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Berhandlung die Fenster geöffnet werden mußten, wurde er wegen Ungebühr vor Gericht zu einer sofort zu voll Der #tredenden Haftstrafe von drei Stunden verurteilt. Anrüchige" wurde darauf einem Schuhmann übergeben. Schiffbrüchige im Rampfe mit Piraten. Die Passagiere und die Besatzung des in der Nähe von Schanghai unterge angenen Postdampfers" Asia" sind nach einer Meldung des New York Herald" von Piratenbooten umschwärmt wor ben. Durch Revolverschüsse gelang es zwar zunächst, diese pon dem Schiffe fernzuhalten, doch kamen fie, wenn fie auf ber einen Seite vertrieben waren, auf der anderen Seite wieder heran. Schließlich nahmen die Piraten von dem Schiffe Best und brachten die Europäer als Gefangene an Band. Am nächsten Morgen willigten fie ein, diese nach dem Schiff America Maru" zu bringen, wenn ein Kontratt unterzeichnet würde, nach dem teder von ihnen 300 Dollars erhalten sollte.

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Die Kaninchen am Brüdenpfeiler. Eine heitere Ge­chichte wird in einer tschechischen staatswissenschaftlichen Beitschrift erzählt: Der Zöllner der Liebner Brüde, einer provisorischen Holzbrücke, die Prag 8 mit Prag 7 verbin bet, machte an den Prager Magistrat im August vorigen Jahres die Anzeige, daß sich wilde Kaninchen bei einem Brückenpfeller eingenistet hätten und ringsum Löcher gra­ben. Der Magistrat nahm die Meldung zur Kenntnis, bielt fich aber für unzuständig und übergab, da es sich um bas Schicksal von harmlosen Tieren handelte, die Angele­genheit der städtischen Zentralschlachthausverwaltung, zu­mal das Schlachthaus in der Nähe der Brüde Itegt. Die Schlachthausverwaltung wußte fich nicht zu helfen, fandte aber, da von wilden Kaninchen die Rede war, die Aften an bas Stadtratspräsidium mit dem Vermerk zurück, daß in einer Jagdangelegenheit die Schlachthausverwaltung nicht Buständig fet. Das Präsidium sagte sich, für Brückenpfeiler. haben wir die Hochbauabteilung, und dorthin gingen denn auch die Akten; die Hochbauabteilung aber gal sie, wetl etne Brücke in Betracht fam, an das Wasserbauamt. Die­ses überwies wieder das ganze schon angeschwollene Atten­bündel an die Statthalteret, Abteilung für Schiffahrt, die den Akt wieder dem Magistrat zurückstellte, weil Kanin­chen nicht eine Wasserrechtssache seien. Jetzt war guter Rat teuer, öte Aften konnten nicht mehr wetter wandern, aber man half sich, und es wurde, wie das in Desterreich eben üblich und altgewohnt ist, eine eigene Kommission be ftimmt, die fich dieser Tage in einer Anzahl Wagen aus bem Rathaus zur Brücke begab, um den Lokalaugenschein vorzunehmen; das war ach tMonate nach der Anzeige des Brüdenzöllners. Und beim Lokalaugenschein ergab es sich, baß die Kaninchen inzwischen verschwunden waren; viel= leicht hat sie der Mann an der Brücke gefangen und ver zehrt, was bet den teuren Fleischpreisen wohl begreiflich wäre.

Ein schwimmender Postbote. Einen schweren Dienst, um den selbst unsere vielgeplagten Landbriefträger thren Kollegen in der Stofee taum beneiden würden, hat der Postbote von Niua- Foou, einer kleinen Insel der Tonga­gruppe, zu verrichten. Wenn immer ein Dampfer das ab­gelegene Etland berührt, liegt dem Postboten die Pflicht ob, bie Briefe von Bord zu holen. Das Schiff kann jedoch nicht näher als bis auf etwa anderthalb Kilometer an die Küste herankommen, und da der Seegang gewöhnlich hoch ist, kann ber schwarze Beamte nicht daran denken, sich des Kanves der Eingeborenen, des Katamaran, zu bedienen. Der Post­bote stürzt sich dann kurz entschlossen in die Fluten, trop­bem gerade in jenen Meeresstrichen Haifische durchaus keine Seltenheit sind, schwimmt zum Schiffe und nimmt hier die wenig umfangreiche Briefpost in Empfang. Ste wird dann an einer Stange befestigt, um sie vor Nässe zu schützen, und diese Stange über das Waffer haltend, tritt der Schwimmer dann den Rückweg an, der je nach dem Seegang oft mehrere Stunden dauert.

Wie viel Champagner in der Welt getrunken wird. Durch die Revolution der Winzer wird dem Welthandel mit Champagner ein schwerer Abbruch getan. Die befann­testen Firmen in Reims, Epernay, Chalons, Ay, Avice und Mareuil, wie z. B. die Firmen Mumm, Moet& Chandon, Sergent, Bumüller, Cliquot, Heidsiek, Jeqqueffen, Chanoine und Rödere, die im allgemeinen den Hauptbedarf an Cham pagner bestreiten, fabrizieren allfährlich durchschnittlich 50 Millionen Flaschen. Der Konsum in Frankreich beträgt 8 Millionen, in England 4 500 000 in Rußland 2 600 000, in Deutschland 2 100 000, in Amerika 9 500 000 Flaschen. Zahlen Die anderen Staaten sind mit geringeren Zum an dem gesamten Champagnerkonsun beteiligt. Teil wird in den einzelnen Staater auch eine ungeheure Menge Sekt verbraucht, der zur Ersparung der Steuer und des Grenzzolls im eigenen Lande hergestellt wird, nichts­bestoweniger aber wird dazu ungeheuer viel Champagner­petn benötigt. Dieser Champagnerwein, der z. B. von be­kannten deutschen Sektfirmen in gewaltigen Mengen aus bem französischen Champagnergebiet bezogen wird, geht in Fässern, aber nicht in Flaschen, unverarbeitet nach Deutsch­land und den anderen Ländern. Der Konsum an Faß­wein beträgt das dret- bis vierfache des Konsums an Flas schenwein. Aus diesen Zahlen ist zu ersehen, daß es sich bei der französischen Champagnerrevolution um eine all­gemein interessierende Frage handelt.

Fußreise eines Gelehrten um die Erde. Daß man die Länder der Erde am besten kennen lernt, wenn man sle möglichst zu Fuß durchwandert, tst der Grundgedanke, der den italienischen Professor der Geographie Alfredo Battellt veranlaßte, im Oktober 1908 von Neuyork aufzubrechen, um zunächst ganz Nordamerika zu Fuß zu durchstreifen. Ueber Washington ging er nach Chicago und von dort un­ter vielen Schwierigkeiten durch die Wüsteneien Nevadas und die Urwälder Kaliforniens bis zur pazifischen Küste, Nach einem Abstecher durch Britisch- Kolumbien und den westlichen Teil Kanadas begann die Reise über den stillen Ozean nach Jokohama. Von hier durchwanderte Signor Battellt Japan bis Nagasaki; dann ging es nach China. Von Hongkong führte ihn sein Weg weiter, zunächst per Schiff nach Kanton and dann wieder zu Fuß nach Makao und Tongking. Von Saigon fuhr Battelli per Dampfer nach Schanghat, und von dort marschterte er bis Peking. Von Tientsin wanderte er durch die Mandschurei, Sibirien und Rußland, endlich kam er, unter großen Gefahren und Mühen, nach Deutschland, und augenblicklich weilt er in Berlin, um sich demnächst nach Nordafrika, Indien und Au­stralien und Südamerika zu begeben.

Ein Wörterbuch der deutschen Kaufmannssprache. Vor einiger Zeit ist der Plan entstanden, ein geschichtliches Wörterbuch der deutschen Kaufmannssprache zu schaffen, das den gesamten faufmännischen Wortschatz vom Mittel­alter bis heute in seiner Entwicklung vorführen soll. In Der Zeitschrift des Allgemeinen deutschen Sprachvereins" bittet nun Alfred Schirmer vom Germanistischen Institut der Universität Leipzig alle Kaufleute, die Sinn für sprach­liche Forschung haben, eigentümliche Ausdrücke, die den Kaufmann und seine Tätigkeit betreffen, ihm mitzuteilen. Erwünscht ist dabei die recht genaue Angabe der Bedeu­tung und Verbreitung des betreffenden Wortes, möglichst auch eine Angabe darüber, wo es sich gedruckt findet. Als Beispiele seien folgende Ausdrücke angeführt: Alter( Chef), Anreißer, ausgefniebelte Preise, Bankrutsch, Bucketshop, einseifen, Ellenreiter, taput, faul, verkracht, frisieren( die Bilanz), Gelbstern, Garnhengst, gehängt, gerieben, Ge­schäftsverführer, Mantillenstengel, Garnfrize, Kampfpreise, lappern( vom Geschäft), Koofmich, Krawattenfabrikant ( Wucherer), Ladenbienchen, Ladenschwengel, Meßonkel, Reiseonkel, Musterfarg( Koffer). Pinscher( fleiner Kauf­

mann), Ramscher, Zigarrenfrize, Restefrizze, Schlepper, Zutreiber, Stift( Lehrling), Tippel oder Klafter( Kunde, der nichts kauft), Tippteuse, Klapperschlange u. a.

Mordanschlag eines Blinden. In Oberröblingen a. H. erregt der Mordplan, den ein blinder Seiler namens Otto Berger gegen seinen Gönner, den Zimmermeister Goldschmidt schmiedete, Aufsehen. Der Blinde stieg in der Dunkelheit, als der Zimmermeister abwesend war, durch ein offenstehendes Fenster in dessen Wohnung ein und verstedte sich dort, nachdem er einen schweren Zimmer­mannshammer an sich genommen hatte. Als Goldschmidt nach Hause kam und unterm Sofa den Stiefelfnecht hervor­holen wollte, entdeckte er dort den Blinden. Berger, der festgenommen wurde, gestand, daß er geplant habe, seinen Wohltäter, bei dem er größere Geldmittel vermutete, im Salafe zu ermorden und zu berauben.

Das Schicksal eines Legionärs. Dem Berner Intel­figenzblatt" wird geschrieben: Letzter Tage wurde von Frankreich aus die Nachricht in schweizerische Zeitungen ge­bracht, der mit dem Kreuze der Ehrenlegion ausgezeichnete Frembenlegionär Haberthür sei in Marseille eingetroffen und werde nach seinem Geburtsort Basel weiterreisen. Es geschah dies mit dem offensichtlichen Zweck, wieder einmal für die Fremdenlegion Reklame zu machen. Wie verhält es sich nun aber mit diesem Haberthür? Er diente im 1. Regiment der Fremdenlegion, das in Marokko verwendet wird. Am 12. Juli 1910 wurde er in einem Gefecht ver­wundet; ein Schuß zerstörte ihm beide Augen. Haberthür wurde zurückgeschafft und kam schließlich in das Militär­hospital. Hier vernarbte die schreckliche Wunde, ohne daß er aber die Sehkraft wieder erlangt hätte. Der arme blinde Soldat konnte in der Fremdenlegion nicht mehr dienen, und da Frankreich für die Kriegsinvaliden der Legion nicht sorgt, so wurde er der ,, Grande Nation" lästig. Man heftete ihm das Kreuz der Ehrenlegion" auf den abge­schabten Uniformfittel und ſpedierte ihn nach seinem Ge­burtsort, der Stadt Basel, zurüd. Nun können und müssen seine Angehörigen oder seine Vaterstadt für den armen blinden Legionär sorgen; dafür darf er dann sein ,, Kreuz" Spazieren tragen." Dieser Fall zeigt wieder einmal so recht, welchen Gefahren junge Männer, die sich in die Fremden­legion anwerben lassen, entgegengehen. Sie werden ausgebeutet und, wenn sie nicht mehr brauchbar sind, in ihre Heimat abgeschoben, wo ste, wenn niemand sich ihrer annimmt, an den glorreichen Erinnerungen an französische Dienste zehren und dabei verhungern.

Warnung vor reichen Bräuten". Die rumänische Re­gierung sieht sich veranlaßt, vor einem Berliner Heirats­bureau Sch. zu warnen. Dies annoncierte in den rumä­nischen Blättern, daß es für Damen, welche 150 000 bis eine halbe Million Frank Mitgift hätten, Heiratskandida­ten suche. Es erhielt aus Rumänien massenhaft zuschriften, auf welche es in Briefen antwortete, die nur gegen eine Nachnahme von zwanzig Frank ausgefolgt wurden. In jenen Briefen befanden sich immer sechs Damenphotogra­phien, bei welchen das Nationale und die Höhe der Mitgift angegeben waren. Wenn auf Grund dieser Photographien die Heiratslustigen aus Rumänien abermals an das Bu­reau schrieben, erhielten sie keine Antwort. Die Bukarester Polizet stellte fest, daß sett Wochen täglich 60-80 Nach­nahmesendungen zu 20 Frant am Butarester Hauptposts amt eintrafen. Die rumänische Regierung rief gegen den Inhaber des Bureaus in Berlin die diplomatische Inter­vention an. Ihre Schritte sollen vergeblich gewesen sein, da dieser alle Formalitäten des Gesetzes beachtete und die betreffenden sechs Damen tatsächlich existierten. Nur soll der Leumund dieser Damen sehr schlecht gewesen sein. Sie wurden dafür honoriert, daß sie dem Bureau ihre Photo­graphien zur Verfügung stellten.

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

200 000 Mark für ein Buch. Aus Neuyork wird gemel­det: Eine Gutenbergbibel warde gestern auf einer Auktion für 50 000 Dollars verkauft. Das ist der zweithöchste Preis, der jemals für ein Buch bezahlt wurde. Den nächsthöchsten Preis erzielte ein Mainzer Psalter vom Jahre 1488, für den 24 750 Dollars bezahlt wurden.

Ein neues amerikanisches Forschungsinstitut. Zurzeit wtrò in Amerika eine Summe von 1 200 000 Dollars ge= sammelt, um ein großes chemisches Institut für das Stu­dium der Chemie und für chemische Forschung zu errichten. Das dürfte die größte chemische Studienanstalt werden. Gleichzeitig beginnt die Harvard- Universität in Cambridge in diesem Frühjahr die Einrichtung eines neuen chemischen Laboratoriums, das etwa 100 000 Dollars erfordern wird.

Durch einen Spiegle wahnsinnig geworden.

Ein höchst interessanter Prozeß wird, wie der Inf." aus London geschrieben wird, in den nächsten Tagen dort zur Verhandlung kommen. Es handelt sich um eine Klage gegen den jungen Lord L., einen Vertreter der angesehen­ten Namen Englands. Die Klage lautet auf Körperver= Jezung und ist von den Eltern eines jungen Mädchens aus bem Mittelstande angestrengt worden. Lord L. stand sett Monaten im freundschaftlichen Verhältnis mit Rosy Hund­wich, die er auf einem Künstlerinnenfeste kennen gelernt hatte. Aus dieser Freundschaft entwickelte sich allmählich eine starke Bunetgung, und, wie Eingeweihte wissen wollen, hatte der Lord sogar die Absicht, das junge Mädchen heim­zuführen. Natürlich widersetzte sich die ganze Familie die­fer Verbindung, und der junge Lord mußte Kämpfe durch­fechten, um in den endgültigen Besitz der Geliebten zu kommen. Da wurde ihm eines Tages die Nachricht zuteil, daß seine Geliebte es mit der Treue nicht allzu genau nehme, daß man fte des öfteren an der Seite anderer Her­ren im Theater und auf der Straße sowie auf den Turf­plägen sehe. Der Lord ließ Miß Rosy beobachten, und er fand seine Ansicht bestätigt. Sein 3orn und sein Schmerz war ungeheuer, namentlich, da er eben im Begriffe stand, sich von seiner gesamten Familie loszusagen, einen bürger­lichen Beruf zu ergreifen, und die Erwählte seines Herzens heimzuführen. Es folgten nun Szenen, deren Heftigkeit das funge Mädchen erschreckten und einschüchterten. Miß Rosy gelobte Besserung und Lord Robert L. verlangte, daß sie während der Zeit von acht Tagen Buße tun sollte. Zu diesem Zweck befahl der junge Mann seiner Braut etn Zimmer, das er für diesen Zweck genommen hatte, nicht zu verlassen, mit keinem Menschen zu sprechen und auch kein Buch zu lesen. Der Raum war prächtig ausgestattet, na­mentlich waren die Wände kostbar. Sie bestanden vollstän= dig aus Spiegelschetben, und diese Spiegel hatten den Zweck, der jungen Dame fortwährend ihr Antlig vorzuhalten, da= mit ste es betrachte, und sich im eigenen Angesichte Besserung gelobte. Miß Rosy bezog ihr prachtvolles Gefängnis. 3u= erst hauste sie ganz ruhig und still darin, sprach mit der alten Dienerin einige Worte, allerdings nur das Nötigste, und tat offensichtlich Buße. Im Laufe der Tage und Nächte, die das junge Mädchen zum Teil wachend zubrachte, befam es vor dem ewig wiederkehrenden Bilde des eigenen Ge­sichtes ein solches Grausen, daß der Verstand sich zu ver­wirren begann. Immer versuchte sie dem Spiegelbilde aus­zuweichen, und von allen Seiten grinste und lächelte ihr thr eigenes Bild catgegen. Da wurde eines Moraena die

alte Dienerin durch ein fürchterliches Poltern herbeigeru fen. Miß Rosy schlug mit beiden Fäusten in die Spiegel­wände, die Scherben flogen herum, flogen ihr in das Ge ficht, fie achtete nicht darauf, fie schlug hinein, nur, um nicht mehr das Bild zu sehen, vor dem sie ein solches Grausen bekommen hatte. Der sofort herbeigerufene Arzt konsta­tierte, daß Tobsucht ausgebrochen sei, die wahrscheinlich un heilbar sei. Die Ursache führte er auf die Ein­famkeit in einem Zimmer zurück, in dem das junge Mäd­chen nichts zu sehen bekommen hätte, wie ihr eigenes Spie gelbild. Die Eltern von Rosy haben nun gegen den Lord die Klage angestrengt und man ist in London auf den Aus gang dieses Prozesses nicht wenig gespannt.

Telegraph and Telephon in unseren Kolonien.

Der Postdienst in den Kolonien ist wegen der unweg famen Straßen und wegen des Urwaldes äußerst beschwer­Itch. Die Schwierigkeiten, die dem Postdienst entgegenste hen, werden aber noch viel größer, wenn es sich darum handelt, Telegraphenlinien durch den Urwald, durch kahle Steppen und Sümpfe zu legen. Sehr interessant plaudert darüber ein amerikanisches Blatt. Bei dem Bau einer sol₁ chen Telegraphenlinie bahnt sich eine kleine Armee von vielen Hunderten schwarzer Träger, die durch die angetrau ten Gattinnen und häufig auch durch entfernt stehende Da men noch vermehrt wird, langsam den Weg durch den Ur­wald. In einer Breite von ca. 120 Fuß wird eine Straße durch den Busch geschlagen, in deren Mitte der elektrische Draht gespannt wird. Bei der Anlegung einer solchen Tes legraphenleitung auf der Strecke von Tabora nach Muansa am Viktoriasee in Deutschostafrika hatten die Arbeiter eines Morgens das seltsame Schauspiel, daß sich unter einem Haufen von Baumstämmen, die zu Telegraphenstangen be= arbeitet werden sollten, eine Riesenschlange befand, die sehr erstaunt war, in threm Schlummer gestört zu werden. Da es ein schönes Exemplar war, wurde sie mittels Netzen gfangen und einem Agenten Hagenbecks übergeben. Fern sprecher und Telegraph haben sich in allen afrikanischen Schutzgebieten bei der farbigen Bevölkerung schon sehr ein­gebürgert und werden viel benutzt. Geburtstagsglückwün­sche, Hochzeitsgrüße usw. sind keine Seltenheit. Das Te­lephon erfreut sich besonders Sonntags großer Beliebtheit. In der Regel sind die ausgetauschten Nachrichten harmloser Art, es werden Gesundheit, Geschäfte, Palaver( Versamm­lungen), besprochen. Es kommen aber auch recht aufge­regte Unterhaltungen vor. So hielt einmal in Duala( Ka­merun) eine schwarze Soldatenfrau ihrem Gatten eine lange Gardinenpredigt darüber, daß er ohne ihre Zustimmung nach einer Nachbarstation abfommandiert worden sei, und fonte sich auch dann noch nicht beruhigen, als der Telephon= beamte die Verbindung längst gelöst hatte. Die Zahl der Gespräche zwischen Farbigen ist nicht unbedeutend. In Duala z. B. betrugen die Einnahmen aus solchen telepho nischen Gesprächen im Jahre 1907 7000 Mark. Sehr zahl reich sind die bei den deutschen Postvorstehern von Schwar­zen eingelaufenen Gesuche um Anstellung, Teuerungszu lagen, Versetzungen und Vorschuß. Hier beispielsweise ein solches Gesuch: Duala, 29. 11. An das Kaiserliche Postamt, Duala. Wundern Sie nicht um meinen Brief zu sehen. Im Laufe dieser Woche habe ich von Erzählungen erfahren, daß Sie Postgehilfen haben wollen. Ich merke hiermit, daß ich an der Baptistenmissionsschule vom 5. August 1901 bis 8. Jult 1907 besuchte. Das Zeugnis, welches ich von dort bekommen habe, ist auch mit mir. Ich hoffe eine gute Ant­wort von Sie zu bekommen und zeichne hochachtungsvoll Ihr Ernst Muange, Bonaka, Bonabella, Duala."

Drabtnachrichten und neuestes.

Kein Empfang König Peters.

Wien, 27. April. Die veränderten Dispositionen des Kaisers für den Aufenthalt in Ungarn haben, als sie ge­stern abend im Kreise einer beschränkten Oeffentlichkeit be­fannt wurden, außerordentliches Aufsehen erregt. Es ist klar, daß die Absage, beziehungsweise die höfliche Ableh nung des Besuches König Peters von Serbien in Budapest nicht ausreichend mit dem Gesundheitszustande des Kaisers motiviert ist, zudem gleichzeitig versichert wird, daß er zu feinerlei Besorgnis Veranlassung gibt. An maßgebender Stelle im Auswärtigen Amt wurde auch offen zugestanden, daß die maßlos beleidigende Agitation, die in Belgrad gegen die Reise König Peters nach Budapest entfaltet wurde, den Grund für den Verzicht auf den Empfang des Vertreters des serbischen Volkes bildete.

Große Arbeiteranssperrungen in Dänemark.

O Kopenhagen, 27. April. Die Arbeitgeber haben die Einigungsvorschläge der Arbeiter rundweg abgelehnt. Da die Arbeiter ihre Vorschläge als Ultimatum bezeichneten, steht zu erwarten, daß, wenn die Bedingungen der Arbeit­geber nicht noch in letzter Stunde angenommen werden, heute weitere 40 000 Arbeiter ausgesperrt werden.

Sein eigenes Kind überfahren.

Berlin, 27. April. Als ein Kutscher mit seinem Wagen burch die Urbanstraße kam, hielt er vor seiner Wohnung, um seiner Frau eine Mitteilung zu machen. Sein drei­jähriges Kind begleitete ihn auf die Straße und lief, ale er wieder losfuhr, plötzlich von der Seite unter die Räder des Wagens und wurde überfahren, ohne daß der Vater von dem Vorgang etwas wahrnahm. Erst als er durch das Schreien der Passanten aufmerksam wurde, bemerkte er zu seinem Entsetzen, daß er sein eigenes Kind überfahren hatte.

Gesundheitsschädliche Milch.

M.- Gladbach, 27. April. Hier ist amtlich festgestellt wor= den, daß Milch in ungekochtem Zustande in den Handel ge­bracht wird, die aus durch Maul- und Klauenseuche ver­seuchten Ställen stammt. Die Polizeiverwaltung hat ihre Beamten angewiesen, wegen der Gesundheitsgefahr bei sol­cher Milch mit rücksichtsloser Strenge vorzugehen, und sie weist darauf hin, daß derartige gewissenlose Uebertretun gen nicht mit Geldbußen, sondern mit Gefängnis bestraft werden.

Schrecklicher Selbstmord.

Rom, 27. April. Der populäre Romanschriftsteller Emilio Salgari beging aus Schmerz über den Wahnsinn seiner Gattin grausigen Selbstmord. Er begab sich unweit Turin in den Wald, wo er sich mit einem Jagdmesser den ganzen Leib aufschlitte und dann noch den Hals durch­schnitt.

Gefährliches Rettungswerk.

Montecarlo, 27 April. Am Kap Martin fiel ge­stern eine Dame in das Wasser und wurde von dem würt­tembergischen Leutnant a. D. Niemilla gerettet. Die Tat ist umso bemerkenswerter, als Niemilla noch an den Folgen seines im Februar in Pau erlittenen Aeroplanunfalles lei­det und als bet kap Martin der Wellenschlag besonders start ist.

Eine von den Holländern okkupierte Insel.

Manilla, 27. April. Nach einer Meldung aus Jolo sollen die Holländer die Insel Palmas in Besitz genommen, die amerikanische Flagge niedergeholt und die holländische aufgepflanzt haben. Die Vereinigten Staaten haben keinen Protest erhoben, da die Insel für sie wertlos ist.

Die Ueberschwemmungen in Buenos Aires. Buenos Aires, 27. April. Die Ueberschwemmungen dauern an und erreichen in den unteren Stadtteilen eine Höhe von zwei Metern. Auch eine Anzahl Dörfer ist über­schwemmt. 3ahlreiche Häuser sind eingestürzt und haben viele Personen unter den Trümmern begraben. Tausende von Personen find obdachlos. Man befürchtet, daß viele Bewohner, die während der Nacht in den überschwemmter Säufern im aufgehalten haben ertrunken fins