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Nummer 10.

W

Welt

Illustrierte

10. Mat 1911.

Rundschau

Verlag der Gießener Verlagsdruckerei Klein& Fischer, Gießen.

Das moderne Tokio.")

enn man sich von dem Riesenaufschwung des ge­samten japanischen Lebens in den letzten Jahren einen wirklichen Begriff machen will, so braucht man nur der Landeshauptstadt des Mikado einen Besuch abzustatten. Das Alte stürzt auch heute in Tokio mit einer beängstigenden Schnelligkeit und macht dem Modernen Platz. Stattliche Monumentalbauten erstehen an Stelle der einstigen primitiven Solzgebäude,

das elektrische Licht beginnt lang­sam die pittoresken Papierlaternen zu verdrängen und in den elektrischen Straßenbahnen sieht der arme Rick­schaw- Kuli seine gefährlichste Kon­kurrenz. Der Ki­mono weicht der europäischen Klei­dung, Getas und Sandalen werden mit Lackstiefeln und anderem leder­nen Schuhzeug ver­tauscht, 3ylinder­und Derby hüte sind in den Straßen Tokios heute gang

Ja, Tokio wird modern, innerlich und äußerlich- im Familienleben wie auf der Straße. Die Exklusivität der Familien den Fremden gegenüber ist zwar auch heute noch nicht aufgehoben, aber man erhält doch leichter Zutritt als früher.

Es gibt ältere und schönere Städte in Japan als Tokio. Aber die Residenz ist und bleibt heute die Seele des

Die neue Ringkampf- Halle, genannt Rofugi- Kwan".

( In dem modernen zirkusartigen Gebäude und der im Vordergrund stehenden Buddha Statue verkörpert sich das neue und alte Japan.)

und gäbe, und auch die Frauen- und Mädchen welt, ja sogar die jüngsten Sprößlinge lenken nach und nach in das modernere europäische Fahrwasser ein. Im Geiste sehe ich es wieder vor mir, das entzückende kleine Grafentöchterlein mit dem in der Mitte gescheitelten schwarzen Rabenhaar, wie es so zierlich mit den beiden Gabeln den Fisch zerlegte und ängstlich bemüht war, den kleinsten faux pas zu vermeiden.

*) Anläßlich des großen Brandes, der kürzlich in Tokio stattgefunden hat, dürfte der Artikel Das moderne Tokio von besonderem Interesse sein.

dauernd dort domizilieren lassen.

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Landes. Denn Tokio ist nicht nur der Sitz der Regierung und das Zentrum des japanischen Unternehmungs­geist es, sondern eigentlich von jeher die Verbindung mit den einzelnen Provinzen ge­wesen. Mußte doch schon während der Togutawazeit jeder Daimio oder jeder Prinz in Tokio ein Besitztum unterhalten und als Garantie für einen

einwandfreien Lebenswandel Frau und Kinder sozu­sagen als Geiseln So lief Totio

der alten Hauptstadt Kyoto bald den Rang ab, und kein besserer Vergleich zwischen dem japanischen Einst und Jetzt kann gefunden werden, als ein Besuch der beiden Städte. Hier noch die alte japanische Romantik, dort ein pulsierendes modernes Großstadtleben. Aus dem einſtigen Fischerdorf, das am Eingange einer Lagune lag, ist eine Millionenstadt geworden. Die Lagune hat sich im Laufe der Jahrhunderte in eine fruchtbare Ebene ver­wandelt, die heute den Hauptreisbedarf für die Residenzler liefert. Und mitten durch dieses segensreiche Stück Land