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28.1.1911 Erstes Blatt
 
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land, der zugunsten bedürftiger Beterunen gepiant und auf den 10. Mai festgesegi war, wird auf den 2. September, den Gedantag verlegt werden. Man hat sich dazu ent­schlossen, weil man im Mai gezwungen wäre, fünstliche Blumen zu verwenden. Im September ist das nicht nö­tig. Der Redakteur der gärtnerischen Fachzeitschrift ,, Die Bindefunst", Olberg, will dafür Gorge tragen, daß an die­fent Tage so viel frische. lebende Kornblumen vorhanden find, als in ganz Deutschland verfaust werden können. Die Gärtner Deutschlands werden es sich zur ganz beson­deren Ehre aurechnen, ein paar Geviertmeter zur Anzucht der Blumen zur Verfügung zu stellen und die Blumen to­stenlos abzugeben. Alien Mitgliedern des Kyffhäuser­Bundes der deutschen Kriegerverbände, die selbstgezogene Kornblumen haben wollen, stellt Olberg den Kornblumen­femen Kaiser Wilhelm" ganz unentgeltlich zur Verfüg ng. Durch die fostenlose Ueberlassung der Kornblumen und des Samens würde einige 100'000 Mart gespart, die sonst für fünstliche Blumen ausgegeben werden müßten. Gin internationales Sotel und Eisenbahndieb jetzt in Gleiwitz verhaftet worden. Der 25 Jahre alte Raufmann Paul Riemczad gehörte zu den Leuten, mit denen sich die Berliner Zentrale zur Bekämpfung des in­ternationalen Verbrechertums schon länger beschäftigte und auf den sie auch die auswärtigen Behörden aufmert­jam gemacht hatte. Trogden wollte es nicht gelingen, feiner habhaft zu werden. Der gewandte Verbrecher führ te bald diejen, bald jenen Ramen, reiste von Stadt zu Stadt und Stahl in jedem Hotel, in dem er abstieg. Als er im vergangenen Jahre in Berlin einen Streich verübt hatte und von dort aus verfolgt wurde, verschwand er nach Wiesbaden und von dort über die Grenze nach Zürich. Erst jetzt wurde er in Gleiwig auf frischer Tat ertappt und festgenommen. Er besaß ein Rundreiseheft mit allen Güdten, in denen er in der legten Zeit gearbeitet" hat. Bahrscheinlich hat er auch diese Rundreisekarte einem Sotelgast gestohlen und sie gleich benutzt.

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Cia Goldregen auf der Straße. 50 000 Dollar in Gold und Banknoten waren gestern auf einer Neuyorker Gtraße ausgestreut, gerade an der Steile, wo ein inten­fiver Verkehr herrschte. Das Geld sollte nach dem Schazz­amt gebracht werden, als der Wagen, auf dem es sich be= fand, mit einem Straßenbahnwagen zusammenstieß. Der Kutscher des Gefährts wurde schwer verletzt. Die Polizei Schloß sofort um das verschüttete Geld einen Ring, bis es auf einen anderen Wagen geladen war. Es soll nicht ein Dollar verschwunden sein.

Tod eines Säuglings burch Erhängen. Ein Fall, durch den ein fleines Kind auf ganz merkwürdige Weise um das Leben fam, mahnt die Mütter wieder einmal, Kin­der nicht allein zu lassen. Das acht Monate alte Kind lag in Breslau in seinem Wagen im Simmer und spielte mit einer Gardine. In dieser befand sich ein großer Riß, und das Unglück wollte es, daß das Kind seinen Kopf durch den Riß steckte und dann nicht wieder herausfonnte. Bei den Bemühungen, sich zu befreien, fiel es schließlich aus dem Wagen und blieb nun an der Gardine hängen, die sich so fest um den Hals legte, daß das arme Wesen er­stiate. Als die Mutter zurüdfam, fand sie das Kleine tot nor.

Mordtat in religiösem Wahnsinn. Aus Christiania wird dem ,, Berl.-." berichtet: In Finnmarken brech in cirem Lager unter den Finnen religiöser Wahnsinn aus. Sie tamen plötzlich zu der Ansicht, daß einer von ihnen ge­tauft werden müßte, und suchten einen Knaben aus, an dem die Taufe vorgenommen werden sollte. Der Knabe wurde gezwungen, das Tauswasser zu trinken, und als er außerstande war, weiter zu trinken, wurde ihm der Mund mit Gewalt aufgerissen, worauf die Finnen fortfuhren, ihm Wasser cinzuflößen. Später wurde er zur Erde ge= worfen und mehrere Männer traten unausgesetzt auf ihm herum. Dann stedic man den Körper in einen heißen Ofen und warf ihn schließlich in den Schnee hinaus. Der Knabe ist während dieser gräßlichen Quälereien unter den fürchterlichsten Schmerzen gestorben. Die wahnsinni­gen Finnen wurden im Hospital zu Hammerfest interniert.

allverehrter Herr Bräses und Freund foll leben!... Ja, aber wo ist er denn? Das Schwein liegt wohl schon wie­der unter dem Tisch?"

Aus dem Lande der Morgenruhe".

Jesselnde Bilder aus dem Lande der Morgenruhe, dent nun endgiltig in den Besitz der Japaner gelangten Korea, zeichnet eine genaue Kennerin des Landes, Juliet Brebon, in einer englischen Zeitschrift. Der poetische Name, mit dem die Bewohner Korces ihr Land seit uralter Beit schmücken, hat der schönen Insel viel Unruhe und Kämpfe nicht ersparen können. Ein Eroberer nach dem andern hat es in früheren Jahrhunderten verwüstet, auch in moderner Beit ist es viel umstritten worden. Aber trotz schlimmer und aufgeregter Zeiten hat der Koreaner in einen tieferen Sinne die Bedeutung dieses Namens nicht Züge gestraft, sondern sich die friedliche Stille seiner Morgenruhe bewahrt. Eine wundervolle Harmonie ist über die Natur dieses Lan­des gebreitet und sie spiegelt sich in ihrer sanften Anmut in den Menschen, die dem Säuseln der Winde lauschen und von der beglückenden Fülle des Sonnenlichts sich bescheinen lassen. Freilich gibt es in diesem Paradies manch dunkle sich auf in Dörfern und Städten, und selbst in der Haupt­stadt Soul wird der Weg immer wieder durch Haufen von Flecken. Von Schmutz starren die Straßen, Unrat hänst auf die Straßen geworfenen Abfällen gehemmt. Aber wie eine Lilie aus einem Misthausen, so blüht aus dieser wenig reinlichen Umgebung die fleckenlose Gestalt des Koreaners hervor, immer in blütenweiße Gewänder gehüllt. Diese außerordentliche Sauberkeit der Toilette, die stets in der Farbe der Unschuld prangen muß, ist nun kein Zeichen be­sonderen Reinlichkeitsbedürfnisses, sondern ein von Alters her gewohntes Symbol der Trauer. Einstmals war die faiserliche Familie so zahlreich, daß das ganze Jahr hin­durch um irgend einen verstorbenen Prinzen oder eine dahingeschiedene Prinzessin Trauergewänder angelegt wer= den mußten, und so hat sich denn die Mode der weißen Trauerkleidung unter den Koreanern eingebürgert.

Böhmische Kurpfuscher verhaftet. Die Prager Polizei verhaftete einen ehemaligen Soldaten namens Jaroslaw Schwarz und dessen Vater Josef Schwarz. Jaroslaw Echwarz hatte seit einem Jahre ein Heilmittel gegen alles unter dem Namen Römischer Tee" nach ganz Europa ver­fandt. Das Geschäft ging so gut, daß er dann noch ein weites Heilmittel unter dem Namen Jerusalem- Tee" fabrizierte, sowie ein Mittel, welches in der Landwirt­aft gebraucht werden sollte. Jaroslaw wurde durch dieses Mittel, welches selbstverständlich vollkommen wert­los war, ein reicher Mann. Er hatte Prospekte in allen Sprachen Europas versandt. Seine Geliebte hatte in allen Beitungen Europas sogenannte Locfinserate erlassen. Eine Frau in Rußland, bei der das Mittel nicht geholfen hat, erstattete turzerhand Anzeige, worauf die Verhaftung der beiden und der Geliebten erfolgte.

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Denn nur der Mann kann sich in diesem Milien der größ­ten Unsauberfeit rein und fleckenlos erhalten; damit er blühe wie die Lilie auf dem Felde, müssen die Frauen be= ständig am Waschfaß stehen und das notwendige Tagewerk verrichten. lieberall im Lande sieht man die Frauen un= aufhörlich damit beschäftigt, die Wäsche ihrer Männer zu be= sorgen, und malerische Bilder entfalten sich bei diesen Je­sten der Reinlichkeit an den Flüssen, die von dem allge­meinen Schmuh seltsam abstechen. Damit der Koreaner sein Blumenleben führe, ist alle Last des Lebens auf die Frauen gehäuft, die in verachteter Stellung leben und nicht einmal einen eigenen Namen führen, sondern nur als die Frau des Soundso bezeichnet werden. Es sind anmutige, pi= fant aussehende Geschöpfe, diese koreanischen Frauen, mit ihren großen, fragenden Augen und dem feingeschnittenen fleinen Mund, die in ihrer großen Toilette etwas pubig­gravitätisches haben. Sie tragen dann einen steifen, glocken­förmig sich nach unten weitenden Rock, der bis zu den Fuß­Enöcheln reicht, und haben darüber eine ganz enge kurze Jacke gezogen. Während die Frauen der niedern Stände bei ihren Arbeiten auf dem Felde und ihren sonstigen täg­lichen Verrichtungen öfters zu sehen sind, ist die vornehme Koreanerin von jeder Berührung mit der Oeffentlichkeit ausgeschlossen. Die modernen Koreaner sind darin noch kon­servativer als ihre Vorfahren; ein Engländer, der acht Jahre in Korea lebte, hat während dieser ganzen Zeit nie­mals eine Dame gesehen, noch von dem Erscheinen einer Frau in einer von Männern besuchten Gesellschaft gehört.

Die Wahnsinnstat des defertierten Pioniers. Die bay­nische Militärbehörde läßt jetzt einen authentischen Be­ticht zu der bereits gemeldeten Angelegenheit des De­ferteurs Klotz aus Eveyer ausgeben. Es heißt darin: Sionier Klotz der 2. Kompanie 2. Pionierbataillons ver­lich früh gegen 7 Uhr die Kaserne unter Mitnahme seines Dienstgewehrs und einer größeren Anzahl scharfer-Ba­honen die er sich durch Erbrechen eines Patronenkastens verschafft hatte. Er begab sich nach Dudenhofen, wo er einen dahin beurlaubten Kameraden aufsuchte. Als es diesem nicht gelang, ihn zur Rückkehr in die Kaserne zu bewegen, fuhr dieser mit dem Rad in die Kaserne und er­tattete Meldung. Bn seiten des Bataillons wurden der Rompaniechef, ein Leutnant und mehrere Unteroffiziere, die mit Gewehr und Patronen ausgerüstet waren, abge­sandt, um den Klotz zunächst durch gütliches Zureden zur Rückkehr zu veranlassen, wenn er aber Widerstand leisten sollte, seine Festnahme zu erzwingen. Pionier Klotz zeigte fich gütlichem zureden unzugänglich und zog sich unter Drohungen mit der Waffe in den Dudenhofener Gemeinde­wald zurück. Von dort aus feuerte er zehn Schuß auf Of­fiziere und Unteroffiziere und verlegte dabei den Unter­offizier Eckrich der 2. Kompanie, der hinter einem Baume Deckung gesucht hatte, schwer, den von der Gendarmerie­hation abgesandten Gendarmen Lutz leichter. Als Kloz ah, daß er zwei Leute getroffen hatte, begab er sich in eine an der Iggelheimer Straße gelegene Schuzhütte und er­schoß sich dort. Nach einem vorgefundenen Briefe scheint Klotz seine wahnsinnige Tat in großer Erregung über eine Liebesangelegenheit und unter Einwirkung von über­mäßigem Alfcholgenus; ausgeführt zu haben. Außerdem ergab sich, daß Kloy, welcher Kantinenführer war, 25 M Deruntreut hatte.

Aus der Rolle gefallen. Vereinsmitglies: Meine Her­ten erbeben Sie die Gläfer! Das Gebitstagskind, unser

die Wahl alkoholfreier seine für ote wante zum Ausdruck fommt. Nach Tisch begeben sich die Herren in das Mauch­zimmer, die Damen in die Salons. Depeschen, die wäh­rend des Essens einlaufen, werden vom Flügeladjutanten geöffnet und dem Kaiser sofort überreicht, da ein Verzug nicht eintreten darf. Erfordert eine Depesche eine sehr eilige Antwort, dann diktiert sie der Kaiser noch während des Essens einem Adjutanten, oder er schreibt die Antwort selbst auf das Formular des Telegramme nieder.

Da die Frau sich auf Märkten und Straßen nicht zeigen soll, so fällt dem Koreaner ein Geschäft zu, wohl das ein­zige, das er ausübt, nämlich das Einkaufen. Seufzend und stöhnend zieht er mit seinem Esel zu Markte; auf den Kar­ren, den das Grautier zieht, hat er sich das notwendige Kleingeld" geladen. Das Tragen der Kupfermünzen, mit dencu man in Korea gewöhnlich zahlt, würde ihm nämlich schwer fallen, denn 600 dieser Geldstücke wiegen etwa 20 Pfund und haben einen Wert von nicht mehr als 2 Mark. Von Laden zu Laden zieht nun der würdige Herr in seinem langen weißen Gewand, das wie ein Nachthemd aussieht, treibt das Tier mit dem Stocke seiner drei Fuß langen Pfeife an und lädt immer mehr von seinem Geldhausen von dem Karren ab, um statt dessen Waren darauf zu häufen. Es ist nämlich in Korea nicht üblich, mehr als einen Gegenstand im Laden zu kaufen. Das würde den Händler beleidigen, der darin die Absicht wittern könnte, man wolle so bald nicht wieder kommen, und der daher unverschämt teuer würde. Da außerdem dem Koreaner nichts über ein geruhiges Leben und langsam würdiges Be­nehmen geht, so kann man sich vorstellen, wieviel Zeit er bei einem solchen Shopping" verbraucht. Am längsten ver­weilt er wohl bei dem Einfauf seiner Zigarre, denn sie ist ihm teurer als die Erwählte seines Herzens; Rauchen ist der einzige Luxus, die einzige Leidenschaft, die er kennt. In Söul gibt es allein 3000 Tabakläden.

Drabinachrichten und neuestes.

Raisersgeburtstag in Berlin.

Om Berlin, 27. Januar. Die Feier des Geburtstages des Kaisers nahm um 8 1hr früh mit dem großen Weden ihren Anfang. Um 10% Uhr fand ein feierlicher Gottes­dienst in der Schloßkapelle ſtatt, an welchem die kaiserliche Familie, die anwesenden Fürstlichkeiten, das diplomatische Korps, die Staatsminister mit dem Reichskanzler, die Ge neralität, die Admiralität, die Präsidien der Parlamente usw. teilnahmen.

Wenn die Japaner nun diese noch in einem idyllischen Kindheitszustand der Kultur lebenden Koreaner mit den Errungenschaften modernster Zivilisation beglücken wollen, so werden sie ihn nur an kulturellen Werten zurückgeben, was sie in vergangenen Tagen von ihnen nahmen. Wäh­rend Korea in seiner geschichtlichen Entwicklung von China beeinflußt worden ist und noch heute in vielem, selbst in der Form des merkwürdigen Haarknotens, auf die Zopf­träger Hinweist, haben die Japaner gar manches von den Koreanern gelernt, von ihnen die erste Kenntnis funstge= werblicher Fertigkeiten, so die Behandlung der Töpferwa­ren und die Knüpftechnik, übernommen.

Der Kaiser bei Tische.

Von der Reise des Kronpringen. Salfutta, 27. Januar. Die Ankunft des deutschen Kron­prinzen wird hier für den 3. Februar erwartet. von Tirpik Großadmiral.

Berlin, 27. Januar. Dem Staatssekretär des Reichsmarineamts von Tirpitz ist aus Anlaß des heutigen Geburtstages des Kaisers der Titel und Rang eines Groß­admirals verliehen worden.

Verurteilung eines Totschlägers.

Berlin, 27. Januar. Das Schwurgericht verurteilte den Gärtner Tippe wegen vorfäblicher Tötung der Teble­schen Eheleute, begangen am 6. November, um sich der Er= greifung bei einem Einbruchsdiebstahl zu entziehen. zwei­mal zu lebenslänglichem Buchthaus und dauerndem Chr­verlust.

Die Best in China.

Berlin, 27. Januar. In der nächsten Woche gehen von hier auf Ersuchen der chinesischen Regierung nach Beling 2000 Flaschen mit Impfstoff gegen die Best ab.

Schiffszufammenstoß.

Hamburg, 27. Januar. Unweit Selgoland stieß die Hamburger Viermastbark Pommern mit dem englischen Vollschiff Engelhorn zusammen. Die Pommern wurde schwer beschädigt in Cuxhaven eingeschleppt. 3wei Mann der Besatzung werden vermißt. Die Engelhorn treibt noch schwer beschädigt auf See; Hilfsdampfer sind dorthin unter­wegs.

Verhaftung cincs Liebespaares megen Mordverdacht.

Danzig, 27. Januar. Die Witwe Klara von Pas­zewski in 3uppot, eine langjährige, allen Zoppoter Bade­gästen bekannte Wohnungsvermieterin. Befiterin mehrerer Grundstücke, starb vor zwei Wochen durch einen angeblichen Unfall. E3 hieß, die Frau sei von der Treppe abgestürzt. Immer bestimmter auftauchende Gerüchte sprachen jedoch von einem Verbrechen. Man exhumierte die Reiche und die Sektion ergab tatsächlich, daß Frau von Laszewskt ermor­det worden war. Die Schädeldecke war fünffach zertrüm­mert und ihr Nasenbein gebrochen. Als Mordwerkzeug fand man im Ofer versteckt einen abgebrochenen Schirmgriff. Ihre Tochter Stephanie, eine auffallende Schönheit, die be­reits mehrfach verlobt war, wurde verhaftet. Der eigent= liche Täter ist wahrscheinlich ihr Geliebter, ein Pensionär der Ermordeten namens Johann Gafffe. Auch er wurde verhaftet. Gafffe gilt als Abenteurer. Kindesmord im Wahnsinn.

Der Geburtstag des Kaisers stellt naturgemäß an den Monarchen auch in gastronomischer Hinsicht erhöhte An­sprüche, da sich an diesem Tage in dem kaiserlichen Schlosse viele Fürstlichkeiten als Gäste befinden, die offiziell be­wirtet werden müssen. Neben der großen Frühstückstafel bildet das Galadiner um 6 Uhr, das im Rittersaal ſtalt= findet, die Hauptmahlzeit. Es wird nun von Interesse fein zu erfahren, wie der Kaiser die Zeit bei Tische verbringt. Charakteristisch für den Monarchen ist der Umstand, daß er lange Mahlzeiten nicht liebt. Auch ein Galadiner darf nicht länger als eine Stunde dauern, da der Kaiser ziem= lich rasch ist und darum schnell serviert werden muß. So­wie der Kaiser mit einem Gange fertig ist, springen die Lakaien hinzut, um die Gedede abzuräumen und neue für einen neuen Gang aufzulegen. Der Kaiser selbst bedient sich bekanntlich beim Essen eines besonders für ihn fon­struierten Instrumentes, das vor Beginn eines jeden Di­ners von dem Leibjäger des Monarchen auf seinen Platz gelegt wird. Dieses Besteck besteht aus einem Stück und ist aus Silber angefertigt. Messer und Gabel sind darin auf sinnreiche Weise vereinigt, da der Kaiser nur die rechte Hand zum Essen benutzt. Der Kaiser führt bei dem Diner eine angeregte Unterhaltung. Im allgemeinen gilt der Grundsatz, daß nur derjenige sich mit dem Kaiser unterhält, der von ihm angesprochen worden ist. Bei den Diners wird aber von diesem Brauche abgesehen, im Gegenteil, hier liebt es der Kaiser, wenn die Gäste ihn und sich selbst gut unter­halten. Das Gespräch wird über Gegenstände geführt, die den Eingeladenen aus Berufsinteressen besonders nahelle­gen. Bei Tisch werden besonders gute und teure Weine ser­viert. Der Kaiser selbst trinkt zwar fast gar keinen alfo= holhaltigen Wein, überläßt aber seinen Gästen die Wahl des Getränkes ganz nach ihrem Geschmack. Es ist darum verfehrt, wenn jüngst behauptet wurde, daß der Antialfo= holismus des Saliers au bei allen offiziellen Diners Surch

Leobsahüz( O- Schl.), 27. Januar. In dem benachbarten Orte Löwib tötete eine Wöchnerin, bei der plötzlich Wahn­finn zum Ausbruch kam, ihr drei Wochen altes Kind und verbrannte die Reiche int Ofen.

Furchtbare Bluttat eines Trunkenboldes.

Ilsenburg a. Harz, 27. Januar. Heute nacht 2 Uhr tötete der Arbeiter Becker in angetrunkenem Zustande mit einem Beil seine betagte Ehefrau, seine Schwiegertochter und zwei Kinder derselben im Alter von ein und drei Jah­ren. Der Mörder versteckte sich sodann auf dem Boden des Hauses. Als fein Sohn heute früh von der Arbeit heimkehrte, fand er die Getöteten in seiner Wohnung in gräßlich verstümmeltem Zustande vor. Seine Frau gab noch schwache Lebenszeichen von sich und wurde sofort ins Krankenhaus geschafft, wo sie hoffnungslos darniederlieat. Der Mörder versuchte sich auf dem Boden zu erhängen, wurde aber daran gehindert. Er gilt als Trunkenbold und war früher schon einmal in einer Heilanstalt untergebracht. Folgenschwere Gasexplosion.

Paris, 27. Jaunar. In einem Stahlwerk in Ber­guette sind bei einer Gaserplosion sechs Personen getötet und etwa zwölf verwundet worden.

Berliner Getreide- und Schlachtviehmaritbericht.

Im Getreidehandel ist während der am 25. Januar beendeten Berichtswoche eine Preisermäßigung für Weizen im internationalen Verkehr zu bemerken gewesen. Das Geschäft blieb bei kaum veränderten Preisen sehr ruhig. Nachfrage für die Ausfuhr zeigte sich nur in sehr geringem Umsange, das Konsumgeschäft war träge. Exporteure mach­ten zur Erfüllung früherer Abschlüsse Anschaffungen in schlesischem Weizen, der billiger als sächsischer ist. Das An­gebot hat eher zugenommen. Roggen befundete eine etwas festere Tendenz, weil sich Bedarf nach russischen Roggen bemerkbar machte, während das Angebot darin sich teurer stellte. Auch die Mühlen waren bestrebt, sich zu versorgen. Hafer schwächte sich infolge unbefriedigenden Konsumge­schäfts etwas ab, schließlich besserte die Festigkeit Nordruß­lands. Mais hat sich wenig verändert. Nordamerika zeigt dafür feste Haltung, dagegen ist Argentinien wegen des Eintritts von Regen in seinen Forderungen williger ge= worden. Am letzten Tage der Berichtswoche stellten sich die Preise für Lieferung im Mai wie folgt: Weizen 206,25 Mark, Roggen 157 25 M, Safer 155.00 M, Rais 135,00 M. Preise des städtischen Schlachtvichmarktes. I. Ochsen: a) vellfleischige, ausgemäßtete höchsten Schlachtwertes, höch­stens 6 Jahre alt 74-79 M, b) junge, fleischige nicht an13­gemästete und ältere ausgemästete bis M, c) mäßig genährte junge und gut genährte ältere 69 bis 75 M, d) ge= ring genährte jeden Alters 70-74 M. II. Bullen: a) voll­fleischige höchsten Schiachtwertes 72-77 M, b) vollfleischige jüngere 68 bis 75 M, c) mäßig genährte jüngere und gut ge­nährte ältere 66 bis 72 M, d) gering genährte- M. III. Jär sen und Kühe: a) vollfleischige, ausgemästete Färsen höch­sten Schlachtwertes- M. b) vollfleischige ausgemästete ühe höchsten Schlachtwertes, höchstens 7 Jahre alt, 63 bis 70 M, c) ältere ausgemäitete und weniger gut entwickelte jüngere Rühe 61 bis 69 M, d) mäßig genährte Färsen und ühe 50-63 1, e) gering genährte Färsen und Kühe bis 50 M, f) gering genährtes Jungvieh( reffer) 54-66 M. IV. täi ber: a) Doppellender feinster Mast 104-133 M, b) feinste Mast( Vollmilchmast) und beste Saugfälber 97 bis 105 M, c) mittlere Mast- und gute Saugfälber 88 bis 95 A, 5) gute Sangkälber 79 bis 91 M, e) geringe Saugfälber 67 bis 80 M. V. Schafe: a) Mastlämmer und jüngere Mast­Hammel 76 bis 82 M, b) ältere Masthammel, geringere Mastlämmer und gut genährte jüngere Schafe 71 bis 75 M, c) mäßig genährte Hammel und Schafe( Märzschafe) 68 bis 72 M. VI. Schweine: a) Fettschweine über 3 Zentner Re­bendgewicht M, b) vollfleischige der feineren Rassen und deren Kreuzungen über 2% Zentner Lebendgewicht 58 bis 60., c) vollfleischige der feineren Rassen und deren Kreuz­ungen bis 2 Zentner Rebendgewicht 56-59.M, 5) flet­schige Schweine 54-57 M. c) aerino entwidelte Schweine 52-54, 0) Sauen 51-36.

Bon

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