Eisenbahnbeamter in die Saar. Ein Ingenieur sprang thm nach und rettete den Selbstmörder ans Ufer. Dort ver­setzte ihm der letztere einen Schlag auf den Kopf, sprang wieder in die Saar und ertrank.

Ein Pestfall in Prag?

Prag, 28. April. Wie ein hiesiges Blatt meldet, starb gestern im Allgemeinen Krankenhause ein Knabe unter Symptomen, die auf Beulenpest hindeuten. Es wurden so­fort alle Vorsichtsmaßregeln getroffen.

Berliner Getreide- und Schlachtviehmarktbericht.

Die amtlichen Saatenstandsberichte Preußens und Bayerns haben die Befürchtungen, welche man hinsichtlich des Zustandes der Getreidefelder nach Erscheinen des Be­richts des Deutschen Landwirtschaftsrates vom Anfang April hegen mußte, bestätigt, wenn nicht übertroffen. Hieraus folgt eine fräftige Anregung für den Getreidehandel sowohl des Auslandes wie des Inlandes, und die Preise haben in der am 26. April beendeten Berichtswoche durchweg eine recht ansehnliche Erhöhung erfahren. Am Berliner Markte ist Weizen per Mai ziemlich stark beglichen worden, nachdem vorher das Inland erheblich gedeckt hatte. Roggen wurde auf Deckungs- und Meinungsfäufe in großem Umfange aus dem Markt genommen. Auch für den Export zeigte sich Begehr. Hafer stieg auf erhöhte Forderungen der Pro­vinz und den Roggenmangel. Auch Gerste erfuhr eine Besserung, wurde aber etwas nachgiebiger, als Rußlands große Wochenverschiffungen bekannt wurden. Mais war von Nordamerika nur wenig und sehr teuer angeboten, was sich natürlich in den hier bezahlten Preisen zum Aus­druck brachte. Am letzten Tage der Berichtswoche übte die Aussicht auf Regen im allgemeinen eine abschwächende Wirkung aus; namentlich für Brotgetreide. Für Lieferung im Jult stellten sich die Notierungen wie folgt: Weizen 203,25 M, Roggen 162,25 M, Safer 166,50 M Mais 139,75 M. Preise des städtischen Schlachtvieh- Marktes. 1. Ochsen: a) vollfleischige ausgemästete höchsten Schlachtwertes, unge­jocht 76 bis 84 M, 6) junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 71 bis 78 M, c) mäßig genährte junge und gut genährte ältere 68 bis 72 M, d) gering genährte je­den Alters M. 2. Bullen: a) vollfleischige höchsten Schlachtwertes 73 bis 78 M, 6) vollfleischige jüngere 71 bis 76 M, c) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere 68 bis 74 M, d) gering genährte M. 3. Färsen und Kühe:

a) vollfleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes 70 bis 77 M, b) vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes, höchstens 7 Jahre alt 65 bis 72 M, c) ältere ausgemästete und weniger gut entwickelte jüngere Kühe 60 bis 65 M, d) mäßig genährte Kühe und Färsen 51 bis 60 M, e) gering genährte Kühe und Färsen bis 57 M, f) gering genährtes Jungvieh( Fresser) 56 bis 72 M. 4. Kälber: a) Doppellender feinster Mast 104 bis 133 M, 6) feinste Mast­fälber 107 bis 113 M, c) mittlere Mast- und beste Saug­fälber 84 bis 98 M, d) geringe Saugkälber 55 bis 78 M. 5. Schafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthammel 76 bis 84 M, 6) ältere Masthammel, geringere Mastlämmer und gut genährte jüngere Schafe 70 bis 76 M, c) mäßig genährte Hammel und Schafe( Märzschafe) 62 bis 72 M. 6. Schweine: a) Fettschweine über 3 Zentner Lebendgewicht M, 6) vollfleischige der feineren Rassen und deren Kreuzungen über Zentner Lebendgewicht M, c) vollfleischige der, feineren Rassen und deren Kreuzungen bis 3ntner Lebendgewicht M, d) fleischige Schweine 50 bis 52 M, e) aering entwickelte Schweine M, f) Sauen 45 bis 46 M.