Ausgabe 
26.10.1911 Erstes Blatt
 
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nen ein, eine andere Eisenbahngesellschaft mehr als 10| Mintonen. Erwähnt möge in diesem Zusammenhange auch werden, daß im Jahre 1885, als der 18. März auf einen Freitag ftel, die Pariser Theater 12 Millionen M weniger einnahmen, als am Vorabende.

überfallen. von tollen Wölfen Ein Dorf Das Dorf Ptalowo im Bezirk Jeniffeist( Sibirten) erelebte jüngst einige furchtbare Tage. Unter den Wöl­fen des nahen Waldes, die sich allgemein im Sommer nicht aus dem Walddickicht zu kommen getrauen, war die Tollwut ausgebrochen, und sie stürzten in einer un­geheuren Zahl auf die Felder, wo die Bauern mit Land­arbeiten beschäftigt waren. Viele der Bauern wurden von den Wölfen furchtbar zugerichtet, und nur wenigen gelang es, zu entfliehen. Heulend stürzten ihnen die Wölfe nach und überfielen das ganze Dorf, dessen Be­wohner sich voll Schrecken in die Häuser flitchteten. Ster wurden sie regelrecht von den Wölfen belagert, deren Seulen fortwährend bet Tag und Nacht die Luft durch­füllte. Nur sehr wenige Bauern verfügten über Waffen. Einer von ihnen schoß ungusgefekt auf die Wölfe, dte im ganzen Dorfe viel Schaden anrichteten und eine Menge von Pferden niederrissen. Wenn der Bauer auch fast mit jedem Schuß einen Wolf niederstreckte, so war thre Zahl doch so groß, als daß er ihrer hätte Herr wer den können, zumal er nur durch die Luke seines Stroh­daches schießen konnte. Da fam dem Dorfe von anderer Seite eine unerwartete Hilfe. Durch die fortwährenden Schüsse der Bauern wurde eine Abteilung Soldaten, die in der Nähe des Dorfes manövrierte, herbetgerufen. Der Offizter, der die Soldaten befehltgte, wollte sich nach dem Grunde der Schüsse erfundigen. Kaum waren fie In die Nähe des Dorfes gekommen, als einige tolle Wöl­fe gegen sie zurannten. Die Soldaten, die die große Ge fahr erkannten, in der das Dorf schwebte, legten sofort an und schossen nach und nach alle Wölfe nieder. Erst Jebt, im Schuße der Soldaten, getrauten sich die Bauern wieder, ihre Hütten zu verlassen und ihrer Arbeit nach­zugeheit.

Das Cknefairr als Erkrankungsursache. Eine et­was peinliche, aber trotzdem sehr nützliche und notwen­bige Auseinandersetzung veröffentlicht Brofessor Ritschl aus Freiburg in der Münchener Medizinischen Wochen­schrift" über die Gefahr einer Krankheitsverbreitung durch Eßgeschirre. So viel heute bereits jeder Gebildete von Grundsäßen der Gesundheitspflege gelernt hat, so wenig ist man auf diesen wichtigen Zusammenhang bis­Her aufmerksam geworden. Wenn jemand in der Fa­mille frant geworden ist, wird wohl selten in einem Sause daran gedacht, den von dem Kranken benutten Eßgeschirren eine befondere Sorgfalt zu widmen, selbst wenn man vor der Ansteckung eine solche Angst hat, daß die übrigen Familienglieder sich von dem Ertranften möglichst fern halten. Die Verwunderung ist dann oft o groß, wenn dennoch die Ansteckung sich verbreitet. Es Ist wahrscheinlich noch in feinem einzelnen Fall bewies [ en worden, liegt aber sehr nahe, daß die Ansteckung burch das Eßgeschirr erfolgt ist. Auch wenn bei dessen Reinigung in der Küche gewohnheitsgemäß alle Regeln befolgt werden, die eine anständige Sauberkeit verlangt, genigen sie doch nicht, wo es sich darum handelt, Krank­heitsfeime unschädlich zu machen. Sind solche auf einen Teller gelangt. so gehen sie in das Spülwasser über und fönnen sich mit diesem auf andere Teller verteilen und auf diesen bleiben, wenn die Trocknung nicht mit der äußersten Beinlichkeit erfolgt. Dasselbe gilt selbstver= ständlich für Gläser, Messer und Gabeln. Dagegen gibt es nun ein sehr einfaches Mittel, das stets angewandt werden sollte, sobald eine ansteckende Erkrankung in der Familie eingetreten ist. Man halte das von dem Kranten benutte Geschirr gesondert und lasse es vor der eigentlichen Abwaschung einige Zeit im kochenden Wasser liegen.

Augenehme Mittellnng. Barbiersgattin( den Frem­den betrachtend, den thr Mann soeben rasiert hat): Schau, verlernt hat er's doch nicht in den zwei Jah­ren!" Ihr Mann war wohl frank?"" Natürlich, der ist erst gestern wiedergekommen, der war ja zweł Jahre wegen Tobsucht im Frrenhaus!"

Nicht ber Richtige. Ste: Es wird wirklich Rett, daß unsere Elfe sich nach einem Mann umsteht. Aber sie fcheint gar keine Lust zum Heiraten zu haben." Er: Laß nur! Sie wird schon wollen, wenn der Richtige tommt."- Sie: Ach was, ich habe auch nicht so lange gewartet!"

Wie wird der Winter werden?

Nach dem außergewöhnlichen Sommer dieses Jah­res fürchten oder hoffen viele Leute einen ebenso außer= gewöhnlichen Winter. Beſteht nun trgend ein Zusam= menhang zwischen dem Winter und dem vorangegan= genen Sommer? Ein Mitarbeiter des Gaulots" hat diese Frage und im Anschluß daran die nach dem kom= menden Winter verschiedenen Fachleuten in Paris vors gelegt. Zuerst suchte er Herrn Angot, den Letter des meteorologischen Institutes, auf. Diefer wollte zuerst nicht recht mit der Sprache heraus, schlteßlich jedoch er­klärte er, die Meteorologie set nicht imstande, auf längere

" Worüber?" fragte Emmt hart.

" Nun, Du brauchst nicht gleich ungehalten zu sein. Stehst Du, das ist auch ein Zeichen Deiner neuerlichen Nervosität, die mir gar nicht an Dir gefällt. Und woher tommt sie? Nur von Deinem übergroßen Interesse fitr Doktor Waldow. Nach Deinen Mitteilungen, die Du mir über ihn gemacht hast, möchte ich Dich aber heute noch einmal bitten, Dich doch ernstlich zu prüfen. Einen Manu, der eine solche Vergangenheit hat und gegen den solche Untersuchung geführt wird-"

Schweig! Schwetg, Vater," rtef Emmi. Ihr Ant­lizz war blutrot geworden.

Unterbrich mich nicht!" fuhr er ruhig fort. Ich weiß, Du bist nicht bloß unsere gute, Itebe Tochter, Du bist auch unsere Kluge Tochter, bet der nicht das Herz ganz mit der Verstand durchgehen wird. Ein solcher Mann-"

Nein, nein" unterbrach fie thn wieder, sprich nicht in diesem Ton von ihm, Iteber Bater! Er ist nicht ein beliebiger Mann für mich, er ist der erste und der ein­Bige Mann, den ich wahrhaft Itebe und immer lieben werde. Ja, daß Ihrs nur wißi, ich liebe thn mit der ganzen Kraft meines Herzens und meines Verstandes und werde niemals von thm lassen, und wenn sich auch die ganze Welt gegen thn verschwören und Steine auf ihn werfen sollte."

" Nun, so schlimm, wie Du es da machst, ist es ta noch gar nicht. Die gravierenden Momente gegen ihn sind gering, und wie auch seine Aussage fallen möge, man wird thn in kurzem wieder fretlassen müssen. Das ist meine Ueberzeugung. Ich für meine Person halte thn auch für völlig frei von feder Schuld. Wie steht es aber mit der Welt, ich meine mit den lieben Mitmen= schen? Ste denken durchaus nicht darüber nach, was fie dem andern durch thre bösen Zungen antun, son­dern sehen nur die nackten Tatsachen und richten danach thr Verhalten ein. Und diese Tatsachen sind hier offen­

Befr hinaus das Wetter vorauszusagen, während sie auf 1-2 Tage die Wetterveränderungen manchmal mit einiger Sicherheit vorausbestimmen fönne. Er fügte hinzu, einen Zusammenbang zwischen Sommerwetter und Winterwitterung habe die Meteorologie bisher nicht erkennen können, und zum Beweise dafür holte er folgende Tatsachen aus alten Wetterberichten hervor: Im Jahre 1876 war der Sommer sehr warm, und der darauf folgende Winter war wärmer, als alle Winter der letzten 25 Jahre. Die Durchschnittstemperatur_war beinahe vier Grad höher als sonst! 1879 war der Som­mer falt und der Winter war sehr streng. 1877 war der Sommer ebenfalls warm, und es folgte ein stren­ger Winter, 1899 folgte auf einen sehr warmen Som­mer ein Durchschnittswinter, während im vergangenen Jahre auf den verregneten, fühlen Sommer ein ganz nasser und warmer Winter folgte.

Der Astronom Flammarion war der nächste, den der Partser mun befragte. Jedoch wußte Flammarion auch nichts Bestimmtes mitzuteilen. Zwischen Astrono­mte und Wetterkunde bestände kein Zusammenhang, je= doch das wußte er auch, daß kein Meteorologe auf lange Beit das Wetter vorar'ssagen könne. Im übrigen schloß er sich ganz der Meinung Angots an. Nun wollte der Neugierige, der feinen Lesern doch gerne Sicheres mit­geteilt hätte, beinahe verzwetfeln. So ging er denn zu der Hellseherin Frau Marpha, und bet thr erfuhr er denn auch endlich die Wahrhett. Bunächst schien es zwar, als wetsfage fte lieber über Liebesangelegenhet­fen, als über das Wetter, schließlich jedoch behauptete fie, fie tönne alles weissagen( was fa auch stimmt!), und darauf holte sie ein sehr beschmutztes Kartenspiel hervor, dessen einzelne Blätter sie nun auf ihrem grü­nen Tisch vor sich ausbreitete. Die Karten lügen nie, meinte sie; dann saß sie etwa eine Viertelstunde über thr Kartenspiel gebeugt, und zuletzt verkündigte sie mit freudiger Bewegung, wie der Winter werden würde: " Der Winter, mein Herr, wird weder warm noch falt, weder trocken noch regnerisch, meder feucht noch windig. Es wird ein Winter werden wie ieder andere

wenn

er nicht anders wird. Das fostete 5 Franken." Der Mann bezahlte und ging mit diesen sicheren Nachrichten in der Tasche davon.

Der Liebesroman des Erzherzogs.

Dem Beispiel der Erzherzoge Salvator und Lev­poló Salvator, die alle ihre Würden niederlegten, um unter dem Namen Orth und Wölfling als Privatleute zu leben, ist jetzt, wie bereits telegraphisch gemeldet, ein weiteres Mitglied des österreichischen Kaiserhauses ge= folgt.

Erzherzog Ferdinand Karl, der Sohn des dritten Bruders des Kaisers Franz Josef, Karl Ludwig, und der Erzherzogin Maria Annunziata, ein Bruder des Thronfolgers Franz Ferdinand, ist seit Jahren heim­lich mit der Tochter des Rektors der Wiener Technischen Hochschule, des Hofrats Czuber, verlobt. Schon einmal hieß es, daß er, um die Dame heiraten zu können, auf seinen Rang verzichten wolle. Mencrdings hat der Erz­herzog nun von Schloß Rautenstein bei Meran aus, wo er wegen seiner angegriffenen Gesundheit weilt, an den Kaiser Franz Josef die Bitte gerichtet, ihm jetzt den Verzicht zu gestatten. Wie nun mit Bestimmtheit ver­sichert wird, hat der Kaiser diesmal setne Zustimmung gegeben, und gleichzeitig dem Erzherzog, da er mit dem Verzicht seine Einkünfte aus Mitglied des Kaiserhauses verliert, aus seiner Privatschatulle eine jährliche Rente von 40 000 kronen ausgesetzt, die allerdings nur so lange gesichert ist, als der Kaiser lebt.

Diese Meldung wird von dem Oberhofmeisteramt einstweilen nicht bestätigt. Dagegen lehnt die Familie der fünftigen Gattin des Erzherzogs eine Auskunft da= rüber in einer Weise ab, die einer Bestätigung völlig gleich kommt, indem sie erklärt, weder bestätigen noch de­menfieren zu können; man möce ruhig die offizielle Ver­

Erzherzog Ferdinand Karl, der im 46. Lebens­fahre steht, wird als Privatmann den Namen Burg" annehmen. Er machte die Bekanntschaft des Fräulein Czuber vor zehn Jahren, als er in Prag in Garnison stand. Hofrat Czuber war damals Professor für Mathematik an der Prager deutschen technischen Hochschule und wurde, als die Beziehungen zwischen seiner Tochter und dem Erzherzoge bekannt wurden, nach Wien an die technische Hochschule verseßt, während der Erzherzog in Prag bleiben mußte. Gleichwohl hat man ihn vor etwa acht Jahren sehr häufig in Wien ge= sehen. Der Erzherzog ist vor fünf Jahren aus der Ar­mee ausgetreten und hat sich ins Privatleben nach Schloß Rautenstein zurückgezogen. Die Braut ist 31 Jahre alt und gilt als Schönheit.

Heute wird zu der Angelegenheit noch aus Wien gemeldet: Nachdem die katferliche Zustimmung erfolgt war, gab der Erzherzog bekannt, daß der Chebund be­retts in der Schweiz geschlossen set, wo das Paar zur­zeit weilt. Der Hofstaat des Erzherzogs ist aufgelöst. Der Erzherzog legte seine österreichische Generalmajors­charge sowie die preußische Regimentsinhaberschaft nte­

fundig genug. Der Dokter stet den Nad forschungen nach dem Täter eines schweren Verbrechens zur Un­tersuchung gezogen worden. Ich sage nicht unterfu­chungshaft, denn dazu wird es jedenfalls nicht kommen. Was werden aber die Leute später sagen? Einzelheiten, Entschuldigungsgründe und dergleichen, das alles wird threm Gedächtnis entschwinden ind es wird einfach het­Ben: Aha, der Doktor, der schon einmal in Untersu­hungshaft geseffen hat! So wird thm für immer ein Makel anhaften, und es wird thm sehr schwer werden, fich wieder eine seinen Kenntnissen und seiner Bega­bung entsprechende Stellung zu erringen. Seine Pra­rts, fein bißchen Ruf, das er sich erworben hat, ist sicher fetzt schon vernichtet, und er muß wahrscheinlich wieder ganz von vorn anfangen. So, das war's, was ich Dir zu bedenken geben wollte."

" Ja", ergänzte die Mutter, das tst auch ganz meine Meinung. Du weißt nicht, Emmt, wo Dir noch ein wirklich reines Glück erblühen kann."

" Das weiß ich sehr wohl, Mutter. Nur an seiner Sette und sonst nirgends. Ich werde ihm zur Sette ste= hen, thn verteidigen, und dazu habe ich bereits heute den ersten Schritt getan, denn ich komme soeben vom Untersuchungsrichter."

Da bist Du gewesen?" rtef der Vater erstaunt. " Und zu welchem Zweck?"

,, im thm alles zu erzählen, was mir von den frit­Heren Beziehungen des Doktors zu Frau von Marie­ben bekannt war, weil Du Dich weigertest, es zu tun, Vater, und um dadurch den Doktor zum Geständnis zu bringen, auf welche Weise er in den Besiz jenes Gel­des gelangt tſt. Denn ich bin fest davon überzeugt, daß nichts Unehrenhaftes dabet im Spiel gewesen tst.

Schön", erklärte der Vater ,,, nehmen wir einmal an, der Doktor ist wieder zurückgekehrt, und Ihr het­ratet Euch nach einiger Zeit! Wie dentst Du Dir denn eigentlich die Weiterentwicklung Eures Lebens? Hier tst er so gut wie unmöglich."

der. Aus der diste der Herrenhausmitglieder und Bließ­ordensritter ift er gestrichen worden. Er plant in der Schweiz ständigen Aufenthalt zu nehmen.

Das Ringen um Tripolis.

Den Jtaltenern wird das Leben in Afrika herzlich schwer gemacht. Sie haben sich das Stegen doch etwas leichter vorgestellt. Jest zeigt es sich, daß die Türken achtunggebietende Geguer find. Sobald sie den Italie nern auf dem Lande gegenüberstehen, werden sie zu äußerst gefährlichen Gegnern. Nur wenn die Flotte ihr donnerndes Wort mitzureden hat, müssen sie sich zurück­ziehen. Zu den bisher stets gefärbten Nachrichten vom Kriegsschauplatz, die italienische Blätter brachten, gefel­len sich jetzt Berichte deutscher Spezialberichterstatter, und aus ihnen ersteht man mit Erstaunen, daß in den italienischen Meldungen stets nur der Wunsch der Vater des Gedankens war, und man wird sich erinnern, daß die Araber als besonders ita­lienfreundlich bezeichnet worden waren. Doch stehe, ste ziehen aus allen Himmelsrichtungen gegen die Italiener. So ist es jüngst in der Nähe von Bumelina zu einem Gefecht gekommen, bei dem die Italiener zwar das Feld behaupten konnten, doch nur, weil die Flotte mit thren Schiffsgeschüßen in Aftion trat. In einem ent­scheidenden Augenbita ftelen auch aus der Stadt Tripo­lis Schliffe auf die Italiener, was als unzweifelhafter Beweis gelten kann, daß auch die bereits unterworfenen Araber mit den Türken gegen die Italiener gemeinsame Sache machen.

Nachrichten, die im türkischen Kriegsministerium eingelaufen sind, besagen, daß bisher die Gesamtverluste bet den Kämpfen in Tripolis und Kyrenaita auf ita­Itenischer Sette 2000 Tote und Verwundete, darunter 100 Offiziere, betrage. Die Türken verloren zusammen mit den Arabern 250 Mann, zwei türkische Offtztere wurden getötet. Diese fitrkischen Angaben scheinen aber doch ein wenig gefärbt zu sein.

Die wirtschaftlichen Schäden für Italien." Die in Rom einlaufenden Nachrichten über die Ver­Inste des italienischen Levantehandels lauten trostlos. Die gesamte Schiffahrt von den italienischen Häfen nach dem Orient mit Einschluß Aegyptens ist eingestellt, in­folgedeffen herrscht in Genua, Neapel und Venedig un­ter den Dockern bereits jetzt bittere Not. Ferner nehmen die norditalienischen Fabriken, die für den Ortent ar­beiten, umfangreiche Arbeiterentlassungen vor.

Fanatismus eines Tripolitaners.

Tripolis, 25. Oktober. Der eingeborene Diener des deutschen Konsuls ist gestern erschossen worden, weil er einen italienischen Soldaten durch einen Dolch­stich verlegt hatte. Der Konsul übergab den Täter selbst den ttaltenischen Militärbehörden.

Drabtnachrichten und neuestes.

Kaiser Franz Josefs Befinden.

Wien, 25. Oktober. Katser Franz Josef hat die lette Nacht gut verbracht und sich zur gewohnten Stunde erhoben. Er hörte vormittags Vorträge. Von einem Unwolsein kann zu einer Beit, wo der Schnupfen all­gemein herrscht, nicht die Rede fein.pien

Politisches Attentat in Aegypten.

London, 25. Oktober. Aus Kairo wird gemel­det: In Heliopolis bet Kairo explodierte gestern eine Bombe, die an einigen Gebäuden Schaden anrichtete. Verletzt wurde niemand. Die Explosion erfolgte nach einer anttitalienischen Kundgebung, die in demselben Stadtteil stattgefunden hatte.

Die Lehren der Liberté- Katastrophe.

Paris, 25. Oktober. Marineminister Delcassee hat an alle Admirale und Schiffskommandanten die Mitteilung gerichtet, daß er eine völlige Umgestaltung der bestehenden Vorschriften über den Wach- und Stcher­heitsdienst auf den Kriegsschiffen angeordnet habe.

Der Bürgermeister von Rom verunglückt. Turin, 25. Oftober. Der Bürgermeister von Rom, Nathan, tam bei einem Besuche in der elektrischen Bentrale einem Kabel zu nahe und fiel mit einem Auf­schrei zu Boden. Er war von einer Ohnmacht befallen worden. Seine linke Hand wies starke Brandwunden auf.

Cook in Kopenhagen.

Kopenhagen, 25. Oftober. Bet dem gestrigen Vortrage des Nordpolentdeckers Cook tam es zu gro­Ben Skandalszenen. Der frühere Freund Cooks, Dr. Norma- Hansen, der ihm seinerzeit bet seiner Ankunft in Kopenhagen seinen glänzenden Empfang berettet hatte, protestierte dagegen, daß Cook es wage, in Ko­penhagen öffentlich zu sprechen. Dr. Hansen wurde von den Begleitern Coots hinausgeworfen. Turbulente Szenen spielten sich ab. Zum Schluß des Vortrages aber wurde demonstrativer Betfall von einer großen Menge inszeniert.

" So wird er sich wo anders niederlassen." Und Du willst auch dorthin?" Gewiß!"

Mein Kind will mich verlaffen!" rief die Brutter aufgebracht.

Emmt schlang thren Arm um ihren Hals: Liebe Mutter, so sehr ich auch eine aufgeflärte Tochter der neuesten Bett bin, so verehre ich doch die ewigen Sat­zungen, wie sie tin Buche der Bücher niedergelegt sind. Und da steht: Das Weib soll Vater und Mutter ver­laffen und soll dem Manne nachfolgen."

Na," lachte der Justizrat, der in der Häuslichkeit feder Sache gern eine heitere Wendung gab ,,, Du gehst etwas scharf ins Zeug, Itebe Emmt! Sowett sind wir doch noch nicht! Warten wir Iteber ab, was noch kom­men wird und wie der Doktor bei der ganzen Sache ab­schneidet."

" Ich habe diese Auseinandersetzung nicht veran= laßt," erklärte Emmi schmollend.

,, But, mein fluges Troßköpfchen foll recht haben! Ich bin der Schuldige und will deshalb auch wieder da­von ablenken und zu einem anderen Thema übergehen. Kannst Du Dich für heute abend recht hübsch machen und Deinen Geist leuchten lassen? Ich habe Herrn von Marleben zu uns gebeten. Der junge Mann muß ein wenig zerstreuung haben, damit er keine melancholt­schen Anwandlungen bekommt. Es kann ja etnem in die Seele hinein leid tun, wenn man an das traurige Geschick denkt, das thr betroffen hat. Kommt aus der neuen Welt herüber, um seinen Vetter nach langjäh= riger Trennung wieder zu sehen, und gleich darauf muß thn dieser Schlag treffen!"

( Fortsetzung folgt.)