Die Straffammer tam deshalb an etner Bertagung und Beschloß, den Wunsch des Angeklagten zu berütantigen.
Der Hosenrod vor Gericht. Dte Frankfurter Straf tammer hatte gestern die schwierige Frage zu entschet den, ob ein Sofenrod unstttlich ist oder nicht. Der Gaftwirt Dittmann hatte ein Strafmandat der Polizei erhalten, weil seine Frau und eine Kellnerin die Gäſte fm Hosenrock bedienten. Er rief die Entscheidung des Schöffengerichts gegen seine Bestrafung an und dieses sprach ihn fret, da das in Frage kommende Eremplar des Hosenrocks als nicht auffällig betrachtet wurde. In der zwetten Instanz, zu der Frau Dittmann als Zeugin im Hofenrod erschien, richtete der Vorsitzende an den Gastwirt die Frage, ob er seine Frau und die Kellnerin Hosenröcke tragen ließ, um dadurch die Lüsternheit set ner Gäste zu erregen. Dittmann bejahte diese Frage. Darauf schritt der Gerichtshof zur Prüfung und BesichHigung des„ anwesenden Hosenrodes". Dte Deffentlichfelt wurde wegen Gefährdung der Sittlichkeit ausge schlaffen. Nach längerer Vorführung tam das Gericht zu dem Entschluß, daß der in Frage kommende Hosen rod zwar nicht unanständig fet, daß er aber als aufe fällig bezeichnet werden müsse. Der Gastwirt wurde zu sechs Mark Strafe verurteilt.
Vermischtes.
Die Pflichten der Polizeidiensthunde. Was ein Bolizeidiensthund leisten muß, ersieht man aus der neuen Anweisung über die Führung von Diensthunden in der Preußischen Landgendarmerte. Es werden an feine Brauchbarkeit die folgenden Anforderungen gestellt: Unbedingter Gehorsam, Leinenführigkeit und Freifolgen bei Fuß, Lautgeben auf Zeichen, Bewachen von Gegenständen, jedoch nur wenn der Hund angebundent, Verweigern von Futter aus fremder Hand, Springen, mindestens 1,50 Meter hoch, Bringen von Gegenständen, auch aus dem Wasser und über Hindernisse, Schußfestigkeit, Mannfestigkeit, Suchen, Freisuchen ,, Verlorensuchen, Stellen, Verstöbern und Verlorenstöbern. Nicht zu verwenden find Polizeihunde, wenn es sich um leichtere Vergehen handelt, z. B. wenn Kinder oder Radfahrer, die eine Polizeivorschrift übertreten haben, sich ihrer Feststellung durch die Flucht entziehen. Die neue Anweisung regelt zugleich eingehend die Behandlung der Boltzethunde, bts auf das Menit herab, das thnen von ihren Führern vorzuseßen ist. Man erfährt aus der Spetsekarte u. a., daß die Tiere auch gekochtes Gemitse, Reis, geschrotenen Hafer, Grüße und faure Milch fressen. Geführt werden die Hunde im Dienst ohne Maulforb, innerhalb geschlossener Ortschaften aber an einem furzgehaltenen Riemen, des Nachts oder wenn der Führer tätliche Angriffe befürchtet oder der Hund, z. B. bet Gefangenen- Transporten, plöblich ge= braucht werden kann, ist der Hund stets fret bet Fuß" zu halten.
Ein vielseitiger Schwindler ist der Fürsorgezögling Otto Wistuba, der vont der Berliner Kriminalpolizet wieder einmal gesucht wird. Nachdem er aus der Fürforgeanstalt entsprungen war, trieb sich der Taugenichts als Student Kurt von Bredow" aus Bonn umher und lebte vom Kollektenschwindel, In Leipzig hatte er sich die preußische Rettungsmedalle zugelegt. In der Stra lauer Straße in Berlin festgenommen und zu einer längeren Strafe verurteilt, tam istuba auf eine Bettlang nach dem dortigen Krankenhaus am Friedrichshain. Bet der ersten Gelegenheit entwich er und betrieb jetzt den Hetratsschwindel. In einer Phantasieuniform trat er als Leutnant zur See auf und betörte eine Näherin, der er dte Ehe versprach, so sehr, daß sie ihm 650 Mart opferte. Der Schwindler tst dann in das Ausland entflohen.
Zur Brandkatastrophe in Konstantinopel. Der Verdacht, daß die furchtbaren Feuersbritnste in Stambul das Werk verbrechertscher Hände gewesen seten, verdichtet sich. In den Peraer Vorstädten St. Dimitri und Schischlt sind Brandbiefe angeschlagen worden, in denen auch Pera, das Europäerviertel, mtt Vernichtung bedroht wird. Mehrere Individuen wurden dabek ertappt, wie sie in der Pulverfabrik in Matriköt Feuer anlegen wollten. Es sind bisher 450 Verhaftungen vorgenommen worden. Der Kriegsminister beabsichtigt, ge= gen überführte Brandstifter mit der größten Strenge vorzugehen. Kavalleriepatrouillen durchstreifen unausgefeßt die Straßen aller Stadtteile bis in die entfernteften Vororte. Kriegsminister Mahmud Schewket Pascha hat außer der verhältnismäßig leichten Brandwunde einen schlimmen Nervenchoc erlitten und bedarf großer Schonung.
Die Fahrt durch die Niagarafälle. Der Amerikaner Booby Leagh, der vor einigen Wochen die Niagarafälle in einer innen gepolsterten Eisentonne zu durchschwim men versuchte, dabei aber in das tote Wasser unter dem Sauptfall geriet und erst nach mehreren Stunden weilergetrieben wurde, hat gestern das Wagnis vollbracht. Er ließ sich oberhalb der Fälle in der gleichen Eisentonne, die er bereits frither einmal zu seiner tollkühnen Fahrt benutzt hat, in den Strom werfen und wurde nach 1% Stunden unterhalb der lebten Snellen miss der herausgefischt. Er hat seine Tollkühnheit aber mit dem Bruch beider Beine büßen müssen.
Ein Studentenstreich. Nachdem vor etwa 14 Tagen in Nordhausen der wertvolle Schatz des Himmelgartenflosters gefunden worden war, glaubte man dieser Tage abermals einen bedeutenden Fund gemacht zu haben. Bei Ausgrabungen auf dem Markte fanden die Arbeiter in einer Tiefe von vier Metern auf einem Teil der Grundmauer der früheren Münze einen versiegelten irdenen Topf, der eine Urkunde in lateinischer Schrift enthielt. Die Urkunde sprach von der Schenkung des Jetzten Hellers Ottos von Northeim an die Stadt. VolIer Freude brachten die Arbeiter ihren Fund der Kommission, die das Geschichtliche des letzten Fundes festgestellt hatte; aber bei genauerer Besichtigung erwies fich das Wappen als aus einem Bteruntersab herausgeschnitten. Studenten aus Jena hatten in der Nacht vorher aus ult den Topf eingegraben.
Die zerrissenen Briefmarken. Der Frff. 3tg." schreibt ein Refer: Mein kleiner Enkel ist ein Schlingel, der vor Geldeswert keinen Respekt hat, sonst hätte er mir nicht vier Zehnpfennigmarken so zerrissen, daß jede nur aus 5-6 fleinen Stückchen bestand. Ich legte die Finzel schön wieder zusammen und trug sie an den Postschalter. Darf ich die Marken so auf Brtefen verwenden? Nein! Würden Ste mir fie umtauschen? Das würde ich gerne tun, sagte der Schalterbeamte, der sich wie alle mit dem Publikum der Großstadt verkehrenden Jünger der Post freundlich und entgegenkommend zeigte, aber ich darf ste erst umtauschen, wenn der Betrag sich auf eine Mark beläuft. Das ist aber doch komisch, erwiderte ich. Ja, metnte der Beamte lächelnd, Ste müssen eben warten, bts Ihr Enkel wieder einmal Marken zerreißt. Well, sagte ich, um mir den Anschein eines Engländers zu geben, hier sind 60 Pfennig, dafür geben Sie mir sechs Behnpfennigmarken, und mit kühhem Riß teilte ich sie alle fechs in zwei Hälften, legte fte zu den anderen vier zerrissenen mit den Worten: So, jest ist es gerade fir etne Mart. Der Beamte lächelte höflich wetter, klebte die zehn zerrissenen Marfen in ein Buch und gab mir zehn neue. Das Hinter mtr stehende Publikum jubelte vor Vergnügen, ich
freute mich über den gefundenen Erfaß, der Beamte war glüdlich, daß er dem Publikum sein Entgegenkommen zu beweifen, Gelegenheit gehabt hatte, und wenn fich nun noch die Leser Ihrer geschäßten Bettung da rüber amüsteren, dann ist auf das tlarite bewiesen, daß unverständliche bitrokratische Verordnungen nicht dazu da sind, die Welt zu ärgern, sondern den Menschen eine Freude zu bereiten.
Nur teine Verwechslung.
Das Wiener„ Ertra
blatt" schreibt: Wenn irgend einer, zum Beispiel der Kutscher Wenzel Pristichal, wegen irgend einer strafbaren Handlung arretiert wird, und das in der Zeitung steht, so ist das allen, die zufällig denselben Namen füh ren, unangenehm. Ste fönnen besorgen, daß man ste für tenen Wenzel Priftichal hält, den man arretiert hat, und so melden sich in einem solchen Falle sämtliche Wenzel Pristichals bet der Bettung mit dem Ersuchen, freundlichst mitzuteilen, daß fie, die verschiedenen Wendel Bristichal, nicht tbenttsch feten mit fenem Wenzel Bristichal, über deffen Verbaftung berichfet worden set, fa nicht einmal bis zum 99. Grade in irgend einer Verwandtschaft mit fenem Menschen stiinden. Nun ist am 19. d. M. t Gumpolbstfrchen dem Fabrikdirektor Herrn Josef Klima überretcher Familiensegen zutell gewor ben. Seine Frau hat ihn mit Drillingen beschenkt. Dte etnen werden das als befonderes Glück, andere vielleicht als Malheur auffaffen, eine Schande tst es feinesfalls. Dennoch findet fich ein anderer Herr Josef Klima, ber um Gottes Willen nicht als Vater von Drillingen gelten möchte, und er bittet uns, ihn vor einem derarHgen Verdachte in Schuß zu nehmen. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als diesem harmlosen Ersuchen stattzugeben, und der an uns gelangten Buschrift gemäß feterlichst zu fonstatteren, daß Herr Josef Klima, Werkmeister der Gumpoldstirchener Maschinen- und Metallwarenfabrik, nicht identisch ist mit tenem Fabrikbtrettor Josef Selima, dem ein überetfriger Storch dret fache Vaterfreuden ins Haus gebracht hat. Den wirts Itchen Vater der Drillinge wird das nicht genteren, den Namensvetter des Drillingsvaters wird es beruhigen, und den Drillingen wird es in threr Gesundheit gewiß nicht schaden. In jedem Falle kann man belden Herren Namensvettern herzlich gratulieren: dem einen, weil er Drillinge gekriegt hat, und dem zweiten, wett er fte nicht gekriegt hat.
Unverfroren. Stationsvorsteher( mitleidig zum Fremden, der angeblich sein Portemonnate verloren hat):„ Na, damit Ste wenigstens Ihren Heimatsort otesen Abend erreichen, will tch die Fahrkarte einstwetlen aus meiner Tasche bezahlen. Also bis Spechthaufen?" Der Fremde: Jawohl zwetter!"
Unterbrochen. Frau A.: Ste fetern erst in fünf Jahren. Ihre silberne Hochzett? Ich denke, Ste sind ebensolange verheiratet, wie to?" Frau B.: Ja, mein Mann hat doch fünf Jahre gesessen!"
Schüßt die Säuglinge vor Hizze!
Der bekannte Kinderarzt und Leiter der Göttinger Universitäts- Kinderklinik Profeffor& öppert läßt folgende zeitgemäße Warnung ergehen:
Man hört in solchen Tagen viel von Hitschlägen von Erwachsenen, und vergißt dabet, wieviel Säuglinge durch die Hize schwer geschädigt werden oder unter Qualen zugrunde gehen. Die ganze Aufmerksamkett der Mütter richtet sich nur darauf, das gefürchtete Verderben der Milch zu vermeiden, und damit glauben ste alles getan zu haben, was sie tönnen. Würde das genügen, so würden bei der Sorgfalt der meisten unserer Mütter die schweren Sommerdurchfälle zu den Seltenhetten gehören. Die Htte schädigt aber das Kind noch in ganz anderer Weise. Sie vermindert
die Verdauungskraft des Kindes,
so daß die Nahrung, die vorher gut bekam, Verdauungsstörung erzeugen fann. Ste verschlimmerte dadurch auch schon bestehende leichte Verdauungsstörungen. Die Hihe bewirkt, daß jede fteberhafte Erkrankung, so z. B. leichte fteberhafte Lungenkatarrhe durch hinzutretende Vérdauungsstörungen zu schweren Krankhetten werden. Ja, die Hize erzeugt bei Säuglingen gar nicht so selten eigentliche Stßschläge, und diese unglücksfälle pasfieren nicht gerade, wenn das Kind auf der Straße ist, sondern wenn es zu Hause in seinem Bettchen Itegt. Das Fieber steigt dann plößlich stark an, das Kind fängt an, bewußtlos zu werden, leichte Verdauungsstörungen können sich hinzugesellen, dann treten Krämpfe ein und das Kind geht in wenigen Stunden zugrunde. Es ist nun die Frage, ob die Mutter nichts tun tann, diese traurigen Ereignisse zu verhindern, und diese Frage ist energisch mit Ja zu beantworten. Jede Mutter, so arm fie auch sein mag, schützt ihr Kind vor Kälte, aber sie denkt nicht daran, es vor Wärme zu schützen. Die Glut, die in vielen Wohnungen in dieser Zeit Herrscht, die kann die Mutter fretitch faum wesentlich beffern; wohl läßt sich durch Aufwischen des Bodens mit fühlem Wasser und durch Verhängen der Fenster mit in Waffer getauchten Caten und durch Herstellung bont Bug etwas bessern. Die Hauptfache aber til, dap
man
den Säugling zweckmäßig fleidet und bettet, daß seine Haut abdunsten kann. Weg also mit allen Federbetten, Unter- und Oberbetten aus den Kinderwagen. Statt dessen genügt eine Roßbaarmatraße oder Strohsack oder eine Barchentwindel als Decke. Am Tage fann man dies lettere gänzlich entbehren und lasse das Kind mit Windelhöschen und Jäckchen bekleidet mit bloßen Beinen strampeln. Aeltere Säuglinge dürfen nicht, wie es in diesen heißen Tagen so oft zu sehen war, unter dem Tragkleidchen noch ein Barchentjäckchen tragen. Zu achten ist auch darauf, daß der Gummiflect nicht den ganzen Körper umgibt, da er am meisten die Verdunstung der Wärme hindert. Auch das Stüßen der Kinder, die schlecht ſizen können, durch Kissen ist zu unterlassen. Mögen fie auf ihrer platten Unterlage Itegen, das ist ihnen so wie so besser. Viel Unheil richtet auch
das Verdeck des Kinderwagens an. Man stecke nur einmal seinen Kopf hinunter, um zu sehen, welche Glut unter demselben herrscht. Will das Kind in der Helligkeit nicht einschlafen, nun, so schläft es etwas später ein. Mütter, die allein Kind und Haushalt besorgen müssen, pflegen, während sie kochen, das Kind im Wagen in die Küche zu nehmen, um immer für die Unterhaltung des kleinen Quälgeistes sorgen zu tönnen. Wer je in einer solchen fleinen niedrigen Küche als Arzt ein Kind untersucht hat der weiß, welche Gluthize sich dort entwickeln fann. Das Kind gehört in den fühlsten Raum des Hauses, und hat die Mutter Angst, daß, wenn fte abwesend ist, das Kind aus dem Wagen fällt, so lege fie einen Strohjack auf die Erde und lege darauf das Kind. Auch das Herumtragen im wollenen Tuch, das um Schulter und Hüfte geschlungen wird, ist zwar sehr bequem, ich rate aber der Mutter, in diesen Tagen ein Leinentuch zu benutzen.
Die Angst vor Erkältung ist überflüffig. Gerade der überhitte Mensch erfältet sich am leichtesten und ist empfänglich für Zug. Ist das Kind überhitzt, so tauche man einen Schwamm in fühles Wasser, dricke
thn start ans und wifche damit schnell fiber Brust, Bauch und Rücken und schlage, ohne abzutrocknen, das Hemdchen wieder herunter und wiederbole diese Proze dur alle Viertelstunde. Nun noch ein paar Worte über die Ernährung
in dieser Zeit. Man gebe die Flasche dem Kinde im mer eine halbe Stunde später, als man es sonst getan hat, verdünne die Milch mit 2 bis 3 Nummern Wasser mehr als vorher und gebe auch etwas weniger Zucker hinzu. In der Zwischenzeit reiche man dem Kinde, so oft man will, einige Nummern von lauwarmem Fens chel- oder Lindenblittentee. Diesen Tee versüßt man ant besten mit Saccharin. Auch Brustkindern schadet dieser Tee nichts.
Mögen alle Mütter diese Ratschläge in dieser helBen Jahreszeit beherzigen!
Die tropische Hize
zeitigt allenthalben unangenehme Folgen. Der„ Schle fischen Volkszeitung" zufolge tamen am Sonntag wäh rend dem Turnerfestzuge in Troppau 35 Fälle von Hißschlag vor, wovon einige sehr schwerer Natur waren. In zahlreichen Orten Niederschlesiens und der Grafschaft Glaz ist die Dürre und Trockenheit so groß, daß die Brunnen versiegen und Wassermangel eintritt. Vielfach werden die Brunnen gesperrt und es wird aus thnen nur zu bestimmten Stunden Wasser in geringer Menge verabfolgt. Sämtliche Flüsse haben noch nie einen so niedrigen Wasserstand gehabt wie jetzt. In Nürnberg wurde die Wasserabgabe in den Wohnthäusern weiter eingeschränkt; sie wird sogar tagsüber stundenweise gänzlich eingestellt. Die Flußläufe und Bäche in Thüringen versiegen; die schwachrinnenden Flüsse führen eine Masse toter Fische; industrielle Anlagen, die ihr Wasser für die Dampffefsel den Wasserläufen entnehmen, mußten thren Betrieb erheblich einschränken; die Jenaer Wasserleitung gibt nur noch geringe Mengen Wasser her. Ueber ein starkes Absterben der& tsche wird auch aus dem Elstergebiet geflagt. Durch den widerlichen Geruch der toten Fische sind für die Anwohner unhaltbare Zustände entstanden. In Saarbrücken trafen aus Schleswig, Bremen und Tilfit größere Schweinetransporte ein, von denen insgesamt 140 Tiere infolge der großen Size verendet waren. In Neunkirchen traf ein Doppelwagen mit 70 Schweinen ein, von denen kein einziges mehr am Leben war. Von einem in Stegen angekommenen Transport Schweinen waren ebenfalls 40 infolge der Sitze verendet. In Mülhausen( Elsaß) langte ein Waggon mit 15 Rindern an, die infolge der Size verendet waren.
Die Hize hat in den Weinbergen großen Schaden angerichtet. Aus Coblenz wird gemeldet: Wo die jungen Beeren der Sonne besonders stark ausgesetzt waren, sind sie vielfach geborsten, so daß die Kerne bloßltegen. In der Gemarkung Winningen bei Coblenz ist der dadurch angerichtete Schaden bereits so beträchtlich, daß man mit einem fühlbaren Ernteausfall zu rechnen gezwungen ist. Von der Wirkung der Sonnenglut auf die Früchte kann man sich einen Begriff machen, wenn man hört, daß in Winningen Aepfel am Baum, die von den Sonnenstrahlen schußlos getroffen wurden, in ihrem oberen Teil regelrecht gebraten sind. Ein Opfer der Hitze.
Trier, 27. Jult. Infolge Sitzschlages fiel der Schlosser Bickelmann auf der imbacher Hüttke gegen die Hochspannlettung und wurde auf der Stelle getötet.
Bamberg, 27. Jult. Eine 24jährige jungverhetratete Gärtnersfrau und das 20jährige Dienstmädchen eines höheren Justizbeamten wurden infolge der großen Size plötzlich irrsinnig. Eine 83 Jahre alte Frau wurde auf dem Wege zur Kirche tödlich vom Sibschlag getroffen und ein Kind liegt schwer am Sonnenstich darnieder.
Berlin im Gewitter.
Der großen Hize der letzten Tage ist gestern abend in Berlin ein Gewittersturm von elementarer Gewalt gefolgt. Um 8 Uhr erleuchtete der erste grelle Blitz die schon in der Dämmerung liegende Stadt und es folgte eine elektrische Entladung nach der anderen. Donnerschläge rollten in ununterbrochener Folge, von Bett zu Zeit abgelöst durch scharf fnatternde Schläge. Gleichzeitig ging ein wolfenbruchartiger Regen nieder. Die Kanalisation war nicht imstande, die plötzlich an= drängenden Wassermassen so schnell aufzunehmen und in wenigen Minuten standen ganze Stadtteile, besonders die tiefer gelegenen unter Wasser. Die elektrische Straßenbahn mußte den Verkehr umletten, wenn nicht, was häufig der Fall war, die Wagen ganz auf der Strecke liegen Elteben, da die Sicherungen infolge der wiederholten Schläge in die Wagen durchbrannten. Am schwersten heimgesucht wurde die Gegend am Fuße des Kreuzberges, der Vorfstraße und die angrenzenden Häuserblocks. Die Keller füllten sich mit den andrängenden Wassermassen und die Feuerwehr, die etwa 50mal
großer giert wurde, mitunter die Lente mit
Größerer Brand= schaden ist, soweit bis jetzt festgestellt wurde, nicht vorgekommen, doch hat der Blizz in verschiedenen Fällen gezündet. Eine Abkühlung war dadurch nicht eingefreten und die Hite drückte auf die Stadt in ungeminderter Stärke. Nachts gegen 2 hr tobte ein zwettes Gewitter, bet dem ebenfalls wieder ein wolkenbruchartiger Regen niederging.
Drabtnachrichten und Deuestes.
Eine neue Kunde aus Südwest. Berlin, 27. Juli. Aus Deutsch- Südwestafrika Itegt eine neue telegraphische Mitteilung des Gouverneurs vor, in der es heißt, daß es bisher nicht mögItch gewesen ist, über den angeblichen Ueberfall auf die Kolonne Frankenberg im Caprivizipfel Aufklärung zu erlangen. Der Gouverneur hat für den Fall, daß sich das Gerücht bewahrheiten sollte, alle Maßnahmen getroffen, um die Unruhestifter zur Rechenschaft zu ziehen. Gröblicher Mißbrauch des Gastrechts durch einen Franzosen.
Berlin, 27. Juli. In einer nichtöffentlichen sozialdemokratischen Versammlung hat der französische Sozialist Yvetot nicht nur die deutsche Regierung in beschimpfender Weise angegriffen, sondern auch die Wehrmänner direkt aufgefordert, im Kriegsfalle die Waffen gegen die eigenen Vorgesetzten zu fehren. Es ist die sofortige Ausweisung Yvetots veranlaßt worden. Yvetot hat es vorgezogen, noch vor Vollstreckung des Ausweisungsbefehls Deutschland zu verlassen.
Keine Cholera in Westpreußen.
Danzig, 27. Juli. In das Diakonissenhaus in Marienburg wurden drei Frauen unter choleraverdäch tigen Erscheinungen eingeliefert. Die Untersuchung hat indessen ergeben, daß die aus dem Kreise Stuhm stammenden Frauen an Typhus erfrankt sind.
Alte Zeitungen in einem Wertpaket. Petersburg, 27. Jult. Auf dem Wladiwostoker Postamt wurden in zwei von der Petersburger Staatsbank aufgefundenen Wertpaketen anstatt 200 000 Rubel alte Zeitungen gefunden.


