Ausgabe 
26.10.1911 Erstes Blatt
 
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Aus den Parlamenten.

Deutscher Reichsiaq.

Das Ergebnis der ersten elfaẞ- lothringischen Wah­len nach der neuen Verfassung ist bisher erfreulich, bef= fer als man hoffen konnte. Daß die nationalistische Bes wegung, die dort der Hauptfeind ist, so sehr zurückflauen würde, war nach dem Urteil von Männern, die die Ver­hältnisse genau kennen, nicht einmal anzunehmen. Zwet threr Chefs, Preiß und Blumenthal, sind in die Stich= wahl gedrängt und da sie Demokraten und Sozial­demokraten gegen fich haben, die sich natürlich einigen werden, sind die beiden Nationalisten schon so gut wie geschlagen. Der dritte Hauptführer dieser Bewegung, Wetterle, ist in einem Krets gewählt worden, der von vornherein als unzweifelhaft sicher feststand. Wenn man übrigens die erzielten Stimmenzahlen der Na­ttonalisten in den 6 Straßburger Kretsen sich ansteht, so ist es wohl als überraschend zu bezeichnen, daß das höchste Ergebnis dort nur 376 Stimmen, das niedrigste gar 110 beträgt.

Die Berhältnisse in Merits haben sich noch immer nicht befestigt. Nach Washingtoner Meldungen ver­suchen die Anhänger des Expräsidenten Diaz. deren Führer General Reyes ist, den neuerwählten Präsiden­ten Madero zu stürzen, ehe dieser sein Amt for= mell übernommen hat. Die Washingtoner Regierung hat Vertrauen in Maderos Ehrlichkeit und Tüchtigkeit, fürchtet aber, daß Mexiko sehr stürmischen Beiten ent­gegengeht.

Amontag beschäftigte sich der Reichstag mit den Interpellationen des Zentrums, der fortschrittlichen Boltspartet und der Sozialdemokratte über die Tenes rung der Lebens- und Futtermittel, die vom Reichstanz­ler v. Bethmann Sollweg sofort beantwortet wurden. Er wies zunächst unter dem lebhaften Beifall der Rech­ten die von den Sozialdemokraten verlangte 3Bollsuspens sion energisch zurück und wandte sich dann gegen die tebertreibungen der Presse, die dazu beitrügen, die De­tailpreise in die Höhe zu treiben. Dann wies der Neichs­Kanzler auf die Maßnahmen der Regierung hin: Fracht­ermäßigungen, Unterstübung der kommunalen Bestre­bungen, zum Beispiel Erleichterung des Seeftschver­faufs. Gerade die Kommunen könnten ein übermäßt­ges Anwachsen der Detailpreise hindern. Gemis, unsere hobanahaltung set verteuert, aber auch verbessert wor­den, so erklärte der Kanzler. Für ihn sei die entschlossene Festhaltung der bisherigen Wirtschaftspolitik Pflicht ge= gen das Land, und er werde sich durch keinen Angriff in der Ueberzeugung irre machen lassen, daß er damit auf dem richttgen Wege set. Am Dienstag wurde die Besprechung der Interpellationen fortgesetzt. Der prents Bische Landwirtschaftsminister Frhr. v. Schorlemer griff nach Ausführungen der Abgg. Fuhrmann( ntl.) und Hoeffel( Reichsp.) mit einer langen Rede in die Debatte ein. Zur Frage der Fleischteuerung bemerkte der Mi­nister: Ich bin nicht gesonnen, eine Zeuerung ganz in Abrede zu stellen. Auch der landwirtschaftlichen Verwal­tung liegt eine Herabseßung der Breise für Lebensmittel am Herzen. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen mir und einem großen Teile des Hauses beziehen sich nur auf die Mittel und Wege. Drei Fünftel des Verbrauchs an Fleisch gerade der ärmeren Bevölkerung wird durch die Schweine gedeckt, deren Preise nicht gestiegen, sondern gefallen sind. Aber die geringen Schweinepreise haben in den Schweinefleischpreisen nicht überall den entspre= chenden Ausdruck gefunden, worauf ich die Oberpräst­denten aufmerksam gemacht habe. Ich bin auch mit den städtischen Verwaltungen in Verhandlungen eingetre­ten, ob auf die Fleischermeister nicht entsprechend ein­gewirkt und nötigenfalls auch unter Umständen der Verkauf von Schweinefleisch direkt an die ärmere Be­völkerung in die Hand genommen werden kann. Der Minister schloß: Wir haben alle Veranlassung, mit Ruhe und auch ohne allzu große Sorge in die Zukunft zut blicken.( Lebhafter Beifall rechts.) Nach weiterer De­batte, in der die Abgg. Vogt- Grailsheim( w. Vg.) und Heine( Str.) sowie Staatssekretär Wermuth das Wort ergriffen, wurde eine Weiterbesprechung auf Mittwoch vertagt.

Rundschau oom Cage

Politisches

Der Kaiser hörte am Dienstag vormittag im Neuen Balats bet Potsdam die Vorträge des Chefs des Mt­Ittär- und des Marinekabinetts, sowie des Admiral­stabs der Marine. Später nahm der Kaiser an der Barforcejagd in Döberib teil und begab sich darauf nach dem königlichen Schlosse in Berlin.

Kleine Nachrichten.

Raiser Franz Josef leidet an einem leichten Schnup­fen, der wahrscheinlich die Folge seines Aufenthaltes in Schwarzau ist. Obwohl der Schnupfen ganz leichter Na­tur ist, Iteß sich der Kaiser zur größten Schonung be= stimmen.

Witwenunterstützungen in Ariegervereinen. Der Deutsche Kriegerbund hat am 22. Oktober, dem Geburts­tage der Kaiserin, auf Antrag der Vereinsvorstände 43 500 Mark Unterstützungen an hilfsbedürftige Kame= radenwitwen gezahlt.

Der Vorstand der Deutschen Rolonialgesellschaft hat zur Marokkofrage einstimmig eine Rundgebung be­schloffen, in der es u. a. heißt: Entschieden zurückzu­welfen ist fede Entgegennahme einer Gebietsabtretung, die unrentabel sein und finanzielle Lasten im Gefolge haben würde. Als eine unerhörte zumutung an das deutsche Volk muß der von französischen Blät­tern verbrettete Gedanke zurückgewiesen werden, daß Deutschland sich aus seiner wichtigen Stellung in Ma­roffo zurückzieht, für Feßen unbrauchbaren Landes Millionen an französische Ausbeutungsgesellschaften zahlt und obendrein Togo oder Nordkamerun an Frank­reich abtritt."

Vermischtes.

Die Kaiserin als Schützenfönigin. Die Katserin hat die ihr seitens der Schützengilde in Labes in Pommern angetragene Würde eines Schüßenkönigs angenommen und der Gilde etne medaille verliehen, die an schwarz­weißem Bande um den Hals zu tragen ist. Die filberne Medaille, in Größe eines Fünfmarkstücks, zeigt im Hauptrelief das diademgeschmückte Brustbild der Kat ferin mit dem Bande des Schwarzen Adlerordens. Dte Umschrist lautet: Auguste Vittoria, Kaiserin und nigin." Auf der Rückseite befindet sich etn Etchenfor beerkranz mit der Inschrift: Der Schützengilde in La­bes. 1911."

Der Großschiffahrtsweg Berlin- Stettin foll im Frühjahr 1913 dem Verkehr übergeben werden. Fracht­dampfer von 65 Meter Länge, 8 Meter Breite und 1,75 Meter Tiefgang sowie einem Schraubentiefgang von höchstens 1,40 Meter follen zugelassen werden.

Die Belastung des Retches aus den auf Grund des Invalidenversicherungsgesetzes zahlbaren Renten wird im kommenden Etatsjahr die Höhe von rund 55 Mil­lionen Mark ereichen. Das Retch wird nach ober­flächlicher Berechnung am 1. Januar 1912 rund 1000 000 Invalidenrenten und über 100 000 Altersrenten laufen haben.

Welch große Verluste die Mant- und Klanensenche verursacht hat, geht aus einer Aufstellung des Rheini­schen Bauernbundes hervor, die den Verlust allein für den Kreis Cleve auf 2 380 577 Mark berechnet.

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Regerrevolte in Oklahoma. Wegen Lynchung eines Negers in Coveta, einer Ortschaft im nordamerikant schen Staate Oklahoma, rotteten sich die Neger in einer Anzahl von fünfhundert Mann zusammen und riefen and Reger aus der ganzen Nachbarschaft zu Hilfe. Die Weißen verbarrikadierten sich schleunigst mit ihren Frauen und Kindern in einem besonders festen Ge­bäude, das von den Negern belagert wird. Letztere ma­chen Anstalt, den ganzen Ort zu zerstören. Die Weißen haben wentg Munition und warten auf Entsaz durch eine Kompanie Nationalgarde, die im Anmarsche be­griffen ist. Die Neger sind gut bewaffnet und übertref= fen an Stärke und Zahl die Wetßen und Truppen. Man befürchtet ein blutiges Massafer.

Bankdirektor Ohm zurechnungsfähig. Wie aus Dortmund gemeldet wird, hat ein von dem Direktor der Provinzialheilanstalt Aplerbeck erstattetes Obergutach­ten über den Geisteszustand Ohms, des ehemaligen Dt­rettors der verkrachten Niederdeutschen Bank, Ohm für vollständig zurechnungsfähig erklärt.

Die sozialdemokratische Stichwahlvarole in Kon= stanz. Der Vorstand der sozialdemokratischen Partet Badens fordert in Uebereinstimmung mit dem deutschen Parteivorstand in einem offiziellen Aufrufe die Bartet­genossen auf, bet der am nächsten Freitag stattfindenden Stichwahl im Reichstagswahlkrets Konstanz- Ueberlin­gen für den nationalliberalen Kandidaten Schmidt zu stimmen.

Die wegen Spionage verurteilte französische Sprach­lehrerin Thirion wurde zur Verbüßung ihrer Strafe von mehreren Monaten Gefängnis nach Kottbus ge= bracht.

Ueber den Stand der deutsch- französischen Verhand Iungen läßt sich die Frankf. 3tg." aus Wien melden: Das hiesige Auswärtige Amt wurde von der deutschen und von der französischen Regierung vom prtn& t= piellen Abschluß der Marokkoverhandlungen ver­ständigt.

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Aus Eifersucht.

Roman von Mar Hoffmann.

Gine neue Stiftung Carnegies. Andrew Carnegie hat 120 000 Dollars zu einem Heldenfonds für Norwe­gen gestiftet.

Das erste Jahudenkmal in Amerika. In Cincin­nati ist unter großen Feierlichkeiten ein Jahndenkmal, ein Geschenk des Deu schtums an die Stadt, enthüllt worden Es ist dies das ccfc Jahndenkmal in Amerika.

Ein fiebzig Jahre alter Heiratsschwindler, der noch immer trop feiner vielen Lenze mit großem Erfolge ar beitet, ist vor einigen Tagen von der Berliner Krimt­nalpolizet verhaftet worden. Paul Breitkopf heißt der würdige Alte", der mit seinem stattlichen, langen, wet­Ben Barte äußerst distingutert aussieht. Er erblickte im Jahre 1841 in Schiesien das Licht der Welt. Schon in fungen Jahren gertet er auf die schiefe Bahn, so daß er wiederholt mit dem Gefet fowohl in Deutschland als auch in Desterreich in Konflikt gertet. So verhängte das Gericht in Wien im Jahre 1900 gegen den damals 59fährigen acht Jahre schweren Kerkers, dte er vor dret Jahren verblißt hatte. Seit dieser Bett beglückt er die Reichshauptstadt, wo er sich durch Inserate zunächst eine geeignete Braut" suchte. Diese fand sich denn auch in der Berson einer begütterten Witwe Frau B., der sich der stattliche Herr als Privatter und Realitätenbesiker aus Wien vorstellte. Nach einiger Zeit verlobten sich die beiden, und mun verstand es Brettkopf, feiner Braut im Laufe eines Jahres mehrere tausend Mart in bar und eine Hypothet über 40 000 Mart abzuschwindeln. Als er merkte, daß diese Stelle erschöpft war, löfte er das Verlöbnis und zog im Januar d. J. zu einer Frau A. in der Eisenacher Straße, bet der er bis zut seiner Verhaftung unangemeldet wohnte. Im Mat faufte er in Stealth ein Saus, natürlich ohne Geld, und verschrieb der Frau A. eine Snpothef über 40 000 Mark, obwohl er von ihr nur 2000 Mart erhalten hatte. Saum war dies geschehen, als er daran gina, fich 40 000 Mark zur Ablösung der Snoothek" zit beschaffen. Rufällta sah Frau B., das erste Opfer, Breitkopf auf der Straße; fte veranlaßte feine fofortige Berhaftung.

Gin franzöfifcher Luftballon landete am Montag abend bet Meckenheim im Rheinland. Der Ballon hatte vom Sturm schweren Schaden erlitten. Die beiden Jn= fassen hatten nicht unerhebliche Verletzungen an Händen und Armen davongetragen. Ste waren am Sonntag in Baris aufgestiegen.

( Nachdruck verboten.)' In dieser Richtung steht mir leider keine Einwtr­fung zur Verfügung," entschuldigte er sich lächelnd. " Im übrigen ist ja auch der etgentliche dunkle Punkt bet Herrn Doktor Waldow durch Ihre Bekenntnisse noch nicht aufgeklärt."

Was meinen Ste, Herr Untersuchungsrichter?" Nun, die Sache mit dem Geld."

Ein Einbruch in die Kirche wurde in der Nacht zum Dienstag in 3schorlau bet Dresden verübt. Die am Kreuze hängende Christusstgur wurde abgerissen, der Kronleuchter abgehängt, die Opferfiöcke erbrochen und thres Inhalts beraubt.

D, ich denke mir, daß ihm das Herr Regterungsrat Marleben als Honorar übergeben hat."

Die Versöhnung der feindlichen Serbenbrüder. Einer Meldung aus Belarad zufolge sind Prinz Georg und Kronprinz Alexander wieder versöhnt. Sie unter­nahmen gestern im Automobil einen Ausflug nach Wien, von wo sie zu mehrtägigen Aufenthalt nach dem Sem= mering wetterfahren werden.

Der geschmähte Dr. Cook. Der Nordpolentdecker" Coot ist mit feiner Frau am Montag in Kopenhagen eingetroffen. Auf dem Bahnhof hatte sich eine mehrere hundert Köpfe zählende Menge eingefunden, von der Cook mit Schmähungen überhäuft und verhöhnt wurde. Cook fuhr im Wagen zum Hotel. Der Boltzeipräsident hat zum Vortrag Coots ein starkes Polizetaufgebot in den Versammlungsfaal befohlen, um Cook gegen Tät­Itchketten zu schützen.

Die geheimen Amal". Die Untaten der schwar zen Hand" haben bei einem Teil der englischen Jugend Begeisterung erweckt und Nachahmung gefunden. In einer Gerichtsverhandlung in Chesterfield wurden die Streifzüge einer Bande von Knaben aufaedeckt, die fi die Geheimen Zwölf" nannten, Masken trugen und mit Schießwaffen und Meffern ausgerüstet waren. Die Bande fnff die Bewohner und die affonten Fee- tington- Moors ferrorisiert haben. Kürzlich erst murde des Abends an einem absetts gelegenen Blaße ein Mann angehalten und mit vorgehaltenem Revolver ersucht, seine Barschatf und Wertsachen herauszugeben: ein an= derer wurde durch einen Schuk ins Bett perfekt, her Anareifer entfam in der Dunkelhett. Eine größere Mö­belfirma erhielt vor einigen Tagen einen Drohbrief, der als Unterschrift die Sttaze einer schwarzen Hand auf­wies, und in dem sie aufgefordert murde, eine größere Summe zu hinterlegen, widrigenfalls die Geschäftshau ser der Firma in die Luft gefprenat mürden."

3wet Kinder vom Zuge herfahren und getötet. Bet Büsom t. M. wurden gestern dte sechsfährige und dte elfjährige Tochter einer Schnittersfrau, die mit ihren neun Kindern den nächsten Zug erwartete, von einem durchfahrenden D- Buge überfahren und getötet.

Jeßt mußte er wirklich laut lachen. Das war doch wohl ein wenig viel für die nicht gerade sehr häufigen Besuche eines einfachen praktischen Arztes!" und ga­Iant fügte er hinzu:" Ste dürfen das Honorar eines sol­chen nicht beurtetlen nach den Gagen, die ein berühmter Verteidiger, wie Ihr Herr Vater bezteht. Und wann soll­te übrigens die Einhändigung geschehen sein? Herr v. Marleben war an jenem Tage, als das Geld in seine Wohnung gebracht wurde, bereits bettlägerig, war im­mer unter Aufsicht und ist in derselben Nacht, wie die Obduktion festgestellt hat, am Herzschlag gestorben. Nein, diese Angelegenheit kann nur durch einen einzt­gen aufgeklärt werden, und das ist Doktor Waldow felbst."

So werde ich noch heute mit ihm sprechen," erklär­te sie entschlossen.

Ste fuhr empor. Mein Herr!" sagte sie beleidigt. Etne flammende Röte flog über ihr Gesicht.

Unterschlagung einer Goldbarrensendung. Aus et­ner großen Goldbarrensendung von London, die aus acht Kisten mit Goldbarren im Werte von über 1 min. bestand und fitr die Schweizerische Nationalbank in Bern bestimmt war, ist untermeas ein Goldbarren im Werte von 130 000 Fr. aestohlen worden. Die eine Kiste war vollständig ausgeräumt und mit Bleibarren ausgefüllt worden. Die Verpackung erschien zunächst unversehrt, doch entdeckte man später, daß die Kiste mit anderem Siegellack wieder verschlossen worden mar.

" Bitte! Bitte!" sagte er und erhob begütigend die Hand. Ich habe durchaus nicht die Absicht, Ste zu ver­lezen, gnädiges Fräulein, nichts Itegt mir mehr fern als das. Als Mensch habe tch ta das größte Mitleid mit dem Herrn Doktor und aufrichtiges Mitgefühl mit Ih­nen. Aber aber ich bin nicht bloß Mensch! Ich bin auch Richter, und als solcher habe ich, unbetrrt durch et­waige Regungen des Herzens und gemütvolle An­wandlungen, meines Amtes zu walten. Und es ist meine Pflicht, um mich selbst ganz vorwurfsfrei zu füh­Ten, gegen jeden verstehen Ste? gegen jeden volle Unparteilichkeit zu wahren und keinen anders zu behandeln, als es mein juristisches Gewissen vor= schreibt!"

Er richtete sich auf seinem Stuhle kerzengerade auf. Jetzt war er wieder ganz Jurist und Richter. Verzet­hung, gnädiges Fräulein, aber das ist ausgeschlossen. Denn von heute ab ist Doktor Waldow für niemand mehr zu sprechen, bis sein Verhör stattgefunden hat."

Also wird er schon als Gefangener behandelt?" " Das gerade nicht. Aber ich kann nicht erlauben, baß er vielleicht irgend welche Winke erhält

" Dann leben Sie wohl, Herr Untersuchungsrichter!" Sie wollte sich mit schlecht verhehltem Aerger zur Tür wenden.

Was ein Freitaa. der 13. foftet. In diesem Monat trat der immerhin nicht allzu häufige Fall ein, daß der 13. auf einen Freitag flet. Abergläubischen Menschen mußte dieses Rusammentreffen als ein fritisches Ereig­nis erster Ordnung gelten und höchste Vorsicht zur Bflicht machen. Was etn folcher Aberalaube für einen Einfluß auch auf das wirtschaftliche Leben haben kann, lehren einige Zahlen, die sich auf die Einnahmen fran­zösischer Bahnen beziehen. In Paris fanken die Ein­nahmen der Omnibusgesellschaften am fraglichen Tage um 8 Millionen Mart; die Südbahn bitte 12% Mint=

,, Nein, gnädiges Fräulein," sagte er milde und streckte ihr freundlich die Hand hin. Caffen Ste_uns nicht in dieser Weise scheiden! Ich hege die größte Hoch­achtung, ja Bewunderung für Sie und den Mut, mit dem Sie für Ihren Erwählten eintreten, und glauben Ste mir, es wird mir selbst schwer, Ihnen vielleicht wehe tun müssen. Aber ich muß. Ueber alles geht das Recht. Gefälligkeitsregeln haben da keinen Platz. Ha­ben Sie nur Vertrauen zu mir!"

Ste legte langsam ihre Hand in die setntge, und er wunderte sich, wie fest der Druck troß ihrer Kleinhett war.

Und grüßen Ste mir Ihren verehrten Herrn Va­ter!" bat er noch.

Engel des Lichtes, wie ein Bote aus einer reineren, besseren Welt als die, die ihn hter täglich umgab, ent­schwunden war.

Die junge Dame, der der alte Junggeselle mit so wehmütigen Empfindungen nachschaute, so daß es einer energischen Anstrengung seinerseits bedurfte, um sich wieder ohne Nebengedanken seinen Akten widmen zu können, begab sich trotz seiner Angabe, daß fene Pforte für sie verschlossen set, nach dem Krankenhaus, in dent der weilte, der thr mehr galt als alles in der Welt. Ste wollte es auf jeden Fall versuchen, ihn zu sprechen, thn zu trösten und ihm Mut in diesen schweren Tagen ein­zuflößen.

,, Danke sehr, mein Herr, ich werde nicht verfehlen!" versezte sie und ging nach einer graztösen Verneigung des Hauptes hinaus.

Er blickte mit einem Gemisch von Bewunderung und Nührung lanae nach der Tür, durch die sie wie ein

Aber der Richter hatte ihr nicht zuviel gesagt. Ste erhielt den Bescheid, daß der Zutritt zum Herrn Doktor fitr niemand erlaubt set.

Auf thre Frage, ob man ihn in den nächsten Tagen sprechen könne, zuckte man mit den Achseln und gab die ausweichende Antwort, daß das noch nicht feststände.

Ste wußte genug und fuhr nicht ohne Erbitterung gegen die starren Formenmenschen nach Hause.

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Die Mittagszeit war lange vorüber. Ihre Mutter empfing sie mit besorgtem Gesicht und der Frage, wo ste so lange gewellt habe? Das wäre doch noch nie vor= gekommen, daß sie das Diner versäumt habe. Ste wollte erst vorschützen, daß sie durch eine Freundin so lange aufgehalten worden set; denn es war ihr peinlich, jetzt wieder mit ihrer etwas ängstlich veranlagten Mutter über die ganze Sache zu sprechen. Da aber trat der Justizrat ein. Er sah sie unzufrieden an. " Ich weiß nicht," begann er, Du gefällst mir in der letzten Zeit gar nicht mehr recht, Emmt. Ich meine na= türlich nicht Detne Itebe Person, sondern Deine Stim= mung und Dein verändertes Wesen. Machst Du Dir noch immer Gedanken wegen des Doktors? Ich sollte meinen, Du müßtest doch allmählich darüber hinwegkom­men."

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