Ausgabe 
28.1.1911 Zweites Blatt
 
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Das mittelmaß ift gut dem Alter wie der Jugend, nur mittelmäßigkeit ist keine Tugend.

Weisheit des Brahmanen( Rückerf).

Das Reich der Frau.

Vertrauen.

Nachdruck verboten.

Das sichere Sundament aller Erziehung ist das Vertrauen. Es bleibt sich dabei gleich, ob es fich darum handelt, Kinder oder Erwachsene in irgend einem Verhältnisse zu erziehen. Wahres Dertrauen wird nur durch strenge Gerechtigkeit, gepaart mit verzeihender Güte und milde erworben. Besonders das Kind ist hierin ein scharfer und oft geradezu bewundernswerter Kritiker. Es läßt fich noch viel von dem uns allen mehr oder minder ausgeprägten, angebornen Instinkte leiten, der den meisten von uns später aberzogen wird, weil er sich mit manchen Richtungen der Kulturerziehung nicht verträgt. Ein Kind fühlt es schnell heraus, ob Vater und Mutter, oder wer fie vertritt, aus dem grundsäglichen Verlangen handeln, nur sein bestes zu wollen, oder aus dem bestechlichen Be= mühen, in jedem Salle für liebreich und freundlich zu erscheinen. Merkwürdigerweise verknüpft innige, warme Liebe die Kinder meist mit ihren strengen, aber gerechten Erziehern; natürlich sind mit diesen Eigenschaften nicht Bärte und Kälte zu vergleichen oder zu verwechseln.

Wer den Bitten eines Kindes nie zu widerstehen vermag, sie mögen noch so töricht und unvernünftig sein, ist nicht willfährig aus aufrichtiger Liebe zu ihm, sondern aus moralischer Seigheit, die ihn dazu verführt, trotz besserer Ueberzeugung und mit vollem Bewußtsein etwas zu geftatten, was dem Kinde zu mehr oder minder ernstem Schaden gereichen muß. Er handelt nicht aus dem Wunsche heraus, das Kind wirklich glücklich machen zu wollen, sondern aus Surcht, dieses möchte ihm zürnen für eine abschlägige Antwort und das könnte ihm selbst wehe tun. Dasselbe Gefühl freilich hat auch der gewissenhafte Erzieher, aber grade weil er gewissenhaft ist, sagt er sich: " Ich darf einem möglichen, vorübergehenden eigenen Gefühlskummer nicht das ganze Lebensglück Wer viele Menschenleben kennen lernte, der der mir anvertrauten Kindesseele aufs Spiel setzen." weiß, wie oft reichbegabte Charaktere zugrunde gingen, weil sie als Kind nicht lernten, daß wir alle von Anfang an einen Unterschied machen müssen zwischen dürfen und nicht dürfen.

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Ein Kindesherz kennt befeligende Sreude und tiefschneidenden Schmerz so gut, oft heftiger, wie der Erwachsene. Ein Berkules von Natur steht es häufiger am Scheidewege, als seine Um. gebung es ahnt. Manch harten Kampf ficht es innerlich aus. Wird es ihm zu schwer, den Sieg allein zu erringen, dann führt sein besseres Jch ihn voller Vertrauen dahin, wo es sicher ist, viel leicht ein strenges, aber jedenfalls gerechtes Urteil zu finden. Dahin geht es auch mit all seinen kleinen Sorgen und Kummernissen, mit seinem Wunsch um Rat und Beistand in allen ihm so wichtigen Angelegenheiten, die dem wie nichts und lächerlich erscheinen, die das Bewußtsein echter Kindlichkeit verloren haben. Dort birgt es auch seinen Schatz an tiefem Empfinden.

Half Maß in allem; denn in allem gibts ein mittel, deffen Linie das Wahre bezeichnet: dies und jenseits wird gefehlt. Horaz( Satiren).

Die elterliche Gewalt der Mutter unterscheidet sich von der des Mannes im wesentlichen dadurch, daß ihr ein Beistand vom Vormundschaftsgericht gestellt werden kann. Das muß geschehen, wenn der Vater, etwa testamentarisch, die Bestellung angeordnet hat oder wenn die Mutter sie selbst beantragt oder wenn das Vormundschaftsgericht sie aus besonderen Gründen für nötig hält. Als besondere Gründe kommen etwa Schwierigkeit der Vermögensverwaltung, Unzuverlässigkeit der Mutter und dergleichen in Betracht. Der Beistand braucht übrigens nicht für alle Angelegenheiten des Kindes bestellt zu werden.

Auch während der Vater die elterliche Gewalt ausübt, steht der Mutter das Recht und die Pflicht zu, für die Person des Kindes zu sorgen. Sie hat also auch neben dem Vater das Erziehungs. und Büchtigungsrecht, die Aufsichtspflicht, das Recht, den Aufenthaltsort des Kindes zu bestimmen, feine Berausgabe von jedem zu verlangen, der es den Eltern widerrechtlich vorenthält. Sie hat aber nicht die Vertretungsmacht des Kindes, gewisse besondere Sälle ausgenommen, und bet Meinungsverschiedenheiten geht die Meinung des Vaters vor. Dr. jur. A.

nicht nur ein scharfer Kritiker ist das Kind von Natur, auch ein diplomatischer Schlauberger. Kommt es ihm darauf an, eine Laune, irgend etwas nicht Gehöriges durchzusetzen, so wendef es fich sicher nach der andern Seite hin, wo es weiß, daß es seinen Willen schnell erreichen wird durch ein paar Tränen, und, wenn es sein muß, durch das Wort:" Dann habe ich Dich nicht mehr lieb!" Sür das stete nachgeben ist es vielleicht nicht etwa dankbar. Es fühlt ganz bestimmt heraus, daß ihm dadurch eine Ueberlegenheit eingeräumt wird, die ihm nicht zukommt. Dies gibt es durch eine andere Eigenschaft zu erkennen, die im Kindescharakter klar zu Tage tritt. Mit moralischer Grausamkeit geißelt es die Schwächen und Eigentümlichkeiten derer, die es nicht verstehen, diesen natürlichen Zug durch das eigene geistige und seelische Gleichgewicht in die richtigen Bahnen zu Dies sind das klare, richtige Urteil und die freiwillige Anerkennung des vernünftigeren und besseren, was wieder gleichbedeutend ist mit festem Vertrauen. Aus folchem Vertrauen erwächst die wahre Liebe, die so feste Wurzeln schlägt, daß sie allen Angriffen widersteht. Sie ist ein sichrer Balt, eine feste Stütze durchs ganze Leben. Unwillkürlich wird ein so erzogener Mensch im späteren Leben in den Stunden der Versuchung und Anfechtung zurückdenken an die, die ihn dafür vor. bereiteten. Er wird innerlich ihr Bild sehen, ihre Stimme hören. Ihr bittender Blick, ihr mahnen­des Wort fragt ihn:" Bast du vergessen, wie wir uns um dich sorgten und mühten, was wir dich lehrten? Wo blieb das Vertrauen, das uns einst verband?" Durch die Ueberwindung der Ver. suchung wird er beweisen, daß das Vertrauen, welches durch wahrhafte, selbstverleugnende Liebe erworben ward, nicht zu vernichten ist, sondern zu einem mächtigen Schutze heranwächst, der uns vor vielem, wenn nicht vor allem Bösen beschützen und bewahren kann. Paula Karsten.

lenken.

Die elterliche Gewalt der Mutter.

Was ich in Paris sah!

Paris ist eines jener Worte, das jede Srau elektrifiert, denn Paris und Mode find von ein ander unzertrennlich. Paris ist nicht allein die Metropole der Mode, wo sich alles zusammenfindet, sondern die Quelle, aus

der sich jeder das ihm zusagende holen kann, wenn er nur zu schöpfen versteht.

Während das ältere Recht nur eine väterliche Gewalt kennt, spricht unser Bürgerliches Gesetzbuch von einer elterlichen Gewalt. Diese steht regelmäßig dem Vater zu, so lange er lebt, Bach seinem Tode aber der Mutter. Da die elterliche Gewalt auch die Vertretungsmacht umfaßt, so erhält das minderjährige Kind nach dem Tode des Vaters keinen Vormund, vielmehr tritt die Mutter an die Stelle des Vaters.

Seit in den letzten Oktobertagen der zur augenblicklichen Be rühmtheit gewordene Pariser Maler Poiret, der zur Schneiderkunst überging, in Berlin war und an fünf seiner Mannequins( Probier. damen) seine Rom. pofitionen" zur Dor­führung brachte, ist sein Name auch in Deutsch­land in aller Mund.

Werfen wir zunächst einen Blick auf den Umfang der elterlichen Gewalt der Mutter wie des Vaters. Sie umfaßt das Recht und die Pflicht, für die Person und das Vermögen des Kindes zu sorgen. Diese Sorge enthält zunächst die gesetzliche Vertretung und zwar sowohl für Angelegenheiten, die die Person betreffen als bezüglich der Vermögensrechte. Jm einzelnen umfaßt die Sorge für die Person eine Anzahl von einzelnen Rechten. Bierher gehört zunächst das Erziehungs­recht. Kraft des Erziehungsrechtes können Vater oder Mutter das Kind angemessen züchtigen, und das Vormund­schaftsgericht hat sie auf Antrag durch Anwendung geeigneter Buchtmittel zu unterstützen, kann also z. B. ein Kind zwangs­weise ins Elternhaus zurückführen lassen oder in einer

log

Besserungsanstalt unter­

Besonders die Vertreterinnen der verbesserten Srauentracht freuten sich des angeblichen Grund. prinzipes, auf dem Poiret seine Schöpfungen aufbaut: nennt er sie doch korsettlose" Tracht.

Renner von Paris und der Sigur der Pariserin wissen, wie schwer sich diese Srauen von ihrem Korsett trennen, obgleich sie es ihrer mangelnden Sormen wegen weniger nötig hätten als die korpulentere deutsche Srau. Und jede Srau, die diese gleichmäßig überschlanken Siguren sah, mufzte sich sagen, da steckt etwas dahinter bezw. darunter. Und so war es auch. Es ist nach. gewiesen, daß die Mannequins unter ihren" korsettlosen" Kleidern Tange Korsetts trugen.

Immerhin haben Poirets Jdeen, die ihre Anregung aus dem Studium der Kostümgeschichte früherer Jahrhunderte erhielten, Einfluß ausgeübt auf die herrschende modelinie; überall sehen wir die gekürzte Taille, überall stark kontrastierende Sarben, wert. volles material in antiker Musterung.

bringen. Serner gehört hierher das Recht und die Pflicht der Beaufsichtigung des Kindes. Auf Grund dieser Aufsichts­pflicht haften die Eltern für einen Schaden, den ein un­beaufsichtigtes Kind anrichtet. Weiter gehört hierher das Recht, den Aufenthalt des Kindes zu bestimmen. Serner kann der Vater oder die Mutter Berausgabe des Kindes von jedem verlangen, der es ihnen widerrechtlich vorenthält.

Wenn in Paris eine Moderichtung lanziert werden soll, muß dazu eine hervorragende, bekannte Schauspielerin gewonnen werden, die das Kleid auf der Bühne vorführt. Poiret, der Umstürzler, mußte auch hier andere Wege gehen. Er erzog sich seine Mannequins zu Schauspielerinnen und schuf fich eine eigene Bühne in dem wundervollen Garten, den seine Villa umgibt." Poiret" sind diese Menschen vom Kopf bis zum Suß, denn nicht allein das Gewand und Schuhe und Kopfbedeckungen find Poiretsche Er­findungen, auch Blick und Geste und vor allem der Gang sind von Poiret inspiriert und das muß auch sein, sollen Trägerin und Gewand bei der fürchterlichen Enge grazios wirken, die erste Bedingung franzö fischer Schöpfungen.

Paquin, das großze Modehaus, hat die Idee, unseren Gewändern einen erotischen Charakter zu geben, aufgenommen. In die Oeffentlichkeit drangen diese Schöpfungen durch meile Lantelme, die in der Titelrolle in Marchand le bonheur" in Vaudeville mit ihrer Toilette großes Aufsehen erregte. Wir haben hier die aparteste im Bilde wieder gegeben und sie einer Poiretschen, Dichtung" gegenübergestellt. Die Paquinsche Robe be­steht aus einer pompejanischen Tunika aus besticktem Seidenchiffon, die über ein eng anliegendes Unterkleid( Sourreau) aus Gold­stickereien fiel, von breiten Blaufuchsstreifen umrandet.

Bei der Sorge für das Ver. mögen ist das Verwaltungs­und nutznießzungsrecht zu unterscheiden. Kraft des Nutz­nießungsrechtes stehen dem Inhaber der elterlichen Gewalt 3. B. die Zinsen vom Kapital des Kindes, der Reinertrag eines im Namen des Kindes betriebenen Geschäftes, die Benutzung der dem Kinde gehörigen Sachen zu. Hierbei ist jedoch zu bemerken, daß es auch sogenanntes freies Vermögen des Kindes gibt. An diesem fällt das Nutznießungsrecht weg. Sreies Vermögen des Kindes sind die ausschließlich zum persönlichen Gebrauch des Kindes bestimmten Sachen, also insbesondere seine Kleider, seine Schulbücher, Arbeits. geräte, Schmucksachen. Sreies Vermögen ist ferner, was das Kind durch eigene Arbeit erwirbt, was es erbt oder geschenkt bekommt, wenn der Erblasser oder Schenker das fuznießzungsrecht ausschließt. Die Nutznießung endet ferner mit der Verheiratung des Kindes. Bier mag eingeschaltet werden, daß das Kind bis zur Volljährigkeit, also bis zum 21. Jahre, der elterlichen Gewalt unterworfen ist, auch wenn es nicht im Elternhause lebt und wirtschaftlich selbständig ist. Umgekehrt untersteht ein volljähriges Kind der elterlichen Gewalt auch dann nicht, wenn es bei den Eltern lebt und von diesen unterhalten wird. Daß die Nutz­nießung mit der Verheiratung des Kindes endet, ist also hauptsächlich bei der Tochter bedeutsam. Denn Söhne können sich nach§ 1303 des Bürgerlichen Gesetzbuches nur verheiraten, wenn sie voll. jährig sind. Verheiratet sich also eine vermögende 20 jährige Dame, so stehen ihr von jetzt ab, was fowohl fie als ihren Mann interessieren wird, die 3insen ihres Vermögens zu. Allerdings erwirbt in der Regel durch die Beirat ohne weiteres ihr Mann Verwaltung wie Nutznießung an ihrem Vermögen.

Moderne Büte.

Frauen!

Einfache Linien bedingen kostbares, be. sonders abgestimmtes material. Was wären diese Modelle in schlichtem material, aus glatten, stumpfen Stoffen? Würden sie nicht einem Reformsack seligen Andenkens ähnlich sein?

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Und nun, ist diese Erscheinung mehr als eine Laune, wie es sich so manche unserer deutschen Srauen wünschen? Nie und nimmer. Poiret fagt:" Ich arbeite nur für die Jungen, die Schlanken und die Schönen", und außerdem legt die Sranzösin eine modelinie ab, sobald sie zum Allgemeingut geworden ist. Ja, er soll bereits abgetan sein, sicherlich für uns deutsche Srauen. Was ich in Paris noch sah?

Allerhand eigentümliche Büte, vom Turban des Verschwörers bis zum Walkürenhelm. Tot schick" soll der Turban nur dann sein, wenn man ihn täglich neu und selbst bindet. Individuell wird er sicher, ob auch graziös? Eine kleine Geduldsprobe für eilige Srauen. Das Gegenstüch des eng den Kopf umschließenden Turbans ist der Walkürenhelm. Aus zwei Etagen bestehend, gibt ein seitlich angebrachtes, flimmerndes, stilisiertes Kleeblatt die nötige Verbindung. Sür praktische und erfindungsreiche Hausfrauen ist der Topftoque besonders empfehlenswert. Gieren ihn doch eine Unmenge von Reihern, die sich nach getaner Pflicht als Staubwedel verwenden lassen.

Nach Künstlerentwürfen gearbeitet sind die beiden ganz aus Perlen bestehenden Taschen, deren Schönheit außer in den Mustern in ihren Sarben liegt. Interessant ist hierbei die Sorm der langen Tasche. Praktisch, um viel hinein zu tun, weniger praktisch, wenn man etwas herausholen will. Die dritte Tasche veranschaulicht die neueste Sorm, die in Leder oder Sammet ausgeführt wird. Die Tasche ist innen mit mehreren Sächern und den nötigen Utensilien eingerichtet.

Allerhand Ratschläge.

P. G.

Weiße Pelziachen. Das Reinigen weißer Pelzsachen erfolgt am besten in trockenem, heißem Gips. Man legt den stark erwärmfen Gips in eine Emailschüssel, die wieder über kochendes Waffer gestellt wird und wäscht in dem Gips den Pelz, worauf dieser tüchtig geschüttelt und dann mit einer Bürste zu glätten ist. Es empfiehlt sich, die Wäsche auf dem Hofe oder im Vorraum vor. zunehmen, da Gips sehr stäubt. Den Gips kann man noch einige male wieder verwenden.

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