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Die deutsche Marschlinie.

England als Störenfried?

Die Rede, die der englische Schabkanzler Lloyd George am letzten Freitag bet etnem Bankett in Lon­don über die nationale Ehre gehalten hat, spricht nicht von Marokko, nicht von den Beziehungen zu Frank­reich oder zu Deutschland, sondern hebt nur mit Nach­druck hervor, daß England unter allen Umständen set­nen Platz und sein Ansehen unter den Großmächten aufrechterhalten müsse. Gleichwohl ist die Rede von der Londoner Bresse fast allgemein als eine Warnung an Deutschland wegen seiner an Frankreich ge­stellten Forderung aufgefaßt worden. Großbritannien will den Frieden und hofft auf seine Erhaltung, so sagte der englische Staatsmann. Aber wenn es in fet­ner Macht und Ehre bedroht wird, wenn es behandelt wird, als ob es feinen Rang im Rate der Großmächte babe, dann wäre ein Friede um diesen Preis eine un­erträgliche Demütigung. Nationale Ehre und Handels­ficherheit sind teine Parteifragen.

und der zahlreichen Sommergäfte ein überaus herz­licher Abschied bereitet wurde. Die Ankunft in Bergen erfolgte um 8 Uhr abends.

Mit der Frage der Neueinteilung der Reichstags: wahlkreise wird sich der dritte deutsche Städtetag, der in Bosen am 11. September zusammentreten wird, auf Antrag der Stadt München beschäftigen. Der Bericht­erstatter hierfür wird die Annahme folgender Erklärung befürworten: Der deutsche Städtetag wolle sein Be­dauern darüber aussprechen, daß die jetzigen Bestim= mungen über das Wahlrecht zum Reichstage für die an Einwohnerzahl start gewachsenen Wahlkreise, insbeson­dere solche mit städtischer Bevölkerung, eine durchaus ungenügende Vertretung mit sich bringen, und erklären, daß dieser Zustand dringend der Abänderung bedürfe, und demgemäß die Reichsregierung um Abhilfe er= suchen."

Was der Schazkanzler hier über Englands Ehre und englische Interessen sagte, gilt in gleichem Maße auch für Deutschland. Glaubt man in London, ein sol­cher Wint mit dem Baumpfahl, wie er hier gemacht ist, werde Deutschland einschüchtern, so hat man die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Keinen Augenblick hat man bet uns die Kraft der englischen Unterstützung für Frankreichs Position unterschätzt, aber ihre geflts= fentliche Betonung fann nur dazu führen, daß Deutsch­land mit verdoppelter Energie auf seinem Standpunkt verharrt. Jenseits des Konals scheint man zu wähnen, als set Deutschland um eine feibliche und befriedigende Lösung der Maroffofrage stärker besorgt als Frankreich. Das ist ein grober Irrtum. Frank­retch, das den Handel begonnen und die Algeciras­afte zerrissen hat, muß in erster Linie daran gelegen sein, aus der Sackgasse mit Ehren und heiler Haut herauszukommen.

Ein englischer Fühler.

ausplünderte, wurde gestern beim Versehen von Beute stücken durch die Kriminalpolizet überrascht und festge

nommen.

Tragisches Ende einer Schauspielertn. Gestern stürzte Madame Lantelme- Edwards, eine wegen ihrer Schönheit berühmte Pariser Schauspielerin, als fie in einer Gesellschaft von Landsleuten auf dem Rhein eine Vergnügungsfahrt machte, bei Xanten aus dem Fenster der Jacht in den Strom und ertrant.

Blutiger Zweikampf mit der Sense. In Cleve am Niederrhein gerieten zwei Schnitter in Streit, wobei fte mit ihren Sensen aufeinander losgingen. Sie wurden blutüberströmt in das Krankenhaus gebracht, wo ste Hoffnungslos darniederliegen.

Was der Maroffohandel für Märchen zeitigt. Ein in Berlin erscheinendes Montagsblatt brachte fürzlich die Nachricht, in den Kreisen der nationalliberalen Reichstagsfraktion habe im Frühjahr der Wunsch be­standen, Herrn v. Riderlen- Wächter darüber zu inter­pellieren, ob die deutsche Reichsregierung auch ferner zusehen wolle, daß Frankreich in Maroffo entgegen der Algeciras- Afte sich immer weniger um die Rechte der anderen Mächte fümmere. Herr v. Kiderlen- Wächter hat darauf an Bassermann geschrieben, einstweilen set Nuhe geboten. Man könne zunächst Frankreich gar nicht genug gegen die Algecirasatte fündigen lassen. Je mehr es seine Rechte überschreite, umsomehr Gewicht erhalte dann die spätere Geltendmachung der deutschen Interessen. Daraufhin fet die Marokkointerpellation der Nationalliberalen unterblieben. Bassermann er­mächtigt nun die Badische Neue Landeszeitung", diese Nachricht strikte zu dementieren. Weder er noch seine Fraktion habe jemals einen derartigen Brief erhalten.

Das englische Kabinett stellt sich auf Grund der vom englischen Botschafter in Paris, Francis Bertie, mitgebrachten Informationen auf den Standpunkt, daß es Frankreich freistehe, ein Terrain für die end­gültige Verständigung mit Deutschland über die marok­fanischen Fragen herzugeben, daß jedoch die Ab­tretung des Songofüstenstriches, von der an­geblich bei den deutschen Forderungen die Rede war, nicht in Frage kommen dürfe, mit Rücksicht auf Englands koloniale Interessen. Falls hingegen das Terrain für die Verständigung sich an der Grenze von Kamerun befinden sollte, würde sich England dieser Lö­sung nicht widersetzen unter der Bedingung, daß dte Abtrennung sich an den inneren Grenzen halte und daß Frankreich ein weiter Küstenstreifen, wenn nicht die ganze Küste, bleibe, damit der belgische Kongo nirgends das deutsche Kamerungebiet berühre. Man versucht hierbei offenbar, Deutschland zu einer Aeußerung über den bisherigen Ausgang der Verhandlungen mit Frank­reich zu drängen. Glück wird man damit allerdings kaum haben.

Liebestragödie im Kontor. In Gegenwart sämt licher Bureauangestellten einer Auskunftet in Hamburg zog der Kontorist Reyher einen Revolver aus der Tasche und schoß auf die Kontoristin Sydow, weil sie feinen Liebesanträgen fein Gehör Schenkte. Das Mädchen wurde lebensgefährlich verletzt. Der Täter wurde ver­haftet.

Eine Hungersnot wird in Indien infolge großen Regenmangels befürchtet. Die Mohammedaner, Hindus und andere Religionssekten wollen große religiöse Uebungen veranstalten, falls die Hungersnot eintritt.

Die nervösen Engländer. Englische Blätter lassen sich aus Berlin eine sensationelle Nachricht melden, nach welcher zu den deutschen Herbstmanövern nicht weniger als 400 000 Reservisten eingezogen werden sollen. Selbstverständlich wird diese angebliche Massenetnzie­hung von Reservisten mit fricgerischen Absichten in Verbindung gebracht. Die Meldung beruht natürlich auf Erfindung. Die Einziehung der Reserve zu den diesjährigen Herbstmanövern ist nicht stärker als in den Vorjahren.

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Eine entfeßliche Familientragödie hat sich in Steg­litz bei Berlin abgespielt. Die Frau eines Monteurs hat sich selbst und ihre beiden, 2 und 3 Jahre alten Knaben in der Badewanne ertränkt. Das Motiv zur Tat soll Eifersucht auf ihren Mann sein.

Aus den Gerichtssälen.

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Vom Schneiderlehrling zum Baron". Ein viel versprechender junger Mann scheint der 18jährige Schneiderlehrling Friß Beutner zu sein, der sich ge stern unter der Anflage des wiederholten versuchten und vollendeten Betruges, der schweren Urkundenfälschung, der intellektuellen Urfundenfälschung und der unbefug ten Beilegung eines Adelsprädikates vor der 1. Fe­rienstraffammer des Berliner Landgerichts 1 zu ver antworten hatte. Der Angeklagte war bis zum Mat d. J. bei dem Schneidermeister Levy als Lehrling be­schäftigt. Eines Tages ließ er Scheere und Elle im Stich und verließ bei Nacht und Nebel seine Lehrstelle. Der gerade 18 Jahre alt gewordene junge Mann glaub­te sich plötzlich zu etwas höherem geboren. Das erste, was er tat, war, seinen bürgerlichen Namen Beutner abzulegen und sich in einen Baron Jean de la Valltere zu verwandeln. Er ließ sich auf diesen Namen lautende Visitenkarten drucken, auf denen er als eine Art Un­tertitel angab, daß er Logenbruder des goldenen Lo­tos" sei. Mit Hilfe dieses tönenden Titels gelang es ihm, bei einer Frau Preuß in der Martin- Luther- Stra­ße eine elegant möblierte Wohnung zu mieten. ehemalige Schneiderlehrling trat sehr nobel auf, so daß feine Wirtin gar nicht erst auf den Gedanken kam, den " Herrn Baron" wegen der Mietzahlung zu mahnen. Er hielt sich sogar einen Diener, der in dieser Vertrauens­stellung" eine Raution von 30 Mart stellen mußte. Um sich in den Besitz von größeren Geldmitteln zu setzen, erließ er Inserate, in denen er kapitalisten zur Grün­dung einer französischen Bant" fuchte. Zur Ausfüth­rung dieses Schwindels fam der Angeklagte jedoch nicht mehr, da ihm durch seine Verhaftung das Handwerk gelegt wurde. Nach seiner Verhaftung hatte der Ange­flagte die Dreiftigkeit, zu behaupten, daß er tatsächlich der Baron Jean de la Balliere set. Unter diesem Na­men ließ er sich auch in das Gefangenenregister des Moabiter Untersuchungsgefängnisses eintragen, so daß gegen ihn auch Anklage wegen intellektueller Urkunden­fälschung erhoben werden mußte. Vor Gericht war der Angeklagte in vollem Umstande geständig. Die Ferien­straffammer erfannte auf ein Jahr Gefängnis und zwei Wochen Haft.

Belgiens Landesverteidigung führte zu einer An­frage im Senat, bei welcher der Kriegsminister erklärte, daß alles Erforderliche geschehen set, und daß die Fe­stungen der Maas im Falle eines Einmarsches ernst­liche Hindernisse böten. Die allgemeine Dienstpflicht jetzt einzuführen, set unmöglich. Die Heereskrieges­stärke von 178 000 Mann sichere die Verteidigung des Lande

England an der Seite Frankreichs. Während zur Zeit der Einleitung der Aktion von Agadir durch die deutsche Regierung die maßgebenden englischen Politiker noch eine Verschiebung der wirt­schaftlichen und politischen Machtverhältnisse in Mia­rotto nicht ungern gesehen hätten, hat sich darin jetzt eine große Wandlung vollzogen. Der Hauptanteil bei dieser Wandlung der englischen Politik ist dem groß­britannischen Botschafter in Paris, Sir Francis Bertie, zuzuschreiben, der stets einer der eifriasten Verfechter der anglo- französischen Entente war und dem man ne­ben König Eduard in erster Linie das Verdienst am Bustandekommen des englisch- französischen Abkommens vom April 1904 über Maroffo und Aegypten zuzu­schreiben hat. Bertie versocht mit aller Entschiedenheft die Auffassung, daß England sich an die Seite Frank­reichs in der Marokkoangelegenheit zu enten habe. Bet seinem gestrigen Aufenthalt in London ist es ihm ge= lungen, das Kabinett vollständig in seine Bahnen zu Jenten, so daß nunmehr zu erwarten steht, daß Eng­land durch Dick und Dünn Frankreich in seiner Ma­roffopolitit folgen werde.

Uebrigens haben, wie das Reutersche Bureau er­fährt, die Minister Asquith, Lloyd George und Grey die gestrige Anwesenheit des englischen Botschafters in Paris benutzt und sich im Auswärtigen Amt vereinigt, um die Lage in Marokko zu besprechen.

Rundschau vom Cage. Politisches

Kleine Nachrichten.

Der deutsche Kronprinz sagte auf Einladung des Königs Viktor Emanuel seinen Besuch zu den italient­schen Hofjagden zu. Der Kronprinz wird in den ersten Tagen des August in Italien eintreffen.

Der Reichstagsabgeordneie Liebermann von Son­nenberg, der in voriger Woche einen schweren Ohn­machtsanfall infolge Arteriosklerose erlitt, ist jetzt außer Gefahr. Er bedarf natürlich völliger Ruhe und Scho­nung, aber die Herztätigkeit ist wieder regelmäßig. Der Batient befindet sich schon seit einigen Tagen wieder außerhalb des Bettes.

Der Kaiser auf der Seimreife. Die Kaiserflottile hat Dienstag mittag von Balholmen aus die Heimreise angetreten, wobei dem Kaiser seitens der Bevölkerung

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Jugendfreundschaft.

Das Zarenpaar kommt nach Friedberg? Aus Friedberg wird dem B. T." gemeldet: Trotz aller De­mentis wird die Zarenfamilie bestimmt hierher fom­men, und zwar voraussichtlich Ende August. Es sind bereits wieder Beamte der politischen Polizei in Fried­berg eingetroffen.

Die Gemüsefrau als Bankier". In Marktregen in Niederbayern ist über das Vermögen der Gemüse­händlerin Dizorzt der Konkurs verhängt worden. Viele fleine Leute, die ihre Ersparnisse bei der Gemüsefrau deponiert hatten, verlieren zusammen über 50 000 Mr. In der Masse liegen feine 2 Prozent.

Eisenbahnbedienstete als Dyfer der size. In Soest wurden gestern ein Beamter und ein Bahnarbeiter vom Sitzschlag getroffen. Der Arbeiter wurde getötet, der Beamte wurde irrsinnig.

Ein schwerer Wolkenbruch ging gestern im Heu­scheuertal nieder. Der aanze kurnarf in Gudoma in Seriateleit wurde he wcererhöhe überschwemmt. Das Küchenpersonal des Kurhotels fonnte sich nur mit knap­per Not retten.

Roman von G. v. Schlippenbach. ( Nachdruck verboten.) Alfred stellte sich eine schwere Aufgabe; täglich kam er in das Palais Uchatscheff und gab seine Verordnun gen, die von Karla im gläubigen Vertrauen befolgt wur den. Grotenbach beobachtete aber den Vater Koljas heimlich. Das häufige Zusammensein mit ihm be= stätigte, was der scharfsichtige Arzt gleich am ersten Tage bemerkt hatte: das Nervensystem Konstantins war total gerrittet, das flotte Leben in der Kaiserstadt hatte schuld daran, vielleicht auch erbliche Anlage, denn, wie Gro­tenbach erfuhr, gab es mehrere Fälle von geistiger Stö­rung in Uchatscheffs Familie. Karla ahnte, daß ihr Mann frank war; seine plötzlichen Zornesausbrüche wiederholten sich, er bekam seinen Abschied, worüber er außer sich geriet.

Eine sechstöpfige Einbrecherbande, die seit Wochen in den westlichen Vororten Berlins leerstehende Villen

Es war Grotenbach sehr peinlich, solche heftige Sze­nen mit anzusehen. Uchatscheff vergaß sich gegen die Diener und zuweilen gegen seine Frau. Eines Tages fand Alfred Karla gauz verweint, der Kleine war an dem Morgen ganz besonders elend, lange saßen der Arzt und Koljas Mutter an seinem Bettchen.

Spielen, spielen!" bat des Knaben Stimme.

Vermischtes.

Das Ende des Berliner Gleisdreieds". Der Mi­nister der öffentlichen Arbeiten hat angeordnet, daß das Geleisdreieck der Hoch- und Untergrundbahn in Berlin noch im nächsten Jahre aufgelöst werden muß, well die letzte Entaleifung einiger Wagen von neuem die Ge­fährlichkeit dieses Wunders der Technit dargetan hat. Nur durch einen Zufall ist es verhüttet worden, daß so­wohl bei diesem als auch bei einem andern, bis heute nicht weiter bekannt gewordenen Vorgang vom 17. Mat die Wagen nicht ebenso wie seinerzeit bet dem großen Unglück aus dem Gleis sprangen und auf die Straße herabstürzten.

Vöglein war Nicolat eingeschlummert, Grotenbach stand regungslos da, aus den Saiten der Geige spricht eine menschliche Stimme zu thm. Plötzlich bricht die Melo­die ab. Es war sehr still, die Wärterin war hinaus­gegangen, die leisen Atemzüge des Kranken wurden hör­bar. Aber noch ein anderer Laut schlug jetzt an des Arztes Ohr, ein unterdrücktes Weinen. Da trat er auf die Mutter Kolfas zu.

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Karla stand auf und ging hinaus. Nicolai Hiebt es, wenn die gnädige Frau die Geige spielt," sagte die Wärterin, das liebe Lamm schläft da= bei ein."

Und die Mutter tat, wie das franke Kind bat.

,, Sie sind noch da?"

Tiefes Erschrecken lag in der müden Frauen­stimme; so versunken war sie gewesen in ihrem Leid, daß sie Grotenbachs Anwesenheit ganz vergessen hatte. " Fassen Sie Mut, gnädige Frau," sagte die freund­Itche Männerstimme, so Gott will, bleibt Ihr Kind Ihnen erhalten."

Süß und klagend zogen die Töne der Geige durch das Zimmer, es war ein russisches Wiegenlied, eine rührende Weise. Die Dämmerung troch über die Welt, das Schmerzenslager des Kleinen Knaben wurde vom Bwielicht eingehüllt, nur die schlanke Frauengestalt hob sich hell gegen das Fenster ab. Gleich einem müden

" So Hoffen Ste?" ruft Karla zitternd vor Auf­regung.

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20 000 art für erfinderische Eisenbahnbeamte. Nach dem soeben erschienenen Bericht uden in us as yunjene rechnungsjahr aus den im Etat der preußt­fchen Staatsbahnverwaltung bereitgestellten Mitteln, die für nüßliche Erfindungen von Eisenbahnbeamten vorgesehen sind, 52 Beamte und Arbeiter der Staats­bahnverwaltung Belohnungen im Gesamtwerte von 20 000 Mart für Erfindungen und Verbesserungen, die

" Bet Gott ist kein Ding unmöglich," lautete die ernste Antwort.

" D" murmelte Karla, tch will meine Hände wund ringen im Gebet, will nichts persönlich vom Glück er­warten, nur mein Kind soll mir erhalten bleiben."

Sie hatte des Arates Hand ergriffen, der Druck dieser starken, warmen Hand gibt ihr Nuhe, gibt ihr die Hoffnung wieder.

Zimmer und bemühte sich darauf um Uchatscheff, den er mit Hilfe des Dieners zu Bett brachte. Lange saß er bet ihm und gab ihm ein beruhigendes Mittel ein; erst als Uchatscheff schlief, verließ er ihn.

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" Ich muß es Karla sagen; welche schwere Aufgabe für mich," dachte der mitleidtge Arzt. Er fand sie in threm Boudoir; dort lehnte sie am Fenster, sehr blaß, mit incinander verschränkten, bebenden Händen. Etwas Erschrecktes lag in ihren weitgeöffneten Augen, sie brachte fein Wort hervor. Da brachte Grotenbach ihr in schonendster Weise bei, daß Konstantins Nerven so zer-, rittet seien, daß seine Ueberführung in eine Anstalt un­bedingt nötig wäre.

Mein Freund," sagte sie leise und innig. Grotenbach aber entfernte sich bald darauf. Bisher hatte Alfred noch gezögert, Karla seine Be­obachtungen über ihren Mann mitzuteilen. Eines Ta­ges saß der junge Doftor mit dem Ehepaar am Früh­stückstisch, da ereignete sich wieder ein Auftritt, wie er in letzter Zeit oft vorfam; Uchatscheff wurde heftig und vergaß sich so weit, in Gegenwart seiner Frau häßliche Worte gegen den aufwartenden Diener zu gebrauchen. Mit vor Wut entstellten Zügen schrie und tobte er und fiel schließlich in Krämpfen zu Boden. Mit fanfter, aber energischer Hand schob Grotenbach Karla aus dem

-

" Ich habe es gefürchtet," sagte Karla Ietse, schon lange." ,, Und Sie haben es mir nicht gesagt?" fragte Gro­tenbach vorwurfsvoll. Nein, ich brachte es nicht über mich. Halten Ste Konstantin für geistig gestört?"

" Ja, bis zu einem gewissen Grade; es ist möglich, daß er sich in der Anstalt wieder erholt, möglich ist es aber auch, daß völlige Umnachtung eintritt."

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In dieser Stunde fühlte Karla, daß sie noch immer ben Mann liebte, dem sie einst ihr junges Herz geschenft hatte; eine große Traurigkeit fam über sie. Was sie in ihrer Ehe unharmonisch berührt und verletzt hatte, schwand; tiefes, echt christliches Mitleid mit dem Un glücklichen war allein übriggeblieben. Sie bat Grotens bach, den Kranfen unter seine Obhut zu nehmen und mit ihm nach Deutschland zu reisen, wo die betreffende Anstalt gelegen war.

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" Ja, ich will es tun," versprach Alfred, tich bitte Sie, mir zu vertrauen, gnädige Frau; was in meiner Macht liegt, wird geschehen."

" Ich danke Ihnen, mein Freund." Mehr konnte Karla nicht sagen, aber der warme Ton dieser Worte war für Grotenbach der reichste Lohn.

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( Forts. folgt.)