Ausgabe 
29.4.1911 Erstes Blatt
 
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Deutschland, sei auf der Wacht.

Die französische Politik in Marokko wird immer un­verständlicher. Auf der einen Seite mehren sich die Nach­richten, daß eine allgemeine Beruhigung eintrete, daß die Lage der Europäer, speziell der französischen Reformer, nicht so gefährdet set, wie zuvor berichtet. Die Meldung von einer Erſtürmung der Hauptstadt Fez durch die Auf­ständischen stellt sich als eine Tartarennachricht her­aus. Selbst englische Zeitungen behaupten, es liege fein Anlaß zu einem militärischen Einschreiten Frankreichs vor. Endlich wird die Tatsache, daß der Sultan Mulay Haftd Frankreichs Unterstüßung verlangt habe, als eine Erfin­dung bezeichnet. Auf der anderen Seite kommen aus den verschiedensten Orten Frankreichs und der Kolonien Mel­dungen von Truppensendungen nach Marokko, Maßregeln, die in schroffem Gegensatze zu dem tatsäch­lichen Bedürfnisse zu stehen scheinen. Berteaux, der fran­zösische Kriegsminister, erklärt, er handle in vollem Ein­verständnisse mit seinem Kollegen vom Auswärtigen, Crup­pi; das soll wohl heißen, keine fremde Macht habe irgend­welche Einwendungen gegen den Spaziergang nach Jez und die Unterwerfung des ganzen Scherifenreiches zu er= heben.

Der Pariser Ministerrat beschloß die dazu erforderliche Truppenverstärkung. Nach Beendigung der Beratung be­gaben sich der Premierminister sowie die Minister des Krieges und des Auswärtigen, einer Einladung des Ba­ron Schön folgend, zum Diner in die deutsche Bot­schaft. Dem Außenstehenden muß sich dadurch die Ueber­zeugung aufdrängen, daß Deutschland nunmehr rückhaltlos einer französischen Besitzergreifung Marokkos zustimme. Denn nur auf eine solche können die französischen Vor­bereitungen hinzielen, das weiß die deutsche Diplomatie ebensogut wie die gesamte Presse Europas, die alle Vor­wände vom Schute bedrohter Europäer als das behandelt, was sie sind, Sand in die Augen derjenigen, die nicht sehen wollen.

Bon Fürst Bülows Leben in Rom veröffentlicht das Maiheft der Deutschen Revue"( Stutt­gart, Deutsche Verlagsanst.) einen Artikel, aus dem wir zu­sammenfassend das politisch Bemerkenswerteste hervorheben. Fürst Bülow hat mit der ihm eigenen gei­stigen Geschmeidigkeit und dank seiner umfassenden Bil­dung es verstanden, auch seine Ruhezeit so auszufüllen, daß die lebendigen Kräfte seines Wesens ihr Genüge fin­den. Mußte er während seines früheren römischen Ausent­haltes aus Gründen dienstlicher Pflichterfüllung auf das Studium der römischen Kunstschätze und Denkmäler ver­zichten, so holt er das jetzt planmäßig nach. In seinem gastlichen Hause bieten neben dem geistig- künstleri­schen Leben der deutschen Heimat Italten und Rom am häu­figsten das Gesprächsthema dar. Die Politik wird nur selten berührt. Der Fürst scheint sie geflissentlich zu mei­den, weicht jedoch nicht aus, wenn die Rede darauf kommt, geht aber auf Erörterungen über schwebende politische Fra= gen und politische Führer nicht ein. Mit größter Schonung äußert er sich über Menschen, die ihm im Kampfe gegen­überstanden oder ihm während seines staatsmännischen Wirkens Schwierigkeiten und Bitternisse bereitet haben. Spricht er einmal von seiner eigenen Amtstätigkeit, so scheut er sich nicht zu bekennen, daß er da oder dort Fehler begangen und sich in der Auswahl von Personen geirrt habe, die er auf verantwortungsvolle Posten stellte, aber für die von ihnen gemachten Fehler weiß er, auch wenn sie ihm schwere Sorgen bereiteten, meist ein entschuldigendes Wort zu finden. Als einen wichtigen Leitsatz seiner amt­lichen Tätigkett betont Fürst Bülow die Auffassung, daß polttische Gegensätze mit den persönlichen Beziehungen nichts zu tun hätten, daß man poli­tische Gegensätze nicht aufs persönliche Gebiet übertragen, sondern sich stets bemühen solle, mit dem politischen Geg­ner persönlich auf gutem Fuße zu stehen. Für Deutschland kann diese Mahnung nicht oft genug wiederholt werden!

Von sachverständiger militärischer Sette wird auch ver­sichert, daß die jetzt aufgebotene französische Truppenmacht vollkommen ausreicht, um in nicht allzulanger Zeit das Land zu erobern; Marokko ist nicht mehr ein Knochen, an dem eine europäische Macht sich ein Dezenntum lang die Zähne ausbeißen kann, wie dies früher einmal behauptet worden ist. Im Zeitalter der Schnellfeuergeschüße, Ma­schinengewehre und Aeroplane wird der Kabylenwiderstand in kürzester Frist zusammenbrechen. Erhält Frankreich bet der heute begonnenen Aktion freie Hand, dann ist das Schicksal des Scherifenreiches besiegelt. Dann werden aber auch die französischen Bataillone das Land niemals wie­der verlassen. Der Vorwände zum Verbleiben wird es genug geben: Die Opfer an Menschen, die nicht vergeblich gebracht sein dürfen, an Millionen, die das verwüstete Land nicht wird ersetzen können, der Schutz der Handelsinteressen und Minenkonzessionen und zuletzt die Farce: Die Siche­rung der Durchführung der Algecirasakte, die dann nicht mehr den Wert des Papiers haben wird, worauf sie ge= schrieben wurde.

Die deutsche Presse legt im allgemeinen den Vorkomm­nissen der auswärtigen Politik gegenüber eine große Gleichgültigkeit an den Tag. Unseren Tagespoli­tikern und Parlamentariern erscheint das Gezänk um mög­liche Stichwahlparolen bei den niemand weiß wann? kommenden Reichstagswahlen ungleich wichtiger, als eine Aktion, bei der es sich in den Konsequenzen um nicht mehr und nicht weniger als um die Sicherheit und die Existenz des Reich es handelt. Denn erwirbt Frank­reich Marokko, bildet es vor den Toren Europas ein rie­siges geschlossenes Kolonialreich, bewohnt von Millionen waffenfähiger, friegsgewohnter Streiter, dann ist die französische Unterlegenheit gegenüber der deutschen Wehrmacht numertsch mindestens ausge= glichen. Dann kann das schon bestehende Werk der afri­kanischen Rekrutierung ins Ungeheure ausgedehnt werden. Dann können wir unsere Rüstungen, von deren Einschrän­tung Utopisten träumen, bis zur Unerträglichkeit steigern, dann wird die Gefahr der Revanche eminent.

Uns drängt sich heute die besorgte Frage auf: Was geht hinter den Kulissen vor? Sollen wir das Diner des Barons Schön als Symptom für die Stellung­nahme der Reichsregierung gegenüber der französischen Marokkopolitik ansehen? Sind Herrn v. Kiderlen, an des­sen Mut, Energie und Klugheit wir nicht zweifeln, die Hände gebunden? Hat er ein kategorisches:" Bis hierher und nicht weiter in Maroffo!" sprechen dürfen, und welche Garantien sind ihm geboten, daß seinen Worten die Tat folgt?!

Rundschaur vom Cage.

Politisches.

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eine Teilnahme des Erzherzogs an den Armeemanövern und über einen Gegenbesuch im Laufe des Sommers nichts bekannt. Vereinbart ist dagegen worden, daß der österrei chische Thronfolger den diesjährigen Flottenmanövern bei wohnen wird.

Die Nachricht über die Vertagung des Besuches des Königs Peter in Budapest wurde in allen ernsten politi schen Kreisen Belgrads mit aufrichtigem Bedauern aufge nommen. Man gibt vielfach der Ansicht Ausdruck, daß die Verschiebung der Reise insofern günstige Folgen nach sich ziehen werde, als durch die Vertagung volle Beruhigung auch in den extremsten chauvinistischen Kreisen eintreten werde.

Die Bekämpfung des Mangels an Offizieren in der Türkei hat Kriegsminister Mahmud Scheffet sich zur Auf gabe gemacht. Es ist soeben eine Verfügung des Kriegs­ministeriums ergangen, daß in diesem am 15. März be gonnenen Jahre 1327 kein Offizier pensioniert werden kann.

Die amtliche Uebersicht über die Einnahmen aus den Zöllen, Steuern und Gebühren für das Etatsjahr 1910 liegt nunmehr vor. Die Reichseinnahmen stellen sich dar­nach in den wichtigsten Posten wie folgt: Zölle 659 155 192 M( Anschlag: 631 900 000 M); Tabak­steuer 11 787 677 M( 14 413 000); steuer 24 336 258 M( 23 711 000); 3uckersteuer 151 110 557 M( 147 178 000); Satzsteuer 60 182 672 M ( 58 048 000); Branntweinverbrauchsabgabe 157 424 096 M( 180 000 000); die Betriebsauflage für Branntwein ergab ein Minus von 4 444 918 M. An Schaumwein steuer gingen ein 9833 792 M( An­schlag 10 210 000 M); Leuchtmittelsteuer 9984 084 M( 15 013 000); 3ündwarensteuer 14 079 567 M ( 15 010 000); Brausteuer 110 217 711 M( 111 500 000); Wechselstempelsteuer 18 365 443 M( 20 000 000); Stempelabgabe von Schecks 3 528 721 M( 7 350 000); von Grundstücksübertragungen 42 811 695 M. ( 25 480 000). Die Erbschaftssteuer brachte 41 560 958 M( 34 000 000).

Der offiziöse Pariser Temps" ist uns mit gutem Bet­spiele vorangegangen, wenn er verlangte, daß bei der fran­zösischen Expedition nach Fez keine scherifische Maske vor­genommen, sondern mit voller Offenheit gesagt werde, was Frankreich vorbereite und was es wolle", und daß Frank­reich von seinen Absichten nichts zu verbergen habe". Das Gleiche gilt für die deutsche Politik, auch wir müssen sagen, was wir wollen: Im Interesse der Sicher­heit des Deutschen Reiches und des europäischen Friedens fann niemals zugegeben werden, daß Marokko tunifiziert werde, und wir müssen verlangen, daß die Reichsregierung In diesem Sinne klipp und klar Farbe bekenne und dem­entsprechend handle.

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Des Rätsels Lösung.

Roman von Ludwig Blüm ck e. ( Nachdruck verboten.)

Vorbereitungen zu den Reichstagswahlen. Für die sechs Berliner Reichstagswahlkreise haben die Konserva­tiven, Deutsch- Sozialen und Christlich- Sozialen sich zu ge= meinsamem Vorgehen bei den nächsten allgemeinen Reichs­tagswahlen verbunden.

Die merikanischen Friedensverhandlungen scheinen gute Fortschritte zu machen. Die Regierung soll bereit sein, den verwundeten Insurgenten Pensionen zu gewäh­ren und die Schulden der Insurrektion zu decken. Auch will ste zugestehen, daß kein gegenwärtiger Beamter wiederge: wählt werden kann.

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Eine Niederlage der australischen Regierung. Durch eine Volksabstimmung sollte am Mittwoch eine Verände rung der Bundesverfassung in die Wege geleitet werden, um die gesamte industrielle Gesetzgebung einschließlich der Errichtung eines Schiedsgerichts zur Beilegung von Strei­tigkeiten zwischen Arbeitern und Arbeitgebern, auch wenn diese auf einen einzelnen Staat beschränkt sind, aus den Händen der Einzelstaaten zu nehmen und an die Zentral­gerichte zu übertragen, sowie um eine Verschärfung der Bundesgesetzgebung gegen Handels- und Industriemono­pole herbeizuführen. Soweit sich bisher übersehen läßt, sind beide Vorschläge mit überwiegenden Mehrheiten ab­gelehnt. Das Ergebnis bedeutet eine schwere Niederlage der Bundesregierung und der Arbeiterpartet.

Die Beihilfen für Kriegsteilnehmer. Nachdem der Reichstag die Summe von 5 Millionen Mark als Beihilfen für hilfsbedürftige Kriegsteilnehmer bewilligt hat, und die neuen Ausführungsbestimmungen zur Gewährung die­ser Beihilfen bekannt gemacht sind, wurden viele neue An­träge von Kriegsteilnehmern gestellt. Die Behörden wur­den angewiesen, diese Gesuche auf das wohlwollendste zu untersuchen und, wenn irgend möglich, den geäußerten Wünschen nachzukommen. Es wird möglich sein, in diesem Jahre etwa 60 000 Kriegsteilnehmern mehr als sonst Bei­hilfen zu gewähren.

Woltersdorf hatte seinen Plan gefaßt: Die Sünden der Vergangenheit sollten Hardis Glück vernichten. Und glückte das nicht, was er sich da gar listig ersonnen, so würde er noch andere Mittel und Wege finden, sein Ziel zu erreichen. Es waren ihm verschiedene Damen in der Residenz bekannt, die sich rühmten, einmal in Hardis ganz besonderer Gunst gestanden zu haben. Und eine von diesen sollte seine Helfershelferin werden.

Erst als des Mondes silberglänzendes Licht das Schlichte Gärtlein mit den duftigen Rosen zu überfluten begann, drückte Hardi seinem Bräutlein den Gutenacht­fuß auf die roten Lippen.

Lange schon hatten die alten Rabens sich zur Ruhe begeben. Ihnen war es nicht aufgefallen, daß Erna noch immer nicht hereingekommen.

Als Hardi wieder im Schloß antam, kehrten sein Va­ter und die Schwägerin gerade von ihrem Besuch zurück. Mit wenigen Worten erklärte er ihnen, warum er hier

war.

Das Befinden des Kaisers Franz Josef ist andauernd sehr zufriedenstellend, der Gesundheitszustand kann als normal bezeichnet werden. Da jedoch der Monarch noch einiger Schonung bedarf, so ließ er sich bestimmen, von der Abnahme der diesjährigen Parade abzustehen, um sich nicht den Gefahren der unbeständigen Witterung auszu­setzen. Auf Anordnung des Kaisers findet die Parade troz dem statt, und zwar wird sie Erzherzog Franz Ferdinand abnehmen.

Und dabei siehst Du so kreuzfidel aus?" fragte der General nicht wenig überrascht.

Papa, ich will Dir alles erklären, wenn Du ein Vier­telstündchen für mich übrig hättest," flüsterte Hardi ihm zu. Der alte Herr schüttelte das greise Haupt und führte Hardi in sein Arbeitsgemach, gar gewichtige Dinge ahnend.

Kleine Nachrichten.

Kaiserspenden auf Korfu. Das Kaiserpaar, das am 1. Mai Korfu verlassen wird, stiftete 2000 Frcs. für die Armen der Stadt Korfu, 500 Frcs. für die Armen des Ortes Ga­Sturt und 1000 Frcs. für die griechische Gendarmerie.

Prinz Karol von Rumänien, der älteste, jetzt 17 Jahre alte Sohn des rumänischen Kronprinzen, wird sich, wie der Voss. 3tg." aus Bukarest gemeldet wird, im Herbst nach Berlin begeben, um zur militärischen Ausbildung in ein Garderegiment eingereiht zu werden.

Der österreichische Thronfolger Erzherzog Franz Fer­dinand soll nach Pressemeldungen an den deutschen Kaiser­manövern im Herbst teilnehmen, und außerdem wurde gemeldet, daß der Thronerbe dem deutschen Kronprinzen im Laufe des Sommers einen Gegenbesuch abstatten würde. Wie die Inf." erfährt, ist an unterrichteter Stelle über

Und Hardi hielt sich nicht lange bei der Vorrede auf. Keck und fühn sagte er frei heraus: Ich habe mich heute abend mit Erna Raben verlobt. Darum bin ich so glück­lich. Auf Deinen Segen, lieber Vater, darf ich hoffen, das weiß ich genau. Wolltest Du mir früher denselben ver­sagen, well Du meintest, Erna wäre keine standesgemäße Partie, Du müßtest Dich ihrer vor unseren Ahnen schämen,

so gebietet Dir jetzt die Pflicht der Dankbarkeit es ja doch, die Retterin eines unseres Geschlechts mit allem zu beloh­nen, was Du ihr zu geben vermagst."

Einjährige können jetzt auch bei den Luftschifferbataillo: nen eintreten. Während bisher bei den Verkehrstruppen außer bei den Eisenbahntruppen nur bei den Telegraphen­bataillonen Einjährig- Freiwillige eingestellt wurden, wer­den vom 1. Oktober d. J. ab auch bei den drei Luftschiffer­bataillonen, sowie bei dem Kraftfahrbataillon Einjährig­Freiwillige eingestellt.

Einen Augenblick hielt er inne, denn des Vaters gar zu durchdringender Blick verwirrte ihn etwas.

Du bist also noch immer nicht damit einverstanden?" fragte er dann mit leiser Stimme.

Der Hauptgewinn der Südpolargeldlotterie in Höhe von 60 000 M ist in der Mittwochziehung auf das Los Nr. 167 917 gefallen, das in einem Berliner Lotteriegeschäft ge­kauft wurde. Der glückliche Gewinner soll ein Arbeiter in Berlin sein.

,, Mein Sohn, ich habe gegen Fräulein Raben nicht das mindeste einzuwenden," erwiderte der General zögernd. , Was mir Sorge macht, ist lediglich die Befürchtung, daß Du eines Tages anderen Sinnes werden könntest. Und das möchte ich nicht erleben. Ich bitte Dich also: Prüfe Dich zunächst!"

Die Passagierfahrten der Deutschland" werden bis zum Eintritt günstigeren Wetters ausgesetzt. Es herrscht in Düsseldorf fast ununterbrochen starker Regen.

Ein mit Wolkenbruch verbundenes starkes Sturmwet: ter hat Mittwoch mehrere niederrheinische Ortschaften heim­gesucht. In der Stadt Mörs entlud sich eine Wasserhose und deckte die Dächer vieler Häuser ab. Mehrere Schau­fenster wurden zertrümmert, der Wagen eines Arztes um­geworfen, wobei der Kutscher erhebliche Verlegungen er= litt. Viele Straßengänger kamen durch die Gewalt des plötzlich einsetzenden, kaum eine Minute anhaltenden Sturmes zu Fall.

., Lieber Papa, dann bin ich vollkommen glücklich! Wenn Du nur dies einzige Bedenken hast, dann steht mei= nem Glück ja nichts mehr im Wege. Ich habe mein Herz geprüft und weiß, was Liebe ist, erst seit ich Erna damals wiedersah. weiß ich es."

Da schloß der Vater seinen Sohn in die Arme. Ein paar helle Tränen perlten ihm über die rauhe Wange in den weißen Bart.

Kinder ohne Aufsicht. In Poghausen( Ostfriesland) zündete ein sechsjähriges Mädchen, das zur Beaufsichtigung des Kleinsten allein zu Hause war, das Bett an, worin das Kind lag. Nachbarn erstickten die Flammen, doch hatten beide Kinder schwere Brandwunden erhalten, denen das Kleinste bereits erlegen ist. Der Zustand des Mädchens ist sehr bedenklich.

,, Gott segne euch! Vergilt Du Erna, was sie uns ge= tan und suche das Unrecht, das sie und die ihrigen erlitten, durch Liebe gut zu machen," sprach er mit bewegter Stimme.

Volkswirtschaftliches.

1891 503 Invalidenrenten. Nach der im Reichsversiches rungsamt gefertigten Zusammenstellung betrug die Zah der seit dem 1. Januar 1891 bis einschließlich 31. März 1911 bewilligten Invalidenrenten 1891 053, wovon am 1. April 1911 921 149 Iiefen( gegen 918 760 am 1. Januar 1911). Die Zahl der während desselben Zeitraums Hewilligten Alters­renten betrug 496 300, wovon am 1. April 1911 96 879 liefen ( gegen 98 335 am 1. Januar 1911). Invalidenrenten ge­mäß§ 16 des Invalidenversicherungsgesetzes( Krankenren­einen erbärmlicheren Menschen könnte man sich ja kaum denken. Und an den sollte seine Tochter zeitlebens gekettet sein?

Erna hatte ihren Eltern am nächsten Morgen alles eingestanden und bereitete sie auf Hardis Besuch vor. Die Mutter war, wie so leicht und so oft, zu Tränen gerührt, der Vater aber schritt mit umwölfter Stirn in der Stube auf und nieder. Welche neue Sorge sich da plötzlich auf sein gequältes Herz gewälzt, ahnten Mutter und Tochter nicht. Des Rentmeisters erster Gedanke war, gerade wie es der des Generals gewesen: Meint er es auch wirklich ernstlich? Wird es ihn nicht bald gereuen?" Und dann dieser Verdacht, den er nun einmal nicht überwinden fonnte, so sehr er sich auch bemühte!

Wenn der Leutnant dennoch der Dieb wäre! Ach.

Bei solchen Gedanken war es dem alten Mann unmög lich, eine heitere Miene zu zeigen. Erna über die glühende Wange streichend, sagte er: Mein Töchterchen, so ein jun­ges Menschenherz ist gar unerfahren. Denke an das Dich­terwort: Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet! Der Wahn ist kurz, die Reu' ist lang." Glaube mir, ich will Deinem Glück ganz ge= wiß nicht im Wege sein. Wüßte ich nur, ob dies, was Dich heute so selig macht, Dein Glück ist."

,, Ach Vater," fiel ihm die Mutter jetzt ins Wort, ihre Tränen trocknend, sieh nicht gar so schwarz! Man hört über den jungen Herrn, seit er dem Papa Besserung ge­lobt, nur Gutes. Er ist ein Muster von Solidität gewor den. Hans, unser sparsamer Junge, sagt das doch sogar, und der kennt seinen Freund doch wie sich selber. Hans sagte auch, daß all die vielen Liebesabenteuer, die der Leut nant früher erlebt, durchaus nicht derart gewesen wären, daß seine zukünftige Gattin mit Entsetzen daran denken müßte. Nun wollen wir nur abwarten, was Erzellenz sagt. Und ich glaube, sowohl der General wie dessen ganze Verwandtschaft wird nichts gegen unsere Tochter haben. Sie haben Erna nach dem Rettungswerk doch ganz und gar wie eine zu ihnen Gehörige behandelt. Siegfried nennt sie Tantchen! Also, Väterchen, verdirb uns die Freude nicht!"

Hardi erschien auf Mittag in glänzender Paradeuni­form in Rabens schlichter Wohnung und hielt um Ernas Hand an. Er hatte nicht geglaubt, daß er, nachdem der eigene Vater ihm bereits seine Einwilligung und seinen Segen gegeben, bei dem Rentmeister auf so viele Schwie rigkeiten stoßen würde. Ganz unumwunden sprach dieser seine Bedenken aus und ließ Hardi nicht im Zweifel dara über, daß er ihm ganz und gar mißtraue.(&. f.)

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