Die elsässische Verfassungsfrage.
hat, die englischen Spione zu begnadigen, ist durchaus urgewiß. In der Umgebung des Monarchen, bie von einer so aufsehenerregenden Angelegenheit unterrichtet wäre, ist fe= denfalls weder etwas von dieser Absicht des Katsers bekannt geworden, noch gar davon, daß er schon der englischen Regierung darüber hätte Mitteilung zugehen lassen. Es tann fich nur um eine amtliche Mitteilung an die englische Negierung handeln, und die ist, das muß betont werden, bisher noch nicht erfolgt. Es erscheint auch ausgeschlossen, daß sie so schnell erfolgen dürfte, denn die englischen Spione haben schon an sich eine so milde Strafe erhalten, daß an eine so schnelle Begnadigung nach bisherigem Gebrauche nicht zu denken ist. Im allgemeinen werden Spione wenn überhaupt etne Begnadigung erfolgt nach Verbüßung von zwei Dritteln der ihnen zudiktierten Strafe in Freiheit gesetzt. Diese Bett tst aber noch nicht erfüllt. Außerdem kann versichert werden, daß der Kaiser über Spionage, und besonders über den letzten Fall der beiden englischen Offiziere, nicht so leicht denkt, daß er eine Begnadigung schon nach wenigen Wochen beabsichtigte.
Im Reichstage stand am Donnerstag das Verfassungsgesetz für Elsaß- Lothringen zur ersten Lesung. Dem Intereffe an der Bedeutung der Vorlage entsprach der stärkere Besuch des Hauses und der Tribünen; auch der Reichs= fanzler erschien zu Beginn der Sigung; die Einfüh= rung des Entwurfs übernahm jedoch Staatssekretär Dela brli in längerer Rede. Nach einem historischen UeberBlick über die Entwickelung Elsaß- Lothringens in den lezzten zwei Jahrhunderten ging er auf die einzelnen Fragen bes Verfassungsprogramms ein und legte zunächst bezüg= Itch der Wahlrechtsfrage dar, die Einführung eines pach Bildung, Besiz, usw. abgestuften Wahlrechts in ElsaßBothringen, wote so vielfach verlangt worden war, set sowohl eus Gründen der histortschen Entwickelung, als mit Rückficht auf die Mängel der Steuergesetzgebung nicht angebracht. Die Altersstimmen, die der Entwurf vorsehe, würben unter anderem auch dazu dienen, den Einfluß der jugendlichen Elemente, die auch bei den letzten Unruhen die Bauptrolle gespielt hätten, zu beschränken. Die Konstruktion tnes Oberhauses beruhe erstens auf der Notwendigkeit, die Wirkung des allgemeinen Wahlrechts abzuschwächen, außerbem aber auf der Notwendigkeit, die bisher vom Bundescat gebotene überwachende Tätigkett zu ersetzen. Der Staatssekretär besprach sodann die Stellung des katser= Ichen Statthalters und die Frage der Vertretung Elsaß- Lothringens im Bundesrat und betonte dabel, daß der Kaiserliche Statthalter die Vertretung Elsaß- Stohringens im Bundesrat anders instrutere, als die preußtschen Vertreter instruiert würden. Jede andere Gestaltung der Vertretung im Bundesrat würde aber das Stimmverhältnis im Bundesrat zuungunsten Preußens beeinflus= fen. Im übrigen set das Gefühl der unlösbaren 8usammengehörigkeit, das die Voraussetzung für bie Stellung eines Bundesstaates sei, gerade in den Kretsen die die Autonomie am lautesten fordern, noch nicht in vollstem Maße vorhanden.
Abg. Vonderscheer, ein reichsländischer Zentrumsmann, betoute die Eigenart und den Patriotismus der ElsaßLothringer, lehnte die Verantwortung für die Ausschrettungen französisch interessierter Kreise ab und kritisierte die Vorlage im einzelnen als ungenügend. Namentlich das Ernennungsrecht des Kaisers für die Hälfte der Mitglieder ber Ersten Kammer sei unannehmbar, ebenso die Prüfung der Wahlen durch den Kaiserlichen Rat, der, aus nebenamtlich tätigen Regierungsbeamten bestehend, kein unabhängiges oberstes Verwaltungsgericht darstelle. ElsaßLothringen behalte die Signatur des eroberten Gutes.
Dann besprach Abg Emmel( Soz.) den Entwurf in durchaus ablehnendem Sinne. Er verlangt eine republifanische Staatsform, die Volkssouveränität mit kollegialer Regierung, das Wahlrecht für beide Geschlechter und Vertretung im Bundesrat. Ferner beantragte er, die Vorlage einer Kommission von 28 Mitgliedern zu überweisen.
Rundschau vom Cage.
Politisches.
Der Kaiser nahm am Donnerstag die Rekrutenbesichtigung des 1. Garderegiments zu Fuß in Potsdam im historischen Exerzterhause im Lustgarten vor. Mit dem Kaifer waren die Prinzen Eitel Friedrich, August Wilhelm, Joachim und Oskar erschienen. Es wurden die Leib-, 3., 5. und 11. Kompanie besichtigt, worauf der Kaiser militärische Meldungen entgegennahm. Später frühstückte der Kaiser mit den Offizieren des 1. Garderegiments im Regimentshause und begab sich darauf im Automobil nach Berlin zurück.
Kleine Nachrichten.
Glückliche Erben sind einige kleine Leute in Marling in Bayern, denen die Erbschaft einer Verkäuferin zugefallen ist, die nach 28jähriger Tätigkeit in einer Mitn chener Obsthandlung gestorben war. Man fand in Betten, Kleidern, Strümpfen und Gebetbüchern über 200 000 Min Gold und Papiergeld. Wie die Verkäuferin dieses Vermögen erworben hat, war nicht aufzuklären.
Zum 90. Geburtstage des bayerischen Prinzregenten sollte eine gemeinsame persönliche Gratulation aller deutschen Bundesjursten und der Bürgermeister der Freien Städte in München angeregt werden. Dies ist jedoch nach einer vertraulichen Ansprache in München unterblieben mit Rücksicht auf das Schonungsbedürfnis und das hohe Alter des Regenten.
Anders der Abg. Bassermann( natl.). Er sieht in der Borlage eine brauchbare Grundlage für die FortentwickInng der Verfassung und die Menderung des Wahlrechts. Die Vorlage wolle nicht rütteln an der unlösbaren 31fammengehörigkeit des Reichslandes mit dem Reich. Redner verlangte für Elsaß- Lothringen die Schaffung eines Bolfsparlaments und die Bewilligung von Bundesratsstimmen. Die Ernennung eines lebenslänglichen Statthalters sei bedenklich. Für die Befugnisse, die der Kaiser dem Statthalter überträgt, müsse der Reichskanzler verantwortlich sein. Die Frage der Vertretung im Bundesrat müsse In der Kommission geprüft werden. Schließlich beantragt auch Bassermann, die Vorlage einer Kommission von 28 Miliedern zu überweisen.
Der Rodelsport hat wieder zwei Opfer gefordert. In Regensburg hat sich der auf einem Zweifiber rodelnde Privatter Kühne beide Beine gebrochen. In Aidenbach in Niederbayern ist Ste 17jährige Tochter einer Kaufmannswitme beim Rodeln schwer verunglückt. Sie starb an den inneren Verletzungen, die fte beim Anfahren an einen Baum erlitten hatte.
Die schwarzen Poden wurden bet einem Schneider in Duisburg tonstatiert. Es wurden die größten Vorsichtsmaßregeln getroffen.
Ein neuer preußischer Generaloberst. Prinz Christian zu Schleswig- Holstein, der am 22. Januar seinen achtzigten Geburtstag feierte, wurde vom Kaiser zum Generalobersten befördert. Der Prinz, ein Onkel der Kaiserin, stand seit langen Jahren in englischen Diensten und hat den Rang eines Generals im englischen Heere und eines persönlichen Adjutanten des Königs von England inne. Er wird im deutschen Heere als General der Kavallerie a la suite des 3. Gardeulanenregiments geführt.
Ter fortschrittliche Abg. Naumann, der im Reichslande gewefen ist und sich mit den Wünschen der dortigen Demofratic vertraut gemacht hat, fam nach manchem Wenn und Aber und einigen Ausflügen in das Gebiet der reinen Telirin doch zu dem Endreim, daß das Reformwerk trob feiner Schladen besser sei, als der heutige Zustand. Der Gedanfe einer erblichen Monarchie sei den Elsässern fremd, wie es bei den Berlinern der eines erblichen Oberbürger= meiners fei. Die Elsaß- Lothringer zögen die erste Kammer in Straßburg als kleineres liebel dem Bundesrat in Berlin vor. Das Proportionalwahlrecht hält er für das richtigste.
Ein schwerer Baunnfall ereignete sich Donnerstag früh in Hoppegarten bei Berlin. Infolge der durch den Negen hervorgerufenen Glätte stürzten zwei Zimmerleute von einem Dachgerüst in die Tiefe und erlitten schwere Armund Beinbrüche. Ein zweiter folgenschwerer Bauunfall er= eignete sich vormittags auf einem Neubau in Moabit. Drei Arbeiter befanden sich auf einer Leiter, die infolge der? Glätte ins Wanken fam und umstürzte. Dabei trugen fic schwere innere Verlegungen und Brüche davon.
Unter dem Verdacht des Gattenmordes wurde gestern die Ehefrau eines in der Grüntalerstraße in Berlin wohnenden Schlossers verhaftet. Sie wird beschuldigt, ihren Mann durch Leuchtgas vergiftet zu haben. Die Frau bestreitet die Tat, wird aber durch Zeugenaussagen stark belastet.
Berlin und fein Oberbürgermeister. Die Amtsperiode des Oberbürgermeisters Kirschner läuft Ende dieses Jahres ab. Herr Kirschner hat sich nunmehr den Führern der maßgebenden Fraktionen im Berliner Stadtparlament gegenüber dahin geäußert, daß er es für seine moralische Pflicht betrachte, sich nach dem Zustandekommen des Zweckverbandes Großberlin, der für die Reichshauptstadt eine Fülle der schwierigsten Aufgaben bringen dürfte, den städtischen Behörden zu einer Wiederwahl zur Verfügung zu stellen.
Ru recht später Stunde trat dann noch Abg. von Dirkfen( Rp.) auf den Plan, der ebenso wie Bassermann sich die Schwere der Entscheidung vergegenwärtigte, aber zu den Einzelbestimmungen der Entwürfe von allen heutigen Rednern am wenigstens Bedenten äußerte. Ihm war das Wahlrecht so, wie es vorgeschlagen wird, recht. Nur wollte er es in die Verfassung mit hineinbringen.
Man ging dann nach Hause, ohne den Kanzler gehört zu haben. Er wird wohl am Sonnabend das Wort er greifen.
Keine Begnadigung der Workamer Spione.
Beim Hochzeitsschießen in Haunwöhr in Oberbayern wurde die Brant bei der Umfahrt unmittelbar nach der Trauung von einem Bauern erschossen, der aus einem scharf geladenen Revolver einen Freudenschuß abgegeben hatte.
Durch vorzeitiges Losgehen eines Sprengschusses lösten sich gestern vormittag in dem Steinbruch der Hohburger Quarzwerfe bei Falkenhain in Sachsen große Steinmaffent. Dabei wurden zwei Arbeiter getötet, zwei andere Arbeiter wurden schwer verletzt.
Deutsche Handelsschiffe für die Türkei. Der Norddeutsche Lloyd hat jetzt seine beiden Schnelldampfer„ Oldenburg" und„ Darmstadt" an die türkische Regierung vertauft. Die aus höheren türkischen Offizieren bestehende Kommission, die zur Besichtigung der Schiffe nach Deutschland entsandt wurde, ist heute wieder in Bremerhaven anwesend. Sie wird die erforderlichen Umbauten und die Snstandsetzung beaufsichtigen. Die Dampfer, die in die türkische Kriegsmarine eingestellt werden sollen, gehen in der nächsten Zeit nach Konstantinopel.
Eine englische Zeitschrift bringt eine Mitteilung, daß der Kaiser der englischen Regierung gegenüber die Absicht ausgesprochen habe, die Borfumer Spione zur Krönung des Königs Georg zu begnadigen. Wie uns demgegenüber aus Berlin mitgeteilt wird, ist diese Meldung in das Neich der Fabel zu verweisen. Ob der Kaiser die Absicht
Der Familienschmud der Wallnijeffs.
Kriminalroman von Freifrau G. v. Schlippenbach. ( Nachdruck verboten.)
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Französische Shenherzigkeit.
Sich selbst gerichtet hat der Fuhrmann Karl Funk in Mainz, der wegen Tierquälerei angezeigt war. Er hatte einem Pferd die Zunge an die Wagendeichsel angebunden, sodaß die Zunge abriß und das Pferd getötet werden mußte. Der Mann hat sich gestern nachmittag erhängt. Auf die polizeiliche Vorladung schrieb er: Das Urteil ist vollstreckt.
In den Flammen umgekommen ist bei dem Brande der Druckerei Spannagel u. Cäsar in Lüdenscheid, der in der Nacht zum Donnerstag zum Ausbruch fam, der Mitinhaber der Firma Richard Spannagel. Er wurde von den einstürzenden Trümmern erschlagen.
Das weit verbreitete Pariser Journal bringt in einem Artikel über die Befestigung von Vlissingen folgende Offenherzigkeit:„ Wir nehmen die Vlissinger Befestigungsfrage nicht tragisch. Denn wenn die Engländer im Falle eines Konfliktes in Belgien landen wollen, brauchen sie dies nicht in Antwerpen zu tun. Sie werden sicherer und schneller dort anfommen, wenn sie die dem belgischen Gebiet benachbarten Häfen Frankreichs für ihre Zwede benutzen." Dieses freimütige Befenntnis oder soll es eine Aufforderung sein? wollen wir uns in Deutschland doch merken!
Es tamen schlimme Tage. Der Sturm raste über das Meer, das Schiff wurde wie eine Nußschale hin und her geworfen. Fast alle Reisenden lagen frank in den Kabinen, und der Kapitän machte ein ernstes Gesicht. Miß Lionel indes schien sich noch nie so wohl gefühlt zu haben. Ihr steter Begleiter war Robert White. Beide hüllten sich in ihre wasserdichten Mäntel. Sie standen nebeneinander und bewunderten das großartige Element, das um sie her brandete und tobte. Den ganzen Tag waren fie zusammen und freuten sich dessen.
,, Run, Kapitän, wie steht es?" fragte White eines Abends-- es war am dritten Tage, seitdem das Unwetter eingetreten war- ,, bekommen wir nicht bald wieder stillere See?"
Aus den Gerichtssälen.
land, der zugu ben 10. Mai ben Gedantag fchloffen, weil Blumen zu 20 tig. Der Red Bindefunft, fem Tage so find, als in Die Gärtner deren Ehre an
Ein ganzes Landgericht abgelehnt. Daß einzelne Richter, der Vorsitzende eines Gerichts oder dessen Mitglieder vom Angeklagten abgelehnt werden, indem er sie als be= fangen bezeichnet, kommt öfter vor, aber daß ein ganzes Landgericht überhaupt als befangen abgelehnt wird, dfirfte wohl noch nicht dagewesen sein. Dieser Fall ereignete sich vor der Halberstadter Straffammer. Ein Landwirt cus Oschersleben lehnte. als seinem Antrag, weitere Zeugen zu Inden, nicht sofort Folge geleistet wurde, nicht nur das Richterkollegium, sondern das ganze Landgericht als solches ab. Das Gericht befaßte sich nicht weniger als anderthalb Stunden mit diesem Antrag und wies ihn dann als gesetz= lich unzulässig zurück. Der Angeklagte beharrte nun auf Ablehnung der fünf Richter, aus denen die Straffammer zusammengesetzt war, und abermals zog sich der GerichtsHof zur Beratung zurück. Die Verhandlung wurde zwecks Beschlußfaffung über den Antrag vertagt.
Sozialdemokratische Hofgänger in Dänemark. Vor einigen Tagen haben vier sozialdemokratische Reichstags= abgeordnete an einem parlamentarischen Essen beim dänischen Königspaare teilgenommen. Von verschiedenen Parteigenossen sind sic deswegen ernstlich zur Rede gestellt worden. Die vier Herren sind aber der Ansicht, daß sie durch das Erscheinen bei der Hoftafel nicht gegen den Beschluß des dänischen Sozialistentages verstoßen hätten. Sie hätten vielmehr aus einfachen Höflichkeitsrücksichten es für angemessen gehalten, die Einladung anzunehmen.
,, Roch nicht," lautete die brummige Antwort. Wir haben infolge des schlechten Wetters eine Verspätung von awei Tagen; denn wir sind vom Kurse abgekommen. Außerdem muß ich den nächsten Hafen anlaufen, es ist eine kleine Reparatur am Kessel nötig."
chen Unterschied in der Verfolgung des Raubmörders ma= chen werde.
So lieb es White einerseits war, die Reise länger ausgedehnt zu sehen, so verstimmt war er doch andererseits über den Aufenthalt. Bisher war alles glatt ge= gangen, nun mußte die„ Maud", auf der Meyer reiste, vor der Virginia" ankommen. Trotzdem verlor aber der Geheimpolizist nicht den Mut, er vertraute auf sein gutes Glück. Sein Wahlspruch lautete:„ Dem Kühnen gehört die Welt."
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Die Ermordung des Berliner Ehepaars Tetzke vor Ge richt. Das Schwürgericht in Berlin beschäftigte sich am Donnerstag mit der schweren Bluttat, der am 6. November vorigen Jahres im Hause Potsdamer Straße 83 das Thepaar Tetzke zum Opfer fiel, und die wegen der Kaltblütigfeit, mit der ein überraschter Dieb zwei ahnungslos heimkehrende Leute niederknallte, allgemeines Entsetzen in der Bevölkerung erregte. Angeklagt ist der Gärtner Paul Tippe, der kurz nach der Tat festgenommen worden roar Ihm werden zwei Verbrechen zur Last gelegt. Er ist zunächst des Einbruchs unter Mitführung einer Waffe beschuldigt, und sodann des Mordes angeklagt, da der Staatsanwalt im Gegensatz zu den Angaben des Tippe behauptet, dieser habe nicht in vollkommener Ueberraschung, sondern nach einem wohlerwogenen Piane gehandelt. Er habe also Tetzke und seine Frau mit Vorsatz und Ueberlegung ge= tötet. Der Angeklagte ist 21 Jahre alt. Er ist wiederholt vorbestraft, so einmal vom Landgericht Bremen zu sieben Monaten Gefängnis wegen Diebstahls. Er ist im wesent= lichen geständig. Das Urteil dürfte heute gesprochen werden.
Am 18. November näherte sich die„ Virginia" den Gestaden der Neuen Welt. Mabel Lionel konnte es faum erwarten, den Fuß auf den heimatlichen Boden zu setzen, und dennoch fühlte auch sie lebhaftes Bedauern, daß die Reise zu Ende ging, und sie dann die ihr lieb gewordene Gesellschaft Robert Whites nicht mehr täglich genießen konnte. Er hatte sich für den Agenten der Lebensversicherung„ Equitable" ausgegeben und war fest entschlos= sen, sich in dem Büro dieser Gesellschaft anstellen zu lassen. Irgend eine Beschäftigung mußte er doch haben, um seinen Aufenthalt in der Millionenstadt begründen zu können. Und wenn er auch nur Volontär ohne Gehalt wurde, so war doch der Schein gewahrt. Die Morgenstunden im Kontor der Versicherungsgesellschaft konnte er leicht erübrigen, es blieb ihn dann immer noch der Nachmittag, der Abend, und wenn es nötig war, die Nacht für seine Mission übrig.
Sie legten bei den Azoren an, und während die Reparatur vorgenommen wurde die drei Tage in Anspruch nahm, machten die Reisenden Ausflüge auf die schönen Inseln. White schrieb unter der Chiffre 3. 3. an Wallutjeff und meldete ihm den unfreiwilligen Aufenthalt, sprach aber auch die Zuversicht aus, daß es keinen wesentli
Vermischtes.
Ein Kornblumenta für Deutschland. Wir lesen im „ Konfektionär": Der Kornblumentag für ganz Deutsch
des Kopses gescheitelt. Die Geeluft hatte seinen Teint fräftig gebräunt; er sah ganz anders aus, wie am 24. Oktober. Die Veränderung seines äußeren Menschen hielt der geriebene Detektiv für alle Fälle notwendig, damit Meyer irregeführt würde, cbgleich White sich überzeugt fühlte, daß der Missetäter ihn ohnedies nicht erkennen fonnte, die Regegnung vor Häuserlings Laden war zu kurz gewesen.
Fast alle Reisenden standen auf Deck, als die„ Virginia" sich dem Hafen von Neuyork näherte, White und Mabel etwas abseits, wie es oft in lezter Zeit der Fall gewesen war. Beide schienen ernst gestimmt zu sein.
Der letzte Teil der Seereise ließ sich gut an. Seitere Geselligkeit vereinte die Passagiere der ersten Kabine nach dem um sieben Uhr abends eingenommenen Nachtmahl. Die Damen erschienen in großer Toilette, die Herren im Frack, man hätte glauben sollen, daß man zu einem Feste zusammentam. Nach dem Essen wurde musiziert, dann getanzt; bis gegen Mitternacht blieb die fröhliche Gesellschaft zusammen. Lachen und heiteres Geplauder zog durch den prächtig ausgestatteten Raum, den großen Gesellschaftssaal des Dampfers. Mabel Lionel gehörte zu den gefeiertsten Damen; ste sang sehr schön, ihre geistsprühende Unterhaltung wurde gesucht, die jungen Männer machten ihr den Hof. Es fiel allen auf, daß Miz Lionel den Mr. White bevorzugte, daß sie sich am liebsten mit ihm unterhielt und ihre Vorliebe für diesen jungen Mann bei jeder Gelegenheit zeigte. Schon in Luzern hatte Robert den Bart wachsen lassen; ex trug ihn nach englischer Att. Sein dides, braunes Saar maz jest über der Mitte
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., Da liegt meine Vaterstadt," sagte Miß Lionel, nach den immer deutlicher hervortretenden Türmen und riesenhaften großen Gebäuden am Ufer deutend.„ Möchte es Ihnen dort gut gehen," fügte sie herzlich und mit einem freimütigen Blick hinzu. „ Ich hoffe es, Miß Lionel," entgegnete White,„, ich habe auf dieser Reise Sie und einige Jhrer Landsleute kennen gelernt, und ich muß sagen, daß ich mich sehr an= gezogen fühle." Wir Amerikaner sind eben ein freies Volk, das über fleinlichen Vorurteilen steht; ich sagte es Ihnen schon früher." „ Und wir Schweizer sind gleichfalls ein freies Volk," dachte Robert stolz ,,, wir sind beide Kinder der Republik." ,, Rose- Cottage liegt ganz außerhalb der Stadt; ich hoffe, meine liebe Mutter holt mich in unserer Equipage ab. O, wie freue ich mich, sie wiederzusehen! Wann kommen Sie zu uns, Mr. White?"
Sonntag, wenn Sie gestatten," entgegnete Robert
erfreut.
,, Dann wollen wir Tennis spielen!" rief Mabel ,,, und ich zeige Ihnen mein Reitpferd. Reiten Sie auch?" Leidenschaftlich gern." versicherte White, der in London Unterricht in einer Reitschule genommen hatte und großes Bergnügen an diesem Suert fand.(&. f.)
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