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aus Neusalz wegen widerrechtlicher Verhaltung mehrerer Personen und Mißhandlung zu 6 Monaten Gefängnis und prach ihm die Berechtigung zur Bekleidung eines öffent lichen Amtes auf die Dauer von 3 Jahren ab.

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

Geheimhaltung drahtloser Telegramme. Auf der Ver­fuchsstation für drahtlose Telegraphie an der technischen Hochschule in Darmstadt fanden Versuche mit einem neuen Apparat des Konstrukteurs Johann Sacet aus Prag statt, welche bezweckten, das Auffangen von drahtlosen Telegram­men durch dritte Stationen zu verhindern. Bei den bis­herigen Methoden war ein unbefugtes Auffangen verhält­nismäßig leicht möglich. Die Versuche ergaben, daß mit dem neuen Apparat eine völlige Geheimhaltung der Tele­gramme erzielt werden kann. Ein mit diesem Apparat auf­gegebenes Telegramm fann nur von der Station gelesen werden, für die es bestimmt ist. Nach Aussage von Fach­leuten, auch solchen von der Marine, bedeutet diese Neuerung einen außerordentlichen Fortschritt auf dem Gebiet der drahtlosen Telegraphie.

Vermischtes.

Zur Hamburger Spionageaffäre wird neuerdings ge­meldet: Der verhaftete Engländer heißt Schulz und ist Inhaber der Southamptoner Schiffsmaklerfirma Schulz & Co. Er hat seine Schiffsspionage auch nach Kopenhagen ausgedehnt. Der entschlüpfte Komplize ist kein Engländer, sondern ein Bremer, der bereits nach dem Ausland ent­lommen sein soll. Schulz traf am 24. Januar in Hamburg ein und nahm Wohnung in cinem Hotel beim Hauptbahn­hof. Mitte Februar verschwand cr auf 10 Tage, kehrte indes Ende des Monats in dasselbe Hotel zurück. Er ver­fügte über große Gelder, trat als Grandseigneur auf und machte mehrmals auch Zechen von mehreren hundert Mark. Im Rausch soll sich Schultz, der ein starker Trinker ist, ver­taten haben.

Zu der bereits gemeldeten Wiederverhaftung des Räuberhauptmanns Stratmann ir Essen wird weiter he­tichtet: Die Festnahme gelang in Mülheim an der Ruhr in der Wohnung seiner Geliebten. Ein zweiter Verehrer des Mädchens hatte der Polizei den Wohnort des Ver­brechers aus Eifersucht verraten. Stratmann wurde gänz­lich überrascht und sprang durch ein Fenster, um zu ent­lommen. Zwei Polizeibeamte sprangen ihm aber nach, und es gelang ihnen, mit Hilfe eines dritten Beamten ihn ju bewältigen. In seinem Besize wurden ein Revolver und zahlreiche Patronen gefunden. Durch seine Verhaftung wird nunmehr der am 7. Februar versuchte räuberische Ueberfall auf den Lohngeldertransport des Königlichen Bergjistus bet Gladbeck vollständig aufgeklärt werden. Die unter dem Verdacht der Mittäterschaft festgenommenen vier Bersonen befinden sich noch sämtlich in Untersuchungshaft. Dieses Räuberstüd gelang Stratmann nur deshalb nicht, weil seine Komplizen nicht vollständig zur Stelle waren. Stratmann hat von den über ihn verhängten 13 Jahren Buchthaus noch über zehn Jahre zu verbüßen. Mitte 1909 brach er aus der Jrrenanstalt Münster aus und wurde erst Im November 1909 wieder verhaftet. Er wurde dann in ble Jrrenanstalt Eidelborn gebracht. Von dort gelang es thm, am 28. November v. J. wieder zu entkommen, Bahl­telche schwere Einbruchsdiebstähle, die seit dieser Zeit ver­libt worden find, werden auf sein Konto gesetzt.

Der Hosenrod in der Stadt der reinen Vernunft. Eine Braunsberger Dame besuchte ein Königsberger Modehaus und ließ sich dort auch einen Hosenrod zeigen. Der hinzu­tretende Geschäftsinhaber bemerkte, falls sich die Dame be­zeit finden lasse, einen Hosenrod anzulegen und in ihm von Jeinem Geschäft bis zum Bahnhofe zu gehen, mache er ihr ben besten Hosenrock seines Lagers zum Geschenk. Das Ob­Jeft loďte die Dame fonnte nicht widerstehen und pro­menierte tatsächlich, angetan mit dem seltsamen Kleidungs­tid, nachmittags um 6 Uhr, unangefochten und unbean­tandet bis zum Bahnhofe, wo sie fich umkleidete und das wohlfeil erworbene Garderobenstück im Koffer, ihrer Hei­mat zudampfte.

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Strafe Nebensung an das Arbeitshaus zu gewärtigen. Da bei der erstmaligen Ueberweisung an das Arbeits­haus diese bei Eingehung der Ehe nicht vollstreckt wird, hat sich das Paar jezt trauen lassen.

Massen- Raubmorde in Kroatien. Die geheimnis­vollen Morde, die seit einigen Tagen die Gegend von Ugram in großer Aufregung hielten, dürften bald aufge­tlärt sein. In Karlstadt wurden vorige Woche kurz nach­einander vier nadte Leichen aus der Kulpa gezogen. Alle hatten die Schläfen durchschossen und das Gesicht bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Die Kleider der Toten wur­den in einem Bündel am Ufer des Flusses aufgefunden, waren aber in fleine Fetzen zerschnitten, so daß auch durch sie nicht die Identität der Ermordeten festgestellt werden fonnte. Nun hat die Annahme, daß es sich um amerika­nische Rückwanderer handelt, die bei der Heimkehr nach Kroatien überfallen, ermordet und ihrer Barschaft be= raubt wurden, durch die von der Agramer Staatsanwalt­schaft geleitete Untersuchung ihre Bestätigung erhalten.

Der geprellte Eßverein. In Fürth wollte der Eß­perein Immergrün" seine Kasse verjubeln, allein der Kas­Herer, ein lediger Schneider, hatte das unter Mithilfe einiger gefälliger Dämchen selbst schon besorgt. Er er­chien nicht zum Stiftungsfeste, sondern verduftete. In gebrüdter Stimmung machte sich der sonst vollzählig ver­ammelte Verein über das bestellte Essen her, um wenig­tens seinem Namen Ehre zu machen und nichts stehen zu lassen, für das er ja doch bezahlen mußte.

Das Grab des Magyarenhäuptlings. In einem Wein­garten in Gödöllö in Ungarn wurde dieser Tage ein Grab aufgedeckt, das aus der Zeit der Festsetzung der Magyaren in Pannonien( um 895) stammt. Aus dem Grabe wurde das Skelett eines mit seinem Pferde begrabenen Reiters hervorgeholt. Es lag mit dem Kopfe gegen Nordosten ge­wendet. Die Knochen waren, wie man der Frks. 3tg." schreibt, voll Gold und Silberschmuck. Auf dem linken Arme befand sich ein goldenes Armband, an den Fingern steckten Ringe. Neben dem Skelett lagen Pfeile, unter der rechten Hand ein mächtiges Stahlschwert mit silbernem Knauf. Zu Füßen des Pferdes waren die Stoßzähne von zwei Wiloschweinen eingegraben. Die Direktion des Na­tionalmuseums nahm eine Prüfung der nach Budapest transportierten Gegenstände vor. Man hält es nicht für ausgeschlossen, daß das Skelett dasjenige eines der Führer­genossen Arpads ist, des ersten Großfürsten der Magyaren.

Finderlohn nach 19 Jahren. Im Jahre 1892 verlor Herr R., der Chef eines bedeutenden Handelshauses im Zentrum Berlins, in der Straße ,, Unter den Linden" eine Brieftasche, in der mehr als 20 000 Mart in Reichsbank­noten enthalten waren. Herr R., der schon mit einem Verlust der ganzen Summe gerechnet hatte, war sehr ver­wundert, als ihm am nächsten Tage die Brieftasche mit dem Inhalt durch die Post wieder zugestellt wurde. Als Absender des Pakets war ein Herr S. in der Potsdamer­straße angegeben. Der Verlierer war natürlich über die Wiedererlangung seines Geldes sehr erfreut und er wollte den ehrlichen Finder aufsuchen, um ihm seinen Dank und einen anständigen Finderlohn zu überreichen. Dabei stellte es sich heraus, daß der Name des Absenders fingiert war. Auch Nachfragen auf dem Einwohnermeldeamt bestätigten dies. Herr R. nahm nun an, daß die Brieftasche von ir­gend einem sehr reichen Herrn gefunden worden war, der cuf einen Finderlohn verzichten konnte und der auch nicht mit seinem Namen hervortreten wollte. Vor einigen Ta­gen meldete sich bei Herrn R. ein Mann, der sich als den damaligen Finder der Brieftasche vorstellte und nach 19 Jahren noch seinen Finderlohn erbat. Herr R., der das Vortommnis mit der Brieftasche wohl schon tausendmal und allen möglichen Leuten erzählt hatte, war zunächst mißtrauisch; aber der vorgelassene Mann wußte über die Brieftasche, über den Inhalt, über die in der Tasche vorge­fundene Adresse des Verlierers, über die Verpackung bei der Zusendung, über den Bezirk der Absendung usw. so genaue Angaben zu machen, daß kein Zweifel mehr sein fonnte, der wirkliche Finder hatte sich gemeldet. Dieser war damals auch sehr reich gewesen, aber durch allerlei Schicksalsschläge war er so heruntergekommen, daß er jetzt die Mildtätigkeit des Mannes in Anspruch nehmen wollte, gegen den er vor 13 Jahren so ehrlich gehandelt hatte. Herr R., sorgte zunächst dafür, daß die Ermissionsklage gegen den ehemaligen Finder der Brieftasche zurückgenom­men wurde, überreichte ihm einen größeren Betrag und verschaffte ihm eine Anstellung.

Ein Schulmädchen mit einer Nadel im Herzen. Aus Wiener- Neustadt wird dem Neuen Wiener Tagebl." be= htet: Ein tragischer Vorfall spielte sich gestern nachmit­lag in der zweiten Klasse der hiesigen Jubiläumsvolks­hule ab. Vor Beginn des Unterrichts wurde die acht­ährige Schülerin Magdalena Berner, Tochter eines Schnei­ders, plöglich chnmächtig. Die entsegten Mitschülerinnen tiefen den Lehrer Echerr herbei, der das Mädchen in die Direktionskanzlei bringen ließ, wo sich mehrere Lehrer um das Kind bemühten. Da sah man aus der Herzgegend des Mädchens den Kopf einer großen Schneidernadel hervor­ragen. Die Lehrer zogen die Nadel, die sechs Zentimeter Hef im Körper stat, heraus, doch das Kind kam nicht zum Bewußtsein. Als der städtische Bezirksarzt erschien, konnte er nur den Tod des armen Mädchens konstatieren. Das kind hat wahrscheinlich zu Haus die Nadel ins Kleid ge­teft, die dann bei einer Bewegung in der Schulbank in das Herz gedrungen ist. Die Sektion der Leiche ergab, daß die Nadel in den Herzbeutel gegangen war.

Jagdunfall eines Diplomaten. Aus Tanger wird te­egraphiert, daß der österreichische Gesandte von Callen­erg am Donnerstag bei einer Eberjagd von dem deut­hen Geschäftsträger versehentlich durch einen Stich mit er Saufeder am Fuße verletzt wurde. Man brachte den besandten auf einer Tragbahre nach Tanger zurück; die Serwundung ist nicht gefährlich. Offenbar hat der Ge­häftsträger den Jagdspieß gegen einen Eber geschleudert nd unglücklicherweise den Gesandten getroffen.( So das tanzösische Telegramm, das insoweit nicht stimmen kann, Is Deutschland feinen Geschäftsträger, sondern einen Ge­andten, den Frhrn. von Seckendorf, in Marokko hat. Auch uf dem Berliner Auswärtigen Amt ist noch nichts über en Vorfall bekannt.)

Eine Eheschließung im Gefängnis wurde in der Naum­urger Strafanstalt unter Zuziehung von zwei Gefängnis­beamten als Trauzeugen zwischen einem nach Naumburg berwiesenen Gefangenen und einer zu diesem Zwecke aus Erfurt zugereisten Dame" geschlossen. Nachmittags fand m Betsaale die firchliche Einsegnung dieser Ehe statt. Die theschließung erfolgte zu dem Zwede, um um ein Gerichts­teil herumzukommen. Der Bräutigam ist ein Gelegen­eitsarbeiter aus Erfurt und hat nach Verbükung seiner

men hat, indem er erklärte, er begreife wohl, daß es Mian­ner gebe, die sich in die allgemeinen Handwerksfächer nicht einzwängen laffen, sondern der Aftenschinderei und der bu reaukratischen Zwangsjade eine fretere, selbständigere Ge­dankentätigkeit vorziehen.

Die Zeitung hat so viele Kritiker als Leser, also mehr Kritiker als Abonnenten. Dazu kommen so viele Leute in ihrem ganzen Leben nicht dazu, sich einzugestehen, daß sie das trockene Brot der Bildung", das sie gerade noch be figen, einzig aus der Zeitung sich angeeignet und ihr allein zu danken haben.

Wenn einmal eine Zeitungsnachricht begründeterweise als erfunden oder aus der Luft gegriffen stigmatisiert wird, ist es jedoch in den seltensten Fällen ein Journalist, der er­funden oder den Griff in die leere Luft getan hat, da steckt zumeist ein anderer dahinter. Dte sensationslüsternste Zet­tung ist überdies niemals im Erfinden so maßlos wie das Gerücht, das von Mund zu Mund geht; nicht zu reden von den Fällen, in denen die Gutgläubigkeit der Presse malitiös für fremde 3wecke ausgenützt wird.

Zur Qualität eines guten Journalisten gehören zwei­fellos: Rechtschaffenheit, Anständigkeit, Unabhängigkeit und ein starkes Verantwortlichkeitsgefühl. Damit ist es aber noch nicht getan. Es muß auch etwas Fähigkeit dabei sein zum blizzartig raschen Erfassen der Erscheinungen und Vor­gänge, zur temperamentvollen Wiedergabe von Eindrücken, die an anderen vielleicht Spurlos vorübergehen, kurzum, das spezifische journalistische Talent. Die braven Leute müssen auch gute Musikanten sein. Der journalistische Dienst des Reporters, der ausgeschickt wird, Details über eine Mordtat, ein Eisenbahnunglüd, einen Straßenauflauf zu beschaffen, ist eine Arbeit, die nicht weniger Findigkeit, Intelligenz, Geschick, oft auch Taft erfordert, als die get­stige Arbeit manchen Berufes, die das Privileg üppiger Honorierung und dementsprechenden Ansehens genießt.

Wie sehr Bismarck die Besonderheit des journalistischen Talents zu erkennen und einzuschätzen verstand, davon gab er eine überzeugende Probe in der Aeußerung, die er im August 1890 Anton Memminger gegenüber tat: Ich fann aus einem tüchtigen Redakteur leichter einen Staatssefre­tär des Aeußern oder des Innern machen- bitte, denfen Ete nur an Lothar Bucher- als aus einem Dubend Ge heimräte einen gewandten leitenden Redakteur. Ich gebe Ihnen gleich einen Leiterwagen voll von diesen Geheim­räten, Juristen, Theologen oder auch Philologen mit lau­ter ersten Noten in die Lehre, und Sie können aus ihnen nicht viel mehr als einen Schneider machen, der mit der Schere irgend ein geistloses Lokalblatt zusammenstellt: Das Zeug zum Redakteur, der selber denkt, schafft und schreibt mit Schwung und Kraft, muß man auch mitbringen!"

Die Leiche des verstorbenen Königs Chulalongkorn von Siam ist am Schlusse der vergangenen Woche in Bang­fof verbrannt worden. Bekanntlich war der König bereits im letzten Oktober gestorben, aber die Bräuche Siams for­derten bisher, daß der Monarch noch jahrelang nach set­nem Tode über der Erde stehen bleibe, ehe er durch die Zeremonie der Verbrennung mit seinem Vorgänger ver­einigt werde. Mit diesem alten Brauch hat erst der jetzige König gebrochen, als er befahl, daß man seinen Vater schon jetzt einäschere. Diese Feierlichkeit hat nun, wie ge­sagt, in Bangkot stattgefunden. Durch die mit einer dich­ten Menschenmenge gefüllten Straßen bewegte sich der glänzende Leichenzug zu dem Scheiterhaufen, der sich auf dem größten Leichenzuge der Stadt befand. Nachdem die Bahre mit der Leiche des Königs auf den Scheiterhaufen emporgehoben war, trat der neue König an den Holz­stoß heran und setzte ihn mit einer Fackel, die er an einer heiligen Kerze entzündet hatte, in Flammen. Ihm folg­ten die übrigen Mitglieder des Königshauses und die höchsten Würdenträger. Sie alle trugen aus dünnem Holz gefertigte Kränze in den Händen, die sie mit kurzen zere= moniellen Weihesprüchen in die Glut warfen. Als die Verbrennung vollzogen war, wurde die Asche in einer fost­baren Urne gesammelt und in der königlichen Totentam­mer beigesetzt. Mit dieser Zeremonie endet zugleich die Zeit der offiziellen Trauer in Siam, und die weiße Trau­erfarbe, die ein halbes Jahr alle übrigen Farben ver­drängt hatte, verschwindet wieder.

Vorausberechnung des Lebensendes. Jm Verein für provinzielle Naturkunde zu Reval berichtete vor einigen Tagen, wie wir in den Revaler Blättern lesen, Herr Henry von Winkler über einen Versuch, die Lebensleistungen des Menschen durch mathematische Begriffe auszudrücken. Dem Versuch lag das Ariom zugrunde, daß jedem Lebewesen von seiner Geburt bis zu seinem Tode eine streng begrenzte Lebensenergie zur Verfügung steht. Mit dem Fortschreiten naturwissenschaftlichen Erkennens wird es vielleicht in ab­sehbarer Zeit möglich sein, jene Energiesumme zahlen­mäßig auszudrücken. Wenn das bedeuten soll, daß man das Lebensende eines Menschen vorausberechnen können werde, so zweifeln wir daran, ob solche Berechnungen viel Freude erregen werden.

Die Presse und ihre Leute.

Das Publikum sieht nicht tief hinein in das ernste Ge­triebe der Journalistik. Es hat denn auch wohl keine Vor­stellung von der immensen Arbeit, den Mühen und An­strengungen, die hierfür aufzuwenden sind. Die Journa listik ist ein Kampfberuf. Täglich hat sie gegen Mißver­gnügte, Gekränkte, Verlebte, in ihrer Eitelkeit oder ihren Interessen sich getroffen Fühlende, gegen Zweifler und Lä­sterer sich zu wehren. Ruhepausen gibt es nicht. Eine Spannung löst die andere ab. Die Journalistik ist Mit­empfinden alles Leids. Sie wird in stärferem Maße als andere Berufe getroffen durch Fehler der Politik, der Ju­stiz und Verwaltung. Ihr darf nichts gleichgültig sein, sie darf nichts talt und unberührt laffen. Solcher Nervenan spannung, Nervenzerrung sind nur die Berufenen gewach sen. Nur öte geistig und physisch Bestausgerüsteten fön nen bestehen. Ruhelos erneut sich immerfort der Kreislauf. Das Schwache fällt, das Tüchtige tritt heran!"

In Wien hielt dieser Tage der Regierungsrat im li­terarischen Bureau des Ministeriums des Aeußern Jakob v. Winterniß unter dem Titel Die Presse und ihre Leute" einen Vortrag. Er führte nach einem Bericht der N. Fr. Pr." u. a. folgendes aus:

Bismards Schlagwort: Die Zeitungen werden von Leuten geschrieben, die ihren Berf verfehlt haben", wird noch heute den Journalisten nachgerufen, wiewohl Bis­marck selbst dies Wort in späteren Jahren zurückaenom­

Drabtnachrichten und neuestes.

Eine militärische Beförderung des Reichskanzlers. Berlin, 25. März. Der Kaiser hat den Reichskanzler von Bethmann Hollweg bei Gelegenheit des Stapellaufes des Linienschiffes alfer" zum Generalmajor ernannt. Die russische Ministerkrifis beendet.

Petersburg, 25. März. Die Krisis ist beendet. Stoly­pin bleibt auf seinem Posten. In seinem Hause fand ge­stern abend ein Ministerrat statt. In zwet kaiserlichen Er­laffen wird befohlen, daß die Reichsduma und der Reichs­rat ihre Sibungen vom 25.- 28. März unterbrechen. Die Erlasse sind von Stolypin gegengezeichnet.

Kriegsgerüchte ans dem fernen Often.

London, 25. März. Blättermeldungen zufolge erhielt ein Londoner Handelshaus der City gestern ein Telegramm aus Ostasien, wonach man dort die demnächstige Erklärung des Krieges zwischen Rußland und China erwarte. Bet Lloyds Versicherungsgesellschaft stiegen die Versicherungs­prämien gegen den Ausbruch eines Krieges während der nächsten vier Wochen von 5 auf 10 Guineen pro Hundert. In Charbin versuchten Chungufen die Eisenbahnbrücke zu zer­stören. Die Petersburger Regierung glaubt nach wie vor an keinen ernsten Konflikt, rechnet aber mit fleineren Ueber fällen seitens der Chungusen.

Eine ausgeplünderte Klinik.

Berlin, 25. März. Die Frauenklinik der Charitee wurde von Dieben heimgesucht, denen mehrere hundert Mark Bar­geld, mehrere Sparkassenbücher, Uhren, Armbänder und an­dere Wertsachen in die Hände fielen.

Schwerer Straßenbahnunfall.

Prag, 25. März. In der Vorstadt Lieben riß sich ein Beiwagen der elektrischen Straßenbahn los und rollte einen steilen Abhang hinab. Dabei prallte er auf einen voraus­fahrenden Wagen, wobei zwei Personen lebensgefährlich verletzt wurden.

Abgetriebene Fischer.

Kopenhagen, 25. März. An der Südküste von Island waren 5 Fischerboote mit der gesamten Besabung von 57 Mann infolge eines plöblich eintretenden Schneesturmes auf das offene Meer hinausgetrieben worden. Nachdem sie den ganzen Tag und die folgende Nacht im Schneeorfan auf dem Meer umhergeworfen worden waren, fonnten sie am andern Morgen von einem vorbeifahrenden Fischdam­pfer bis auf einen Mann gerettet werden. Dieser war bei der Rettung zwischen sein Boot und den Dampfer geraten und totgedrückt worden. Die Boote mußten dem Meere preisgegeben werden.

Ein Aeroplan mit 18 Insassen.

O Paris, 25. März. Der Flieger Sommer unter­nahm gestern auf dem Flugfelde von Mouzaine mit zwölf Passagieren an Bord mit seinem 3weidecker einen Flug von über 800 Meter. Das Gewicht der Passagiere betrug 653 Kilogramm. Der Apparat ist mit einem Motor von 70 Pferdefräften ausgerüstet.

Einbruch in ein Munitionslager. Lissabon, 25. März. Gestern abend ist das Muni­tionslager der Militärverwaltung erbrochen aufgefunden worden. Man glaubt, daß viel Munition entwendet wor=. den ist.

Amerikanische Eisenbahuromantik. Neuyork, 25. März. Ein Bandit beraubte in der Nähe von Dennison sämtliche Passagiere eines Schnellzuges ihrer Wertsachen. Aus dem Geldschrank stahlen sechs Diebe 85 000 Marf.

Die merikanischen Unruhen. Nenyorf, 25. März. Die merikanischen Rebellen ver­hängten das Todesurteil über alle, die für die Hinrichtung gefangener Aufständischer verantwortlich sind. Sie bezeich nen das Kriegsrecht als Verfassungsbruch. Zuverlässige Nachrichten besagen, daß der Rücktritt des Präsidenten Diaz bevorsteht und daß durch die Bildung einer liberalen Re­gierung die Revolution zusammenbrechen wird.