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Fünf Tage Zuwachssteuerdebatte.

Die Steuer in zweiter Lesung angenommen.

Am Mittwoch sollte nun endlich die zweite Lesung des Reichsbesteuerungsgeseßes, über der ein Unglücksstern zu walten scheint, zu Ende gehen. Aber noch waren diejenigen Bestimmungen zu erledigen, die Staatssekretär Wermuth, der gleich als erster Redner auf den Plan trat, als die Angelpunkte" des ganzen Gesetzes bezeichnete: die rückwir­tende Kraft, der Wegfall des Grundstücksumsatzstempels und der Termin des Inkrafttretens des Gesetzes, das heißt furz gesagt: der Ertrag. Infolgedessen hielt es der Staats­sekretär, wie erwähnt, für angebracht, noch einmal seine ganze Beredsamkeit aufzubieten, an die mit dem Gesetz ver­bundenen Etatsforderungen für den Heeresbedarf und für dte Veteranen zu erinnern, für die die Aufhebung des Um­satzstempels vor dem 1. April 1914 einen ausreichenden Betrag nicht sicherstellen würde. Er wies darauf hin, daß es fich um einheitliche Vorausberechnungen, um die Durch­führung eines Gesamtplanes für die nächsten drei Jahre handelt. Im gleichen Sinne sprach Graf Westarp als fon­servativer Redner, und auch der nationalliberale Sprecher Dr. Weber wie der des Zentrums Dr. Jäger erklärten, fich von der Notwendigkeit eines längeren Fortbestehens des Umsatzstempels nun doch überzeugt zu haben. Auch der Abg. Dr. Arendt von der Reichspartet stimmte ihnen zu. Wenn man überhaupt finanzielle Erwartungen an das Ge­setz knüpfen wolle, so müsse man wenigstens vorläufig auch das zweite Drittel des Umsatzstempels beibehalten; freilich konnte Dr. Arendt auch hier seinen Pessimismus nicht un­terdrücken, indem er meinte, daß der Stempel bei dem ge­ringen Effekt der Zuwachssteuer wohl sobald überhaupt nicht wieder fortfallen werden. Die rückwirkende Kraft wurde bis zum 1. Januar 1911 bemessen.

mit Ruhe entgegensehen zu können. Daß die Seuche tort unten noch schlimme Opfer fordern wird, ist kaum zu be= zweifeln. Das bringt schon die Lebens- und Wohnungs­weise der Bevölkerung mit sich, vor allem das Zusam= menhausen mit den Ratten. In dieser Beziehung hat die Pest in Indien ein für Europäer beruhigendes und lehrreiches Beispiel gegeben. In Städten, in denen die Krankheit furchtbar hauste, blieben die Europäer von ihr verschont, und wenn man die eingeborene Bevölkerung in Quartiere überführte, in denen das Rattenungeziefer nicht herrschte, so war auch die eingeborene Bevölkerung geschüßter. Der Kampf gegen die Krankheit charaktes hiert sich damit zum Teil auch als ein Kampf gegen die Ratten. Im übrigen besteht eine Anweisung des Bundesrats zur Bekämpfung der Pest, die im Jahre 1902 erlassen wuide.

Eine recht hartnäckige Debatte entspann sich beim§ 55, der dem Bundesrat das Recht gibt, um Stenerhinterziehun gen vorzubeugen, einzelne Teile des Gesetzes außer Kraft zu setzen und Verordnungen zu erlassen, die dem Reichstag nachträglich vorzulegen sind. Hiergegen wandte sich insbe­sondere der Abg. Dr. Weber, der dem Bundesrat einen Spiegel seiner Sünden bei der Ausführung des Talonsteut­ergesetzes, des Branntwein- und des Schecksteuergesebes vorhielt. Auch vom Abg. v. Savigny vom Zentrum wurde davor gewarnt, dem Bundesrat gesetzgeberische Vollmach­ten, die dem Reichstage zustehen, in die Hand zu geben. Der Staatssekretär und sein Unterstaatssekretär wehrten sich Heftig gegen diese Vorwürfe. Nach der Debatte wurde der Paragraph dem Wunsche der verbündeten Regierungen ent= sprechend angenommen.

Bei§ 56a beantragten die Sozialdemokraten und die Volksparteiler Streichung aller Befreiungen. Das Zent= rum will nur die des Landesfürsten und der Landesfürstin bestehen lassen. Bei der Abstimmung über die Abgabenfret­heit des Landesfürsten und der Landesfürstin ist die gleiche Parteigruppierung wie bei der vorigen Abstimmung vor einigen Tagen, nur stimmen die Polen, die damals den Saal verlassen hatten, mit, und zwar für die Abgabenfret­heit. Als Schlußparagraphen beantragten die Sozialdemo= fraten die Aufhebung des Zündwarensteuergefeßes zugleich mit Infrafttreten des Zuwachssteuergesetzes. Für den An­trag der Sozialdemokraten stimmten nur noch die Volks­partei. der Antrag wurde abgelehnt.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Ein Lob der Reichsfinanzreform sprach der württem­bergische Finanzminister gestern bei der Beratung des Hauptfinanzetats im württembergischen Landtage aus. Der Minister betonte: Wer die Zukunft des Reiches auf die direkten Steuern basieren wollte, würde damit einen Weg einschlagen, dessen abschüssige Bahn direkt auf den Einheitsstaat zuführt. Er halte sich für verpflichtet, um so nachdrücklicher darauf hinzuweisen, als schließlich die Steigerung der direkten Steuern des Landes auch ihre Grenzen haben müsse. Wenn die württembergische Re­gierung gegen die Reichsfinanzreform auch noch Bedenken gehabt hätte, so müsse doch anerkannt werden, daß eine gute Reichsfinanzreform der eigenen Finanzreform den Weg gebahnt habe. Niemand könne bestreiten, daß der Wohlstand des ganzen Landes im ganzen genommen größer sei als je zuvor.

Samit war die zweite Lesung des Zuwachssteuergesetzes erlebie! Das Gesetz soll am 1. April 1911 in Kraft treten. In der siebenten Abendstunde begann man dann noch die zweite Lesung des Reichsbesteuerungsgesetzes, die un­ter der Gunst der vorgerückten Zeit schnell und glatt er­Icdigt wurde. Zum Beschluß wurde dann noch auf Antrag des Ako. Beck- Heidelberg( natl.) mit Rücksicht auf die in zahireiden Petitionen gegebenen Anregnngen die Fern­sprechgebührenordnung an die Budgetkommission zurück­verwiesen.

Keine Pestgefahr für Europa.

Für die Reichstagserjahwahl in Allenstein- Rössel an Stelle des verstorbenen Zentrumsabgeordneten Hirsch­berg hat, der Allenst. 3tg." zufolge, das Zentrum den Landgerichtsrat Austen- Allenstein als Kandidaten aufge= stellt. Polnischer Kandidat ist Pfarrer Barczewski­Braunswalde. Die Wahl findet am 27. Februar statt.

Angesichts der aus China so bedrohlich klingenden Nach­richten über die Pest darf um so cher die Frage nach der Größe der Gefahr auch uns beschäftigen, als der äußerste Often durch den Schienenweg der sibirischen Bahn mit un­ferem Weltteil und unserer Kultur jetzt eng verknüpft ist. Der Leiter des Berliner hygienischen Instituts, Geheim­rat Flügge, hat einem Mitarbeiter des B. Lot.- Anz." gegenüber sich über die Situation ausgesprochen und er hat dies in einer Weise getan, die durchaus beruhi­gend wirken muß. Der Gelehrte äußerie:

Bifchen interrichtsverwaltung bereitwillig anerkannt, daß die Bolksschullehrer an fh ein durchaus schätzenswertes Material für diese Pesehung der Schöffen- und Geschwo­renenbank bilden. Der Ausschluß 1 om Schöffen- und Ge­schworenendienst solle in teiner Weise eine Zurüdsezung oder Geringschägung bedeuten, lediglich sachliche Erwä­gungen fären dafür in Betracht.

Jur Interesse der wissenschaftlichen Fortbildung der Lehrer hat der ationalliberale Abg. von Campe im preu­Bischen Abgeords tenhar le fangenden Antrag eingebracht: Die Königliche Satsr- gierung wird ersucht, im Inter­esse des Volksschulwens Cinrichtungen zu treffen, durch welche Bfsschullehrern eine bessere Möglichkeit zu ihrer wissenschaftlichen Forth'dung an preußischen Universitä= ten zum Zwecke der Vorbereitung für den Dienst an Mit­telschulen, in der Leitung von Volksschulen, in der Leh­rerbildung und Schulaufsicht gewährt wird."

In einem Schreiben des Papstes an den Kardinal Fischer, das gestern veröffentlicht worden ist, wird erklärt, die Theologieprofesieren der staatlichen Universitäten seien zwar von der Leistung des Antimodernisteneides ent­bunden, seien aber moralisch verpflichtet, ihn als die er­sten zu leisten, sonst sei ihre Lehre nicht gerade verdam­menswert, aber es zeige sich, daß sie Kirchengegnern folgen, die behaupten, dieser Eid sei gegen die menschliche Würde und Freiheit der Wissenschaft. Die Bischöfe sollten bei der Absehung der Pfarrer, die den Eid nicht leisten, keine Angst vor den weltlichen Behörden zeigen.

Die Besorgnis, daß durch den Schienenstrang, der uns heute direkt mit den von der Pest heimgesuchten Gebieten verbindet, die Gefahr einer Verschleppung und Uebertra­gung vermehrt ist, erscheint mir nicht zutreffend. Die Er­fahrung spricht dagegen, daß Epidemien wie Cholera und Pest dem Schienenweg zu folgen pflegen. Fast ausnahms= Ios geschieht die Uebertragung in fleinen Verkehr vom Menschen zum Menschen. Bei der Pest ist dies noch ans­schließlicher der Fall als bei der Cholera, da bei dieser die Möglichkeit einer explosionsartigen Verbreitung durch das Waffer vorliegt, wie wir dies in Hamburg erlebten. Bei der Pest aber kommt die Uebertragung nur durch unmittel= bare Berührung in Frage. Auf Grund dieser Erfahrungen sind wir vollständig gerüstet, um der weiteren Entwicklung

Der Familienschmuck der Wallutfeffs.

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In der Budgetkommission des Reichstags gab gestern Staatssekretär von Tirpik Erläuterungen über den Un­fall des Unterseebootes, 3" und schilderte eingehend die Rettungsarbeiten. Er erwähnte, daß die Insassen des Turmes genau auf der Stelle gefunden wurden, die ihnen ihre Tätigkeit nach den Manöverrollen zuweist.

Ueber die holländische Küstenverteidigung, die beson= ders in Frankreich und England die Gemüter so heftig bewegt hat, sind die Würfel gefallen. Am Mittwoch hat die holländische Regierung die Vorlage über die Küsten­befestigung in unveränderter Form mit Einschluß der Befestigung Vlissingens wieder eingebracht. Das weitere Schicksal der Vorlage hängt vom Parlament ab. Das Ministerium wird die Vertrauensfrage stellen.

Eine Kandidatur Bassermann. Die Vertreterver­sammlung des nationalliberalen Vereins für den Wahl­freis Saarbrücken nahm einstimmig den Vorschlag einer Kandidatur Bassermann an, so daß die Proklamierung dieser Kandidatur des nationalliberalen Führers ge­sichert ist.

( Nachdruck verboten.) Kriminalroman von Freifrau G. v. Schlippenbach. ,, Aber natürlich, tommen Sie gleich nach unserer An­funft in Neuyork. Mutter und ich, wir werden uns freuen, Sie begrüßen zu können. Bleiben Sie in Neu­york?"

Ich hoffe es," entgegnete White mit mehr Wärme, als er selbst wußte, doch wäre es leicht möglich, daß ich die Stadt verlassen und wo anders hin muß."

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Bei der Einbringung des französischen Kriegsbudgets in der Deputiertentammer wies der Berichterstatter auf die Notwendigkeit hin, die Fortschritte der Industrie und die Entdeckungen nutzbar zu machen, was neue Ausgaben bedinge, namentlich auf dem Gebiete der Funkentelegra phie, der Luftschiffahrt und Flugtechnik; weiter wird auf das Anwachsen des Kriegsbudgets in Frankreich und in Deutschland hingewiesen und hervorgehoben, daß Frank­reich Deutschland nur nachgeahmt habe und sich sogar noch weit hinter ihm halte. Das Kriegsbudget für 1911 er­fordert im Vergleich zum Vorjahre ein Mehr von 28 Millionen.

Im amerikanischen Senat ist auf Veranlassung der staatlichen Einwanderungskommission ein Gesezentwurf eingebracht worden, der die Bestimmungen über die Ein­wanderung verschärft und die volle Verantwortung für die Einwanderung von Ausländern den Schiffahrtsgesell­schaften auferlegt. Die Vorlage sieht schwere Strafen und sogar Beschlagnahme der Schiffe vor für den Fall, daß Ausländer gesehwidrig ausgeschifft worden sind.

Ueber Heer und Marine als Schule der Erziehung zur Männlichkeit schreibt der Hannov. Courier", indem er des Unterseebootsunglücks gedenkt: Und wenn das Unglück auch wieder zu antimilitaristischen" Rodomontaden aus­gebeutet wurde man wird damit herzlich wenig An­flang finden: die Heldentaten des Kommandanten und sei­ner Getreuen, die Ruhe und Disziplin, in der die anderen ihre Rettung erwarteten, sie haben von neuem gezeigt, daß unser Heer, wenn es auch mehr und mehr ein Instrument des Friedens wird, eine Schule der Erziehung zur Männ­lichkeit ist, für die noch keine andere Schulform gefunden ist und der ein sehr beträchtlicher Anteil an den deutschen Erfolgen auf allen Gebieten zugesprochen werden muß. Darum wollen wir an dieser Erziehungsschule nicht rüt­teln lassen.

,, Nun, ich bin überzeugt, daß es Ihnen bei uns ge= fellen wird," rief Mabel eifrig, nirgends fühlt man sich so frei, wie in der amerikanischen Republik, nirgends ist man so weitherzig. Vorrechte der Geburt und Standes­vorurteile gibt es da nicht, erst die Arbeit gewährt die Achtung der Netenmenschen. Reichtum gilt erst dann, wenn Tüchtigkeit damit verbunden ist."

Die schönen Augen Miß Lionels blitzten freudig auf. Sie war reizend in ihrer Begeisterung. Robert White fühlt: wieder das verwandte Element in sich; seine Le= bensansichten deckten sich mit denen der jungen Dame. Er sagte es ihr, und sie gerieten in ein Gespräch, das sie in lebhaftem, anregendem Austausch ihrer Gedanken er­hielt.

Ich habe mich noch gar nicht nach der Hauptsache, nach Ihrem Befinden erkundigt," sagte White. Geht es Ihnen heute besser?"

Die Forderung der Zulassung von Volksschullehrern zu dem Amte eines Schöffen und Geschworenen ist bekannt­lich auch in der Strafprozeßkommission des Reichstages von neuem erhoben worden. Erwähnenswert ist die Er­tlärung, die von der preußischen Unterrichtsverwaltung abgegeben worden ist. Die preußische Unterrichtsverwal­tung bittet, die Frage der Heranziehung der Volksschul­lehrer zum Schöffen- und Geschworenendienst nicht als eine Standesfrage aufzufassen, denn um eine solche han= dele es sich keineswegs, vielmehr werde auch von der preu­

Ja, der Doktor meint, daß ich nach drei Tagen auf­stehen darf. Es ist auch die höchste Zeit, denn ich ent­behre hier unten in der Kabine die frische Luft, die mir Bedürfnis ist," antwortete Mabel.

Und als White sich erhob, um sich zu verabschieden, sagte sie, ihm die Hand zum Abschiede reichend: Bitte, tommen Sie bald wieder, es plaudert sich gut mit Ihnen." Dieses Mal drückte er ihr nur wie einem guten Kame=

.Kleine Nachrichten.

Der kleinste deutsche Bundesstaat ist nach dem Ergeb­nis der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 das Fürsten­tum Reuß ä. 2. Es hat im letzten Jahrfünft um 2013 Ein­wohner zugenommen und zählt jetzt deren 72 616, und zwar 34 695 männliche und 37 921 weibliche.

raden die Hand. Dann ging er auf Deck; rauchend und in tiefes Sinnen versunken, schritt er auf und ab.

Das Ostseebad Heiligendamm wurde bei der gestrigen Zwangsversteigerung an einen Herrn Glühenstein aus Hamburg für 1 500 000 M verkauft.

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Eine heftige Influenzaepidemie herrscht in Salzburg, In den letzten zehn Tagen sind tausend Personen von der Krankheit heimgesucht worden. Die Aerzte sind außerstan de, den an sie gestellten Anforderungen gerecht zu werden. Von 8000 Mitgliedern der allgemeinen Arbeiterkrankens unterstützungskasse sind rund 34% an Influenza erfranft

Die Errichtung einer zweiklassigen Frauenschule haben die städtischen Körperschaften in Danzig beschlossen. Die Schule soll an die bestehende zehnklassige städtische höhere Töchterschule angegliedert werden. Lehrgegenstände sind besonders: Hauswirtschaftslehre, Handarbeit, Kinderpflege, Erziehungslehre und Erweiterung der Allgemeinbildung. Von einer phantastischen Trauung einer Miß Shelton im Luftschiff in einer Höhe von 800 Metern wird aus Teras berichtet. Die Trauung des jungen Paares fand über den Wolfen statt. Nach der Trauung legte die ganze Gesellschaft noch 35 Meilen in der Luft zurück und stieg dann nieder, um in einem Hotel das Hochzeitsdiner einzunehmen.

,, Diese Bekanntschaft wird mir von unberechenbarem Nuzen sein," dachte der Geheimpolizist. Ich komme da= durch mit der guten Gesellschaft von Neuyork in Be­rührung. Ich vermute, daß Meyer nach dem Verkauf des Schmuckes versuchen wird, eine Rolle zu spielen; aber viel­leicht können Wochen vergehen, ehe ich ihn in der Riesen­stadt auffinde. Das erste, was ich tun muß, ist zum Leiter der Neuyorker Detektivpolizei zu gehen und ihn zu bit­ten, mir einen seiner findigsten Angestellten zu über­lassen. Mit dessen Citskenntnis und Hilfe werde ich bald erfahren, ob Meyer in der Stadt ist oder nicht."

Das Geheimnis der alten Kommode. In Edesheim in der Rheinpfalz hat der Tünchermeister Habermehl in einer ersteigerten alten Kommode 4000 M gefunden, auf deren Herausgabe ihn jetzt die Erben eines Gutsbesitzers ver­flagt haben, aus dessen Nachlasse die alte Kommode stammt. Ein Massenausbruch von religiösem Wahnsinn wird aus den Kreisen Tiraspol und Ananjew im russischen Gon­vernement Cherson gemeldet. Der Urheber ist ein Mönch namens Innofenti. Infolge seiner fanatischen Predigten sind in den letzten Tagen 10 Bauern an religiösem Wahn­sinn ins Irrenhaus eingeliefert worden.

Jeden Tag verbrachte White jetzt einige Stunden in dem kleinen Salon bei Miß Lionel. Er las ihr vor, lachte und plauderte mit ihr, sie fanden gegenseitiges Wohlge­fallen an ihrer Gesellschaft. So schnell und scheinbar leicht sich die Bekanntschaft der beiden jungen Leute angeknüpft hatte, so war doch White zu sehr Gentleman, um irgend einen Nutzen für sich persönlich daraus zu ziehen, auch wenn das Wesen der Amerikanerin weniger achtungge­bietend gewesen wäre. Es lag teine Spur von Gefall­sucht in ihrer Art und Weise, vielmehr eine herbe Jung­fräulichkeit, die eine gewisse Grenze zog, die nicht über­schritten werden durste. Dabei sprach Mabel in einer ru­higen, schlichten Art über manches Thema, das sonst in der Unterhaltung von jungen Europäerinnen ängstlich ver­mieden wird.

Auf einen Eisenbahnzug geschossen wurde auf der Strecke Löwenberg- Stgersdorf in Schlesien. Die Kugel durchschlug ein Wagenfenster und verletzte einen jungen Mann sehr schwer, sodaß er ins Krankenhaus transportiert werden mußte.

,, Weiß Gott," dechte Robert White oft, Miß Lionel ist gerade so, wie ich mir immer das Ideal der Frau vor­gestellt habe. Glüdlich der Mann, der einst ihre Liebe gewinnen wird." Ein Seufzer begleitete diese Worte.

Ein gefährlicher Expresser wurde in Leipzig festgenom­men. Der Mann, ein 50 Jahre alter, bereits wiederholt vorbestrafter Maler, hatte an mehrere dortige Familien, darunter einen Professor, hohe Geldforderungen gerichtet

Mabel war ein halbes Jahr in Paris bei Bekannten gewesen. Nun fehrte sie in ihre geliebte Heimat und zu ihrer Mutter zurück, an der sie mit kindlicher Zärtlich­keit hing. Auf die starken Arme ihres Freundes gestützt so nannte Mabel Robert, wenn sie an ihn dachte

betrat sie nach einigen Tagen das Deck und nahm auf einem der bequemen Schiffsstühle Play. Man näherte sich ihr und erkundigte sich nach ihrem Befinden. Reisende auf einem Schiff sind wie eine große Familie, man schließt sich leichter aneinander, als auf dem Festlande. Auch White hatte schon in der kurzen Zeit recht viele Bekanntschaften gemacht und Näheres über Mitreisende erfahren. Er fand das Leben auf der Virginia" sehr angenehm und freute sich, daß er es so gut getroffen hatte.

,, Wissen Sie, wer Miß Lionel ist?" fragte ein alter Herr, ein Neuyorker Kaufmann, eines Tages Robert. Eine ebenso schöne als liebenswürdige junge Dame," entgegnete White lachend.

Und nebenbei eine der reichsten Erbinnen von Neu­york," sagte der Kaufmann, ein gewisser Mr. Kirkmann. ,, Unsere jungen Leute holen sich zahlreiche Körbe von ihr; sie scheint sehr wählerisch zu sein."

White tat, als ob ihn das gar nicht interessierte, aber ein Gefühl der Enttäuschung beschlich ihn.

Warum sind Sie heute so ganz anders wie sonst, Mr. White?" fragte ihn Mabel. Sie fazen etwas ab= seits von den übrigen Reisenden. Das Meer war unru­hig, seine mächtige Brust hob und senkte sich, das Wetter, das bisher gut gewesen war, schien umzuschlagen. ,, Fürchten Sie sich vor der Seefrankheit?" neckte Mas bel ,,, ich werde Sie dann pflegen, ich bin seefest." Jch auch," enigegnete White, und er schüttelte seine Verstimmung gewaltsam ab, sich bemühend, heiter und unbefangen zu erscheinen.

Das scharfe Beobachtungsvermögen der jungen Ame rifanerin ließ sich aber von dieser Maste nicht täuschen. ,, Er hat einen stillen Kummer," dachte ste, und das Mit­leid schlich sich in ihr Herz. Sie war bemüht, ihn zu er heitern.

( Fortsetzung folgt.)

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