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Kriegsmärsche von Schülern.

Von einem fitrzlich unternommenen Kriegsmarsch der Schüler der Weißenfelser Oberrcalschule sandten die Teil­nehmer auch einen Gruß an Freiherrn v. d. Goltz. Der Generalfeldmarschall antwortete darauf dem Führer, Pro­feffor Steinke, folgendes:

Mit bestem Danke für den freundlichen Gruß an Sie und Ihre Unterprimaner vom Kriegsmarsche" Weißenfels­Merseburg verbinde ich meinen Glückwunsch zu dem gleich­zeitig fröhlichen und nützlichen Unternehmen. Je frither und tüchtiger unsere Jugend im Gebrauch ihrer Kräfte in Gottes freier Natur geübt wird, desto mehr wird sie in rei­feren Jahren für die Sicherheit und Größe des Vaterlan= des leisten können. Ich halte die Märsche in voller Ueber­einstimmung mit Ihnen für außerordentlich nützlich und den geringen Verlust an Zeit für den theoretischen Unter­richt, der sich daraus ergibt, als belanglos. Zur allgemeinen Erziehung und Bildung unserer Jugend gehört doch auch zum wahrlich nicht unwichtigsten Teile die Vorbereitung auf die Pflicht der Vaterlandsverteidigung. Für diese ist aber eine hohe Marschfähigkeit von sehr großer Wichtig­kett. Ich habe dies erst kürzlich wieder im Orient empfun­den, wo Landleute und Bergbewohner noch insgesamt tüch­tige Marschierer sind. Ein Heer, das regelmäßig am Tage fünf bis sechs Kilometer mehr marschiert als ein anderes, bat bet einigermaßen guter Führung alle Aussicht, dieses zu besiegen. Es ist dies der Punkt, in dem uns die Heere Napoleons während der unglücklichen Jahre 1806/07 am metsten überlegen gewesen sind. Mit Recht werden die der Armee daher die Marschleistungen sorgsam kultiviert. Die Erfolge haben die Erwartungen noch weit übertroffen. Es ist bereits vorgekommen, daß Truppen in größeren Massen mit vollem Gepäck bis zu 60 Kilometer an einem Tage zurückgelegt haben. Je früher die Uebung darin begonnen wird, desto leichter werden die großen Resultate erzielt.

sich sehen. Da das erste Geschwader aus Wilhelmshaven vom 19. bis 25. Juni vor Kiel liegen wird, so haben die Amerikaner Gelegenheit, die ganze Hochseeflotte in Augen­schein zu nehmen, da das zweite Geschwader in Kiel seinen Standort hat und die Kreuzer gleichfalls anwesend sein werden. Das amerikanische Geschwader wird nach den bis­herigen Dispositionen 7 Tage lang, also bis zum 27. Juni, in Kiel weilen und dann die Weiterreise antreten.

Die Berliner Bauarbeiter haben beschlossen, am 1. Mai vollständige Arbeitsruhe eintreten zu lassen. Man rechnet mit einer Aussperrung großen Stils, da das Kar­tell der baugewerblichen Verbände das Fehlen bei der Arbeit am 1. Mai unter Strafe stellt. Die wegen der Maifeier ausgesperrten Bauarbeiter sollen sich am 3. Mai an den hierzu besonders eingerichteten Meldestellen zur Kontrolle einfinden. Als Ausweis über die Teilnahme an der Matfeter dient die in den Versammlungen zur Ver­teilung kommende Maimarke" mit dem Stempel der Or­ganisation. Alle Ausgesperrten werden für die Dauer von drei Wochen aus Mitteln des Verbandes unterstützt.

Ein sozialdemokratisches Flugblatt gegen die Reichs­versicherungsordnung ist in Massen verbreitet worden. Die Reichsversicherungsordnung wird darin als eine schwere Gefahr und als ein Schaden für die Arbeiterklasse bezeich net. Es wird in den Flugblättern zum Besuch der Protest­versammlungen eingeladen, die überall stattfinden sollen. In diesen Versammlungen soll eine Resolution vorgelegt werden, die die sozialdemokratische Reichstagsfraktion auf­fordert, mit allen zulässigen Mitteln das Zustandekommen des Gesetzes zu verhindern.

Aber ein Marsch durch Gottes freie Natur gibt noch andere Gelegenheit, die Kräfte und Fähigkeiten des fünf­tigen Vaterlandsverteidigers zu steigern. Ich mache dabet besonders auf die Ausbildung der Augen aufmerksam, die heute in der Armee mit den Rekruten systematisch betrieben wird. Auch darin sind die Ergebnisse wett über die ur­sprünglichen Erwartungen hinausgegangen. Ungeübte Au­gen sehen unendlich viel weniger als das geübte. Das Er­fennen kleinerer Ziele auf geringere, später auf weitere Entfernungen wird von Tag zu Tag und Woche zu Woche leichter, wenn es regelmäßig wiederholt wird. Leute, die anfangs ein paar in einem Graben oder Busch verborgene Kopfscheiben überhaupt nicht sehen, auch wenn man ihnen den Ort ungefähr andeutet, an dem sie liegen, erkennen sie fpäter auf den ersten Blick ohne jede Hilfe. Es ist also sehr nüblich, bei den Märschen einige junge Leute vorauszu schicken, die sich nach vorheriger Verabredung hier oder dort verbergen, nur den Kopf oder Kopf und Schulter zeigen und sich erst auf ein gegebenes Signal, nachdem die Prüt­fung beendet ist, erheben, so daß sie jedermann erkennen muß. Ich habe erlebt, daß schon die Rekruten, die auf diese Weise geschickt angeleitet wurden, bis auf eine Entfernung von 1400 bis 1500 Meter in einem ziemlich ausgedehnten Panorama jede Kopfscheibe erkannten, die dort irgendwo verborgen war.

Eine scharfe Sprache gegen Frankreich führt die spa­nische Presse aller Schattierungen wegen der Lage in Ma­roffo. Sie macht Frankreich für die verwickelten Verhält­nisse verantwortlich. Man beschuldigt die französische Re­gierung, die Lage verschlechtert zu haben, um Marokko zu einem französischen Vasallenstaat machen zu können.

Die Anleitung zum Absuchen des Geländes mit dem Auge muß dabet systematisch betrieben werden. Die Seh­fchärfe wächst überraschend, wenn solche Uebungen regel­mäßig und dauernd betrieben werden. Sind die jungen Beute einmal angeleitet, so tun sie dies auch von selber, ohne thren Behrer. Auch die Beurteilung des Geländes und Die Wahl gedeckter Wege, die von fern nicht zu übersehen find, können ähnlich, ohne besonderen Zeitverlust, gelehrt werden. Für mich besteht kein Zweifel, daß die daraus für den Mann im ganzen Leben erwachsenden Vorteile, die ge­ringe Einbuße an pofitivem Wissen, die durch die Märsche etwa entstehen sollte, reichlich aufwiegen. Ob ein solcher Berlust überhaupt eintritt, ist mir aber zweifelhaft, denn der durch körperliche Uebungen gestärkte und erfrischte junge Mann ist unzweifelhaft auch für das Wissen auf­nahmefähiger als der Stubenhocker. Interessieren wird es Ste, zu erfahren, daß z. B. in der Garnison in Freiburg t. Br. die oberen Klassen der höheren Schulen bei Gelegen­heit von größeren Felddienstübungen der Garnison ans­rücken, um die Truppen zu begleiten.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Barseval 5 geht mit der Bahn nach Amsterdam anstell des havarierten Parseval 6. Nach Ankunft in Amsterdam erfolgt sofort die Füllung. Der Aufenthalt ist für fün Tage vorgesehen. Während des Aufenthaltes in Amster dam finden täglich Passagterfahrten statt. Nach Ablauf de Vertragsfrist wird das Luftschiff wieder per Bahn nach Bitterfeld zurückgebracht und steigt dann von dort aus zum Fluge nach Berlin auf.

Der französische Finanzminister will einige Reformen verwirklichen, so die Arbeiterruhegehälter, die in Deutsch­land bereits beständen und gegenwärtig in England ein­geführt würden, ferner die Ergänzungssteuer zur Einkom­mensteuer, die die französischen Konservativen mit solcher Angst erfülle, die aber in England bereits seit mehreren Monaten bestehe.

Die Leiche des in Konstantinopel ermordeten Oberst leutnants v. Schlichting trifft am Freitag mit dem Dampfer Samos" in Hamburg ein. Am Sonnabend wird eine Trauerfeier veranstaltet werden, an welcher die Spitzen des militärischen und Zivilbehörden teilnehmen. Trauerfeier wird die Leiche nach Berlin überführt.

Nach der

Für den Kriegsfall werden im deutschen Heere bet der Infanterie und auch bei den berittenen Truppen große und kleine Drahtscheren zur Beseitigung von Drahthindernissen eingeführt.

Zur Erbauung des größten Hauses in Neuyork sind jetzt die Pläne fertig gestellt. Die Höhe des Hauses wird 750 Fuß betragen. Das Haus selbst soll 30 Stockwerke und der Turm auf ihm 25 Stockwerke umfassen. Das Bauwerk wird 66 Millionen Pfund Stahl verschlingen.

Die Nachwehen des französischen Eisenbahnerstreifs. Das nationale Syndikat der französischen Eisenbahner hat einen Aufruf erlassen, in welchem es in schärfster Weise die Weigerung der Eisenbahngesellschaften, die entlassenen Eisenbahner wieder anzustellen, tadelt und ankündigt, daß es im ganzen Lande Protestversammlungen veranstalten werde. Die Gesellschaften beharren entschieden auf ihrer ablehnenden Haltung und lassen sich davon auch durch den Einspruch der Regierung nicht abbringen. Da dürfte es bald wieder zu einem Konflikt kommen.

Der Kaiser und der amerikanische Flottenbesuch. Wie der Inf." mitgeteilt wird, wird die bereits angekündigte amerikanische Flottendivision, die die Ostseehäfen besuchen wird, kurz vor dem 21. Juni in Kiel eintreffen. Der Kate fer, der am 19. und 20. Juni an den Regatten auf der Un­terelbe teilnehmen wird, wird am 21. Juni mit der Ho­henzollern" sich nach Kiel begeben und die Meldungen der amerikanischen Offiziere entgegennehmen. Voraussichtlich wird der Monarch dann an einem der nächsten Tage die amerikanischen Schiffe einer Besichtigung unterziehen und bie amerikanischen Offiziere auf der Hohenzollern" bei

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Des Rätsels Lösung.

Roman von Ludwig Blüm cke. ( Nachdruck verboten.)

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Mit einer eisernen Wagenrunge erschlagen wurde in Chorzow bei Beuthen aus Rache der Hausbesitzer Piet von etnem Nachbarn. In Kalisch an der Grenze erstach ein Schuhmacher seinen Schwager, der ihm sechs geliehene Mart nicht zurückgeben wollte.

Die Angeln des Weltfriedens". Bei einem Bankett in Neuyork kam der britische Botschafter Bryce in einer langen Rede auf die Friedensbewegung zu sprechen. Groß­britannien und die Bereinigten Staaten werden die An­geln des Weltfriedens sein und durch ihr Beispiel zeigen, daß alle Kriegsgelüfte beseitigt werden fönnen und man in guter Nachbarschaft miteinander leben kann.

Einsturzfatastrophe in einer niederländischen Kohler grube. In der staatlichen Kohlengrube" Emma" bei Heer­len wurden zwei Arbeiter durch Einsturz getötet, 16 ver wundet, darunter drei schwer. Zwei Arbeiter werden no vermißt.

Die türkische Kammer hat am Mittwoch bei Beratung des Budgets des Ministeriums des Aeußern dem Groß­mesir und dem Minister des Aeußern mit 122 gegen 45 Stimmen ein Vertrauensvotum erteilt.

Aus den Gerichtssälen.

Des Mordversuchs geständig und doch freigesprochen, Ein Geschworenenurteil, das in Deutschland allgemeines Aufsehen erregen dürfte, weil es von der üblichen Rechts­auffassung stark abweicht, wurde in einer Verhandlung vor dem Bochumer Schwurgericht gefällt. Der Tatbestand ist folgender: Der Bergmann Paul in Recklinghausen war seit 15 Jahren verheiratet, seine Frau hatte thm acht sein­der geschenkt, da nahmen sie einen Kostgänger bei sich auf, und es entwickelte sich ein Liebesverhältnis zwischen ihm und der Frau. Der Ehemann bekam um Neujahr herum davon Kenntnis. Da er wegen der Kinder eine Trennung nicht wollte, stellte er das Paar zur Rede und nahm ihm das Versprechen ab, das Verhältnis aufzugeben. Aber vier Wochen später wurden die beiden auf einem Spaziergange doch wieder zu ammen gesehen. Man hinterbrachte es dem Ehemann, der nun den Plan faßte, seine Frau, den Lieb haber und sich selbst zu töten. Er kaufte sich einen Revol ver und stellte das Paar erneut zur Nede. Als beide leug neten, gab er einen Schuß auf den Mann ab, der diesen am Kopf streifte. Der entwand ihm darauf die Waffe und flüchtete. Paul wurde wegen versuchten Totschlags unter Anklage gestellt. Mit tränenerstickter Stimme gab er zu, daß er die Absicht gehabt habe, den Liebhaber seiner Frau zu töten. Troßdem verneinten die Geschworenen sämtliche Schuldfragen, worauf das Gericht auf Freisprechung era fannte.

Präsident Diaz scheint es doch endlich müde geworden zu sein, sich in seinen hohen Jahren noch dauernd mit Re­bellen herumzuschlagen. Er soll Mexiko binnen kurzem verlassen, und darin darf man wohl einen ersten Schritt zu seinem Rücktritt erblicken. Aus Mexiko wird nämlich gemeldet: Wie von glaubwürdiger Seite berichtet wird, reist der Präsident von Mexiko Porfirio Diaz am 16. Mai nach Europa ab. Die Neuwahlen für die Präsidentschaft und die Vizepräsidentschaft finden im Juli statt.

Der Schuft Woltersdorf hatte es doch verstanden, das Gerücht zu verbreiten, Raben wäre zwar nicht der Stehler, wohl aber der Hehler. Der Herr Leutnant selber hätte das Geld entwendet, nachdem er den Rentmeister besto­hen. Damit die Sache nur ja nicht ans Licht käme, würde allerlet Komödie getrieben. Allgemein sprach man in Gast­wirtschaften, in Kaffeegesellschaften, ja sogar schon auf der Straße von dieser interessanten Angelegenheit. Niemand ahnte aber, welcher Teufel diese Lüge ersonnen.

Natürlich kam das, was sich die Leute als ein offenes Geheimnis erzählten, auch zu Rabens Ohre. Und das machte es eben, daß er keine frohe Stunde mehr hatte. 10. Kapitel.

Rieine Nachrichten.

Attentat auf die Kaiserjacht Hohenzollern"? Nach ei­ner türkischen Meldung aus Korfu sind auf die vor Anker Itegende Kaiserjacht Hohenzollern" von Grtechen dret Schüsse abgefeuert worden. Es wurde niemand verletzt. Die Nachricht ist jedoch von anderer Seite noch nicht be­stätigt.

Endlich hatte der General seine und seines Sohnes finanzielle Angelegenheiten im Auslande geregelt, und zwar zu seiner Zufriedenheit. Was inzwischen in Wedel­tein vorgefallen, hatte man ihm sofort mitgeteilt. Da­burch fühlte er sich der Familie Raben noch um ein Bedeu­tendes mehr verpflichtet, und sein Verlangen, sobald wie möglich wieder daheim zu sein, wurde immer mächtiger.

*

Eine Masseneingabe der deutschen Studenten um voll­ständige Beibehaltung der deutschen Schrift will ein allge­meiner Studentenausschuß einreichen, der sich zur Abwehr des Lateinschriftzwanges gebildet hat. Ein eben veröffent­lichter Aufruf führt aus, die deutsche Schrift sei das einzige sichtbare Band und neben der Sprache das eigentlichste äußere Wahrzeichen, das alle deutschen Stämme verbindet, ste set eine Stüße zur Erhaltung des Deutschtums im Aus­lande.

So ein Pech! Der schneidigste Reiter gestürzt! Hof­fentlich ist es nicht schlimm! O, all die getäuschten Hoff­hungen!" So schwirrte es durcheinander in der wogenden Menschenmenge, die sich heute auf dem grünen Rasen" eingefunden. Man war es seit zwei Jahren gewöhnt, den Kürassierleutnant Eschenholdt als Sieger bei allen Ren­nen hervorgehen zu sehen.

kannt. Ob aber der Reiter, der trotz des Unfalles gerade und stolz wie ein Sieger vom Plaze schritt, irgend eine Verlegung erlitten, konnte keiner sagen. Jedenfalls war es keine erhebliche.

Und heute mußte er das Malheur haben, mit dem Pferde zu stürzen, als er faum im Sattel saß. Wie es ge= tommen, wußte niemand. Der berühmte Renner ,, Hanni­Bal" hatte ein Bein gebrochen, das war bald allgemein be­

Vermischtes.

Acht Kindermorde in Leipzig. In den Leipziger An­lagen wurde von Schulkindern der Leichnam eines neugebo­renen Kindes gefunden. Dies tst innerhalb eines halben Jahres in Leipzig und Umgebung der achte Fund öteser Art; nur in einem einzigen Falle gelang es, die unnatür­liche Mutter zu ermitteln und zur Verantwortung zu zte­hen. Die anderen Fälle konnten nicht aufgeklärt werden. Man neigt zu der Ansicht, daß eine gewisse Planmäßigkeit und ein Zusammenhang zwischen den einzelnen Fällen an zunehmen ist, da die Art der Tötung gleichmäßig erscheint.

Verwegener Einbruch am hellen Tage. In Wien hatte ein Einbrecher die Verwegenheit, am hellichten Tage in ein Geschäft in der inneren Stadt einzudringen, um die Laden tasse auszurauben. Er wurde von dem Besizer des Ges schäfts überrascht. Der Besizer schlug sofort Lärm und der Verbrecher flüchtete sich auf die Straße. Passanten nah men sofort die Verfolgung auf. Als der Einbrecher sich bedroht sah, gab er mehrere scharfe Schüsse ab. 3wet Per­sonen wurden durch Streifschüsse leicht verletzt. Die Menge war durch diesen Vorfall so erregt, daß es die herbetgerufe nen Sicherheitswachen Mühe kostete, den Verbrecher vor der Wut des Publikums zu schützen.

An der rechten Hand fühlte Hardt bald nachher hef= tige Schmerzen, auch schwoll dieselbe stark an. Der Arzt stellte eine kleine Verstauchung fest und verordnete vor al­len Dingen Schonung. Da tam er denn auf den Gedanken, jetzt Urlaub zu nehmen und nach Wedelstein zu reisen, wo­hin seine Sehnsucht schon lange gerichtet war. Ganz über­raschend wollte er dort eintreffen. Gestern hatte er dem Vater noch geschrieben, daß er vor Weihnachten kaum auf Urlaub würde fommen können, und heute rüstete er sich bereits zur Reise. Seit er von Ernas mutiger Tat gehört und seit sie ihm auf seinen Brief, in dem er als Onkel des geretteten Knaben ihr in gar zu begeisterten Worten Dank und Anerkennung ausgesprochen, recht freundschaftlich ge= antwortet, weilten seine Gedanken Tag und Nacht hei ihr, die er so heiß liebte.

Als Hardi am Abend des nächsten Tages im Wedel­steiner Schloß anlangte, traf er weder seinen Later noch die Schwägerin zu Hause. Dieselben waren bei einem ade­ligen Nachbarn zum Besuch. Auch die Neffen ließen sich nicht sehen. Da spazierte er denn kurz entschlossen ins Dorf, um trotz der späten Stunde Rabens noch zu begrüßen.

Parfüm als Ungebühr vor Gericht". Eine neue Art von Ungebühr ist vom Schöffengericht II in Hamburg in seiner letzten Sigung festgestellt worden. Als Angeklagter erschten ein junger Mann, der beschuldigt war, einkassierte Gelder an seinen Prinzipal nicht abgeführt zu haben. Dem Delinquenten entströmten Düfte eines Parfüms, die den Vorsitzenden zu der Frage veranlaßten, ob er sich parfümiert habe. Der Angeklagte verneinte und die Verhandlung nahm ihren Gang. Der Angeklagte erhielt schließlich eine Geldstrafe von 20 M. Weil er aber parfümiert im Gerichts­zimmer erschienen war, in einer Weise, daß die Verhand­lung mit ihm kaum möglich war, und daß nach Schluß der

Im Vorgärtchen, aus dem ihm lieblicher Rosenduft entgegenströmt, war Erna gerade damit beschäftigt, ihren Lieblingen, den Blumen, frisches Wasser zu spenden, nach dem sie lechzten, denn der Tag war zu heiß geweser. Wie Hardi sie so sieht mit glühenden Wangen, ganz vertieft in ihre Arbeit, da stößt er vor Entzücken einen Jubelruf aus und streckt seine Arme aus, als wollte er die liebliche Ge­stalt an sich reißen. Und in ihren strahlenden Augen liest er, daß ihre Freude nicht minder groß. Ganz deutlich steht es in diesen Sternen geschrieben:

,, Nur Dich allein kann ich lieben!"

Mann. Er vergißt, daß es außer Erna und ihm noch mehr Menschen auf Erden gibt.

Da tommt es wie ein seliger Rausch über den starken

,, Erna, mein süßes Lieb!" sprudelt es über seine Lip ..Jetzt habe ich ja ein Anrecht auf Dich, jetzt darf ich Dir gestehen, wie sehr ich Dich liebe!".

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Weiter kommt er nicht. Schon ruht die sich sanft Sträubende an seiner Brust, schon brennen seine Küsse auf ihren bebenden Lippen.

Ach, das ist doch nur ein

Hardi, mein Hardi! Traum!" vermag sie nur zu stammeln.

Da, ein heiseres Lachen voll Hohn und Spott! ,, Man hat uns belauscht!" ruft Erna aus, und es ist thr, als hätte sie jemand aus dem füßesten Traum ihres Lebens aufgeschreckt.

Hardi lächelt und sagt: Mögen sie lauschen, mögen sie lachen, Du bist ja mein Lieb, meine Braut. Alle Welk kann das wissen und soll das schon morgen wissen!"

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Es war nicht etwa eine Täuschung ihrer Phantasie gewesen, was Erna da gehört und was sie so sehr erschrect. Es stand in der Tat ein Lauscher drüben am Garten­zaun. Und das war Woltersdorf. Als der vorhin den Leutnant zum Dorfe hatte gehen sehen, da tam ihm sofort der Gedanke: Sa, er wird Erna besuchen! Und nun geht die Liebelei weiter!" Da fnirschte er mit den Zähnen, ballte die Fäuste und rief aus: Niemals soll der besitzen, was mir versagt ist! Der nicht, der ganz gewiß nicht, und wenn ich zwei Menschenleben auf dem Gewissen haben sollte!" In blinder Eifersucht schlich er dem Leutnant nach, und war dann Zeuge dieses Auftritts. Da vergaß er sich vollends, vermochte nur das höhnische, heisere Lachen aus­zustoßen und rannte davon, um irgendwo, weitab von die ser Stätte, einen Plan zu ersinnen, der beiden das sichere Verderben bringen sollte. Ach, jetzt wußte er erst, wie sehr er das Mädchen liebte, das er um einer Reicheren willen preisgegeben! Es war freilich eine Liebe ohne einen Funken von dem, was die Liebe adelt und groß macht aber sie war leidenschaftlich und übermächtig. ( F. f.)

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