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Eine Beſteigung des Fuji- no- yama.

gegen 6 Uhr Gotemba,*) von wo die Bahn nach Tokio führt. Der Abstieg ist natürlich viel leichter als der Aufstieg. Ob­wohl es schon ziemlich spät war, um noch die Tour nach dem Gebirge Hakone zu unternehmen, machten wir uns dennoch auf den Weg.

In der dunklen Nacht fiel uns der steile Pfad etwas be­schwerlich. Wir hatten geglaubt, daß das Gebirge von Gotemba höchstens 28 km entfernt sei und wir es in 4 Stunden bequem erreichen könnten. Wir hatten jedoch die Entfernung unterschätzt; denn als wir auf dem Gipfel Otome. toge antamen, war es bereits nach 7 Uhr. Gegen 10 Uhr tamen wir in das Dorf Sengokudani, das wir irr­tümlicherweise zuerst für Hakone hielten. Hakone war jedoch noch etwa 12 km entfernt.

In tiefster Finsternis setzten wir unter Fackelbeleuchtung unsern Weg fort. Für die Gebirgsbewohner war unser nächtlicher Fackelzug ein seltenes Schauspiel. Nachdem wir den steilen Abhang hinabgestiegen waren, kamen wir kurz vor Mitternacht an ein großes Haus. Die Tür war jedoch ge­schlossen, und wir vernahmen, abgesehen von dem fortwährenden Zirpen der Grillen, keinen Laut. Weit und breit war auch kein Licht zu erblicken, und nur die Leuchtkäfer flogen umber.

artigen Ablick; fortwährend spritzt der weiße Schaum der an die Felsen anprallenden Wellen hoch empor. Das tiefe Tal ist von zahlreichen hohen Bergen umgeben, die mit schönen Fichten und Tannen bewaldet sind und Kiga und Sokotura teilweise umgrenzen. Felsen von sonderbaren Formen, stellen­weise mit buntem Moos bewachsen, stellenweise ganz kahl, geben den Bergen ein romantisches Aussehen. In der Nähe eines Felsens gab es viele Fichten in horizontaler Richtung, einige waren sogar mit den Kronen nach unten gerichtet ge­wachsen. Wir hatten das Gefühl, als cb die schöne Frühlingszeit wieder­gekommen wäre, denn trotz der heiße. sten Jahreszeit war die Temperatur sehr angenehm. Der Tag bricht hier sehr spät an, und nur ab und zu kann man zur Mittagszeit die Sonnen­strahlen auf dem Gipfel des Berges sehen. Die Betrachtung der kleinen und großen von Fels zu Fels springenden Wasserfälle ist ein großartiger Ge­nuß. Wir ergötzten uns an der herr­lichen Umgebung und erquickten uns an den heißen Brunnen, die unsere Gemüter zu frischem Leben erweckten. Am nächsten Morgen nahmen wir die Sehenswürdigkeiten Sakones in Augenschein. Es gibt dort viele heiße Brunnen, von denen die Mehrzahl ebenso berühmt ist wie die Mineral­bäder. Im Sommer wird der Ort mit seinen zahlreichen schönen Häusern von vielen Fremden aus Tokio und andern Orten besucht. Am Abend kehrten wir in unser Gasthaus zurück, das, am Ufer des Flusses inmitten einer reizenden Landschaft gelegen, ein angenehmer Aufenthaltsort war. Die Zimmer des zweistöckigen Gebäudes waren schön und behaglich eingerichtet; der Garten enthielt einen Hügel und einen Teich, in dem ein Wasserfall, unter den zerstreuten Felsen des Hügels durchfließend, sein kristallhelles Wasser

Ein Blick vom Fuji.

Einer der Mitreisenden machte uns schließlich auf den leisen Klang einer Glocke aufmerksam. Wir horchten, konnten aber nicht feststellen, aus welcher Richtung der Schall tam. Ohne weitere Erlebnisse erreichten wir bald ein kleines Dorf, wo ein Licht uns vermuten ließ, daß die Bewohner noch nicht zur Ruhe gegangen seien. Wir betraten das betreffende Saus, um uns nach dem Wege zu erkundigen und uns eine Laterne zu leihen. Die Bewohner waren jedoch schon schlafen gegangen. Auf unser wiederholtes Klopfen öffnete endlich ein älterer Mann, den wir in seinem Schlummer gestört hatten. Sich die Augen reibend fragte er nach unserm Begehr. Wir erfuhren dann, daß das zu Hakone gehörige Dorf Kiga noch einen halben Kilometer ent­fernt sei. Mit einer Laterne konnte er uns leider nicht dienen.

Als wir an eine Brücke kamen, bemerkten wir, daß ein Mann mit

einer Laterne auf uns zukam. Der Träger, ein alter Serr, lud uns ein, ihm zu folgen. Wir gingen mit ihm, bis er einen andern Weg ein­schlagen mußte. Beim Abschiede zeigte er uns den schmalen Pfad, der nach dem Gast. hause führte. Es war bereits 1 Uhr morgens, als wir in Riga ein­trafen, wo wir das Gasthaus nicht finden konnten. Wir wurden jedoch in einem andern

Straße in der Nähe von Hakone.( Lastentransport in Japan.)

Saus aufgenommen, wo man uns einige Tassen Soba( eine Art Makkaroni) verkaufte. Eine Frau führte uns schließlich nach dem Gasthause.

Von der Reise auf dem steilen Wege etwas ermüdet, hatten wir beim Eintritt in das Gasthaus das Gefühl, als ob uns in der Hölle ein Buddha zu Hilfe gekommen wäre. Das Dorf Riga gilt wegen seiner landschaftlichen Schönheit als einer der herrlichsten Plätze. Ein tosender im Tale dabineilender Fluß bietet mit seinen vielen gigantischen Felsen einen groß­

*) Europäische Touristen werden den Aufstieg gewöhnlich von Gotemba unternehmen, da dieser Weg der bequemste und kürzeste ist. Die Red.

herabfallen ließ.

Schwarze Karpfen und schöne Goldfische belebten den Teich. Aus den anderen Gast­häusern tamen viele Damn und Herren zu uns, um sich an den landschaftlichen Schön­heiten zu ergötzen und die Fische zu füttern.

Da wir noch den berühmten Sakone­See besuchen wollten, so machten wir uns am andern Tage auf dem Wege dorthin. Obwohl der Weg etwas schlechter und der Aufstieg über Steine und Felsen stellenweiſe schwierig war, überwanden wir alle Hindernisse mit Leichtigkeit und er­reichten ohne große Er­müdung den Gipfel Dzigokudani, der auch als öllental" bezeichnet wird. Die

zahlreichen heißen Brunnen sind mit grau- grünemSchlamm gefüllt, und unange­nehme Dünste steigen daraus hervor. Am andern Ufer angelangt, fetten wir unsern Weg dem Ufer entlang fort und sahen, wie der Mond langsam über einen Gipfel des Sakone- Gebirges zum Vorschein kam.

Am nächsten Morgen verließen wir Kiga und gelangten nach dem Besuch mehrerer anderer Bäder nach Odawara. Wir setzten unsere Reise längs der Küste nach Dzushi fort, wo sich viele Badeplätze befinden. Unsere Reise dauerte 8 Tage, und wenn wir auch etwas beschwerliche Wege zu gehen hatten, so war die Tour doch äußerst interessant und genußreich gewesen. Noch heute denke ich mit vielem Vergnügen daran zurück.

Jn Schweden.

Holzlandhäuser grüßen, wechseln ganz unvermutet mit jach niederstürzenden Steinklippen, wo Moos und Heide wuchern, und düstere Föhren zur Nachtzeit gespenstisch in den Himmel ragen. Höchste Kultur und ungebändigte nor­dische Hochlandsnatur reichen sich da die Hände.

Breit und luftig, vornehm und solide gibt sich Stockholm in seinem heiteren, glänzenden Stadtbilde. Und dieses Sonnige prägt sich auch im Gesicht seiner Bewohner aus. Sonnig und gesund. Man freut sich immer wieder der hohen, kräf tigen Mannesgestalten, der blonden Schönheiten des weib­lichen Geschlechts.

Gilt der Vormittag den zahlreichen Sehenswürdig keiten der eigentlichen Stadt, zu denen ich übrigens auch die anziehenden und oft kunstreichen Auslagen der dicht anein­ander gedrängten Basare rechnen möchte, so gehören die Stunden des Nachmittags und Abends der weiteren Um­gebung. Wohl jeder besteigt am Ritterholmskai einmal einen der flinken Dampfer, um ein Stück den Mälar- See sich entlangtragen zu lassen. Und dann die Augen recht weit auf! Was an den Ufern und Inseln an uns vorüber­zieht, das bietet unendlich viel Anmutiges!

Schloß Drottningholm auf der Insel Lofö zählt zu den berühmtesten Zielen aller Besucher Stockholms. Eine kleine Stunde gleitet das Dampfboot zwischen den Eilanden des Mälar- Sees entlang. Bei einer Biegung unseres Schiffes taucht unter Riesenbäumen mit einem Schlage das Schloß herauf. Weite Rasenflächen dehnen sich im Vorder­grunde. Der sommerliche Sitz der Königsfamilie sieht so heiter, so frisch aus. Ein wenig versonnen, weltabgewandt.

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Doch das Schloß, dem 17. und 18. Jahrhundert entstammend, hält bei näherer Besichtigung nicht Wort. Verfall, Trauer, Verlassenheit sind wie tiefe Furchen in den Bau eingeprägt.

Noch wechselreicher und länger gestaltet sich eine Dampfer­fahrt nach der eleganten Sommerfrische Stockholms, dem Seebade Saltsjöbaden, das sich höchst malerisch auf einer Halbinsel des Baggensfjärden zwischen Fels, See und Wald aufbaut. Hier haben wir Ausläufer der Ostsee um uns fluten. Landsit reiht sich an Landsiz, von Gärten um­geben. Dahinter steht der dunkle, granitdurchsetzte Hochwald. Eine Brücke verbindet den Ort mit einer kleinen Insel, die als Stelldichein der Großstadt, wie sämtlicher Fremden, das Gasthaus auf erhöhtem Punkte trägt.

Wer heute Stockholm aufsucht, der kann nicht mehr an dem gewaltigen Bau des Nordischen Museums achtlos vorübergehen. Dieses, wie das auf Stansen gelegene Freilichtmuseum ist der unermüdlichen Tätigkeit, An­regung und Opferfreudigkeit eines einzigen Mannes zu danken: Dr. Arthur Hazelius. Er starb im Jahre 1901 und ist droben inmitten seiner letzten Schöpfung auf Skansen unter einem Granitblock begraben worden. Die Kultur des Nordens ist in diesem Museum vereinigt, und, um Natur- und Völker­kunde des Nordens zu erweitern und festzuhalten, ward dann noch auf Skansen das so eigenartige Museum errichtet.

Durch die Fährschiffverbindung Saßnitz- Trelleborg ist bekanntlich ein neuer und schneller Verkehrsweg zwischen Deutschland und Schweden geschaffen worden. Der Dampf­fährenverkehr wurde am 6. Juli 1909 von Kaiser Wilhelm und König Gustav eröffnet.

Ein ländliches Jdhl aus Schweden.