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Deutscher Reichstag.

Der Kampf um das reichsländische Wahlrecht.

Ein Sieg Bethmann Hollwegs.

Das ganze Wahlgesetz mit all seinen wichtigen Folgen Hat der Reichstag in seiner letzten Sizung in faum andert­halb Stunden in zweiter Lesung angenommen. Schon am Freitag soll es in dritter Lesung gänzlich unter Dach ge= bracht werden. Ein wichtiges Ereignis in mancherlei Hin­sicht: Ein voller Erfolg für den Reichskanzler, der Bruch des altpreußischen Grundsatzes, daß in den Bundesstaaten das allgemeine gleiche und direkte Wahlrecht keinen Platz haben soll und dann: Die Sozialdemokraten stimmen mit für die Annahme der Vorlage. Was unter der Führung von Singer eine Unmöglichkeit gewesen wäre, das haben fte unter Bebels Leitung fertig gebracht. Daß die Konser­vativen nicht mittun würden, war nach ihrer bisherigen Stellungnahme klar. Ste sind Gegner geblieben trotz der mahnenden Worte des Kanzlers. Ueber den Verlauf der Sigung ist folgendes zu sagen: Nach Beginn der Mittwoch­ftzung brachte Präsident Graf v. Schwerin- Löwitz den Dank der französischen Regierung für die Bet= letöskundgebung des Reichstages aus Anlaß des Unglückes auf dem Flugplaze Issy zur Kenntis des Hauses.

Dann wurde das Wahlgesetz für die elsaß- lothringische zweite Kammer zur zweiten Beratung gestellt. Zwar ver­suchten die Sozialdemokraten für ihre Demokratisierungs­anträge Stimmung zu machen, und auch der Elsässer Hauß fonnte sich nicht zu einem Verzicht entschließen, von seinen Spezialwünschen der Welt Kenntnis zu geben. Auch der Abg. Beck- Heidelberg wehrte namens der Nationalliberalen weitergehende Wünsche ab. Für die Reichspartet sprach im gleichen Sinne der Abg. v. Derzen. Er hob mit entschie­dener Schärfe hervor daß die Reichspartet dem allgemeinen Wahlrecht für Elsaß- Lothringen zustimme, weil es dort nun einmal bestehe.

So wurden denn durchweg die Kommissionsvorschläge angenommen, die Beseitigung der Pluralstimmen wurde in namentlicher Abstimmung mit 262 gegen 47 Stimmen be­schlossen. Dann wurden in rascher Folge noch eine ganze Reihe von Rechnungssachen und kleineren Vorlagen in erster und zweiter Lesung angenommen, ohne daß sich da bei bemerkenswerte Debatten ergaben. Der Gesetzentwurf betr. die vorläufige Regelung der Handelsbeziehungen mit Japan ging an die Kommission, der der schwedische Han­delsvertrag überwiesen ist. Unverändert angenommen wurden der Niederlassungsvertrag zwischen dem Deutschen Reiche und der schweizerischen Eidgenossenschaft und der Vertrag betreffend die Regelung von Rechtsverhältnissen der beiderseitigen Staatsangehörigen.

Ueber den Gesetzentwurf betreffend die Beseitigung von Tierkadavern erstattete der Abg. Stubbendorf den Be­richt. Auf seinen Antrag wurde die Vorlage unverändert genehmigt und festgesetzt, daß sie zu demselben Termin wte das Viehseuchengesetz in Kraft treten soll. Der Gesezent­wurf über den Patentausführungszwang wurde in zweiter, und gleich darauf in dritter Lesung endgültig angenommen. Darauf vertagte sich das Haus auf Freitag.

Heber die Stellung des Kaisers zur Feuerbestattung

äußert sich die Königsberger Hartungsche Zeitung folgen­dermaßen: Der Kaiser soll entschieden haben, daß einer selbstgewählten Feuerbestattung von Personen des aktiven Militärstandes nichts im Wege stehe, sobald die betreffende Vorlage thre verfassungsmäßige Erledigung durch den Landtag und die königliche Bestätigung gefunden habe. Ob bie Meldung genau in dieser Fassung zutrifft, bedarf noch der Bestätigung. Im allgemeinen aber ist festzustellen, daß auch die Stellung des Kaisers zu der Feuerbestattung im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte sich geändert hat. Frü­her, noch vor etwa fünfzehn Jahren, lehnte es der Kaiser ab, sich bei einer Feuerbestattung vertreten zu lassen. Das trat deutlich zutage, als seinerzeit für den in Berlin ver­schiedene General v. Schachtmeyer eine Leichen­feter abgehalten wurde. Der Kaiser wollte sich bei dieser Feier durch einen Flügeladjutanter vertreten lassen; der Adjutant erschien jedoch nicht, da inzwischen bekannt gewor= den war, daß öte Leiche des Generals verbrannt werden sollte. Der Fall ist damals viel besprochen worden. In den letzten Jahren ist es dagegen wieder geschehen, daß der Kaiser sich bei Leichenfeiern, denen die Feuerbestattung des Toten folgte, hat vertreten lassen. Mit Rücksicht darauf Elingt jene Meldung durchaus wahrscheinlich.

Daß auch im Heere und namenlich unter den höheren Offizieren die Zahl der Anhänger der Feuerbestattung nicht gering ist, bewies der Fall des bayerischen Generals von Xylander, der vor etwa zehn Jahren in München starb. Xylander war, obwohl Katholik, Mitglied eines Feuerbe­stattungsvereins und hatte demgemäß testamentarisch die Einäscherung seiner Leiche verfügt. Beides ist den Katho Itken durch Dekret des heiligen Officiums vom 19. Mat 1886 verboten. Xylander aber wollte verbrannt werden. Anfangs lehnten die zuständigen kirchlichen Behörden jede Beteiligung an der Leichenfeier ab. Da drohten die Ver wandten, die mit Vollstreckung des letzten Willens des Ver­storbenen betraut waren, die Leiche protestantisch einsegnen zu lassen. Mit Rücksicht darauf, daß der Verstorbene ein verdienter General und sonst ein treuer Sohn seiner Kir=

15)

3wei Kirschen an einem Stengel.

Roman von Budwig Blümde. ( Nachdruck verboten.)

che gewesen war, ordnete darauf das Münchener erzbischöf­liche Ordinariat die Einsegnung der Leiche im Trauerhause an. Andererseite haben vor Jahr und Tag die dret katho­lischen Verwandten des Königs von Württemberg in auf= fälliger Weise ihrer Abneigung gegen die Feuerbestattung Ausdruck gegeben. Mit dem König von Württemberg, dem Großherzog von Sachsen- Weimar und den Vertretern der Bundesstaaten befanden sich die örei Herzöge in dem Trauer­zuge, der dem Sarge des Prinzen Ernst von Sachsen- Wet­mar, eines Neffen des Königs von Württemberg, folgte. Nach einer lehtwilligen Verfügung des Prinzen sollte seine Leiche im Stuttgarter Krematorium eingeäschert werden. Der kirchlichen Feter in der Friedhofskapelle hatten die drei Herzöge beigewohnt. Aber angesichts des Krematoriums sonderten sie sich von dem Trauergefolge ab und gingen seitwärts davon."

Der alte Herr, der die längste Zeit seines Lebens auf dem Lande zugebracht hatte, war schlicht und anspruchs. los geblieben. Als kinderloser Witwer hatte er sich vor einigen Jahren zur Ruhe gesetzt, nachdem er wohl an die 40 Jahre Verwalter auf größeren Gütern gewesen. Nach Friedenau war er gezogen, weil ein zunehmendes Brust­leiden mit häufigen Schwindelanfällen ihm die Nähe eines Arztes wünschenswert machte und hier auch ein gleichaltri­ger, jahrelanger Freund von ihm wohnte.

Kathi fühlte sich sofort heimisch in der schlichten Um­gebung. Die treuherzige Weise des alten Herrn, seine Sprache, seine Art, zu erzählen, und sein Interesse für ihr Dorf, alles heimelte sie an, und frisch und fröhlich schwazte fte vom lieben Mutterle zu Haus und von all den Dingen, für welche die Verwandten keinen Sinn hatten, und die thr doch ans Herz gewachsen waren.

Leberecht gewann das Mädchen lieb, ihre Besuche wa­ren ihm Freude, und dennoch sagte er thr: Bleib' nicht zu Tange hier, das taugt nichts für Dich. Sie sehen Dir hier allerhand in den Kopf, was Du nicht verdauen kannst, weil Du für bare Münze nimmst, was nichts als Redens­art ist. Darum mach, daß Du bald nach Hause kommst, auf dem Land ist gesundere Luft für Dich."

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Zur Vorbereitung der Uebersiedlung des Kronprinzen nach Danzig begab sich Freitag früh eine Kommission von Berlin aus dorthin Die Beamten werden die in der Hauptstraße zu Langfuhr für den Aufenthalt des Kronprin­zenpaares von Frau v. Dippel gemietete Villa besichtigen und Anordnungen wegen notwendig werdender Umbauten treffen. Ferner soll das Schloß in Oliva auf seine Wohn­barkeit geprüft werden. Auch soll der Schloßpark einige neue Anlagen erhalten. Den Hauptschmuck wird eine rie­sige Fontäne bilden.

Die Vertagung des Reichstages. Dem Reichstag ist der Antrag zugegangen, zur Vertagung des Reichstages bis zum 10. Oktober 1911 die verfassungsmäßige Zustimmung zu erteilen. Ferner ist dem Reichstag ein Gesetzentwurf zugegangen, wonach die Mitglieder des Reichstags für die Monate Oktober und November 1911, falls der Reichstag in dieser Zeit versammelt ist, aus der Reichskasse eine außerordentliche Aufwandsentschädigung von insgesamt 700 Mark erhalten sollen.

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Die Gäste im Kaisermanöver. An dem diesjährigen Kaisermanöver wird voraussichtlich der Prinz von Wales teilnehmen. Das Kaisermanöver wird die erste Kriegs­übung großen Stils sein, die der erst 17fährige Prinz zu sehen in die Lage kommt. Von anderen Gästen des Kai­sers beim Kaisermanöver werden die beiden Generalfeld­marschälle Graf Haeseler und Freiherr von der Goltz ge= nannt. Ob der österreichische Erzherzog- Thronfolger Franz Ferdinand, wie früher einmal gemeldet wurde, an den Manövern teilnehmen wird, ist noch nicht feststehend, da eine Vereinbarung hierüber an den maßgebenden Stel len noch nicht getroffen worden ist. Man darf aber an= nehmen, daß der Thronfolger der Einladung des Kaisers Folge leisten wird. An den Flottenmanövern wird er da­gegen bestimmt teilnehmen. Von deutschen Bundesfürsten werden dagegen bestimmt mehrere Gäste des Kaisers beim Manöver sein, wie z. B. der Großherzog von Hessen und der Herzog von Sachsen- Coburg- Gotha.

Das waren freilich Worte, die Kathi nicht gern hörte. Mit Scherz und Lachen suchte sie sich dagegen zu wehren, Sie hatte ja bereits den Verwandten versprochen, weitere pierzehn Tage zu bleiben, denn die behaupteten, sie set thnen ganz unentbehrlich, und sie würden ihr auch gern ein hübsches Taschengeld dafür geben. Da hatte denn auch thre Mutter eingewilligt, weil die Tochter sich so gewaltig aufs Betteln verlegt und die Schwester in ihrer bestimmen­den Weise ihr die Sache über den Kopf genommen hatte. 3war waren ieht die vier Wochen vorüber, der soge

Die Kommission des Reichstages für das Kurpfuscherei­geseh hat beschlossen, bei der Geschäftslage des Reichstags die Weiterberatung der Vorlage auf den Herbst zu ver­tagen und dann mit dem größten Nachdruck die Erledigung des Entwurfs zu fördern.

Die Kommission des Abgeordnetenhauses für den Ge­fegentwurf betr. die Errichtung und den Besuch von Pflicht, fortbildungsschulen hat mit den 18 Stimmen der Konser­vativen und des Zentrums nach langwierigen Debatten, die sich über zwei Sizungen erstreckten, beschlossen, daß der Schulkommission, dem Organ des Schulvorstandes, ein von der Aufsichtsbehörde zu bestimmender Geistlicher ange= hören soll. Zum Paragraphen 19 liegt ein Antrag der Konservativen vor, die Fortbildungsschulen dem Handels­minister und dem Kulutusminister zu unterstellen.

Eine Verschärfung der Strafbestimmungen gegen ar­beitsscheue Unterhaltspflichtige stellt die Inf." für die nächste Session des Landtags in Preußen in Aussicht. Die Klage, daß das Gesetz nicht genügende Handhaben gegen diese Personen bietet, ist seit Jahren allgemein. Die Vor­lage wird, je schärfer ste ist, mit Freuden begrüßt werden.

Das Programm des Hansatages. Der am 17. Juni in Berlin stattfindende Hansatag beginnt mittags um 2 Uhr. Der Vorsitzende des Präsidiums des Hansabundes, Geheimer Justizrat Professor Dr. Riesser, wird die Einleitungs- und Schlußworte sprechen. Als Referenten sind die Abg. Kämpf, Dr. Stresemann und Rahardt gewonnen worden. Ferner werden führende Mitglieder des Hansabundes aus den im Hansabund vertretenen Erwerbsgruppen kurze Begrüßungs­ansprachen halten.

Dem vorgestern verstorbenen früheren ungarischen Ministerpräsidenten Banffy widmet die ,, Nordd. A. 3tg."

nannte Besuch hatte sein Ende erreicht, und das Mädchen rüstete sich zur Heimfahrt. Aber das war ja alles nur Vorspiel gewesen, denn nun rückten die Verwandten mit threm eigentlichen Wollen heraus. Das Mädchen sollte sich verpflichten, auf ein Jahr der Tante in der Restaurations­wirtschaft zur Seite zu stehen und dafür bare dreihundert Mart erhalten. Jezt, wo Kathi das erste Heimweh über­wunden und sich nicht nur eingelebt hatte, sondern auch thr helles Vergnügen an den Stadtfreuden fand, die ihr verlockend weiter winften, wenn sie blieb, war es nicht schwer gewesen, sie zur Zustimmung zu überreden. Die Mutter mußte nur noch ihr Jawort geben, und dazu sollte Kathi, mit einem Briefe der Tante bewaffnet, nach Hause.

An diesem Jaworte zweifelte Kathi nicht, aber etwas anderes lag ihr schwer auf dem Herzen, was würde Hans zu ihrem Entschlusse meinen? Sie suchte sich damit zu be ruhigen, daß sie ihm sagen wollte, da die Tante ihr so viel Kleiderzeug schenke, brauche sie kein Geld für sich und wolle den Lohn für ihre Aussteuer zurücklegen. Vielleicht daß er dann ein Einsehen habe, wie es für sie besser sei, daß sie die Stelle annähme.

den folgenden Nachruf: Mit Baron Desider Banffy ist eine der markantesten Persönlichkeiten, die an dem poli­tischen Leben Ungarns während des letzten Menschenalters hervorragenden Anteil genommen haben, aus dem Leben geschieden. Von den Traditionen der großen liberalen Par­tei ausgehend, hat er sich zunächst der Durchführung der diese Partei leitenden Grundsätze gewidmet. Erst in spä teren Jahren nahm seine Entwidlung eine mehr radikale Richtung, ohne daß er hierbei die Verwirklichung der ans gestrebten Erfolge durchzusehen vermochte."

Der Bruch zwischen dem Vatikan und Portugal, der seit der Veröffentlichung des Trennungsgesetzes erwartet wurde, ist jetzt Tatsache geworden. Die portugiesischen Bischöfe haben soeben im ganzen Lande einen Hirtenbrief veröffentlicht, der die provisorische Regierung aufs hefs tigste angreift. Das Organ des Vatikans, der Osservatore Romano", fündigt an, daß der Papst demnächst eine En zyklika an die Bischöfe des ganzen Erdkreises richten werde, in der er energisch gegen die Verfolgung der Kirche in Portugal und besonders gegen das ungerechte bedrückende Trennungsgesetz protestiert.

Dem Patenonkel verriet sie noch nichts, der hätte ge= zankt. Es war früh genug, er erfuhr es, wenn sie wieder da wäre, dann wollte sie ihm die Sache schon auseinander­setzen und ihn wieder gut machen. So kam das Mädchen in ihr Heimatdorf, freilich nicht in der Glaskutsche, son­dern im Postwagen. Aber nicht in ihrem dörflichen Kleide, wie sie es verlassen, sondern im blauen Tuchanzuge mit dem weißen Pelzbarett und dem weißen Muff, dem Ber­liner Straßenanzuge, den die Tante ihr geschenkt hatte.

Die Meldungen von einer schweren Erkrankung des Präsidenten Diaz werden in einem Telegramm aus Meri­to als unebgründet bezeichnet. Diaz wird sich Anfang Junt nach Europa einschiffen.

Er stand ihr ja zum Entzücken, und sie sah darin so nobel aus, wie ihr verschiedene Stadtherren versichert hatten, nun wollte sie sich auch daheim darin bewundern lassen. Sie hatte denn auch die Genugtuung, daß die Mitfahrenden es waren Dörfler aus der Nachbarschaft sie von der Seite ansahen und sie nicht als zu ihres­gleichen gehörig behandelten. Nachher mußte sie die ganze

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Kleine Dachrichten.

König Friedrich August von Sachsen vollendete am ges strigen Donnerstag das 46. Lebensjahr.

Der Blumentag in Hannover Hat rund 90 000 M Rein ertrag gebracht.

Millionenanleihe der Stadt Charlottenburg. Die Char­lottenburger Stadtverordnetenversammlung bewilligte die Aufnahme einer Anleihe von 42% Millionen Mark.

Herrenschneideraussperrung in Wien. 600 der Vereini gung der Herrenkundenschneider" angehörige Wiener Firs men, die über 6000 Stückmeister beschäftigen, gingen am Mittwoch mit der Aussperrung vor, weil die Arbeitnehmer nach Ansicht der Unternehmer bei einer Firma mutwillig streifen.

Ein Riesenschwimmdock. Das auf den Howaldtswerken für die Kaiser verft in Kiel mit einem Kostenaufwand von steben Millionen Mark gebaute Riesenschwimmdock wurde am Mittwoch abgeliefert und mit sechs Dampfern nach der Liegestelle am Südkai der Werft geschleppt. Es ist für die Aufnahme der Dreadnoughts und noch größerer Schiffe be­stimmt.

Millionenschmuggel Neuyorker Kunsthändler. Die vier Kunsthändler Duveen in Neuyork, die vor einigen Mona­ten wegen zu niedriger Verzollung importierter Antiquitä­ten angeklagt waren, zahlten 1 200 000 Dollar Nachtragszoll. Strafgerichtlich wurde der eine der Brüder, Henry Duveen, zu 15 000 Dollar Buße verurteilt.

Eine Spielbank am Schwarzen Meer. Nachdem der Spielbankpächter von Ostende, Marquet, von dort vertrie­ben worden ist, hat er sich jetzt am Schwarzen Meer ein neues Domizil gesucht. Am 1. Juni wird von ihm in Kon­stanza eine Spielbank nach dem Muster von Monte Carlo eröffnet werden.

Schwere Unfälle bei der Einweihung der Hohenzollern­brücke. Die Ansammlung der gewaltigen Menschenmenge beim Besuch des Kaisers in Cöln am Montag hatte zahl= reiche Unfälle zur Folge. Zwei Kinder wurden überfahren und getötet. Ein Herr erlitt schwere Verlegungen, einer Dame wurde der Brustkorb eingedrückt. Außerdem ereig­nete sich eine große Zahl leichterer Verletzungen. Erdbeben in Griechenland. Auf der Insel Leukos hat ein heftiges Erdbeben stattgefunden. Einige Häuser sind eingestürzt und mehrere Personen wurden verletzt. Hafen ist ein großer Erdriß entstanden.

Im

60 Personen extrunken. Nach einer Meldung aus Pa­nama ist der Dampfer Taboga am 23. Mai in der Höhe von Bunta Mala auf einen Felsen aufgelaufen und gesunken. Soweit bisher bekannt ist, sind von den 100 Passagieren, die sich an Bord befanden, nur 40 gerettet worden.

Tödlicher Absturz in den Bergen. Der 12jährige Sohn des Bürgerschuldirektors Fritsch ist beim Pflanzensuchen in der Nähe von Untertannwald in Böhmen von einem Felsen abgestürzt. Er war sofort tot.

Tödlicher Fliegerunfall. Ein junger Flugschüler na­mens Benson ist gestern abend bei einem Probeflug in der Nähe von London abgestürzt. Der Too trat auf der Stelle ein.

Aus den Gerichtssälen.

Die Strafe des Weinfälschers. Die Straffammer in Trier verurteilte den Rotweinfabrikanten Birkel aus Eu ren, der aus kleinen Mengen Rotwein und Massen von Apfelwein Rotwein fabriziert hatte, zu sechs Monaten Ge­fängnis, zwei Wochen Haft und 1000 M Geldstrafe. 25 000 Liter wurden beschlagnahmt. Der Hauptschuldige Fiedler aus dem luxemburgischen Ort Nemich, der über 4000 Fuder des Rotweins" mit 200 000 Mart Gewinn hergestellt hatte, ist flüchtig.

Dorfstraße entlang ehen, bis sie zu ihrem Häuschen fam. Das war ihr eben recht, denn nun konnte sie sich doch sehen lassen in ihrer Kleiderpracht, konnte nach rechts und nach links nicken und hören, wie sie sich zuraunten. Je­mersch, geht die aber staatsch," und ähnliches.

Mutter Bärbel, die Schulzenfrau. an der ste vorbei­fam, meinte fopfschüttelnd zu ihrem Manne, der neben ihr ging: Sätts nit gedacht, daß der Amrum ihr Mädel hier so närrisch geputzt einherstolziere würd. Solch Kle­dage paßt nun einmal nit für a Häuslerkind, wie kann sie sich nur so schimpfiere."

Kathi hörte die Worte, ste ärgerte sich und wurde rot, aber sie suchte sich damit zu trösten, daß es bei der Schul­zenfrau nur der blasse Neid gewesen sei, weil sie nicht sol­che staatsche Kledage kriegen würde.

Als das Mädchen aber ihr Häuschen in Sicht bekam, dessen Tür offen stand, ein Zeichen, daß Frau Amrum von der Arbeit heimgekehrt war, da vergaß sie ihr städtisches Kleid: alle kleinen Eitelfeitsteufel nahmen Reißaus, weil ihr pochendes Herz jetzt für kein anderes Gefühl Raum hatte, als für die große, große Freude, wieder bei Mut­tern daheim zu sein. ,, Mutterle, Mutterle!" jauchzte sie und lief die Höhe hinauf, in die Haustür hinein und gerade auf Frau Am­rum zu, die in freudigem Schrecken denn Kathi hatte sich nicht angemeldet wie versteinert dastand.

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" Gutes Herzensmutterle," wiederholte das Mädchen, und ihre Stimme klang dabei seltsam verändert vor un­terdrückter Rührung.

Sie hatte Frau Amrum stürmisch umarmt, dabei war der Muff auf die Erde geflogen und das Barett schief ge= rutscht auf dem blonden Kraushaar. Das erschien ihr jett alles gleichgültig. Bei der Mutter war der Schred rasch in die hellste Freude übergegangen, sie klopfte ihrem Mä­del die Backen und wiederholte einmal über das andere Mal Bist nun da, bist wirklich da, Kindele, und freust Dich so unbändig zu Deinem Mutterle!"

(&. f.)

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